Wir habens nach Machu Picchi geschafft!

Von schwimmenden Inseln ins Herz des Inkareichs

Der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln

Unsere Woche beginnt mit einer Überraschung: Im See mitten in den hohen Anden, neben welchem wir übernachtet haben befinden sich unzählige Flamingos! Danach besuchen wir einen weiteren See – den Titicaca See, der mit einer Höhe von 3800 Meter höchste schiffbare See der Welt. Zugleich handelt es sich um den grössten See Südamerikas, ist er doch 15.5 mal grösser als der Bodensee. Der See entstand vor 60 Mio. Jahren als ein massives Erdbeben die Anden teilte und das Loch mit Gletscherwasser füllte. Gemäss Inka-Legenden ist der Titicaca See Geburtsort des wichtigsten Gottes der Inkas und zugleich des ersten Inkakönigs und Gründer des Inkareichs und wird deswegen als heilig angesehen. Heute liegt er zur Hälfte in Peru und zur anderen Hälfte in Bolivien.
Am See besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros. Die Inseln mitsamt Booten und Häusern sind vollständig aus Schilf gebaut. Damit sie nicht davon schwimmen, werden sie am Seeboden befestigt. Auf den Inseln wohnt das Uros-Volk, welches bereits vor den Inkas da wohnte. Als sie dazumal von ihrem Ursprungsort im Amazonas zum Titicaca-See kamen, wollten ihnen die Ortsansässigen kein Land geben und so haben sie sich diese Inseln gebaut. Auf einer 30cm Erdschicht wird das Schilf umgeknickt und mit zusätzlichem Schilf belegt, bis die Schilfschicht ca. 50cm bemisst. Da sich das Schilf zersetzt, müssen regelmässig neue Schichten draufgelegt werden und nach 30-40 Jahren müssen die Inseln komplett erneuert werden. Insgesamt gibt es ungefähr 80 dieser Inseln, wobei jeweils 2-3 Familien auf einer leben. Heutzutage gibt es auch 2 Schulen auf den Inseln und die Menschen leben vor allem vom Tourismus und dem Kunsthandwerk, welches sie den Touristen verkaufen. Wir machen eine Privattour mit einem Einheimischen und besuchen so 2 der kleinen Inseln und lernen einiges mehr über das Leben vor Ort. Es ist ein spezielles Gefühl auf diesem Schilfboden zu laufen, der sich stets mitbewegt. Leider war die Tour ein wenig kurz gehalten und die Inseln ein wenig ausgestorben – der Grund ist schnell klar: Im Dorf am Festland findet ein grosses Fest statt und die gesamte Inselbevölkerung ist auf dem Weg dahin. So machen wir uns ebenfalls auf den Weg zum Fest. Wir verstehen nicht genau, was gefeiert wird, aber es ist spannend für uns. Die meisten Menschen sind wie immer hier in der Gegend traditionell, bunt und fantasievoll gekleidet. Verschiedene Schulklassen und später erwachsene Gruppen jeweils von einem Dorf oder einer Insel marschieren zur Marschmusik der Polizei durch die Menschenmengen, während auf dem Podium hochrangig-aussehende Politiker im Anzug zuschauen.
Danach fahren wir weiter, zum Cañón Tinajani, ein schönes Tal mit interessanten Steinformationen. Da das Land geteilt ist zwischen verschiedenen Familien und jede Familie separat Eintritt verlangt und zudem die meisten wenig freundlich sind, ist es ein wenig frustrierend. Aber wir finden eine lokale Käserei mit nettem Besitze, wo wir zu verdammt günstigen Preisen viel leckeren gealterten Käse kaufen. In Lateinamerika ist es direkt beim Produzent, auf Märkten oder in kleinen Dorfläden im Gegensatz zu Europa stets viel günstiger als in grossen Supermärkten. Dies weil grosse Supermärkte ein neues und vom Westen importiertes Phänomen sind und die Perzeption herrscht, dass etwas, was neu ist, teuer sein muss. So macht es umso mehr Spass lokal einzukaufen und auf den Komfort von modernen Supermärkten zu verzichten.
Weiter fahren wir nach Cusco. Leider hat Raphi eine üble Infektion mit Fieber. Den Symptomen nach kommt es wahrscheinlich von Lebensmitteln, von was genau wissen wir nicht. So nehmen wir ein Hotel und Raphi kann sich zum Glück vor unserem nächsten Highlight auskurieren:

Der Inca-Trail

Als Hochzeitsgeschenk haben wir den Inka Trail nach Machu Picchu erhalten. Der 4-tägige Inka-Trail war leider bereits Monate im Voraus ausgebucht und so machen wir den 2-tägigen Trek, was ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis isr. Es gibt ja nicht nur einen Weg für die Inkas, sondern viele und der kurze Weg, welchen wie nehmen, stösst erst kurz vor Machu Picchu zum klassischen Trail hinzu. Den Inka Trail kann man nur im Rahmen einer Tour wandern, aber da wir eine kleine Gruppe sind von 5 Personen (mit 2 US-Amis und einer Australierin) ist es eine angenehme Erfahrung. Wir werden in Cusco abgeholt, fahren zuerst im Bus und dann mit dem luxeriösen, extrem teuren, touristischen, kitschigen Machu Picchu Zug nach Chachabamba im heiligen Tal der Inkas. Da fängt unsrer Trek an, der sich zum grossen Teil immer noch im Originalzustand befindet. Immer wieder sehen wir Ruinen am Weg oder in der Ferne. Gleich zu Beginn befindet sich eine, die vermutlich ein Kontrollpunkt war, inklusive Brunnen, damit sich die Pilger reinigen konnten. Es wird vermutet, dass die Pfade nach Machu Picchu nicht jedem zugänglich waren. Wir lernen, dass Inkatrails Pfade waren, die sich von der Inka-Hauptstadt Cusco in alle Richtungen ausbreiteten und dass es 3 Arten davon gab. Der Inkatrail für den Handel wurde breit angelegt, schliesslich hatten die Inkas nur Lamas als Lastentiere und da diese nicht viel tragen konnten, wurden grosse Herden und damit breite Wege benötigt. Diese Art von Inkatrail ist heute die Autobahn /Panamericana. Dann gabs die militärischen Inkatrails, die sich in Tälern befinden, damit die Militärs nicht unnötig Kraft verschwenden. So folgt der Zug durch das heilige Tal heutzutage einem solch militärischen Inkatrail. Und dann gabs die schmalen religiösen Inkapfade durch die Berge für Pilger, wie eben dieser Inkatrail, den wir heute begehen.
An der Talwand schlängelt sich der Pfad langsam hoch, vorbei an schönen Blumen und Wasserfällen, durch Nebelwald und mit schöner Aussicht auf viele Inkaruinen, im Tal oder an den Talwänden (hauptsächlich Terrassen für die Landwirtschaft). Ein Highlight sind die steilen Winay Wauna-Ruinen. Die Stätte diente wohl zur Lebensmittelversorgung, als Rastplatz und zur Reinigung vor dem weiteren Weg nach Machu Picchu. Exakt in der Mitte zwischen Winay Wauna und unserem nächstem Stopp, dem Sun Gate haben die Inkas einen Rastplatz errichtet, sie konnten also schon damals präzise messen. Nach einer enorm steilen Treppe, auch Gringo Killer genannt erreichen wir dann das Sun Gate, wo wir das erste Mal einen Ausblick auf Machu Picchu haben. Für Anouk war es ein Traum Machu Picchu zu besuchen seit sie als Kind in einem Reisemagazin ein Bild davon gesehen hat und daraufhin ihre Pinnwände und Agenden damit beklebt hat. Nun 20 Jahre später ist der Traum in Erfüllung gegangen, was für ein Gefühl Machu Picchu endlich mit eigenen Augen zu sehen! Leider ist es aufgrund von Waldbränden sehr dunstig, aber es ist trotzdem sehr imposant. Das Sun Gate diente wohl als Kontrollpunkt für Machu Picchu-Besucher. Vom Sun Gate laufen wir vorbei an einer Begräbnisstätte und weiter zum Guardians House von Macchu Picchu. Dort wachten die Wächter wohl dazumal über der Stätte und wo heute, dank des guten Überblicks die typischen Fotos geschossen werden. Dann laufen wir runter ins Tal zum Dorf Aguacalientes, wo wir lecker essen und übernachten. Wir probieren das erste Mal Alpaca-Filet, was extrem lecker ist. Alpacas sind kleiner und flauschiger als die Lamas, während Lamas grösser sind und einen länglichen, pferdeartigen Kopf haben. Lamafleisch wird nicht gegessen, da Lamas Syphillis haben.

Machu Picchu

Am nächsten Tag gehts wieder hoch nach Machu Picchu – erst dann haben wir die richtige Führung durch die Ruinen.
Machu Picchu, eines der sieben neuen Weltwunder (nach Chichen Itza in Mexico das zweite dieser Reise), ist wahrlich eine Sensation. Es handelt sich zwar nicht um die wichtigste Inka-Ruine von dazumal, denn diese befinden sich in der damaligen Hauptstadt Cusco. Aber es ist definitiv die am Besten erhaltene Ruine. Erst 1911 wurde die überwucherte Ruine wieder erschlossen. Davor war sie gute 400 Jahre lang verlassen. Auch heute noch sind 70% der Ruinen im Originalzustand, was ein sehr hoher Anteil ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie sich im für Bauten schädlichen Regenwald befinden und unzählige Erdbeben und sonstige Naturkatastrophen überlebt haben. Diese Widerstandsfähigkeit ist der extrem guten Bauweise der Inkas zu verdanken. Die vielen Terrassen haben nämlich nicht nur zusätzlichen Platz für Landwirtschaft ermöglicht, sondern den Städten auch mehr Stabilität gegeben. Die Bauten sind unter der Erde zwecks der Stabilität in etwa gleich nochmals so riesig wie an der Oberfläche. Verschiedene Erd- und Steinschichten sorgen zusätzlich für optimales Absickern von Wasser. Weiter haben die Inkas wohl rausgefunden, wo es einen Riss in der Erdplatte gibt, auf diesem Spalt nicht mehr gebaut und so ermöglicht, dass es eine Pufferzone gibt, die verhindert, dass sich die Bauten gegenseitig beschädigen. Am krassesten ist aber die Steinhauerei: Die Steine sind so exakt aufeinander zugeschnitten (ohne Metallwerkzeug), dass kein Mörtel oder sonstiges Klebeprodukt gebraucht wird, sondern die Steine nur aufeinander gelegt werden. Winkelförmige Ecksteine geben den Bauten die restliche Stabilität. Dies alles wurde bewerkstelligt ohne Nutztiere, ohne Eisenwerkzeuge und die teils riesigen, viele Tonnen schwere Steine wurden von Hand transportiert. Je präziser die Steine geschnitten sind, desto wichtiger das Gebäude. Der Sonnentempel ist zum Beispiel sehr wichtig, was man sofort an der präzisen Bauform erkennt. Neben der Anbetung des Sonnengotts hatte der Tempel wohl noch weitere Funktionen: Die beiden Fenster sind exakt so gelegen, dass bei Sonnen- und Wintersonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. So konnten die Jahre gezählt werden und das Sturmphänomen El Nino, welches alle 3-4 Jahre stattfindet, vorausgesagt werden. Damit konnten die Herrscher die Stadt auf die schlechten Zeiten vorbereiten und wurden zugleich als göttlich angesehen, in dem sie ihr Vorhersagetrick geheim hielten. Da Machu Picchu dermassen lange verlassen war, ist jedoch auch heute noch vieles ein Rätsel. Aber was wir da für ein Meisterwerk sehen, begeistert uns – Machu Picchu ist zurecht ein neues Weltwunder.

Cusco

Nach der Tour haben wir noch ein paar Tage Zeit die ehemalige Hauptstadt der Inkas zu bewundern. Cusco ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, ist sie doch seit über 3000 Jahren bewohnt. Von hier aus haben die Inkas vom 13. bis anfangs 16. Jahrhundert über ihr gesamtes Reich, welches sich zu Spitzenzeiten über grosse Teile Perus, Ecuadors, Bolivien, Argentinien und Chile erstreckte und etwa 10 Mio. Menschen umfasste, geherrscht. Nachdem die Spanier Cusco 1533 erobert haben, wurden viele Gebäude der Inkas zerstört oder mit neuen Gebäuden überbaut. So auch der Qoricancha Sonnentempel, der wohl wichtigste religiöse Tempel der Inkas. Wir besichtigen den Tempel, der wirklich speziell aussieht. Die grundlegenden Mauern sind Überbleibsel der Inkas und in deren akribischen Art was Steinhauerei anbelangt, gebaut. Darauf wurde eine Kirche im typischen Kolonialstil der Spanier (Convento de Santa Domingo) draufgesetzt. Qoricancha war vor Ankunft der Spanier scheinbar komplett mit Gold überzogen, aber die Spanier haben das Gold geplündert und den grössten Teil vom Originalbau zerstört. Weiter schauen wir uns Sacsayhuaman an, die grösste Militärbasis der Incas auf einem Hügel mit Überblick über Cusco. Die Festung wurde mit riesigen, bis zu 4.5 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Steinen gebaut, die ebenfalls präzise passend gemacht wurden und zu welchen heute nicht geklärt ist, wie sie von zum Teil 20km weit entfernten Steinbrüchen nach Cusco transportiert wurden. Ansonsten gefällt uns Cusco auch sehr, neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten gibt es hübsche Gassen zum erkunden und eine riesige Vielfalt an Restaurants und Bars. Das Wochenende verbringen wir mit Jhanet, einer entfernten Coucousine von Anouk, entdecken mit ihr das Nachtleben Cuscos und feuern Jhanet am Sonntag bei einem Motocross Rennen an.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Markt in Antigua

Guatemala: In der Natur und der schönsten Stadt Zentralamerikas

Am Montag überquerten wir die Grenze von Belize nach Guatemala – das grösste Land Zentralamerikas. Guatemala ist bekannt für seinen Dschungel, die über 30 Vulkane und seine noch stark gelebte Maya-Kultur – die meisten Mayas leben in Guatemala.

Flores und Petén-Itzá

Bei unserem Stellplatz am Petén-Itzá-See

Das übliche Grenzprozedere mit uns von Belize abmelden, Auto abmelden, Pestizidbehandlung des Autos bezahlen (ohne dass sie gemacht wird), uns in Guatemala anmelden, Auto anmelden etc. verlief problemlos. Der einzige Umstand war, dass wir von der Grenze ins nächste Dorf laufen mussten und dort bei einer Bank den Temporärimport des Autos bezahlen bevor wir mit dem Auto ins Land durften. Danach haben wir wie üblich Geld abgehoben, eine Simkarte gekauft und gingen uns dann das süsse Inselstädtchen Flores auf dem See Petén-Itzá anschauen. Wir freuen uns nach dem teuren Belize wieder Obst leisten zu können, kaufen am Strassenstand 6 Mangos für insgesamt 3 Franken und verdrücken sie in nur 2 Tagen. Einfach lecker, das Fruchtangebot in Guatemala!
Nach Flores finden wir am Lago Petén-Itzá gegen eine kleine Gebühr gleich neben dem schönen bunten Steg und ein paar Hängematten im Wasser einen Stellplatz für die Nacht. Ja, neben Mexico wissen sie auch in Guatemala wie süss geht – was unschwer an der hübschen und bunten Deko zu erkennen ist.

Tikal Ruinen

Am nächsten Tag fahren wir zu den Tikal Maya-Ruinen. Tikal wurde über 800 Jahre lang erbaut und befindet sich mitten im Dschungel. Die mit bis 100’000 Einwohnern grösste Maya-Stadt der Klassik-Periode war auch eine Zeit lang Zentrum des gesamten Mayareichs. Die sehr steilen schmalen Tempel unterscheiden sich vom Aussehen von den Maya-Ruinen, die wir bisher besichtigt haben. Die Treppen mit den steilen, hohen Stufen erschweren den Aufstieg deutlich. Dies ist so gewollt, sollte schliesslich der Aufstieg zur heiligen Spitze des Tempels auch mit Mühe verbunden sein, um die Götter genügend zu würdigen. Unzählige Tempel kann man besteigen, der höchste misst knapp 70 Meter hoch – schliesslich wurden ganze 4000 Strukturen in Tikal entdeckt. Es ist fast schon ermüdend – jedes Mal wenn wir denken nun haben wir alles gesehen kommt im dichten Dschungel wieder ein neuer Tempel zum Vorschein. Neben Brüllaffen sehen wir Tukane, Coatis und Pfauentruthühner.

Ein Canyon mit Brüllaffen und ein heisser Wasserfall

El Boquerón Canyon

In der Nähe des nächsten Sees (Izamal) besuchen wir den El Boquerón Canyon – eine Schlucht, durch welche ein kleiner Fluss fliesst. Mit einem Boot werden wir hochgefahren bis das Boot nicht mehr weiter kommt worauf wir uns watend und schwimmend weiter den Canyon flussaufwärts fortbewegen bis wir genug gesehen haben. Dann lassen wir uns den Fluss runtertreiben. Wir sind ganz alleine und so sorgt das plötzliche Geschrei der zweitlautesten Tiere der Welt – der Brüllaffen – für eine spannende, leicht unheimliche Stimmung. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass es nur Brüllaffen sind, wären wir zu Tode erschreckt.

Cascadas El Paraiso

Weiter fahren wir zu den Cascadas El Paraíso – einem heissen Wasserfall. Der Wasserfall ist der Wahnsinn. Das wie bei heissen Quellen durch Geothermik aufgewärmte Wasser ist so heiss, dass man im Pool oberhalb des Wasserfalls nicht baden kann. Aber man kann unter dem Wasserfall stehen und geniessen wie das heisse Wasser auf den Kopf und Körper fällt – eine angenehm wenn auch ungewohnte Kombination wenn der Körper sich im Pool von noch warmen, aber deutlich abgekühltem Wasser befindet und total heisses Wasser auf den Kopf fällt. Nachdem wir seit den USA fast nie wieder eine heisse Dusche mit viel Wasserdruck hatten fühlt es sich für uns an wie die beste Dusche, die wir seit Monaten haben und wahrscheinlich noch das nächste Jahr über haben werden.
Wir campen beim Wasserfall und lustigerweise sind die einzigen andern Camper ebenfalls Schweizer Overlander aus Luzern in unserem Alter und so verbringen wir einen schönen Abend und Morgen mit ihnen.

Semuc Champey und Biotopo de Quetzal

Semuc Champey Pools

Danach fahren wir eine lange Strecke nach Semuc Champey. Die schöne, aber unbefestigte Route durch die Berge hat es in sich – mit Schlaglöchern, vielen Hügeln und einmal wieder ein paar Locals, die ein Seil spannen um Geld für die Durchfahrt von uns zu verlangen. Sie geben sich dann mit 60 Rappen zufrieden, statt den zuerst geforderten 15 Franken. Ansonsten ist die Route wirklich schön und führt uns durch viele Maya Dörfer. Die Leute sind hier alle traditionell gekleidet in den schönen gewobenen bunten Tüchern und Kleidern. Das Leben ist einfach und die Armut ist spürbar. Viele Menschen stehen einfach rum (auch Kinder) ohne einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen (d.h. auch ohne in die Schule zu gehen). Geduscht, gewaschen und abgespült wird im Fluss. Die Bevölkerung wirkt in Guatemala deutlich ärmer als in Mexico und die Kluft zwischen arm und reich ist gross. Die Armut ist wohl auf den bis 1996 andauernden über 36 Jahre langen Bürgerkrieg zurückzuführen. Obwohl inzwischen demokratisch regiert wird sind Korruption und organisierte Verbrechen immer noch grosse Probleme.
In Guatemala fahren die Leute nochmals deutlich verrückter und haarsträubender als in Mexico, wir müssen also allgemein mehr aufpassen. Hier auf dem Land werden die Menschen mit Pickups transportiert, da haben schon so etwa 15-20 auf einer Ladefläche Platz – die die nicht reinpassen, klammern sich halt aussen fest. Ein anderes Phänomen in Guatemala und Zentralamerika sind die sogenannten Chicken Busse („Hühnerbusse“). Es handelt sich dabei um ausrangierte, bunt bemalte und geschmückte US-Schulbusse, die zum Transport von Waren oder Menschen verwendet werden. Auch deren Fahrer fallen durch absolut waghalsige Fahrmanöver auf.
Semuc Champey ist ein Naturschutzgebiet – Highlights sind die verschiedenen türkisfarbenen Lehmgestein-Naturpools die vom darunter durchfliessenden Fluss mit Wasser versorgt werden. Vom Aussichtspunkt haben wir nach dem anstrengenden Aufstieg eine schöne Sicht darauf und kühlen uns nach dem Abstieg darin ab. Dann besuchen wie noch die K’An Ba Caves – Höhlen mit einem Guide. Es ist ein lustiges, total verrücktes, aber auch ein wenig gefährliches Erlebnis. Wir bekommen beide eine Kerze in die Hand gedrückt und erkunden die mit Wasser gefüllte Höhle. Um uns fortzubewegen zwängen wir uns durch enge Tunnels, müssen sie runterrutschen, schwimmen (immer mit der Kerze in der Hand), klettern 6-7 Meter hohe Wasserfälle an Seilen hoch, müssen dann wieder 5 Meter irgendwo in ein nicht zu sehendes Pool runterspringen. Und dies ohne Helm oder Schutzausrüstung, wir müssen uns zu 100 Prozent auf die Anweisungen des Guides verlassen. Zum Glück gehen unsere 3 Kerzen nie gleichzeitig aus, sonst wären wir in absoluter Dunkelheit. Ja, es war eine touristisches Erlebnis aber es hat sich gelohnt, alleine schon da es aufgrund der Sicherheitsstandards wohl nirgendwo sonst so möglich gewesen wäre. Nach über einer Stunde waren wir dann ganz froh da wieder einigermassen heil rauszukommen, liessen uns dann noch in einem Schlauchring den Fluss runtertreiben (auf das Bier dazu mussten wir verzichten, da wir noch weiterfahren wollten) und sprangen einen Wasserfall runter.
Unser nächster Stopp legen wir im Biotopo de Quetzal ein – einem Naturschutzgebiet für den wunderschönen Nationalvogel von Guatemala, dem Quetzal. Auf der Wanderung durch den Dschungel hören wir zwar die schönen Vogelgesänge, leider bekommen wir ihn aber nicht zu Gesicht.

Markt in Antigua

Antigua

Weiter geht es in die oftmals als schönste Stadt Zentralamerikas bezeichnete Stadt: Antigua. Die gut erhaltene, bunte und als UNESCO Weltkulturerbe geschützte Kolonialstadt ist umgeben von mehreren Vulkanen. Auf ca. 1500 Metern hoch gelegen ist das Klima das erste Mal seit paar Wochen für uns sehr angenehm – tagsüber heiss, aber ohne hohe Luftfeuchtigkeit und angenehm kühl in der Nacht.
Die im 16. Jahrhundert erbaute Stadt wurde im 18. Jahrhundert grösstenteils durch Erdbeben zerstört, wobei viele Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Wir geniessen es durch die schönen Kopfsteinpflasterstrassen zu schlendern. Highlight ist aber der riesige bunte Markt, in welchem alles verkauft wird – von lebendigen Hühnern über Obst & Gemüse, CD’s, Viagara etc.. 

Volcan de Fuego Cocktail

Dank der Beliebtheit der Stadt bei Touristen ist auch das kulinarische Angebot sehr breit und so gehen wir der lokalen Küche ausnahmsweise fremd und essen Züri Geschnetzeltes, Älplermagronen und Meringue mit Rahm in einem Restaurant mit Schweizer Koch. Und ja es sind die besten Älplermagronen, die Anouk je gegessen hat (mit Pilzen statt Kartoffeln) und dies ausgerechnet in Guatemala. Besonders gefiel uns auch der Besuch einer versteckten Bar – der Zugang erfolgt über eine Telefonkabine in einer Brauerei. Menu gibt es keines, man muss dem Barkeeper nur sagen, was man mag und was nicht. Anouk wollte etwas Lokales und hatte Erdnüsse, Kaffeebohnen und Kardamom im Cocktail – spannend und lecker. Unsere Tresen-Nachbarn bekamen einen rauchenden El Fuego Vulkan. Soviel zu unsrer ersten Woche hier. Nächste Woche wollen wir dann unbedingt den aktiven Vulkán de Fuego besteigen.

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Schnorcheln vor unsrer Insel

Unsere Robinson Crusoe-Erfahrung beim Belize Barrier Reef

Unser Zelt unter den Palmen am Meer

Am Sonntag morgen nahmen wir in Sittee River das Boot aufs Glovers Reef Atoll. 99 US-Dollar pro Person pro Woche, um im eigenen Zelt auf der Insel zu übernachten inkl. 3 stündige Bootsfahrt hin und zurück. Das Angebot ist unglaublich gut, kostet nur schon ein Tagesausflug in Belize normalerweise mindestens 100 Dollar. Die Haken sind einzig, dass man für die ganze Woche auf der Insel feststeckt – vorher zurückkehren können wir nur, wenn wir für ein Vermögen selbst ein Boot chartern, was nicht in Frage kommt. Mit anderen Worten, wenn das Wetter nicht mitspielt oder man mit den Gastgebern nicht klar kommt (anhand der Rezensionen kommt das häufiger vor, sie sind auch ein wenig speziell), hat man ein Problem. Weiter müssen wir, um günstig wegzukommen, alles selbst mitnehmen (Zelt, Ausrüstung, Essen). Es wird zwar auf der Insel zu den Mahlzeiten jeweils etwas gekocht, aber mitzuessen ist ziemlich teuer. Weiterer Haken: Es gibt keine Elektrizität damit auch kein Kühlschrank, kein Internet und nur sehr beschränkt fliessend Wasser: Gesammeltes Regenwasser zum Duschen und Hände waschen. Abgespült und gewaschen wird mit Meerwasser.

Das Glovers Atoll ist eines von 3 Atollen im Belize Barrier Reef (nach dem Great Barrier Reef Australiens das zweitgrösste Riff der Welt). Ein Atoll zeichnet sich normalerweise durch ein ringförmiges Riff aus, in welcher sich eine Lagune bildet, die oft weit weniger tief und wild ist als das Meer ringsherum und oft auch viele kleine Riffs beinhaltet. So verhält es sich auch beim Glovers Atoll: In der „Lagune“ befinden sich über 700 kleine Riffs, das ringförmige Riff ringsum befindet sich teilweise tot / ausgetrocknet an der Oberfläche, so dass wir teils drauf laufen können. Das Glovers Atoll hat einen Umfang von über 80 Kilometern und beinhaltet neben den Riffs auch ein paar Inseln – eine davon unser Zuhause für eine Woche.

In der Hängematte chillen zum Sonnenuntergang

Wir gingen mit gemischten Gefühlen – Anouk hatte ein wenig Angst mit Gedanken à la: Was machen wir nur die ganze Woche, ohne Internet kann man die Zeit ja nicht mal sinnvoll nutzen für die Reiseplanung; Fotos aussortieren ohne Strom und damit ohne Laptop geht auch nicht und was passiert wenn dann sogar der E-Reader kein Akku mehr hat?… Man sieht also, wir haben diese Auszeit vielleicht auch nötig 🙂
Und so packen wir alles zusammen, verabschieden uns schwermütig vom Land Cruiser und fahren mit dem kleinen Motorboot, mit einem Gastgeber und 5 weiteren Touristen 3 Stunden durch das wilde aber teils wunderschöne türkise Meer vorbei an vielen Trauminseln, um dann vollkommen durchnässt auf dem Atoll anzukommen. Der erste Eindruck war einfach nur… Wow! Eine Insel wie im Ferienmagazin. Eine kleine Palmeninsel umgeben von türkisfarbenes Meer. Die Insel ist mit 5 Hektaren richtig klein – in 5 bis 10 Minuten sind wir einmal ringsum gelaufen. Die Wege sind markiert mit schönen Riesen-Flügelschnecken (Conch im Englischen), die hier überall im Meer zu finden sind und neben Deko auch gerne als Nahrung dienen. Neben den Regenwasser-Duschen hat es Komposttoiletten, eine Gasflasche zum Kochen und ein paar simple Über-Wasser-Hütten als Unterkunft für Gäste, die ein wenig mehr zahlen. Besonders cool ist die Kokos-Öffnungsstation: Ein Beil im Boden, um den äusseren Teil der Kokosnuss zu entfernen, ein paar Macheten um sie aufzuschlagen und eine Eisendrehkurbel, um aus dem Fruchtfleisch Kokosraspeln zu machen. Raphi hat aber seine Kokosöffnungsfähigkeiten mit seiner neuen Machete schon längst perfektioniert (Anouk schreibt den Text, ist also kein Eigenlob :)). Die ganze Insel ist voll von Kokospalmen und der ganze Boden mit Kokosnüssen bedeckt. Das wars dann mit den Einrichtungen. Wir sind die einzigen, die im Zelt schlafen, die wenigen anderen übernachten in den Überwasserhütten. Wir finden ein schönes Plätzchen für unser Zelt, abgeschieden vom Rest, direkt vor dem Riff zum Schnorcheln. Wir passen auf, das Zelt nicht direkt unter Kokosnüssen hinzustellen. Gerüchten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer fallenden Kokosnuss zu sterben nämlich 15 mal so hoch wie durch einen Haiangriff umzukommen.
Wir richten uns ein, Raphi baut aus Palmenüberresten einen Tisch. Die Hängematte hängen wir zwischen 2 Palmen auf und für das die Woche gemietete Kajak baut Raphi einen kleinen Hafen. Damit haben wir unser kleines Paradies fertig eingerichtet.

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unser Aufenthalt und die Insel übertreffen alle unsere Erwartungen. Schnorcheln können wir direkt vom Ufer aus in den vielen kleinen Patch-Riffen (eben über 700 in diesem Atoll). Wenn wir Abwechslung wollen, nehmen wir das Kajak und fahren weiter weg zum Schnorcheln. Raphi meint es sei das schönste Riff, welches wir gesehen haben, auch schöner als was wir vom Great Barrier Reef in Australien gesehen haben. Anouk will sich nicht festlegen. Wir sehen auf jeden Fall einigermassen bunte Korallen und viele farbenfrohe kleine bis riesige Fische, Haie, die bis ans Ufer kommen, riesige Manta-Rochen, Moränen und unzählige von den hübschen Conch-Riesenschnecken. Kajakausflüge unternehmen wir zum Beispiel auf eine 10 Quadratmeter grosse Miniinsel, zu Riffen und Raphi oft zu Stellen wo er gut fischen kann. Da es windig ist und damit hohe Wellen hat, sind wir mit der Distanz leider eingeschränkt. Neben dem Wind hatten wir aber Glück mit dem Wetter – die ganze Woche durch war es strahlend sonnig. Von der Insel aus geht eine ca. 15 KM weite Riffkruste über Wasser, welche den Rand des Atolls bildet und auf welcher man laufen kann. Hier brechen die Wellen der Karibik und neben der Kruste, auf der Aussenseite des Atolls, geht es steil runter – ca. 20 Meter, dann graduell tiefer bis zu 2000 Metern. Wir geniessen den Spaziergang auf der Riffkruste, getrauen uns aber nicht zu weit. Obwohl sich vieles über dem Meeresspiegel befindet und tot ist, befinden sich doch auch noch Lebewesen auf der Kruste und wir wollen nichts zerstören.

Instant-Fondue auf dem Feuer unter Palmen

Ansonsten geniessen wir es einfach mal nichts zu tun, d.h. sich weder um Reise-Vorbereitung (Planung) noch -Nachbereitung (Fotos aussortieren, Blog etc) zu kümmern – Anouk kommt endlich mal zum Buch lesen und Raphi, wenn er nicht gerade fischt kümmert sich um die Inselpflege: Er pflanzt die bereits spriessenden Kokosnüsse schön, füttert Hermit Crabs oder platziert sie um, so dass sie nicht gerade zertreten werden 🙂 Auf der Insel wimmelte es nur so von den süssen Einsiedlerkrebsen / Hermit Crabs, die sich als Schutz ein Schneckenhaus suchen und damit umherkrabbeln. Deswegen müssen wir bei Dunkelheit besonders aufpassen, wo wir hintreten. Umso beunruhigender sind dafür die vielen reflektierenden Augen in der Dunkelheit – das sind alles Spinnen. Zudem haben wir einen Riesenkrebs gesehen, dessen Körper ohne Beine schon so gross wie ein Fussball ist und manchmal haben Adler vorbeigeschaut. Unzählige Geckos und Eidechsen fressen die Ameisen und Mücken, worüber wir dankbar sind und dann wars das auch schon mit der Fauna auf der Insel. So geht die Woche auch ohne Strom, Internet und Co. schnell rum und am Samstag vor Ostern kommen wir wieder in der Marina an.

Raphi klettert El Castillo hoch

Ostern in Belize

Die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern ist ein riesiges Ereignis in Lateinamerika, besonders in Guatemala, was wir aufgrund des Atolls nun leider verpasst haben. Wir fahren von der Küste nach San Ignacio, wo wir am Montag die Grenze überqueren wollen. Den Ostersonntag verbringen wir mit Wäsche machen und putzen. Leider sind auch in Belize die Hauptfeierlichkeiten schon vorüber. Auf Schoggihasen und -eier müssen wir Schweren Herzens verzichten, aber die Menschen befinden sich in Feierlaune und beim benachbarten Fluss gibt es ein grosses Festival, welches uns beim Putzen schön mit Hintergrundmusik unterhält. Wir besuchen ausserdem, nachdem wir einmal mehr einen Fluss mit einer Handkurbelfähre überquert haben, die Xunantunich-Ruinen. Bei diesen Maya-Ruinen beeindruckt uns vor allem der mit schönen Stuckfries-Bildnissen versehenen, über 30 Meter hohe Tempel El Castillo – die zweithöchste von Menschen geschaffene Struktur in Belize. Darauf geniessen wir eine wunderschöne Aussicht ins benachbarte Guatemala, und die grüne, dschungelhafte Hügellandschaft.
Wir werden von ein paar netten Amis, darunter der Ex-Bürgermeister von San Ignacio (50 Jahre her) auf ein Bier eingeladen und bereiten dann noch den Grenzübertritt für morgen vor. Ja, Belize haben wir in diesen 2 Wochen wahrhaftig ins Herz geschlossen und können auch hier eine Reise hin nur wärmstens empfehlen!

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