Der wunderschöne Cotopaxi

Erlebnisse von 0 bis 5200 m.ü.M. in Ecuador

Da in Eile, haben wir uns für Ecuador nur eine gute Woche Zeit genommen. Wir hoffen aber Ecuador irgendwann noch ausgiebiger erkunden zu können, vielleicht in Kombination mit einem Besuch der Galapagos Inseln.

Quito und der Äquator

Äquator Faxen

Nach dem Aufenthalt auf dem deutschen Campingplatz Sommerwind sind wir weiter Richtung 2 Mio. Einwohner Hauptstadt Quito. Auf dem Weg besuchen wir den an manchen Tagen grössten Markt Südamerikas in Otovalo und kaufen Anouk einen Poncho, der in den Anden warm geben soll. Raphi wurde nicht fündig. Nördlich von Quito passieren wir den Äquator. Wir verzichten darauf das touristische Monument mitsamt gemalter Äquatorlinie zu besuchen. Dieses liegt an falscher Stelle, da sich ein paar Missionare dazumal um ein paar hundert Meter vertan haben. Stattdessen suchen wir die Catequilla Stätte auf, eine abgelegene, kaum besuchte und unkommerzialisierte Ruine aus Prä-Inkazeiten (8. Jahrhundert), welches als astronomisches Observatorium diente und genau auf dem Äquator liegt. Es befindet sich zugleich ein neues Monument daneben, welches sich gut dazu eignete, ein paar Äquator Fotos zu schiessen.
In Quito treffen uns mit einem Ecuadorianischen Pärchen, welches selber bereits mit dem Motorrad Südamerika bereist hat und mit welchem wir dank einer Facebook Gruppe in Kontakt stehen. Sie haben uns nicht nur Unmengen Reisetipps und Routen mit auf den Weg gegeben, sondern sind auch von ausserhalb der Stadt anreist, um uns Quito zu zeigen und uns dann ins edle Restaurant einzuladen (keine Widerrede möglich). Er ist interessanterweise Müller und hat in der Schweiz eine Müllerausbildung gemacht, da es bei St. Gallen eine renommierte Schule dafür gibt, was wir nicht mal wussten.
Die Innenstadt Quitos geniessen wir sehr, die Kolonialbauten sind prächtig, die Kirchen innen wunderschön detailreich mit viel Gold geschmückt. Sie gefallen uns mehr als die oft simplen Kirchen, die wir bisher in Lateinamerika gesehen haben. Quito war dank seiner Kolonialbauten die erste UNESCO Weltkulturerbestadt.
Ausserhalb der Innenstadt wirkt die Stadt ein wenig trostlos, viele Läden sind geschlossen, wenig Leute zu Fuss unterwegs, die Fassaden sind graffitiverschmiert. Man merkt, dass es Ecuador wirtschaftlich schlecht geht. Schon vor der Pandemie war Ecuador verschuldet und hat dann in Vereinbarung mit dem IWF Sparmassnahmen ergriffen wie öffentliche Ausgaben und Benzinsubventionen zu streichen. Dies hat zu Aufruhr in der Bevölkerung geführt. Mit der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit und Armut massiv gestiegen, Ecuador hat erst sehr spät die Grenzen wieder geöffnet und so treffen mit Covid-19 diese Sparmassnahmen alle noch viel härter. Erst vor ein paar Wochen hat es massive Proteste, Streiks und Blockaden im ganzen Land gegeben, bis die Regierung Kompromisse eingegangen ist, wie den regulierten Treibstoffpreis wieder zu senken.
In Quito bleiben wir 2 halbe Tage und geniessen dabei die lokale Küche, die übrigens sehr lecker ist – Kartoffelsuppe mit Avocado und Käse, riesige luftige Empanadas (frittierte Teigtaschen) mit Käse gefüllt, warme Bananen vom Grill mit Käse gefüllt, Canelazos – heisser Punch mit Aguardiente (Zuckerrohrschnaps) oder Ponche, aufgeschäumter Eierpunch. Auf Cuy verzichten wir vorläufig. Cuy sind Meerschweinchen, die auf dem Land überall am Strassenrand an Drehspiessen gegrillt werden. In Quito machen wir auch wieder mal eine für uns nicht nachvollziehbare, in unseren Augen völlig abstruse Geschäftserfahrung, die wohl in Europa nie geschehen würde: Wir holen eine Seilwinde ab, die wir für die Amazonasdurchquerung bestellt haben und die wir Wochen davor bereits per Überweisung anbezahlt haben. Nachdem die Transaktion vollständig war (wir den Restbetrag per Banktransfer bezahlt haben und die Seilwinde in unserem Auto liegt) kommt der Chef des Ladens und will plötzlich 20% mehr. Es ist ihm aufgefallen, dass seine Bank ihm 20% Kommission berechnet. Er macht uns den Vorwurf, dass wir das hätten wissen sollen (als ob wir die AGB’s seiner Bank kennen, in Kolumbien haben wir ohne Probleme mehrmals per Transfer bezahlt). Der Chef wollte ja das Geld per Banktransfer, und wenn er die Konditionen seiner Bank nicht kannte, dann hätte er spätestens nach der Anzahlung die Kommission bemerken sollen. Riesige Diskussionen, einige Stunden und dem guten Support unsrer Bank (Revolut) später können wir das Problem lösen.

Der Vulkan Cotopaxi

Der Cotopaxi ist mit einer Höhe von 5911 Metern der zweithöchste Gipfel Ecuadors und ein aktiver Vulkan. Wir schaffen mit dem Land Cruiser den bisherigen Höherekord: den Parkplatz auf ca. 4600 Höhemetern am Vulkan. Von dichtem Nebel umgeben und enttäuscht den Vulkan nicht zu sehen beschliessen wir den Nachmittag auf dem Parkplatz im Auto zu verbringen. Irgendwann beschliessen wir doch noch ein paar Schritte zu laufen, wenn wir doch schon da sind. Aus den paar Schritten wird dann der ganze Weg bis ins Basislager auf 4864 Metern. Die paar fehlenden Höhemeter zur 5000er Marke konnten wir nicht auf uns sitzen lassen und so wandern wir weiter bis wir komplett spontan mit 5200 Metern unseren bisherigen Rekord von bisschen mehr als 5000 Metern in Mexico brechen und fast den Gletscher erreichen. Inzwischen sind auch die Wolken grösstenteils weg und die Aussicht herrlich!
Der Vulkan ist wunderschön, mit grünen bis goldenen Feldern zu Fusse, grau-schwarzem und weiter oben rötlichem Mittelteil aus Erde und Vulkanasche bis zum weissen mit Schnee und Gletschern bedeckten Gipfel. Als Belohnung gibts auf unserem wunderschönen Übernachtungsort mit dem Cotopaxi als Kulisse wieder mal ein Fondue zum Znacht.

Ein Kratersee und ein in Wolken versteckter Gigant und Rückkehr zu den Walen

Unseren Weiterweg führt durch idyllische Strassen und indigene Dörfer zur Laguna Quilatoa. Dieser Kratersee ist mit 250 Metern extrem tief und hat eine wunderschöne blaugrüne Farbe dank der Mineralien von ehemaligen Vulkanausbrüchen. Unterwegs folgen wir nach einem Hinweisschild einen Umweg zu einer total abgelegen auf einem Berg liegender Käserei. Wir dürfen der Käserin bei der Herstellung zuschauen, dabei probieren und kaufen leckeren, gealterten Hartkäse (eine Seltenheit hier). Es stellt sich heraus, dass diese herzliche Käserei-Familie von einem Schweizer unterrichtet wurde. Bei der Lagune angekommen verzichten wir aufgrund des Regens auf einen grösseren Spaziergang und fahren weiter zum grössten Vulkan Südamerikas und höchsten Berg Ecuadors. Dessen Gipfel ist der Ort der Welt, welcher am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist und zugleich am nächsten bei den Sternen ist – der Vulkan Chimborazo. Grund, dass er mit „nur“ 6264 Metern über Meer den Mount Everest mit der Höhendefinition ab Erdkern übertrifft, ist, dass die Erde nicht perfekt rund ist sondern entlang des Äquators breiter.
Wir finden einen Wildcampingspot direkt am Berg umgeben von jeder Menge Vicuñas. Diese Alpaka-ähnlichen Tiere waren einst bedroht und in Ecuador komplett ausgestorben. Inzwischen sind sie geschützt und durch gespendete Tiere von Peru und Bolivien ist auch in Ecuador beim Chimborazo wieder eine Population vorhanden. Wir sind überrascht, wie gut wir die Höhe in Ecuador vertragen und auch stets auf 4000 Metern gut übernachten. Der einzige, der Probleme schiebt, ist unser Feueralarm. Dieser fängt oft in der Nacht aufgrund von Sauerstoffmangel (Kohlenmonoxid- Überfluss) an zu lärmen bis wir schliesslich die Batterie rausnehmen müssen, um nicht immer aufzuwachen.

Den Dschungel Ecuadors lassen wir aus, dafür fahren wir an die Pazifikküste. Wir erfrischen uns im Pazifik am Los Frailes Strand und fahren nach Puerto Lopez. Von dort aus wollen wir einen Ausflug auf die aufgrund ihrer Artenvielfalt mit dem Spitznamen Poor Mans Galapagos versehenen Insel „Isla La Plata“ machen. Da langes Wochenende ist, ist der Ausflug leider bereits ausgebucht und so entscheiden wir uns für eine Waltour. Buckelwale kommen jeweils von Juni bis September vom Antarktis nach Ecuador vor die Küste von Puerto Lopez um sich zu paaren und zu gebären. Da sie sich in der Paarungsphase befinden, sind jede Menge besonderer Verhaltungsweisen zu beobachten, wie zum Beispiel, dass die Männchen grossartige Sprünge machen, um Weibchen zu beeindrucken.
Nach unseren wunderschönen Walerlebnissen auf der Baja war diese Tour eine der gemischten Gefühle. Wir kamen zwar nah an die Wale ran und es war eindrücklich sie so nahe springen zu sehen, aber in unseren Augen wurde überhaupt nicht aufs Tierwohl geachtet. Jeweils 5-6 grosse Boote verschiedener Tourgesellschaften umkreisten die Wale und kamen dabei bis zu 2-3 Meter nahe ans Tier, während in Theorie 100 Meter Abstand eingehalten werden müssen. Das war traurig. Auf einer Boje sahen wir immerhin ein paar Blaufusstölpel oder mit griffigerem englischen Namen „Boobies“ – tollpatschig aussehende Vögel mit knallblauen Flossen und Schnabeln, einer der typischen Vogelarten der Galapagos.

Wunderschönes Cuenca

Nach einer weiteren Nacht am Strand weiter südlich überqueren wir erneut wunderschönes Andengebirge und treffen dabei zufällig ein deutsches Langzeitreise-Pärchen, welches seit 2016 mit dem Camper in Südamerika unterwegs ist. Wir unterhalten uns sehr lange mit ihnen, tauschen Erfahrungen aus (sie kommen von der südlichen Richtung, wir von der nördlichen), verabschieden uns und fahren weiter in die Stadt Cuenca. Wir stellen unser Auto in der Nähe eines Parks ab, lustigerweise genau wie das Pärchen, welches wir bereits wenige Stunden zuvor getroffen haben und so besichtigen wir die Stadt gemeinsam. Die drittgrösste Stadt des Landes ist ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Die Innenstadt ist wunderschön mit ihren Kolonialbauten, den aufwendigen Fassaden, den grosszügigen, mit Geranien versehenen Innenhöfen, der Lage am Fluss und den Kopfsteinpflasterstrassen. Auf dem Dach der Catedral de la Inmaculada Concepción geniessen wir die Aussicht über die Stadt und schlendern danach durch die Strassen bevor wir auf einem winzigen Minibalkon die Happy Hour geniessen.

Eine spannende Gratwanderung zum Abschied

Unseren letzten Tag in Ecuador fahren wir wieder viel. Beim Cerro Mandango legen wir einen Halt ein, wo wir eine aufregende Rundwanderung abseits der Touristenpfade machen. Der erste Teil hoch zu einem Aussichtspunkt auf dem Berg ist sehr steil, anstrengend und bei Locals einigermassen beliebt, aber danach treffen wir keinen mehr an. Wir laufen ein paar Kilometer den Grat entlang und es ist furchterregend. Links und rechts geht es sehr steil runter, auch wenn es einem aufgrund der hohen Büsche manchmal nicht so bewusst ist. Es braucht extreme Aufmerksamkeit, damit man sich nicht vertritt. Teils ist der Grat auch selbst steil, was Halt zu finden bei diesem Boden aus loser Erde noch schwieriger macht. Nachdem wir den Grat verlassen haben mussten wir uns ein paar Kilometer lang durch Büsche kämpfen, wobei wir immer wieder den Weg verloren. Zum Glück waren die Tausenden von Spinnenwaben, von welchen der letzte Kommentator der Wanderung vor ein paar Monaten gewarnt hat weg. Ja, das war abenteuerlich und auf eine Art spassig, aber wir tragen einige Andenken davon (Kratzer und ein paar Löcher in den Kleidern). Das war auch bereits unser Abschied vom schönen, vielfältigen Ecuador mit den stets sehr freundlichen Menschen. Wir fahren bis es dunkel wird, und bekommen netterweise von einem Wächter die Erlaubnis auf einer bewachten Baustelle vor dem Grenzübertritt am nächsten Tag kostenlos zu übernachten. Ja, Ecuador möchten wir irgendwann nochmals besuchen, es gibt noch so viel zu sehen und auch hier haben wir uns sehr willkommen und stets sicher gefühlt!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Punta Gallenas

Wo goldene Dünen in die türkise Karibik fliessen

Nach unseren Schwierigkeiten den Land Cruiser zurückzubekommen sind wir seit über einer Woche wieder unterwegs und haben uns in Rekordschnelle mit Kolumbien versöhnt. Landschaftlich ist es wirklich schön und die Menschen werden ihrem Ruf gerecht. Seit Reisebeginn haben wir immer zu hören bekommen, dass die Leute in Kolumbien so toll sein sollen. Und wirklich, bisher sind wir auf unglaublich gastfreundliche, nette, offene, hilfsbereite, interessierte Menschen gestossen. Wir ziehen deutlich mehr Augen auf uns als in Zentralamerika und werden sehr oft angesprochen und in Gespräche verwickelt.

La Guajira

Beim Pilón de Azúcar

Wir machen uns nordwärts zum Guajira Peninsula. Unsere Container Buddies sind ohne High Clearance (Bodenfreiheit) und 4×4 nicht für diese Fahrt ausgerüstet und so stellen wir ihr Van in Riohacha unter, besorgen Essen, Cracker und Wassertüten für die indigene Bevölkerung und tanken nochmals voll bevor wir zu Viert im Land Cruiser weiterfahren. Hier in der Nähe der venezuelischen Grenze ist Volltanken bei 45 Rappen pro Liter relativ schmerzfrei. Danach fahren wir auf die 21’000 Quadratkilometer grosse Halbinsel. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und wir bewegen uns grösstenteils auf Wüstentracks statt auf befestigten Strassen. La Guajira ist im Gegensatz vom Rest Kolumbiens geprägt von karger Wüste. Die indigenen Bewohner – die Wayúu – leben hier in einfachsten Verhältnissen, ohne fliessend Wasser, abgeschieden von der Aussenwelt und mit Mangel an Schulen, Arztpraxen oder sonstigen Institutionen. Die Wayúu sind dazumal während der Kolonialisierung in diese Gegend geflohen und haben es als einer der wenigen indigenen Stämme geschafft ihre Traditionen und ihren Lebensstil hier unabhängig zu bewahren, während sie jahrelang für ihre Autonomie gekämpft haben. Heute leben sie in sehr armen Verhältnissen, von der Land- und Viehwirtschaft, der Fischerei, dem Handel mit Kunsthandwerk und dem Tourismus. Als Grenzregion gibt es in der Region auch viele Schmuggelrouten, wobei mit dem Thema Drogenschmuggel relativ offen umgegangen wird. So rechnet uns ein Autobewunderer netterweise vor, dass man mit dem Schmuggel einer vollen Bootsladung Koks von La Guajira in die Dominikanische Republik, einen ähnlichen Land Cruiser wie unseren kaufen kann.

Auf dem Pilón de Azúcar

Landschaftlich ist La Guajira prächtig: Goldene Wüste mit Dünen, die einem eher in Nordafrika wähnen lassen als in Südamerika. Der grösste Unterschied ist dabei, dass die Wüste in der hellblauen Karibik mündet, was für einen wunderschönen Kontrast sorgt. Nach Monaten im heissen und feuchten Zentralamerika sind wir über die Trockenheit extrem dankbar. Der starke Wind sorgt ausserdem dafür, dass die Temperaturen trotz intensiver Sonneneinstrahlung angenehm sind und wir endlich wieder relativ kühle Nächte verbringen.
Den ersten Stopp legen wir im Dorf Cabo de la Vela ein. Aufgrund des starken Windes und des zugleich flachen Wassers ist dies ein Weltklasse – Kitesurfspot. Was für Künste (Sprünge!) die Locals hier draufhaben ist beeindruckend – siehe Video unten. Hier geniessen wir die Kitesurfshow, erfrischen uns im Meer und laufen auf den schönen Pilón de Azucar hoch für den Sonnenuntergang. Während die meisten Menschen hier in Hängematten übernachten schlafen wir im Auto und bauen für Aurore und Salah das Zelt auf. Am nächsten Tag machen wir die Fahrt noch tiefer ins Peninsula rein – nach Punta Gallinas. Viele haben uns davon abgeraten, dies auf eigene Faust zu machen, da man in den unterirdischen Flüssen steckenbleiben kann, es eine Vielzahl an Tracks gibt, ohne dass wir die „guten“ bzw. richtigen Tracks kennen und es teils feindlich gesinnte Locals gibt. So vereinbaren wir mit Tourguides, dass wir gegen eine kleine Bezahlung ihren Touren hinterherfahren. Da doch sehr anspruchsvoll, brauchen wir für die Fahrt fast den ganzen Tag. Krass war die Anzahl an „Schnurblockaden“. Auf der ganzen Fahrt hatten wir vielleicht 150-200 davon. Das sind Locals, die eine Schnur (oder auch ein Stahlseil oder eine Kette) spannen und wollen, dass wir ihnen was geben. Es handelt sich dabei oft um Kinder, ab ca. 2 Jahren bis ins Teenageralter. Manchmal gabs gleich etwa 20 oder so Schnurblockaden hintereinander mit Abstand von etwa 5 Meter dazwischen. Geld sollte man nicht geben und so sind wir froh, dass wir viele Wassertüten, Crackerpakete oder Früchte gekauft haben. Aber es sind so viele, dass wir nicht jedes Mal etwas geben können und manchmal nicht anhalten und die Locals das Seil dann im letzten Moment fallen lassen. Traurig ist auch, dass der Abfall von diesen Wassertüten oder den Esswaren alles in der Wüste landet. Die Situation ist allgemein unbefriedigend. Statt dass alle betteln wäre es besser wenn sich die Clans organisieren würden, Eintritt für das Gebiet verlangen würden, dieses Geld auf die Familien verteilen und die Kinder in die Schule können, statt betteln zu müssen. Aber ja, so eine strukturelle Änderung ist immer einfacher ausgedacht als umgesetzt.

Bahia Hondita

Bei den schönen Dünen Dunas del Taroa, die direkt ins Meer fliessen, legen wir einen längeren Zwischenhalt ein und gehen im Meer schwimmen. Den Sonnenuntergang geniessen wir bei Punta Gallenas, dem nördlichsten Punkt Südamerikas. Ein alter Leuchtturm, viele Steinmännchen und ein Gemälde mit Landkarte, welche Punta Gallenas darstellt, schmücken diesen Ort in der Wüste. Es hat auch einen Wegweiser und wir fühlen uns geehrt, dass die Schweiz als einziges europäisches Land darauf zu finden ist.
Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Cabo de la Vela, finden ein einsames Plätzchen, wo Raphi uns einen grossen Fisch fängt, der für alle zum Abendessen reicht. Vom Übernachtungsplatz in der Wildnis werden wir vertrieben, dürfen dann aber gegen eine kleinen Beitrag auf dem Grundstück eines Häuptlings übernachten.

Santa Cruz de Mompox

Raphi in Mompox

Von nun an geht es also südwärts. Schweren Herzens trennen wir uns von unsren Containerbuddies. In einer super Werkstatt in Barranquilla mit nettem Inhaber, der uns noch viele Reise- und 4×4 Tipps auf den Weg gibt, machen wir Service und wechseln den Zahnriemen. Wir waren den ganzen Tag von 08.00 bis 17.00 Uhr in der Werkstatt und haben dafür nur 140 Franken bezahlt! Dann müssen wir zurück nach Cartagena, um bei Agentin Ana die Kreditkarte abholen, die nach über einem Monat endlich aus der Schweiz angekommen ist (Revolut hat kurzerhand entschlossen unsere noch lange gültige Kreditkarte zu ersetzen, was für uns auf Reisen natürlich denkbar ungünstig ist). Die erste, die Anouks Eltern versucht haben zu senden ging verloren, dieses Mal hats zum Glück geklappt. Nun sind wir endlich gefühlt frei von allen Verpflichtungen, verabschieden uns das letzte Mal von der Karibik und fahren ins Landesinnere nach Mompox.
Santa Cruz de Mompox ist eine süsse kleine Kolonialstadt am Magdalena Fluss in einer schönen grünen Sumpf- und Seelandschaft. Infolge der vielen Piratenangriffen auf Städte der Karibikküste sind dazumal viele reichen Spanier nach Mompox gezogen, was sich in der Architektur widerspiegelt. Erst 2015 wurde eine Brücke eröffnet, die Mompox, theoretisch auf einer riesigen Flussinsel liegend, per Landweg mit dem restlichen Kolumbien verbindet. Überrascht haben uns die Schweizer Flaggen überall. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir gecheckt haben, dass die Flagge von Mompox ebenfalls aus einem weissem Kreuz auf rotem Grund besteht – der rote Grund repräsentiert das Blut, dass von Momposinos vergossen wurde und das weisse Kreuz die Religiosität, die von den Spaniern übernommen wurde. Abends flanieren wir an der hübschen Flussuferpromenade, geniessen einen Cocktail aus Lulo-Früchten (leckere leicht säuerliche orange Früchte) und Salat aus dem leckeren lokalen Käse bevor wir am Dorfplatz im Auto übernachten.

Los Estoraques

Wir bei Los Estoraques

Weiter westwärts besuchen wir Los Estoraques – eine Landschaft aus grossen braunen Lehmsäulen, die über Jahrtausende hinweg zur jetzigen Form erodiert wurden. Wieder in einem ganz anderen Kolumbien geniessen wir da den friedlichen Spaziergang mit Vogelgezwitscher und der gelegentlichen Kuh-Begegnung. La Playa de Belen, das süsse Städtchen vor dem kleinen Nationalpark begeistert uns ebenfalls. Es war ein schöner Ausflug in die Berge, aber der Verkehr treibt einen in den Wahnsinn. Die Distanzen sind sehr lang und die Strassen, ja auch die Mautstrassen, alle einspurig. Konstant steckt man so (insbesondere auf den zahlreichen kurvigen Bergstrassen) hinter im Schneckentempo fahrenden Lastwagen fest.
Nun ist es für uns endgültig Zeit in kältere Gefilde zu fliehen – wir haben wieder eine Kakerlake entdeckt und freuen uns nun auf die Berglandschaften weiter südlich, welche dem Schwitzen in der Nacht und jeglichen Kakerlaken hoffentlich endgültig ein Ende setzen werden.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
San Blas Inseln

Mit dem Segelschiff auf einen neuen Kontinent

Nach unseren 3 Tagen in Portobelo ohne fliessend Wasser und am letzten Tag auch noch ohne Strom konnten wir endlich unsere Überfahrt nach Kolumbien antreten. Mit dem Segelschiff werden wir in 5 Nächten von Portobelo in Panama nach Cartagena in Kolumbien segeln. Damit ist das Kapitel Nord- und Zentralamerika abgeschlossen und wir kommen nach Südamerika, wo wir beide noch nie waren.

Riesige Seesterne bei den San Blas Inseln

Auf dem Segelschiff sind wir eine gemischte Gruppe – ein dänisches Pärchen, ein englisches Pärchen, ein argentinischer Motorradfahrer und zwei US-amerikanische Fahrradfahrer. Der Captain ist Australier und seine kolumbianische Frau verwöhnt uns kulinarisch. Im 60-jährigen Segelschiff machen wir zuerst 3 Tage lang Inselhopping auf den San Blas Trauminseln, bevor wir die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer antreten.
Die ersten 3 Tage auf den Inseln sind paradiesisch. Die San Blas Inselgruppe gehört zwar zu Panama, wird aber autonom vom indigenen Kuna-Stamm verwaltet und besessen. Insgesamt gehören über 365 Inseln dazu, nur rund 50 davon sind von den Kuna bewohnt. Die Kuna mussten lange um ihr Recht kämpfen, auf den Inseln wohnen zu bleiben und haben es dann 1930 endlich geschafft, sich Autonomie für die Inseln zu sichern und die Garantie da einigermassen ungestört zu leben. Während sie früher unbekleidet, nur mit reichlich Körperbemalung verziert waren, haben Missionare sie überzeugt Kleidung zu tragen. Darauf haben sie wunderschöne bunte Tücher als Kleidung entwickelt, die mit denselben Motiven bestickt sind wie ursprünglich die Körperbemalung. Interessant ist auch, dass es sich um eine matriarchalische Gesellschaft handelt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Besitztümer den Frauen gehören oder dass ein Ehepaar zur Familie der Frau zieht. Wir sehen wie die Kuna noch immer sehr einfach in ihren Strohhütten leben, den Lebensunterhalt meistern sie durch Fischen oder den Verkauf von Kokosnüssen ans Festland. 100 Kokosnüsse bringen ihnen dabei 60 US-Dollar ein. Deswegen wäre es im Vergleich zu anderen Orten auch verpönt wenn wir hier Kokosnüsse einsammeln und verspeisen würden, selbst wenn die Insel unbewohnt ist – Kokosnüsse sind hier Geld.

Sonnenuntergang in San Blas

Zum Fischen oder zur Fortbewegung benutzen die Kunas selbst geschnitzte Holzkanus. Hin und wieder kommen sie damit vorbei zu unserem Boot und bieten handgemachte Schmuckstücke an, verkaufen uns frisches Eis für die Kühlbox oder frischgefangene Lobster (12 Dollar für 1 KG), aus welchen die Frau des Captains uns ein leckeres Gericht zaubert.

Die Ave Maria in San Blas

Wir besuchen natürlich nur ein Bruchteil der Inseln, schnorcheln bei den Riffen um die Inseln und einmal um ein Schiffswrack, fasziniert ab den vielen bunten Fischen oder den riesigen Mantarochen. Bei einer unbewohnten Insel befestigen wir Hängematten, wer will kann die Nacht drin verbringen. Auf der Insel grillen wir Steak und schlürfen Cocktails aus der Kokosnuss und geniessen bei einem Lagerfeuer die vielen Sterne. Wie es in den Tropen halt so ist, regnet es auch zwischen durch, aber nicht so dass es störend ist – im Gegenteil, es ist eher erfrischend. Die Gruppendynamik ist gut und wir haben es lustig untereinander.

Raphi auf der Ave Maria

Nach drei Tagen bei den San Blas Inseln folgt die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer. In der ersten Nacht werden wir von 3 Stürmen heimgesucht, was ungewöhnlich viele sind. Auf diesem winzigen, alten Boot in den riesigen Wellen ist dies ein wenig unheimlich. Immerhin können wir uns gemütlich reinverziehen und müssen nur mit der stickigen Luft leben, da wir die Fenster nicht öffnen können und der Wohnraum doch sehr eng ist. Nur der Captain muss draussen ausharren sowie Raphi, der aufblüht, überall mithelfen will und auch mal das Steuer übernimmt. Am Schluss sind sich alle einig, dass Raphi als letzter ausgesetzt auf der Insel überleben würde und er hat den neuen Übernamen ‚the Swiss Bear Grylls‘ (der Text wurde von Anouk geschrieben :)).
Die Stimmung am Tag auf offener See ist ruhig – die meisten sind entweder seekrank oder aufgrund der Seekrankheitstabletten müde. Uns geht es beiden gut – Raphi hilft weiter mit und Anouk geniesst es in Ruhe ein Buch zu lesen. Einmal schauen Delfine vorbei, die wir leider nicht auf Kamera kriegen. Die letzten Stunden in der letzten Nacht sind dann nochmals aufregend – wobei wir manches aufgrund unseren guten Schlafes nur am Rande mitbekommen. Wir fahren in den Hafenkanal von Kolumbien. Die Küstengarde Kolumbiens kommt vorbei und durchsucht mitten in der Nacht das ganze Boot. Nachdem sie fertig sind, erwähnen sie, dass wir schnell weiterfahren sollen, da ein Containerschiff kommt (und der Kanal ist eng). Dummerweise stellen wir fest, dass das Seil, welches das kleine Motorboot hinterherzieht sich in unsrer Schraube verfangen hat. Panik bricht aus und spätestens dann sind wir alle wach. Es gibt keine professionellen Taucher an Bord und so opfert sich der Captain dann und taucht mitten in der Nacht in die verschmutzten Kanalgewässer ein und schafft es irgendwie das Seil zu zerschneiden und entwirren. So können wir dem Containerschiff nochmals glimpflich entkommen und kommen mitten in der Nacht in der Bucht von Cartagena an. Am nächsten Morgen fährt uns der Captain in kleinen Gruppen mit dem ‚Dingy‘, dem Motorboot an Land. Es bleibt bis am Schluss spannend, denn bei uns, als letzte Gruppe, fällt der Motor aus und geht nicht mehr an. Zumindest bei Anouk bricht die Angst aus nun noch im letzten Moment im Hafen von Cartagena zu versinken / bzw. durch die grossen Wellen nass zu werden mitsamt unsrem Gepäck und wertvoller Elektronik. Mit Teamarbeit schaffen wir es das Dingy wieder zum Laufen bringen und unsere Drohne, Kamera und Laptop trocken an Land zu bringen.

Ankunft in Cartagena

In einem Shawarma Restaurant mit Wifi belagern wir bis spät Nachmittags die Tische bis endlich unsere Pässe gestempelt zurückkommen. Mit dem vielen Gepäck nehmen Raphi und ich ein Uber zum Hotel. Wir sind überfordert mit den Eindrücken unterwegs. Alles ist so ganz anders als in Zentralamerika. Kolumbien und Panama sind so nah, die direkte Strasse nur durch die Darién Gap getrennt aber doch ist alles so fremd hier. Wir können es noch nicht beziffern. Ist es Weitläufigkeit? Sind es die die uns gänzlich unbekannten Shopnamen? Sind es die Menschen oder die Musik, die hier anders aus den Boxen klingt? Wir merken, wir sind an einem ganz neuen Ort angekommen, den wir nicht mehr so leicht vergleichen können. Wir sind in Südamerika, für uns beide neben der Antarktis einzige Kontinent, den wir davor noch nicht kannten. Wir sind wo ganz Neues und wir sind aufgeregt!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Raphi auf dem Cerro Tute

Vom Dschungel ins Konsumparadies Panamas

Osa Peninsula

Dreifachsonnenuntergang bei Drake Bay

Unser letzter Halt in Costa Rica machen wir auf dem Osa Peninsula. Das Osa Pensinsula beherbergt laut National Geographic die intensivste Biodiversität, also Artenvielfalt der Welt. So wird geschätzt, dass auf dem Peninsula 2.5% der Biodiversität der Welt zu finden ist, obwohl das Peninsula nicht mal ein Tausendstel Prozent der Erdoberfläche ausmacht. Der Grossteil des Peninsulas ist von Dschungel bedeckt und teilweise durch den Corcovado Nationalpark geschützt. Zuerst fahren wir zu einem abgelegen Strand in der Nähe von Drake Bay, was 4-5 Flussdurchquerungen erfordert. Wir werden mit einem wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz am Strand mit traumhaftem Sonnenuntergang belohnt. Nachdem es dunkel ist, wimmelt es nur noch so von Hermit Crabs (Einsiedlerkrebsen) – eindrücklich. Wo der meilenweite mit Kokospalmen gesäumte Strand endet, fängt der dichte Dschungel an. Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung durch diesen Dschungel. Wir sahen tatsächlich einige Tiere – Mango naschende Äffchen (wobei sie immer nur 2-3 Bisse probieren, die Mango an Boden schmeissen und die nächste pflücken), Nasenbären, riesige blaue Schmetterlinge, Truthahngeier, einen gut getarnter Helmbasilisk und Aras. Anouk wird schmerzhaft und zweifach von einer giftgrünen Raupe gestochen. Auf dem nassen rutschigen Lehmboden fallen wir ein paar Mal auf den Hintern und sind danach richtig dreckig, aber ansonsten hat die Wanderung Spass gemacht. Danach fahren wir auf die andere Seite des Peninsulas und geniessen dort noch 2 Tage, suchen einsame Strände zum übernachten, fischen und Wellen reiten oder erledigen im Dörfchen Administratives. Auf den Besuch des Corcovado Nationalpark verzichten wir aus Budgetgründen, freuen uns aber drüber am Morgen vom Bett aus durchs Dachfenster Tukane und Aras in den Bäumen zu beobachten.

Grenze zu Panama und Boquete

1000-jähriger Baum auf dem Pipeline Trail bei Boquete

Das wars nun auch schon mit Costa Rica und so machen wir uns auf zur letzten Grenze Zentralamerikas – der nach Panama. Es handelt sich wieder um eine verhältnismässig mühsame Grenze. Verlängert wurde das Prozedere dadurch, dass die Beamten sowohl beim Abschluss der obligatorischen Haftpflichtversicherung fürs Auto als auch bei den Temporärimportpapieren fürs Auto die VIN Nummer und das Kennzeichen fehlerhaft eingaben und das rückgängig machen mehrere Anrufe und viel Warten implizierte. Beim Korrigieren schlichen sich erneut Fehler ein, womit der Prozess ein drittes Mal wiederholt werden musste. Wir kontrollieren die Nummern jedes Mal, da es im Falle von Fehlern bei der Ausreise und dieses Mal noch schlimmer – bei der Verschiffung – Probleme geben würde. Wir können uns nicht erklären, wieso wir tatsächlich fast jedes Mal Fehler entdecken, obwohl die Beamten diesen Prozess täglich wiederholen – mühsam. Nach etwa 3 Stunden haben wir es geschafft, machen in der Stadt David ein paar Erledigungen (z.B. zahlen auf der Bank die Anzahlung ein für die Verschiffung) und fahren ins blumige Hochland ins Städtchen Boquete. In Boquete übernachten wie am Dorfplatz, wie zufälligerweise unsere Container Buddies auch. Somit lernen wir sie das erste Mal kennen und gehen zusammen etwas essen und trinken. Aurore und Salah aus Frankreich sind seit einem Jahr auf der Panamericana unterwegs. Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, als sie in einer Facebook-Gruppe gefragt haben, ob jemand mit ihnen Mitte Juni ein Container nach Kolumbien teilt.
Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Es ist unser dritter, letzter und leider weiterhin erfolgloser Versuch Quetzals zu sehen.

Cerro Tute

Raphi auf dem Cerro Tute

Weiter fahren wir zum Cerro Tute, eine Destination abseits der Touristenpfade. Hier fahren wir so weit hoch wie es geht. Es ist eine wahrliche Allrad-Herausforderung – auf rutschigem, äusserst steilen, unebenen Lehm mit vielen Felsen. Das letzte extrem steile Stück schaffen wir nicht zu überwinden und damit kommen wir nicht bis da wir hinwollten, aber doch so weit, dass wir beim Übernachten ein schönes Panorama haben. Am nächsten Morgen stehen wir vor dem Sonnenaufgang auf, um die restliche halbstündige Wanderung zum Gipfel zu wandern. Ein Stück ist für Anouk mental besonders anspruchsvoll: Es führt durch ganze Landschaften voller ineinander gewobenen Spinnennetzen. Zum Glück hat Raphi die Machete dabei und kann den Weg freimachen. Dies ist für Arachnaphobikerin Anouk aber nur eine kleine Beruhigung, ist doch der Weg so schmal, dass man unweigerlich die Pflanzen berührt (dies erst noch bei Dunkelheit) und damit Angriffsfläche für Spinnen schafft. Am Schluss müssen wir noch auf den Felsen klettern, begrüssen die dort ansässige Krötenfamilie und hätten dann ein 360-Panorama vom höchsten Berg in der Umgebung. Leider ist es so neblig da oben, dass wir kaum was sehen, auch nicht den Sonnenaufgang. Es ist halt Regensaison. Leider können wir nicht warten, da wir nach Panama City müssen. Zurück beim Auto wartet die nächste Überraschung: Unser Reifen ist platt. Zum Glück liegt es am Reifen, nicht wieder am Felgen, womit Raphi das Loch flicken kann.

Ankunft in Panama City und der Overland Embassy

Raphi schneidet die Felgen zurecht

Dann müssen wir nach Panama City eilen, zur „Botschaft“. Die Overland Embassy / Botschaft wurde letztes Jahr von Alejandro gegründet, der selber gerne reist und bereits overland die Strecke Panama – Alaska gereist ist. Alejandro ist mit seiner Familie mit 16 von Venezuela nach Panama geflohen. Um als Teenager in der neuen Umgebung nicht in ein Loch zu fallen hat er sich zum Ziel gesetzt Panama bis in die letzten Ecken zu erkunden und mögen zu lernen. Dabei ist er immer wieder auf Reisende / Overlander gestossen und hat sie dann unterstützt bei ihren Vorhaben in Panama, wie zum Beispiel bei der grossem Herausforderung der Verschiffung nach Kolumbien. Und so wurde ihm immer wieder vorgeschlagen sein Hobby zum Beruf zu machen, was er nun mit der frisch gegründeten Overland Embassy macht. Er weiss was Overlander wie wir brauchen und hilft bei allem Möglichen. Zum Beispiel bietet er Werkstatt mit allem drum und dran hat, hat Kontakte für alle möglichen Reparaturen, man kann bei seiner „Botschaft“ kostenlos freistehen und Wlan, Dusche, Toilette nutzen. Man kann sein Camper putzen, Ersatzteile bestellen, er agiert auch als Agent für Verschiffungen und so weiter. Und natürlich schliesst man dort auch mit ihm und anderen Reisenden schnell neue Freundschaften. Eine wirklich tolle Sache. Wir haben zwar bereits einen anderen Verschiffungsagenten, Alejandro kann uns aber helfen uns zu „schrumpfen“, damit wir in den Container passen. Er ist gerade dran einen alten Land Cruiser zu restaurieren, von welchem er auch die Originalfelgen gekauft hat. Netterweise verkauft er uns diese weiter. In seiner Werkstatt können wir sie so zurechtschneiden, dass wir sie am Land Cruiser anbringen können und mit ihnen ohne Reifen in den Container fahren können, um niedriger zu sein.
Nachdem wir am zweiten Tag fertig sind, kommt der grosse Moment der Wahrheit – wir messen und sind mit den zurechtgeschnittenen Felgen 2.57 Meter hoch. Wir dürfen genau 2.58 Meter sein – es sollte also passen. Ein halber Stein fällt uns vom Herzen (sind ja noch nicht im Container). Nun haben wir noch ein bisschen Zeit vor der Verladung am 13. Juni um Panama und Panama City zu erkunden und machen uns ausgestattet mit Alejandros Panama-Insider Tipps auf den Weg.

Das reiche aber ungleiche Panama

Nach unseren ersten Tagen in Panama haben wir einen gemischten Eindruck. Die Menschen sind generell sehr sehr freundlich und offen, mehr noch als in Costa Rica. Was schockiert, ist der Müll der wieder überall rumliegt, obwohl Panama dank dem Panamakanal, aber auch Offshore Banking und Geldwäscherei in reiches Land ist, sogar reicher als Costa Rica. Auf der anderen Seite sind wir total überwältigt vom kommerziellen Angebot. An den meisten Orten, aber vor allem um Panama City gibt es riesige wunderschöne Supermärkte mit einem top internationalen Angebot (sogar Schweizer Villars Schoggi, die es in der Schweiz nur in ganz grossen Coops gibt). Es reiht sich eine Riesenmall an die nächste, und wir sehen eine Vielfalt an amerikanischen Fastfoodketten, die wir in den USA das letzte Mal gesehen haben. Nachdem wir seit den USA mit einem sehr stark eingeschränkten Angebot leben mussten, ist dies ein Luxus für uns. Z.B. war das verfügbare Spektrum an Lebensmittel sehr gering oder wir versuchen seit den USA neue Trekking-Turnschuhe zu finden, da unsere dank täglichem Tragen total abgenutzt sind – keine Chance. So sind wir total überwältigt von diesen plötzlich scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Aber ja, dafür sind die Preise praktisch gleich hoch wie in den USA, bezahlt wird auch in US Dollar. Angesichts der Riesen-Skyline von Panama City würde so manche US-Grossstadt erblassen und unsere letzte besuchte Metropole Mexico City sowieso. Der ganze Luxus ist ja schön und gut, aber etwas stimmt nicht ganz und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Auf dem Land leben die Menschen in offenen Stroh und Wellblechhütten ohne Strom und vorne dran türmt sich der Abfall. Die Armut ist deutlich zu spüren und die Ungleichheit widerspiegelt sich auch in der extrem hohen Polizeipräsenz, die versucht zu verhindern, dass die Situation eskaliert. Lateinamerika ist weltweit führend was Einkommen- und Vermögensungleichheit angeht und innerhalb Lateinamerikas kommt Panama diesbezüglich nach Brasilien an oberster Stelle. Ja Panama ist reicher als Costa Rica, aber Costa Rica pflegt eindeutig den nachhaltigeren Wohlstand.
Aber vielleicht ändert sich das ja noch, Panama ist relativ „neureich“. Erst 1999 hat die USA Panama die vollständige Kontrolle über den Kanal überlassen und viel Wohlstand stammt auch von der Verdreifachung des Verkehrs durch den Panamakanal seit der Fertigstellung der Kapazitätserweiterung 2016. Bis 1989 hat Panama unter einer schlimmen Militärdiktatur gelitten – bis der Diktator den USA den Krieg erklärt hat, was als Land mit halb so vielen Einwohnern wie die Schweiz wohl nicht der schlauste Schritt ist. Der „Krieg“ und die Diktatur nahm damit nach nur ein paar Tagen ein Ende und der Diktator musste fliehen. Seither herrscht Demokratie, aber trotzdem hatte Panama noch lange mit Korruption und anderen politischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Wir sind gespannt was uns in diesem kleinen Land noch erwartet.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Ein paar Tiere, die wir auf dem Osa Peninsula angetroffen haben:

Ficuz la Raiz

Nebelwald, Quetzals zum Zweiten und bananige Erkenntnisse in Costa Rica

Fikusbaum-Brücke bei Monteverde

Monteverde

Nach dem Beach Hopping und den Flussdurchquerungen auf dem Nicoya Peninsula fuhren wir weiter aufs Festland Costa Ricas nach Monteverde. Monteverde ist berühmt für seine als Nationalparks geschützten Nebelwälder. Nebel- oder auch Wolkenwälder sind höher gelegen als Regenwälder und sind dem Namen gemäss meist von Nebel und Wolken umhangen, welche für eine mystische Atmosphäre sorgen. Die mit der Höhe verbundenen kälteren Temperaturen, aber auch die gebirgige Topographie mit seinen Temperaturunterschieden führt zur Kondensierung der Feuchtigkeit und damit zu diesem beinahe konstanten Nebel in den höheren Lagen. Die Flora des Nebelwald ist zwar weniger hoch, aber genau so üppig grün wie im Regenwald, mit viel Farn, Moos und anderen Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen wachsen). Da es für Nebelwald sehr spezifische Grundvoraussetzungen braucht, besteht nur 1% des Waldes auf der Erde aus Nebelwald. Leider ist dieser Prozentsatz aufgrund von Klimaerwärmung und der Abholzung zunehmend bedroht, was auch gravierend für die Flora und Fauna ist, für welche diese Waldart optimaler Lebensraum bietet.
Wie bereits geschildert ist Costa Rica sehr teuer und wir versuchen momentan sparsam zu leben, da uns mit dem Übersetzen nach Kolumbien via Containerschiff fürs Auto und via Segelschiff für uns bald sehr hohe Ausgaben erwarten. So entscheiden wir uns gegen den Besuch der beiden Nebelwald-Nationalparks. Stattdessen finden wir mithilfe unsrer geliebten, täglich genutzten App iOverlander einen frei zugänglichen Wanderweg der sich ausserhalb der Nationalparks genau dazwischen befindet und somit genauso durch Nebelwald führt. Ziemlich ab vom Schuss wurde dieser Weg wohl schon wochenlang nicht mehr belaufen und so kommt richtiges Indiana Jones – Feeling auf, als wir uns mit Machete bewaffnet durch den überwachsenen Weg kämpfen. Ausnahmsweise ist es auch im Nebelwald strahlend sonnig und somit fehlt ein wenig die mystische Atmosphäre, dafür sehen wir ziemlich weit.

La Fortuna und San José

Durchs bergige grüne Costa Rica fahren wir eine wunderschöne Strecke nach La Fortuna. Unterwegs machen wir einen kurzen Zwischenstopp beim Lake Arenal mit dem schön symmetrischen Arenal Vulkan als Kulisse. Bei La Fortuna gibt es einen durch die Geothermik des Vulkans aufgeheizten heissen Fluss, in welchem man baden kann. Dank der Ministromschnellen fühlen wir uns wie im Whirl Pool. Es ist sehr entspannend, insbesondere als es in Strömen an zu regnen fängt, wir uns im heissen Wasser befinden während gleichzeitig von oben der kühle Regen auf uns gisst. Zu unsrem angestrebten Übernachtungsspot kamen wir danach nicht mehr ganz – er war auf der anderen Seite eines Flusses, den man normalerweise gut durchqueren kann, der aber durch den Regen zum reissenden Strom geworden ist. So übernachten wir einfach vor der Flussdurchquerung. Danach fahren wir für ein paar Erledigungen zur Hauptstadt San José. Bei der Ausreise per Land nach Mexico wurde unsere Ausreise nicht von der USA registriert (Mexico zählt aber sowieso nicht als definitive Ausreise, erst Belize). Nun versuchen wir den US Behörden zu beweisen, dass wir pünktlich ausgereist sind, damit wir in Zukunft keine Probleme haben, in die USA einzureisen. Dafür haben wir einen langen Brief geschrieben, jede Menge Kopien und Ausdrucke von allen möglichen Beweismitteln (Passstempel, Kreditkarten-Abrechnungen, Visas etc.) gemacht und schicken das nun alles per DHL in die USA und hoffen, dass damit alles ok ist.

Cahuita Nationalpark an der Karibikküste

Anouk im Cahuita Nationalpark

Weiter fahren wir an die Karibikküste. Hier laufen wir im Cahuita Nationalpark vom einen zum anderen Ende, was uns mit dem Rückweg einen knappen Tag lang beschäftigt. Der Weg führt durch Dschungel direkt am Meer und mit ein wenig Glück kann man viele Tiere sehen. Wir sehen Äffchen (Kapuziner- und Brüllaffen), riesige knallblaue Schmetterlinge, Nasenbärenfamilien und einige Faultiere, leider entweder weit weg oder am schlafen, deswegen hats auch keine guten Fotos gegeben. Später geniessen wir im Meer die Wellen und spülen uns den Wanderschweiss ab. Beim Übernachtungsplätzchen direkt am Meer haben wir Nachbarn – 2 Faultiere im Baum daneben, allerdings auch diese die ganze Zeit schlafend. An der Karibik ist es schwieriger einsame sichere Übernachtungsplätze zu finden und so fahren wir zurück zum Pazifik.

Quetzals, Bananen, Wasserfälle und der Pazifik

Unterwegs legen wir einen Stopp bei San Gerardo in den Bergen ein. Verrückt wie Costa Rica, obwohl so schmal und an beiden Rändern auf Meeresspiegelhöhe, in der Landesmitte Berge bis zu 3800 Meter besitzt, von welchen man an klaren Tagen auf beide Meere sehen kann. Auf 3400 Meter übernachten wir und geniessen es, dass mal wieder angenehme kalte Temperaturen über Nacht herrschen. Wir schaffen es fast zum Sonnenaufgang aufzustehen und gehen dann auf Quetzalsuche. Es soll in den Wäldern Quetzals geben und wir sind immer noch auf der Suche nach dem wunderschönen vom Aussterben bedrohten Nationalvogels Guatemalas. Leider bleiben wir trotz dem frühen Aufstehen einmal mehr erfolglos.

Naucaya Waterfall

Weiter wollen wir den Naucaya Wasserfall besuchen. Dieser ist von beiden Flussseiten zugänglich, bei der einen muss man aber ein paar Kilometer wandern. Beim nähren Eingang mit kürzerem Wanderweg zum Wasserfall werden 20 Dollar pro Person verlangt, was wir dankend ablehnen. Auf der Karte sehen wir aber weitere Wege und so landen wir über aufregende, schon lange nicht mehr befahrenen Landwege mit beunruhigenden Hängebrückchen, steilen Strassen voller Lehm und Matsch, und umgefallenem, die Strasse versperrendem Riesenbambus beim anderen Eingang des Wasserfalls. Dieser kostet nur halb soviel ist aber normalerweise mit 2 stündiger Wanderung verbunden (die Wanderung bleibt uns durch unseren abenteuerlichen Landweg erspart). Wir geniessen den prächtigen Wasserfall und eine kurze Erfrischung darin. Wir müssen aber zugeben dass wir auf dieser Reise schon deutlich schönere Wasserfälle gesehen haben (für deutlich weniger Geld). Costa Rica ist in vielen Bereichen wunderschön und einzigartig, aber mit den mittelmässig tollen und völlig überlaufenen 20 Dollar-Wasserfällen können wir uns nicht anfreunden.

Unser Übernachtungsspot am Playa Linda

Auf dem Weg zum Pazifik finden wir endlich mal reife Bananen an Pflanzen auf öffentlichen Grund, welche wir natürlich gleich probieren müssen. Ziemlich überrascht stellen wir fest, dass sie alle voller grosser schwarzer Samen sind. Eine Googlesuche später wissen wir, dass es sich um natürliche Bananen handelt, während alle Bananen, die wir essen, gezüchtet sind. Die kleinen schwarzen Punkte bei den Essbananen sind die zurückgezüchteten Samen, die sich nicht mehr entwickeln. Somit wurde gerade ein wenig unser Weltbild zerstört. Probieren tun wir trotzdem – sie schmecken gleich wie die gezüchteten Bananen, sind aber aufgrund der vielen harten Kerne ungeniessbar. Am Pazifik finden einen wundervollen Platz am Meer zum übernachten mit endlosem palmgesäumten Sandstrand. Es hat fast keine anderen Menschen, die Wellen haben genau die richtige Höhe für Raphis neues Bodyboard und der Sonnenuntergang ist auch schön. Nur die besonders zu Randzeiten aktiven Sandflöhe sind mühsam. So klein wie sie sind kommen sie durch jedes Mückennetz und belästigen einem somit schon nach Sonnenaufgang um 05.00 Uhr morgens im Bett.
Nun steht als Nächstes noch die Erkundung des dschungelreichen Osa Peninsulas an, bevor wir ins letzte Land Zentralamerikas reisen – Panama.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Unser letzter Übernachtungsspot mit Sonnenuntergang:

Ein Platz am schwarzen Sandstrand

Auto-Rettungsmissionen und Flussdurchquerungen in Nicaragua und Costa Rica

Der Land Cruiser auf der Fähre

Isla de Ometepe

Nicaragua besitzt den grössten See Zentralamerikas, den Lago de Nicaragua. Mitten drin sitzt die Isla de Ometepe, die mit 270 km² grösste Vulkaninsel auf einem See weltweit. Sie besteht aus 2 Vulkanen und kann trotz der Grösse in ein paar wenigen Stunden einmal umrundet werden. Wir nehmen die Fähre auf die Insel, um dort 2 Tage zu verweilen. Für einmal ist dies ein erfrischend unkomplizierter Prozess und nach 1.5 Stunden sind wir auch bereits auf der Insel. Da man die Vulkane nur im Rahmen von geführten Ganztagestouren besteigen kann, verzichten wir darauf und möchten deswegen einen Wasserfall besuchen.

Der Mazda im See

Auf dem Weg werden wir von mit Händen fuchtelnden Locals angehalten. Völlig baff sehen wir, dass da ein weisses Auto ca. 10 Meter weit vom Ufer im See steckt. Schon alleine von der Strasse zum Ufer ist der Abstand mindestens 20 Meter lang. Mit der Machete befreien wir den Absprung zum See vom gröbsten Gestrüpp und fahren über die Felsen runter. Es stellt sich heraus, dass der norwegische Fahrer des Mazdas Gas und Bremse verwechselt hat und mit dem Auto über den Absprung im See gelandet ist, wobei der See das Auto dann noch weiter raus getrieben hat. Gut, dass niemand verletzt wurde. Dummerweise wurde automatisch der Notfallmodus des Autos aktiviert, welcher die elektrische Handbremse zog und wir diese nicht lösen konnten. Somit hat die Rettungsaktion mehrere Stunden gedauert. Zuerst brauchten wir viele Anläufe bis wir den Mazda auf unseren Sandblechen aus dem See ziehen konnten. Dann haben wir die Räder gelöst, um den Motor der Handbremse zu entfernen und sie so versucht zu lösen. Ohne gelöste Handbremse wäre es unmöglich gewesen, den Vorsprung auf die Strasse zu überwältigen. Nach langem Hin und Her haben wir es geschafft und mussten dann ein paar Äste eines Baumes absägen, um den Vorsprung mit dem Land Cruiser hochfahren zu können und das Auto hinterherzuziehen. Mit „wir“ ist dabei hauptsächlich Raphi gemeint und ein paar Locals. Irgendwann war alles geschafft und der Mazda stand auf der Strasse, parat für den Mechaniker.

Unser Spot am See mit Vulkankulisse

Für den Wasserfall wars dann auch zu spät und so fanden wir ein Übernachtungsort am Seeufer, wo wir sicher freistehen konnten. Als nebendran ein Boot von lokalen Fischern voller Holz ankommt bindet Raphi das Holz ans Auto, lädt die Fischer auf und fährt es zu ihnen ins nächste Dorf nach Hause. So macht man sich bei den Locals beliebt.
Am nächsten Tag versuchen wir es das zweite Mal mit dem Wasserfall. Mit dem Land Cruiser können wir einen Grossteil der Strecke per 4×4 Track überwältigen. Danach müssen wir trotzdem noch wandern, was in der Hitze ziemlich schweisstreibend ist. Auf die Erfrischung am Wasserfall freuten wir uns zu früh, die paar Tröpfchen (es ist erst Beginn der Regensaison) reichen nicht, um den Schweiss wegzuwaschen. Dafür geniessen wir die Gesellschaft von vielen wunderschönen Schmetterlingen und Brüllaffen. Am Abend finden wir einen schönen Ort für den Sonnenuntergang, wo wir auch gleich übernachten können.

Playa Popoyo in Nicaragua

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre zurück aufs Festland. Unseren letzten Tag und Nacht in Nicaragua möchten wir noch an der Küste verbringen. Auch dieser Küstenabschnitt ist beliebt bei Surfern und so finden wir sogar ein Campingplatz mit richtiger Ausstattung. Die umfangreiche Einrichtung müssen wir ausnutzen und so geniessen wir vor lauter Putzen und Waschen kaum den Strand – es reicht bloss für einen kleinen Spaziergang zu Gezeitenpools.

Fazit Nicaragua

Ja, Nicaragua hat uns sehr gefallen mit Ausnahme vom Hotel in León und der politischen Entwicklung. Es gab viel zu sehen, viele Tiere (Affen, wunderschöne Vögel und Schmetterlinge), hübsche Städte, überraschend viele relativ wilde Orte. Die Menschen waren sehr nett und herzlich und wir fühlten uns stets sicher -so sicher, dass wir oft freistanden. Es ist definitiv ein Land, welches wir wieder besuchen würden und von welchem wir denken, dass es grosses Potential hat. Wir haben aus Zeitgründen nur einen kleinen Teil gesehen – es wäre sicher spannend gewesen, auch die kaum erschlossene Karibikküste zu erkunden.

Einreise nach Costa Rica

So machen wir uns am nächsten Morgen wehmütig auf zur Grenze. Die Ausreise aus Nicaragua ist deutlich komplizierter und mühsamer als die Einreise. Auch hier haben wir Angst, dass wir doch noch durch den Scanner geschickt werden und uns die Drohne weggenommen wird. Die Frau vom nicaraguanischen Zoll scheint auch ein wenig sadistisch veranlagt zu sein – Leute die sie nicht mag, nimmt sie auseinander. Auch uns fragt sie einige Male, ob wir eine Drohne dabei haben und überlegt sich uns durch den Scanner zu schicken. Wir benehmen uns so gut und höflich wie möglich. Sie scheint uns zum Glück zu mögen und lässt uns ohne tiefergreifende Kontrollen durch. Auch die Einreise nach Costa Rica ist umständlich, aber verläuft dann ebenfalls reibungslos.
Wie waren im November ja bereits 2 Wochen in Costa Rica, um unsere USA Aufenthaltsbewilligung um nochmals 3 Monate zu verlängern.

Ein Plätzchen am einsamen Strand auf dem Nicoya Peninsula

Nachdem wir den Rest von Zentralamerika kennen, ist die Rückkehr nach Costa Rica ziemlich ernüchternd. Es ist verdammt teuer, wir sehen mehr Gringos als Einheimische, es ist alles geordnet, es gibt keine Strassenverkäufer oder Fruchtstände mehr und keine Tiere auf der Strasse. Nur die Strassen sind gleichbleibend miserabel, wenn nicht sogar schlechter. Anhand der Kommentare bei potentiellen Übernachtungsplätzen anderer Reisender ist es auch nicht sicherer – im Gegenteil wir lesen viel mehr von Überfällen, wobei es natürlich hier auch mehr Reisende gibt. Eine positive Beobachtung machen wir aber dennoch: Es liegt viel weniger Müll rum, als in den anderen von uns besuchten Ländern Zentralamerikas. Und es fehlen zwar die grösseren Tiere auf der Strasse, aber durch die viele Krebse, die sich auf der Strasse sonnen, wird die Fahrt trotzdem zum Spiessrutenlauf. Und wir freuen uns aufs Freistehen an Traumstränden und eine vielfältige Tierwelt.

Nicoya Peninsula

Raphi holt Mangos von den Bäumen

Die ersten Tagen verbringen wie mit Beach Hopping auf dem Nicoya Peninsula. Wir fahren einfach von Strand zu Strand und wo es uns gefällt bleiben wir für eine Nacht. Da alle Sehenswürdigkeiten und Nationalparks so teuer sind (pro Person 20 USD oder mehr), haben wir kein schlechtes Gewissen den Grossteil auszulassen. Vieles kennen wir ja auf die ein oder andere Weise schon vom Besuch im November oder weil wir es in den Nachbarländern oder Mexico ähnlich gesehen haben. Es tut uns gut einmal ein nicht so volles Programm zu haben wie sonst. Es ist Beginn der Regensaison und oft regnet es für kurze Zeit am Nachmittag und einmal auch gleich einen ganzen Tag lang. Die „Strassen“ sehen auch dementsprechend aus und sind manchmal richtige Schlammlöcher oder halbe Bäche. Schon am zweiten Tag müssen wie wieder ein Auto aus einem Schlammloch rausziehen. Lustigerweise hat ein anderes Auto angehalten, um zu schauen oder zu helfen, welches dann ebenfalls gleich feststeckte, womit wir dieses ebenfalls rausziehen musste. Die vielen Flussdurchquerungen sind auch spannend: Man weiss nie wie tief das Wasser ist und wenn man Krokodile drinnen schwimmen sieht, hat man auch keine grosse Lust das zuerst zu erkunden. Wir haben Freude am Baden in den wilden Wellen im Pazifik, finden einsame Plätze an einsamen Stränden und sammeln jede Menge Mangos und Kokosnüsse zum Essen. Nächste Woche wollen wir dann noch ein wenig mehr unternehmen 🙂

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Zeitraffer von der Isla Ometepe nach Sonnenuntergang:

Kartersee vom Volcán de Santa Ana

El Salvador und Honduras: Die berüchtigtsten Länder Zentralamerikas

Volcán de Santa Ana

Nachdem wir bereits letzte Woche einen guten Start in El Salvador hatten, sind wir als Nächstes zum Volcan Santa Ana gefahren, wo wir das letzte Stück im Rahmen einer geführten Tour hochlaufen müssen. Aufs Versehen haben wir beim Parken ein Privatevent gecrasht: Ein Anwesen, dessen Tor halb offen stand, sah für uns nach öffentlichem Parkplatz aus. Wir fuhren rein und erst als ein paar verwirrte, aber sehr nette Locals kamen und wir sie fragten, was das Parken kostet, dämmerte es uns langsam. Die Locals waren aber so nett und freuten sich über unseren Besuch El Salvadors. So durften wir gratis bleiben und bekamen sogar noch Essen angeboten, als wir später wiederkamen. Die Wanderung durch Nebelwald und Aloe Vera Pflanzen war mühsam in der Gruppe – wir laufen lieber in unserem Tempo – aber die Aussicht auf den gigantischen Krater gefüllt mit einem schönen Kratersee war es definitiv wert.

Küste von El Salvador

Danach fuhren wir wieder auf geringere Tiefen, wobei ein unappetitliches Problem zum Vorschein kam: Durch die Höhen- und damit verbundenen Druckunterschiede ist unsere Bordtoilette ausgelaufen (nur Pipi 🙂) , womit wir nun erstmal den ganzen Teppich säubern konnten. Das nächste Missgeschick passierte ausgerechnet genau an der Stelle (einem Aussichtspunkt), wo man nicht anhalten sollte, weil schon Leute Opfer von bewaffneten Raubüberfällen wurden. Die Radmuttern haben sich gelöst. Es gibt kein Ausweg, Raphi muss anhalten, bevor das Rad abfällt und es vorübergehend reparieren. Prompt kommen neugierige Familien, die helfen wollen, aber keine bewaffneten Räuber. Später, in der Hauptstadt San Salvador wollen wir die gelösten Radbolzen sichern. Im ersten Autoshop können sie es nicht machen, aber der Angestellte setzt sich in sein Auto damit wir ihm zu einer Werkstätte folgen, wo wir das Problem lösen können – echt nett. Da schon wieder Abend ist suchen wir einen Übernachtungsplatz. Im Block der US-Botschaft fragen wir den Wächter einer Strasse, ob wir uns vor ihn stellen können. Wir geben im als Dank ein 7UP und fühlen uns sicher.
Danach fahren wir die Küste an. In der Bucht Bahía de Jiquilisco finden wir endlose leere Strände mit dank der Vulkane schwarzem Sand. Wir fahren weiter zu den Stränden bei El Cuco, was wir später bereuen. Dies ist der einzige touristische Ort des Landes – die Wellen hier sind Weltklasse, da lassen sich Surfer nicht von Sicherheitsbedenken abhalten. Es ist alles relativ teuer und die Locals hier sind auch nicht mehr so nett. Schnell weg von da, Surfer sind wir ja nicht. Wir fahren eine abenteuerliche 4×4 Strasse zum Aussichtspunkt Espíritu de Montaña, wo wir auf den schönen mit Inseln versehenen Golf de Fonseca ausblicken. Auf dem Weg lesen wir jede Menge leckere Mangos von unzähligen Mangobäumen auf.

Kratersee, La Palma und Fazit El Salvador

Im Dorf Alegría

Auf dem Weg zurück Richtung Westen übernachten wir in einem Vulkankrater an einem Kratersee. Die Regenzeit ist am Kommen. Die ganze Nacht schüttet es aus Kübeln und gewittert so extrem, dass der Himmel dank den Blitzen eigentlich die ganze Zeit über weiss ist. Es donnert zudem so viel und stark, dass wir uns untereinander kaum mehr hören. Diese Situation war im Krater ein wenig unheimlich und schliesslich fahren wir mitten in der Nacht noch weiter weg vom Kratersee, da wir am nächsten Morgen nicht im See stehen möchten. Auf dem weiteren Weg besuchen wir das süsse Städtchen La Palma mit wiederum unzähligen Wandmalereien und lassen uns in San Salvador den angerissenen Auspuff für 25 Dollar schweissen. Auch hier sind die Leute unglaublich freundlich, wir kommen sofort an die Reihe und werden vom Chef persönlich bedient.
Danach heisst es auch schon wieder, uns von El Salvador zu verabschieden. Wir haben uns in das kleinste Land Zentralamerikas mit dem besten lokalen Käse seit Langem verliebt. Von vielen Reisenden komplett ausgelassen (man kann direkt über Honduras fahren) sind wir froh dies nicht gemacht zu haben.
Diese Anzahl an durchs Band extrem nette und interessierte Leute hatten wir bisher nirgendwo erlebt. Wir merken, wie sehr es die Leute freut, dass wir ihr Land besuchen. Wir wurden so oft angesprochen. Selbst beim Vorbeifahren haben andere Autofahrer ihr Fenster runtergelassen und uns überschwänglich begrüsst. Kaum zu glauben, dass das Land so stark mit Bandenkriminalität zu kämpfen hat und mit seiner hohen Mordrate eines der gefährlichsten Länder weltweit sein soll. Momentan herrscht aufgrund der hohen Mordrate sogar Ausnahmezustand, d.h. die Rechte der Bürger werden im Namen der Justiz beschnitten (Verhaftungen sind ohne Haftbefehl möglich, Versammlungsfreiheit wird eingeschränkt etc.). Interessant zu wissen ist auch, dass El Salvador als offizielle Währung einzig den US Dollar und den Bitcoin akzeptiert. Die Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel ist allerdings ein Flop – die Bevölkerung traut der Bitcoin App der Regierung oder Bitcoin selbst nicht und nur 5 % aller Verkäufe wurden 2022 in Bitcoin getätigt. Die Regierung gibt aber nicht auf – so soll am Fusse des Conchagua Vulkans eine steuerfreie Bitcoin City entstehen, in welcher die Geothermik-Energie des Vulkans genutzt werden soll, um unter anderem Servercenter für Bitcoin-Rechenoperationen zu betreiben.

In Honduras angekommen

Honduras

Weiter geht’s ins nächste von Reisenden vernachlässigte und oft nur innerhalb von 3 Stunden durchfahrene Land – Honduras. Die Prozesse an den Grenzen werden mühsamer (wie müssen uns online voranmelden, dabei unzählige Fragen beantworten, die wir an der Grenze nochmals an etwa 2 oder 3 Stellen beantworten müssen. Wenigstens werden hier die unzähligen Kopien von den Beamten selbst gemacht. Ansonsten muss man einen Bündel von Kopien in allen Variationen (schwarz-weiss / farbig) mitbringen und für die Kopie des Stempels im Pass, die man ja nicht im Voraus machen kann, an der Grenze umherstiefeln bis man einen Laden findet, der einem die Kopie macht. Wer sich über die Bürokratie in der Schweiz ärgert, sollte mal für eine Art Schocktherapie nach Zentralamerika reisen. Honduras ist wieder anders (krass wieviel eine Grenze ausmacht). Wir treffen ebenfalls auf sehr nette Menschen, aber die meisten Leute sind zurückhaltender, grüssen auch fast nie. Wir wissen nicht, ob es Misstrauen ist, Angst, Schüchternheit oder ob sie einfach lieber unter sich bleiben möchten. Andere ausländischen Touristen gibt es kaum (wir sehen keinen einzigen in unseren 4 Tagen Honduras). Ganz schlimm sind die Fahrmanöver. Mexico und unsere bisherigen zentralamerikanischen Länder waren ja schon haarsträubend genug, aber nach den Strassen Honduras sind wir wirklich froh noch am Leben zu sein. Keine Ahnung, wieso sich die Leute Gedanken um Kriminalität machen – bei diesen Fahrmanövern haben wir ganz andere Sorgen. Oft gibt es pro Fahrtrichtung nur eine Spur. Es gibt viele langsame Fahrzeuge auf der Strasse (massiv überladene Lastwagen einerseits, und gefühlt 50-jährige Autos ohne Leistung andererseits), so dass die ganze Zeit überholt wird. Dabei wird aber überhaupt nicht berücksichtigt, dass ja Gegenverkehr kommen könnte (schon gar nicht bei Kurven). Man hofft einfach, dass wenn es Gegenverkehr gibt, dieser nicht zu breit ist und schnell genug ist um auszuweichen. Uns blieb mehr als einmal das Herz fast stehen. 

Stele bei den Copán Ruinen

Als erstes fahren wir nach Copán. Diese riesige Maya-Ruinenstätte ist vielleicht der Ort wo normalerweise noch die meisten Touristen hinkommen (als Tagesausflug von Guatemala), aber selbst hier sind wir alleine. Die Ruinen sind eindrücklich, insbesondere die vielen wunderschönen Stele – Steinpfeiler, auf welchen Herrscher verewigt wurden, sowie die in Stein gehauene Dekorationen der Gebäude. Obwohl das Gebiet 2000 Jahre lang bewohnt war, stammen die meisten Gebäude von der Blütezeit zwischen 400 -800 n.Chr.. Unter den Tempeln befinden sich oft noch ältere Tempel, die wiederum weitere Strukturen überdecken. Hauptgrund für den Niedergang dieser Maya-Stadt waren innere Unruhen. Diese waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich Wiederstand breit machte, als beim Stein schleppen für den Bau der pompösen Tempel die Arbeiter wegstarben. Ein besonders Highlight war die hieroglyphische Treppe – eine Treppe mit über 60 Stufen voller Hieroglyphen. diese erfassen die gesamte Geschichte von Copán. Ca. 80% der mehreren Tausend Hieroglyphen konnte von Archäologen bereits entziffert werden. Ein anderes Highlight der Ruinenstätte waren die vielen roten riesigen Aras, die da hausen. Es war für uns das erste Mal diese wunderschönen Vögel wild zu sehen.

Cataratas de Pulhapanzak

Pulhapanzak Wasserfälle und Murals

Nach Copán fuhren wir zu den Wasserfällen Cataratas de Pulhapanzak. Aus vielen Löchern sprudelt das Wasser raus und bildet einen schönen Wasserfall. Wir konnten da auch gleich campen und genossen die ganze Nacht die laute Musik und Feierlichkeiten des Muttertagfests nebendran. Ja auch die Honduraner können feiern. Im schönen und mit Wandmalereien versehene Städtchen Ajuterique legen wir einen Zwischenhalt ein, um danach in der Hauptstadt ein paar Stunden im Stau zu stehen.

In Cantarranas

Es fängt an zu schütten. Richtig krass wie hier bei Regenschauer das Wasser in regelrechten Wasserfällen Treppen runterströmt oder wie wir teils durch fast knietiefes Wasser laufen müssen. Nach dem PCR Test, den wir für die nächste Grenze brauchen fliehen wir aus der Hauptstadt in einen Naturpark, wo wir übernachten. Am letzten Tag in Honduras schauen wir uns wieder 2 wunderschöne Dörfchen an – Valle de Angeles und Cantarranas. In Valle de Angeles (Tal der Engel) sind gemäss dem Namen überall Engelsflügel zu sehen und in Cantarranas ist die Strassenkunst wirklich nicht mehr zu überbieten – wir finden hier die schönsten und fantasievollsten Murals seit Beginn der Reise.

Fazit Honduras

Am letzten Nachmittag fahren wir in die Nähe der Grenze für letzte Grenzvorbereitungen, aber einen Übernachtungsort zu finden, stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Schliesslich fragen wir bei einem schicken Hotel an. Es ergibt sich eine komische Situation. Der Mann mit seiner Familie der das Hotel managed ist total gastfreundlich, muss aber den Eigentümer in Kanada fragen, welcher aber unerreichbar ist. Es ist alles sehr edel und nigelnagelneu, es gibt aber keine anderen Gäste, irgendwie auch kaum Gästezimmer zu sehen und das Restaurant ist auch geschlossen. Der nette Mann gibt uns aber das Wifi Passwort, wir dürfen Toilette und alles gratis benutzen, er freut sich über den Besuch. Nun sitzen wir immer noch da wie bestellt und nicht abgeholt und warten auf den Bescheid, ob wir da bleiben dürfen oder nicht.
Fazit: Wir sind sehr froh dem Land eine kurze Chance gegeben zu haben und haben die Zeit sehr genossen, wenn wir uns auch ein wenig „fehler“ am Platz gefühlt haben, als beispielsweise in El Salvador. Wir haben uns nie bedroht gefühlt, aber es gab ein, zwei Situationen, wo es uns doch leicht unwohl war. Die Armut ist deutlich höher als in El Salvador – das Land hat viele Jahrzehnte unter Gewalt, Repression, Revolutionen, Korruption und Konflikten gelitten und es noch nicht aus der Abwärtsspirale rausgeschafft, wenn die Perspektiven auch besser aussehen als auch schon. Gerne wären wir noch tiefer in Land und Leute eingetaucht und aber es fehlt einfach die Zeit.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Wir haben 50’000 Kilometer auf den Amerikas überschritten – hier unsere Route bis jetzt:

Route bis El Salvador
Schnorcheln vor unsrer Insel

Unsere Robinson Crusoe-Erfahrung beim Belize Barrier Reef

Unser Zelt unter den Palmen am Meer

Am Sonntag morgen nahmen wir in Sittee River das Boot aufs Glovers Reef Atoll. 99 US-Dollar pro Person pro Woche, um im eigenen Zelt auf der Insel zu übernachten inkl. 3 stündige Bootsfahrt hin und zurück. Das Angebot ist unglaublich gut, kostet nur schon ein Tagesausflug in Belize normalerweise mindestens 100 Dollar. Die Haken sind einzig, dass man für die ganze Woche auf der Insel feststeckt – vorher zurückkehren können wir nur, wenn wir für ein Vermögen selbst ein Boot chartern, was nicht in Frage kommt. Mit anderen Worten, wenn das Wetter nicht mitspielt oder man mit den Gastgebern nicht klar kommt (anhand der Rezensionen kommt das häufiger vor, sie sind auch ein wenig speziell), hat man ein Problem. Weiter müssen wir, um günstig wegzukommen, alles selbst mitnehmen (Zelt, Ausrüstung, Essen). Es wird zwar auf der Insel zu den Mahlzeiten jeweils etwas gekocht, aber mitzuessen ist ziemlich teuer. Weiterer Haken: Es gibt keine Elektrizität damit auch kein Kühlschrank, kein Internet und nur sehr beschränkt fliessend Wasser: Gesammeltes Regenwasser zum Duschen und Hände waschen. Abgespült und gewaschen wird mit Meerwasser.

Das Glovers Atoll ist eines von 3 Atollen im Belize Barrier Reef (nach dem Great Barrier Reef Australiens das zweitgrösste Riff der Welt). Ein Atoll zeichnet sich normalerweise durch ein ringförmiges Riff aus, in welcher sich eine Lagune bildet, die oft weit weniger tief und wild ist als das Meer ringsherum und oft auch viele kleine Riffs beinhaltet. So verhält es sich auch beim Glovers Atoll: In der „Lagune“ befinden sich über 700 kleine Riffs, das ringförmige Riff ringsum befindet sich teilweise tot / ausgetrocknet an der Oberfläche, so dass wir teils drauf laufen können. Das Glovers Atoll hat einen Umfang von über 80 Kilometern und beinhaltet neben den Riffs auch ein paar Inseln – eine davon unser Zuhause für eine Woche.

In der Hängematte chillen zum Sonnenuntergang

Wir gingen mit gemischten Gefühlen – Anouk hatte ein wenig Angst mit Gedanken à la: Was machen wir nur die ganze Woche, ohne Internet kann man die Zeit ja nicht mal sinnvoll nutzen für die Reiseplanung; Fotos aussortieren ohne Strom und damit ohne Laptop geht auch nicht und was passiert wenn dann sogar der E-Reader kein Akku mehr hat?… Man sieht also, wir haben diese Auszeit vielleicht auch nötig 🙂
Und so packen wir alles zusammen, verabschieden uns schwermütig vom Land Cruiser und fahren mit dem kleinen Motorboot, mit einem Gastgeber und 5 weiteren Touristen 3 Stunden durch das wilde aber teils wunderschöne türkise Meer vorbei an vielen Trauminseln, um dann vollkommen durchnässt auf dem Atoll anzukommen. Der erste Eindruck war einfach nur… Wow! Eine Insel wie im Ferienmagazin. Eine kleine Palmeninsel umgeben von türkisfarbenes Meer. Die Insel ist mit 5 Hektaren richtig klein – in 5 bis 10 Minuten sind wir einmal ringsum gelaufen. Die Wege sind markiert mit schönen Riesen-Flügelschnecken (Conch im Englischen), die hier überall im Meer zu finden sind und neben Deko auch gerne als Nahrung dienen. Neben den Regenwasser-Duschen hat es Komposttoiletten, eine Gasflasche zum Kochen und ein paar simple Über-Wasser-Hütten als Unterkunft für Gäste, die ein wenig mehr zahlen. Besonders cool ist die Kokos-Öffnungsstation: Ein Beil im Boden, um den äusseren Teil der Kokosnuss zu entfernen, ein paar Macheten um sie aufzuschlagen und eine Eisendrehkurbel, um aus dem Fruchtfleisch Kokosraspeln zu machen. Raphi hat aber seine Kokosöffnungsfähigkeiten mit seiner neuen Machete schon längst perfektioniert (Anouk schreibt den Text, ist also kein Eigenlob :)). Die ganze Insel ist voll von Kokospalmen und der ganze Boden mit Kokosnüssen bedeckt. Das wars dann mit den Einrichtungen. Wir sind die einzigen, die im Zelt schlafen, die wenigen anderen übernachten in den Überwasserhütten. Wir finden ein schönes Plätzchen für unser Zelt, abgeschieden vom Rest, direkt vor dem Riff zum Schnorcheln. Wir passen auf, das Zelt nicht direkt unter Kokosnüssen hinzustellen. Gerüchten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer fallenden Kokosnuss zu sterben nämlich 15 mal so hoch wie durch einen Haiangriff umzukommen.
Wir richten uns ein, Raphi baut aus Palmenüberresten einen Tisch. Die Hängematte hängen wir zwischen 2 Palmen auf und für das die Woche gemietete Kajak baut Raphi einen kleinen Hafen. Damit haben wir unser kleines Paradies fertig eingerichtet.

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unser Aufenthalt und die Insel übertreffen alle unsere Erwartungen. Schnorcheln können wir direkt vom Ufer aus in den vielen kleinen Patch-Riffen (eben über 700 in diesem Atoll). Wenn wir Abwechslung wollen, nehmen wir das Kajak und fahren weiter weg zum Schnorcheln. Raphi meint es sei das schönste Riff, welches wir gesehen haben, auch schöner als was wir vom Great Barrier Reef in Australien gesehen haben. Anouk will sich nicht festlegen. Wir sehen auf jeden Fall einigermassen bunte Korallen und viele farbenfrohe kleine bis riesige Fische, Haie, die bis ans Ufer kommen, riesige Manta-Rochen, Moränen und unzählige von den hübschen Conch-Riesenschnecken. Kajakausflüge unternehmen wir zum Beispiel auf eine 10 Quadratmeter grosse Miniinsel, zu Riffen und Raphi oft zu Stellen wo er gut fischen kann. Da es windig ist und damit hohe Wellen hat, sind wir mit der Distanz leider eingeschränkt. Neben dem Wind hatten wir aber Glück mit dem Wetter – die ganze Woche durch war es strahlend sonnig. Von der Insel aus geht eine ca. 15 KM weite Riffkruste über Wasser, welche den Rand des Atolls bildet und auf welcher man laufen kann. Hier brechen die Wellen der Karibik und neben der Kruste, auf der Aussenseite des Atolls, geht es steil runter – ca. 20 Meter, dann graduell tiefer bis zu 2000 Metern. Wir geniessen den Spaziergang auf der Riffkruste, getrauen uns aber nicht zu weit. Obwohl sich vieles über dem Meeresspiegel befindet und tot ist, befinden sich doch auch noch Lebewesen auf der Kruste und wir wollen nichts zerstören.

Instant-Fondue auf dem Feuer unter Palmen

Ansonsten geniessen wir es einfach mal nichts zu tun, d.h. sich weder um Reise-Vorbereitung (Planung) noch -Nachbereitung (Fotos aussortieren, Blog etc) zu kümmern – Anouk kommt endlich mal zum Buch lesen und Raphi, wenn er nicht gerade fischt kümmert sich um die Inselpflege: Er pflanzt die bereits spriessenden Kokosnüsse schön, füttert Hermit Crabs oder platziert sie um, so dass sie nicht gerade zertreten werden 🙂 Auf der Insel wimmelte es nur so von den süssen Einsiedlerkrebsen / Hermit Crabs, die sich als Schutz ein Schneckenhaus suchen und damit umherkrabbeln. Deswegen müssen wir bei Dunkelheit besonders aufpassen, wo wir hintreten. Umso beunruhigender sind dafür die vielen reflektierenden Augen in der Dunkelheit – das sind alles Spinnen. Zudem haben wir einen Riesenkrebs gesehen, dessen Körper ohne Beine schon so gross wie ein Fussball ist und manchmal haben Adler vorbeigeschaut. Unzählige Geckos und Eidechsen fressen die Ameisen und Mücken, worüber wir dankbar sind und dann wars das auch schon mit der Fauna auf der Insel. So geht die Woche auch ohne Strom, Internet und Co. schnell rum und am Samstag vor Ostern kommen wir wieder in der Marina an.

Raphi klettert El Castillo hoch

Ostern in Belize

Die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern ist ein riesiges Ereignis in Lateinamerika, besonders in Guatemala, was wir aufgrund des Atolls nun leider verpasst haben. Wir fahren von der Küste nach San Ignacio, wo wir am Montag die Grenze überqueren wollen. Den Ostersonntag verbringen wir mit Wäsche machen und putzen. Leider sind auch in Belize die Hauptfeierlichkeiten schon vorüber. Auf Schoggihasen und -eier müssen wir Schweren Herzens verzichten, aber die Menschen befinden sich in Feierlaune und beim benachbarten Fluss gibt es ein grosses Festival, welches uns beim Putzen schön mit Hintergrundmusik unterhält. Wir besuchen ausserdem, nachdem wir einmal mehr einen Fluss mit einer Handkurbelfähre überquert haben, die Xunantunich-Ruinen. Bei diesen Maya-Ruinen beeindruckt uns vor allem der mit schönen Stuckfries-Bildnissen versehenen, über 30 Meter hohe Tempel El Castillo – die zweithöchste von Menschen geschaffene Struktur in Belize. Darauf geniessen wir eine wunderschöne Aussicht ins benachbarte Guatemala, und die grüne, dschungelhafte Hügellandschaft.
Wir werden von ein paar netten Amis, darunter der Ex-Bürgermeister von San Ignacio (50 Jahre her) auf ein Bier eingeladen und bereiten dann noch den Grenzübertritt für morgen vor. Ja, Belize haben wir in diesen 2 Wochen wahrhaftig ins Herz geschlossen und können auch hier eine Reise hin nur wärmstens empfehlen!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Stromatolithen in der Laguna de Bacalar

Paradiesische Gewässer zum Abschied von Mexico

Unsere letzte Woche in Mexico bricht an. Wir fahren in unseren letzten mexikanischen Bundesstaat, der gleichzeitig unser erster war (im Juli mussten wir 2 Wochen in Mexico verbringen, bevor wir in die USA einreisen durften) – Quintana Roo.

Insel Holbox

Chillen in der Hängematte

Hier parken wir den Land Cruiser am Pier und nehmen um 6 Uhr morgens die erste Fähre auf die Insel Holbox. Somit haben wir den ganzen Tag und sparen trotzdem die Übernachtung auf der Insel. Holbox ist ca. 40 Kilometer lang und 1.5 Kilometer breit, wobei der grösste Teil unzugänglich und als Biosphäre für die über 150 Vogelarten geschützt ist. Ansonsten bietet die Insel Traumstrände, Mangroven und ein gemütliches Inseldorf. Der einzige Verkehr sind Golf-Carts und Fahrräder.
Wir geniessen einen Tag lang das Inselleben. Wir bewundern die Murals / Wandmalereien im Dorf, laufen von Strand zu Strand, und bei Sonnenaufgang und Ebbe über eine Sandbank zum Naturschutzgebiet. Am Strand holen wir Schlaf nach und machen es in den fotogenen Hängematten gemütlich, bevor wir zu Happy Hour Drinks den Sonnenuntergang geniessen und dann die Fähre zurücknehmen.

Küste von Quintana Roo

Wir fahren weiter südlich. Cancun als letzte grössere Stadt suchen wir auf, um einzukaufen und Wäsche zu machen. In Xpu-Ha treffen wir uns für eine Übernachtung mit einer deutschen Familie auf einem Campingplatz am Strand. Es ist verflixt: Die Strände an dieser Karibikküste sind wieder voller stinkendem Seegras – ins Meer zu gehen ist unmöglich. Die Familie versichert uns, dass vor 2 Tagen noch absolute Traumstrandverhältnisse herrschten. Wir hatten ja bereits im Juli an dieser Küste schrecklich viel Seegras. Auf unsrer Reise durch Mexico sind wir so vielen Menschen begegnet, die uns versicherten, dass bei deren Besuch kein Seegras vorhanden war und so haben wir uns darauf gefreut die schöne Quintana Roo Karibikküste von Cancun bis Tulum ohne Seegras zu erleben. Diesbezüglich haben wir wohl aber einfach Pech. So flüchteten wir bald wieder vom Meer.
Wir suchten nochmals die Cenote Azul auf, in welcher Anouk im Juli ihr Handy geschrottet hat und gönnten uns dort die kostenlose Fischmassage: In der Cenote leben Tausende von Fischchen, welche wenn man ruhig bleibt, anfangen die abgestorbene Haut von den Füssen und Beinen wegzuzupfen – sehr angenehm 🙂 Wir besuchten nochmals kurz Playa del Carmen, um in unsrem Lieblingsrestaurant zu essen, und uns würdig vom leckeren mexikanischen Essen zu verabschieden.

Laguna de Bacalar und Mahahual

Wieder mal Hängematten – diesmal auf der Laguna de Bacalar

Vor dem Grenzübertritt besuchen wir noch den 55 Kilometer langen See Laguna de Bacalar. Er ist auch als Lagune der 7 Farben bekannt, da der weiss-sandige Boden für so viele Schattierungen in wunderbarem Blau sorgt. Viel vom See und den Inseln ist Naturschutzgebiet, um zum Beispiel Vögel oder Stromatolithen zu schützen. Stromatolithen sind die erste Form von Leben, die auf der Erde existierten. Die Zellgruppierungen verformen sich zu Gesteinen, welche Sauerstoff freigeben und somit die Atmosphäre, wie wir sie heute kennen, erst ermöglichten. Nur an wenigen Orten auf der Welt kann man sie noch beobachten und Bacalar ist einer davon. Wir finden einen einfachen Campground direkt am See, machen vor der Grenzüberquerung nochmals einen Grossputz und mieten Kanus, um die 7 Farben des wunderschönen Sees zu entdecken.
Wir geben der Küste nochmals eine Chance und machen einen Abstecher nach Mahahual, bekannt dafür, dass man da gut schnorcheln kann. Aber auch hier, zu viel Seegras, um ins Wasser zugehen. Wenigstens finden wir noch einen schönes Übernachtungsplätzchen neben Kokospalmen am Meer und essen nochmals richtig viel Kokosnuss. In Chetumal, der Grenzstadt machen wir noch letzte Besorgungen (Belize ist teuer!), feiern bei Drinks unseren Hochzeitstag und übernachten gut bewacht vor der Polizeistation, so dass wir morgen früh die Grenze überqueren können.

Fazit Mexico

Unser letztes Übernachtungsplätzchen an Mexiko’s Karibikküste

Wir hatten damit gerechnet 6 Wochen in Mexico zu verbringen woraus nun volle 3 Monate wurden. Trotzdem mussten wir sehr viele Orte auslassen, die wir gerne gesehen hätten und waren eigentlich jeden Tag unterwegs, aber das Land ist einfach riesig. 11’000 Kilometer haben wir hier gemacht, gefühlt aber mehr, da wir aufgrund der Strassenverhältnisse nur noch mit ca. 50 KM/h vorankamen.
Unsere Erwartungen bezüglich Mexico wurden vollkommen übertroffen, insbesondere was unsere Sicherheitsbedenken anbelangte. Wir hatten grossen Respekt vor Mexico und sind nun ohne eine einzelne schlechte Erfahrung durchgekommen. Nicht mal auf korrupte Polizisten sind wir gestossen und auch nicht Opfer eines Betrugversuchs geworden (z.B. bei Tankstellen). Wir haben oft wildgecampt, haben nach dem Kostenschock bei der ersten Mautstrasse komplett auf die sicheren Mautstrassen verzichtet (sonst wären wir jetzt arm), sind durch Zapatista-Gebiet gefahren und wir leben noch. Klar haben wir aufgepasst und gesunden Menschenverstand walten lassen, aber grundsätzlich ist die Lage nicht so prekär für Touristen, wie man dank den Medienberichten glaubt.
Die Vielfalt und Schönheit der Natur, die bunte und lebendige Kultur, die herzliche Gastfreundschaftlichkeit haben uns begeistert. Allgemein waren die Menschen sehr freundlich. Uns hat zu Beginn der fast schon grimmige Gesichtsausdruck Vieler ein wenig verunsichert. Man muss sich daran gewöhnen, dass der anfängliche Grundgesichtsausdruck nicht viel mit der Stimmung zu tun hat – sobald man nämlich grüsst oder lächelt verwandelt sich die Mimik in absolutes Strahlen und Herzlichkeit. Die wunderschönen bunten Städte und auch mit wieviel Liebe und Fantasie die Häuser, Cafés, Restaurants teils dekoriert und ausgestattet sind, haben uns auch sehr zugesagt. Das Meereswelt mit seinen Bewohnern um das Baja Peninsula und die Baja selbst mit den vielen einsamen Orten und Stränden haben uns total fasziniert.
Das Essen war auch super lecker und wahrscheinlich deutlich besser, als wir es in Zentralamerika erleben dürfen, wo es dann viel Reis und Bohnen geben wird.
Wir können Mexico wärmstens als Reiseland empfehlen und zwar hauptsächlich das Land ausserhalb der Touristenhochburg Quintana Roo.
Auf der anderen Seite – klar – man mussaufpassen. Das Land befindet sich im Drogenkrieg und was teils passiert, ist grausam. Auch bezüglich Femizide weist das Land traurige Werte auf – 10 Frauen werden pro Tag ermordet und von den Morden bleiben 90% ungeklärt und unbestraft.
Nervig fanden wir die vielen Topes (Geschwindigkeitsschwellen aller möglichen Höhen und Arten), die einem ständig zum bremsen zwingen und die einem das Auto mit der Zeit zerstören (haben schon von einigen Achsenbrüchen aufgrund von Topes gehört). Das Topesbauen ist total aud dem Ruder geraten – Jeder Strassenstandbesitzer bastelt vor seinem Stand ein Topes, damit die potentiellen Kunden abbremsen müssen. Aber diese Topes werden uns scheinbar in gesamt Lateinamerika begleiten.
Bisschen schade fanden wir auch, dass alles kommerzialisiert ist, was teils sicher der Menschendichte zu verdanken ist (Mexico hat doppelt so viele Menschen pro Quadratkilometer wie die USA). Wirkliche Wildnis findet man kaum, für jeden Wasserfall zahlt man irgendwie Eintritt und aus jeder kleinen Naturattraktion wird auch gleich ein Vergnügungspark geschaffen mit Ständen, Ziplines und Co.. Ganz traurig war der Müll überall, da bringt auch das Zusammenlesen nicht viel, da er oft wieder zurück in der Natur entsorgt wird. Das Einzige was man machen kann, ist weniger zu produzieren.
Aber wie gesagt, abgesehen davon hat uns Mexico wahnsinnig gut gefallen und wir bedanken uns von ganzem Herzen für die wunderschöne Zeit!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Las Coloradas und Karibik

Pinke Seen, gelbe Städte, grüner Dschungel, blaue Cenoten – eine farbenfrohe Woche

Palenque

Palenque

Begonnen haben wir die Woche mit einem Besuch der Maya Ruinenstadt Palenque. Mitten im Dschungel gelegen strahlt der Ort eine romantisch-aufregende Dschungel-Ruinen Stimmung, ein wenig à la Indiana Jones, aus. Diese Erfahrung hätte man wohl „bereichern“ können, wenn man von den zahlreichen Verkäufern vor den Ruinen Magic Mushrooms gekauft hätte, was wir aber dankend abgelehnt haben 🙂
In seiner Blütenzeit im 7. Jahrhundert hat das Herrschaftsgebiet von Palenque bis El Salvador gereicht. Vieles an Geschehnissen und an der Geschichte der Maya ist in Palenque in zahlreichen Hieroglyphen verewigt, für Forscher extrem hilfreich. Der damalige Herrscher Pakal wurde in einem riesigen, ausgiebig geschmückten Grab und mit einer ausserordentlichen Todesmaske aus Jade begraben, leider wird man nicht mehr ins Grab gelassen. Nach Misserfolgen wurde die Stadt um ca. 900 nach Chr. verlassen und erst nach Eintreffen der Spanier wiederentdeckt. Bis heute wurde wahrscheinlich erst 5-10 % der Stadt ausgegraben. Um die Ruinen herum haben wir noch Spaziergänge durch den Dschungel und zu weiteren Ruinen machen können und bekamen das erste Mal in Mexico Brüllaffen zu Gesicht.

Raphi vor dem alten Stadtkern Campeches

Campeche

Nach Palenque fuhren wir weiter an den Golf von Mexico im Bundesstaat Campeche auf dem Yukatan Peninsula. Der wunderschönen Küste entlang fahren wir bis zur gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaats.
Campeche ist eine wunderschöne, sympathische Stadt am Meer, auch diese geschützt als UNESCO Weltkulturerbe. Die Häuser sind pastellfarben, es hat ein paar schöne Kathedralen und ein grosser Teil der alten Stadtmauer ist noch zu sehen.
Die Handelsstadt wurde nach Eroberung durch die Spanier anfangs 16. Jahrhunderts sooft von Piraten attackiert, dass Stadtmauer und Festungen gebaut wurden. Ob die Angriffe aufgrund dessen aufgehört haben oder einfach weil sich rumgesprochen hat, dass es in der Stadt nichts zu holen gibt, ist nicht abschliessend geklärt. Die Polizei patrouilliert in süssen Minielektrofahrzeugen, die Gehsteige sind so hoch, dass es kleine Treppchen gibt und die Autofahrer halten sogar bei Fussgängerstreifen an, was uns total schockiert hat. Ja, die Stadt hat wahrlich Charme versprüht und uns gefallen, so verschlafen und hübsch wie sie war. Nach der Bewunderung des Sonnenuntergangs an der Strandpromenade und dem Abendessen in der süss beleuchteten Altstadt fühlen wir uns auch hier sicher genug einfach an der Strandpromenade im Auto zu übernachten.

Mérida und Izamal

Raphi in Izamal

Danach fahren wir weiter der Küste entlang. Beim nächsten einsamen Strandplätzchen welches wir zum Übernachten aussuchen, werden wir das erste Mal so richtig von Mücken aufgefressen. Unsere neu gekaufte Mückenlampe und das Mückengitter bei den Fenstern helfen da auch nicht viel. Es ist so krass, dass wir nicht mal was kochen, da wie wissen, dass innerhalb von Sekunden unser Essen voll von Insekten wäre. So flüchten wir am nächsten Tag nach Mérida, der Hauptstadt von Yukatan. Merida ist die scheinbar zweitsicherste Stadt vom ganzen amerikanischen Kontinent (nach Quebec in Kanada). Nach so vielen tollen Städten hat uns Mérida aber nicht umgehauen. Wir haben uns eine Nachstellung des Maya Ballspiels „Pok Ta Pok“ angeschaut, dessen Spielgrund wir jetzt schon bei einigen Ruinen gesehen haben und uns mit Reisenden aus Alaska zum Yukatanisch essen verabredet. Als wir weiter sind, hat es das erste Mal richtig geschüttet. Ja die Regenzeit kommt langsam – zum Glück gibt es Cenoten! Besser als Mérida hat uns dann die Stadt Izamal gefallen, eine Stadt ganz in gelb. Alle Häuser, das Kloster, die Kirchen, ja sogar die mexikanischen Papierfähnchen (Papel Picado), welche über der Strasse hängen – alles war gelb. Interessanterweise weiss niemand genau wieso dem so ist – eine Theorie besagt, dass die Stadt für den Besuch vom Papst 1993 gelb angemalt wurde, andere sagen sie wurde zu Ehren des mayanischen Sonnengottes gefärbt. Zentrum ist das schöne gelbe Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua – einmal mehr errichtet auf einer Maya Ruinen.

Raphi in der Ik-Kil Cenote

Cenoten und Coba

Cenoten sind einfach wunderbar. 3 dieser eingestürzten Karsthöhlen, die Zugang zu mit Wasser gefüllten Grotten und Unterwasserhöhlensystemen geben, haben wir schon im Juli aufgesucht. Da es auf der Yukatan Halbinsel aber über 6000 davon gibt, möchten wir noch ein paar mehr erkundigen. An unsrem Regentag haben wir eine fast geschlossene Cenote (Hool Kosom) besucht, so blieben wir vom Regen verschont. Zum Glück regnete es nur einen Tag lang und so konnten wir danach auch offene Cenoten versuchen – wir entscheiden uns für die X-Batun, Dzonbakal, und Ik-Kil Cenoten. Es ist jedes Mal ein tolles Erlebnis, insbesondere die Unterwasserwelt mit Schnorcheln zu entdecken. Tauchen wäre noch interessanter, da die Cenoten ja unterirdisch oft noch viel weiter gehen, mit anderen Cenoten verbunden sind und sich Maya Schätze, Knochen oder andere Überbleibsel befinden.
Auch die Coba Ruinen haben wir besucht – eine ehemalige Maya- Stadt die architektonisch stark dem guatemalischen Tikal ähnelt. Vermutlich sind Coba Bewohner mit royalen Tikal-Frauen verheiratet worden, um den Handel zwischen den beiden Städten zu vereinfachen. Als die Frauen nach Coba gekommen sind, waren unter ihrer Gefolgschaft wohl Architekten und Handwerker, was die Ähnlichkeiten erklären würde. Lustigerweise haben wir dort auf dem Parkplatz das seit 25 Jahren reisenden Schweizerpaar wieder getroffen, die wir schon in den USA bei Vermillion Cliffs im Dezember kennengelernt haben.

Pinke Seen und Flamingos in Ría Lagartos

Las Coloradas und Karibik

Weiter fahren wir an das oberste Ende des Yukatan Peninsula – zum UNESCO geschützten Biosphärenreservat Ría Lagartos. Hier befinden sich Las Coloradas – Pinke Seen. Der hohe Salzgehalt der Seen zieht viele Krabben, Plankton und rote Algen an. Bei Sonne verdunstet viel vom Wasser, was die Konzentration dieser Lebewesen so stark erhöht, dass die Seen pink werden. Nebendran befindet sich gleich das wunderschön türkise karibische Meer. Das Biosphärenreservat zieht sich noch über viele weiteren Lagunen, die von Vögeln und Flamingos bewohnt werden. Diese Flamingos sind übrigens aus dem selben Grund so pink wie die Seen- sie wären weiss, aber die Ernährung von Shrimps, Plankton und rote Algen färbt sie pink. Wir fahren den abenteuerlichen Weg durch die Mangroven zwischen den Lagunen und bewundern die Flamingos. Nach El Cuyo finden wir einen wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz an der türkisen Karibik / Golf von Mexico. Hier verbringen wir das restliche Wochenende, essen jede Menge Kokosnüsse, die wir direkt von der Palme holen und Anouk schneidet Raphi wieder mal die Haare, diesmal mit herrlichem Ausblick übers Meer.

Ein kleines Drohnenvideo von den pinken Seen und der Fahrt durch Ria Lagartos: 

Hier noch ein kleiner Ausschnitts der Pok Ta Pok Nachstellung:

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