Unsere Robinson Crusoe-Erfahrung beim Belize Barrier Reef

Unser Zelt unter den Palmen am Meer

Am Sonntag morgen nahmen wir in Sittee River das Boot aufs Glovers Reef Atoll. 99 US-Dollar pro Person pro Woche, um im eigenen Zelt auf der Insel zu übernachten inkl. 3 stündige Bootsfahrt hin und zurück. Das Angebot ist unglaublich gut, kostet nur schon ein Tagesausflug in Belize normalerweise mindestens 100 Dollar. Die Haken sind einzig, dass man für die ganze Woche auf der Insel feststeckt – vorher zurückkehren können wir nur, wenn wir für ein Vermögen selbst ein Boot chartern, was nicht in Frage kommt. Mit anderen Worten, wenn das Wetter nicht mitspielt oder man mit den Gastgebern nicht klar kommt (anhand der Rezensionen kommt das häufiger vor, sie sind auch ein wenig speziell), hat man ein Problem. Weiter müssen wir, um günstig wegzukommen, alles selbst mitnehmen (Zelt, Ausrüstung, Essen). Es wird zwar auf der Insel zu den Mahlzeiten jeweils etwas gekocht, aber mitzuessen ist ziemlich teuer. Weiterer Haken: Es gibt keine Elektrizität damit auch kein Kühlschrank, kein Internet und nur sehr beschränkt fliessend Wasser: Gesammeltes Regenwasser zum Duschen und Hände waschen. Abgespült und gewaschen wird mit Meerwasser.

Das Glovers Atoll ist eines von 3 Atollen im Belize Barrier Reef (nach dem Great Barrier Reef Australiens das zweitgrösste Riff der Welt). Ein Atoll zeichnet sich normalerweise durch ein ringförmiges Riff aus, in welcher sich eine Lagune bildet, die oft weit weniger tief und wild ist als das Meer ringsherum und oft auch viele kleine Riffs beinhaltet. So verhält es sich auch beim Glovers Atoll: In der „Lagune“ befinden sich über 700 kleine Riffs, das ringförmige Riff ringsum befindet sich teilweise tot / ausgetrocknet an der Oberfläche, so dass wir teils drauf laufen können. Das Glovers Atoll hat einen Umfang von über 80 Kilometern und beinhaltet neben den Riffs auch ein paar Inseln – eine davon unser Zuhause für eine Woche.

In der Hängematte chillen zum Sonnenuntergang

Wir gingen mit gemischten Gefühlen – Anouk hatte ein wenig Angst mit Gedanken à la: Was machen wir nur die ganze Woche, ohne Internet kann man die Zeit ja nicht mal sinnvoll nutzen für die Reiseplanung; Fotos aussortieren ohne Strom und damit ohne Laptop geht auch nicht und was passiert wenn dann sogar der E-Reader kein Akku mehr hat?… Man sieht also, wir haben diese Auszeit vielleicht auch nötig 🙂
Und so packen wir alles zusammen, verabschieden uns schwermütig vom Land Cruiser und fahren mit dem kleinen Motorboot, mit einem Gastgeber und 5 weiteren Touristen 3 Stunden durch das wilde aber teils wunderschöne türkise Meer vorbei an vielen Trauminseln, um dann vollkommen durchnässt auf dem Atoll anzukommen. Der erste Eindruck war einfach nur… Wow! Eine Insel wie im Ferienmagazin. Eine kleine Palmeninsel umgeben von türkisfarbenes Meer. Die Insel ist mit 5 Hektaren richtig klein – in 5 bis 10 Minuten sind wir einmal ringsum gelaufen. Die Wege sind markiert mit schönen Riesen-Flügelschnecken (Conch im Englischen), die hier überall im Meer zu finden sind und neben Deko auch gerne als Nahrung dienen. Neben den Regenwasser-Duschen hat es Komposttoiletten, eine Gasflasche zum Kochen und ein paar simple Über-Wasser-Hütten als Unterkunft für Gäste, die ein wenig mehr zahlen. Besonders cool ist die Kokos-Öffnungsstation: Ein Beil im Boden, um den äusseren Teil der Kokosnuss zu entfernen, ein paar Macheten um sie aufzuschlagen und eine Eisendrehkurbel, um aus dem Fruchtfleisch Kokosraspeln zu machen. Raphi hat aber seine Kokosöffnungsfähigkeiten mit seiner neuen Machete schon längst perfektioniert (Anouk schreibt den Text, ist also kein Eigenlob :)). Die ganze Insel ist voll von Kokospalmen und der ganze Boden mit Kokosnüssen bedeckt. Das wars dann mit den Einrichtungen. Wir sind die einzigen, die im Zelt schlafen, die wenigen anderen übernachten in den Überwasserhütten. Wir finden ein schönes Plätzchen für unser Zelt, abgeschieden vom Rest, direkt vor dem Riff zum Schnorcheln. Wir passen auf, das Zelt nicht direkt unter Kokosnüssen hinzustellen. Gerüchten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer fallenden Kokosnuss zu sterben nämlich 15 mal so hoch wie durch einen Haiangriff umzukommen.
Wir richten uns ein, Raphi baut aus Palmenüberresten einen Tisch. Die Hängematte hängen wir zwischen 2 Palmen auf und für das die Woche gemietete Kajak baut Raphi einen kleinen Hafen. Damit haben wir unser kleines Paradies fertig eingerichtet.

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unser Aufenthalt und die Insel übertreffen alle unsere Erwartungen. Schnorcheln können wir direkt vom Ufer aus in den vielen kleinen Patch-Riffen (eben über 700 in diesem Atoll). Wenn wir Abwechslung wollen, nehmen wir das Kajak und fahren weiter weg zum Schnorcheln. Raphi meint es sei das schönste Riff, welches wir gesehen haben, auch schöner als was wir vom Great Barrier Reef in Australien gesehen haben. Anouk will sich nicht festlegen. Wir sehen auf jeden Fall einigermassen bunte Korallen und viele farbenfrohe kleine bis riesige Fische, Haie, die bis ans Ufer kommen, riesige Manta-Rochen, Moränen und unzählige von den hübschen Conch-Riesenschnecken. Kajakausflüge unternehmen wir zum Beispiel auf eine 10 Quadratmeter grosse Miniinsel, zu Riffen und Raphi oft zu Stellen wo er gut fischen kann. Da es windig ist und damit hohe Wellen hat, sind wir mit der Distanz leider eingeschränkt. Neben dem Wind hatten wir aber Glück mit dem Wetter – die ganze Woche durch war es strahlend sonnig. Von der Insel aus geht eine ca. 15 KM weite Riffkruste über Wasser, welche den Rand des Atolls bildet und auf welcher man laufen kann. Hier brechen die Wellen der Karibik und neben der Kruste, auf der Aussenseite des Atolls, geht es steil runter – ca. 20 Meter, dann graduell tiefer bis zu 2000 Metern. Wir geniessen den Spaziergang auf der Riffkruste, getrauen uns aber nicht zu weit. Obwohl sich vieles über dem Meeresspiegel befindet und tot ist, befinden sich doch auch noch Lebewesen auf der Kruste und wir wollen nichts zerstören.

Instant-Fondue auf dem Feuer unter Palmen

Ansonsten geniessen wir es einfach mal nichts zu tun, d.h. sich weder um Reise-Vorbereitung (Planung) noch -Nachbereitung (Fotos aussortieren, Blog etc) zu kümmern – Anouk kommt endlich mal zum Buch lesen und Raphi, wenn er nicht gerade fischt kümmert sich um die Inselpflege: Er pflanzt die bereits spriessenden Kokosnüsse schön, füttert Hermit Crabs oder platziert sie um, so dass sie nicht gerade zertreten werden 🙂 Auf der Insel wimmelte es nur so von den süssen Einsiedlerkrebsen / Hermit Crabs, die sich als Schutz ein Schneckenhaus suchen und damit umherkrabbeln. Deswegen müssen wir bei Dunkelheit besonders aufpassen, wo wir hintreten. Umso beunruhigender sind dafür die vielen reflektierenden Augen in der Dunkelheit – das sind alles Spinnen. Zudem haben wir einen Riesenkrebs gesehen, dessen Körper ohne Beine schon so gross wie ein Fussball ist und manchmal haben Adler vorbeigeschaut. Unzählige Geckos und Eidechsen fressen die Ameisen und Mücken, worüber wir dankbar sind und dann wars das auch schon mit der Fauna auf der Insel. So geht die Woche auch ohne Strom, Internet und Co. schnell rum und am Samstag vor Ostern kommen wir wieder in der Marina an.

Raphi klettert El Castillo hoch

Ostern in Belize

Die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern ist ein riesiges Ereignis in Lateinamerika, besonders in Guatemala, was wir aufgrund des Atolls nun leider verpasst haben. Wir fahren von der Küste nach San Ignacio, wo wir am Montag die Grenze überqueren wollen. Den Ostersonntag verbringen wir mit Wäsche machen und putzen. Leider sind auch in Belize die Hauptfeierlichkeiten schon vorüber. Auf Schoggihasen und -eier müssen wir Schweren Herzens verzichten, aber die Menschen befinden sich in Feierlaune und beim benachbarten Fluss gibt es ein grosses Festival, welches uns beim Putzen schön mit Hintergrundmusik unterhält. Wir besuchen ausserdem, nachdem wir einmal mehr einen Fluss mit einer Handkurbelfähre überquert haben, die Xunantunich-Ruinen. Bei diesen Maya-Ruinen beeindruckt uns vor allem der mit schönen Stuckfries-Bildnissen versehenen, über 30 Meter hohe Tempel El Castillo – die zweithöchste von Menschen geschaffene Struktur in Belize. Darauf geniessen wir eine wunderschöne Aussicht ins benachbarte Guatemala, und die grüne, dschungelhafte Hügellandschaft.
Wir werden von ein paar netten Amis, darunter der Ex-Bürgermeister von San Ignacio (50 Jahre her) auf ein Bier eingeladen und bereiten dann noch den Grenzübertritt für morgen vor. Ja, Belize haben wir in diesen 2 Wochen wahrhaftig ins Herz geschlossen und können auch hier eine Reise hin nur wärmstens empfehlen!

Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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