Weihnachten am Ende der Welt – wir habens geschafft!

Nach El Chaltén fahren wir wieder Richtung Süden. In Rio Gallegos legen wir nochmals einen Zwischenhalt ein, um einzukaufen und nochmals argentinische Pesos zu besorgen, da es uns dort einfacher erscheint als in Feuerland. Einmal mehr entpuppt sich dieses Vorhaben als Odysee – es erfüllt fast den ganzen Tag. Unter anderem fahren wir mehrmals zu ca. 4 Western Union Standorten, stehen einige Male vergebens bis zu einer Stunde lang an, werden hingehalten, damit uns schlussendlich mitgeteilt wird, dass das System nicht mehr funktioniert. Eine Dame, wischt uns noch eins rein und händigt uns kein Geld aus, da wir sie angefragt haben, ob wir 200’000 Pesos beziehen können, aber die Überweisung dann gleich auf 250’000 Pesos erhöht haben. Ja, über Geld in Argentinien könnten wir ein Buch schreiben. Nachdem wir am Ende des Tages endlich erfolgreich sind haben wir immerhin wieder ein paar dicke Bündel auf Vorrat, womit das Thema vorübergehend wieder erledigt sein sollte.

Die Königspinguine in Feuerland

Königspinguin-Kolonie in Bahía Inútil

Nun müssen wir, um auf Feuerland zu kommen, wieder die Grenze nach Chile queren. Feuerland oder auf Spanisch Tierra del Fuego ist die Inselgruppe am südlichen Zipfel von Südamerika. Feuerland wurde von den europäischen Entdeckern so genannt, weil diese bei ihrer ersten Ankunft überall Feuer sahen. Grund ist, dass die Ureinwohner, die ohne Kleider lebten, sich stets mit Feuern warm hielten. Aus Budget- und Zeitgründen beschränken wir uns bei unserem Besuch auf die Hauptinsel von Feuerland, die Isla Grande Tierra del Fuego. Die Insel ist in der Mitte geteilt zwischen Chile und Argentinien. Mit der Fähre setzen wir über die Magellanstrasse um auf der Insel anzukommen.
Auf der chilenischen Seite besuchen wir die einzige Königspinguinkolonie Südamerikas – in Bahía Inútil. Während Königspinguine sonst nur auf subantarktischen Inseln zu finden sind, haben sie sich glücklicherweise auch in besagter Bucht niedergelassen. Obwohl Königspinguine schon seit Jahrhunderten immer wieder sporadisch Feuerland einen Besuch abstatten gibt es die Kolonie erst seit 2010 mit der Ankunft von 8 Königspinguinen und deren permanenten Niederlassung zur Brutzeit. Seit 2010 kehren sie jährlich zur Brutzeit – dem feuerländischen Sommer – zurück, wobei es inzwischen schon über 40 Pinguine sind. Momentan brüten die Pinguine noch ihre Eier. Im Gegensatz zu anderen Pinguinen sind diese nicht in einem Nest sondern auf ihren Füssen, weswegen die Pinguine auch die meiste Zeit relativ ruhig dastehen, als wir sie besuchen. Die Eltern brüten abwechselnd und das nicht-brütende Elternteil kann in der freien Zeit zum Beispiel jagen gehen. Um sie nicht zu stören müssen wir natürlich genügend Abstand bewahren, aber es ist faszinierend ein solch schönes Tier in der Wildnis zu beobachten, was wir normalerweise nur im Zoo sehen. Ein weiterer kurioser Anblick ist ein brütender Vogel im Boden – so ruhig und so gut getarnt hätten wir ihn nie gesehen wenn der Guide vom Naturreservat uns nicht darauf hingewiesen hätte.

Weihnachten am Ende der Welt

Feuerland

Dann geht es weiter – wir queren die Grenze auf die argentinische Seite von Feuerland. Dort verbringen wir eine Nacht am Strand zum Atlantik. Für einen gemütlichen Abend oder lange Strandspaziergänge ist es wie typisch für hier zu windig und nass. Im Land Cruiser finden wir aber zum Glück genug Platz zum Essen für 4. Wir fahren weiter in den Süden. Nach anfangs weiten Ebenen, auf welchen aufgrund des starken Windes kaum Vegetation wächst, fahren wir im Süden Feuerlands durch Berglandschaften mit Seen und Wäldern – eine wirklich schöne wilde Landschaft. Die Bergen mit der leichten Schneeschicht auf den Spitzen sehen aus wie mit Puderzucker bestreut.
Nach der idyllischen Fahrt kommen wir endlich in Ushuaia an – dem Ende der Welt oder auch Fin del Mundo! Was für ein Meilenstein! Bei Ushuaia handelt es sich um die südlichste Stadt der Welt – theoretisch. Theoretisch, da auf der kleineren, gegenüberliegenden und zu Chile gehörenden Insel weiter südlich, sich noch Puerto Williams befindet. Puerto Williams hat zwar nur 2300 Einwohner, aber seit Chile vor ein paar Jahren seine Definition einer Stadt geändert hat, wird Puerto Williams als Stadt eingestuft und ist deswegen neu die südlichste Stadt der Welt. Es kommt also auf die Definition an, aber meist wird immer noch Ushuaia als die südlichste Stadt bezeichnet. Als Missionsstandort gegründet diente Ushuaia zwischenzeitlich als Strafkolonie bevor dann die Besiedlung intensiv von der argentinischen Regierung gefördert wurde um potenziellen chilenischen Expansionsgelüsten entgegen zu wirken. Mittlerweile wohnen 75’000 Einwohner in Ushuaia. Heute ist für die Stadt vor allem der Tourismus sehr wichtig – hier legen Kreuzfahrtschiffe an oder es wird die Antarktis besucht.
Wir nehmen es hier gemütlich. Über Weihnachten haben wir ein heimeliges Airbnb gebucht, geniessen die Ruhe, putzen den Land Cruiser, backen Plätzchen, geniessen die Zeit zu Viert, gehen gut essen, kochen super leckere und frische Shrimps und Lachs zu Heiligabend und statten dem südlichsten Hard Rock Café der Welt einen Besuch ab. Die Rechnung beträgt 12 Franken für 10 Cocktails in der Happy Hour – das mit Abstand günstigste Hard Rock Café, was wir je besucht haben. Obwohl sehr touristisch gefällt uns die Stadt. Mit dem vielen Schiff- und Containerverkehr strömt Ushuaia eine kosmopolitische Atmosphäre aus, die schneebedeckten Bergen bieten eine hübsche Kulisse und die Architektur mit süssen kleinen Holzhäusern und spitzigen Dächern ist irgendwie romantisch.

Wir habens geschafft! Am Ende der Panamericana

Das Ende der Strasse

Für uns beide steht noch ein spezieller Ausflug an – wir fahren noch zum Tierra del Fuego Nationalpark und zwar bis ans Ende der Strasse. Hier endet die Route 3 von Buenos Aires, die inoffizielle Fortsetztung der Pan-American Highway nach Buenos Aires, womit sich hier das Ende der Panamericana befindet. Nach 19 Ländern, 504 Tagen und 92’800 Kilometern haben wir es damit endlich geschafft und das Ende der Panamericana und damit unser Ziel erreicht, kaum zu glauben! Irgendwie haben wir nie damit gerechnet, tatsächlich irgendwann da, am Ende der Panamericana zu stehen, aber nun ist es tatsächlich so weit. Wir haben es geschafft und – dank Covid mit Ausnahme von Kanada und Alaska – die Panamericana abgeschlossen. Natürlich theoretisch, weil wir selten auf der eigentlichen Panamericana gereist sind und die Reise hauptsächlich aus Abstecher an Sehenswürdigkeiten abseits der Panamericana bestanden hat. Aber wir sind am Ende angekommen und dies ohne jegliche schlechte Erfahrung oder Erlebnisse – unglaublich! Die ganze Romantik und Sentimentalität im Zusammenhang mit diesem Meilenstein geht leider komplett unter – im Stress konkurrierend zu den gleichzeitig in etwa 10 Reisebussen eingetroffenen Kreuzfahrtpassagieren ein schönes Foto schiessen zu wollen. Aber so ist es halt, auch als Kreuzfahrtpassagier braucht man ein Foto vom Ende der Panamericana. Auf dem Rückweg ins Airbnb kullert dafür dann doch die eine oder andere Träne über die Wange, ab der Unfassbarkeit dieser Reise und dem drohenden Ende davon nach Erreichen dieses Meilensteins. Nach 3 Nächten in Ushuaia heisst es damit wieder Abschied zu nehmen – von jetzt an geht es für uns wieder weiter nördlich.

Unsere Route bisher:

Unsere Route bisher

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

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