Schnorcheln vor unsrer Insel

Unsere Robinson Crusoe-Erfahrung beim Belize Barrier Reef

Unser Zelt unter den Palmen am Meer

Am Sonntag morgen nahmen wir in Sittee River das Boot aufs Glovers Reef Atoll. 99 US-Dollar pro Person pro Woche, um im eigenen Zelt auf der Insel zu übernachten inkl. 3 stündige Bootsfahrt hin und zurück. Das Angebot ist unglaublich gut, kostet nur schon ein Tagesausflug in Belize normalerweise mindestens 100 Dollar. Die Haken sind einzig, dass man für die ganze Woche auf der Insel feststeckt – vorher zurückkehren können wir nur, wenn wir für ein Vermögen selbst ein Boot chartern, was nicht in Frage kommt. Mit anderen Worten, wenn das Wetter nicht mitspielt oder man mit den Gastgebern nicht klar kommt (anhand der Rezensionen kommt das häufiger vor, sie sind auch ein wenig speziell), hat man ein Problem. Weiter müssen wir, um günstig wegzukommen, alles selbst mitnehmen (Zelt, Ausrüstung, Essen). Es wird zwar auf der Insel zu den Mahlzeiten jeweils etwas gekocht, aber mitzuessen ist ziemlich teuer. Weiterer Haken: Es gibt keine Elektrizität damit auch kein Kühlschrank, kein Internet und nur sehr beschränkt fliessend Wasser: Gesammeltes Regenwasser zum Duschen und Hände waschen. Abgespült und gewaschen wird mit Meerwasser.

Das Glovers Atoll ist eines von 3 Atollen im Belize Barrier Reef (nach dem Great Barrier Reef Australiens das zweitgrösste Riff der Welt). Ein Atoll zeichnet sich normalerweise durch ein ringförmiges Riff aus, in welcher sich eine Lagune bildet, die oft weit weniger tief und wild ist als das Meer ringsherum und oft auch viele kleine Riffs beinhaltet. So verhält es sich auch beim Glovers Atoll: In der „Lagune“ befinden sich über 700 kleine Riffs, das ringförmige Riff ringsum befindet sich teilweise tot / ausgetrocknet an der Oberfläche, so dass wir teils drauf laufen können. Das Glovers Atoll hat einen Umfang von über 80 Kilometern und beinhaltet neben den Riffs auch ein paar Inseln – eine davon unser Zuhause für eine Woche.

In der Hängematte chillen zum Sonnenuntergang

Wir gingen mit gemischten Gefühlen – Anouk hatte ein wenig Angst mit Gedanken à la: Was machen wir nur die ganze Woche, ohne Internet kann man die Zeit ja nicht mal sinnvoll nutzen für die Reiseplanung; Fotos aussortieren ohne Strom und damit ohne Laptop geht auch nicht und was passiert wenn dann sogar der E-Reader kein Akku mehr hat?… Man sieht also, wir haben diese Auszeit vielleicht auch nötig 🙂
Und so packen wir alles zusammen, verabschieden uns schwermütig vom Land Cruiser und fahren mit dem kleinen Motorboot, mit einem Gastgeber und 5 weiteren Touristen 3 Stunden durch das wilde aber teils wunderschöne türkise Meer vorbei an vielen Trauminseln, um dann vollkommen durchnässt auf dem Atoll anzukommen. Der erste Eindruck war einfach nur… Wow! Eine Insel wie im Ferienmagazin. Eine kleine Palmeninsel umgeben von türkisfarbenes Meer. Die Insel ist mit 5 Hektaren richtig klein – in 5 bis 10 Minuten sind wir einmal ringsum gelaufen. Die Wege sind markiert mit schönen Riesen-Flügelschnecken (Conch im Englischen), die hier überall im Meer zu finden sind und neben Deko auch gerne als Nahrung dienen. Neben den Regenwasser-Duschen hat es Komposttoiletten, eine Gasflasche zum Kochen und ein paar simple Über-Wasser-Hütten als Unterkunft für Gäste, die ein wenig mehr zahlen. Besonders cool ist die Kokos-Öffnungsstation: Ein Beil im Boden, um den äusseren Teil der Kokosnuss zu entfernen, ein paar Macheten um sie aufzuschlagen und eine Eisendrehkurbel, um aus dem Fruchtfleisch Kokosraspeln zu machen. Raphi hat aber seine Kokosöffnungsfähigkeiten mit seiner neuen Machete schon längst perfektioniert (Anouk schreibt den Text, ist also kein Eigenlob :)). Die ganze Insel ist voll von Kokospalmen und der ganze Boden mit Kokosnüssen bedeckt. Das wars dann mit den Einrichtungen. Wir sind die einzigen, die im Zelt schlafen, die wenigen anderen übernachten in den Überwasserhütten. Wir finden ein schönes Plätzchen für unser Zelt, abgeschieden vom Rest, direkt vor dem Riff zum Schnorcheln. Wir passen auf, das Zelt nicht direkt unter Kokosnüssen hinzustellen. Gerüchten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer fallenden Kokosnuss zu sterben nämlich 15 mal so hoch wie durch einen Haiangriff umzukommen.
Wir richten uns ein, Raphi baut aus Palmenüberresten einen Tisch. Die Hängematte hängen wir zwischen 2 Palmen auf und für das die Woche gemietete Kajak baut Raphi einen kleinen Hafen. Damit haben wir unser kleines Paradies fertig eingerichtet.

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unser Aufenthalt und die Insel übertreffen alle unsere Erwartungen. Schnorcheln können wir direkt vom Ufer aus in den vielen kleinen Patch-Riffen (eben über 700 in diesem Atoll). Wenn wir Abwechslung wollen, nehmen wir das Kajak und fahren weiter weg zum Schnorcheln. Raphi meint es sei das schönste Riff, welches wir gesehen haben, auch schöner als was wir vom Great Barrier Reef in Australien gesehen haben. Anouk will sich nicht festlegen. Wir sehen auf jeden Fall einigermassen bunte Korallen und viele farbenfrohe kleine bis riesige Fische, Haie, die bis ans Ufer kommen, riesige Manta-Rochen, Moränen und unzählige von den hübschen Conch-Riesenschnecken. Kajakausflüge unternehmen wir zum Beispiel auf eine 10 Quadratmeter grosse Miniinsel, zu Riffen und Raphi oft zu Stellen wo er gut fischen kann. Da es windig ist und damit hohe Wellen hat, sind wir mit der Distanz leider eingeschränkt. Neben dem Wind hatten wir aber Glück mit dem Wetter – die ganze Woche durch war es strahlend sonnig. Von der Insel aus geht eine ca. 15 KM weite Riffkruste über Wasser, welche den Rand des Atolls bildet und auf welcher man laufen kann. Hier brechen die Wellen der Karibik und neben der Kruste, auf der Aussenseite des Atolls, geht es steil runter – ca. 20 Meter, dann graduell tiefer bis zu 2000 Metern. Wir geniessen den Spaziergang auf der Riffkruste, getrauen uns aber nicht zu weit. Obwohl sich vieles über dem Meeresspiegel befindet und tot ist, befinden sich doch auch noch Lebewesen auf der Kruste und wir wollen nichts zerstören.

Instant-Fondue auf dem Feuer unter Palmen

Ansonsten geniessen wir es einfach mal nichts zu tun, d.h. sich weder um Reise-Vorbereitung (Planung) noch -Nachbereitung (Fotos aussortieren, Blog etc) zu kümmern – Anouk kommt endlich mal zum Buch lesen und Raphi, wenn er nicht gerade fischt kümmert sich um die Inselpflege: Er pflanzt die bereits spriessenden Kokosnüsse schön, füttert Hermit Crabs oder platziert sie um, so dass sie nicht gerade zertreten werden 🙂 Auf der Insel wimmelte es nur so von den süssen Einsiedlerkrebsen / Hermit Crabs, die sich als Schutz ein Schneckenhaus suchen und damit umherkrabbeln. Deswegen müssen wir bei Dunkelheit besonders aufpassen, wo wir hintreten. Umso beunruhigender sind dafür die vielen reflektierenden Augen in der Dunkelheit – das sind alles Spinnen. Zudem haben wir einen Riesenkrebs gesehen, dessen Körper ohne Beine schon so gross wie ein Fussball ist und manchmal haben Adler vorbeigeschaut. Unzählige Geckos und Eidechsen fressen die Ameisen und Mücken, worüber wir dankbar sind und dann wars das auch schon mit der Fauna auf der Insel. So geht die Woche auch ohne Strom, Internet und Co. schnell rum und am Samstag vor Ostern kommen wir wieder in der Marina an.

Raphi klettert El Castillo hoch

Ostern in Belize

Die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern ist ein riesiges Ereignis in Lateinamerika, besonders in Guatemala, was wir aufgrund des Atolls nun leider verpasst haben. Wir fahren von der Küste nach San Ignacio, wo wir am Montag die Grenze überqueren wollen. Den Ostersonntag verbringen wir mit Wäsche machen und putzen. Leider sind auch in Belize die Hauptfeierlichkeiten schon vorüber. Auf Schoggihasen und -eier müssen wir Schweren Herzens verzichten, aber die Menschen befinden sich in Feierlaune und beim benachbarten Fluss gibt es ein grosses Festival, welches uns beim Putzen schön mit Hintergrundmusik unterhält. Wir besuchen ausserdem, nachdem wir einmal mehr einen Fluss mit einer Handkurbelfähre überquert haben, die Xunantunich-Ruinen. Bei diesen Maya-Ruinen beeindruckt uns vor allem der mit schönen Stuckfries-Bildnissen versehenen, über 30 Meter hohe Tempel El Castillo – die zweithöchste von Menschen geschaffene Struktur in Belize. Darauf geniessen wir eine wunderschöne Aussicht ins benachbarte Guatemala, und die grüne, dschungelhafte Hügellandschaft.
Wir werden von ein paar netten Amis, darunter der Ex-Bürgermeister von San Ignacio (50 Jahre her) auf ein Bier eingeladen und bereiten dann noch den Grenzübertritt für morgen vor. Ja, Belize haben wir in diesen 2 Wochen wahrhaftig ins Herz geschlossen und können auch hier eine Reise hin nur wärmstens empfehlen!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Rio Frio Cave

Belize – ein kleines, spannendes Tropenparadies

Wow! Belize hat uns total begeistert! Wir wussten nicht, was wir erwarten sollten – die Meinungen anderer Reisenden waren gespalten: Manche waren begeistert und manche empfohlen tatsächlich das kleine Land an der Karibik auszulassen und direkt nach Guatemala zu fahren. Zum Glück haben wir das nicht gemacht! Belize ist halb so gross wie die Schweiz und das jüngste Land sowie das einzige mit Englisch statt Spanisch als Amtssprache in Zentralamerika .
Am Montag früh haben wir von Mexico aus die Grenze nach Belize überquert. Es lief alles reibungslos, sowohl bei der Ausreise Mexicos (Polizeikontrolle, Stornierung Visum und Temporärimportpapiere des Autos) als auch der Einreise in Belize (Abschluss Covidversicherung, Kontrolle Impfausweis, Auto einsprühen mit Pestiziden, Visum für uns, Temporäreinfuhr des Autos, Abschluss KFZ-Versicherung).

Cerros Ruinen

Raphi kurbelt die Fähre mit

Nach Geld abheben und Simkarte kaufen fahren weiter zu den Cerros Ruinen. Dabei fahren wir das erste Mal mit einer von Hand gekurbelten Autoflussfähre – von diesen gibt es in Belize einige. Raphi kurbelt fleissig mit. Wir sind überrascht, wie wenig Menschen wir begegnen, die Strassen sind vollkommen leer, ganz im Gegensatz zu Mexico. Man merkt, dass Belize das am wenigsten dicht besiedelte Land in Zentralamerika ist. Bei den Ruinen angekommen ist die Aufsichtsperson, die dort wohnt und die Ruinen pflegt, ganz überrascht. Es sind schon lange keine anderen Touristen da gewesen. Nur hin und wieder, wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt, kommt Besuch. Die Cerros Ruinen wurden von 400 v.Chr. bis 400 n.Chr. von den Mayas bewohnt. Direkt an der Karibik gelegen befindet sich ein Grossteil der Ruinen im Wasser, ein paar können auch an Land besichtigt werden mit traumhafter Karibikkulisse.

4×4 – Konvoifahrt zu den Davis Falls

Weg voller Schlammlöcher

Wir fahren weiter bis zur Mitte von Belize. Ja, ausnahmsweise sind wir mal in einem winzigen Land und kommen somit schnell voran. Wir treffen uns mit einem Pärchen aus Alaska, welche wir bereits in Oaxaca und Mérida getroffen haben. Am nächsten Tag wollen wir mit ihnen eine Offroadtour durch den Dschungel zu den zweithöchsten Wasserfällen Belizes – den Davis Falls – machen. Wir machen an dem Abend gleich 2 neue Bekanntschaften: eine erste Bekanntschaft mit der unglaublichen Gastfreundschaft der Belizer und die Bekanntschaft mit den grausamen bösen nervigen Botlassfliegen. Obwohl wir selbst gekocht haben, anstatt im Restaurant zu essen, haben die Inhaber des Campingplatzes das restliche Essen uns am Schluss geschenkt und uns mit einem leckeren Flan überrascht – diese Gastfreundschaft zieht sich auch auf die weiteren Begegnungen in Belize hin. Die Botlassfliegen hingegen werden uns auch noch einige Tage verfolgen. Sie leben in Zentral-Belize und sind winzig, stechen aber die ganzen Beine voll. Bei jedem Stich bildet sich ein kleiner Bluttropfen, der sich zu einem roten Punkt entwickelt, ein paar Stunden später stark anschwillt und dann fürchterlich anfängt zu jucken. Wenn man 70 Stiche hat oder so, macht das keinen Spass. Am nächsten Tag geht’s zum 4×4 Track, zu welchem es natürlich kaum Informationen gibt. Die wenigen, die die Wasserfälle besuchen, machen dies im Rahmen einer Tour. Wir fahren zum ungefähren Anfangsort und fragen uns durch bis wir den Anfang gefunden haben und die Erlaubnis eingeholt haben die Route zu fahren. Durch riesige Orangenplantagen, durch wilden Dschungel, mit sicher etwa 6 Flussdurchquerungen, durch unzählige Schlammlöcher und mit mehrmaligem Verfahren werden unsere Autos stark beansprucht. Schliesslich schaffen wir es aber an den Anfang des Wanderwegs. Nach 3 Kilometern laufen kommen wir endlich an und können uns im Wasserfall von der Hitze erfrischen. Der schöne Ausflug wird nur vom Rückweg getrübt: Beim Versuch ein paar schöne Drohnenaufnahmen zu machen flog die teure Drohne der Alaskaner prompt in den Dschungel gegen einen Baum. Nach 2 Stunden Rettungsmission und vielen Insektenstichen später mussten wir leider aufgeben. Dasselbe ist uns bereits bei unsrer letzten Konvoifahrt in Idaho passiert, aber dort konnten wir die Drohne retten. Wir scheinen unseren Konvoi-Gefährten diesbezüglich Pech zu bringen.

Mountain Pine Ridge Reserve

Rio Frio Cave

Einen anderen Tag verbringen wir (wieder allein) im Mountain Pine Ridge Reserve – ein riesiges geschütztes Hochlandgebiet, welches vom Dschungel unten weiter hoch in Pinienwald mündet und viele Wasserfälle, Naturpools und Höhlen beheimatet. Vieles ist nur mit Allrad zugänglich. Von einem Aussichtspunkt sehen wir hier den mit 500 Metern höchsten Wasserfall Zentralamerikas – die 1000 Foot Falls. Näher hin- oder runterzuwandern ist leider nicht erlaubt. Dafür treffen wir dort auf den Caretaker – die dort wohnende Aufsichtsperson. Er führt uns rum und erklärt uns die Pflanzen und ihre Nutzen (z.B. als natürlicher Insektenschutz oder Heilmittel bei Schlangenbiss). Es ist unglaublich wie nett die Leute hier sind und wie bereitwillig sie ihr Wissen weitergeben (ohne eine Gegenleistung zu erwarten). Zur Erfrischung suchen wir die Big Rock Falls Wasserfälle auf und die Rio On Pools – eine Reihe von Kaskaden und Naturpools in welchen es sich wunderbar und einsam schwimmen lässt. Highlight war das Rio Frio Cave, eine riesige Höhle mit 2 Ausgängen, wunderschönen und bunten Steinformationen, durch die ein Bach mit Kaskaden fliesst.
Wir widerstehen der Versuchung tiefer in das Reservat reinzufahren, da wir keine Seilwinde haben und bei diesen abgelegenen Routen teils wochenlang keiner vorbeifährt.

Bei den Mennoniten und Lamanai Ruinen

Hier fahren nur Kutschen

Wir machen einen langen Abstecher zu den Lamanai Ruinen. Um dorthin zu fahren müssen wir eine lange Dirtroad durch Ortschaften wie Shipyard fahren. Auf der Fahrt durch diese Gegend fragen wir uns, ob uns die Zeitmaschine 100 Jahre zurückgeschickt hat: Die Strassen teilen wir uns hier nämlich nur mit Kutschen. In Sonntagsanzügen (es ist Donnerstag), in langen edlen Kleidern und mit schicken Hüten, fahren hier die Familien oder Einzelpersonen in der Kutsche durch die Gegend. Im Gegensatz zum restlichen Belize wirken die Leute hier deutsch bis nordisch mit heller Hautfarbe und meist blonden Haaren. Wir sind in einer riesigen Mennoniten Gemeinschaft gelandet. Die geschichtlich mit Amischen verbundenen Mennoniten sind Freikirchler. Ursprünglich aus dem deutschen Sprachraum nach Russland ausgewandert, haben sie sich später weiter begeben – hauptsächlich in die Amerikas. Sie sprechen eine alte Form von Plattdeutsch, leben konservativ in ihrer friedseligen eigenen Welt (moderne Habseligkeiten wie Autos oder Technik sind verpönt) und betreiben hauptsächlich Landwirtschaft. Wir kommen uns ein wenig fehl am Platz vor – insbesondere da es ja nirgendwo andere Touristen hat – aber die Mennoniten sind sehr freundlich und grüssen stets. Spannend, die Vielfalt in diesem kleinen Land. Die wunderschönen riesigen Lamanai- Ruinen haben wir praktisch für uns alleine, was die Magie des Ortes mitten im Dschungel stark erhöht. Aufgrund der abgelegenen Lage mit Wasserzugang (Fluss) war Lamanai die am längsten besiedelte Mayaruine – vom 16. Jahrhundert vor Christus bis zum 17.Jahrhundert nach Christus, also rund 2000 Jahre. Highlight ist der Mask Temple mit 2 riesigen Lehmsilhouetten von Maya-Königen.

Cave Tubing und Hot Sauce

St. Herman’s Cave

Wir fahren wieder südwärts und landen spät abends auf dem Parkplatz einer Höhle, die wir am nächsten Tag besuchen möchten. Hier können wir für 5 USD sicher stehen und haben Zugang zu den WCs und Duschen (bei 40 Grad und der hohen Feuchtigkeit sehr willkommen). Die Aufsichtsperson der Höhle ist super freundlich. In Belize ist Cave Tubing eine populäre Touristenattraktion. Dabei lässt man sich in einem Schlauchring auf dem Wasser durch Höhlen treiben. Das Ganze macht man im Rahmen einer Tour machen und zahlt dabei mind. 50 USD pro Person. Dies ist uns zu teuer und deswegen hatten wir uns diese Erfahrung schon abgeschrieben. Zu unsrer grossen Überraschung bietet uns die Aufsichtsperson eine private Cave Tubing Tour unter der Hand an – in derselben Nacht für nur 25 USD pro Person. Das Angebot ist so toll, dass wir es nicht ausschlagen können. Normalerweise finden die Touren am Tag statt und man teilt sich die Tour und die Höhle mit vielen anderen und nun haben wir alles für uns allein zum halben Preis (wenn auch nicht ganz offiziell). Die kurze Wanderung durch den Dschungel zur Höhle ist unheimlich bei Nacht. Wir sehen Spinnen auf dem Weg, die so gross wie eine Hand sind. Aber auch aufgrund der Ameisen-Autobahnen, die wir bis jetzt in jedem Dschungel in Belize begegneten, müssen wir aufpassen, wo wir hintreten. Die süssen fleissigen Ameisen (Leaf Cutter Ants) transportieren Blätter für den Nestbau, die um ein Vielfaches grösser und schwerer sind als sie selbst. Sie sind faszinierend und wir wollen sie bei ihrer Arbeit nicht stören. Es gibt auch Pumas und Jaguare, aber die sind leider schüchtern und wir bekommen sie nicht zu Gesicht. Sich in der Dunkelheit durch die Höhle treiben zu lassen ist wirklich magisch. Mit der Stirnlampe sehen wir die verschiedenen schönen, zum Teil durch die Wassertropfen funkelnden Formationen. Wenn man die Stirnlampe abschaltet, herrscht absolute, komplette Dunkelheit. Dies ist fast ein wenig furchteinflössend ist, vor allem wenn man still bleibt und nur die Geräusche der Höhle hört. Die Aufsichtsperson ist Maya, wie etwa 11% der Bevölkerung von Belize. Er erzählt uns viel Spannendes über Belize, über die Maya, ihre Geschichte und heutige Situation in Belize, aber auch über die gesamte Flora und Fauna der Umgebung. Die Maya müssen auch heute noch stark dafür kämpfen, dass ihnen ihr Land nicht weggenommen wird. Problematisch dabei ist auch, dass teilweise Rassismus zwischen den verschiedenen Mayastämmen herrscht, was für den Zusammenhalt und ein stärkeres Auftreten gegenüber der Regierung nicht gerade förderlich ist. Der Abend war einmalig.
Im selben Nationalpark besuchen wir dann bei Tageslicht das sogenannte Blue Hole. Es handelt sich dabei um ein schönes saphirblaues Senkloch im Dschungel, in welchem man sich herrlich erfrischen kann.

Hot Sauce Tasting

Dann fahren wir weiter an die Küste. Unterwegs besuchen wir noch die Mary Sharp’s Hot Sauce Fabrik – eine belizische Herstellerin von Hot Sauce. Die Sauce wird in in 30 Länder exportiert und ist das Erste in Belize hergestellte und exportierte Agrarprodukt. Die Tour durch die kleine Fabrik ist interessant. Wir sehen zu wie die Angestellten die von den lokalen Farmern angelieferten Karotten von Hand schälen bevor sie weiter zur Sauce verarbeitet werden. Danach dürfen wir die 16 Sorten Hot Sauce, 13 Sorten Marmelade und Fruchtweine probieren und decken uns gleich ein.
An der Küste werden wir von Stürmen überrascht. Damit können wir zwar kein Strandleben geniessen, aber über die windige Abkühlung freuen wir uns dennoch. Morgen brechen wir für eine Woche auf ein Atoll auf. Wir werden im Zelt übernachten und haben kein Zugang zu fliessend Wasser, Elektrizität oder Internet aber dafür zu unendlich vielen Kokosnüssen. Wir können auch nicht „fliehen“ wenn das Wetter schlecht ist oder Ähnliches, da extra ein Boot zu chartern ein Vermögen kostet. Wir werden berichten 🙂

Ein paar Fakten und Schlussfolgerungen zu Belize nach Gesprächen mit Locals

Belize wurde erst 1981 unabhängig von Grossbritannien. Als Commonwealth of Nations- Staat ist Königin Elisabeth immer noch Staatsoberhaupt, regiert wird aber durch die demokratisch gewählte Regierung. So weit so gut, wobei Konversationen mit den Locals ein deutliches Misstrauen gegenüber der Regierung gezeigt haben. Gemäss ihnen ist die Regierung auch überaus korrupt. Kulturell ist das Land total anders als die restlichen zentralamerikanischen Länder und eher karibisch geprägt. Hier gibt es keine Kolonialstädte – die Architektur ist ebenfalls bunt aber einfacher. Die Bevölkerung ist sehr divers und reicht von Mayas bis Kreolen. Guatemala stellt auch heute noch Besitzansprüche über Belize, wobei die Briten Belize militärische Unterstützung gewährleisten, was Guatemala daran hindert, das kleine Land anzugreifen. Das Leben ist in Belize nicht einfach. Das Land ist extrem teuer – fast alles wird importiert, ist mit extrem hohen Importtaxen belegt und ist sehr teuer (z.B. die günstigste Art von Käse – Ein kleines Päckchen Plastikkäse, mit welchem Burger belegt werden, kostet etwa 5 Dollar). Das allgemeine Preisniveau ist vielleicht ungefähr so hoch wie in den USA. Gleichzeitig sind die Durchschnittslöhne sehr tief – etwa 1800 Dollar im Monat.
Aus politischer Sicht interessant und vielleicht ein wenig bedenklich ist, wie China seinen Einfluss sichert. Wir haben dasselbe bereits in Afrika beobachtet, in Südostasien und in Costa Rica. China investiert in Bauprojekte, sichert sich dabei aber Rechte, von welchen längerfristig nur China profitiert und weniger die lokale Wirtschaft. Im Beispiel Belizes hat China vor ein paar Jahren eine Autobahn gebaut, die inzwischen schon längst nicht mehr gut ist, aber sich dabei Rechte gesichert, wie z.B. dass Chinesische Einwanderer in Belize Geschäfte errichten können und keine Steuern bezahlen müssen. Tatsächlich waren alle Supermärkte, die wir gesehen haben in chinesischer Hand. Das Problem dabei ist, dass die Einkünfte nicht wieder in die lokale Wirtschaft fliessen, sondern hauptsächlich zurück nach China. Zudem werden keine Locals angestellt, sondern Leute aus China hergeholt und eingestellt. Grad während Covid war dies ein grosses Problem, da Supermärkte als einzige Geschäfte öffnen konnten, aber jeder ausgegebene Dollar nicht zurück in den belizischen Wirtschaftskreislauf geflossen ist, sondern nach China. Wir wissen natürlich nicht, ob das alles zu 100% so stimmt, aber das haben uns die Locals erzählt und in anderen Ländern haben wir Ähnliches gehört.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn