Caño Cristales

Regenbogen-Flüsse, einzigartige Gräber und der Abschied Kolumbiens

Caño Cristales – der Regenbogen-Fluss

Caño Cristales

Nach unsrer mühsamen 2-tägigen Fahrt im Konvoi mit Ally und Blake sind wir endlich im Dorf La Macarena im ehemaligen Guerilla-Gebiet angekommen. Hier machen wir eine Tour (auf eigene Faust ist ein Besuch nicht möglich) zu Caño Cristales. Caño Cristales wird auch als flüssiger Regenbogen, Fluss der 5 Farben und schönster Fluss der Welt bezeichnet.
Die Farben hat der 100-Kilometer lange Fluss hauptsächlich der Wasserpflanze Macarenia Clavigera zu verdanken. Die Pflanze, normalerweise leuchtend hellgrün, nimmt durch optimale Sonneneinstrahlung über mehrere Tage eine leuchtend rote Farbe an. Somit wirken Grossteile des Flusses rot, während durch das Zusammenspiel von Sand, (Quartzit-)felsen und Wasser auch die Farben gelb, grün, schwarz und blau zum Vorschein kommen. Das Phänomen ist nur von Juni bis Oktober zu beobachten, da der Wasserstand sonst zu hoch ist und die Pflanzen verdeckt.
Nach Bootsfahrt und Wanderung durch Steppenlandschaften erreichen wir das Wunder. Der erste Teil des Flusses ist grün, weil durch die Bäume um den Fluss kaum Sonne durchscheint. Aber schon dieses Neongrün ist besonders – die Wasserpflanzen sehen richtig flauschig aus! So verbringen wir den Tag, laufen von einer wunderschönen Stelle zur nächsten, sehen Wasserfälle, Kaskaden und Pools in wunderschönen Farben, essen leckeres lokales Zmittag – Gewürzter Reis mit Poulet im Bananenblatt gekocht. Wir dürfen uns an manchen Stellen im Wasser erfrischen, bekommen ordentlich Sonnenbrand (Sonnencreme ist aufgrund des fragilen Ökosystems nicht erlaubt) und schiessen Hunderte von Fotos von diesem Naturwunder. Mehrmals treffen wir auf Ölquellen und die Führerin bestätigt, dass die Gegend voller Öl ist und Ölfirmen grosses Interesse haben. Zum Glück ist das Gebiet geschützt, aber es gibt das Gerücht, dass der (seit ein paar Tagen ehemalige) Präsident vor Amtende bezüglich Erschliessung dieses Gebietes Verträge mit Ölfirmen abgeschlossen hat. Dies wäre gravierend und wir hoffen, dass sich das Gerücht nicht bewahrheitet.
Zurück in La Macarena geniessen wir den Abend, treffen in der Dorfbeiz auf ein paar Lokalpolitiker, die sich über den exotischen Besuch freuen, uns zuerst zu Trinkspielen überreden und uns dann auf eine Bierrunde nach der anderen einladen.

La Plata und die Gräber von Tierradentro

Nach der mühsamen Fahrt zurück, verabschieden wir uns von Blake und Ally und fahren nach La Plata, einem kleinen Städtchen in der Provinz Huila. Hierhin haben wir neue Reifen bestellt, die wir montieren müssen. Aufgrund der Importzolle in Südamerika ist dies in Kolumbien teurer als in den USA/ Europa, aber immer noch günstiger als in Ländern weiter südlich. Deswegen bringen wir es hinter uns. Abends und den nächsten Morgen verbringen wir mit einem extrem netten Local in unserem Alter, dessen Kontaktdaten wir von einer kolumbianischen Freundin in Europa hatten. Dieser zeigt uns die friedliche Umgebung mit den vielen Aussichtspunkten und wir werden zu lokal gebrautem Süsswein eingeladen. Die Einladung im freien Haus seiner Schwester zu schlafen schlagen wir aus und stellen uns stattdessen vornedran. Eine nette Nachbarin kommt auf ein Schwätzchen vorbei und bringt uns Orangen von ihrem Garten. Die Menschen in Kolumbien sind wirklich unglaublich nett.

Alto de Segovia

Auf dem Weiterweg machen wir ein Zwischenhalt in Tierradentro. Das mit 160 Untergrundgräbern und über 500 Steinstatuen eines der wichtigsten Ausgrabungsstätten Südamerikas befindet sich vollkommen ausserhalb der Touristenpfade. Die tief unter der Erde mit extrem steilen Stufen zugänglichen Gräber stammen aus dem 06. Bis 10. Jahrhundert. Die in Vulkanstein gebauten Höhlen sind in schwarzer, weisser und roter Farbe bemalt (nur noch teilweise zu sehen) und sollen das irdische Heim nachbilden. Die Körper wurden aber nicht direkt hier begraben sondern Überreste in Urnen in die Höhlen gestellt. Da man zwischen den Gräbern weit über Hügel wandern musste, haben wir nur einen Bruchteil der Gräber gesehen, waren aber schwer beeindruckt. Dabei kam der Atmosphäre zugute, dass wir weit und breit die einzigen Touristen waren.

Die weisse Stadt, Graffiti am Auto und Abschied von Kolumbien

Nächster Stopp ist die Stadt Popayán – auch die weisse Stadt genannt, da die gesamte Altstadt in komplett weiss gehalten wird. Was eigentlich eine sehr schöne Stadt sein sollte, begeistert uns nicht. Viele Fassaden sind inzwischen mit Graffiti beschmutzt – etwas, was wir seit sehr Langem nicht mehr gesehen haben. In Lateinamerika haben wir bisher fast nur schöne Wandmalereien / Murals gesehen, kaum hässliche Graffiti-Tags. Wir hätten das als Warnzeichen sehen sollen, haben aber trotzdem in der Innenstadt im Auto geschlafen und prompt hatten wir am nächsten Morgen Schmierereien am Auto. Zum Glück konnten wir sie mit Klebstoffentferner entfernen.
Letzter Stopp in Kolumbien ist die Kirche Santuario las Lajas. Die Basilika, in einem tiefen engen Flusstal gelegen mit einer integrierten Brücke, die die beiden Talseiten verbindet strahlt eine mystische Atmosphäre aus. Andere vergleichen es mit einem Bildnis, wie es aus einem Tolkien-Roman (Herr der Ringe) stammen könnte, was wohl ziemlich zutreffend ist. Bei einem Seilbahnparkplatz haben wir uns hingestellt, um die Nacht zu verbringen und es uns drinnen gemütlich gemacht. Wir nehmen draussen Stimmen war, machen die Tür auf und da stehen etwa 20 strahlende Kolumbianer aus verschiedenen Familien um unser Auto. Die Herzlichkeit, das Strahlen und die ansteckende Freude sind herzerwärmend. Wir mussten alles über unsere Reise erzählen und natürlich das Auto zeigen. Ein 5-jähriges Mädchen war zufällig Wohnmobil-Fan, hat sich mega gefreut, und so haben wir mit ihr und dem Land Cruiser für viele Fotos positioniert. Währenddessen hat sich der 10-jährige Junge sehr dafür interessiert, was wir beruflich machen. Scheinbar wollte er wissen, welchen Berufsweg man einschlagen sollte, um sich eine solche Reise leisten zu können. Wenn auch eine kurze Begegnung, war es ein schöner Abschied und ein schönes Beispiel dafür, was Kolumbien für uns so einzigartig gemacht hat.
Damit heisst es für uns schweren Herzens Abschied von Kolumbien zu nehmen.

Santuario de Las Lajas

Kolumbien ist definitiv ein Favorit für uns. Das Land ist landschaftlich extrem vielfältig, hat alles zu bieten von Bergen, Dschungel, Traumstränden, grandiosen Wasserfällen, Wüste und Naturwundern, wie dem Caño Cristales. Gleichzeitig begeistern uns die spannenden Städte und die wunderhübschen gemütlichen Dörfer. Wir sind überrascht, was für tolle Offroad-Möglichkeiten Kolumbien zu bieten hat und hätten definitiv noch viel länger im Land verbringen können, aber es fehlt die Zeit. Das Essen ist lecker und im Vergleich zu Zentralamerika abwechslungsreicher. Es ist alles verdammt günstig, vom Diesel (50 Rappen pro Liter), übers Mittagessen (2 Fr. für ein Menu) bis zum Cocktail (3 Fr.).

Und ja die Menschen. Nach all den Lobreden, die wir vor Kolumbien schon über Kolumbianer gehört haben, waren unsere Erwartungen sehr hoch. Wir wurden nicht enttäuscht, die Herzlichkeit der Menschen war unglaublich, wir haben viele neue Bekanntschaften geschlossen und mit unzählbaren Menschen geredet, die sich über unseren Besuch von Kolumbien gefreut haben. Wir haben uns überall willkommen gefühlt, kaum je wurde uns Gringopreise berechnet (und falls doch, dann an extrem touristischen Orten). Im Gegenteil – öfters wurde uns etwas einfach gratis gegeben oder geschenkt. Nach Zentralamerika waren wir zudem sehr von der Sauberkeit überrascht. Mit ein paar wenigen Ausnahmen sind die Strassen so sauber wie in Europa. Mit dieser wunderbaren Gastfreundschaft haben wir uns auch sehr sicher gefühlt und nachdem wir das Auto abgeholt haben fast immer wildgecampt. Wir mussten uns richtig zusammenreissen achtsam zu bleiben, weil wir uns so geborgen gefühlt haben. Zum Glück gab es aber auch immer wieder besorgte Locals, die uns daran erinnert haben, wachsam zu bleiben.

Noch mehr Gräber und Weissbier in Ecuador

Der Grenzübergang nach Ecuador war aufgrund des Wochenendes mühsam – für den Temporärimport des Autos mussten wir lange anstehen und einmal mehr hatte man den Eindruck, dass die Beamten das erste Mal mit dieser Anfrage konfrontiert wurden. Als wir es endlich geschafft haben besuchen wir den Militärfriedhof von Tulcán, einen der gelungensten Formschnitt-Gärten der Welt. Über 300 riesige Statuen aus Bäumen stehen hier dicht beieinander, widerspiegeln die Tier- und Pflanzenwelt Ecuadors und schmücken den Friedhof.
Das mittlerweile geschützte Aussehen des Friedhofs ist dem ehemaligen Friedhofdirektor Jose Franco zu verdanken, der vor über 100 Jahren festgestellt hat, dass die Erde beim Friedhof sehr fruchtbar ist, darauf Zypressen pflanzte und diese anfing zu Figuren zurechtzuschneiden. Sein Ziel war, einen „solch schöner Ort zu schaffen, der dazu einlädt, zu sterben“.
Nach diesem speziellen Besuch fahren wir zur Finca Sommerwind, ein deutsches Café /Restaurant, Campingplatz und Overlander Treffpunkt eines deutschen Auswanderers im ländlichen Ecuador neben einem See und einer Rennstrecke. Nach einem Grossputz belohnen wir uns hier mit Oettinger Weissbier, Rotkäppchen-Wein, Jäger- und Wiener Schnitzel und decken uns mit Marzipan und frischgebackenem Brot ein. Dann gehts weiter nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors, wo wir unsere nächste Verabredung haben, aber dazu mehr nächste Woche.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Valle del Cocora

Inmitten von Giganten und ein Besuch der zweiten Wüste Kolumbiens

Cocora-Tal mit den höchsten Palmen der Welt

Anouk inmitten von Wachspalmen

Weiterhin im grünen Hochland von Kolumbiens Kaffee-Region unterwegs, ist unser nächstes Ziel das Cocora Tal.
Hier wachsen Quindio-Wachspalmen, die höchsten Palmen der Welt – für Anouk als Palmenfan eine absolute Pflichtattraktion. Bis zu 60 Meter hoch werden die gigantischen Palmen.
Im Nebelwald-Gebiet liegend umgibt die riesigen dünnen Palmen im Cocora Tal oftmals ein Nebelschleier, was für eine magische mystische Atmosphäre sorgt. Wir machen eine Wanderung. Die Gegend ist berühmt für seine Vielfalt und Dichte an Kolibris, das dafür eingerichtete Reservat ist aufgrund Hochwassers geschlossen. Aber auch auf der Wanderung stossen wir auf viele dieser süssen kleinen Vögel. Komfortabel ist die Wanderung nicht – Nach einer regenreichen Nacht regnet es munter weiter, d.h. wir laufen durch Schlamm, teils extrem steile Passagen, wo ausrutschen praktisch unumgänglich ist und einmal müssen wir den reissenden Fluss durchqueren. Mehrfach müssen wir den Fluss auf lückenreichen, wackligen, abenteuerlichen Hängebrücken überqueren. Nach der Wanderung und einem leckeren Forellen-Zmittag im angrenzenden bunten Dorf Salento machen wir einen schönen einsamen 4×4 Track durch die Berge durch viele weitere gigantischen Wachspalmen. Entlang der Strasse finden wir ein schönes Plätzchen mit Aussicht zum übernachten.

Tatacoa-Wüste

Raphi im Cuzco-Teil der Wüste

Als nächstes fahren wir in die Tatacoa Wüste. Diese 330 Kilometer grosse Wüste ist geprägt von durch Erosion bizarr geformten Felslandschaften im Teil Cuzco in rot und im Teil Los Hoyos in grau. Unzählige Kakteen schmücken die Wüste und Geissen wandern umher. Zum übernachten finden wir wunderschöne Wildcamping-Spots umgeben von Wüste. Am zweiten Abend bekommen wir Gesellschaft von Ally und Blake und deren beiden Hunden. Diese Reisenden aus Oregon haben wir bereits in Panama City kennengelernt. Sie haben zwar eine Woche vor uns verschifft, ihr Auto aber gleichzeitig abgeholt.
Wir kochen was zusammen und besprechen die weiteren Pläne. Mit ihnen haben wir uns nämlich verabredet, um im Konvoi nach La Macarena zu fahren. La Macarena ist sehr abgelegen, fast alle fliegen dahin, Infos über den Zustand und die Sicherheit der Strassen durchs ehemalige FARC Gebiet finden sich praktisch keine und die letzten mit dem Auto fahrenden Reisenden, die wir auftreiben konnten, waren vor ca. 4 Jahren da. So sind wir zum Schluss gekommen, dass es besser ist jemanden zu finden, mit wem wir die Fahrt gemeinsam machen können.

La Mano del Gigante

Vor der Konvoifahrt trennen wir uns aber nochmals und machen einen Abstecher zu La Mano del Gigante – ein Aussichtspunkt in den Bergen. Wir beschliessen hoch zu laufen und werden dabei von 2 schönen Hunden den ganzen Weg nach oben begleitet. Wir geniessen die Aussicht, schauen den Paraglidern zu und schiessen ein paar Fotos bei den kitschigen Fotomöglichkeiten. Die Familie, die den Aussichtspunkt managed lässt uns netterweise kostenlos bei ihnen im Auto übernachten und die Toilette benutzen – die Menschen in Kolumbien sind wirklich sehr nett, zuvorkommend und grosszügig. Auf dem Weiterweg pflücken wir Kakaofrüchte von verwilderten Kakaobäumen. Wir wollen sie zu Schokolade verarbeiten, nach unsrer Tour in Costa Rica wissen wir ja jetzt wie es geht. Es scheitert aber leider schon im ersten Schritt als wir merken, dass die Früchte innen vergammelt sind. Spannend finden wir auch die kleinen Holztribünen am Strassenrand, auf welchen Geissen stehen. Wenn jemand Milch kaufen möchte, werden diese direkt gemelkt.

Fahrt durchs ehemalige FARC-Gebiet

An vielen Häusern sind diese FARC-Kennzeichnungen zu sehen

In 2 Tagesetappen zu 7 Stunden und je 150-200 Kilometer fahren wir nun nach La Macarena. Die erste Etappe fahren wir noch alleine. Die unbefestigte einsame Strasse führt durch schöne Berglandschaften, vorbei an riesigen Wasserfällen und freundlichen Minidörfern wo uns reichhaltiges Mittagessen für 2 Dollar serviert wird. Aber man merkt, dass hier alles ein wenig anders ist. Wir fahren durch verschiedene Militärkontrollen – die hier übrigens fast schon Spass machen, die Militärs freuen sich jeweils sehr über unseren Besuch, darüber ihr gebrochenes Englisch testen zu können und sind extrem freundlich und gesprächig, kontrolliert wird bei uns so gut wie nix. Auf der selben Strecke fahren wir dann durch Dörfer in welchen jedes Haus mit Graffiti und einem Stempel der FARC gekennzeichnet sind. Bis 2002 wurde das ganze Gebiet noch von der FARC beherrscht. Danach hat die Regierung das Gebiet zurückerobert, worauf über Jahre schlimme Konflikten und Anschlägen an der Tagesordnung standen. Erst 2016 wurde ein Friedensabkommen getroffen. Seither hat sich die Lage beruhigt, aber im Gebiet leben noch immer viele FARC Dissidenten, weswegen es immer noch zu Zusammenstössen kommt.
In San Vicente del Cagúan werden wir von einem Fasnacht-ähnlichen Umzug begrüsst – auch hier werden Süssigkeiten geworfen. Dann treffen wir uns mit den anderen und fahren den nächsten Tag die Strecke nach La Macarena. Überraschend unspektakulär, die Strasse mühsam, in einem sehr schlechten Zustand, aber keine Herausforderung. Im Hotel für 10 Dollar pro Nacht quartieren wir uns ein und freuen uns auf den nächsten Tag, der Grund für diese 15-stündige Fahrt ins Niemandsland: Eine Tour zum scheinbar schönsten Fluss der Welt, Caño Cristales.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Piedra del Peñol

Besuch des vom Gewalt-Hotspots zur innovativen Metropole transformierten Medellíns

Piedra del Peñol

Nach Bogotá fahren wir nordwestlich Richtung Medellín. Aus den geplanten 8 Stunden Fahrt werden schnell über 12: Wir nehmen kleinere Strassen übers Land und kurz vor dem Ziel Guatapé (wir sehen schon das Merkmal – den riesigen Fels von Guatapé) landen wir vor einer gesperrten Strasse. Beim mehrstündigen Umweg begegnen wir noch weiteren Strassensperrungen aufgrund von Baustellen, die wir mit riesigen Umwegen umfahren müssen. Wenigstens sind die kleineren Strassen auf dem Land schöner als die Autobahn. In den grünen Bergen fühlen wir uns weiterhin wie in der Schweiz – am Strassenrand wird von kleinen Ständen sogar überall Meringue mit Rahm / Sahne (und Erdbeeren) verkauft. Aber ja die Distanzen sind in Südamerika anders: Kolumbien ist doppelt so gross wie alle 7 zentralamerikanischen Länder zusammen – d.h. wir sind hier jeweils länger am fahren als zuvor.
Irgendwann schaffen wir es endlich und kommen an unserem Ziel an, dem Piedra del Guatapé/Peñol. Es handelt sich um ein 220 Meter hoher Monolith, den wir mit rund 650 steilen Stufen erklimmen können. Ziemlich anstrengend, aber die Aussicht auf den anliegenden, an den Vierwaldstättersee erinnernden Embalse del Peñol-See mit den vielen kleinen Inseln ist es wert.

Medellín

Danach geht es für uns nach Medellín. Wir parken den Land Cruiser auf einem Campingplatz in den Bergen, die Medellín umgeben und nehmen dann Bus und Seilbahn, mit der wir direkt in der Stadt landen. Eine interessante Seilbahnfahrt, fahren wir doch direkt über sehr einfache Viertel Medellíns, wo Häuser noch aus verschiedenen Wellblechplatten zusammengebastelt sind. Ansonsten ist die ganze Stadt hauptsächlich aus Backstein, was ihr ein einzigartiges Aussehen beschert.
In der zweitgrössten Stadt des Landes mit ca. 2.6 Millionen Einwohnern bleiben wir ein paar Tage im Hotel. Medellín ist eine spannende Stadt mit schrecklicher Geschichte. Während sie von der Washington Post einst zur gefährlichsten Stadt der Welt erklärt wurde, hat das Wall Street Journal Medellín vor ein paar Jahren zur innovativsten Stadt gekürt. Auf rund 400 Morde auf 100000 Einwohner kam Medellin anfangs der 90er. Inzwischen ist die Stadt unter anderem auch dank der Netflix-Serie Narcos, welche Medellíns Geschichte mit Drogenbaron und Terroristen Pablo Escobar aufrollt, bei Touristen eine äusserst beliebte Destination. Pablo Escobar, der wohl berüchtigtste Drogenboss aller Zeiten verbreitete Angst und Schrecken bis er 1993 von einer US-Kolumbianischen Spezialeinheit ermordet wurde. Er ermordete Politiker, Polizisten, Richter, von ihm entführte reiche Zivilisten und seine Gegner und sprengte sogar ein Linienflug mit 110 Passagieren in die Luft. Viele Einwohner Medellíns sind jetzt noch geprägt und traumatisiert von dieser Zeit und sehen den Hype um Escobar deswegen gar nicht gerne.
Inzwischen ist Medellín aber hip, einigermassen sicher und florierend. Im Stadtzentrum bewundern wir die Kolonialbauten oder die Statuen des vielleicht berühmtesten Künstlers Kolumbiens/Medellíns Fernando Boteros, der mit seinen Gemälden und Bildhauerei von pummligen Figuren berühmt wurde. Im Poblado Viertel haben wir die Auswahl aus internationalen Restaurants und originellen Rooftop Bars. Hier werden wir auch in die Luxuswohnung im 20. Stockwerk zu einem Texaner und seiner kolumbianischen Frau eingeladen. Wir sind in Kontakt gekommen weil sie ebenfalls einen Toyota Land Cruiser besitzen und gerade von einem halbjährigen Südamerika-Trip zurück nach Medellín, ihrem Zuhause gekommen sind. Sie geben uns viele Tipps mit auf den Weg und die Vorfreude das restliche Südamerika zu erkunden steigt.
Auch wenn Medellín mittlerweile vergleichbar ist mit vielen Metropolen, finden sich überall Spuren der Vergangenheit. Im Casa de la Memoria werden Opfern und deren Angehörigen der damaligen Konflikte eine Stimme gegeben. Die 1995 bei einem Bombenanschlag mit 20 Toten zerstörte Vogelstatue von Botero steht immer noch im Parque San Antonio neben einer neuen von Botero angefertigten Vogelstatue. Die beiden heissen nun Vögel des Friedens. Und dann ist da die Comuna 13 mit dem Graffiti und den vielen Murals (Wandmalereien).

Comuna 13 – vom Horrorviertel zur Erfolgsgeschichte

Wir machen eine Tour durch die Comuna 13 mit – ein Vorzeigebeispiel wie aus einem gewalttätigen Viertel, in welchem vor 20 Jahren noch kein Nichtbewohner reinkam ein friedliches, hippes Quartier wurde.
In den 90ern galt es noch als das gefährlichste Viertel der gefährlichsten Stadt in Lateinamerika. Medellín, in der Mitte des Landes gelegen, war strategisch ein guter Knotenpunkt für alle möglichen Geschäfte inklusive Waffen- und Drogenhandel. Die Comuna 13, als Vorort im Nordwesten gelegen, war dabei der Zugang zur Dariengap und damit zur Landschmuggelroute nach Nordamerika. Die Guerillagruppen FARC und ELN liessen sich in dem damalig illegalen Viertel nieder, verlangten Zoll von den Kartellen und Banden, die den Comuna 13-Zugang zu Darién nutzten und führten blutige Kämpfe um das Gebiet. Zusätzlich liessen sich paramilitärische Gruppierungen nieder, die ebenfalls ums Territorium kämpften. Es war ein Teufelskreis, eine Spirale der Gewalt mit täglichen Morden auch an Zivilisten. Die Comuna 13 war ein Schlachtfeld, ein rechtsfreier Raum, ohne Wasser- und Stromleitungen und Polizei, da die Stadtregierung nichts mit dem Viertel zu tun haben wollte. Für die Kinder der Comuna 13 war es lebensgefährlich in die Schule zu gehen, worauf vielen nichts anderes übrig blieb, als sich den Banden anzuschliessen.
Erst 2002 gab es dann mit dem neuen Präsidenten Alvaro Uribe mehrere Militäroperationen im Gebiet, um es von der Herrschaft der FARC und ELN zu befreien. Bei diesen Säuberungen wurde das Militär von den Paramilitärs unterstützt, welchen es natürlich gelegen kam, wenn sie die Gebiete der Comuna 13 nicht mehr mit den Rebellen teilen mussten. Aufgrund der teils falschen oder vagen Angaben der Paramilitärs kamen so bei den Militäroperationen auch wieder viele Zivilisten ums Leben. Bei der letzten Operation wurde teils gar von Helikoptern auf Häuser geschossen, da bot das Aluminium Wellblech kein Schutz. Danach war die Comuna 13 zwar von den Guerillas befreit, aber unter Herrschaft der Paramilitärs, die noch zwei Jahre lang in Selbstjustiz Menschen verschwinden liessen, die sie im Verdacht hatten, ehemalig etwas mit den Rebellen zu tun gehabt zu haben. Unsere Führerin zeigt uns den Berg neben der Comuna 13, eine Bauschuttdeponie, wo die Paramilitärs wohl Hunderte dieser Verschwundenen zu dieser Zeit begruben.
Erst immense Investitionen der Regierung ab 2006 brachten Besserung im Quartier, welches inzwischen von vielen kleineren Gangs beherrscht wurde. Insbesondere die Erschliessung des Viertels an Medellín mittels Metro, Seilbahn und einem knapp 400 Meter langem Netzwerk an Freiluft-Rolltreppen haben die Perspektive verbessert. Für das Viertel am steilen Hang war der Zugang zum Zentrum Medellíns zuvor mit viel Mühe verbunden, mussten sie doch ohne Hilfsmittel ein Äquivalent an 28 Stockwerken bewältigen, um auf eine Ebene mit dem Zentrum zu gelangen.
Zusätzlich wurden Schulen, Bibliotheken, kostenloses Sport-, Freizeit-und Kulturangebot und Pärke errichtet, um der Jugend, die früher keine Chance abseits der Kriminalität hatte, eine Perspektive zu geben. Wenn ein Park oder eine Gegend heute gefährlich ist und für Drogenhandel o.ä. missbraucht wird, hat die Regierung ein einfaches Mittel: Kostenloses WLAN an dem entsprechenden Ort anzubieten, dann kommen genug Leute und die Kriminellen verziehen sich.
Die Führerin zeigt uns das Viertel, insbesondere die unzähligen Graffiti und Wandmalereien, mit welchen lokale Künstler die Vergangenheit verarbeiten, die Transformation der Comuna 13 aufzeigen und Hoffnung auf die Zukunft darstellen. Wir sind beeindruckt von der Kreativität und wieviel mit einem einzigem Mural teils gleichzeitig ausgesagt wird. Nach der langen Rolltreppenfahrt nach oben geniessen wir die Aussicht auf Medellín. Inzwischen gibt es hier viele Touristen, überall Stände, kleine Bars und Restaurants.
Trotzdem ist es ein langer Weg – Nachts sollte man das Gebiet verlassen haben und die Geschäfte zahlen auch heute noch Schutzgeld – die Unternehmung mit welcher wir die Tour machen seit kurzem nicht mehr. Schlussendlich haben auch die Mitglieder von solchen Banden festgestellt, dass Tourismus eine gute Einkommensquelle ist und wenden sich teils besseren Geschäften zu, zum Beispiel der Eröffnung einer Brauerei für Touristen.

Jardín und Kaffeeplantagen 

Nach unserem Stadtaufenthalt kehren wir zurück zum Land Cruiser und bleiben zwei weitere Nächte auf dem Campingplatz, der beliebt bei Overlandern ist. So können wir wieder mal Wäsche waschen, kleinere Reparaturen erledigen und Grossputz machen. Am Abend kochen wir jeweils mit den andern Overlandern, einem englischen und italienischen Pärchen, einem Kanadier und einem Deutschen.
Nach Al Bosque fahren wir weiter ins Kaffeeanbaugebiet um Jardín. Wir geniessen die idyllischen aber herausfordernden Strassen durch die grünen Kaffeeanbauberge und seine Fincas. In Jardín selbst geniessen wir die für die Provinz Antioquia bekannte Architektur mit weissen Häusern und bunten Balkonen, Fenster- und Türrahmen bevor wir uns weiter in den Süden machen.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Ventanas de Tisquizoque

Von haarsträubenden Brücken, Salzkathedralen und explosivem Nationalsport

Gefährliche Brücken

Diese Woche sind wir ziemlich vorwärts gekommen trotz mühsamen Strassen und vielen Sehenswürdigkeiten. Statt über 30 Grad in der Nacht begegnen wir inzwischen auch tagsüber Menschen, die in Wintermänteln rumlaufen (was für unser Empfinden übertrieben ist – wir laufen immer noch in kurzen Klamotten rum, aber die Nächte sind nun angenehm kühl). Angefangen haben wir die Woche mit einem Offroad-Track entlang einer alten Zugroute, die uns vom Chef unsrer Werkstatt in Barranquilla empfohlen wurde. Der Track ist abenteuerlich, führt durch Schlamm, enge stockdunkle Tunnels und über wacklige enge Holzbrücken, bei welchen wir hoffen, nicht runter zu stürzen. Die Landschaft ist aber sehr schön und der Track hat Spass gemacht (Video unten). 

Cañón del Chicamocha

Weiter fahren wir zum Canyon Cañon de Chicamocha. Beim schönen Wildcamping-Spot mit Aussicht treffen wir lustigerweise wieder auf unsere Container Buddies. Mit ihnen geniessen wie den Abend und am nächsten Morgen bekommen die Herren noch einen Haarschnitt verpasst, inklusive Aussicht und ein paar Geissen als Zuschauer. Wir fahren eine wunderschöne Strasse in den Canyon hinein zum Dorf Cepitá. Das winzige Dorf ist wirklich süss, sieht wohl kaum je andere Touristen und in den Bäumen auf dem Dorfplatz entdecken wir sogar seltene blau-gelbe Aras! Wenn man zu Fuss über den Fluss möchte, dann muss man die Handseilbahn nehmen: Über dem Fluss ist ein Seil gespannt. Daran hängt eine Holz-Schnur-Konstruktion, auf die man sich setzen kann und sich dann auf die andere Seite des Flusses rüber ziehen muss. Nach dem Canyon fahren wir ins Städtchen San Gil. Es ist der grösste Ort in der Umgebung und deswegen müssen wir hier ins Spital: Vielleicht aufgrund eines Insektenstichs in den insektenreichen Nächten an der Küste hat Anouk eine merkwürdige Infektion am Bein, mit immer häufiger erscheinenden kleinen eiternden Bläschen. Ekelhaft so etwas auf Reisen zu haben ohne zu wissen was es ist, insbesondere, da diese Infektion kurz nach Anouks Fieberschüben ausgebrochen ist. So besucht Anouk das Regionalspital und nach anderthalb Stunden warten und mit gebrochenem Spanisch und Google Translate das Problem erklärend, bekommt sie ohne Untersuchung ein Medikamentencocktail verschrieben. Die Salbe und 2 Arten von Tabletten (eine davon Antibiotika) kosten insgesamt 4 Franken, der Arztbesuch war kostenlos. Ein paar Tage später sehen die infizierten Stellen auch schon viel besser aus.

San Gil und Barichara

In San Gil besuchen wir den El Gallineral Park. Wie oft in dieser Umgebung gibt es hier jede Menge von Bäumen voller sogenannten Barba de Viejo (=Bärte alter Männer). Die Umhänge voller Moos geben den Bäumen hier die Erscheinung alter Männer mit langen silbrigen Bärten.
Wieder mit den Container Buddies unterwegs besuchen wir die Kolonialstadt Barichara, die uns mit den Pflastersteinstrassen und den geschmückten Häusern begeistert. Spezialität sind Riesenameisen – Hermigas Culonas, zu deutsch Fette-Hintern-Ameisen. Raphi hat eine probiert, sein Kommentar: „knusprig und speziell“. Als nächstes fahren wir nach Guadalupe. Hier in der Umgebung fühlen wir uns wie in der Schweiz im Mittelland. Überall grüne Hügel, eine friedliche Atmosphäre, Kühe, Kuhgeruch und Gemuhe und hin und wieder ein Haus. Wir parken unser Auto auf dem Land und laufen dann einen idyllischen Spazierweg zu perfekt runden Steinpools, durch welche ein Fluss fliesst. Hier erfrischen wir uns und erkunden das unterirdische Tunnel.

Ventanas de Tisquizoque und Villa de Leyva

Als Nächstes wollen wir zu den Ventanas de Tisquizoque. Dieser Wasserfall ist total abgelegen und wir müssen um hinzukommen mehrere Stunden lang einen schrecklichen Schlamm-Track fahren. Scheinbar haben nicht nur wir Mühe. Unterwegs treffen wir ganze 3 festgesteckten Autos, das eine sogar ein Schulbus. Wir ziehen sie aus dem Schlamm raus und sind selber sehr überrascht, dass wir nach 3 Versuchen den Schulbus mit unserem viel kleineren Auto schaffen rauszukriegen (Video siehe unten). Aber die Leute haben sich gefreut und die Schulkinder waren begeistert von unserem Auto und haben die Flaggen-Kleber der Länder bewundert, die wir schon alle besucht haben. Im winzigen Kaff namens Florian übernachten wir am Dorfplatz. Schon schön, dass es hier noch viele Orte hat, die touristisch nicht sehr erschlossen sind. Am nächsten Morgen besuchen wir den spektakulären Wasserfall. Aus einer Höhle fliesst das Wasser in 3 hintereinander fallenden Wasserfällen raus, der längste davon 300 Meter lang. Nachdem wir zuerst den falschen Weg nehmen und uns gehörig im Schlamm verlaufen und teils halb versinken, sind neben dem Auto nun auch unsere Beine voller Schlamm. Ein paar Locals weisen uns den richtigen Weg und so finden wir zur Höhle, von welcher aus das Wasser in die Tiefe fällt. Eine gigantische Aussicht geniessen wir von da oben. Der Ausflug hat sich gelohnt (Video unten). Auf dem Rückweg finden wir irgendwo auf dem Land einen Wasserfall, wo wir uns den Schlamm abputzen und auch wieder mal duschen können. Weil wir unseren Wassertank füllen möchten und sauberes Wasser in Kolumbien schwierig per Schlauch zu bekommen ist, halten wir in einem Dorf bei einem Stand an und nachdem wir eine leckere Empanada bestellt haben fragen wir, ob wir Wasser kaufen können. Der nette Mann füllt uns eimerweise Trinkwasser von seiner eigenen Quelle ab und bringt es uns zum Auto, um den Tank zu füllen. Er will kein Geld annehmen und so kaufen wir dafür noch ein paar Sachen von ihm ab. Er freut sich, wir zeigen unseren Camper und in Nullkommanichts ist das ganze Dorf vor Ort und staunt. Wahnsinnig diese Herzlichkeit auf dem Land.

Als Nächstes besuchen wir das pittoreske Städtchen Villa de Leyva in den kolumbianischen Anden. Mit den einstöckigen hübschen Häusern, den Kopfsteinplasterstrassen und dem grössten Dorfplatz Kolumbiens diente Villa de Leyva schon in der Kolonialzeit hochrangigen Menschen und Vizekönigen als Erholungsort. Das Städtchen ist wunderschön aber auch sehr touristisch. Es findet momentan ein Festival statt und so ist der Dorfplatz voll mit Ständen, einer Bühne und Bahnen, die zum Teil interessant zusammengebastelt sind (kleine Plastik-Kinderautos an Kleiderbügeln befestigt, die dann ein fliegendes Karussell ergeben). Wie geniessen von den Ständen leckere Spezialitäten, wie zum Beispiel Lechona – kolumbianisches Spanferkel welches im Erdofen in der Haut gefüllt mit Reis, Erbsen und vielen leckeren Gewürzen 10 Stunden lang gekocht wird.

Catedral de Sal und Bogota

Kurz vor Bogotá besuchen wir die Catedral de Sal (Salzkathedrale) von Zipaquirá. Die Salzkathedrale ist eine riesige religiöse Einrichtung mit beleuchteten Kunstwerken aus Salz und Marmor in den Tunnels und Hallen einer ehemaligen Salzmine 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Schon vor Kolonialzeiten wurden die Salzvorkommen in Zipaquirá entdeckt und zu Nutze gemacht. Ab dem 19. Jahrhundert wurden dann richtige Salzminen erschaffen, worauf sich ein paar Minenarbeiter eine kleine Zufluchtskammer zum Beten gebaut haben. Um 1950 wurde dann eine richtige Kathedrale daraus, die aber aufgrund der weiter anhaltenden Minentätigkeiten geschlossen werden musste, da sie zu unstabil wurde. Erst in den 1990ern wurde dann eine neue Salzkathedrale in anderen Minenschächten gebaut, die nun heute besichtigt werden kann. Da die Salzgewinnungstechnik sich verändert hat und es keine Erschütterungen mehr gibt, bleibt die Kathedrale stabil. Früher wurde das Salz mit dem Fels gesprengt und danach das Salz mit Wasser gelöst. Heute wird auf die Sprengung verzichtet, da das Wasser mit Druck in den Fels gepumpt wird und das Salz löst. Sicher ein imposantes Bauwerk und mal eine ganz andere Sehenswürdigkeit, auch wenn es für unseren Geschmack ein wenig sehr kommerziell war.
Nun kommen wir in die Hauptstadt Kolumbiens: Bogotá. Die Stadt ist mit 12 Mio. Einwohnern (inkl. Umkreis, entspricht 22% der Bevölkerung Kolumbiens), die grösste Stadt Kolumbiens und mit einer Höhenlage von 2700 Metern eine der höchsten Grossstädte Südamerikas. Da wir das Nachtleben kennenlernen möchten und unser gesicherter Parkplatz bereits um 21.00 Uhr schliesst, nehmen wir ein Hotel und feiern überrascht die erste heisse Dusche seit dem Hot Spring Waterfall in Guatemala, der sich zumindest wie eine heisse Dusche anfühlte. Wir suchen erfolglos nach einer bezahlbaren Seilwinde. Der Prozess war interessant: Man fährt ins Quartier für Autoersatzteile. In dem Quartier hat es hunderte kleine Läden mit Ersatzteilen, gearbeitet wird oft direkt auf der Strasse. Wir fahren ins Quartier und werden relativ schnell von Jemandem angesprochen, der sich im Labyrinth von Läden auskennt. Man wartet im Auto während dieser versucht das gewünschte Teil ausfindig zu machen und all seine Kontakte aktiviert. Danach kann man ein Trinkgeld geben. Unser Mann hat sich sehr Mühe gegeben, aber ein weiteres Mal stellen wir fest, dass eine Seilwinde hier aufgrund der hohen Importsteuern nicht in unserem Budget liegt. Abends gingen wir aus und am Sonntag haben wir uns ins Getümmel gestürzt und die Stadt ein wenig zu Fuss erkundigt. Bogotá ist definitiv keine Augenweide. Im Zentrum La Candeleria gibt es ein paar schöne Kolonialbauten, aber das wars auch schon mit Schönheit. Es ist aber eine äusserst lebendige, spannende Stadt. In den vielen Fussgängerzonen sind wie komplett überwältigt von all den Eindrücken, den unzähligen Strassenständen, die alles mögliche verkaufen, dem Streetfood, den vielen Aufführungen, sogar „Guggenmusik“, den Strassenkünstlern oder auch einfach den vielen unterschiedlichen Menschen, die vom Kleidungsstil und dem Benehmen her irgendwie vielfältiger sind, als wir es beispielsweise in Zentralamerika erlebt haben. Wir wissen gar nicht wohin mit den Augen, so viele Eindrücke auf einmal. Am Abend treffen wir uns mit einem Amerikanisch-mexikanischen Pärchen, welches seit 3 Monaten in Bogotá ist und darauf wartet endlich den Roadtrip durch Südamerika zu starten, aber Probleme mit dem frisch gekauften Auto hat. Mit ihnen gehen wir Tejo spielen. Tejo ist der offizielle National-„sport“ Kolumbiens und beinhaltet Bleikugeln, Schiesspulver und viel Bier. Das Spiel wurde ca. vor 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung erfunden. Auf einer Platte mit viel Lehm befinden sich kleine Briefchen mit Schiesspulver. Mit einer halben Kilo schweren Bleikugel muss man die Platte bewerfen und erhält je nachdem, ob die Mitte oder ein Schiesspulverbriefchen getroffen wird und dabei eine Explosion ausgelöst wird, unterschiedlich viel Punkte (Video unten). Dabei wird oft ziemlich viel Bier getrunken. Es war auf jeden Fall eine lustige Erfahrung. Eigentlich wollen wir danach Bogota verlassen, finden aber heraus, dass wir dummerweise am gewünschten Abfahrtstag nicht fahren dürfen. Je nach Endung des Kennzeichens darf jedes Auto jeden zweiten Tag nicht gefahren werden, um die Verschmutzung und Strassenverstopfung zu verringern. So erledigen wir noch einen Tag lang Diverses, geniessen einen Kaffee und schreiben diesen Bericht 🙂

Unser Zugstrecken-4×4-Track:

Unsere Schulbus-Rettungsmission:

Ventanas de Tisquizoque Wasserfälle:

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Punta Gallenas

Wo goldene Dünen in die türkise Karibik fliessen

Nach unseren Schwierigkeiten den Land Cruiser zurückzubekommen sind wir seit über einer Woche wieder unterwegs und haben uns in Rekordschnelle mit Kolumbien versöhnt. Landschaftlich ist es wirklich schön und die Menschen werden ihrem Ruf gerecht. Seit Reisebeginn haben wir immer zu hören bekommen, dass die Leute in Kolumbien so toll sein sollen. Und wirklich, bisher sind wir auf unglaublich gastfreundliche, nette, offene, hilfsbereite, interessierte Menschen gestossen. Wir ziehen deutlich mehr Augen auf uns als in Zentralamerika und werden sehr oft angesprochen und in Gespräche verwickelt.

La Guajira

Beim Pilón de Azúcar

Wir machen uns nordwärts zum Guajira Peninsula. Unsere Container Buddies sind ohne High Clearance (Bodenfreiheit) und 4×4 nicht für diese Fahrt ausgerüstet und so stellen wir ihr Van in Riohacha unter, besorgen Essen, Cracker und Wassertüten für die indigene Bevölkerung und tanken nochmals voll bevor wir zu Viert im Land Cruiser weiterfahren. Hier in der Nähe der venezuelischen Grenze ist Volltanken bei 45 Rappen pro Liter relativ schmerzfrei. Danach fahren wir auf die 21’000 Quadratkilometer grosse Halbinsel. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und wir bewegen uns grösstenteils auf Wüstentracks statt auf befestigten Strassen. La Guajira ist im Gegensatz vom Rest Kolumbiens geprägt von karger Wüste. Die indigenen Bewohner – die Wayúu – leben hier in einfachsten Verhältnissen, ohne fliessend Wasser, abgeschieden von der Aussenwelt und mit Mangel an Schulen, Arztpraxen oder sonstigen Institutionen. Die Wayúu sind dazumal während der Kolonialisierung in diese Gegend geflohen und haben es als einer der wenigen indigenen Stämme geschafft ihre Traditionen und ihren Lebensstil hier unabhängig zu bewahren, während sie jahrelang für ihre Autonomie gekämpft haben. Heute leben sie in sehr armen Verhältnissen, von der Land- und Viehwirtschaft, der Fischerei, dem Handel mit Kunsthandwerk und dem Tourismus. Als Grenzregion gibt es in der Region auch viele Schmuggelrouten, wobei mit dem Thema Drogenschmuggel relativ offen umgegangen wird. So rechnet uns ein Autobewunderer netterweise vor, dass man mit dem Schmuggel einer vollen Bootsladung Koks von La Guajira in die Dominikanische Republik, einen ähnlichen Land Cruiser wie unseren kaufen kann.

Auf dem Pilón de Azúcar

Landschaftlich ist La Guajira prächtig: Goldene Wüste mit Dünen, die einem eher in Nordafrika wähnen lassen als in Südamerika. Der grösste Unterschied ist dabei, dass die Wüste in der hellblauen Karibik mündet, was für einen wunderschönen Kontrast sorgt. Nach Monaten im heissen und feuchten Zentralamerika sind wir über die Trockenheit extrem dankbar. Der starke Wind sorgt ausserdem dafür, dass die Temperaturen trotz intensiver Sonneneinstrahlung angenehm sind und wir endlich wieder relativ kühle Nächte verbringen.
Den ersten Stopp legen wir im Dorf Cabo de la Vela ein. Aufgrund des starken Windes und des zugleich flachen Wassers ist dies ein Weltklasse – Kitesurfspot. Was für Künste (Sprünge!) die Locals hier draufhaben ist beeindruckend – siehe Video unten. Hier geniessen wir die Kitesurfshow, erfrischen uns im Meer und laufen auf den schönen Pilón de Azucar hoch für den Sonnenuntergang. Während die meisten Menschen hier in Hängematten übernachten schlafen wir im Auto und bauen für Aurore und Salah das Zelt auf. Am nächsten Tag machen wir die Fahrt noch tiefer ins Peninsula rein – nach Punta Gallinas. Viele haben uns davon abgeraten, dies auf eigene Faust zu machen, da man in den unterirdischen Flüssen steckenbleiben kann, es eine Vielzahl an Tracks gibt, ohne dass wir die „guten“ bzw. richtigen Tracks kennen und es teils feindlich gesinnte Locals gibt. So vereinbaren wir mit Tourguides, dass wir gegen eine kleine Bezahlung ihren Touren hinterherfahren. Da doch sehr anspruchsvoll, brauchen wir für die Fahrt fast den ganzen Tag. Krass war die Anzahl an „Schnurblockaden“. Auf der ganzen Fahrt hatten wir vielleicht 150-200 davon. Das sind Locals, die eine Schnur (oder auch ein Stahlseil oder eine Kette) spannen und wollen, dass wir ihnen was geben. Es handelt sich dabei oft um Kinder, ab ca. 2 Jahren bis ins Teenageralter. Manchmal gabs gleich etwa 20 oder so Schnurblockaden hintereinander mit Abstand von etwa 5 Meter dazwischen. Geld sollte man nicht geben und so sind wir froh, dass wir viele Wassertüten, Crackerpakete oder Früchte gekauft haben. Aber es sind so viele, dass wir nicht jedes Mal etwas geben können und manchmal nicht anhalten und die Locals das Seil dann im letzten Moment fallen lassen. Traurig ist auch, dass der Abfall von diesen Wassertüten oder den Esswaren alles in der Wüste landet. Die Situation ist allgemein unbefriedigend. Statt dass alle betteln wäre es besser wenn sich die Clans organisieren würden, Eintritt für das Gebiet verlangen würden, dieses Geld auf die Familien verteilen und die Kinder in die Schule können, statt betteln zu müssen. Aber ja, so eine strukturelle Änderung ist immer einfacher ausgedacht als umgesetzt.

Bahia Hondita

Bei den schönen Dünen Dunas del Taroa, die direkt ins Meer fliessen, legen wir einen längeren Zwischenhalt ein und gehen im Meer schwimmen. Den Sonnenuntergang geniessen wir bei Punta Gallenas, dem nördlichsten Punkt Südamerikas. Ein alter Leuchtturm, viele Steinmännchen und ein Gemälde mit Landkarte, welche Punta Gallenas darstellt, schmücken diesen Ort in der Wüste. Es hat auch einen Wegweiser und wir fühlen uns geehrt, dass die Schweiz als einziges europäisches Land darauf zu finden ist.
Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Cabo de la Vela, finden ein einsames Plätzchen, wo Raphi uns einen grossen Fisch fängt, der für alle zum Abendessen reicht. Vom Übernachtungsplatz in der Wildnis werden wir vertrieben, dürfen dann aber gegen eine kleinen Beitrag auf dem Grundstück eines Häuptlings übernachten.

Santa Cruz de Mompox

Raphi in Mompox

Von nun an geht es also südwärts. Schweren Herzens trennen wir uns von unsren Containerbuddies. In einer super Werkstatt in Barranquilla mit nettem Inhaber, der uns noch viele Reise- und 4×4 Tipps auf den Weg gibt, machen wir Service und wechseln den Zahnriemen. Wir waren den ganzen Tag von 08.00 bis 17.00 Uhr in der Werkstatt und haben dafür nur 140 Franken bezahlt! Dann müssen wir zurück nach Cartagena, um bei Agentin Ana die Kreditkarte abholen, die nach über einem Monat endlich aus der Schweiz angekommen ist (Revolut hat kurzerhand entschlossen unsere noch lange gültige Kreditkarte zu ersetzen, was für uns auf Reisen natürlich denkbar ungünstig ist). Die erste, die Anouks Eltern versucht haben zu senden ging verloren, dieses Mal hats zum Glück geklappt. Nun sind wir endlich gefühlt frei von allen Verpflichtungen, verabschieden uns das letzte Mal von der Karibik und fahren ins Landesinnere nach Mompox.
Santa Cruz de Mompox ist eine süsse kleine Kolonialstadt am Magdalena Fluss in einer schönen grünen Sumpf- und Seelandschaft. Infolge der vielen Piratenangriffen auf Städte der Karibikküste sind dazumal viele reichen Spanier nach Mompox gezogen, was sich in der Architektur widerspiegelt. Erst 2015 wurde eine Brücke eröffnet, die Mompox, theoretisch auf einer riesigen Flussinsel liegend, per Landweg mit dem restlichen Kolumbien verbindet. Überrascht haben uns die Schweizer Flaggen überall. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir gecheckt haben, dass die Flagge von Mompox ebenfalls aus einem weissem Kreuz auf rotem Grund besteht – der rote Grund repräsentiert das Blut, dass von Momposinos vergossen wurde und das weisse Kreuz die Religiosität, die von den Spaniern übernommen wurde. Abends flanieren wir an der hübschen Flussuferpromenade, geniessen einen Cocktail aus Lulo-Früchten (leckere leicht säuerliche orange Früchte) und Salat aus dem leckeren lokalen Käse bevor wir am Dorfplatz im Auto übernachten.

Los Estoraques

Wir bei Los Estoraques

Weiter westwärts besuchen wir Los Estoraques – eine Landschaft aus grossen braunen Lehmsäulen, die über Jahrtausende hinweg zur jetzigen Form erodiert wurden. Wieder in einem ganz anderen Kolumbien geniessen wir da den friedlichen Spaziergang mit Vogelgezwitscher und der gelegentlichen Kuh-Begegnung. La Playa de Belen, das süsse Städtchen vor dem kleinen Nationalpark begeistert uns ebenfalls. Es war ein schöner Ausflug in die Berge, aber der Verkehr treibt einen in den Wahnsinn. Die Distanzen sind sehr lang und die Strassen, ja auch die Mautstrassen, alle einspurig. Konstant steckt man so (insbesondere auf den zahlreichen kurvigen Bergstrassen) hinter im Schneckentempo fahrenden Lastwagen fest.
Nun ist es für uns endgültig Zeit in kältere Gefilde zu fliehen – wir haben wieder eine Kakerlake entdeckt und freuen uns nun auf die Berglandschaften weiter südlich, welche dem Schwitzen in der Nacht und jeglichen Kakerlaken hoffentlich endgültig ein Ende setzen werden.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Ein Container wird paratgestellt

Eine schreckliche Woche mit Happy End: Ein Bürokratie-Krimi

Ein Sonnenuntergang in Cartagena

Eine kleine Vorwarnung: Es folgt ein Bericht, in welchem wir uns hauptsächlich über unsere „Luxusprobleme“ beklagen. Denn ja, es könnte noch viel schlimmer sein: Wir könnten ausgeraubt worden sein, einen Unfall gehabt haben, der Container im Meer versenkt worden sein, oder wir könnten diese Reise gar nie erst angetreten haben. Aber die Bemühungen unser Auto zurückzubekommen waren trotzdem mental zermürbend. Falls jemand Positives lesen will, würden wir ans Herz legen, andere Beiträge zu lesen, da unsere Reise ansonsten von A bis Z wundervoll ist und wir sonst nur lobende Worte finden für die besuchten Orte und die Menschen, welchen wir begegnen.
Dies war unsere zweite Woche in Cartagena und die Woche, wo wir nach Verspätungen endlich den Land Cruiser zurückerwarten.
Der erste Tag in Cartagena war überwältigend – neuer Kontinent, neues Land, neue Kultur, lebensfreudige Mentalität. Die erste Woche war dann teils ernüchternd und die zweite Woche hätten wir an manchen Tagen am liebsten direkt kehrt gemacht. Zurück ins bunte, freundliche Zentralamerika, ins paradiesische Mexico oder die vielfältige USA – wir sehen alles andere nur noch durch die rosarote Brille.

Ein Container wird paratgestellt

Was anstrengend war, war vor allem die mangelnde Planbarkeit, die Ungewissheit und die Ohnmacht, nichts machen zu können oder auch nicht verstehen zu können wieso jetzt etwas nicht klappt oder so lange geht. Wenn wir gewusst hätten, dass es so lange geht, hätten wir nämlich schon längst etwas anderes gemacht in der Zwischenzeit. Man mag es nicht glauben, aber auch bei einer solch langen Reise ist man unter Zeitdruck und jede einzelne Minute wertvoll.
Am Mittwoch hätte es nämlich endlich so weit sein sollen. Nachdem unser Container eine Woche verspätet auf das Schiff geladen wurde und die Freigabe etwas länger gedauert hat, weil wieder mal ein Feiertag war (in Kolumbien gibt es 19 landesweite Feiertage, regional wohl noch mehr) hätten wir am Mittwoch endlich das Auto abholen können. Der ganze Prozess wurde uns auch auf Nachfrage von der Agentin nie deutlich erklärt und es war auch frustrierend zu sehen, wie unorganisiert sie arbeitete und nie wusste wer jetzt zu wem, zu welchem Container, zu welchem Auto oder zu welchem Verschiffungsdatum gehörte. Aber um fair zu bleiben, hat sie ansonsten einen guten Job gemacht.

Raphi fährt aus dem Container

Das Ganze war von Anfang an mühsam, weil wir immer auf ominöse Emails warten mussten, die dann den nächsten Schritt einläuteten. Dies war immer wieder der Fall, das heisst irgendwie mussten wir immer in der Nähe des Hafens bleiben, um schnell reagieren zu können. Dienstagabend kam die erste Mail und so gingen Raphi und Salah am Mittwoch zum Port. Viel Gewarte und von Arbeitern nicht eingehaltene Termine später, können sie endlich den Container öffnen. Die Rampe macht das Herausfahren zu einer Herausforderung. Cartagenas Hafen verlangt, dass wir die Stahlfelgen für 170 Dollar vom Hafenpersonal austauschen lassen, statt es selber zu machen, was eine absolute Frechheit ist. Raphi hat den Wechsel in Panama ohne Hilfe und ohne Probleme in 30 Minuten geschafft. Wir haben sogar angeboten einfach mit den Stahlfelgen aus dem Hafengelände rauszufahren. In den USA mit weit höherem Lohnniveau haben wir für 60 USD alle 5 Reifen wechseln und ausbalancieren lassen. Aber wir wurden von der Agentin schon im Voraus diesbezüglich informiert und haben deswegen den Reifenwechsel organisieren lassen. Die Reifenwechsel-Spasstis kamen aber erst mit 2 Stunden Verspätung (während für uns alles schnell gehen musste, wenn wie noch am selben Tag den Hafen verlassen wollten). Sie waren ausserdem unfähig, so dass Raphi den grössten Teil selbst machen musste. Salah hat zum Glück gefilmt und so konnten wir reklamieren und mussten nicht die vollen 170 Dollar bezahlen.
Dann mussten Raphi, Salah und die weiteren Reisenden, die seit 2-3 Wochen warten, das Auto im Hafen lassen und die Schlüssel abgeben. Für uns eine weitere Frechheit aus folgendem Hintergrund: Eine Verschiffungsmöglichkeit ist Roll-On Roll-Off (RoRo), wo statt ein Container das Auto direkt aufs Schiff gefahren wird und die Schlüssel abgegeben werden. So haben wir auch in die USA verschifft, da RoRo-Verschiffungen nach Nordamerika erfahrungsgemäss relativ sicher sind. Da die Schlüssel abgegeben werden ist die Chance eines Einbruchs aber extrem hoch (in Lateinamerika, unseren Gesprächen mit anderen Reisenden gemäss etwa bei 80%, ausser man reist mit einem festungsähnlichen Lastwagen). Genau aus diesem Grund wählen die meisten einen Container, wo ja der Zugang zum Inhalt des Containers nur für die Eigentümer möglich sein sollte. Dass wir nun die Schlüssel abgeben sollen und unser Auto mitsamt ungesicherten Inhalt ungeschützt im Hafen rumstehen soll, nachdem wir genau das mit dem Container verhindern wollten, macht uns schon wütend. Immerhin versichert uns unsere Agentin Ana, dass es sicher sein soll und wir haben bei Containerverschiffungen auch noch nichts von Einbrüchen gehört.

Durch den Zaun schauen wir sehnsüchtig unsere Autos an, wie sie im Hafen stehen

Wir können nichts machen und so bleibt nichts anderes übrig als auf die nächsten Dokumente zu warten. Unerwarteterweise ist die zuständige Person „sehr beschäftigt und hat Ferien“ (was nun genau??), so dass am Mittwoch nichts weiter passiert. Die anderen Reisenden sind teils noch wütender als wir, da sie noch länger warten und beim einen Container wurde ein Motorrad schlecht gesichert, so dass das benachbarte Auto beschädigt wurde. Dies zieht sich die Woche so hin. Das Frustrierende ist, dass Ana den Prozess nicht kommuniziert und keine klaren Antworten gibt. Bei den vielen Reisenden und Kommunikationswegen fliessen so überall Wahrheiten, Gerüchte und Halbwahrheiten. Wir werden die ganze Zeit vertröstet und müssen immer wieder auf eine Email warten für den nächsten Prozessschritt. Jeden Tag in der Hoffnung nun das Auto abholen können, packen wir alles zusammen, checken aus dem fenster- und klimaanlagelosen, trostlosen Zimmer aus, um irgendwann wieder zu einem noch höheren Preis einzuchecken. Wir sitzen in den trostlosen Cafés oder in der Mall und warten, hypothesieren, lästern. Ein gravierender tropischer Sturm wird von den Medien vorhergesagt, was uns weiter beunruhigt und worauf Stellen im Hafen wiederum drohten zu schliessen. Und das Wochenende nähert sich. Am Montag ist wieder Mal Feiertag (der dritte Montag in Folge) und wenn wir das Auto am Freitag nicht bekommen, dann frühestens am Dienstag. Irgendwann wurden wir informiert, dass das Bill of Landing Dokument aus unerfindlichen Gründen nicht erstellt werden kann und deswegen alle erst nächste Woche ihr Auto abholen können und diese somit unverschlossen im Hafen bleiben. Grosse Aufregung. Unsere Container Buddies Aurore und Salah, die gut spanisch sprechen haben ein riesiges Theater gemacht. Da diese Nacht auch kein günstiges Hotel in der Nähe frei war haben sie sich bei Ana unsrer Agentin einquartiert und sind ihr von dann an auf Schritt und Tritt gefolgt, stets Druck ausübend, damit Ana diesen auch weiter gibt. Und ja Ana hat sich wirklich für uns eingesetzt. Irgendwann haben Aurore und Salah gar die französische Botschaft kontaktiert, die dann ihrerseits auf verschiedene Stellen Druck ausgeübt hatte. Stark unterstützt beim Druck ausüben wurden sie von einem deutschen Pärchen, das bereits eine Woche länger auf den Container wartet. Anouk lag mit Hochfieber im Hotelbett und war damit keine Hilfe, während Raphi bisschen hin und her sprang. Die meisten der etwa 10 Parteien (Fahrzeuginhaber der 4 Container) haben sich wohl schon halb damit abgefunden, dass wir noch bis nächste Woche in der inzwischen allseits gehassten Stadt Cartagena verbringen müssen. Aber der Druck bringt etwas – im Verlauf vom Freitag erhalten wir die Neuigkeit, dass wir wohl doch noch die Autos abholen können. Es folgt weiteres Hin und Her und stundenlanges Warten am Hafen. Irgendwann gegen 18.00 Uhr Freitags können die Männer dann rein in den Hafen. Vor dem Rausfahren müssen sie plötzlich wieder kehrt machen weil noch irgendein Dokument fehlt. Ein weiterer Schreckensmoment. Aber dann schlussendlich kommt alles gut und irgendwann am Freitag gegen 19.00 Uhr, letzte Minute vor dem langen Wochenende fahren die Fahrzeuginhaber endlich mit den Fahrzeugen aus dem Hafen – Hallelujah.

Raphi chillt in der Hängematte in Dibulla

Am nächsten Tag ist somit der lang ersehnte Tag gekommen und nach einem teuren Einkauf und günstigem Tanken (55 Rappen pro Liter Diesel) brechen wir endlich auf um Südamerika zu entdecken. Mit Aurore und Salah fahren wir der Küste entlang gegen Norden. In Barranquilla sind wir ein wenig von der Hässlichkeit der Shakira-Statue schockiert. Barranquilla ist die Heimatstadt Shakiras. Jemand verglich die Statue mit einem Ork mit Gitarre was leider ziemlich nahe kommt. Ein weiterer Halt machen wir in Dibulla wo wir am Strand chillen und übernachten. Hauptziel ist aber La Guajira – die nördlichste Wüste Südamerikas, aber dazu mehr nächste Woche.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Cartagenas Kolonialbauten

Zwangsferien in der hübschen Kolonialstadt Cartagena

Cartagenas Kolonialbauten

Nach fast einem Jahr Reise sind wir also endlich in Südamerika angekommen – mit dem Segelschiff von Panama aus. Unser Container mit dem Land Cruiser wurde leider nicht auf das vorgesehene Schiff geladen und verspätet sich damit um eine Woche. Die Schiffe sind oft überbucht, und nein, wir sind keine Prioritätskunden von Maersk 🙃 Wir können sogar von Glück reden, dass es sich nur um eine Woche Verspätung handelt (plus wegen Feiertagen ein paar weitere Tage Verzögerung bei der behördlichen Freigabe). Diejenigen, die eine Woche vor uns verschifft haben werden ihr Auto gleichzeitig erhalten und haben damit sogar 2 Wochen Verspätung.
Da Touren teuer sind und wir ja bald wieder mobil sind, sitzen wir halt nun anderthalb Wochen in Cartagena fest. Neben Administrativem und Planung bleibt uns so viel Zeit die Stadt kennenzulernen. Immerhin handelt es sich im ummauerten Stadtkern dabei um eine wirklich schöne Hafenstadt mit wunderschönen Kolonialbauten.

Raphi in Getsemani

Am ersten Abend sind wir total überwältigt. Im Stadtkern ist so viel los, so viel Leben, so viele Menschen, ein bunter Mix aus Einheimischen aber auch vielen lateinamerikanischen und westlichen Touristen. Es wird auf der Strasse gefeiert und wir sehen Segelbootsgefährten wieder oder unsere Container Buddies. Durch die schönen Bauten, der Partystimmung und den Pubs überall werden wir stark an Amsterdam erinnert. Es könnte aber auch daran liegen, dass uns die ganze Zeit zuerst laut Bier und Zigarren angeboten werden und dann leise flüsternd Marihuana, Haschisch oder „weissen Kaffee„, also Koks.

Auf einer Rooftop Bar

Cartagena de Indias wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern gegründet. Zeitweise war es die wichtigste Hafenstadt der Americas. Sie war Standort für die Inquisition und den grössten Sklaven-Hafen Lateinamerikas mit florierendem Sklavenhandel. Als reiche Handelsstadt wurde Cartagena oft von Piraten, weswegen aus Korallen Mauern um den Stadtkern gebaut wurden, die auch heute noch intakt sind. Verschiedene Festungen, darunter auch die grösste Kolonialfestung von gesamt Südamerika – das Castillo de San Felipe beschützten die Stadt.

Rooftop Brunch mit den Container Buddies

Die ersten Tage waren wir noch ganz wackelig auf den Beinen, nach 5 Tagen auf See ist es ungewohnt, wenn man nicht mehr die ganze Zeit schaukelt. Wir geniessen die internationale sowie lokale Küche und Streetfood. So ohne Land Cruiser und eigene Küche sind wir „gezwungen“ immer auswärts zu essen, was auch mal schön ist zur Abwechslung. Wir besuchen einige Rooftops – in Form von Bars aber auch mal in Form von einem Brunch.
Wir treffen uns mit den Segelturngefährten wieder und anderen die verschifft haben und unternehmen viel mit unseren Container Buddies. Im modernen Hochhaus-Viertel Bocagrande bewundern wir die Hochhäuser und kucken uns im Kino (zum Glück auf Englisch) den neuen Top Gun Film für 4 Dollar an. Bei einer „Free City Tour“ lernen wir viel über die Geschichte der Stadt und im hippen, ehemals armen und mittlerweile gentrifizierten Quartier Getsemani schlendern wir durch die mit Streetart versehenen Strassen.
Abends ist in Getsemani jeden Tag Party, Aufführungen und Tänze finden auf den Plätzen statt, überall gibt es Streetfood und Cocktailstände. Ein Burgerstand hat es uns besonders angetan. Mit Burgerpatty, Bacon, Schinken, Pouletbrust, einem gebratenen Mix aus leckerem Gemüse und Zwiebeln, einem riesigen Haufen auf der gleichen Platte geschmolzenen Käse wird eine krasse Kalorienbombe gebastelt.

Castillo de San Felipe de Barajas

Wir besuchen das riesige Fort Castillo de San Felipe und sind beeindruckt von den Dimensionen, den Tunnels, durch welche die Verteidiger sich geschützt zwischen den verschiedenen Ecken des Forts fortbewegen konnten und der wunderbaren Aussicht. Wenn das Fort nicht gewesen wäre, wäre die britische Attacke auf Cartagena im 18. Jahrhundert vielleicht erfolgreich gewesen. Den ummauerten Stadtkern hatten sie nämlich bereits eingenommen und so sind sie nur am Fort gescheitert. Dann wäre Kolumbien vielleicht eine englische Kolonie geworden und die offizielle Sprache heute Englisch.
Kulturell ist neben dem Kolonialbauten auch der lebhafte karibische Einfluss spürbar. Man sieht viele Palenqueras -afro-amerikanische Frauen in traditionellen bunten Kleidern, die für Fotos posieren oder Früchte verkaufen, welche sie in Körben auf dem Kopf transportieren. Ursprünglich kommen sie aus San Basilio de Palenque, einer Stadt in der Nähe von Cartagena, welche im 17. Jahrhundert durch geflohene Sklaven gegründet wurde. Als erste Stadt konnte sie, lange vor allen anderen, ihre Unabhängigkeit zur spanischen Kolonialmächte sichern. Damit war die Stadt wirtschaftlich allerdings abgeschieden und brauchte neues Einkommen. Während die Männer zu Hause blieben, gingen so die Frauen regelmässig in die Grossstadt Cartagena, um Früchte zu verkaufen, die in San Blasio im Überfluss wuchsen. Mittlerweile sind diese Palenqueras längst ein Wahrzeichen von Cartagena. Interessant war auch der Museumsbesuch im Inquisitionspalast. Das Inquisitionstribunal von Cartagena war zuständig für die Inquisition weiter Teile von Südamerika, das heisst für die Verfolgung von anderen Religionen, schwarzer Magie oder anderen Ansichten, Bräuchen oder Tätigkeiten welche vom Papst nicht toleriert wurden. Über 900 Menschen wurden im Zuge der Inquisition vom Tribunal in Cartagena verurteilt. Noch heute sieht man das Fenster, durch welches die Menschen Zettel werfen konnten wenn sie jemanden denunzieren wollten. Neben der Geschichte wurden im Palast auch die Folterinstrumente ausgestellt. Diese wurden vorübergehend von der Ausstellung entfernt, als der Papst Cartagena 2015 besuchte – der arme Papst soll ja nicht schockiert werden.
Ein weiterer Ausflug haben wir zu unsrer Verschiffungsagentin ausserhalb des ummauerten Stadtkerns unternommen. Wir wollten herausfinden, ob sich irgendwie der Prozess das Auto nach Ankunft zu bekommen beschleunigen lässt. Das Unterfangen war zwar nicht erfolgreich aber es war definitiv spannend und erschreckend das Cartagena zu Gesicht bekommen, welches nicht für Touristenaugen gedacht ist. Wir liefen zwischen einem riesigen Markt und der Meereszunge. Alles ist voller Müll und es stinkt so grässlich wie wir es noch nie erlebt haben. Leute wohnen im Müll an der Meereszunge und verrichten ihr grosses Geschäft in der Öffentlichkeit. Daneben wird stinkender Fisch verkauft. Solche prekären Zustände haben wir noch nicht gesehen, auch nicht in Honduras oder Guatemala. Kolumbien hat wohl wie Panama viel mit Ungleichheiten zu kämpfen, und zusätzlich viele extrem arme Flüchtlinge aus Venezuela, die nach Kolumbien fliehen . Wenigstens wurde an unserem ersten Tag in Kolumbien ein neuer Präsident gewählt und die Hoffnung der Bevölkerung, dass nun bessere Zeiten anbrechen ist spürbar. Wir hoffen das Beste. Morgen können wir hoffentlich den Land Cruiser abholen und dann melden wir uns nächste Woche hoffentlich wieder von unterwegs aus.

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
San Blas Inseln

Mit dem Segelschiff auf einen neuen Kontinent

Nach unseren 3 Tagen in Portobelo ohne fliessend Wasser und am letzten Tag auch noch ohne Strom konnten wir endlich unsere Überfahrt nach Kolumbien antreten. Mit dem Segelschiff werden wir in 5 Nächten von Portobelo in Panama nach Cartagena in Kolumbien segeln. Damit ist das Kapitel Nord- und Zentralamerika abgeschlossen und wir kommen nach Südamerika, wo wir beide noch nie waren.

Riesige Seesterne bei den San Blas Inseln

Auf dem Segelschiff sind wir eine gemischte Gruppe – ein dänisches Pärchen, ein englisches Pärchen, ein argentinischer Motorradfahrer und zwei US-amerikanische Fahrradfahrer. Der Captain ist Australier und seine kolumbianische Frau verwöhnt uns kulinarisch. Im 60-jährigen Segelschiff machen wir zuerst 3 Tage lang Inselhopping auf den San Blas Trauminseln, bevor wir die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer antreten.
Die ersten 3 Tage auf den Inseln sind paradiesisch. Die San Blas Inselgruppe gehört zwar zu Panama, wird aber autonom vom indigenen Kuna-Stamm verwaltet und besessen. Insgesamt gehören über 365 Inseln dazu, nur rund 50 davon sind von den Kuna bewohnt. Die Kuna mussten lange um ihr Recht kämpfen, auf den Inseln wohnen zu bleiben und haben es dann 1930 endlich geschafft, sich Autonomie für die Inseln zu sichern und die Garantie da einigermassen ungestört zu leben. Während sie früher unbekleidet, nur mit reichlich Körperbemalung verziert waren, haben Missionare sie überzeugt Kleidung zu tragen. Darauf haben sie wunderschöne bunte Tücher als Kleidung entwickelt, die mit denselben Motiven bestickt sind wie ursprünglich die Körperbemalung. Interessant ist auch, dass es sich um eine matriarchalische Gesellschaft handelt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Besitztümer den Frauen gehören oder dass ein Ehepaar zur Familie der Frau zieht. Wir sehen wie die Kuna noch immer sehr einfach in ihren Strohhütten leben, den Lebensunterhalt meistern sie durch Fischen oder den Verkauf von Kokosnüssen ans Festland. 100 Kokosnüsse bringen ihnen dabei 60 US-Dollar ein. Deswegen wäre es im Vergleich zu anderen Orten auch verpönt wenn wir hier Kokosnüsse einsammeln und verspeisen würden, selbst wenn die Insel unbewohnt ist – Kokosnüsse sind hier Geld.

Sonnenuntergang in San Blas

Zum Fischen oder zur Fortbewegung benutzen die Kunas selbst geschnitzte Holzkanus. Hin und wieder kommen sie damit vorbei zu unserem Boot und bieten handgemachte Schmuckstücke an, verkaufen uns frisches Eis für die Kühlbox oder frischgefangene Lobster (12 Dollar für 1 KG), aus welchen die Frau des Captains uns ein leckeres Gericht zaubert.

Die Ave Maria in San Blas

Wir besuchen natürlich nur ein Bruchteil der Inseln, schnorcheln bei den Riffen um die Inseln und einmal um ein Schiffswrack, fasziniert ab den vielen bunten Fischen oder den riesigen Mantarochen. Bei einer unbewohnten Insel befestigen wir Hängematten, wer will kann die Nacht drin verbringen. Auf der Insel grillen wir Steak und schlürfen Cocktails aus der Kokosnuss und geniessen bei einem Lagerfeuer die vielen Sterne. Wie es in den Tropen halt so ist, regnet es auch zwischen durch, aber nicht so dass es störend ist – im Gegenteil, es ist eher erfrischend. Die Gruppendynamik ist gut und wir haben es lustig untereinander.

Raphi auf der Ave Maria

Nach drei Tagen bei den San Blas Inseln folgt die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer. In der ersten Nacht werden wir von 3 Stürmen heimgesucht, was ungewöhnlich viele sind. Auf diesem winzigen, alten Boot in den riesigen Wellen ist dies ein wenig unheimlich. Immerhin können wir uns gemütlich reinverziehen und müssen nur mit der stickigen Luft leben, da wir die Fenster nicht öffnen können und der Wohnraum doch sehr eng ist. Nur der Captain muss draussen ausharren sowie Raphi, der aufblüht, überall mithelfen will und auch mal das Steuer übernimmt. Am Schluss sind sich alle einig, dass Raphi als letzter ausgesetzt auf der Insel überleben würde und er hat den neuen Übernamen ‚the Swiss Bear Grylls‘ (der Text wurde von Anouk geschrieben :)).
Die Stimmung am Tag auf offener See ist ruhig – die meisten sind entweder seekrank oder aufgrund der Seekrankheitstabletten müde. Uns geht es beiden gut – Raphi hilft weiter mit und Anouk geniesst es in Ruhe ein Buch zu lesen. Einmal schauen Delfine vorbei, die wir leider nicht auf Kamera kriegen. Die letzten Stunden in der letzten Nacht sind dann nochmals aufregend – wobei wir manches aufgrund unseren guten Schlafes nur am Rande mitbekommen. Wir fahren in den Hafenkanal von Kolumbien. Die Küstengarde Kolumbiens kommt vorbei und durchsucht mitten in der Nacht das ganze Boot. Nachdem sie fertig sind, erwähnen sie, dass wir schnell weiterfahren sollen, da ein Containerschiff kommt (und der Kanal ist eng). Dummerweise stellen wir fest, dass das Seil, welches das kleine Motorboot hinterherzieht sich in unsrer Schraube verfangen hat. Panik bricht aus und spätestens dann sind wir alle wach. Es gibt keine professionellen Taucher an Bord und so opfert sich der Captain dann und taucht mitten in der Nacht in die verschmutzten Kanalgewässer ein und schafft es irgendwie das Seil zu zerschneiden und entwirren. So können wir dem Containerschiff nochmals glimpflich entkommen und kommen mitten in der Nacht in der Bucht von Cartagena an. Am nächsten Morgen fährt uns der Captain in kleinen Gruppen mit dem ‚Dingy‘, dem Motorboot an Land. Es bleibt bis am Schluss spannend, denn bei uns, als letzte Gruppe, fällt der Motor aus und geht nicht mehr an. Zumindest bei Anouk bricht die Angst aus nun noch im letzten Moment im Hafen von Cartagena zu versinken / bzw. durch die grossen Wellen nass zu werden mitsamt unsrem Gepäck und wertvoller Elektronik. Mit Teamarbeit schaffen wir es das Dingy wieder zum Laufen bringen und unsere Drohne, Kamera und Laptop trocken an Land zu bringen.

Ankunft in Cartagena

In einem Shawarma Restaurant mit Wifi belagern wir bis spät Nachmittags die Tische bis endlich unsere Pässe gestempelt zurückkommen. Mit dem vielen Gepäck nehmen Raphi und ich ein Uber zum Hotel. Wir sind überfordert mit den Eindrücken unterwegs. Alles ist so ganz anders als in Zentralamerika. Kolumbien und Panama sind so nah, die direkte Strasse nur durch die Darién Gap getrennt aber doch ist alles so fremd hier. Wir können es noch nicht beziffern. Ist es Weitläufigkeit? Sind es die die uns gänzlich unbekannten Shopnamen? Sind es die Menschen oder die Musik, die hier anders aus den Boxen klingt? Wir merken, wir sind an einem ganz neuen Ort angekommen, den wir nicht mehr so leicht vergleichen können. Wir sind in Südamerika, für uns beide neben der Antarktis einzige Kontinent, den wir davor noch nicht kannten. Wir sind wo ganz Neues und wir sind aufgeregt!

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn