BR-319

Die Amazonas-Durchquerung und ein betrunkener Guide in Guyana

So sind wir nun in Brasilien. Im 5. grössten Land der Welt sind die Distanzen ein wenig länger und so brauchen wir ein paar Tage nach Manaus. Aber hier ist für uns auch der Weg ein Ziel: Die Strasse BR-319 hat sich für uns nach einem Abenteuer angehört, welches wir uns nicht entgehen lassen wollten (und konnten, da es keine Alternativen gibt, ausser das Auto auf ein Boot zu laden). Für die BR-319 haben wir uns sogar die Seilwinde installieren lassen.

BR-319

Die BR-319 nach Manaus

Die unbefestigte Strasse durch den Amazonas ist berüchtigt für ihre Beschaffenheit aus Lehm, durch diese bei nassen Konditionen zahlreiche Autos steckenbleiben. Wir befinden uns zum Glück in der Trockenzeit, zur Regenzeit wäre die Durchfahrt kaum möglich. Wir kommen überraschend gut durch die ca. 900 Kilometer lange Strecke. Es hat viele Autos unterwegs und zum Übernachten finden wir sogar Tankstellen mit Wifi statt Wildcamps auf Dschungellichtungen. Stecken bleiben wir nicht mal annäherungsweise, nur ein Lastwagen bleibt stecken und daraufhin auch 2 Autos, die versucht haben den Lastwagen im Schlamm zu überholen. Wir können ihnen nicht mal helfen, da ein Traktor in der Nähe ist, welcher die Autos effektiver rauszieht. Der Amazonas, der grösste tropische Regenwald der Welt, ist hier fast überall traurigerweise sehr licht oder jung, vom dichten Dschungel ist nicht viel übrig. Die Strasse ist ursprünglich in den 70er Jahren vom Militär erbaut worden, wurde aber nie erneuert. Konservative Regierungen wie jene von Bolsonaro wollen sie befestigen lassen, während Umweltbehörden dagegen protestieren, da eine gute Strasse und damit besserer Zugang zum Regenwald die Abholzung noch weiter fördern würde. Traurigerweise erfahren wir später, dass eine Woche nach unserer Durchfahrt eine Brücke im besseren Abschnitt der Strasse eingebrochen ist und es mehrere Tote gegeben hat.
Vor Manaus müssen wir die Fähre nehmen um den Amazonas zu überqueren. Unglaublich wie gross der Amazonas schon hier ist – die Überfahrt dauert fast eine Stunde und es müssen nach Luftlinie gemessen ganze 10 km überwunden werden. Wir überfahren dabei das eindrückliche Phänomen Encontro das Aguás, das Treffen der Gewässer. Hier formen der dunkle Rio Negro und der hellbraune schlammige Rio Solimões den volumenmässig grössten Fluss der Welt – den Amazonas. Aufgrund der unterschiedlichen Flusstemperaturen, -geschwindigkeiten und -beschaffenheiten dauert es relativ lange bis die Flüsse eine Einheit sind und so sieht man die Grenze der Flüsse sehr deutlich (siehe Video unten). Manaus ist die Hauptstadt vom brasilianischen Bundesstaat Amazonas und Touristen-Ausgangspunkt für den gleichnamigen Fluss oder Dschungel. Manaus war Ende 19. Jahrhunderts dank des Kautschukbooms die glanzvollste Stadt Brasiliens. Kautschuk wird aus dem nativen Gummibaum gewonnen und war Ende 18. Jahrhundert in Europa wichtige Ressource für Industrie (dank der industriellen Revolution boomend) und Fahrzeugbau. Indigene Einwohner wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt und europäische Geschäftsleute wurden mit der Kautschukproduktion und -handel in Manaus steinreich. Es wurden pompöse Gebäude gebaut und die Stadt als Paris der Tropen bekannt. Für das prunkvolle Teatro Amazonas wurde Marmor und Eisenerzeugnisse aus Europa importiert und die Holzsitze aus Amazonas-Holz in Italien gefertigt. Der Boom endete als exportierte Kautschukbaum-Samen erfolgreich in Europa und Asien gepflanzt wurden. Manaus verarmte bis die Stadt in den 50ern als Freihandelszone erklärt wurde und sich damit wirtschaftlich wieder erholte. Nach einem kurzen Spaziergang und einer weiterhin erfolglosen Simkartensuche (ohne nationale Identifikationsnummer erhalten wir hier keine Simkarte) und ebenso erfolglosen Suche nach einem Touristeninformationscenter fahren wir neben dem Rio Negro flussaufwärts weiter.

Anouk mit einem pinken Flussdelphin

Das Anavilhanas-Archipel

Der Rio Negro fliesst bei Manaus zum Amazonas und macht das grösste Schwarzwasser-Flussbett der Welt aus. Durch das Rio-Negro-Flussbett fliesst mehr Wasser als durch alle Flüsse Europas zusammen. Die rötlich-schwarze Farbe des Flusses ist der Dekomposition der Blätter und Äste der gefluteten Wälder am Rio Negro zu verdanken. An einem Strand (ja, am Amazonas gibt es Strände) machen wir eine kurze Pause und fahren dann ins abgelegene Dorf Novo Airão am Amazonas/ Rio Negro. Es handelt sich um das letzte Dorf der Strasse, weiter kommt man nur noch per Boot. Auch dieses Dorf ist nicht auf Individualtourismus ausgelegt. Es ist sehr schwierig etwas zu organisieren aber schliesslich finden wir jemanden der uns für den nächsten Tag eine Bootstour anbietet. Wieder mal eine Dusche nötig fragen wir bei einer Lodge an, ob wir gegen eine Gebühr campen und Toilette/Dusche benutzen können. Solche Anfragen werden hier immer sehr kompliziert gehandhabt, aber nach ein paar Stunden hat sich der Manager für ein Ja entschieden. Wie an so viele Orten in diesem Teil Brasiliens gibt es keine Gäste und wir haben die wunderschöne Lodge für uns alleine. Am Morgen wird uns ein riesiges Frühstück zubereitet, wir fühlen uns wie im Paradies. Wir besuchen am Fluss ein fliessendes Deck für die pinken Flussdelphine. Die Organisation hier füttert die Delphine, die frei im Fluss leben und pflegt sie im Krankheitsfall. Kaum steht die Tierpflegerin auf dem Deck, kommen die Delphine auch schon angeschwommen. Wir setzten uns hin mit den Beinen ins Wasser und die Delphine kommen, stossen mit der Schnauze die Beine an. Witzige Kreaturen. Mit einer Grösse von bis zu 2.7 Metern haben die pinken Amazonasdelphine auch riesige Gehirne, die bis zu 40% mehr Kapazität haben als jene vom Menschen. Am nächsten Morgen machen wir die Bootstour zum Anavilhanas-Archipel, eines der weltweit grössten Flussarchipel. Über 400 dicht begrünte Inseln, 60 Seen und unzählige Flusskanäle umfasst das Archipel. Zur Regenzeit sieht man wie in unserem Falle die überfluteten Wälder, während zur Trockenzeit bei niedrigerem Wasserstand Strände zum Vorschein kommen. Bei der fliessenden National Park Ranger Station sehen wir Kaimane, die grösste Krokodilart des Amazonas. Wir fahren bei weiteren Flussdelphinen vorbei und werden dann zu einem indigenen Dorf gefahren. Wie so viele dieser Dörfer sind diese nur per Boot zu erreichen, die Menschen leben noch sehr traditionell und leben von der Fischerei, dem Herstellen von Holzplatten und Handwerk. Eine Frau führt uns rum, allerdings auf Portugiesisch, so dass wir kaum etwas verstehen. Wir treffen auf ein paar Tiere, die meisten aber wohl leider für die Touristen domestiziert. Dann gehts für uns zurück nach Manaus und von da an ganz in den Norden Brasiliens, nach Boa Vista in der Nähe der venezuelanischen/ guyanischen Grenze. Unterwegs überschreiten wir erneut den Äquator und befinden uns somit wieder auf der Nordhalbkugel. In Boa Vista machen wir Besorgungen, suchen ein paar Stunden lang vergeblich nach gutem Wifi (es ist manchmal kaum zu glauben, wieviel Zeit wir mit total grundlegenden Dingen verschwenden) und lassen unsere Klimaanlage für ein wenig Extrakühlung warten. In Boa Vista kommen wir gut mit Spanisch durch, da die ganze Stadt überrannt ist mit venezolanischen Flüchtlingen, die sich überwiegend sehr gut integriert haben. Es ist extrem, wie uns das tragische Thema Venezuela auf der ganzen Reise immer wieder begleitet, während wir in Europa fast nichts darüber hören. Wir übernachten auf einer Tankstelle, auf welcher wir einmal mehr die Bekanntschaft mit der brasilianischen Gastfreundlichkeit machen. Die Leute sprechen uns an und laden uns zu sich nach Hause ein, dass sei doch viel angenehmer als auf der Tankstelle zu übernachten. Andere wiederum wollen, dass wir dem lokalen Wohnmobilclub beitreten. Unglaublich wie viele herzliche Menschen wir trotz unserem minimalen Aufenthalt in der brasilianischen Zivilisation antreffen und trotz 100%-iger Sprachbarriere. Nach einem Açai-Frühstück, das sind lokale Beeren, die inzwischen weltweit als Superfood im Trend sind, fahren wir zur Grenze von Guyana.

Guyana und unser Savannenabenteuer

Auf dem Shea Rock

Guyana ist ein spezielles Land. Es ist das zweitkleinste Land Südamerikas, hat als einziges Land Südamerikas Englisch als Landessprache und es herrscht Linksverkehr. Der Übergang an der Grenze ist elegant: Man fährt rechts, dann wird die Spur auf eine Brücke geleitet und wo die Brücke mündet, ist man plötzlich auf der linken Seite. Die ehemalige britische Kolonie weist eine sehr diverse Bevölkerungsstruktur auf. Am Stärksten sind Inder, Kreolen und Afro-Guyaner vertreten, die ursprünglich als Sklaven oder Arbeiter nach Guyana kamen. Ca. 10% macht die indigene Bevölkerung (hier Amerindians genannt) aus. Dann gibt es ein paar Europäisch- und Asiatisch-Stämmige. Die Diversität spiegelt sich im leckeren Essen wieder – insbesondere der indische Einfluss ist da sehr hoch. Die Einreise funktioniert gut, aber wir müssen die Zollbehörde überreden uns eine längere Fahrgenehmigung als nur die üblichen 3 Tage zu geben. Normalerweise bekommt man nur 3 Tage und muss dann die Erlaubnis in der 600 km Dirtroad entfernten Hauptstadt Georgetown erneuern, was bedeuten würde, dass wir keine Zeit hätten den Süden des Landes zu erkunden. Dieser Prozess dauerte einen ganzen Tag aber ist immerhin erfolgreich. Wir erledigen währenddessen ein paar Dinge, essen Pepperpot, ein leckeres guyanisches Gulasch-Gericht, welches mit den Gewürzen ein wenig nach Weihnachten schmeckt. Wir finden so etwas wie eine Touristeninformation, denn eine grosse Herausforderung in Guyana ist es, herauszufinden, was man als Individualtourist ohne Millionenbudget für Touren überhaupt machen kann. Im Reiseführer und im Internet wurden wir nicht wirklich fündig. Man merkt, Touristen kommen hier selten zu Besuch und auch diese Frage nach individuellen Tätigkeiten ist hier ganz schön exotisch. Aber die Frau von der Tourismusbehörde ist zumindest sehr hilfreich, ruft ohne Widerrede zu erlauben schon den nächsten Tourguide an, ein paar Dorfhäuptlinge und ein paar Lodges. Leider liegt es für uns nicht drinnen alle diese Aktivitäten zu machen, aber sie erzählt von einem Heritage Festival, welches im selben Dorf stattfindet und so machen wir zunächst mal das. Das Heritage Festival feiert die amerindianischen Ureinwohner. Wir schlendern durchs Gelände, treffen auf ein paar Guyanesen, mit welchen wir fortan den Abend verbringen und die uns viel über Guyana erzählen beim Genuss verschiedener selbstgebrauter Weine. Insbesondere der Ananaswein war sehr lecker, aber es gab auch Maniok-Wein oder Getreide-Wein. Es ist wirklich eine komplett eigene, sehr abgeschiedene Welt hier. In ihren Augen haben sie sehr viele Touristen und dass bei uns kaum jemand Guyana kennt, können sie nicht glauben. Es ist schön sich wieder unterhalten zu können, da jeder Englisch spricht, aber manche haben einen solch ausgeprägten Dialekt, dass wir auch nicht viel mehr verstehen als das Portugiesisch in Brasilien. Im Rahmen der Festlichkeiten treten die verschiedenen Stämme mit Tänzen und Sketchen gegen einander an, was auch ganz unterhaltsam ist. Übernachten tun wir direkt im Auto am Festivalgelände und werden bis um 9 Uhr Morgens beschallt. Ja, hier wissen sie wie man feiert. Danach fahren wir in die Rupununi Savannah. Die Savannah, eine endlose Graslandschaft mit kleinen Flüssen und indigenen Dörfern, kleineren und grösseren Monolithen ist wirklich schön. Riesige Ameisenbären und Jaguare gibts hier auch, leider nur nicht in unserem Sichtfeld.
Gemäss Reisenden, die vor ein paar Jahren da waren, können wir hier wildcampen und in den Flüssen baden soviel wir wollen, aber wenn in der Nähe eines Dorfes, müssen wir den Chef des Dorfes, um Erlaubnis bitten. Ein Overlander-Paradies. Wir möchten auf den Shea Rock, einen grossen Monolith. Dank der Angestellten von der Tourismusinfo haben wir die Kontaktdaten des Häuptlings vom anliegenden amerindianischen Dorf. Angekommen im Dorf Shea kommt die Mutter des abwesenden Chefs und empfängt uns. Wir erfahren, dass wir sogar auf den Monolith hochfahren dürfen – eine schöne Überraschung. Wir müssen mit einem Guide gehen, den sie für uns holt. Und dann geht das Desaster los. Der Guide ist komplett betrunken und von seinem lallenden Englisch mit stark guyanischem Dialekt verstehen wir kein Wort. Anouk geht nach hinten, der Guide sitzt auf dem Beifahrersitz und dirigiert mit wagen Handbewegungen die Richtung mitten durch ein Feld voller Matsch. Wir fragen noch paar Mal, ob wir nicht besser den Spuren folgen sollen, aber der Guide beharrt auf seiner Richtung und so stecken wir prompt im Schlammfeld fest – innerhalb der ersten 5 Minuten unsrer Tour. Immerhin können wir nun das erste Mal für uns selbst die Seilwinde gebrauchen. Ja, nachdem wir unzählige andere Autos inklusive einem Schulbus in Kolumbien rausgezogen haben, bleiben wir das erste Mal auf der Reise selbst stecken – dank einem betrunkenen Guide. Da es so wenig Bäume gibt, brauchen wir sogar unser Stahlverlängerungsseil, über das wir in Cusco tagelang diskutiert haben, ob wir es nun tatsächlich noch kaufen sollen oder nicht. Nach 2 Anläufen kommen wir frei und nach ein paar Irrwegen und Anläufen schaffen wir es auch den steinigen Monolith hoch – eine wirkliche 4×4 Herausforderung. Die Aussicht auf das unendliche Savannen-Panorama ist atemberaubend. Das Abenteuer und die Kosten für den Guide haben sich gelohnt. Der Guide führt uns noch ein wenig herum, zu einer Höhle mit Jaguarspuren, aber leider verstehen wir immer noch nur ca. 5%. Wir schaffen es auch heil wieder den Berg runter und fragen den Guide, ob es einen lokalen Drink gibt, den wir zum Sonnenuntergang geniessen können. Da blüht er auf und wir fahren zurück zur Mutter des Dorfchefs, verpassen den Sonnenuntergang um Sekunden und bekommen beide einen Plastikkessel voller cremigem Maniok-Wein in die Hände gedrückt. Die Frau können wir sehr gut verstehen und sie erzählt uns viel darüber, wie die Amerindians hier draussen leben. Da wir die ersten sind, die nach 3 Jahren auf diesem Berg waren, bekommen wir beide selbstgemachte Anhänger geschenkt. So kam nach Anfangsschwierigkeiten doch noch alles gut. Wir machen uns auf den Rückweg um im Nirgendwo der Savannah zu übernachten und in der Dunkelheit schaffen wir es tatsächlich erneut: Wir bleiben stecken, diesmal ohne Zutun eines betrunkenen Guides. So kommt die Seilwinde erneut zum Einsatz und wir finden bald einen Übernachtungsplatz in der Savannah. Am nächsten Tag geniessen wir ein Bad im Rupununi Fluss und fahren dann zurück nach Lethem.

Die BR-319 Strecke:

Encontro des Aguas:

Anavilhanas-Archipel:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Rainbow Mountain

Von Regenbogen-Bergen in ein neues Kapitel: Brasilien

Nach Cusco sind wie ein zweites Mal, dieses Mal ohne Tour, ins Heilige Tal der Inkas. Das fruchtbare Tal erstreckt sich über 100 Kilometer und beheimatet unzählige Inka-Ruinen inkl. Machu Picchu.

Ollantaytambo

Zuerst stoppen wir in Ollantaytambo, einer Ortschaft mit gleichnamigen Inka-Ruinen am Ende des heiligen Tals. Die Stätte wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die lokalen Völker unter Kontrolle der Inkas zu bringen. Nach der Eroberung der Spanier von Cusco war Ollantaytambo kurz Zufluchtsort des Inkaherrschers Manco Inca bis die Spanier auch da ankamen. Zuerst konnte Manco Inca sie noch vertreiben, in dem er mithilfe der gebauten Kanäle das Tal flutete. Beim zweiten Versuch mit weit grösserer Armee funktionierte die Eroberung der Spanier und der Manco Inka floh nach Vilcabamba, dem letzten Zufluchtsort. Die Hauptruinen bestehen aus einer Festung mit einem Tempel am Hügel, Terrassen und einer Quelle mit Kanalsystem und vielen ausgeklügelten Brunnen, welche die Stätte mit Wasser versorgen (und dies immer noch tun).
Eindrücklich ist einmal mehr die präzise Steinhauerei – insbesondere bei 6 riesigen, über 50 Tonnen schweren Monolithen der Wand eines Sonnentempels. Einmal mehr ist der Transport dieser Steine ein Rätsel. Danach schlendern wir noch durch die Strassen von Ollantaytambo selbst. Die gepflasterten Strassen- jeweils mit einem Wasserkanal am Rand – und die Häuser sind teils noch im Originalzustand und gehören damit zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Bauten Südamerikas. Am Berg gegenüber der Hauptruinen befindet sich die steile Stätte Pinkuylluna, von welcher wir eine schöne Aussicht geniessen. Pinkuylluna war ein Lagerungsort für die geernteten Agrarprodukte. Durch die Höhe war das Essen schwieriger durch Feinde zu erreichen und durch mehr Wind und kältere Temperaturen waren die Lagerbedingungen besser.

Salzminen von Maras, Meerschweinchen und Pisac

Als nächstes besuchen wir die Salineras de Maras – die Salzminen von Maras. Es handelt sich dabei um über 3000 Salzwasserpools in Terrassen – die grösste pre-hispanische Salzminentätigkeit – wobei nicht klar ist, wann sie gebaut wurden. Es wurden Keramiküberreste von einer Periode, die bis zu 200 v.Chr. zurückgeht, gefunden. Die Pools wurden um einen Salzwasserbach gebaut, einem Überbleibsel des Ozeans, der vor Entstehung der Anden noch an dieser Stelle lag. Der Bach wurde umgeleitet in die vielen Pools, die mit Schlamm und Steinen gebaut wurden. Heute wird vom ortsansässigen Stamm immer noch nach derselben Methode, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, Salz abgebaut: das Salzwasser wird in ein Pool geleitet, bis es fast voll ist, dann verdampft das Wasser in etwa 3 Tagen. Dieser Prozess wird im Monat ein paar Mal wiederholt und am Ende bleiben ca. 200 Kilogramm Salz übrig. Wir fahren weiter und es gibt Mittagessen, und zwar etwas was uns seit Ecuador verfolgt: Cuy – auf deutsch Meerschweinchen. Meerscheinchen werden in den ganzen Anden gegessen – teils am Strassenrand am Drehspiess gegrillt, teils frittiert. Tatsächlich kommen sie von Südamerika, wurden hier schon immer gegessen und wurden erst von den Spaniern zurück nach Europa gebracht, wo sie später als Haustiere gehalten wurden. Dasselbe gilt übrigens für Kartoffeln. Kartoffeln kommen aus Peru und die Inkas sind wohl die ersten, welche die Kartoffeln in grossem Umfang kultiviert haben. Nachdem sich die Kartoffel in Südamerika als Nahrungsmittel etabliert hat wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht, wo sie zuerst auf Aberglaube stiess, aber bald schon in die Küche integriert wurde.
Wir bestellen nur ein halbes Meerschweinchen, längs geteilt, und sind froh drüber. Mit den vielen Knochen ist es sehr umständlich zu essen – definitiv nichts, was wir wiederholen müssen. Da sind uns Kartoffeln lieber. Unser letzter Besuch im Heiligen Tal statten wir Pisac ab. Pisac ist ebenfalls eine ehemalige Inka-Stätte und wurde wohl als Zeremonie- und Militärzentrum gebraucht und diente mit den vielen Terrassen auch der Landwirtschaft. Zurück in Cusco legen wir auf dem Campingplatz noch einen Wäsche- und Grossputztag ein. Abends geniessen wir mal wieder die Gesellschaft von anderen Reisenden, unter anderem auch von Holländern, die wir bereits in Panama City getroffen haben. Da unser Ruinen-Kombinationsticket auch eine Theateraufführung beinhaltet, schauen wir uns im Theater noch eine Show von Volkstänzen verschiedener Provinzen von Cusco an bevor es für uns weiter geht.

Vinicunca – der Rainbow Mountain

Es geht nun nochmals richtig weit hoch – zu Vinicunca bzw. dem sogenannten Rainbow Mountain auf 5200 Metern. Der Berg ist berühmt für seine 7 Farben, die dank verschiedener Mineralien-Zusammensetzungen entstehen (rot: Tonstein/Eisen, gelb: kalkhaltiger Schwefel, grün: Phyllitschiefer/Eisenmagnesium etc.). Der Grund der Entdeckung hinter dem Regenbogen-Mountain ist relativ tragisch – er kam erst um 2015 richtig gut zum Vorschein, da mit Klimaerwärmung Eis und Schnee auf dem Berg weggeschmolzen sind. Instagram und ein paar schlaue Marketeers haben dann schnell dazu beigetragen, dass der Berg die wohl zweitgrösste Attraktion nach Machu Picchu um Cusco geworden ist. Täglich kommen Tausende Touristen, die den Berg besuchen. Merkwürdigerweise finden aber alle Touren am Morgen statt. Als wir am Nachmittag hoch fahren ist die Fahrt auf der einspurigen Strasse zwar mühsam, da wir ca. 50-100 runterfahrende Touristenbusse passieren müssen, aber oben angekommen haben wir den Berg komplett für uns alleine. Vom Parkplatz auf ca. 4700 Meter müssen wir noch 3km zum eigentlichen Rainbow Mountain laufen, was auf der Höhe doch recht anstrengend ist. Aber wir werden belohnt, er ist tatsächlich spektakulär! Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über das wunderschöne Red Valley, ein Tal in tiefroten Farben. Leider ist es auch bereits ein wenig zu spät für schöne Fotos, es wird dunkel und der Runterweg ist abenteuerlich. Sehr steil und mit Schnee, der langsam anfängt zu gefrieren ist es ganz schön heikel, aber wir schaffen es heil zurück.

Noch nicht genug von den farbigen Bergen Perus fahren wir am nächsten Tag nach Pallay Punchu. Die rotgrüne, markante Bergformation ist noch nicht touristisch erschlossen, so sind wir weit und breit die einzigen. Es ist eine wunderschöne Landschaft – das typische gelb durch die Andengräser, die blaue Lagune Langui, die rot-grünen Berge und das ganze noch teilweise beschneit. Wir klettern hoch zu den Kliffs und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder nach unten müssen, weil eine Sturmfront auf uns zu kommt. Wir kommen noch in einen kleinen Schneesturm – ein schöner kühler, vorübergehender Abschied der Anden.

Abschied von Peru und der Anfang in Brasilien

Denn nun geht es weiter, in die lange Fahrt in den Amazonas – zuerst 1.5 Tage lang in Peru. Der grösste Regenwald der Welt, der Amazonas, liegt nur zu 60% in Brasilien, der Rest liegt in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana und Suriname. Der Amazonas Fluss entspringt übrigens ebenfalls in Peru – in den Anden. Wir sind schockiert wie viel im peruanischen Amazonasgebiet gerodet wurde und wieviel Mienentätigkeiten wir hier stattdessen sehen. Tatsächlich sind Goldminen, sowohl legale als auch illegale ein grosses Problem im peruanischen Amazon, sie sorgen für Abholzung des Regenwalds und für eine Verschmutzung durch Quecksilber.
Man könnte das ja rechtfertigen, wenn es der lokalen Bevölkerung zugute kommen würde, aber man hat nicht das Gefühl, dass vom Goldprofit gross etwas bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Schade. In Puerto Maldonado, der Ausgangsstadt für den peruanischen Amazonas machen wir noch letzte Besorgungen bevor wir am Samstagmorgen die Grenze überqueren.
Der Abschied von Peru fällt schwer. Wie erwartet ist Peru ein grandioses Land mit sich übertreffenden Highlights. Überrascht hat uns, dass es so viele „off-the-beaten-Track“ Highlights gab, die den Klassikern in nichts nachstehen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte es noch viel mehr zum entdecken und auch einige weitere Mehrtageswanderungen gegeben, die uns gereizt hätten. Schön ist wie die indigene Kultur auf dem Land und in den Anden noch stark gelebt wird und spannend ist die Vielzahl an Relikten früherer Kulturen, wie der Nazca oder der Inka. Die Landschaft ist vielfältig- Meer, Wüste, Schneebergen, Hochebenen, aktiven Vulkanen oder Dschungel gibt es alles. Die peruanische Küche ist hervorragend, und eine erfrischende Abwechslung zur zentralamerikanischen und nord-südamerikanischen Küche. Das kühle Andenklima werden wir vermissen, der Land Cruiser wird aber froh sein auf geringeren Höhen wieder mal ordentlich Luft zu bekommen. Im peruanischen Amazonasgebiet bekommen wir schon einen Vorgeschmack was uns erwartet. Kaum öffnen wir die Autotüre, sehen wir wie sich überall alles bewegt – unidentifizierbare Insekten, Riesenheuschrecken, oder Riesenameisen. Während uns am Tag zuvor noch seichte Schneeflocken entgegen flogen sind es jetzt Rieseninsekten, die uns auf die Windschutzscheibe platzen. Ja, die Pause zwischen Dschungelgebiet Zentralamerikas und dem Amazonas war ein wenig kurz, aber wir freuen uns auf alles andere was der Amazonas zu bieten hat.
Es ist wieder mal eine sehr abgelegene und dementsprechend gelassene Grenze an einem Dreiländereck – Peru, Bolivien, Brasilien. In 5 Minuten haben wir den Peru Teil durch. Dann geht es für uns ins 5. grösste Land der Welt (nach Fläche und Bevölkerung) und in ein ganz neues Kapitel: Brasilien. Ein wenig verunsichert sind wir durch die vielen Warnungen, wobei diese ja nie von anderen Reisenden kommen oder von Leuten, die im entsprechenden Gebiet wohnen – im Gegenteil. Die wenigen Reisenden, die wir gefunden haben, die eine ähnliche Route in Brasilien gemacht haben, haben uns alle ermutigt diesen Abstecher durchzuziehen. Weiteres Hindernis neben der Angst ist die Sprachbarriere. Wir sprechen neben Bom Dia und Obrigado kein Wort portugiesisch. Aber der Eindruck in den ersten 2 Tagen, obwohl wir hauptsächlich fahren, ist wunderbar und unsicher fühlen wir uns nie – im Gegenteil. Mit Portugiesisch kommen wir aber tatsächlich nicht klar. Wir hatten zwar nie Probleme in Portugal und es heisst ja Portugiesisch sei ähnlich wie Spanisch, aber zumindest hier hört es sich für uns an wie eine komplett andere, eher vielleicht osteuropäische Sprache. Nur wenn die Leute ganz langsam und simpel reden, können wir manche Begriffe über Spanisch entziffern. Die Menschen, auf die wir treffen, können oder wollen nicht Spanisch oder Englisch reden. Google Translate ist ebenfalls deutlich schlechter als im Spanischen und übersetzt teilweise nur Mist. Es wird uns schnell bewusst, dass wir uns auf einer zukünftigen Reise mehr Zeit für Brasilien nehmen wollen und wir nehmen uns vor für diese Reise Portugiesisch zu lernen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir keine Simkarte kaufen können, ohne eine lokale Identifikationsnummer zu haben. Ohne Internet ist das Zurechtfinden zusammen mit der Sprachbarriere noch schwieriger. Da die Offline-Übersetzungen von Google Translate bei Gerichten nichts taugen, bestellen wir so im Restaurant wie teilweise in Asien einfach irgendetwas und lassen uns vollständig überraschen.
Die Leute sind extrem herzlich. So oft enthusiastisch begrüsst, zugewinkt oder durch Passanten auf Instagram angeschrieben wurden wir noch nie in so kurzer Zeit. Ein anderer Reisender hat es sehr treffend formuliert: „Brazil puts them all in the shade when it comes to enthusiastic welcomes. Even when we can’t understand a word they say, Brazilians say it with a big smile and a thumbs-up!“ Es macht uns ganz wehmütig, dass wir so wenig Zeit für Brasilien haben.
Ansonsten kommt uns Brasilien auf den ersten Blick deutlich entwickelter und wohlständiger als Peru vor, wobei auch die Preise teurer sind. Gemessen am im Gegensatz zum spanisch sprechenden Lateinamerika hohen Anteil an „normalen Autos“ (normal=weder am auseinanderfallen noch total luxuriös), ist der Mittelstand hier grösser. Die Leute fahren zivilisierter, aber die Strassen mit unzähligen Schlaglöchern sind eine Katastrophe und deutlich schlechter als in Peru. Autobahn zu fahren ist hier fast wie in einem Videogame – man muss ständig Hindernissen – hier metergrossem Schlaglöchern und anderen Autos, die ebenfalls Schlaglöcher umfahren, ausweichen. Andere ausländische Touristen sehen wir gar keine in diesen Gebieten Brasiliens (mit Ausnahme von 1-2 in Manaus). Übernachten tun wir hier oft bei Tankstellen, das ist hier ganz normal. Da gibt es Toiletten, Dusche, wenn man Glück hat Wifi, es ist relativ sicher, und das alles kostenlos.
Politik ist hier ebenfalls sehr präsent, wobei bald Wahlen anstehen. Anstatt wie in Peru an den Häusern, befindet sich die Werbung hier an den Autos. So lächeln uns von überall Bolsonaros oder Alternativen entgegen, am Strassenrand schwingen die Menschen entsprechende Fahnen oder singen den Wahlsong vom entsprechenden Kandidaten mit seiner Kandidatennummer schön in den Songtext integriert. Am zweiten Tag fahren wir auch direkt an einen Roadblock. Obwohl sie in Lateinamerika häufig vorkommen und andere Reisende auch schon wochenlang aufgehalten haben, wurden wir bis jetzt verschont. Ausgerechnet jetzt, wo wir so viele Stunden Fahrt vor uns haben, müssen wir doch noch leiden. Mehrere Stunden warten wir, bis die Polizei es schafft die Demonstranten dazu bringen, die Autos durchzulassen. Ja wir sind gespannt, was uns Brasilien noch bringt. Jetzt erwartet uns wohl zuerst mal den Grund wieso wir die Seilwinde gekauft haben: Die berüchtigte Strasse BR-319.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn