Stromatolithen in der Laguna de Bacalar

Paradiesische Gewässer zum Abschied von Mexico

Unsere letzte Woche in Mexico bricht an. Wir fahren in unseren letzten mexikanischen Bundesstaat, der gleichzeitig unser erster war (im Juli mussten wir 2 Wochen in Mexico verbringen, bevor wir in die USA einreisen durften) – Quintana Roo.

Insel Holbox

Chillen in der Hängematte

Hier parken wir den Land Cruiser am Pier und nehmen um 6 Uhr morgens die erste Fähre auf die Insel Holbox. Somit haben wir den ganzen Tag und sparen trotzdem die Übernachtung auf der Insel. Holbox ist ca. 40 Kilometer lang und 1.5 Kilometer breit, wobei der grösste Teil unzugänglich und als Biosphäre für die über 150 Vogelarten geschützt ist. Ansonsten bietet die Insel Traumstrände, Mangroven und ein gemütliches Inseldorf. Der einzige Verkehr sind Golf-Carts und Fahrräder.
Wir geniessen einen Tag lang das Inselleben. Wir bewundern die Murals / Wandmalereien im Dorf, laufen von Strand zu Strand, und bei Sonnenaufgang und Ebbe über eine Sandbank zum Naturschutzgebiet. Am Strand holen wir Schlaf nach und machen es in den fotogenen Hängematten gemütlich, bevor wir zu Happy Hour Drinks den Sonnenuntergang geniessen und dann die Fähre zurücknehmen.

Küste von Quintana Roo

Wir fahren weiter südlich. Cancun als letzte grössere Stadt suchen wir auf, um einzukaufen und Wäsche zu machen. In Xpu-Ha treffen wir uns für eine Übernachtung mit einer deutschen Familie auf einem Campingplatz am Strand. Es ist verflixt: Die Strände an dieser Karibikküste sind wieder voller stinkendem Seegras – ins Meer zu gehen ist unmöglich. Die Familie versichert uns, dass vor 2 Tagen noch absolute Traumstrandverhältnisse herrschten. Wir hatten ja bereits im Juli an dieser Küste schrecklich viel Seegras. Auf unsrer Reise durch Mexico sind wir so vielen Menschen begegnet, die uns versicherten, dass bei deren Besuch kein Seegras vorhanden war und so haben wir uns darauf gefreut die schöne Quintana Roo Karibikküste von Cancun bis Tulum ohne Seegras zu erleben. Diesbezüglich haben wir wohl aber einfach Pech. So flüchteten wir bald wieder vom Meer.
Wir suchten nochmals die Cenote Azul auf, in welcher Anouk im Juli ihr Handy geschrottet hat und gönnten uns dort die kostenlose Fischmassage: In der Cenote leben Tausende von Fischchen, welche wenn man ruhig bleibt, anfangen die abgestorbene Haut von den Füssen und Beinen wegzuzupfen – sehr angenehm 🙂 Wir besuchten nochmals kurz Playa del Carmen, um in unsrem Lieblingsrestaurant zu essen, und uns würdig vom leckeren mexikanischen Essen zu verabschieden.

Laguna de Bacalar und Mahahual

Wieder mal Hängematten – diesmal auf der Laguna de Bacalar

Vor dem Grenzübertritt besuchen wir noch den 55 Kilometer langen See Laguna de Bacalar. Er ist auch als Lagune der 7 Farben bekannt, da der weiss-sandige Boden für so viele Schattierungen in wunderbarem Blau sorgt. Viel vom See und den Inseln ist Naturschutzgebiet, um zum Beispiel Vögel oder Stromatolithen zu schützen. Stromatolithen sind die erste Form von Leben, die auf der Erde existierten. Die Zellgruppierungen verformen sich zu Gesteinen, welche Sauerstoff freigeben und somit die Atmosphäre, wie wir sie heute kennen, erst ermöglichten. Nur an wenigen Orten auf der Welt kann man sie noch beobachten und Bacalar ist einer davon. Wir finden einen einfachen Campground direkt am See, machen vor der Grenzüberquerung nochmals einen Grossputz und mieten Kanus, um die 7 Farben des wunderschönen Sees zu entdecken.
Wir geben der Küste nochmals eine Chance und machen einen Abstecher nach Mahahual, bekannt dafür, dass man da gut schnorcheln kann. Aber auch hier, zu viel Seegras, um ins Wasser zugehen. Wenigstens finden wir noch einen schönes Übernachtungsplätzchen neben Kokospalmen am Meer und essen nochmals richtig viel Kokosnuss. In Chetumal, der Grenzstadt machen wir noch letzte Besorgungen (Belize ist teuer!), feiern bei Drinks unseren Hochzeitstag und übernachten gut bewacht vor der Polizeistation, so dass wir morgen früh die Grenze überqueren können.

Fazit Mexico

Unser letztes Übernachtungsplätzchen an Mexiko’s Karibikküste

Wir hatten damit gerechnet 6 Wochen in Mexico zu verbringen woraus nun volle 3 Monate wurden. Trotzdem mussten wir sehr viele Orte auslassen, die wir gerne gesehen hätten und waren eigentlich jeden Tag unterwegs, aber das Land ist einfach riesig. 11’000 Kilometer haben wir hier gemacht, gefühlt aber mehr, da wir aufgrund der Strassenverhältnisse nur noch mit ca. 50 KM/h vorankamen.
Unsere Erwartungen bezüglich Mexico wurden vollkommen übertroffen, insbesondere was unsere Sicherheitsbedenken anbelangte. Wir hatten grossen Respekt vor Mexico und sind nun ohne eine einzelne schlechte Erfahrung durchgekommen. Nicht mal auf korrupte Polizisten sind wir gestossen und auch nicht Opfer eines Betrugversuchs geworden (z.B. bei Tankstellen). Wir haben oft wildgecampt, haben nach dem Kostenschock bei der ersten Mautstrasse komplett auf die sicheren Mautstrassen verzichtet (sonst wären wir jetzt arm), sind durch Zapatista-Gebiet gefahren und wir leben noch. Klar haben wir aufgepasst und gesunden Menschenverstand walten lassen, aber grundsätzlich ist die Lage nicht so prekär für Touristen, wie man dank den Medienberichten glaubt.
Die Vielfalt und Schönheit der Natur, die bunte und lebendige Kultur, die herzliche Gastfreundschaftlichkeit haben uns begeistert. Allgemein waren die Menschen sehr freundlich. Uns hat zu Beginn der fast schon grimmige Gesichtsausdruck Vieler ein wenig verunsichert. Man muss sich daran gewöhnen, dass der anfängliche Grundgesichtsausdruck nicht viel mit der Stimmung zu tun hat – sobald man nämlich grüsst oder lächelt verwandelt sich die Mimik in absolutes Strahlen und Herzlichkeit. Die wunderschönen bunten Städte und auch mit wieviel Liebe und Fantasie die Häuser, Cafés, Restaurants teils dekoriert und ausgestattet sind, haben uns auch sehr zugesagt. Das Meereswelt mit seinen Bewohnern um das Baja Peninsula und die Baja selbst mit den vielen einsamen Orten und Stränden haben uns total fasziniert.
Das Essen war auch super lecker und wahrscheinlich deutlich besser, als wir es in Zentralamerika erleben dürfen, wo es dann viel Reis und Bohnen geben wird.
Wir können Mexico wärmstens als Reiseland empfehlen und zwar hauptsächlich das Land ausserhalb der Touristenhochburg Quintana Roo.
Auf der anderen Seite – klar – man mussaufpassen. Das Land befindet sich im Drogenkrieg und was teils passiert, ist grausam. Auch bezüglich Femizide weist das Land traurige Werte auf – 10 Frauen werden pro Tag ermordet und von den Morden bleiben 90% ungeklärt und unbestraft.
Nervig fanden wir die vielen Topes (Geschwindigkeitsschwellen aller möglichen Höhen und Arten), die einem ständig zum bremsen zwingen und die einem das Auto mit der Zeit zerstören (haben schon von einigen Achsenbrüchen aufgrund von Topes gehört). Das Topesbauen ist total aud dem Ruder geraten – Jeder Strassenstandbesitzer bastelt vor seinem Stand ein Topes, damit die potentiellen Kunden abbremsen müssen. Aber diese Topes werden uns scheinbar in gesamt Lateinamerika begleiten.
Bisschen schade fanden wir auch, dass alles kommerzialisiert ist, was teils sicher der Menschendichte zu verdanken ist (Mexico hat doppelt so viele Menschen pro Quadratkilometer wie die USA). Wirkliche Wildnis findet man kaum, für jeden Wasserfall zahlt man irgendwie Eintritt und aus jeder kleinen Naturattraktion wird auch gleich ein Vergnügungspark geschaffen mit Ständen, Ziplines und Co.. Ganz traurig war der Müll überall, da bringt auch das Zusammenlesen nicht viel, da er oft wieder zurück in der Natur entsorgt wird. Das Einzige was man machen kann, ist weniger zu produzieren.
Aber wie gesagt, abgesehen davon hat uns Mexico wahnsinnig gut gefallen und wir bedanken uns von ganzem Herzen für die wunderschöne Zeit!

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Las Coloradas und Karibik

Pinke Seen, gelbe Städte, grüner Dschungel, blaue Cenoten – eine farbenfrohe Woche

Palenque

Palenque

Begonnen haben wir die Woche mit einem Besuch der Maya Ruinenstadt Palenque. Mitten im Dschungel gelegen strahlt der Ort eine romantisch-aufregende Dschungel-Ruinen Stimmung, ein wenig à la Indiana Jones, aus. Diese Erfahrung hätte man wohl „bereichern“ können, wenn man von den zahlreichen Verkäufern vor den Ruinen Magic Mushrooms gekauft hätte, was wir aber dankend abgelehnt haben 🙂
In seiner Blütenzeit im 7. Jahrhundert hat das Herrschaftsgebiet von Palenque bis El Salvador gereicht. Vieles an Geschehnissen und an der Geschichte der Maya ist in Palenque in zahlreichen Hieroglyphen verewigt, für Forscher extrem hilfreich. Der damalige Herrscher Pakal wurde in einem riesigen, ausgiebig geschmückten Grab und mit einer ausserordentlichen Todesmaske aus Jade begraben, leider wird man nicht mehr ins Grab gelassen. Nach Misserfolgen wurde die Stadt um ca. 900 nach Chr. verlassen und erst nach Eintreffen der Spanier wiederentdeckt. Bis heute wurde wahrscheinlich erst 5-10 % der Stadt ausgegraben. Um die Ruinen herum haben wir noch Spaziergänge durch den Dschungel und zu weiteren Ruinen machen können und bekamen das erste Mal in Mexico Brüllaffen zu Gesicht.

Raphi vor dem alten Stadtkern Campeches

Campeche

Nach Palenque fuhren wir weiter an den Golf von Mexico im Bundesstaat Campeche auf dem Yukatan Peninsula. Der wunderschönen Küste entlang fahren wir bis zur gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaats.
Campeche ist eine wunderschöne, sympathische Stadt am Meer, auch diese geschützt als UNESCO Weltkulturerbe. Die Häuser sind pastellfarben, es hat ein paar schöne Kathedralen und ein grosser Teil der alten Stadtmauer ist noch zu sehen.
Die Handelsstadt wurde nach Eroberung durch die Spanier anfangs 16. Jahrhunderts sooft von Piraten attackiert, dass Stadtmauer und Festungen gebaut wurden. Ob die Angriffe aufgrund dessen aufgehört haben oder einfach weil sich rumgesprochen hat, dass es in der Stadt nichts zu holen gibt, ist nicht abschliessend geklärt. Die Polizei patrouilliert in süssen Minielektrofahrzeugen, die Gehsteige sind so hoch, dass es kleine Treppchen gibt und die Autofahrer halten sogar bei Fussgängerstreifen an, was uns total schockiert hat. Ja, die Stadt hat wahrlich Charme versprüht und uns gefallen, so verschlafen und hübsch wie sie war. Nach der Bewunderung des Sonnenuntergangs an der Strandpromenade und dem Abendessen in der süss beleuchteten Altstadt fühlen wir uns auch hier sicher genug einfach an der Strandpromenade im Auto zu übernachten.

Mérida und Izamal

Raphi in Izamal

Danach fahren wir weiter der Küste entlang. Beim nächsten einsamen Strandplätzchen welches wir zum Übernachten aussuchen, werden wir das erste Mal so richtig von Mücken aufgefressen. Unsere neu gekaufte Mückenlampe und das Mückengitter bei den Fenstern helfen da auch nicht viel. Es ist so krass, dass wir nicht mal was kochen, da wie wissen, dass innerhalb von Sekunden unser Essen voll von Insekten wäre. So flüchten wir am nächsten Tag nach Mérida, der Hauptstadt von Yukatan. Merida ist die scheinbar zweitsicherste Stadt vom ganzen amerikanischen Kontinent (nach Quebec in Kanada). Nach so vielen tollen Städten hat uns Mérida aber nicht umgehauen. Wir haben uns eine Nachstellung des Maya Ballspiels „Pok Ta Pok“ angeschaut, dessen Spielgrund wir jetzt schon bei einigen Ruinen gesehen haben und uns mit Reisenden aus Alaska zum Yukatanisch essen verabredet. Als wir weiter sind, hat es das erste Mal richtig geschüttet. Ja die Regenzeit kommt langsam – zum Glück gibt es Cenoten! Besser als Mérida hat uns dann die Stadt Izamal gefallen, eine Stadt ganz in gelb. Alle Häuser, das Kloster, die Kirchen, ja sogar die mexikanischen Papierfähnchen (Papel Picado), welche über der Strasse hängen – alles war gelb. Interessanterweise weiss niemand genau wieso dem so ist – eine Theorie besagt, dass die Stadt für den Besuch vom Papst 1993 gelb angemalt wurde, andere sagen sie wurde zu Ehren des mayanischen Sonnengottes gefärbt. Zentrum ist das schöne gelbe Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua – einmal mehr errichtet auf einer Maya Ruinen.

Raphi in der Ik-Kil Cenote

Cenoten und Coba

Cenoten sind einfach wunderbar. 3 dieser eingestürzten Karsthöhlen, die Zugang zu mit Wasser gefüllten Grotten und Unterwasserhöhlensystemen geben, haben wir schon im Juli aufgesucht. Da es auf der Yukatan Halbinsel aber über 6000 davon gibt, möchten wir noch ein paar mehr erkundigen. An unsrem Regentag haben wir eine fast geschlossene Cenote (Hool Kosom) besucht, so blieben wir vom Regen verschont. Zum Glück regnete es nur einen Tag lang und so konnten wir danach auch offene Cenoten versuchen – wir entscheiden uns für die X-Batun, Dzonbakal, und Ik-Kil Cenoten. Es ist jedes Mal ein tolles Erlebnis, insbesondere die Unterwasserwelt mit Schnorcheln zu entdecken. Tauchen wäre noch interessanter, da die Cenoten ja unterirdisch oft noch viel weiter gehen, mit anderen Cenoten verbunden sind und sich Maya Schätze, Knochen oder andere Überbleibsel befinden.
Auch die Coba Ruinen haben wir besucht – eine ehemalige Maya- Stadt die architektonisch stark dem guatemalischen Tikal ähnelt. Vermutlich sind Coba Bewohner mit royalen Tikal-Frauen verheiratet worden, um den Handel zwischen den beiden Städten zu vereinfachen. Als die Frauen nach Coba gekommen sind, waren unter ihrer Gefolgschaft wohl Architekten und Handwerker, was die Ähnlichkeiten erklären würde. Lustigerweise haben wir dort auf dem Parkplatz das seit 25 Jahren reisenden Schweizerpaar wieder getroffen, die wir schon in den USA bei Vermillion Cliffs im Dezember kennengelernt haben.

Pinke Seen und Flamingos in Ría Lagartos

Las Coloradas und Karibik

Weiter fahren wir an das oberste Ende des Yukatan Peninsula – zum UNESCO geschützten Biosphärenreservat Ría Lagartos. Hier befinden sich Las Coloradas – Pinke Seen. Der hohe Salzgehalt der Seen zieht viele Krabben, Plankton und rote Algen an. Bei Sonne verdunstet viel vom Wasser, was die Konzentration dieser Lebewesen so stark erhöht, dass die Seen pink werden. Nebendran befindet sich gleich das wunderschön türkise karibische Meer. Das Biosphärenreservat zieht sich noch über viele weiteren Lagunen, die von Vögeln und Flamingos bewohnt werden. Diese Flamingos sind übrigens aus dem selben Grund so pink wie die Seen- sie wären weiss, aber die Ernährung von Shrimps, Plankton und rote Algen färbt sie pink. Wir fahren den abenteuerlichen Weg durch die Mangroven zwischen den Lagunen und bewundern die Flamingos. Nach El Cuyo finden wir einen wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz an der türkisen Karibik / Golf von Mexico. Hier verbringen wir das restliche Wochenende, essen jede Menge Kokosnüsse, die wir direkt von der Palme holen und Anouk schneidet Raphi wieder mal die Haare, diesmal mit herrlichem Ausblick übers Meer.

Ein kleines Drohnenvideo von den pinken Seen und der Fahrt durch Ria Lagartos: 

Hier noch ein kleiner Ausschnitts der Pok Ta Pok Nachstellung:

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Weihnachtsbaumformation im Cañón del Sumidero

Von funkelndem Plankton bis zu Rebellen im Dschungel

Nach Oaxaca Stadt brechen wir wieder auf an die Pazifikküste. Wie im letzten Beitrag beschrieben, war das Verlassen der Stadt aufgrund zahlreicher Blockaden nicht ganz einfach, aber schliesslich haben wir es geschafft. Unterwegs hatten wir eine erste „unangenehmere“ Situation in Mexiko bzw. war sie eher bemitleidenswert als bedrohlich. 2 Männer haben ein Seil über die Strasse gespannt und wollten Geld von uns, damit wir durchfahren dürfen. Wir stellten uns dumm und gaben 2 Colas raus, schliesslich wirkten sie nicht bedrohlich und wir hätten das Seil auch einfach durchfahren können.

Oaxaca’s Küste und Besuch einer lokalen Familie

Lagune Manialtepec

An der Küste angekommen übernachten wir bei der Lagune Manialtepec, wo wir zugleich eine Nachts-Bootstour machen, um Meeresleuchten / Biolumineszenz zu sehen – Plankton welches bei Dunkelheit leuchtet. Uns war nicht bewusst, dass wir, um es zu sehen, ins Wasser müssen. Besonders für Anouk brauchte es Einiges an Überwindung ins stockdunkle Wasser in der Mitte einer Lagune zu steigen, in der sich allenfalls Krokodile rumtreiben. Aber es war ein spezielles Erlebnis: Sobald man im Wasser war und sich bewegt hat, hat alles im Wasser gefunkelt. Das Leuchten ist eine Abwehrreaktion des Planktons, um Feinde zu irritieren. Deswegen ist es auch so stark wenn man sich bewegt, d.h. für das Plankton bedrohlich wirkt. Leider kann man es nur mit spezieller Ausrüstung fotografieren, deswegen auch keine Fotos. Inzwischen ist sehr heiss und drückend – wir merken, dass wir uns auf Zentralamerika zu bewegen.

Unser Übernachtungsplatz am Playa San Agustin

Weiter sind wir der Küste entlang weiter südwärts. Dies nicht ohne regelmässig bei Kokospalmen anzuhalten, um Kokosnüsse runterzuholen, von welchen wir dann den Saft trinken und die Frucht essen würden. Das Hippiedorf Mazunte mit den Kliffs und der Aussicht bei Punta Cometa war schön, aber besser hat es uns in San Agustin gefallen, wo wir den Strand für uns hatten und auch direkt am Strand übernachten konnten. Einen weiteren Stopp haben wir bei den wunderschönen Dünen Dunas de Playa Azul direkt am Meer eingelegt. Dann war unser Küstenintermezzo auch schon wieder zu Ende.

Im Garten der Familie des Englischlehrers

Wir fuhren ins Landesinnere in ein Dorf namens Zanatepec, wo wir bei einer lokalen Familie im wunderschönen Garten übernachten durften. Der Vater ist Englischlehrer und lässt Reisende kostenlos bei ihm übernachten, um ein wenig in Übung zu bleiben – hier auf dem Lande bekommt er diese sonst nicht oft, da ausser seinen Schülern niemand Englisch spricht. Zum Dank haben wir die Familie zum Abendessen eingeladen, welches wir beim Taco-Stand der Tante des Vaters eingenommen haben (sehr lecker). Wir wurden die ganze Zeit mit frischen Mangos direkt vom Garten verwöhnt. Die riesigen Mangobäume trugen Hunderte von Früchten und waren so lecker und süss, wie wir sie noch nie hatten. Auch Jackfruits und Tamarinde wuchs im wunderschönen üppigen Garten bzw. im kleinen Paradies. Es war sehr interessant den Abend mit der Familie zu verbringen und mehr über den mexikanischen Alltag und das öffentliche Leben zu lernen. Zum Frühstück hat uns die Mutter wunderbare Chilaquiles gekocht- ein mexikanisches Frühstücksgericht mit Nachos, Salsa, Käse, Crema und Eiern. Die Kinder waren sehr aufgeweckt, konnten gut Englisch und waren wohl aufgrund des häufigen Kontaktes mit Reisenden sehr offen. Die Familie lebt sehr einfach, was einerseits an den beschränkten Mitteln liegt, andererseits aber auch daran, dass man Wohlstand nicht zur Schau stellen sollte. Ansonsten kann es vorkommen, dass man erpresst wird bzw. man Telefonate bekommt, bei welchen eine Art Schutzgeld gefordert wird.

Chiapas – Cañón del Sumidero und indigene Dörfer

Weihnachtsbaumformation im Cañón del Sumidero

Weiter geht’s in den Bundesstaat Chiapas. Das Gebiet ist voller Reichtum an Kultur – indigene Stämme und Dörfer pflegen und leben hier noch intensiv ihre, teils auf die Maya zurückgehenden Traditionen. Zugleich ist der Staat aber auch Brennpunkt – dank den zapatistisch kontrollierten Gebieten im Dschungel. Wir schauen uns die Schlucht Cañón del Sumidero an – von Aussichtspunkten auf dem Canyon, aber auch im Rahmen einer Bootstour durch die Schlucht. Die bis zu 1 km hohen Felswände sind sehr eindrücklich und beinhalten interessante Formationen wie den sogenannten Weihnachtsbaum oder eine Höhle mit natürlich pinken Stellen. Wir sehen im Canyon auch einige Krokodile, Klammeräffchen und ein Vogelschwarm aus Tausenden von Vögeln, die sich urplötzlich alle beim selben Ort ins Wasser gestürzt haben und sich gebadet haben.

Iglesia de San Juan Chamula

Weiter besuchten wir San Juan Chamula und Zinacantan, 2 Dörfer mit indigener Bevölkerung – den Tzotzil-Maya. Sie haben ihre eigene Sprache (nur 50% sprechen auch Spanisch), tragen traditionelle bunte Kleidung und pflegen eigene Traditionen die sich sogar zwischen den Dörfern unterscheiden. Zinacantan ist vor allem bekannt für die kunstvoll gewobenen, mit Blumen bestickten Textilien und für die vielen Blumen, die nach ganz Mexico exportiert werden. In Chamula tragen die Frauen dicke schwarze Röcke aus Schafswolle. Eine interessante Tradition in Chamula ist, dass in der Kirche Coca Cola gerülpst wird, um böse Geister zu vertreiben. Dies und der günstige Preis von Cola führen wohl dazu, dass Chiapas der höchste Cola Konsum der Welt hat. Wir besuchen den Friedhof in San Chomula, wo gerade aufwendige Begräbnis-Zeremonien im Gange sind. Hunderte von Menschen haben sich versammelt, mehrere Autos mit Unmengen an aufwendigem Gesteck kommen angefahren. Hier werden keine Kosten gescheut, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen, auch wenn die Gräber danach sehr einfach aussehen – mit einfachen Holzkreuzen deren Farbe auf das Alter der Verstorbenen hindeutet. Danach fahren wir noch in die Stadt San Cristóbal de las Casas, bekannt für seine Kolonialarchitektur und ebenfalls für das traditionelle kunstvolle Textilhandwerk.

El Chiflon und Agua Azul Wasserfälle 

Cascada Velo de Novia

Weiter gehts zu den El Chiflon Wasserfällen – für uns eindeutig die schönsten Wasserfälle bisher. Der Hauptwasserfall ist ca. 120 Meter hoch, davor und danach gibt es noch viele kleinere Wasserfälle. Das Wasser ist wunderschön hellblau und lädt zum Baden ein. Ab dem hohen Wasserfall verlieren sich die Leute, da der Weg hoch steil und anstrengend ist, d.h. den Wasserfall darüber hatten wir für uns alleine zum Schwimmen. Wir mussten einfach aufpassen nicht zu Nahe an den Rand des Wasserfalls zu kommen, da es sonst eben die 120 Meter in die Tiefe gegangen wäre. Das Wasser ist so sauber, dass es Manche direkt ohne Filter trinken. Es war wirklich das reinste Paradies im Dschungel. Wir fahren noch bis zur guatemalischen Grenze, wo wir am Laguna Tsiscao See übernachten. Der See ist Teil des Lagos de Montebello Nationalparks – bekannt für seine Seen in wunderschönen klaren blau grünen Farben. Dann kehren wir um Richtung Dschungel. Vor der nächsten Strecke haben wir ordentlich Respekt, führt sie doch durch zapatistisch kontrolliertes Gebiet und haben wir schon einige Horrorstories gelesen. Zu unsrer grossen Überraschung kommen wir ohne auch nur das kleinste Problem durch in den 2 Tagen, die wir uns im entsprechenden Gebiet befinden. Eine bei unsrer Durchfahrt bereits aufgelöste Strassensperre, jede Menge Warnplakate, dass es sich zapatistisches Gebiet handelt, sowie eine hohe Anzahl an Spähern mit Funkgeräten waren die einzige Indikatoren, dass es hier ein wenig anders läuft. Es gab auch niemand, der uns anhielt und Geld wollte oder Ähnliches – gespannte Seile und improvisierte Mautstationen soll es hier nämlich oft geben. Da sind wir in Oaxaca eindeutig öfters auf Hindernisse gestossen.
Der nächste Stopp liegt bei den Agua Azul Wasserfällen, eine Reihe an Wasserfällen, bekannt für die wunderschöne blaue Farbe. Leider war das Wasser mehr marrón (=braun) statt azul (=blau), da es davor geregnet hat. In der Hoffnung, dass es am nächsten Tag besser wird, beschliessen wir eine Nacht zu bleiben. Wir schliessen uns einem holländischen Paar an, welches ebenfalls im eigenen Auto ein wunderschönes Plätzchen direkt am Fluss inmitten vom Dschungel findet. Raphi macht sich noch bei den Locals beliebt in dem er mit der Säge hilft Holz klein zu machen und Bier und Cola vorbeibringt. Mit den Holländern geniessen wir den Abend in Dschungelstimmung: Heiss, feucht, mit dem Rauschen des Wasser und des Regenwalds, jeder Menge Glühwürmchen, irgendwelchen bei Dunkelheit nicht identifizierbaren Säugetieren und jede Menge rote, stechende Ameisen und sonstige Krabbeltieren. In der Nacht regnet es erneut, womit die Hoffnung auf blaues Wasser zu Nichte gemacht wird und wir damit am nächsten Tag weiterfahren.

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Auch bei uns gabs Fasnacht – die grossen Carnevals wurden wegen Covid abgesagt, aber zufällig sind wir in einem Kaff bei einem Umzug vorbeigefahren: 

Anouk am Hierve el Agua

Von Pyramiden und Wasserfällen einer anderen Sorte

Nach dem Verlassen von Mexico City fahren wir in einem Vorort der Metropole zu den Teotihuacán Pyramiden.

Teotihuacán-Pyramiden

Unser Landi bei den Teotihuacán Pyramiden

Übernachtet haben wir sicher neben dem Dorfplatz des Vororts und sind dann früh aufgestanden, um die Heissluftballoninvasion über den Pyramiden zu beobachten. Die Nähe zu México City führt zu grosser Beliebtheit der Pyramiden und eine Heissluftballonfahrt zu Sonnenaufgang ist ein Highlight für viele. Uns ist es diese teuer und so beschränken wir uns darauf, das Spektakel von unten anzuschauen und im Anschluss die Pyramiden zu besichtigen. Die Sonnen- und Mondpyramide von Teotihuacán waren mal Bestandteil von Mesoamerikas grösster Stadt und der Hauptstadt von Mexico’s grösstem prähispanischen Reich vom 1. bis 8. Jahrhundert. Auch einiges später haben die Pyramiden noch als wichtige Pilgerorte gedient, zum Beispiel für die Azteken.
Die Sonnenpyramide ist die volumenmässig drittgrösste Pyramide der Welt, nach Ägyptens Cheops-Pyramide und der Pyramide von Cholula (dazu mehr unten). Zu Nicht-Covid-Zeiten darf man sie besteigen, was bei uns nicht der Fall war. Aus 3 Millionen Tonnen Stein wurde sie von Hand gebaut – dazumal waren noch keine Metallwerkzeuge, Schlepptiere oder andere Hilfsmittel im Einsatz. Zudem wurden viele der Gebäude  bunt bemalt, inzwischen sieht man davon leider nichts mehr. Sehr eindrücklich, wenn man beachtet, wie alt die Pyramiden sind.

Hidalgo und Cholula

Wasserfall bei den Basaltprismen

Weiter sind wir zurück in den Bundesstaat Hidalgo in die Berge. Dort möchten wir zu El Contadero wandern, riesigen Steinkliffs im Wald. Die Wanderung war wieder mal ein typisches mexikanisches Erlebnis – zig angebahnte Wege, aber keiner scheint der Richtige zu sein. Wir verirren uns ein paar mal, werden von ca. 5 extrem aggressiven Hunden in die Flucht getrieben, bis wir irgendwann den richtigen Weg erwischen. Am Ende der Wanderung stellen wir fest, dass es auch eine unbefestigte Strasse zu El Contadero gegeben hätte – na toll. Wenigstens haben wir uns bewegt. Einen weiteren Zwischenhalt legen wir beim eindrücklichen Wasserfall durch die Basaltprismen von Santa María Regla ein. Die Basaltprismen sind bis zu 40 Meter hohe hexagonale Kolumnen aus Vulkansgestein. Sie wurden gebildet als Lavaflüsse auf Wasser traffen und beim langsamen Abkühlen dann vertikale Risse entstanden.

Auf der weiteren Fahrt Richtung Süden besuchen wir noch kurz das Städtchen Cholula. Von Cholula aus sieht man gut die Izta und Popo Vulkane, die wir vergangene Woche besucht hatten. Ausserdem ist Cholula Heimat der vom Volumen her grössten Pyramide der Welt. Da sie aber über die Jahre so vernachlässigt wurde, ist sie kaum mehr als vom Menschen gebaute Struktur erkennbar. Als die Spanier kamen, war die Pyramide so verwachsen, dass sie gar nicht als solche erkannt wurde und so haben sie die schöne Kathedrale Santuario de Nuestra Señora de los Remedios auf diesem „Hügel“ errichtet. Erst danach, im 19. Jahrhundert wurde entdeckt, dass es sich beim Hügel unter der Kathedrale in Wirklichkeit um eine gigantische vom Menschen geschaffene Pyramide handelt.

Oaxaca

Árbol del Tule – der dickste Baum der Welt

Dann fahren wir weiter Richtung Süden in den Bundesstaat Oaxaca und die gleichnamige Hauptstadt. Die Stimmung verändert sich langsam, die Menschen hier sind rebellischer. So gibt es die ganze Zeit Strassenblockaden. In den drei Tagen, die wir im Nachbarort El Tule verbracht haben sind wir jeden Tag wieder an einem anderen Ort um Oaxaca in Blockaden gekommen. Die Stadt später Richtung Küste zu verlassen war ein richtiger Spiessrutenlauf – man traff nämlich ständig auf eine neue Blockade. Schliesslich haben wir es über komplizierte, unbefestigte Schleichwege durch Bauernhöfe geschafft und hatten dann die ausgestorbene Strasse Richtung Küste für uns alleine. Weiter gibt es in Oaxaca-Stadt Zeltstädte von Leuten auf dem Land, die in die Stadt kommen um zu protestieren, z.B. dass die Studenten Prüfungen endlich schreiben dürfen nachdem diese wegen Corona ausgesetzt waren. Auch pro-zapatistische Malereien, Plakate und Symbole sind hier oft anzutreffen. Zapatisten sind links-revolutionäre, separatistische, hauptsächlich indigene Gruppierungen, die vorwiegend im Nachbarsstaat Chiapas beheimatet sind.
Uns gegenüber sind die Leute aber weiterhin sehr freundlich.
Ausserhalb der Stadt Oaxaca haben wir uns 3 Tage lang auf einem Campground einquartiert, um mal wieder einen Grossputz zu machen, Kleinigkeiten zu erledigen. Es waren ganze 5 weitere Schweizer Camper da, damit gab es sogar mehr Schweizer als US-Amis, geschweige denn andere Nationen – schon extrem was für ein Reisevolk die Schweizer sind. Im Dorf vom Campground – El Tule – befindet sich zugleich der dickste Baum der Welt. Der Árbol del Tule mit 14 Metern Durchmesser ist über 2000 Jahre alt.

Hierve el Agua

In Oaxaca-Stadt haben wir die vielen Märkte erkundet, sowie Tlayuda (pizzaähnlich belegte Maistortilla) und verschiedene Arten von Mole probiert. Mole ist eine Spezialität Oaxacas und eine Art herzhaft-pikante Chili-Gewürz-Schokoladensauce, die mit Fleisch und beispielsweise Reis gegessen wird. Sehr lecker.

Weiter haben wir Hierve el Agua besucht – bis ca. 60 Meter hohe versteinerte „Wasserfälle“ ausserhalb von Oaxaca-Stadt. Diese Formation ist über Tausende von Jahre entstanden, während aus einer Quelle Wasser mit extrem hohen Mineralgehalt (Kalziumkarbonat) tropft, dass beim Kontakt mit Luft das Kalzium ablagert.

Anouk in Monte Albán

Ein weiteres Highlight war der Besuch der Ruinenstätte Monte Albán. Die Stätte liegt auf einem künstlich abgeflachten 400m hohen Hügel mit 360 Grad Aussicht auf die Umgebung, was den Bewohnern, den Zapoteken ermöglichte, Feinde früh zu erspähen. Wie es die Zapoteken zu jener Zeit vollbracht haben den Hügel zu ebnen ist nicht geklärt. Die Ruinen stammen von bis zu 500 vor Christus und sind die Überreste der ersten nach Plan gebauten Stadt des amerikanischen Kontinents. Zu dessen Blütezeit von 300 bis 700 nach Christus kontrollierte Monte Albán grosse Teile des Staates Oaxacas. Besonders eindrücklich waren die 500-100 v.Chr. in Stein gemeisselten Danzantes. Diese Danzantes (=Tänzer) stellen in diesem Zusammenhang wohl Herrscher von Nachbarsorten dar, die den Göttern geopfert wurden.
Damit verabschieden wir uns kurz vom Landesinnern und fahren nach der Überwindung unzählige Blockaden wieder an die Küste.

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Popo bei Morgendämmerung

Unser erster 5000er, Mexico City und ein Kindergeburtstag

Mexico City / Ciudad de México (CDMX)

Diese Woche sind wir endlich dazu gekommen uns Mexico City, die Hauptstadt Mexicos anzuschauen. Mexico City ist mit über 21 Mio. Einwohnern die 5. grösste Stadt der Welt (nach Bevölkerung gemessen) und nach Sao Paolo die 2. grösste auf dem amerikanischen Kontinent.

Iglesia de San Hipolitó am Bike Sunday

Es ist keine hübsche Stadt auf den ersten Blick – dafür ist sie zu stark in die Jahre gekommen, an manchen Orten zu dreckig und hat zu viel Smog. Aber es ist definitiv eine Stadt die Spass macht und in der man gerne Zeit verbringt. Es gibt Unmengen an Sehenswürdigkeiten und Museen, schöne Bauten, Parks, wie überall in Mexico viele Murals (Wandmalereien) und überall Märkte und Strassenstände. Die Stadt ist international und sehr lebendig: Überall gibt es Anlässe, Leute, die sich versammeln und tanzen, Sport treiben oder sonst was machen, und man findet alles was man sich wünschen könnte (z.B. essenstechnisch). Die Stadt versucht schon lange das Smog- bzw. Verkehrsproblem in den Griff zu bekommen. So sind beispielsweise Strassen am Sonntag teilweise für Bike Sundays gesperrt – d.h. statt Autos fahren dann Tausende von Velos und Inlineskate-Fahrern darauf – ein richtiges Spektakel. Auch dürfen Autos gemäss ihren Nummernschildern an einzelnen Wochentagen nicht fahren. Trotzdem ist die Smogschicht leider noch häufig zu sehen und der Verkehr extrem mühsam. Unterhaltsam ist aber wie die Autofahrer im stockenden Stadtverkehr versorgt werden: Wie überall in Mexicos bei Stau kommen scharenweise Verkäufer, die von Auto zu Auto laufen und alles anbieten, was man brauchen könnte – Snacks, Trinken, Blumen, Geschenke, Zigaretten….

Flaggenzeremonie am Zócalo

Die Stadt haben wir hauptsächlich zu Fuss erkundet. Wir haben das Treiben am Bike Sunday genossen und die vielen schönen Kolonialbauten im historischen Zentrum. Einmal waren wir in der Rooftop-Bar im Torre Latinoamericana – dem einst höchsten Wolkenkratzers Lateinamerikas (schon lange nicht mehr) und geniessen die Aussicht auf Mexico City. Wir schauen uns ein Lucha Libre Wettkampf – mexikanisches Wrestling an. Das war durchaus unterhaltsam, auch wenn wir nichts begriffen haben. Lucha Libre unterscheidet sich vom amerikanischen Wrestling dadurch, dass eher akrobatische Techniken und Fliege-Techniken angewendet werden. Ausserdem werden von den Kämpfern Masken getragen, die zu deren Identität gehören und die manche Wrestler sogar im Privatleben tragen.
Am Hauptplatz – dem Zócalo haben wir uns die Flaggenzeremonie angeschaut. Jeden Morgen wird die riesige mexikanische Flagge in einer militärischen Zeremonie gehisst, welche wir leider verpasst haben und dann am Abend ebenfalls in einer Zeremonie wieder runtergenommen.

Museo Nacional de Antropología

Genossen haben wir auch Mexico City’s Central Park – den Bosque de Chapultepec. Der Stadtpark ist mit 4 Quadratkilometern doppelt so gross wie New Yorks Central Park und beinhaltet Seen, Märkte, Museen, einen Zoo, botanische Gärten. Darin befindet sich auch das riesige Nationalmuseum für Anthropologie mit über 600000 Artefakten, deren Darstellung Weltklasse ist. Leider war nur ein kleiner Teil der Erklärungen auf Englisch und die Übermittlung eines „Big Pictures“ hat uns ein wenig gefehlt. Uns war aber neu, dass bis ins 15.- 16. Jahrhundert das heutige Gebiet von Mexico City aus einem See bestand mit der riesigen Hauptstadt der Azteken – dem symmetrisch gebauten Tenochtitlan auf einer Insel in der Mitte des Sees. Der See wurde bei Invasion der Spanier fast vollständig trockengelegt und Tenochtitlan zerstört. Eindrücklich war auch das 24 Tonnen schwere Ausstellungsstück Stein der Sonne. Er war wohl Bestandteil des Haupttempels von Tenochtitlan und zeigt neben Kalenderelementen den Sonnengott Tonatiuh. Die Azteken richteten wie die Maya all ihr Tun nach dem Stand der Sonne (Landwirtschaft, Politik, Krieg…). Der Stein wurde vermutlich für Menschenopferrituale genutzt.

Unser erster 5000er – der Iztaccíhuatl neben dem Popocatépetl 

Nach Mexico City machen wir uns südwärts zu den Vulkanen Iztaccíhuatl und Popocatépetl – kurz und einfach Izta und Popo. Unterwegs legen wir aber noch einen Zwischenhalt im wunderschönen Dorf Tepoztlán ein, bewundern die vielen Wandmalereien, spazieren durch den Markt und sind erstaunt über die viele Pilger die vielleicht aufgrund des Aschenmittwochs zur schönen Pfarrei strömen.

Popo bei Sonnenaufgang

Dann fahren wir zum Izta, den wir besteiegn wollen. Der Izta (5218m) ist der dritthöchste Berg Mexicos und ein inaktiver Vulkan. Nebendran steht der Popo, der zweithöchste Berg (5462m) Mexicos und ein aktiver, für Besucher gesperrter Vulkan.
Gemäss einer aztekischen Legende war Izta eine Prinzessin und Popo ein Krieger. Die beiden waren verliebt, aber der Vater von Izta – der Herrscher – wollte sein Einverständnis nur geben, wenn Popo erfolgreich von einer Schlacht zurückkehrt. Ein Rivale hat dann die Falschnachricht verbreitet, dass Popo im Krieg umkam, worauf Izta an gebrochenem Herzen starb. Als Popo erfolgreich vom Krieg zurückkehrt, stirbt er ebenfalls aus Herzschmerz, weil Izta gestorben ist. Die Götter verwandeln die beiden in Berge damit sie für immer zusammen sein können, wobei Izta wie eine schlafende Frau aussieht und Popo aus Wut noch heute Rauch ausstösst und über Izta wacht. Diesen Rauch von Popo sieht man auch heute noch schön. Wir übernachten direkt am Anfang des Wanderweges auf 3900 Meter. Ja, der Land Cruiser hat es zum Glück gut auf die Höhe geschafft. Um 2.30 Uhr in der Nacht brechen wir los. Es ist eiskalt und stockdunkel (mit Ausnahme der Lichter von Mexico City in der Ferne). Wir verfluchen uns, dass wir keine besseren Stirnlampen dabei haben sondern nur Billigware – vor allem wenn wir stolpern oder die 2 Mal als wir uns komplett verlaufen, dabei viel Energie verschwenden und wieder zurückmüssen. Natürlich macht uns auch die Höhe zu schaffen, die Luft ist extrem dünn und so hoch waren wir noch nie. Der Sonnenaufgang ein paar Stunden später bringt grosse Erleichterung weil wir auf mehr Wärme und Licht hoffen und ist wunderschön. Aber mittlerweile bewegen wir uns aufgrund der dünnen Luft nur noch wie Zombies vorwärts – ein paar Meter und dann sinken wir wieder zu Boden vor Anstrengung. Aber eine Pause und etwas Essen liegt leider nicht drinnen, da es sonst zu kalt für uns wird. Wir schaffen es auf bis 5050 Meter – den ersten Gipfel. Izta hat mehrere Gipfel, der höchste bei 5218 Meter. Aber der nächste Abschnitt wäre verdammt schwierig, an einem sehr steilen Hang. Alle andern Wanderer die wir treffen haben dafür Steigeisen, Eisbeil und Guide dabei – wir nur mittelmässige Wanderschuhe mit abgelaufenem Profil – nicht mal Wanderstöcke. Das Risiko gehen wir nicht ein und kehren um. Was eine gute Entscheidung war, denn so einen anstrengenden Rückweg hatten wir noch nie – extrem steil (sowohl rauf als auch runter müssen wir oft alle 4 Glieder verwenden) und die Vulkanerde war extrem rutschig. Es gibt auch viele heikle Stellen, an welchen ein Ausrutschen fatal gewesen wäre. Nicht an diesen, aber an unzähligen andern Stellen sind wir immer wieder ausgerutscht auf dem Runterweg – wir konnten also jedes bisschen Restenergie noch gebrauchen. Irgendwann um 13.00 Uhr waren wir wieder unten – stolz, wenn auch ein wenig unzufrieden uns nicht bis zum höchsten Gipfel getraut zu haben. Aber ja, es war für uns beide die schwierigste körperliche Herausforderung, die wir beide je gemacht haben. Nach einem wohlverdienten Mittagsschlaf belohnen wir uns mit einem heissen Grog und einem Fertigfondue, dass wir zuvor in einem mexikanischen Walmart gefunden haben. War sogar richtig lecker, wer hätte das gedacht.

Mexikanische Gastfreundschaft und ein Kindergeburtstag 

Am nächsten Tag machen wir uns Wider Erwarten zurück nach Mexico City. Raphi hat tatsächlich einen Schweisser gefunden, der uns die von Raphi designte Halterung schweissen kann, um unsere Gasflasche und Schaufel aussen zu befestigen. Dies nachdem wir schon in unzähligen Städten gesucht haben. Aber trotzdem – in Mexico wird nicht gerne nach Plan gearbeitet und so kehren wir zur Sicherheit vor dem abgemachten Abholtermin zum Schweisser zurück. Und wie erwartet gibt es einige Probleme und so arbeitet Raphi einfach mit. Natürlich klappt es nicht wie versprochen bis Samstag Nachmittag. Aber da die Nachbarn / Verwandten vom Schweisser einen riesigen Kindergeburtstag vor dem Hause feiern, wird die restliche Arbeit auf Sonntag verlegt und wir werden zur Feier eingeladen. Es gab ein selbstgekochtes Buffet (wir hatten teils keine Ahnung, was wir assen, aber es war sehr lecker) und für die vielen Kinder extra eine Hüpfburg. Die ca. 30-40 Leute sind in Familien mit jeweils 3-4 Generationen da. Niemand spricht Englisch und unser Spanisch ist immer noch mickrig, aber wir werden extrem herzlich aufgenommen. Anouk wird von den feierwütigen Grossmüttern stets mit neuen Mojitos versorgt und Raphi bekommt von den Männern immer ein neues Bier oder einen Shot in die Hände gedrückt. Wir werden zum Tanzen gedrängt und die besonders trinkfreudigen Männer gehen extra noch für uns Tequila kaufen, weil das ja mexikanische Tradition ist (obwohl wir gesagt haben, wir wollen keinen). Wir werden beschenkt mit Original Fussball Trikots von einem mexikanischen Club, Gastgeschenken, die eigentlich für die Geburtstagsgäste gedacht waren, etc. Lustig war auch als dann die Geburtstagstorte der beiden Geburtstagskinder (3 und 10- jährig) serviert wurde: die Kinder mussten kopfüber das Gesicht in die Torte tauchen bevor sie geschnitten wurde. Scheinbar ist dies eine mexikanische Tradition – es sah sehr lustig aus. Auch als die Kinder zu Bett gingen, ging die Feier weiter, für uns wurde Schweizer Volksmusik und Rammstein abgespielt und Raphi musste ein Tequila-Shot nach dem anderen trinken. Wir waren total überwältigt, ja überfordert mit dieser Gastfreundschaft (und mit dem Alkohol den wir trinken mussten). Wir haben im Auto direkt vor ihrem Haus geschlafen und haben deren Bad, WC, Dusche verwenden dürfen. Am nächsten Tag haben der Schweisser und Raphi das Gestell weiter gebaut – während manche der Jungs schon am Morgen wieder weiterfeiern. DIe Halterung wurde fertig, wir wurden vom Schweisser noch zum Barbecue Taco essen eingeladen und verabschieden uns dann endgültig von Mexico City.

Hier noch wie ein Kämpfer im Lucha Libre (mexikanisches Wrestling)-Wettkampf vorgestellt wird:

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Raphi beim Minas Viejas Wasserfall

Eine Woche im Wasserfall-Paradies und bei Schmetterling-Kolonien

Raphi beim Minas Viejas Wasserfall

Huasteca Potosina

Nach langer Fahrt durch die schöne Berglandschaft namens Sierra Gorda erreichen wir die Region Huasteca Potosina.
Huasteca Potosina erstreckt sich über mehrere Bundesstaaten und ist geprägt von subtropischem Klima und üppiger Vegetation / Dschungel. Bekannt ist die Region für die vielen Grotten, Höhlen, Wasserfälle und Flüsse, die ganz besondere Farben haben – von ganz klarem Blaugrün bis zu schon fast milchigem Türkis. Die Farben sind wunderschön und einladend zum Baden, für manche Locals auch zum Wäsche waschen und duschen.

Tamul Wasserfall

In Huasteca Potosina verbringen wir ein paar Tage, reisen von Wasserfall zu Wasserfall – manche kommerzialisiert mit fast schon Freizeitparkausmass und manche einsam und kostenlos, machen neue Bekanntschaften und geniessen das Leben. Highlight war der 105 Meter hohe Tamul Wasserfall. Leider momentan – zur Trockenzeit – nicht so imposant wie zur Regenzeit, wo er bis zu 300 Meter breit wird, aber trotzdem sehr besonders. Und da eher schwierig zu erreichen, waren wir auch die Einzigen da. Wir mussten eine lange abenteuerliche Dirtroad fahren, einen Bauern bezahlen, um durch dessen Land fahren zu dürfen, zum Wasserfall wandern und dann eine interessant zusammengebastelte senkrechte Treppe / Leiter zum Fusse des Wasserfalls runterklettern.
Einmal mehr hätte es noch so viel mehr Wasserfälle und Höhlen zum erkunden gegeben, aber wir müssen weiter.

Grutas Tolantongo

Die Hot Springs am Berghang

So bewegen wir uns ins nächste (halb-) natürliche Wellnessparadies: Die Grutas Tolantongo im Bundesstaat Hidalgo. Es handelt sich dabei um ein Tal mit Grotten und mineralhaltigen, durch die Geothermik natürlich aufgeheizten Gewässer: In riesigen Grotten mit Stalaktiten wird man heftig von heissem Wasser, welches durch den Wasserfall vor der Grotte und durch Löcher in der Grotte stürzt, begossen. Dann gibt es eine dunkle, enge, ca. 25 Meter lange Höhle, welche wie ein Dampfbad wirkt, da sich die Luft durch das heisse Wasser am Grund so aufheizt. Durch das Tal fliesst ein dank Geothermik warmer Fluss, welcher durch die natürlich enthaltenen Mineralien eine beinah schon absurd milchige Farbe hat.

Bei den Tolantongo Grotten

Dass man durch das Wasser nichts sieht, ist fast schon unangenehm. Am Berghang wurden Pools gebaut, in welches das heisse Wasser des Berges geleitet wird – somit gibt es auch Hot Springs. Das Tal ist zwar kommerzialisiert, aber das Gebiet ist riesig, man darf kostenlos mit dem Auto direkt am warmen Fluss campen und so lohnen sich die 7.50 Dollar Eintritt pro Person definitiv. Neu für uns waren die Covid-Massnahmen vor Einfahrt in das Tal: Nach Fiebermessen, Hand- und Schuhdesinfektion mussten wir vollständig angezogen durch einen Tunnel gehen, in welchem wir von allen Seiten mit Desinfektionsmittel bespritzt wurden. Danach wurde mit einem Gebläse noch unser Land Cruiser von innen desinfiziert / abgespritzt. Damit erübrigt sich ein Duftbaum für die nächsten paar Tage 🙂

Mariposa Monarca

Millionen von Monarchfaltern

Weiter geht es für uns wieder mal in die Berge – in die Sierra Nevada im Bundesstaat Michoacan auf 3300 Hõhemeter zu den Mariposa Monarca, den Monarchfalter-Schmetterlingen. Diese überwintern in diesen geschützten Wäldern, bevor sie 4500 Kilometer zurück ins nördliche Nordamerika fliegen, um den Sommer zu verbringen. Bis zu 300 km pro Tag legt die Milliarde an Schmetterlingen bei dieser Migration zurück. Hier in den Wäldern hängen sie dann in riesigen Trauben an den Kiefern, womit die Wälder orange-schwarz erscheinen. Wenn die Sonne heraus kommt, fangen die Schmetterlinge an zu fliegen. Es muss spektakulär aussehen, wenn sie zu Tausenden rumflattern. Leider hat unser Berg-‚Glück‘ wieder mal zugeschlagen und es war grösstenteils bewölkt. So haben wir nur die riesigen Trauben gesehen und ein paar kleinere rumfliegende Schwärme. Aber auch das war beeindruckend. Es ist wirklich ein unglaublich wie die Schmetterlinge im Rahmen ihrer Migration immer wieder ins das selbe Gebiet zurückfinden. Da sie maximal 1 Monat alt werden, machen sie nicht die ganze Migration mit, sondern sterben unterwegs. Da sie zuvor Eier gelegt haben wird die Migration von den unterwegs geschlüpften Schmetterlingen fortgesetzt. Die kurze Lebensspanne kann man auch hier, in den Wäldern der Sierra Nevada beobachten – am Boden liegen viele tote Schmetterlinge.

Ankunft in Mexico City

Danach fahren wir nach Mexico City. Es gibt wieder mal Administratives zu erledigen, Wäsche zu machen und eine Tollwutimpfung aufzufrischen. So sind wir die ersten Tage beschäftigt. Wir schaffen aber noch einen Festivalbesuch und einen Abend den Plaza Garibaldi zu besuchen. Der Platz ist berühmt für seine vielen Mariachi Bands. Die traditionellen Musikgruppen spielen gegen eine geringe Gebühr ein Lied mexikanischer Volksmusik vor. In einer Bar gab es eine tolle Aufführung von Jarabe Tapatio, einem mexikanischen Volkstanz. Mit dem richtigen Sightseeing der riesigen Stadt beginnen wir dann nächste Woche.

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Unser Stellplatz in Guanajuato

Tequila, Kurzferien auf Schweizer Land und buntes Weltkulturerbe

Nachdem wir im Bundesstaat Jalisco schon die ganze Zeit durch endlose Agavenfelder fuhren, war es an der Zeit etwas darüber zu lernen. So machen wir uns in die Stadt Tequila am Fusse des Tequila Vulkans und Heimat des Agavenschnaps Tequila.

Tequila und Schweizer Kurzferien

Agavefelder um den Tequila Vulkan

Dank ehemaligen Ausbrüchen des Vulkans ist die Erde hier so fruchtbar und bietet der Agave ideale Vorrausetzungen zum Gedeihen. Analog zum Champagner ist auch der Tequila geschützt und darf nur im Bundesstaat Jalisco und ein paar umliegenden Gebieten produziert werden. Kein Wunder ist demnach alles voll mit Agavenfeldern.
In der kameraüberwachten Anlieferungsstrasse einer Tequilafabrik mitten in der Stadt fühlten wir uns genügend sicher, um zu stehen und später zu übernachten – schliesslich ist hier Tag und Nacht Betrieb, müssen doch im Jahr 340 Mio. Liter Tequila nur schon für den Export hergestellt werden. So machen wir uns auf ins Getümmel. Die Stadt gefällt uns sehr – bunt und voller Atmosphäre, überall Musik. Natürlich werden auch fleissig Tequila und Cocktails ausgeschenkt, wobei uns die Cocktails zu salzig waren. Wir besuchen das Tequila Museum und machen eine Tour durch eine Destillerie der meistverkauften Tequila-Marke der Welt -José Cuervo.
Wir lernen wie aus der Agave Tequila wird: Nach einem Wachstum von 5-7 Jahren wird der blauen Agave die Blätter von Hand abgehauen, wobei das 50kg(!)-schwere Kernstück, Ananas genannt, übrig bleibt. Nachdem Kochen der Ananas und deren Saftgewinnung, sowie deren Fermentierung und Destillation ergibt so eine Pflanze ca. 5-7 Liter Tequila.
Die verschiedenen Tequilasorten können wir am Schluss der Tour ausprobieren. Der weisse Tequila, der direkt nach der Destillation abgefüllt wird, wird von den meisten Mexikanern bevorzugt, da der Agavegeschmack noch am meisten durchdringt. Die dunklen, gealterten Sorten hingegen wurden vor allem geschaffen, um den Schnaps auch den Amis / Europäern schmackhaft zu machen. Durch die Lagerung in alten Rum, Cognac, Wein- Fässern etc. erhält der Tequila die dunkle Farbe und nimmt die jeweiligen Geschmacksnoten auf.
So war der Aufenthalt in Tequila sehr unterhaltsam, lehrreich und ein wenig feuchtfröhlich 🙃.

Nach Tequila legen wir einen Stopp auf dem Land in der Nähe von Guadalajara bei einem Schweizer ein. Charly ist vor 30 Jahren ausgewandert und betreibt in Jalisco nun Restaurant und Bungalows und bietet Camping sowie das Unterstellen von Fahrzeugen an.
Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, aber es war so günstig und gemütlich (mit den Hähnen und dem lauten Esel fühlte man sich wie auf einem Schweizer Bauernhof), dass wir gleich 3 Nächte blieben. So hatten wir mal die Zeit zum Putzen, Waschen und für so spassigen Bürokram wie die Steuerklärung. Dafür bekamen wir ein paar frischgebackene Brote von Charly geschenkt und kamen in Genuss von Schweizer Käse, Würsten, Rösti etc. Nach über einem halben Jahr weissem Gummibrot ist dies schon ein Highlight 🙂

Guanajuato

Unser Stellplatz in Guanajuato

Weiter fuhren wir in den Bundesstaat Guanajuato, wo wir wir dessen wunderschöne Hauptstadt Guanajuato ansteuern.
Die Stadt ist Unesco Weltkulturerbe und war zu seiner 250-jährigen Blütezeit ab dem 16. Jahrhundert eine wichtige Mienenstadt für Silber, wobei zeitweise bis zu 40% des weltweiten Silbers von dort kamen. Der damalige Wohlstand spiegelt sich in den wunderschönen grosszügigen Bauten von damals wieder wie der Basilika oder dem Theater Juarez. Der Reichtum der damaligen Silberbarone und deren Unwille einen Grossteil davon an Spanien abgeben zu müssen war ein wesentlicher Treiber für den mexikanischen Unabhängigkeitskrieg.
Die Stadt ist extrem malerisch, mit seinen bunten Häusern, den engen teils steilen Gassen, der liebevollen Dekoration mit Blumentöpfen und co. Die Atmosphäre ist ebenfalls super mit den Märkten, den vielen kleinen Restaurants, den vielen Mariachi- Bands (mexikanische Volksmusik), die an jeder Ecke auftreten. Besonders an Guanajuato war auch die Dreidimensionaliät: Da so hügelig gelegen, gibt es viele Tunnels für Autos und Fussgänger, teils sogar auf mehreren Ebenen und zusätzlich zu den Strassen auf der Oberfläche. Google Maps war deswegen total überfordert mit dieser Stadt, sowohl als wir zu Fuss als auch im Auto unterwegs waren.
An unserem Stellplatz mit wunderbarer Aussicht auf die bunten Häuser machen wir wieder spannende Bekanntschaften: Ein Holländer, der reist und sich immer wieder temporär niederlässt um z.B. als Guide zu arbeiten und eine junge 5-köpfige Familie aus Deutschland, die 8 Monate mit einem umgebauten Feuerwehr-LKW unterwegs ist.

San Miguel de Allende

San Miguel de Allende

Nach Guanajuato besuchen wir im selben Bundesstaat eine weitere Weltkulturerbestadt: San Miguel de Allende. Die Stadt ist berühmt für seine dominante Kathedrale Parroquia de San Miguel Arcángel und ebenfalls wunderschön mit seinen Kopfsteinpflasterstrassen und bunten Häusern. Überrascht waren wir von den hohen Preisen und den vielen Westlern, anscheinend ist dies vor allem für US-Amis eine Trenddestination zum Auswandern, Überwintern und in Rente zu gehen. In der Nähe von San Miguel statten wir dem Sanctuario de Atotonilco ein Besuch ab. Die Kirche wird mit seinen Freskenmalereien auch als sixtinische Kapelle Mexikos bezeichnet. Wie Guanajuato und San Miguel del Allende hat diese Ortschaft eine entscheidende Rolle im mexikanischen Unabhägigkeitskrieg gegenüber Spanien gespielt.

Peña de Bernal

Auf dem Weg in den Bundesstaat San Luis Potosi legen wir einen Zwischenhalt in Bernal ein. Dieses Städtchen wird vom Monolith Peña de Bernal dominiert, der mit 350 Metern dritthöchste Monolith der Welt von vielen Mexikaner für die Ausstrahlung positiver Energie bekannt. Ohne Kletterausrüstung kommen wir nur bis zur Hälfte hoch, geniessen aber auch von dort die Aussicht.

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Vom Dschungel in den Schnee auf dem Festland Mexikos

Unsere Fähre in Mazatlán

Nach 4 Wochen auf der Halbinsel Baja sind wir auf Mexikos Festland angekommen. Das Übersetzen aufs Festland ging erstaunlich einfach. Statt für die normale Passagierfähre haben wir uns für die Truckerfähre entschieden, da sie günstiger ist und man sogar im Auto schlafen darf. Da man das Ticket nicht im Voraus kaufen kann und wir vom Prozess viel Haarsträubendes gehört haben, waren wir bereits um 12.00 Uhr am Hafen, obwohl die Fähre erst Abends ablegen sollte (die Planabfahrtszeit weiss niemand so genau). Innerhalb von 15 Minuten waren wir mit dem ganzen Prozess (Militärkontrolle, Auto wiegen und messen, Ticket kaufen) durch, standen als erste bei der Fähre und konnten dann 5 Stunden aufs Boarding warten. Typisch Schweizer 🙂 Auf der Fähre wars aber super, die Trucker und das Fährpersonal alle sehr nett, man konnte duschen und das einfache aber leckere Abendessen und Frühstück war im Preis inbegriffen. Am nächsten Tag um ca. 10.00 Uhr fuhren wir dann als letzte (da als erste auf dem Schiff) in Mazatlán aus dem Fährgelände.

Mazatlán

Der Land Cruiser an unserem Palmenstrand

Zuerst machen wir einen Spaziergang zu El Faro, einer der mit 135m höchst gelegenen Leuchttürme der Welt, und geniessen die Aussicht. Von der Fähre aus hatten wir südlich der Stadt einen endlosen, einsamen von Palmen gesäumten Sandstrand gesehen, welchen wir uns nicht entgehen lassen wollten. Die Palmen gehören zu Plantagen, aber der Strand ist wie jeder Strand in Mexico per Gesetz öffentlich. Wir finden eine Zugangsstrasse und fühlen uns am Strand so wohl, dass wir gleich da übernachten, obwohl wir uns eigentlich vorgenommen haben das Wildcampen auf dem Festland zu reduzieren. Mit Ausnahme von 1-2 Traktoren, die durchfuhren und ein paar Pferden hatten wir den Strand für uns. Wir genossen die Erfrischung im Meer und sind zum Sonnenuntergang zu einem Schiffswrack gelaufen. Danach fahren wir Richtung Süden und verlassen damit den Bundesstaat Sinaloa, Heimat des gleichnamigen grössten Kartells der Welt. Auf Sehenswürdigkeiten weiter nördlich wie den Copper Canyon verzichten wir schweren Herzens aus Sicherheits- und Zeitgründen (Kartellgebiet). Den Canyon könnte man zwar mit dem Zug machen, aber wir hätten wenn schon dann eine Auto-/ Zug-Kombination gemacht, da auch die steilen Strassen in das Canyonsystem hinein sehr spannend sind. Aber wir wollen auch nicht das kleinste Risiko eingehen, dass uns das Auto weggenommen wird, denn Unterstützung von der Polizei kann man in diesen Gebieten vergessen.

Nayarit

Krokodil bei La Tovara

Bei der Fahrt in den Süden sind wir von der üppigen Vegetation überwältigt, insbesondere nach der Baja- Wüstenlandschaft. Ja, hier herrscht praktisch Dschungel überall entlang der Strasse werden leckere frische Früchte verkauft – Jackfruits, Melonen, Kokosnüsse, Mangos etc.
Nächster Stopp ist die geschützte Mangrovenlandschaft La Tovara im Bundesstaat Nayarit. Wir machen eine kleine Bootstour durch die Mangroven, die von Krokodilen und Flussschildkröten nur so wimmeln. Wir erfrischen uns in einem Schwimmloch (zum Glück mit Gitter, so dass keine Krokodile durchkommen). An der Riviera Nayarit, einem aufstrebenden wunderschönen Küstenabschnitt voller Kokospalmen übernachten wir im Hinterhof eines Deutsch-Amerikanischen Auswandererpaars, von deren Hinterhof man direkt ins Meer hinabsteigen kann.

Auf dem Weg zu den Altavista Petroglyphen

Unser nächster Halt sind die Altavista Petroglyphen (in Felsen gemeisselte Bilder). Schon der Weg an sich ist ein Abenteuer: eine kleine Dirtroad im Dschungel-Niemandsland, nichts angeschrieben, holprig und wir verkratzen das ganze Auto bis wir effektiv nicht mehr weiterkommen und den Rest zum Eingang laufen. Dort führt ein Spaziergang durch den dichten Dschungel zu den Petroglyphen, Naturpools und einem kleinen Wasserfall, welcher durch vom Wasser hübsch eckig geformte Steine fliesst. Unterwegs sehen wir sogar eine Eule. Die Petroglyphen wurden vor weit mehr als 2000 Jahren vom Tecoxquin-Stamm wahrscheinlich als Gebet erschaffen. Noch immer wird der Ort vom noch existierenden Huicholes Stamm für Rituale gebraucht und Opfergaben dagelassen. Nach einem weiteren Halt am Wochenmarkt im Küstenstädtchen La Peñita de Jaltemba besuchen und schwimmen wir an einem Surferstrand nördlich der Touristensstadt Puerto Vallarta. Auf der Dirtroad zum Strand zwischen 2 Luxusresorts fühlen wir uns genügend sicher, um freizustehen und geniessen so bereits zum Sonnenaufgang ein Bad in einem Naturpool am Meer welches sich zur Flut füllt.

Jalisco und Nevado de Colima

Kirche in San Sebastian del Oeste

Danach nehmen wir Abschied von der Küste und legen im Landesinnern einen Zwischenhalt im malerischen Dorf San Sebastian del Oeste ein. Das Dorf ist ehemalige Silber-, Gold- und Blei-Minenort und bekannt für seine hübsche Architektur mit Kopfsteinpflasterstrassen. Es ist nur eines von vielen wunderschönen bunten Dörfern, welche wir an diesem Tag sehen. Auf der Fahrt durch den Bundesstaat Jalisco wird der Dschungel durch Berge, Avocadobäume, Agavenfelder, Beerenfelder und Bauernhöfe abgelöst. Ein Dorf ist hübscher als das letzte mit bunten Häusern, liebevoller Dekoration, hübschen Kathedralen… so oft haben wie wohl selten „jööö“ und „oh wie süss“ gesagt. Die Männer sind mit ihren Hüten wie Cowboys gekleidet, am Strassenrand werden Nüsse und Früchte verkauft – hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.
Wir möchten zum Vulkan Nevado de Colima, den wie am nächsten Tag besteigen möchten, um die Aussicht auf den aktiven Volcán de Fuego zu geniessen. Von der Strasse sieht man die beiden (schneefreien) Gipfel wunderbar und die Wettervorhersage sieht auch strahlend aus. Wir wollen im Nationalpark der beiden Vulkane übernachten und so bricht das erste Mal leichte Panik aus, als in einer Bergstrasse ein paar Autos vor uns ein Lastwagen umkippt, wir 2 Stunden lang warten müssen und gezwungenermassen bei Dunkelheit fahren müssen (was wir versprochen haben nicht zu tun). Es läuft aber alles gut und so stehen wir am nächsten Morgen früh auf und werden total vom üppigen Schneefall und dichten Nebel überrascht. Wir fahren trotzdem bis zum höchstmöglichen Punkt und wandern so weit wir können. Irgendwann geht’s aber nicht weiter. Der Schnee, nun fast waagrecht und mehr Hagel als Schnee schmerzt im Gesicht, wir finden den Wanderweg (schon ohne Schnee und Nebel eine Herausforderung in Mexico) nicht mehr, durch den Nebel sieht man sowieso nix, neben uns geht’s steil runter und wir müssen aufpassen im Schnee nicht auszurutschen. So geben wir auf. Auf dem Rückweg treffen wir auf weitere Gruppen. Eine ist mit Guide unterwegs, der uns bestätigt, dass ein Aufstieg zu diesen Bedingungen nicht möglich ist. So fahren wir zurück und bereits nach ein paar Minuten bleibt das erste Auto stecken – die Mexikaner sind sich Schnee nicht gewohnt und mit Sommerreifen unterwegs.
Und so kommt unser Abschleppseil das erste Mal zum Zug und Raphi hilft das Auto zu befreien. Nur wenig später passiert dasselbe bei einem anderen Auto, Raphi hilft wieder. Inzwischen wurde der Zugang für zum Nationalpark für Autos gesperrt und die Leute müssen hoch laufen. Wir sehen sogar einige in Badhosen. Wie wir später erfahren, sind Leute direkt vom Strand angereist, als sie erfahren haben, dass es hier schneit, denn dies ist hier eine Besonderheit.

Mit all dem Schnee können wir wenigstens einen Schneemann bauen 🙂

Von der einen Gruppe, welcher Raphi geholfen hat, werden wir zu einem richtigen Festessen ins Restaurant eingeladen und so kommen wir neben den klassischen mexikanischen Gerichten auch das erste Mal in den Genuss (?) von Lammeingeweiden, ganzen Wachteln und Kaninchen mexikanischer Art. Und Raphi musste natürlich Tequila mittrinken. Unglaublich nette Leute! So ging der Tag schnell vorbei und schon war es zu spät, um weiterzufahren. Zum Glück hatte uns der Guide, den wir auf dem Berg getroffen haben von einer jungen lokalen Familie erzählt, die vor ein paar Jahren durch Lateinamerika gereist ist. Um etwas zurück zu geben für die Gastfreundschaft, die ihnen damals widerfahren ist, lässt die Familie nun ebenfalls Reisende kostenlos bei ihnen parken und gibt ihnen Zugang zu warmer Dusche, Toiletten, Wifi etc. So schreiben wir der Familie am Samstagabend, ob wir spontan bei ihnen unterkommen können und erhalten prompt die Antwort, dass das kein Problem ist. Spontan, an einem Samstagabend, kostenlos wildfremde Leute empfangen – in der Schweiz unvorstellbar 🙂 Wir bringen eine Flasche Wein mit und verbringen einen gemütlichen und interessanten Abend mit den sehr sympathischen Gastgebern. Sie geben uns viele Tipps für Mexico und Zentralamerika auf den Weg. Unglaublich diese Gastfreundschaft!

Damit schliessen wir unsere erste Woche auf dem Festland Mexikos ab. Wir hatten im Vorfeld grossen Respekt, wurde uns doch so oft eingetrichtert, wie gefährlich es ist. Ja, man muss aufpassen und das machen wir weiterhin. Aber wir geniessen es auch, uns inzwischen sehr wohl zu fühlen, statt ständig ängstlich zu sein, da wir die Herzlichkeit und Gastfreundschaft des Grossteils der Bevölkerung nun zu Genüge selbst erlebt haben. Wir haben auch auf dem Festland die meisten Nächte freigestanden, uns dabei sicher gefühlt und noch keine einzelne schlechte Erfahrung gemacht. Die Leute sind sogar noch offener, herzlicher und hilfsbereiter als auf der Baja, was wohl daran liegt, dass es auf dem Festland nicht so viele US-Amis / Gringos gibt wie dort. Zu viele Touristen aus einem Land ist halt oft schwierig (Bereitschaft sich anzupassen sinkt, z.B. Spanisch zu reden) und das Verhältnis zwischen Mexikanern und US-Amis ist nun mal nicht das Einfachste. Wir freuen uns auf die weiteren Erlebnisse auf dem Festland!

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Mutter oder Escort mit Kalb (der dritte versteckt sich unten)

Wunderbare Meerestiere und Overlander-Treffen in der letzten Woche Baja

Dies war unsere letzte Woche in Baja, am Montag wollen wir die Fähre aufs Festland nehmen (wenn alles klappt, der Prozess soll kompliziert sein).

Cabo Pulmo und die Küste südlich von La Paz

Hüpfende Mobula Rochen

Nach La Paz sind wir auf der Golfseite weiter südwärts gefahren und haben ein paar einsame Übernachtungsspots gefunden, wo wir gut schnorcheln und Raphi teils auch fischen konnte. Er war sogar erfolgreich, aber die langen Trompetenfische eignen sich nicht zum essen und so lässt er sie zurück ins Wasser.
Auf dieser Höhe des Golfes konnten wir viele springende Mobula Rochen beobachten. Ein tolles Phänomen, aber zur Hauptsaison ab Mai, wenn sie in riesigen Scharen synchron fliegen bestimmt noch spezieller. Die Mobula Rochen springen bis 3 Meter hoch, ob aus Spass, um Parasiten loszuwerden oder um Partner anzuziehen ist nicht erwiesen. Sie kommen aber 2 Mal im Jahr zur Baja, da die sich ändernde Strömung dafür sorgt, dass viel Plankton, Hauptnahrungsmittel der Rochen, an die Oberfläche kommt.
Weiter fuhren wir nach Cabo Pulmo, wo sich der maritime Cabo Pulmo Nationalpark befindet mit Korallenriff (nur per Boot erreichbar). Der Park ist auch bekannt für seine beeindruckenden Fischschwärme, die sich zu riesigen Ballen formen (sieht man wohl nur beim Tauchen schön). Auf eine Bootstour zum Riff verzichten wir, aber wir suchen ein paar schöne Orte auf, wo man auch vom Ufer toll schnorcheln kann. Die Korallen sind nicht speziell, aber die Fische bunt und zahlreich – solche riesigen Schwärme mit Tausenden von Fischen auf einmal haben wir noch nie gesehen.

Buckelwale und Los Cabos

Buckelwale von oben

Der nächste Strand, den wir ansteuern, ein sehr langer Strand im Nirgendwo entpuppt sich als wahres Juwel. Auf einem kleinen Vorsprung parken wir das Auto, kucken aufs Meer – und sehen überall Wale. In jeder Ecke dampft es – unglaublich. Manche gehen total ab: Zum Beispiel schlagen sie die Seitenflosse kontinuierlich aufs Wasser oder noch spektakulärer die Schwanzflosse – und scheinen dabei nicht müde zu werden. Andere springen die ganze Zeit hoch und tauchen wieder ab. Die meisten scheinen Buckelwale zu sein, ob auch andere dabei sind (die Baja hat 9 Walarten) wissen wir nicht. Mit der Drohne entdecken wir jeweils 3er Pärchen, 2 Erwachsene und 1 Kalb. Anscheinend handelt es sich dabei um eine Mutter, ihr Kind und einen jungen männlichen Escort (nicht der Vater). Die Väter schwängeren viele Weibchen und spielen deswegen nach der Befruchtung keine Rolle mehr. Da die Weibchen gestandenere Männchen bevorzugen haben jüngere Männchen oft keine Chance. Deswegen suchen sie eine Mutter mit Kind, welche sie eskortieren in der wagen Hoffnung, dass die Mütter doch nochmals ein zweites Kind wollen und sie dann befruchten können. So ist die Mutter in den meisten Fällen, obwohl vom Vater verlassen, doch nicht mit dem Kalb alleine. Ein Video gibts ganz unten.

Unser Wal-Beobachtungsplatz

Wir beschliessen an diesem wunderbaren Ort zu bleiben. Der einzige andere den wir antreffen ist zufälligerweise aus Deutschland und war eine Zeit lang mit demselben Ami unterwegs, der uns in der Woche zuvor fürs Mahi Mahi essen eingeladen hat. Der Deutsche ist am selben Tag an welchen wir beim Ami angekommen sind abgereist, hat aber die Mahi Mahi Geschichte noch mitbekommen und sogar mit Drohne gefilmt, wie der Fisch erschlagen wurde.
So sehen wir im Nachhinen wie es zur Entstehung unseres Abendessens kam und der Kreis schliesst sich 🙂 – die Baja Welt ist klein. Wir kochen gemeinsam Pasta und geniessen den Abend am Feuer.

San José del Cabo

Weiter geht’s nach Los Cabos, 2 aneinandergrenzende Städte, die sozusagen das Cancun der Baja sind – hier fliegen US-Amis hin, um Strand/ Party- Ferien zu machen. Die kleinere der beiden Städte – San José del Cabo ist ganz süss. Wir statten ein Besuch ab, um ein Taco Restaurant zu besuchen, wo es so spezielle Taco-Kreationen gibt wie Ente mit Hibiskuspürree und Mole (mexikanische Chili-Schokoladendip) und bestellen 6 verschiedene kreative leckere Tacos.
Ansonsten ist uns Los Cabos zu touristisch und nach dem erfolglosen Abklappern von Aluminiumhändlern (wir wollen eine externe Halterung für die Gasflasche bauen) fahren wir weiter.

Pazifik mit Schildkröten und noch mehr Walen

Black Turtles

Wir fahren dem Pazifik entlang hoch mit dem Ziel Todos Santos – ein Surferparadies. Surfen können wir leider nicht, aber es gibt hier eine gemeinnützige Einrichtung, die sich um Schildkröten kümmert. Manche Strände im Süden der Baja werden von Schildkröten genutzt, um Nester im Sand zu begraben (ca. 100 Eier pro Nest). Schildkröten, insbesondere die Lederschildkröte sind vom Aussterben bedroht (95% der Lederschildkröten-Population ist in den letzten Jahren gestorben). Meist ist dies direkt / indirekt dem Menschen zu Verdanken, z.B. fressen Schildkröten Quallen, die Plastik gegessen haben, woran die Schildkröten ersticken. Dann sterben sie durch Massen-Fischerei, Eier werden gestohlen oder Neste zerstört. So gibt es Organisationen, die dafür sorgen, dass die Eier die grösstmöglichen Überlebenschancen haben – d.h. Strände werden patrouilliert, um Wilderer zu hindern die Eier zu stehlen, oder Nester werden von minder optimalen Stellen an bessere Stellen replatziert. Bei diesem Strand in Todos Santos werden die gefunden Neste an eine Stelle im Strand begraben, die von einer Art Gewächshaus (d.h. ein Gerüst aus Stangen und Blachen) geschützt ist. Damit ist es wärmer, was die Überlebenschancen erhöht und zur Geburt von mehr Weibchen führt, welche für den Erhalt der Population wichtiger sind. Nach dem Schlüpfen werden sie am Strand freigelassen und müssen den Weg ins Meer finden. Momentan ist Schlüpfsaison und wir dürfen begleiten, wie Schlüpflinge freigelassen werden.

Unser Land Cruiser in einer Bucht bei Todos Santos

Es ist ein wirklich zauberhaftes, herzerwärmendes Erlebnis. Wie die winzigen Schildkrötchen zaghaft probieren zu laufen, immer wieder anhalten, dann wieder tapfer weiterlaufen, eine Welle kommt (und diese sind hoch!), welche die Schildkröten wieder zurückspült oder auf den Rücken wirft und sie wieder auf die Beine kommen müssen… unglaublich süss. Man darf nicht helfen, die Schildkröten müssen lernen alleine zu überleben. Die meisten waren Black Turtles, aber fast noch süsser war die grüne Olive Ridley Turtle – die ist richtiggehend gehüpft, sah richtig motiviert aus. Ein Video haben wir ganz unten eingefügt.
Einen letzten Tag am Pazifik geniessen wir in einer einsamen Bucht von welcher wir wieder herrlich Wale beobachten können.

Overlander Festival in Playa de Tecolote

Bei der Balandra Bucht

Zufällig findet dieses Wochenende ein Overlander Meeting am Tecolote Strand nördlich von La Paz statt. Es ist ziemlich gross, um die 250 Autos / Camper sind vor Ort an diesem wunderschönen Strand. Manche Camper haben Sachen organisiert wie Wanderungen, eine Bar oder Workshops, am Abend gabs grosses Feuer und Party und vieles mehr. Eine Spanisch-italienische Camperfamilie hat eine Zirkusvorstellung gegeben – sie reisen Vollzeit im Camper und verdienen sich damit den Lebensunterhalt. Wir haben viele Leute kennengelernt, so auch ganze 3 weitere Paare aus der Schweiz und den Abend mal auf Schweizerdeutsch verbracht 🙂 Dann haben wir uns lange mit Brasilianern, die seit 7 Jahren unterwegs sind unterhalten oder mit einem Belgier, der in Las Vegas seine Magiershow hat und noch vielen weiteren interessanten Leuten. Super war es, dass wir mit Patricius kennenlernen konnten. Er kommt aus Deutschland und hat ebenfalls einem Troopy, den er super selber ausgebaut hat, wohnt aber inzwischen mit seiner Schweizer Freundin ausserhalb von La Paz.

Bei Patricius und Anne

Am zweiten Morgen haben wir eine kleine Wanderung vom Tecolote Beach zur Balandra Bucht gemacht, die Bucht ist wunderschön und berühmt für seinen schneeweissen Sand mit hellblauem glasklaren Wasser (so wie auf der Karibikseite, nur ohne Seegras) welches am spektakulärsten aussieht wenn bei Ebbe die Sandbänke herausschauen. Die Ebbe haben wir leider verpasst, aber an diesem Traumstrand wären wir gerne länger geblieben. Die Arbeit ruft aber, wir können nämlich bei Patricius endlich unsere Shims ersetzen, die wir bestellt hatten. Ihr Grundstück ist über 1 Hektar gross und sie bieten Langzeit-Fahrzeug-Storage für Reisende an. Die beiden bauen alles selber und was sie so geplant haben ist super, fantasievoll und alles von A bis Z durchdacht. Es sollen auch ein paar Campingmöglichkeiten entstehen und noch einiges mehr. Dabei sind sie autark, Strom liefert die Sonne.
Die beiden waren davor viele Jahre zuerst mit dem Motorrad und dann dem Troopy unterwegs und es war total spannend, was sie zu erzählen hatten, sowohl vom Reisen als auch von den jetzigen Pläne und Erfahrungen auf der Baja mit dem eigenen Bauprojekt. Wir wurden richtig verwöhnt und es gab sogar Älplermagronen zum Znacht 😍 Die Versuchung war gross einfach da zu bleiben und mit dem Bau zu helfen, aber am nächsten Tag brechen wir auf für die Fähre aufs Festland.

Fazit

Die Baja war ein Paradies – und eine definitiv „einfache“ Destination. D.h. man wird so ziemlich bei allem fündig, was man sich im Bezug auf Meer wünschen könnte – eine abartige Dichte an Walen, Delfinen, Seelöwen, Rochen, Schildkröten, Fischen, es gibt absolut einsame Strände, man kann schnorcheln aber hat auch tolle Wellen zum Surfen / Wellenreiten am Pazifik, kann mit Kayaks oder Booten die vielen Inseln erkunden (haben wir leider nicht gemacht), man hat die Sonnenaufgänge beim Golf oder die Sonnenuntergänge am Pazifik und und und…. Jetzt sind wir gespannt aufs Festland, wird die Baja doch als „Mexico Light“ bezeichnet.

Die Videos haben wir auf Youtube, weil sonst der Blog nicht laden würde (zu gross). Ein Drohnenvideo der Wale:

Video der Schildkröten-Schlüpflinge (die letzte Schildkröte ist die Olive Ridley Schildkröte)

Video der Mobula Rochen:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Farbenfrohe Küste südlich von San Evaristo

Wandern und Bucht-Hopping in der Baja California

Nach vielen Tagen fernab von Zivilisation haben wir im Städtchen Loreto an der Golfküste endlich wieder Internetempfang und verbringen so ganze 2 Nächte am Strand neben der Stadt, um mal wieder Administratives zu erledigen.

Um Loreto / Sierra de la Giganta

Schönes Pool im Tabor Canyon

Loreto ist ein schönes Städtchen mit einer hübschen Mission, die älteste der Baja (Baujahr 1697). Loreto ist bekannt für die Blauwale vor seiner Küste, die grössten Tiere der Welt. Wir sind enttäuscht zu hören, dass die Saison erst in ein paar Wochen beginnt. Loreto ist umgeben von der Sierra de la Giganta – eine vulkanische Berglandschaft, die sich über fast 400 KM streckt. Es soll da schöne Wanderungen geben und so fahren wir zum Tabor Canyon. Die Wanderung den Canyon hoch hat Spass gemacht, es war eher ein Bouldern über Felsen mit allen Vieren als ein Wandern. Es gab keinen Weg, aber zum Glück bei senkrechten längeren Stellen Seile. Wir wurden mit wunderschönen glasklaren türkisen Pools belohnt. Deren Wasser wird auch abgeleitet und so konnten wir am Fuss des Canyons angekommen unseren Wassertank damit füllen. Getrübt wurde das Wandererlebnis nur von der Angst um den Land Cruiser, lassen wir ihn doch das erste Mal in Mexico länger alleine stehen und haben wir gehört, dass bei anderen Wanderern schon eingebrochen wurde. Die Sorge stellt sich als unbegründet heraus – zurück beim Auto fanden wir es nur belagert von einer Herde wilder Burros (Esel) vor.
Eine weitere Wanderung machen wir in Puerto Escondido am Golf und geniessen die Aussicht aufs Meer und die vielen Inseln. Wandern in Mexico ist definitiv anders, einerseits gibt es kaum Informationen im Internet, keine Wegweiser oder klare Wege, keine anzutreffenden Mitwanderer geschweige den Koordinaten. So müssen wir uns auf „hilfreiche“ Angaben à la „nach einer halben Stunde rechts abbiegen“ verlassen. So haben wir uns auf der dritten Wanderung, die eine Wasserwanderung durch eine Schlucht hätte werden sollen auch prompt verlaufen. Immerhin haben wir die Schlucht (Mesquite Canyon) stattdessen dann von oben gesehen.

San Cozme / Agua Verde

San Cozmé Hot Spring

Nach Loreto fahren wir eine 4×4 Strecke zu San Cozme am Golf von Kalifornien, wo man nach einem Spaziergang am Strand zu natürlichen Hot Springs gelangt. Bei Ebbe bilden sich aufgrund der Felsen und Steine Gezeitenpools mit Restwasser der Flut. Aufgrund der Geothermik im Boden wird heisse Luft ausgestossen und die Pools heizen sich dadurch bei Ebbe jeweils auf. Ziemlich toll, insbesondere, da man abwechseln kann mit dem kühlen Meer nebendran, wenn es zu heiss wird. Wir fahren die anspruchsvolle Allradstrasse noch ein wenig weiter auf der Suche nach einem Übernachtungsspot. Wir können uns zwischen jeder Menge einsamer Buchten entscheiden. Wir entscheiden uns schlussendlich für eine, wo es doch schon 4-5 andere Parteien hat, da diese Bucht kleine Inseln hat, die sich gut zum Schnorcheln eignen. Die Bucht ist aber so lange, dass man trotzdem maximale Privatsphäre hat. Das Schnorcheln ist auch wirklich toll – die Korallen sind nicht speziell, aber es gibt extrem viele Fische, teils auch sehr bunte. Bei der Einfahrt am Rande der Bucht campt ein US-Ami aus Oregon. Er erzählt uns wie er am Morgen einen über 1 Meter grossen Mahi Mahi Raubfisch bei der Jagd beobachtet hat und dieser dabei auf den Felsen am Rand der Bucht gelandet ist. Er hat schnell reagiert und den Mahi Mahi mit einem Stein erschlagen. So hat er uns und alle anderem Parteien in der Bucht (alles US-Amerikaner) zum Abendessen eingeladen. So bringt jeder was mit und zu einem Feuer geniessen wir die Hälfte des köstlichen Mahi Mahis.

San Evaristo

Unser Land Cruiser auf den grünen Kliffs

Wir bewegen uns hauptsächlich auf 4×4 Tracks weiter südlich. Oft trifft man stundenlang auf niemanden, und wenn doch dann meistens auf einen vereinzelten Cowboy auf einem Pferd. Bei der Hitze muss das Reiten schön anstrengend sein und so geben wir auch mal ein kühles Bier raus.
Eine Strecke ist besonders spektakulär und auch anspruchsvoll: über grosse Felsen und durch bunte Berge fahren wir wieder an die Golfküste. Die Berge sind bunt – rot, gelb aber vor allem auch grün, aufgrund des Phosphorgehalts der Felsen. Auch dort finden wir wieder eine einsame Bucht zum übernachten und siehe da, Raphi fängt schon wieder ein Fisch, womit wir einmal mehr Fisch zum Abendessen geniessen.

La Paz

Danach fahren wir der spektakulären Küste entlang nach La Paz – der Hauptstadt von Baja California Sur am Golf. La Paz ist bekannt dafür, dass man zum Beispiel mit Walhaien schwimmen kann, aber das lassen wir, haben wir es bereits in Australien gemacht. Einfach wahnsinnig, was der Golf von Kalifornien / die Sea of Cortez alles zu bieten hat und kein Wunder wird der Golf von Kalifornien auch als Aquarium der Welt bezeichnet. Stattdessen haben wir über Nacht ein Airbnb gemietet und machen wieder mal einen richtigen Putz- und Waschtag und geniessen die erste (fast) heisse Dusche seit 3 Wochen. Wir mussten ja Shims für den Land Cruiser bestellen und diese holen wir bei einem Freund von Jack aus Mexicali – einem Polizisten in La Paz – ab. Er lädt uns zum Kaffee ein und erzählt uns bisschen was über die Polizei Mexicos (die Nationalgarden empfinden Polizisten übrigens als strohdumm, man kann scheinbar froh sein wenn sie überhaupt reden können hat er gemeint). Nun möchten wir noch eine Woche die Region südlich von La Paz erkunden, bevor wir dann von La Paz aus die Fähre aufs Festland nehmen.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn