BR-319

Die Amazonas-Durchquerung und ein betrunkener Guide in Guyana

So sind wir nun in Brasilien. Im 5. grössten Land der Welt sind die Distanzen ein wenig länger und so brauchen wir ein paar Tage nach Manaus. Aber hier ist für uns auch der Weg ein Ziel: Die Strasse BR-319 hat sich für uns nach einem Abenteuer angehört, welches wir uns nicht entgehen lassen wollten (und konnten, da es keine Alternativen gibt, ausser das Auto auf ein Boot zu laden). Für die BR-319 haben wir uns sogar die Seilwinde installieren lassen.

BR-319

Die BR-319 nach Manaus

Die unbefestigte Strasse durch den Amazonas ist berüchtigt für ihre Beschaffenheit aus Lehm, durch diese bei nassen Konditionen zahlreiche Autos steckenbleiben. Wir befinden uns zum Glück in der Trockenzeit, zur Regenzeit wäre die Durchfahrt kaum möglich. Wir kommen überraschend gut durch die ca. 900 Kilometer lange Strecke. Es hat viele Autos unterwegs und zum Übernachten finden wir sogar Tankstellen mit Wifi statt Wildcamps auf Dschungellichtungen. Stecken bleiben wir nicht mal annäherungsweise, nur ein Lastwagen bleibt stecken und daraufhin auch 2 Autos, die versucht haben den Lastwagen im Schlamm zu überholen. Wir können ihnen nicht mal helfen, da ein Traktor in der Nähe ist, welcher die Autos effektiver rauszieht. Der Amazonas, der grösste tropische Regenwald der Welt, ist hier fast überall traurigerweise sehr licht oder jung, vom dichten Dschungel ist nicht viel übrig. Die Strasse ist ursprünglich in den 70er Jahren vom Militär erbaut worden, wurde aber nie erneuert. Konservative Regierungen wie jene von Bolsonaro wollen sie befestigen lassen, während Umweltbehörden dagegen protestieren, da eine gute Strasse und damit besserer Zugang zum Regenwald die Abholzung noch weiter fördern würde. Traurigerweise erfahren wir später, dass eine Woche nach unserer Durchfahrt eine Brücke im besseren Abschnitt der Strasse eingebrochen ist und es mehrere Tote gegeben hat.
Vor Manaus müssen wir die Fähre nehmen um den Amazonas zu überqueren. Unglaublich wie gross der Amazonas schon hier ist – die Überfahrt dauert fast eine Stunde und es müssen nach Luftlinie gemessen ganze 10 km überwunden werden. Wir überfahren dabei das eindrückliche Phänomen Encontro das Aguás, das Treffen der Gewässer. Hier formen der dunkle Rio Negro und der hellbraune schlammige Rio Solimões den volumenmässig grössten Fluss der Welt – den Amazonas. Aufgrund der unterschiedlichen Flusstemperaturen, -geschwindigkeiten und -beschaffenheiten dauert es relativ lange bis die Flüsse eine Einheit sind und so sieht man die Grenze der Flüsse sehr deutlich (siehe Video unten). Manaus ist die Hauptstadt vom brasilianischen Bundesstaat Amazonas und Touristen-Ausgangspunkt für den gleichnamigen Fluss oder Dschungel. Manaus war Ende 19. Jahrhunderts dank des Kautschukbooms die glanzvollste Stadt Brasiliens. Kautschuk wird aus dem nativen Gummibaum gewonnen und war Ende 18. Jahrhundert in Europa wichtige Ressource für Industrie (dank der industriellen Revolution boomend) und Fahrzeugbau. Indigene Einwohner wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt und europäische Geschäftsleute wurden mit der Kautschukproduktion und -handel in Manaus steinreich. Es wurden pompöse Gebäude gebaut und die Stadt als Paris der Tropen bekannt. Für das prunkvolle Teatro Amazonas wurde Marmor und Eisenerzeugnisse aus Europa importiert und die Holzsitze aus Amazonas-Holz in Italien gefertigt. Der Boom endete als exportierte Kautschukbaum-Samen erfolgreich in Europa und Asien gepflanzt wurden. Manaus verarmte bis die Stadt in den 50ern als Freihandelszone erklärt wurde und sich damit wirtschaftlich wieder erholte. Nach einem kurzen Spaziergang und einer weiterhin erfolglosen Simkartensuche (ohne nationale Identifikationsnummer erhalten wir hier keine Simkarte) und ebenso erfolglosen Suche nach einem Touristeninformationscenter fahren wir neben dem Rio Negro flussaufwärts weiter.

Anouk mit einem pinken Flussdelphin

Das Anavilhanas-Archipel

Der Rio Negro fliesst bei Manaus zum Amazonas und macht das grösste Schwarzwasser-Flussbett der Welt aus. Durch das Rio-Negro-Flussbett fliesst mehr Wasser als durch alle Flüsse Europas zusammen. Die rötlich-schwarze Farbe des Flusses ist der Dekomposition der Blätter und Äste der gefluteten Wälder am Rio Negro zu verdanken. An einem Strand (ja, am Amazonas gibt es Strände) machen wir eine kurze Pause und fahren dann ins abgelegene Dorf Novo Airão am Amazonas/ Rio Negro. Es handelt sich um das letzte Dorf der Strasse, weiter kommt man nur noch per Boot. Auch dieses Dorf ist nicht auf Individualtourismus ausgelegt. Es ist sehr schwierig etwas zu organisieren aber schliesslich finden wir jemanden der uns für den nächsten Tag eine Bootstour anbietet. Wieder mal eine Dusche nötig fragen wir bei einer Lodge an, ob wir gegen eine Gebühr campen und Toilette/Dusche benutzen können. Solche Anfragen werden hier immer sehr kompliziert gehandhabt, aber nach ein paar Stunden hat sich der Manager für ein Ja entschieden. Wie an so viele Orten in diesem Teil Brasiliens gibt es keine Gäste und wir haben die wunderschöne Lodge für uns alleine. Am Morgen wird uns ein riesiges Frühstück zubereitet, wir fühlen uns wie im Paradies. Wir besuchen am Fluss ein fliessendes Deck für die pinken Flussdelphine. Die Organisation hier füttert die Delphine, die frei im Fluss leben und pflegt sie im Krankheitsfall. Kaum steht die Tierpflegerin auf dem Deck, kommen die Delphine auch schon angeschwommen. Wir setzten uns hin mit den Beinen ins Wasser und die Delphine kommen, stossen mit der Schnauze die Beine an. Witzige Kreaturen. Mit einer Grösse von bis zu 2.7 Metern haben die pinken Amazonasdelphine auch riesige Gehirne, die bis zu 40% mehr Kapazität haben als jene vom Menschen. Am nächsten Morgen machen wir die Bootstour zum Anavilhanas-Archipel, eines der weltweit grössten Flussarchipel. Über 400 dicht begrünte Inseln, 60 Seen und unzählige Flusskanäle umfasst das Archipel. Zur Regenzeit sieht man wie in unserem Falle die überfluteten Wälder, während zur Trockenzeit bei niedrigerem Wasserstand Strände zum Vorschein kommen. Bei der fliessenden National Park Ranger Station sehen wir Kaimane, die grösste Krokodilart des Amazonas. Wir fahren bei weiteren Flussdelphinen vorbei und werden dann zu einem indigenen Dorf gefahren. Wie so viele dieser Dörfer sind diese nur per Boot zu erreichen, die Menschen leben noch sehr traditionell und leben von der Fischerei, dem Herstellen von Holzplatten und Handwerk. Eine Frau führt uns rum, allerdings auf Portugiesisch, so dass wir kaum etwas verstehen. Wir treffen auf ein paar Tiere, die meisten aber wohl leider für die Touristen domestiziert. Dann gehts für uns zurück nach Manaus und von da an ganz in den Norden Brasiliens, nach Boa Vista in der Nähe der venezuelanischen/ guyanischen Grenze. Unterwegs überschreiten wir erneut den Äquator und befinden uns somit wieder auf der Nordhalbkugel. In Boa Vista machen wir Besorgungen, suchen ein paar Stunden lang vergeblich nach gutem Wifi (es ist manchmal kaum zu glauben, wieviel Zeit wir mit total grundlegenden Dingen verschwenden) und lassen unsere Klimaanlage für ein wenig Extrakühlung warten. In Boa Vista kommen wir gut mit Spanisch durch, da die ganze Stadt überrannt ist mit venezolanischen Flüchtlingen, die sich überwiegend sehr gut integriert haben. Es ist extrem, wie uns das tragische Thema Venezuela auf der ganzen Reise immer wieder begleitet, während wir in Europa fast nichts darüber hören. Wir übernachten auf einer Tankstelle, auf welcher wir einmal mehr die Bekanntschaft mit der brasilianischen Gastfreundlichkeit machen. Die Leute sprechen uns an und laden uns zu sich nach Hause ein, dass sei doch viel angenehmer als auf der Tankstelle zu übernachten. Andere wiederum wollen, dass wir dem lokalen Wohnmobilclub beitreten. Unglaublich wie viele herzliche Menschen wir trotz unserem minimalen Aufenthalt in der brasilianischen Zivilisation antreffen und trotz 100%-iger Sprachbarriere. Nach einem Açai-Frühstück, das sind lokale Beeren, die inzwischen weltweit als Superfood im Trend sind, fahren wir zur Grenze von Guyana.

Guyana und unser Savannenabenteuer

Auf dem Shea Rock

Guyana ist ein spezielles Land. Es ist das zweitkleinste Land Südamerikas, hat als einziges Land Südamerikas Englisch als Landessprache und es herrscht Linksverkehr. Der Übergang an der Grenze ist elegant: Man fährt rechts, dann wird die Spur auf eine Brücke geleitet und wo die Brücke mündet, ist man plötzlich auf der linken Seite. Die ehemalige britische Kolonie weist eine sehr diverse Bevölkerungsstruktur auf. Am Stärksten sind Inder, Kreolen und Afro-Guyaner vertreten, die ursprünglich als Sklaven oder Arbeiter nach Guyana kamen. Ca. 10% macht die indigene Bevölkerung (hier Amerindians genannt) aus. Dann gibt es ein paar Europäisch- und Asiatisch-Stämmige. Die Diversität spiegelt sich im leckeren Essen wieder – insbesondere der indische Einfluss ist da sehr hoch. Die Einreise funktioniert gut, aber wir müssen die Zollbehörde überreden uns eine längere Fahrgenehmigung als nur die üblichen 3 Tage zu geben. Normalerweise bekommt man nur 3 Tage und muss dann die Erlaubnis in der 600 km Dirtroad entfernten Hauptstadt Georgetown erneuern, was bedeuten würde, dass wir keine Zeit hätten den Süden des Landes zu erkunden. Dieser Prozess dauerte einen ganzen Tag aber ist immerhin erfolgreich. Wir erledigen währenddessen ein paar Dinge, essen Pepperpot, ein leckeres guyanisches Gulasch-Gericht, welches mit den Gewürzen ein wenig nach Weihnachten schmeckt. Wir finden so etwas wie eine Touristeninformation, denn eine grosse Herausforderung in Guyana ist es, herauszufinden, was man als Individualtourist ohne Millionenbudget für Touren überhaupt machen kann. Im Reiseführer und im Internet wurden wir nicht wirklich fündig. Man merkt, Touristen kommen hier selten zu Besuch und auch diese Frage nach individuellen Tätigkeiten ist hier ganz schön exotisch. Aber die Frau von der Tourismusbehörde ist zumindest sehr hilfreich, ruft ohne Widerrede zu erlauben schon den nächsten Tourguide an, ein paar Dorfhäuptlinge und ein paar Lodges. Leider liegt es für uns nicht drinnen alle diese Aktivitäten zu machen, aber sie erzählt von einem Heritage Festival, welches im selben Dorf stattfindet und so machen wir zunächst mal das. Das Heritage Festival feiert die amerindianischen Ureinwohner. Wir schlendern durchs Gelände, treffen auf ein paar Guyanesen, mit welchen wir fortan den Abend verbringen und die uns viel über Guyana erzählen beim Genuss verschiedener selbstgebrauter Weine. Insbesondere der Ananaswein war sehr lecker, aber es gab auch Maniok-Wein oder Getreide-Wein. Es ist wirklich eine komplett eigene, sehr abgeschiedene Welt hier. In ihren Augen haben sie sehr viele Touristen und dass bei uns kaum jemand Guyana kennt, können sie nicht glauben. Es ist schön sich wieder unterhalten zu können, da jeder Englisch spricht, aber manche haben einen solch ausgeprägten Dialekt, dass wir auch nicht viel mehr verstehen als das Portugiesisch in Brasilien. Im Rahmen der Festlichkeiten treten die verschiedenen Stämme mit Tänzen und Sketchen gegen einander an, was auch ganz unterhaltsam ist. Übernachten tun wir direkt im Auto am Festivalgelände und werden bis um 9 Uhr Morgens beschallt. Ja, hier wissen sie wie man feiert. Danach fahren wir in die Rupununi Savannah. Die Savannah, eine endlose Graslandschaft mit kleinen Flüssen und indigenen Dörfern, kleineren und grösseren Monolithen ist wirklich schön. Riesige Ameisenbären und Jaguare gibts hier auch, leider nur nicht in unserem Sichtfeld.
Gemäss Reisenden, die vor ein paar Jahren da waren, können wir hier wildcampen und in den Flüssen baden soviel wir wollen, aber wenn in der Nähe eines Dorfes, müssen wir den Chef des Dorfes, um Erlaubnis bitten. Ein Overlander-Paradies. Wir möchten auf den Shea Rock, einen grossen Monolith. Dank der Angestellten von der Tourismusinfo haben wir die Kontaktdaten des Häuptlings vom anliegenden amerindianischen Dorf. Angekommen im Dorf Shea kommt die Mutter des abwesenden Chefs und empfängt uns. Wir erfahren, dass wir sogar auf den Monolith hochfahren dürfen – eine schöne Überraschung. Wir müssen mit einem Guide gehen, den sie für uns holt. Und dann geht das Desaster los. Der Guide ist komplett betrunken und von seinem lallenden Englisch mit stark guyanischem Dialekt verstehen wir kein Wort. Anouk geht nach hinten, der Guide sitzt auf dem Beifahrersitz und dirigiert mit wagen Handbewegungen die Richtung mitten durch ein Feld voller Matsch. Wir fragen noch paar Mal, ob wir nicht besser den Spuren folgen sollen, aber der Guide beharrt auf seiner Richtung und so stecken wir prompt im Schlammfeld fest – innerhalb der ersten 5 Minuten unsrer Tour. Immerhin können wir nun das erste Mal für uns selbst die Seilwinde gebrauchen. Ja, nachdem wir unzählige andere Autos inklusive einem Schulbus in Kolumbien rausgezogen haben, bleiben wir das erste Mal auf der Reise selbst stecken – dank einem betrunkenen Guide. Da es so wenig Bäume gibt, brauchen wir sogar unser Stahlverlängerungsseil, über das wir in Cusco tagelang diskutiert haben, ob wir es nun tatsächlich noch kaufen sollen oder nicht. Nach 2 Anläufen kommen wir frei und nach ein paar Irrwegen und Anläufen schaffen wir es auch den steinigen Monolith hoch – eine wirkliche 4×4 Herausforderung. Die Aussicht auf das unendliche Savannen-Panorama ist atemberaubend. Das Abenteuer und die Kosten für den Guide haben sich gelohnt. Der Guide führt uns noch ein wenig herum, zu einer Höhle mit Jaguarspuren, aber leider verstehen wir immer noch nur ca. 5%. Wir schaffen es auch heil wieder den Berg runter und fragen den Guide, ob es einen lokalen Drink gibt, den wir zum Sonnenuntergang geniessen können. Da blüht er auf und wir fahren zurück zur Mutter des Dorfchefs, verpassen den Sonnenuntergang um Sekunden und bekommen beide einen Plastikkessel voller cremigem Maniok-Wein in die Hände gedrückt. Die Frau können wir sehr gut verstehen und sie erzählt uns viel darüber, wie die Amerindians hier draussen leben. Da wir die ersten sind, die nach 3 Jahren auf diesem Berg waren, bekommen wir beide selbstgemachte Anhänger geschenkt. So kam nach Anfangsschwierigkeiten doch noch alles gut. Wir machen uns auf den Rückweg um im Nirgendwo der Savannah zu übernachten und in der Dunkelheit schaffen wir es tatsächlich erneut: Wir bleiben stecken, diesmal ohne Zutun eines betrunkenen Guides. So kommt die Seilwinde erneut zum Einsatz und wir finden bald einen Übernachtungsplatz in der Savannah. Am nächsten Tag geniessen wir ein Bad im Rupununi Fluss und fahren dann zurück nach Lethem.

Die BR-319 Strecke:

Encontro des Aguas:

Anavilhanas-Archipel:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Rainbow Mountain

Von Regenbogen-Bergen in ein neues Kapitel: Brasilien

Nach Cusco sind wie ein zweites Mal, dieses Mal ohne Tour, ins Heilige Tal der Inkas. Das fruchtbare Tal erstreckt sich über 100 Kilometer und beheimatet unzählige Inka-Ruinen inkl. Machu Picchu.

Ollantaytambo

Zuerst stoppen wir in Ollantaytambo, einer Ortschaft mit gleichnamigen Inka-Ruinen am Ende des heiligen Tals. Die Stätte wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die lokalen Völker unter Kontrolle der Inkas zu bringen. Nach der Eroberung der Spanier von Cusco war Ollantaytambo kurz Zufluchtsort des Inkaherrschers Manco Inca bis die Spanier auch da ankamen. Zuerst konnte Manco Inca sie noch vertreiben, in dem er mithilfe der gebauten Kanäle das Tal flutete. Beim zweiten Versuch mit weit grösserer Armee funktionierte die Eroberung der Spanier und der Manco Inka floh nach Vilcabamba, dem letzten Zufluchtsort. Die Hauptruinen bestehen aus einer Festung mit einem Tempel am Hügel, Terrassen und einer Quelle mit Kanalsystem und vielen ausgeklügelten Brunnen, welche die Stätte mit Wasser versorgen (und dies immer noch tun).
Eindrücklich ist einmal mehr die präzise Steinhauerei – insbesondere bei 6 riesigen, über 50 Tonnen schweren Monolithen der Wand eines Sonnentempels. Einmal mehr ist der Transport dieser Steine ein Rätsel. Danach schlendern wir noch durch die Strassen von Ollantaytambo selbst. Die gepflasterten Strassen- jeweils mit einem Wasserkanal am Rand – und die Häuser sind teils noch im Originalzustand und gehören damit zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Bauten Südamerikas. Am Berg gegenüber der Hauptruinen befindet sich die steile Stätte Pinkuylluna, von welcher wir eine schöne Aussicht geniessen. Pinkuylluna war ein Lagerungsort für die geernteten Agrarprodukte. Durch die Höhe war das Essen schwieriger durch Feinde zu erreichen und durch mehr Wind und kältere Temperaturen waren die Lagerbedingungen besser.

Salzminen von Maras, Meerschweinchen und Pisac

Als nächstes besuchen wir die Salineras de Maras – die Salzminen von Maras. Es handelt sich dabei um über 3000 Salzwasserpools in Terrassen – die grösste pre-hispanische Salzminentätigkeit – wobei nicht klar ist, wann sie gebaut wurden. Es wurden Keramiküberreste von einer Periode, die bis zu 200 v.Chr. zurückgeht, gefunden. Die Pools wurden um einen Salzwasserbach gebaut, einem Überbleibsel des Ozeans, der vor Entstehung der Anden noch an dieser Stelle lag. Der Bach wurde umgeleitet in die vielen Pools, die mit Schlamm und Steinen gebaut wurden. Heute wird vom ortsansässigen Stamm immer noch nach derselben Methode, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, Salz abgebaut: das Salzwasser wird in ein Pool geleitet, bis es fast voll ist, dann verdampft das Wasser in etwa 3 Tagen. Dieser Prozess wird im Monat ein paar Mal wiederholt und am Ende bleiben ca. 200 Kilogramm Salz übrig. Wir fahren weiter und es gibt Mittagessen, und zwar etwas was uns seit Ecuador verfolgt: Cuy – auf deutsch Meerschweinchen. Meerscheinchen werden in den ganzen Anden gegessen – teils am Strassenrand am Drehspiess gegrillt, teils frittiert. Tatsächlich kommen sie von Südamerika, wurden hier schon immer gegessen und wurden erst von den Spaniern zurück nach Europa gebracht, wo sie später als Haustiere gehalten wurden. Dasselbe gilt übrigens für Kartoffeln. Kartoffeln kommen aus Peru und die Inkas sind wohl die ersten, welche die Kartoffeln in grossem Umfang kultiviert haben. Nachdem sich die Kartoffel in Südamerika als Nahrungsmittel etabliert hat wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht, wo sie zuerst auf Aberglaube stiess, aber bald schon in die Küche integriert wurde.
Wir bestellen nur ein halbes Meerschweinchen, längs geteilt, und sind froh drüber. Mit den vielen Knochen ist es sehr umständlich zu essen – definitiv nichts, was wir wiederholen müssen. Da sind uns Kartoffeln lieber. Unser letzter Besuch im Heiligen Tal statten wir Pisac ab. Pisac ist ebenfalls eine ehemalige Inka-Stätte und wurde wohl als Zeremonie- und Militärzentrum gebraucht und diente mit den vielen Terrassen auch der Landwirtschaft. Zurück in Cusco legen wir auf dem Campingplatz noch einen Wäsche- und Grossputztag ein. Abends geniessen wir mal wieder die Gesellschaft von anderen Reisenden, unter anderem auch von Holländern, die wir bereits in Panama City getroffen haben. Da unser Ruinen-Kombinationsticket auch eine Theateraufführung beinhaltet, schauen wir uns im Theater noch eine Show von Volkstänzen verschiedener Provinzen von Cusco an bevor es für uns weiter geht.

Vinicunca – der Rainbow Mountain

Es geht nun nochmals richtig weit hoch – zu Vinicunca bzw. dem sogenannten Rainbow Mountain auf 5200 Metern. Der Berg ist berühmt für seine 7 Farben, die dank verschiedener Mineralien-Zusammensetzungen entstehen (rot: Tonstein/Eisen, gelb: kalkhaltiger Schwefel, grün: Phyllitschiefer/Eisenmagnesium etc.). Der Grund der Entdeckung hinter dem Regenbogen-Mountain ist relativ tragisch – er kam erst um 2015 richtig gut zum Vorschein, da mit Klimaerwärmung Eis und Schnee auf dem Berg weggeschmolzen sind. Instagram und ein paar schlaue Marketeers haben dann schnell dazu beigetragen, dass der Berg die wohl zweitgrösste Attraktion nach Machu Picchu um Cusco geworden ist. Täglich kommen Tausende Touristen, die den Berg besuchen. Merkwürdigerweise finden aber alle Touren am Morgen statt. Als wir am Nachmittag hoch fahren ist die Fahrt auf der einspurigen Strasse zwar mühsam, da wir ca. 50-100 runterfahrende Touristenbusse passieren müssen, aber oben angekommen haben wir den Berg komplett für uns alleine. Vom Parkplatz auf ca. 4700 Meter müssen wir noch 3km zum eigentlichen Rainbow Mountain laufen, was auf der Höhe doch recht anstrengend ist. Aber wir werden belohnt, er ist tatsächlich spektakulär! Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über das wunderschöne Red Valley, ein Tal in tiefroten Farben. Leider ist es auch bereits ein wenig zu spät für schöne Fotos, es wird dunkel und der Runterweg ist abenteuerlich. Sehr steil und mit Schnee, der langsam anfängt zu gefrieren ist es ganz schön heikel, aber wir schaffen es heil zurück.

Noch nicht genug von den farbigen Bergen Perus fahren wir am nächsten Tag nach Pallay Punchu. Die rotgrüne, markante Bergformation ist noch nicht touristisch erschlossen, so sind wir weit und breit die einzigen. Es ist eine wunderschöne Landschaft – das typische gelb durch die Andengräser, die blaue Lagune Langui, die rot-grünen Berge und das ganze noch teilweise beschneit. Wir klettern hoch zu den Kliffs und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder nach unten müssen, weil eine Sturmfront auf uns zu kommt. Wir kommen noch in einen kleinen Schneesturm – ein schöner kühler, vorübergehender Abschied der Anden.

Abschied von Peru und der Anfang in Brasilien

Denn nun geht es weiter, in die lange Fahrt in den Amazonas – zuerst 1.5 Tage lang in Peru. Der grösste Regenwald der Welt, der Amazonas, liegt nur zu 60% in Brasilien, der Rest liegt in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana und Suriname. Der Amazonas Fluss entspringt übrigens ebenfalls in Peru – in den Anden. Wir sind schockiert wie viel im peruanischen Amazonasgebiet gerodet wurde und wieviel Mienentätigkeiten wir hier stattdessen sehen. Tatsächlich sind Goldminen, sowohl legale als auch illegale ein grosses Problem im peruanischen Amazon, sie sorgen für Abholzung des Regenwalds und für eine Verschmutzung durch Quecksilber.
Man könnte das ja rechtfertigen, wenn es der lokalen Bevölkerung zugute kommen würde, aber man hat nicht das Gefühl, dass vom Goldprofit gross etwas bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Schade. In Puerto Maldonado, der Ausgangsstadt für den peruanischen Amazonas machen wir noch letzte Besorgungen bevor wir am Samstagmorgen die Grenze überqueren.
Der Abschied von Peru fällt schwer. Wie erwartet ist Peru ein grandioses Land mit sich übertreffenden Highlights. Überrascht hat uns, dass es so viele „off-the-beaten-Track“ Highlights gab, die den Klassikern in nichts nachstehen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte es noch viel mehr zum entdecken und auch einige weitere Mehrtageswanderungen gegeben, die uns gereizt hätten. Schön ist wie die indigene Kultur auf dem Land und in den Anden noch stark gelebt wird und spannend ist die Vielzahl an Relikten früherer Kulturen, wie der Nazca oder der Inka. Die Landschaft ist vielfältig- Meer, Wüste, Schneebergen, Hochebenen, aktiven Vulkanen oder Dschungel gibt es alles. Die peruanische Küche ist hervorragend, und eine erfrischende Abwechslung zur zentralamerikanischen und nord-südamerikanischen Küche. Das kühle Andenklima werden wir vermissen, der Land Cruiser wird aber froh sein auf geringeren Höhen wieder mal ordentlich Luft zu bekommen. Im peruanischen Amazonasgebiet bekommen wir schon einen Vorgeschmack was uns erwartet. Kaum öffnen wir die Autotüre, sehen wir wie sich überall alles bewegt – unidentifizierbare Insekten, Riesenheuschrecken, oder Riesenameisen. Während uns am Tag zuvor noch seichte Schneeflocken entgegen flogen sind es jetzt Rieseninsekten, die uns auf die Windschutzscheibe platzen. Ja, die Pause zwischen Dschungelgebiet Zentralamerikas und dem Amazonas war ein wenig kurz, aber wir freuen uns auf alles andere was der Amazonas zu bieten hat.
Es ist wieder mal eine sehr abgelegene und dementsprechend gelassene Grenze an einem Dreiländereck – Peru, Bolivien, Brasilien. In 5 Minuten haben wir den Peru Teil durch. Dann geht es für uns ins 5. grösste Land der Welt (nach Fläche und Bevölkerung) und in ein ganz neues Kapitel: Brasilien. Ein wenig verunsichert sind wir durch die vielen Warnungen, wobei diese ja nie von anderen Reisenden kommen oder von Leuten, die im entsprechenden Gebiet wohnen – im Gegenteil. Die wenigen Reisenden, die wir gefunden haben, die eine ähnliche Route in Brasilien gemacht haben, haben uns alle ermutigt diesen Abstecher durchzuziehen. Weiteres Hindernis neben der Angst ist die Sprachbarriere. Wir sprechen neben Bom Dia und Obrigado kein Wort portugiesisch. Aber der Eindruck in den ersten 2 Tagen, obwohl wir hauptsächlich fahren, ist wunderbar und unsicher fühlen wir uns nie – im Gegenteil. Mit Portugiesisch kommen wir aber tatsächlich nicht klar. Wir hatten zwar nie Probleme in Portugal und es heisst ja Portugiesisch sei ähnlich wie Spanisch, aber zumindest hier hört es sich für uns an wie eine komplett andere, eher vielleicht osteuropäische Sprache. Nur wenn die Leute ganz langsam und simpel reden, können wir manche Begriffe über Spanisch entziffern. Die Menschen, auf die wir treffen, können oder wollen nicht Spanisch oder Englisch reden. Google Translate ist ebenfalls deutlich schlechter als im Spanischen und übersetzt teilweise nur Mist. Es wird uns schnell bewusst, dass wir uns auf einer zukünftigen Reise mehr Zeit für Brasilien nehmen wollen und wir nehmen uns vor für diese Reise Portugiesisch zu lernen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir keine Simkarte kaufen können, ohne eine lokale Identifikationsnummer zu haben. Ohne Internet ist das Zurechtfinden zusammen mit der Sprachbarriere noch schwieriger. Da die Offline-Übersetzungen von Google Translate bei Gerichten nichts taugen, bestellen wir so im Restaurant wie teilweise in Asien einfach irgendetwas und lassen uns vollständig überraschen.
Die Leute sind extrem herzlich. So oft enthusiastisch begrüsst, zugewinkt oder durch Passanten auf Instagram angeschrieben wurden wir noch nie in so kurzer Zeit. Ein anderer Reisender hat es sehr treffend formuliert: „Brazil puts them all in the shade when it comes to enthusiastic welcomes. Even when we can’t understand a word they say, Brazilians say it with a big smile and a thumbs-up!“ Es macht uns ganz wehmütig, dass wir so wenig Zeit für Brasilien haben.
Ansonsten kommt uns Brasilien auf den ersten Blick deutlich entwickelter und wohlständiger als Peru vor, wobei auch die Preise teurer sind. Gemessen am im Gegensatz zum spanisch sprechenden Lateinamerika hohen Anteil an „normalen Autos“ (normal=weder am auseinanderfallen noch total luxuriös), ist der Mittelstand hier grösser. Die Leute fahren zivilisierter, aber die Strassen mit unzähligen Schlaglöchern sind eine Katastrophe und deutlich schlechter als in Peru. Autobahn zu fahren ist hier fast wie in einem Videogame – man muss ständig Hindernissen – hier metergrossem Schlaglöchern und anderen Autos, die ebenfalls Schlaglöcher umfahren, ausweichen. Andere ausländische Touristen sehen wir gar keine in diesen Gebieten Brasiliens (mit Ausnahme von 1-2 in Manaus). Übernachten tun wir hier oft bei Tankstellen, das ist hier ganz normal. Da gibt es Toiletten, Dusche, wenn man Glück hat Wifi, es ist relativ sicher, und das alles kostenlos.
Politik ist hier ebenfalls sehr präsent, wobei bald Wahlen anstehen. Anstatt wie in Peru an den Häusern, befindet sich die Werbung hier an den Autos. So lächeln uns von überall Bolsonaros oder Alternativen entgegen, am Strassenrand schwingen die Menschen entsprechende Fahnen oder singen den Wahlsong vom entsprechenden Kandidaten mit seiner Kandidatennummer schön in den Songtext integriert. Am zweiten Tag fahren wir auch direkt an einen Roadblock. Obwohl sie in Lateinamerika häufig vorkommen und andere Reisende auch schon wochenlang aufgehalten haben, wurden wir bis jetzt verschont. Ausgerechnet jetzt, wo wir so viele Stunden Fahrt vor uns haben, müssen wir doch noch leiden. Mehrere Stunden warten wir, bis die Polizei es schafft die Demonstranten dazu bringen, die Autos durchzulassen. Ja wir sind gespannt, was uns Brasilien noch bringt. Jetzt erwartet uns wohl zuerst mal den Grund wieso wir die Seilwinde gekauft haben: Die berüchtigte Strasse BR-319.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Wir habens nach Machu Picchi geschafft!

Von schwimmenden Inseln ins Herz des Inkareichs

Der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln

Unsere Woche beginnt mit einer Überraschung: Im See mitten in den hohen Anden, neben welchem wir übernachtet haben befinden sich unzählige Flamingos! Danach besuchen wir einen weiteren See – den Titicaca See, der mit einer Höhe von 3800 Meter höchste schiffbare See der Welt. Zugleich handelt es sich um den grössten See Südamerikas, ist er doch 15.5 mal grösser als der Bodensee. Der See entstand vor 60 Mio. Jahren als ein massives Erdbeben die Anden teilte und das Loch mit Gletscherwasser füllte. Gemäss Inka-Legenden ist der Titicaca See Geburtsort des wichtigsten Gottes der Inkas und zugleich des ersten Inkakönigs und Gründer des Inkareichs und wird deswegen als heilig angesehen. Heute liegt er zur Hälfte in Peru und zur anderen Hälfte in Bolivien.
Am See besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros. Die Inseln mitsamt Booten und Häusern sind vollständig aus Schilf gebaut. Damit sie nicht davon schwimmen, werden sie am Seeboden befestigt. Auf den Inseln wohnt das Uros-Volk, welches bereits vor den Inkas da wohnte. Als sie dazumal von ihrem Ursprungsort im Amazonas zum Titicaca-See kamen, wollten ihnen die Ortsansässigen kein Land geben und so haben sie sich diese Inseln gebaut. Auf einer 30cm Erdschicht wird das Schilf umgeknickt und mit zusätzlichem Schilf belegt, bis die Schilfschicht ca. 50cm bemisst. Da sich das Schilf zersetzt, müssen regelmässig neue Schichten draufgelegt werden und nach 30-40 Jahren müssen die Inseln komplett erneuert werden. Insgesamt gibt es ungefähr 80 dieser Inseln, wobei jeweils 2-3 Familien auf einer leben. Heutzutage gibt es auch 2 Schulen auf den Inseln und die Menschen leben vor allem vom Tourismus und dem Kunsthandwerk, welches sie den Touristen verkaufen. Wir machen eine Privattour mit einem Einheimischen und besuchen so 2 der kleinen Inseln und lernen einiges mehr über das Leben vor Ort. Es ist ein spezielles Gefühl auf diesem Schilfboden zu laufen, der sich stets mitbewegt. Leider war die Tour ein wenig kurz gehalten und die Inseln ein wenig ausgestorben – der Grund ist schnell klar: Im Dorf am Festland findet ein grosses Fest statt und die gesamte Inselbevölkerung ist auf dem Weg dahin. So machen wir uns ebenfalls auf den Weg zum Fest. Wir verstehen nicht genau, was gefeiert wird, aber es ist spannend für uns. Die meisten Menschen sind wie immer hier in der Gegend traditionell, bunt und fantasievoll gekleidet. Verschiedene Schulklassen und später erwachsene Gruppen jeweils von einem Dorf oder einer Insel marschieren zur Marschmusik der Polizei durch die Menschenmengen, während auf dem Podium hochrangig-aussehende Politiker im Anzug zuschauen.
Danach fahren wir weiter, zum Cañón Tinajani, ein schönes Tal mit interessanten Steinformationen. Da das Land geteilt ist zwischen verschiedenen Familien und jede Familie separat Eintritt verlangt und zudem die meisten wenig freundlich sind, ist es ein wenig frustrierend. Aber wir finden eine lokale Käserei mit nettem Besitze, wo wir zu verdammt günstigen Preisen viel leckeren gealterten Käse kaufen. In Lateinamerika ist es direkt beim Produzent, auf Märkten oder in kleinen Dorfläden im Gegensatz zu Europa stets viel günstiger als in grossen Supermärkten. Dies weil grosse Supermärkte ein neues und vom Westen importiertes Phänomen sind und die Perzeption herrscht, dass etwas, was neu ist, teuer sein muss. So macht es umso mehr Spass lokal einzukaufen und auf den Komfort von modernen Supermärkten zu verzichten.
Weiter fahren wir nach Cusco. Leider hat Raphi eine üble Infektion mit Fieber. Den Symptomen nach kommt es wahrscheinlich von Lebensmitteln, von was genau wissen wir nicht. So nehmen wir ein Hotel und Raphi kann sich zum Glück vor unserem nächsten Highlight auskurieren:

Der Inca-Trail

Als Hochzeitsgeschenk haben wir den Inka Trail nach Machu Picchu erhalten. Der 4-tägige Inka-Trail war leider bereits Monate im Voraus ausgebucht und so machen wir den 2-tägigen Trek, was ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis isr. Es gibt ja nicht nur einen Weg für die Inkas, sondern viele und der kurze Weg, welchen wie nehmen, stösst erst kurz vor Machu Picchu zum klassischen Trail hinzu. Den Inka Trail kann man nur im Rahmen einer Tour wandern, aber da wir eine kleine Gruppe sind von 5 Personen (mit 2 US-Amis und einer Australierin) ist es eine angenehme Erfahrung. Wir werden in Cusco abgeholt, fahren zuerst im Bus und dann mit dem luxeriösen, extrem teuren, touristischen, kitschigen Machu Picchu Zug nach Chachabamba im heiligen Tal der Inkas. Da fängt unsrer Trek an, der sich zum grossen Teil immer noch im Originalzustand befindet. Immer wieder sehen wir Ruinen am Weg oder in der Ferne. Gleich zu Beginn befindet sich eine, die vermutlich ein Kontrollpunkt war, inklusive Brunnen, damit sich die Pilger reinigen konnten. Es wird vermutet, dass die Pfade nach Machu Picchu nicht jedem zugänglich waren. Wir lernen, dass Inkatrails Pfade waren, die sich von der Inka-Hauptstadt Cusco in alle Richtungen ausbreiteten und dass es 3 Arten davon gab. Der Inkatrail für den Handel wurde breit angelegt, schliesslich hatten die Inkas nur Lamas als Lastentiere und da diese nicht viel tragen konnten, wurden grosse Herden und damit breite Wege benötigt. Diese Art von Inkatrail ist heute die Autobahn /Panamericana. Dann gabs die militärischen Inkatrails, die sich in Tälern befinden, damit die Militärs nicht unnötig Kraft verschwenden. So folgt der Zug durch das heilige Tal heutzutage einem solch militärischen Inkatrail. Und dann gabs die schmalen religiösen Inkapfade durch die Berge für Pilger, wie eben dieser Inkatrail, den wir heute begehen.
An der Talwand schlängelt sich der Pfad langsam hoch, vorbei an schönen Blumen und Wasserfällen, durch Nebelwald und mit schöner Aussicht auf viele Inkaruinen, im Tal oder an den Talwänden (hauptsächlich Terrassen für die Landwirtschaft). Ein Highlight sind die steilen Winay Wauna-Ruinen. Die Stätte diente wohl zur Lebensmittelversorgung, als Rastplatz und zur Reinigung vor dem weiteren Weg nach Machu Picchu. Exakt in der Mitte zwischen Winay Wauna und unserem nächstem Stopp, dem Sun Gate haben die Inkas einen Rastplatz errichtet, sie konnten also schon damals präzise messen. Nach einer enorm steilen Treppe, auch Gringo Killer genannt erreichen wir dann das Sun Gate, wo wir das erste Mal einen Ausblick auf Machu Picchu haben. Für Anouk war es ein Traum Machu Picchu zu besuchen seit sie als Kind in einem Reisemagazin ein Bild davon gesehen hat und daraufhin ihre Pinnwände und Agenden damit beklebt hat. Nun 20 Jahre später ist der Traum in Erfüllung gegangen, was für ein Gefühl Machu Picchu endlich mit eigenen Augen zu sehen! Leider ist es aufgrund von Waldbränden sehr dunstig, aber es ist trotzdem sehr imposant. Das Sun Gate diente wohl als Kontrollpunkt für Machu Picchu-Besucher. Vom Sun Gate laufen wir vorbei an einer Begräbnisstätte und weiter zum Guardians House von Macchu Picchu. Dort wachten die Wächter wohl dazumal über der Stätte und wo heute, dank des guten Überblicks die typischen Fotos geschossen werden. Dann laufen wir runter ins Tal zum Dorf Aguacalientes, wo wir lecker essen und übernachten. Wir probieren das erste Mal Alpaca-Filet, was extrem lecker ist. Alpacas sind kleiner und flauschiger als die Lamas, während Lamas grösser sind und einen länglichen, pferdeartigen Kopf haben. Lamafleisch wird nicht gegessen, da Lamas Syphillis haben.

Machu Picchu

Am nächsten Tag gehts wieder hoch nach Machu Picchu – erst dann haben wir die richtige Führung durch die Ruinen.
Machu Picchu, eines der sieben neuen Weltwunder (nach Chichen Itza in Mexico das zweite dieser Reise), ist wahrlich eine Sensation. Es handelt sich zwar nicht um die wichtigste Inka-Ruine von dazumal, denn diese befinden sich in der damaligen Hauptstadt Cusco. Aber es ist definitiv die am Besten erhaltene Ruine. Erst 1911 wurde die überwucherte Ruine wieder erschlossen. Davor war sie gute 400 Jahre lang verlassen. Auch heute noch sind 70% der Ruinen im Originalzustand, was ein sehr hoher Anteil ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie sich im für Bauten schädlichen Regenwald befinden und unzählige Erdbeben und sonstige Naturkatastrophen überlebt haben. Diese Widerstandsfähigkeit ist der extrem guten Bauweise der Inkas zu verdanken. Die vielen Terrassen haben nämlich nicht nur zusätzlichen Platz für Landwirtschaft ermöglicht, sondern den Städten auch mehr Stabilität gegeben. Die Bauten sind unter der Erde zwecks der Stabilität in etwa gleich nochmals so riesig wie an der Oberfläche. Verschiedene Erd- und Steinschichten sorgen zusätzlich für optimales Absickern von Wasser. Weiter haben die Inkas wohl rausgefunden, wo es einen Riss in der Erdplatte gibt, auf diesem Spalt nicht mehr gebaut und so ermöglicht, dass es eine Pufferzone gibt, die verhindert, dass sich die Bauten gegenseitig beschädigen. Am krassesten ist aber die Steinhauerei: Die Steine sind so exakt aufeinander zugeschnitten (ohne Metallwerkzeug), dass kein Mörtel oder sonstiges Klebeprodukt gebraucht wird, sondern die Steine nur aufeinander gelegt werden. Winkelförmige Ecksteine geben den Bauten die restliche Stabilität. Dies alles wurde bewerkstelligt ohne Nutztiere, ohne Eisenwerkzeuge und die teils riesigen, viele Tonnen schwere Steine wurden von Hand transportiert. Je präziser die Steine geschnitten sind, desto wichtiger das Gebäude. Der Sonnentempel ist zum Beispiel sehr wichtig, was man sofort an der präzisen Bauform erkennt. Neben der Anbetung des Sonnengotts hatte der Tempel wohl noch weitere Funktionen: Die beiden Fenster sind exakt so gelegen, dass bei Sonnen- und Wintersonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. So konnten die Jahre gezählt werden und das Sturmphänomen El Nino, welches alle 3-4 Jahre stattfindet, vorausgesagt werden. Damit konnten die Herrscher die Stadt auf die schlechten Zeiten vorbereiten und wurden zugleich als göttlich angesehen, in dem sie ihr Vorhersagetrick geheim hielten. Da Machu Picchu dermassen lange verlassen war, ist jedoch auch heute noch vieles ein Rätsel. Aber was wir da für ein Meisterwerk sehen, begeistert uns – Machu Picchu ist zurecht ein neues Weltwunder.

Cusco

Nach der Tour haben wir noch ein paar Tage Zeit die ehemalige Hauptstadt der Inkas zu bewundern. Cusco ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, ist sie doch seit über 3000 Jahren bewohnt. Von hier aus haben die Inkas vom 13. bis anfangs 16. Jahrhundert über ihr gesamtes Reich, welches sich zu Spitzenzeiten über grosse Teile Perus, Ecuadors, Bolivien, Argentinien und Chile erstreckte und etwa 10 Mio. Menschen umfasste, geherrscht. Nachdem die Spanier Cusco 1533 erobert haben, wurden viele Gebäude der Inkas zerstört oder mit neuen Gebäuden überbaut. So auch der Qoricancha Sonnentempel, der wohl wichtigste religiöse Tempel der Inkas. Wir besichtigen den Tempel, der wirklich speziell aussieht. Die grundlegenden Mauern sind Überbleibsel der Inkas und in deren akribischen Art was Steinhauerei anbelangt, gebaut. Darauf wurde eine Kirche im typischen Kolonialstil der Spanier (Convento de Santa Domingo) draufgesetzt. Qoricancha war vor Ankunft der Spanier scheinbar komplett mit Gold überzogen, aber die Spanier haben das Gold geplündert und den grössten Teil vom Originalbau zerstört. Weiter schauen wir uns Sacsayhuaman an, die grösste Militärbasis der Incas auf einem Hügel mit Überblick über Cusco. Die Festung wurde mit riesigen, bis zu 4.5 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Steinen gebaut, die ebenfalls präzise passend gemacht wurden und zu welchen heute nicht geklärt ist, wie sie von zum Teil 20km weit entfernten Steinbrüchen nach Cusco transportiert wurden. Ansonsten gefällt uns Cusco auch sehr, neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten gibt es hübsche Gassen zum erkunden und eine riesige Vielfalt an Restaurants und Bars. Das Wochenende verbringen wir mit Jhanet, einer entfernten Coucousine von Anouk, entdecken mit ihr das Nachtleben Cuscos und feuern Jhanet am Sonntag bei einem Motocross Rennen an.

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Laguna de Morón

Von der Wüste ins Kloster

Paracas National Reservat und Oasen

In der Laguna de Morón

Nachdem wir endlich von Lima loskönnen, ist unser erster Stopp das Paracas National Reserve. Das Reservat ist vor allem für sein Meeresleben bekannt – Wale, Delphine, Vögel, Humboldt Pinguine, Seelöwen und die als peruanische Galapagos Inseln bekannten Ballestas Inseln befinden sich hier. Wir erkunden das Reservat nur von Land aus. Bei einer Lagune beobachten wir Flamingos, geniessen die schöne karge Landschaft am Meer, mit steilen Kliffs und vielen Vögeln, inbesondere die Inkaseeschwalbe. Die Wüste und Strände sind zum Teil fast rot – ein schönes Farbenspiel mit dem hellblauen Meer. Unser nächster Stopp ist die Oasis de Morón, eine Lagune, die vom Untergrund mit Wasser versorgt wird und üppig von Vegetation umgeben wird. Ein wunderschöner Anblick so mitten in den hübschen Sanddünen. Schön, dass hier noch nichts kommerzialisiert ist und wir nur ein paar wenige Locals antreffen, keine Touristengruppen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und campen in den Dünen. Am nächsten Tag besuchen wir die viel bekanntere Oasis de Huacachina. Nach der Oasis de Morón sind wir ziemlich enttäuscht. Die Oase ist mittlerweile nur noch ein Touristendorf, dass zwar halb zusammenfällt, während die Dünen voll mit Müll sind, aber irgendwie trotzdem noch Horden von Touristen anzieht. Das Wasser der Oase selber ist dreckig und wird inzwischen über Rohre eingespeist, da die Lagune eigentlich durch den Tourismusboom ausgetrocknet ist.

Cañón de Los Perdidos

Anouk und der Land Cruiser am Rande des Cañón de los Perdidos

Nach Huacachina machen wir einen abenteuerlichen Ausflug. Wir wollen zum Cañón de Los Perdidos (was treffenderweise soviel wie Schlucht der Verlorenen bedeutet). Dafür müssen wir stundenlang durch absolutes Niemandsland fahren. Zum Glück haben wir die GPS-Wegpunkte runtergeladen, weil der Weg ist nicht mal auf unsrer detailliertesten App, die normalerweise sogar alle Wanderwege erkennt (Maps.Me) eingezeichnet. Es gibt zudem keine Strasse sondern nur eine Vielzahl von Spuren anderer Fahrzeuge, von welcher man aber nicht weiss, welches die richtige ist. Es fühlt sich an, wie auf dem Mond zu fahren, gar nichts weit und breit, siehe ein kleiner Clip unten. Mithilfe dieser GPS-Wegpunkte kommen wir am Ziel an. Überraschenderweise treffen wir hier einen kleinen Tourbus an. Dem Bus sind auf dem Weg 2 Reifen geplatzt und nun sitzt er fest. Der arme Reiseführer beklagt sich bei uns über seine aufgebrachten Touristen. Leider können wir ihm nicht helfen, da die Reifen nicht mehr reparierbar sind, aber zum Glück kommt bald ein Freund mit Ersatzreifen angefahren und wir haben den Canyon für uns alleine. Mitten im Nirgendwo befindet sich hier diese schöne malerische bis 450 Meter Tiefe Schlucht, die uns ein wenig an Utah erinnert. Wir wandern ein wenig und da es für den langen Weg zurück zu spät ist übernachten wir hier alleine mitten im Nirgendwo unter prächtigem Sternenhimmel.

Nazca

Der weitere Weg führt uns nach Nazca zu den weltberühmten Nazca Linien und den weniger bekannten Palpa Linien. Die Nazca Linien sind praktisch perfekte, kolossale Zeichnungen (die Längste ist 3.6 Kilometer lang), welche erst 1930 durch Flugzeuge entdeckt wurden, da man sie nur aus der Luft richtig sieht. Die Linien stammen von der Nazca-Kultur und wurden ca. zwischen 300 vor bis 500 nach Christus erschaffen. Wie es dieses Volk geschafft hat, die Zeichnungen so präzise ohne Luftfahrt zu vervollständigen ist unfassbar und nicht geklärt. Kein Wunder kommen da immer wieder Alien-Theorien auf. Neben ganzen 70 Tier- oder Pflanzenzeichnungen von z.B. Affen, Walen, Lamas, Fröschen etc. sind etwa 900 geometrische Figuren vorhanden.
Da wir auf den Flug aus Kostengründen verzichtet haben, müssen wir mit dem Aussichtsturm vorlieb nehmen – hier sehen wir aber leider nur einen Frosch, eine Echse und einen Baum.
Die Palpa Linien ein paar Kilometer weiter, obwohl kleiner, finden wir fast imposanter. Da sie in Schräglage am Hügel angebracht sind, sahen wir die Linien besser und konnten die gezeichnete Paracas-Familie klar erkennen. Die Palpa-Linien wurden sogar ein paar Jahrhunderte vor den Nazca-Linien von der Paracas-Kultur geschaffen. Unter den Palpa Linien befindet sich auch ein perfektes Mandala, ein Symbol, welches eigentlich aus Indien stammt, was weitere Rätsel aufwirft. Wieso diese Nazca und Palpa-Linien geschaffen wurden und wie die Figuren ohne Luftperspektive dermassen genau erschaffen werden konnten, bleibt ebenfalls bis heute ein Rätsel.
Nur die Erschaffungsart ist bekannt: Für die Nazca Zeichnungen wurde so tief gegraben bis die weisse Erdschicht unter der braunen zum Vorschein kam (was nur ca. 10 bis 15 cm tief ist). Für die Palpa-Linien hingegen wurden Steine aufeinandergehäuft. Überall sonst wären die Figuren längst erodiert, aber da es sich hier um eine der trockensten Gegenden der Welt handelt, war der Erhalt über Tausende von Jahren möglich.
In der Gegend gibt es noch weitere historische Wunder. Wir besuchen die Nekropolis von Chauchilla – einen Friedhof, vermutlich ebenfalls von der Nazca-Kultur, in welchem sich Hunderte von Mumien befanden. Obwohl die Mumien über 1200 Jahre alt sind, sind sie erstaunlich gut erhalten, manche haben sogar noch Haarbüschel auf dem Kopf, was ebenfalls dem trockenen Klima und der guten Mumifizierungstechnik zu verdanken ist. Einige sind in den mittlerweile offenen Gräbern heute noch zu besichtigen. Alle Grabbeigaben und sonstigen Kostbarkeiten wurden über die Jahre von Grabräubern geplündert und dabei auch einige der Mumien zerstört, um deren Schmuck zu entfernen. Weiter besichtigen wir die Äquadukte von Cantalloc – ein ca. 1500 Jahre altes Ingenieursmeisterwerk der Nazca-Kultur. Von den 46 Äquadukten um die Stadt Nazca sind immer noch 32 in Betrieb. Sie wurden erbaut, um die herumliegenden Felder mit Wasser zu versorgen. Ganze 12 Meter liegen sie unter dem Boden und sind mehrere Kilometer lang. Wir bekommen nur die Ventilationsschäfte zu sehen, ein Kunstwerk für sich in ihrer exakten Spiralform, wenn man bedenkt wie alt sie sind. Sie wurden wohl (und werden immer noch) dafür gebraucht, Wind in die Untergrundkanäle zu leiten, welcher dann Wasser von Untergrundwasserreservoiren zu jenen Stellen leitet, wo es benötigt wird.
Entlang der Küste fahren wir dann weiter. Ca. 12 Stunden Fahrt liegen vor uns bis zum nächsten Ziel – der zweitgrössten Stadt Perus – Arequipa. Man könnte erwarten, dass man auf der Panamericana, der wichtigsten Autobahn des Landes, vorwärts kommt, man zahlt ja schliesslich auch Maut. Aber nein, hier ist es gang und gäbe, dass einfach ohne Ankündigung Abschnitte dieser Autobahn für ein paar Stunden geschlossen werden, damit zum Beispiel neuer Belag eingebaut werden kann. In solche Situationen fahren wir 3 Mal. Die ersten beiden Male können wir und die restlichen Hunderte von Autos nach ca. einer halben Stunde warten weiterfahren. Beim dritten Mal warten wir tatsächlich etwa 3.5 Stunden, bevor wir und die unendlich lange Schlange an Autos kurz durchgelassen wird und dann der Abschnitt wieder gesperrt und weitergebaut wird. Ein System welches für uns ärgerlich und für Raphi als Strassenbauspezialist unverständlich ist, aber ok. Wenigstens sind wie überall in Lateinamerika, obwohl wir mitten in der Wüste sind, die Strassenverkäufer nicht weit und laufen fleissig von Auto zu Auto um uns kulinarisch zu versorgen.

Arequipa

Im Monasterio de Santa Catalina

Irgendwann kommen wir in Arequipa an. Arequipa war uns (oder hauptsächlich Anouk) schon im Voraus extrem sympathisch – eine Stadt, die gleich heisst wie der kolumbianische Namen für die leckere Süssigkeit Dulce de Leche (Arequipe), kann nur schön sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Stadt ist umgeben von Vulkanen und ist, da sie komplett aus Sillarstein (weissem Vulkangestein) gebaut wurde auch als Ciudad Blanca (die weisse Stadt) bekannt. Neben Spaziergängen durch die Stadt und einem Pisco Sour zum Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt geniessen wir den Besuch des Klosters Monasterio de Santa Catalina. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert von der Witwe Maria de Guzman gegründet und ist so stark gewachsen, bis es eine eigene ummauerte Stadt in der Stadt war. Bis zu 450 Nonnen haben einst hier gelebt. Erst 1970 wurde das Kloster der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Noch heute ist das Kloster aktiv, es wohnen aber nur noch ca. 20 Nonnen da. Das Kloster ist extrem pittoresk mit seinen im Gegensatz zur weissen restlichen Stadt roten und blauen Farben, Blumen, Orangenbäumen und Fresken. Es wird gut geschildert, wie hier früher gelebt wurde und die Utensilien von dazumal wie Tonöfen, Wasserfilter, Wasch“-maschinen“ etc. sind alle noch zu besichtigen.

Colca Canyon

Blick auf Sangalle

Nach Arequipa fahren wir zum Colca Canyon. Der Colca Canyon ist einer der tiefsten Canyons der Welt (manche Quellen sagen der zweittiefste, aber andere sagen wieder etwas anderes). An manchen Stellen ist er 2-fach so tief wie der Grand Canyon in der USA. Da wir den falschen Weg wählen sind wir viel zu lange unterwegs, fahren wir über 4800 Meter hohe Pässe, kommen aufgrund deswegen teils nur im Schritttempo voran und merken, dass unsere Mechaniker in Lima beim Austausch der Bremsflüssigkeit gepfuscht haben und etwas nicht stimmt. Die Landschaft ist aber wunderschön und inzwischen machen wir richtig häufig Bekanntschaft mit Lamas und Alpakas. Beeindruckend sind zu Beginn des Tals die Terrassen für die Landwirtschaft an den Hängen, überall und so weit das Auge reicht. Noch vor den Inkas wurden diese errichtet und sind heute noch in Gebrauch. Nach einer ruhigen Nacht auf einem Dorfplatz am Canyonrand brechen wir um 5 Uhr auf, um in den Canyon runter zu wandern. Ziel ist die Oase Sangalle am Grund des Canyons. In einem der paar Hostels (sonst gibt es hier nichts ausser dem Fluss) geniessen wir ein Frühstück. Friedlich, idyllisch und wenn wir mehr Zeit hätten, wäre es entspannend hier zu übernachten und das Oasenleben am Pool zu geniessen. Wir machen uns auf den steilen Weg im Zickzack zurück nach oben. Die 1200 Höhemeter in 4 Kilometern machen uns ganz schön zu schaffen. Ja, Canyon-Wanderungen sind im Gegensatz zu Bergwanderungen undankbar, das Anstrengende folgt stets am Schluss. Und das Ziel, der Canyongrund hat oft weniger schöne Aussichten als der Beginn der Wanderung zu bieten. Wir verfluchen uns, aber irgendwann kommen wir verschwitzt oben an. Zurück beim Auto kann Raphi zum Glück unser Bremsenproblem lösen, indem er das Bremssystem entlüftet. Dieses Mal fahren wir bei Tageslicht den wunderschönen Canyonrand entlang zurück. Bei einer Aussichtsplattform lassen wir uns beide zum Kauf eines Jäckchens aus Alpakawolle überreden. Wir bereuen es nicht, die Wolle ist extrem angenehm und gibt sehr warm. Am Canyonende machen wir Halt bei den Chacapi Hot Springs. Mit schöner Aussicht auf eine alte Steinbrücke erholen wir uns in den Steinpools, die direkt von heissen Quellen gefüllt werden von der Canyon-Wanderung. Als wir genug haben geht es für uns weiter in die Anden – in Richtung Titicaca-See, dem höchsten schiffbaren Gewässer der Welt.

Oasis de Moron:

Ein Video des Canon del Pato von den Wochen zuvor in den Anden:

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Ein 3-Tages-Trek in der Peruanischen Schweiz

Berg Taulliraju

Die Woche fängt für uns mit einer grossen Herausforderung an: einem ungeführten 3-Tages Trek in der Cordillera Blanca Bergkette – genauer gesagt dem Huascarán National Park. Die Bergkette ist die höchste tropische Bergkette der Welt, und der Namensgeber des Nationalparks – der Berg Huascarán – mit 6768m der höchste tropische Berg der Welt. Über 700 Gletscher und 27 6000-er Gipfel befinden sich in dem Gebiet. Wir entscheiden uns für den Santa Cruz Trek mit Abstecher zum Alpamayo Basecamp mit der Laguna Arhuaycocha.
Die Herausforderung liegt nicht so sehr in der Dauer der Wanderung, sondern vielmehr in der Höhe und der damit zusammenhängenden dünnen Luft, sowie dem schweren Gepäck, welches wir auf dieser Höhe schleppen müssen – mindestens 15kg (Anouk) und 20kg (Raphi) an Zelt, Schlafsack, Matte, Kochutensilien, Kamera, Essen und Trinken und ganz viel Kleidung für die eiskalten Nächte. In 3 Tagen möchten wir 55.5 Kilometer bezwingen, 2765 Meter an Höhe gewinnen und dabei den höchsten Punkt der Wanderung – Punta Union bei 4750 Meter erreichen.
So machen wir uns auf den Weg – zuerst mit dem Mototaxi und dann mit 2 verschiedenen Collectivos (Sammeltaxis) fahren wir in das Kaff Vaqueria, dem Ausgangspunkt der Wanderung mitten in der Bergkette. Wir wundern uns, wie es das alte Collectivo schafft, die haarsträubenden, kurvigen und holprigen Strassen hochzukommen, aber irgendwann nach 12 Uhr Mittags kommen wir an – später als erhofft – immerhin müssen wir am selben Tag noch 1000 Höhemeter schaffen. Am süssen Strassenstand trinken wir einen Coca-Blätter-Tee, der gegen Höhenkrankheit helfen soll und machen uns dann auf den Weg. Es ist viel anstrengender als erwartet – das schwere Gepäck gibt uns den Rest. Aber die Landschaft ist wunderschön, immer wieder kommen neue schneebedeckte Berge um uns herum zum Vorschein. Mühsam sind einzig die Bremsen, die uns den ganzen Trek über belästigen und unnötige Energie von uns rauben. Wir kämpfen uns immer weiter hoch. Alles was wir heute noch schaffen, müssen wir am nächsten, anspruchsvollsten Tag nicht mehr erklimmen. Auf ca. 4300 Meter ist für uns Schluss. Es wird schon dunkel, schöne Fotos sind leider nicht mehr möglich, wir haben aber auch keine Kraft dazu. Während wir bei Sonne im T-Shirt wanderten wird es ohne Sonne schnurstracks eiskalt. Das Panorama ist traumhaft, schöne Gipfel in beide Richtungen. Wir kuscheln uns ins Zelt, kochen Nudeln und versuchen zu schlafen. Obwohl wir toderschöpft sind, fällt dies aufgrund der Höhe und der frostigen Kälte gar nicht so einfach. Wir tragen 6 Lagen Kleidung inklusive Winterjacke, Mütze und Handschuhe, sind im dicken Schlafsack und frieren trotzdem noch extrem! Wir haben den Kochtopf zum Einweichen bis zum Rand mit Wasser gefüllt und dieses ist am nächsten Morgen vollständig eingefroren!

Der höchste Punkt der Wanderung

Früh geht es am nächsten Morgen weiter zum Punta Union hoch, dem mit 4750 Meter höchsten Punkt des Treks. Jeder Schritt ist ein Kampf, aber wir schaffen es und werden mit traumhafter Rundumsicht belohnt. Dann müssen wir abwärts, bevor wir unser Gepäck verstecken und noch einen längeren Umweg zum wunderbaren Gletschersee Arhuaycocha machen. Wir müssen wieder ordentlich rauf laufen, was uns am Ende unsrer Kräfte und bei Anouk nach einem Sturz mit schmerzhaften Knien mittlerweile auch ohne Gepäck schwerfällt. Aber der Ausblick auf den hellblauen See mit umgebenden schneebedeckten Gipfeln ist eine wunderbare Belohnung. Im Tal, welches wir von nun an zum grössten Teil abwärts laufen müssen, finden wir einen Ort für unser Zelt mit Bach für Frischwasser. Da wir nicht das ganze Wasser mitschleifen können, verlassen wir uns auf Bäche und unseren Trinkwasserfilter, sind nur ein bisschen unglücklich über die vielen Kühe und deren Hinterlassenschaften. Die zweite Nacht auf nur noch 3900 Meter Höhe ist minim wärmer als jene zuvor, aber Frost am Zelt finden wir trotzdem am nächsten Morgen. Am letzten Tag geht es dann durch ein idyllisches Tal abwärts, teils sehr steil. Mit schwerem Gepäck ist dies auch nicht viel besser als aufwärts zu gehen, da wir die Muskeln anspannen müssen, wenn wir unsere Knie nicht zerstören möchten. Irgendwann nach Mittag haben wir auch die letzten 20 Kilometer geschafft und finden auch gleich ein Sammeltaxi welches uns zurück nach Caraz zu unserem Auto nimmt. Es reicht uns sogar noch Wäsche zu machen und zum Mechaniker zu gehen, um ein Riesenplastikstück aus unseren Reifen zu nehmen, welches sich durch unsere neuen Reifen gebohrt hat. Den holländischen Backpacker von der Woche zuvor treffen wir zufälligerweise ebenfalls wieder an.

Lima

Plaza Perú in der Altstadt

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Lima, die mit ca. 10 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südamerikas (nach Sao Paolo) und Hauptstadt von Peru. Für die 8-stündige Fahrt müssen wir das erste Mal entlang der verpönten Küste Nordperus fahren. Wir verstehen die Kritik sofort. Die karge, trostlose Wüste entlang der Panamericana ist eine einzige, riesige, scheinbar unendliche Müllhalde. Oft herrscht Nebel. Wenn es Häuser gibt, dann sind es zusammenfallende Bruchbuden. Der schönste Anblick ist noch wenn am Strassenrand riesige Flächen von Chilis getrocknet werden. Ganz besonders schlimm ist das Elend in den Vororten von Lima. Die Menschen leben hier in grösstem Armut und Müll. Nicht schlecht staunen wir, als wir im gehobenen Viertel Miraflores ankommen. Hier gibt es schicke Gebäude, wunderschöne Parks, teure Läden. In diesem Viertel befindet sich auch der Schweizer Club, eine riesige Anlage mit Indoor und Outdoor Pools, süssem Spielplatz mit kleinen Chalets etc., sowie 2 Schweizer Restaurants. Hier dürfen wir (natürlich zu Schweizer Preisen 🙂) auf dem bewachten Parkplatz übernachten und die Einrichtungen nutzen. Nach 2 Nächten wirds uns zu teuer, da das Wifi nicht richtig funktioniert, die Dusche nicht heiss ist und wir inzwischen auch schon alle unseren Schweizer Gelüste im ansässigen Restaurant befriedigen konnten. So ziehen wir in ein nicht viel teureres Hotel und die letzte Nacht übernachten wir gratis bei einem Park in einem Nobelquartier. Der Grund, dass wir so lange in Lima verbringen ist der Land Cruiser. Wir müssen die Seilwinde installieren (in unsere Stossstange ein Loch boren lassen und zur Befestigung eine Adapterplatte bauen lassen). Es steht auch wieder Service an und ausserdem stellen wir fest, dass die Bremssattel nicht mehr top sind, worauf eine Anpassung vorgenommen wird und wir schon mal neue auf Vorrat kaufen. Da wir gelernt haben bei Service, Reparaturen o.ä. besser immer dabei zu sein, sehen wir in der Zwischenzeit nicht viel von Lima und können die Stadt nur am Wochenende erkunden. Lima ist direkt an der Küste, erhoben auf einem steilen Kliff mit genügend Möglichkeiten herunterzusteigen und ins Meer zu gehen – eigentlich ein spektakulärer Anblick. Wir werden aber mit der Stadt nicht richtig warm (wortwörtlich). Es hängt die ganze Zeit ein Nebel über der Stadt, was an der Jahreszeit liegt und es ist eiskalt. Alle, wir inklusive, laufen in Wintermänteln rum. Das wäre ja ok, wenn man die Möglichkeit hätte, sich in gemütliche Cafés, Restaurants, Bars oder Hotelzimmer zu verziehen. Das Problem ist nur, das alles offen gehalten ist, mit grossen Türen und Fenstern, die ständig sperrangelweit offen sind. Auch in den Innenräumen inklusive dem Hotelzimmer oder Restaurants ist es so eiskalt – im Wintermantel im Nobelrestaurant zu sitzen gehört hier zum guten Ton.
In der Altstadt bewundern wir dennoch die Kolonialbauten und geniessen im Museo del Pisco ein paar Pisco Cocktails – Pisco ist der weltberühmte Trauben-Schnaps aus Peru. Im edlen Miraflores bewundern wir Food Courts, Parks und Restaurants, bei welchem Anblick gar Zürichs Nobeleinrichtungen vor Neid erblassen würden. Krass, einmal mehr diese Ungleichheit zu sehen, wenn wir uns an die Vororte Limas zurückerinnern. In La Punta, einem Hafenviertel schauen wir Delfinen zu und geniessen leckere Ceviche (roher, aber marinierter Fischsalat – das inzwischen weltweit berühmte Nationalgericht Perus).
Wir sind begeistert von Perus Küche, welche zurecht den Ruf hat, die beste Südamerikas zu sein. Hier gibt es wieder Gewürze und Schärfe, etwas was wir in der überspitzt formuliert faden und einseitigen Reis- und Bohnenküche ab Belize vermisst haben. Die Küche ist zudem so vielfältig und hat viele Einflüsse von ausserhalb inkooperiert. Gerichte wie gebratener Reis (Einfluss aus Asien) oder Pasta (Einfluss aus Italien) mit peruanischer Pestosauce oder mit peruanischer Chili-Kartoffelkäse-Sauce oder Gulasch mit Pommes wurden vor dermassen langer Zeit integriert und neu interpretiert, dass sie längst zu den Standards gehören und auch im allerhintersten Andendorf serviert werden. Gerne wird dazu Chicha serviert. In der alkoholfreien Variante handelt es sich dabei um ein leckeres süsssaueres, würziges Getränk aus violettem Andenmais. Die alkoholhaltige Version wird auch Spuckebier genannt, da zur Fermentation der zugrundeliegenden Pflanzen Spucke verwendet wird.
Im Künstlerviertel Callao bewundern wir Murals und sind überrascht, wie schnell man sich hier hin und her bewegt zwischen Strasse mit hippen Kunstgallerien und Strassen aus zerfallenen Häusern, zwielichten Gestalten und Gestank. Wir sind froh, als wir die Stadt verlassen können und freuen uns auf die vor uns liegenden schöneren Wüsten- und Küstengegenden.

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Sarkophagen von Karajía

Eine Irrfahrt durch die peruanischen Anden

Grenzschranke zwischen Peru und Ecuador

Am Montagmorgen überqueren wir die Grenze von Ecuador nach Peru. Wir haben uns für die kleinste und am schwersten zugängliche Grenze entschieden, da wir in Peru im Landesinneren weiterfahren möchten. Es war mal eine ganz neue Grenzerfahrung. Vor der Schranke halten wir an, bei den Hütten mit offenen Türen ist nichts angeschrieben und wir haben keine Ahnung wo wir hinmüssen. Ein freundlicher Mann in Shorts und Crocs schickt uns zu einer Hütte, wo eine Dame unseren Pass stempelt. Dann gehen wir zum Mann mit den Crocs zurück, der scheinbar für den Zoll arbeitet und dafür zuständig ist, dass unsere ecuadorianischen Temporärimportpapiere fürs Auto storniert werden. Im Nebenzimmer brutzelt sein Frühstück, es riecht lecker. Rein und raus laufen Hühner und Kleinkinder. Der Mann kann den Prozess nicht selbst erledigen, er muss unsere Papiere fotografieren und zur nächsten Grenze zum Prozessieren schicken. Dummerweise ist der Internetempfang schlecht und so läuft er nach seinem Frühstück den Arm mit dem Handy in der Hand ausgestreckt durchs Dorf damit hoffentlich irgendwo ein Internetsignal aufgenommen wird und die Dokumente verschickt werden. Irgendwann ist alles erledigt und wir verlassen Ecuador mit der bisher absurdesten aber einer sehr freundlichen Grenzerfahrung. Auf der peruanischen Seite geht es ein bisschen geregelter zu und her, die Beamten tragen sogar Uniform und nach wenigen Stunden ist alles erledigt. Dann müssen wir nur noch in die nächste Stadt fahren, um die obligatorische KFZ-Haftpflichtversicherung abzuschliessen. 

Unsere Irrfahrt durch die Anden

Die Panamericana und der bevorzugte Weg der meisten Reisenden führt eigentlich der Küste entlang, da es die schnellste Art ist in die Landesmitte zu kommen, wo es mehr zu sehen gibt. Wir haben aber gehört, dass die Küste im Norden Perus hässlich ist – karge Wüste mit viel Müll. Deswegen haben wir uns für die kleine Grenze im Landesinnern und den Weg über die Anden entschieden, um zu unserem ersten grösseren Ziel zu kommen, der Cordillera Blanca Bergkette. Was wir uns als nur kleinen Umweg ausgemalt haben (wir sind ja ein wenig unter Zeitdruck), entpuppt sich als reinste Odyssee.
Ganze 5 volle Fahrttage brauchen wir um die um 400-500 Kilometer Luftlinie entfernte Bergkette zu erreichen. Highlight davon war der Tag an dem wir 13 Stunden durchfuhren und etwa 150 Kilometer geschafft haben. Die Strassen sind teilweise sehr schlecht, so dass man kaum vorwärts kommt. Dass wir immer wieder über 4000-Meter – Pässe fahren müssen, macht uns auch nicht schneller. Die grösste Herausforderung ist aber, dass wir immer wieder auf wegen Erdrutschen, Baustellen oder sonstigen Gegebenheiten gesperrte Strassen stossen. Mehrmals mussten wir umdrehen, riesige Umwege fahren und manchmal wussten wir gar nicht mehr, welche Strasse wir noch versuchen können oder ob wir alles zurück bis fast zur Grenze und von dort an die Küste fahren müssen, um weiter in den Süden zu kommen. Wir kommen uns vor wie in einem Labyrinth. Einmal standen wir mitten im Nirgendwo plötzlich vor Schranken mit bewaffneten Wächtern – wie es sich herausstellt sind wir bei einer Goldmine gelandet. Das erste Mal lassen sie uns durch, nachdem sie unsere Daten aufgenommen haben. Bei der zweiten Mine müssen wir richtig lange diskutieren – der wegen uns überraschte Wächter (es verirrt sich sonst fast nie jemand hierhin) möchte uns den gesamten Weg zurückschicken. Schliesslich organisiert er uns eine Eskorte, die uns durch die Mine führt, damit wir die Strasse weiter entlang fahren können. Bis die Eskorte kommt dauert es aber eine Stunde und so kommen wir mit dem Wächter ins Gespräch und er erzählt von der Goldindustrie und beklagt sich, dass nicht die lokale Bevölkerung von den Minen profitiert, sondern nur die korrupten Politiker oder chinesischen Investoren. Irgendwann schaffen wir es durch die Mine und die Irrfahrt geht weiter.
Die ganze Zeit über ist dafür die Landschaft wunderschön. Man merkt, wir sind in Peru, wo die Kulissen grosses Kino bieten – hohe Berge, tiefe Schluchten, endlose Prärie, Wasserfälle, regenbogenfarbene Berge, Lamas. Anfangs fahren wir noch durch tropisches Amazonasgebiet mit heissen Temperaturen, Palmen, Bananenpflanzen und Reisfeldern. Später führen die Strassen in das Gebirge, die Anden. Hier sind wir wirklich Exoten, Touristen verirren sich hierhin keine. Die Dörfer sind indigen, die Menschen sehr klein und traditionell gekleidet – die Frauen mit bunten langen ausgestellten Röcken und hohen Hüten. Das Leben hier ist hart, man sieht gerade die älteren Menschen hier schuften und schleppen, Frauen stricken am Strassenrand. Der Ackerbau wird hier noch mit Ochsen betrieben, Traktoren sind weit und breit keine zu sehen. Das Getreide wird von Hand geerntet, in grossen Blachen zusammengetragen und danach mit einem LKW befahren oder von Pferden zusammengetrampelt damit sich das Getreide von der Pflanze löst. Die Menschen sind freundlich, aber viel zurückhaltender, als wir es zum Beispiel von Kolumbien kennen, wo uns jeder angequatscht hat. Alles ist komplett anders als wir es bisher von Zentral- und Südamerika kennen. Die Dörfer sind nicht mehr so hübsch bis kitschig hergerichtet, es ist alles viel einfacher und erscheint ärmer zu sein (dem Anschein nach mehr noch als zum Beispiel in Honduras, dem wohl ärmsten Land unsrer Reise). Es gibt weniger Geschäfte und Restaurants. Die ganze Woche sehen wir nie einen Supermarkt mit Kühlschrank, hier wird auf dem Markt eingekauft oder allenfalls in den paar verstaubten Miniläden. Während Kolumbien und grösstenteils auch Ecuador so sauber waren, liegt hier wieder überall Müll herum. Man könnte sagen Peru ist das Guatemala von Südamerika – Landschaftlich und kulturell mit absoluten Schätzen versehen, aufgrund dessen auch beliebt bei Touristen, aber gleichzeitig starker vorhandener Armut bei der Landbevölkerung und ein grosses Müllproblem. Die Häuser hier sind grösser als anderswo und nicht verputzt aber, praktisch auf jedem Haus sind gross Namen und Logo oder Wahlargumente von Kandidaten der nächsten Wahlen versehen (gemalt oder als Plakat). Es ist ganz extrem -sogar in der Natur in Canyons sehen wir die Schriftzüge. So sind die Häuser der Leute also Profilierungsplattformen der nächsten Generation korrupter Politiker. Andere Autos sehen wir kaum welche, mit zwei Ausnahmen: Die erste Ausnahme sind die Wahlkampfteams, die rumfahren und die Häuser anmalen. Die zweite Ausnahme sind die teuren Minentrucks und Treibstofflieferwagen, die die unzähligen riesigen Minen versorgen. Tatsächlich ist Peru der siebtgrösste Goldproduzent der Welt. Aber wie uns der Minenwächter bestätigt kommt das Geld nicht bei der lokalen Bevölkerung an. Einmal mehr ist wieder China grosser Investor und Profiteur. Dafür verschmutzen Schwermetalle und Chemikalien von den Minen die lokalen Gewässer und die Umwelt. So wirkt die Situation hier auf dem Land ein wenig abstrus: Die Bevölkerung kämpft ums Überleben, hat nur das Allernötigste zur Hand, während alle Fassaden voll bemalt sind mit (wahrscheinlich leeren) Versprechen von Politikern für die Wirtschaft, die Umwelt und gegen die Korruption. Als Krönung der abstrusen Situation werden Millionen an Dollar in Form von neuen Trucks, Treibstoff und Gold durch die Gegend gefahren im Zusammenhang mit der hier oftmals umweltschädlichen Minenindustrie.

Aber eben, ansonsten ist die Landschaft wunderschön, die Leute nett. Einmal halten wir bei einem Schild mit der Aufschrift „Queso“ an um Käse zu kaufen. Wir werden in ein Hüttchen geführt, hingesetzt und die süsse alte Frau serviert uns beiden einen Riesenblock frischen Käse, den sie mit Honig begiesst und den wir nun essen sollen. So haben wir uns das zwar nicht vorgestellt (wir wollten nur Käse für den Vorrat kaufen), aber es war auch nett und lecker. Ein anderes Mal landen wir abends in einem kleinen Andendorf, wo wir am Dorfplatz übernachten wollen. Kaum stehen wir da kommen zwei Zivilgarden und weichen nicht mehr vom Auto weg. Wir fragen ob wir übernachten dürfen – selbstverständlich und sie werden die ganze Nacht da sein und uns und den Platz bewachen. Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, was in diesen unschuldigen Andendorf passieren soll, aber trotzdem wieder sehr sehr nett von den beiden. Lustigerweise treffen wir beim Abendessen in der wohl einzigen Kneipe des Dorfes einen ebenfalls mehr oder weniger „verirrten“ Holländer, ein Backpacker der sich per Anhalter fortbewegt und deswegen hier im Nirgendwo gelandet ist und verbringen mit ihn den Abend.

Neben diesen Erlebnissen schauen wir uns aber auch ein paar Sehenswürdigkeiten an. Wir machen eine Wanderung zum zweiteiligen Gocta- Wasserfall, dem mit 800 Metern je nach Quelle 3. -16. höchsten Wasserfall der Welt. Die Wanderung ist lange und anstrengend, der Wasserfall schön, aber aufgrund der Trockenzeit nicht so massiv.
Ein weiterer Stopp sind die Sarkophagen von Karajia. Die aus Schlamm, Holz und Stroh gebauten und bemalten 2.5 Meter hohen Figuren in den steilen Felswänden beinhalteten einst Mumien und Opfergaben, welche inzwischen von Räubern und Archäologen entfernt wurden. In diesen majestätischen Sarkophagen wurden nur die wichtigsten Personen begraben und wie bei den Schaffern – den Chachapoyen – üblich, wurden sie hoch und schwer zugänglich platziert, um sie zu würdigen und schützen. Vermutlich wurden sie im 15. Jahrhundert gebaut, kurz bevor das Chachapoya-Gebiet grösstenteils von den Incas erobert wurde. Ebenfalls aus der Prä-Inka-Zeit stammend besuchen wir die Ventanillas de Otuzco, eine Nekropolis (=Totenstadt). Es handelt sich dabei um 337 in Vulkangestein ausgehobene Nischen. Die Nekropolis wurde von der lokalen Cajamarca Bevölkerung wohl zwischen 300 v.Chr. bis 500 n.Chr. erbaut. In den Nischen befanden sich ganze Skelette oder Teilskelette sowie Opfergaben, aber da die Stätte so alt ist, sind nicht viele Details bekannt.
Kurz vor dem Ziel unsrer Irrfahrt fahren wir durch die Schlucht Cañon del Pato, wo die beiden Bergketten Cordillera Blanca und Cordillera Negra aufeinandertreffen und sich fast berühren. Die aufregende Strasse wurde direkt in den Hang gebaut und dafür auf einer Länge von 12 Kilometern 35 unbeleuchtete Tunnels von Hand in die Felswand gehauen. Da sie so schmal ist und der Verkehr in beide Richtungen läuft, muss man schön aufpassen und immer hupen, um sich dem Gegenverkehr anzukünden.

Cordillera Blanca mit der Laguna Paron

Und damit kommen wir endlich in Caraz und Huaraz an, den Ausgangsstädten für die Cordillera Blanca Bergkette mit dem Huascarán National Park. Nachdem wir einen Abend an der wunderschön blauen Laguna Páron campen, ein Feuer und den Sternenhimmel geniessen besuchen wir die beiden Städte. Wir müssen endlich mal einkaufen, Geld abheben und für einen Mehrtagestrek Ausrüstung kaufen und mieten, sowie die Karte ausdrucken lassen. Auch unseren Laptop müssen wir reparieren – das Wifi funktioniert nicht mehr. Im Laptop-Reparaturgeschäft hat niemand Lust dazu, die Angestellten oder Inhaber sind mit Computergames beschäftigt, Geschäftssinn und Hilfsbereitschaft ist nicht so präsent. Schliesslich überreden wir das Geschäft, dass wir unseren Laptop ans LAN Kabel anschliessen dürfen. Nach verschiedenen Versuchen und Neuinstallationen schaffen wir es den Laptop wieder wie gewohnt zum laufen zu bringen. Wir haben also tatsächlich im Computer-Reparaturgeschäft unseren Laptop selber repariert – das kann auch nur hier passieren. Sie hätten wahrscheinlich nicht mal Geld verlangt, aber wir haben natürlich was da gelassen.
So haben wir die wichtigsten Sachen noch organisieren können bevor wir am nächsten Tag unserem ersten 3-Tagestrek antreten, aber dazu mehr nächste Woche.

Eine Zusammenfassung einer typischen Fahrtages in den nördlichen peruanischen Anden:

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Caño Cristales

Regenbogen-Flüsse, einzigartige Gräber und der Abschied Kolumbiens

Caño Cristales – der Regenbogen-Fluss

Caño Cristales

Nach unsrer mühsamen 2-tägigen Fahrt im Konvoi mit Ally und Blake sind wir endlich im Dorf La Macarena im ehemaligen Guerilla-Gebiet angekommen. Hier machen wir eine Tour (auf eigene Faust ist ein Besuch nicht möglich) zu Caño Cristales. Caño Cristales wird auch als flüssiger Regenbogen, Fluss der 5 Farben und schönster Fluss der Welt bezeichnet.
Die Farben hat der 100-Kilometer lange Fluss hauptsächlich der Wasserpflanze Macarenia Clavigera zu verdanken. Die Pflanze, normalerweise leuchtend hellgrün, nimmt durch optimale Sonneneinstrahlung über mehrere Tage eine leuchtend rote Farbe an. Somit wirken Grossteile des Flusses rot, während durch das Zusammenspiel von Sand, (Quartzit-)felsen und Wasser auch die Farben gelb, grün, schwarz und blau zum Vorschein kommen. Das Phänomen ist nur von Juni bis Oktober zu beobachten, da der Wasserstand sonst zu hoch ist und die Pflanzen verdeckt.
Nach Bootsfahrt und Wanderung durch Steppenlandschaften erreichen wir das Wunder. Der erste Teil des Flusses ist grün, weil durch die Bäume um den Fluss kaum Sonne durchscheint. Aber schon dieses Neongrün ist besonders – die Wasserpflanzen sehen richtig flauschig aus! So verbringen wir den Tag, laufen von einer wunderschönen Stelle zur nächsten, sehen Wasserfälle, Kaskaden und Pools in wunderschönen Farben, essen leckeres lokales Zmittag – Gewürzter Reis mit Poulet im Bananenblatt gekocht. Wir dürfen uns an manchen Stellen im Wasser erfrischen, bekommen ordentlich Sonnenbrand (Sonnencreme ist aufgrund des fragilen Ökosystems nicht erlaubt) und schiessen Hunderte von Fotos von diesem Naturwunder. Mehrmals treffen wir auf Ölquellen und die Führerin bestätigt, dass die Gegend voller Öl ist und Ölfirmen grosses Interesse haben. Zum Glück ist das Gebiet geschützt, aber es gibt das Gerücht, dass der (seit ein paar Tagen ehemalige) Präsident vor Amtende bezüglich Erschliessung dieses Gebietes Verträge mit Ölfirmen abgeschlossen hat. Dies wäre gravierend und wir hoffen, dass sich das Gerücht nicht bewahrheitet.
Zurück in La Macarena geniessen wir den Abend, treffen in der Dorfbeiz auf ein paar Lokalpolitiker, die sich über den exotischen Besuch freuen, uns zuerst zu Trinkspielen überreden und uns dann auf eine Bierrunde nach der anderen einladen.

La Plata und die Gräber von Tierradentro

Nach der mühsamen Fahrt zurück, verabschieden wir uns von Blake und Ally und fahren nach La Plata, einem kleinen Städtchen in der Provinz Huila. Hierhin haben wir neue Reifen bestellt, die wir montieren müssen. Aufgrund der Importzolle in Südamerika ist dies in Kolumbien teurer als in den USA/ Europa, aber immer noch günstiger als in Ländern weiter südlich. Deswegen bringen wir es hinter uns. Abends und den nächsten Morgen verbringen wir mit einem extrem netten Local in unserem Alter, dessen Kontaktdaten wir von einer kolumbianischen Freundin in Europa hatten. Dieser zeigt uns die friedliche Umgebung mit den vielen Aussichtspunkten und wir werden zu lokal gebrautem Süsswein eingeladen. Die Einladung im freien Haus seiner Schwester zu schlafen schlagen wir aus und stellen uns stattdessen vornedran. Eine nette Nachbarin kommt auf ein Schwätzchen vorbei und bringt uns Orangen von ihrem Garten. Die Menschen in Kolumbien sind wirklich unglaublich nett.

Alto de Segovia

Auf dem Weiterweg machen wir ein Zwischenhalt in Tierradentro. Das mit 160 Untergrundgräbern und über 500 Steinstatuen eines der wichtigsten Ausgrabungsstätten Südamerikas befindet sich vollkommen ausserhalb der Touristenpfade. Die tief unter der Erde mit extrem steilen Stufen zugänglichen Gräber stammen aus dem 06. Bis 10. Jahrhundert. Die in Vulkanstein gebauten Höhlen sind in schwarzer, weisser und roter Farbe bemalt (nur noch teilweise zu sehen) und sollen das irdische Heim nachbilden. Die Körper wurden aber nicht direkt hier begraben sondern Überreste in Urnen in die Höhlen gestellt. Da man zwischen den Gräbern weit über Hügel wandern musste, haben wir nur einen Bruchteil der Gräber gesehen, waren aber schwer beeindruckt. Dabei kam der Atmosphäre zugute, dass wir weit und breit die einzigen Touristen waren.

Die weisse Stadt, Graffiti am Auto und Abschied von Kolumbien

Nächster Stopp ist die Stadt Popayán – auch die weisse Stadt genannt, da die gesamte Altstadt in komplett weiss gehalten wird. Was eigentlich eine sehr schöne Stadt sein sollte, begeistert uns nicht. Viele Fassaden sind inzwischen mit Graffiti beschmutzt – etwas, was wir seit sehr Langem nicht mehr gesehen haben. In Lateinamerika haben wir bisher fast nur schöne Wandmalereien / Murals gesehen, kaum hässliche Graffiti-Tags. Wir hätten das als Warnzeichen sehen sollen, haben aber trotzdem in der Innenstadt im Auto geschlafen und prompt hatten wir am nächsten Morgen Schmierereien am Auto. Zum Glück konnten wir sie mit Klebstoffentferner entfernen.
Letzter Stopp in Kolumbien ist die Kirche Santuario las Lajas. Die Basilika, in einem tiefen engen Flusstal gelegen mit einer integrierten Brücke, die die beiden Talseiten verbindet strahlt eine mystische Atmosphäre aus. Andere vergleichen es mit einem Bildnis, wie es aus einem Tolkien-Roman (Herr der Ringe) stammen könnte, was wohl ziemlich zutreffend ist. Bei einem Seilbahnparkplatz haben wir uns hingestellt, um die Nacht zu verbringen und es uns drinnen gemütlich gemacht. Wir nehmen draussen Stimmen war, machen die Tür auf und da stehen etwa 20 strahlende Kolumbianer aus verschiedenen Familien um unser Auto. Die Herzlichkeit, das Strahlen und die ansteckende Freude sind herzerwärmend. Wir mussten alles über unsere Reise erzählen und natürlich das Auto zeigen. Ein 5-jähriges Mädchen war zufällig Wohnmobil-Fan, hat sich mega gefreut, und so haben wir mit ihr und dem Land Cruiser für viele Fotos positioniert. Währenddessen hat sich der 10-jährige Junge sehr dafür interessiert, was wir beruflich machen. Scheinbar wollte er wissen, welchen Berufsweg man einschlagen sollte, um sich eine solche Reise leisten zu können. Wenn auch eine kurze Begegnung, war es ein schöner Abschied und ein schönes Beispiel dafür, was Kolumbien für uns so einzigartig gemacht hat.
Damit heisst es für uns schweren Herzens Abschied von Kolumbien zu nehmen.

Santuario de Las Lajas

Kolumbien ist definitiv ein Favorit für uns. Das Land ist landschaftlich extrem vielfältig, hat alles zu bieten von Bergen, Dschungel, Traumstränden, grandiosen Wasserfällen, Wüste und Naturwundern, wie dem Caño Cristales. Gleichzeitig begeistern uns die spannenden Städte und die wunderhübschen gemütlichen Dörfer. Wir sind überrascht, was für tolle Offroad-Möglichkeiten Kolumbien zu bieten hat und hätten definitiv noch viel länger im Land verbringen können, aber es fehlt die Zeit. Das Essen ist lecker und im Vergleich zu Zentralamerika abwechslungsreicher. Es ist alles verdammt günstig, vom Diesel (50 Rappen pro Liter), übers Mittagessen (2 Fr. für ein Menu) bis zum Cocktail (3 Fr.).

Und ja die Menschen. Nach all den Lobreden, die wir vor Kolumbien schon über Kolumbianer gehört haben, waren unsere Erwartungen sehr hoch. Wir wurden nicht enttäuscht, die Herzlichkeit der Menschen war unglaublich, wir haben viele neue Bekanntschaften geschlossen und mit unzählbaren Menschen geredet, die sich über unseren Besuch von Kolumbien gefreut haben. Wir haben uns überall willkommen gefühlt, kaum je wurde uns Gringopreise berechnet (und falls doch, dann an extrem touristischen Orten). Im Gegenteil – öfters wurde uns etwas einfach gratis gegeben oder geschenkt. Nach Zentralamerika waren wir zudem sehr von der Sauberkeit überrascht. Mit ein paar wenigen Ausnahmen sind die Strassen so sauber wie in Europa. Mit dieser wunderbaren Gastfreundschaft haben wir uns auch sehr sicher gefühlt und nachdem wir das Auto abgeholt haben fast immer wildgecampt. Wir mussten uns richtig zusammenreissen achtsam zu bleiben, weil wir uns so geborgen gefühlt haben. Zum Glück gab es aber auch immer wieder besorgte Locals, die uns daran erinnert haben, wachsam zu bleiben.

Noch mehr Gräber und Weissbier in Ecuador

Der Grenzübergang nach Ecuador war aufgrund des Wochenendes mühsam – für den Temporärimport des Autos mussten wir lange anstehen und einmal mehr hatte man den Eindruck, dass die Beamten das erste Mal mit dieser Anfrage konfrontiert wurden. Als wir es endlich geschafft haben besuchen wir den Militärfriedhof von Tulcán, einen der gelungensten Formschnitt-Gärten der Welt. Über 300 riesige Statuen aus Bäumen stehen hier dicht beieinander, widerspiegeln die Tier- und Pflanzenwelt Ecuadors und schmücken den Friedhof.
Das mittlerweile geschützte Aussehen des Friedhofs ist dem ehemaligen Friedhofdirektor Jose Franco zu verdanken, der vor über 100 Jahren festgestellt hat, dass die Erde beim Friedhof sehr fruchtbar ist, darauf Zypressen pflanzte und diese anfing zu Figuren zurechtzuschneiden. Sein Ziel war, einen „solch schöner Ort zu schaffen, der dazu einlädt, zu sterben“.
Nach diesem speziellen Besuch fahren wir zur Finca Sommerwind, ein deutsches Café /Restaurant, Campingplatz und Overlander Treffpunkt eines deutschen Auswanderers im ländlichen Ecuador neben einem See und einer Rennstrecke. Nach einem Grossputz belohnen wir uns hier mit Oettinger Weissbier, Rotkäppchen-Wein, Jäger- und Wiener Schnitzel und decken uns mit Marzipan und frischgebackenem Brot ein. Dann gehts weiter nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors, wo wir unsere nächste Verabredung haben, aber dazu mehr nächste Woche.

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Valle del Cocora

Inmitten von Giganten und ein Besuch der zweiten Wüste Kolumbiens

Cocora-Tal mit den höchsten Palmen der Welt

Anouk inmitten von Wachspalmen

Weiterhin im grünen Hochland von Kolumbiens Kaffee-Region unterwegs, ist unser nächstes Ziel das Cocora Tal.
Hier wachsen Quindio-Wachspalmen, die höchsten Palmen der Welt – für Anouk als Palmenfan eine absolute Pflichtattraktion. Bis zu 60 Meter hoch werden die gigantischen Palmen.
Im Nebelwald-Gebiet liegend umgibt die riesigen dünnen Palmen im Cocora Tal oftmals ein Nebelschleier, was für eine magische mystische Atmosphäre sorgt. Wir machen eine Wanderung. Die Gegend ist berühmt für seine Vielfalt und Dichte an Kolibris, das dafür eingerichtete Reservat ist aufgrund Hochwassers geschlossen. Aber auch auf der Wanderung stossen wir auf viele dieser süssen kleinen Vögel. Komfortabel ist die Wanderung nicht – Nach einer regenreichen Nacht regnet es munter weiter, d.h. wir laufen durch Schlamm, teils extrem steile Passagen, wo ausrutschen praktisch unumgänglich ist und einmal müssen wir den reissenden Fluss durchqueren. Mehrfach müssen wir den Fluss auf lückenreichen, wackligen, abenteuerlichen Hängebrücken überqueren. Nach der Wanderung und einem leckeren Forellen-Zmittag im angrenzenden bunten Dorf Salento machen wir einen schönen einsamen 4×4 Track durch die Berge durch viele weitere gigantischen Wachspalmen. Entlang der Strasse finden wir ein schönes Plätzchen mit Aussicht zum übernachten.

Tatacoa-Wüste

Raphi im Cuzco-Teil der Wüste

Als nächstes fahren wir in die Tatacoa Wüste. Diese 330 Kilometer grosse Wüste ist geprägt von durch Erosion bizarr geformten Felslandschaften im Teil Cuzco in rot und im Teil Los Hoyos in grau. Unzählige Kakteen schmücken die Wüste und Geissen wandern umher. Zum übernachten finden wir wunderschöne Wildcamping-Spots umgeben von Wüste. Am zweiten Abend bekommen wir Gesellschaft von Ally und Blake und deren beiden Hunden. Diese Reisenden aus Oregon haben wir bereits in Panama City kennengelernt. Sie haben zwar eine Woche vor uns verschifft, ihr Auto aber gleichzeitig abgeholt.
Wir kochen was zusammen und besprechen die weiteren Pläne. Mit ihnen haben wir uns nämlich verabredet, um im Konvoi nach La Macarena zu fahren. La Macarena ist sehr abgelegen, fast alle fliegen dahin, Infos über den Zustand und die Sicherheit der Strassen durchs ehemalige FARC Gebiet finden sich praktisch keine und die letzten mit dem Auto fahrenden Reisenden, die wir auftreiben konnten, waren vor ca. 4 Jahren da. So sind wir zum Schluss gekommen, dass es besser ist jemanden zu finden, mit wem wir die Fahrt gemeinsam machen können.

La Mano del Gigante

Vor der Konvoifahrt trennen wir uns aber nochmals und machen einen Abstecher zu La Mano del Gigante – ein Aussichtspunkt in den Bergen. Wir beschliessen hoch zu laufen und werden dabei von 2 schönen Hunden den ganzen Weg nach oben begleitet. Wir geniessen die Aussicht, schauen den Paraglidern zu und schiessen ein paar Fotos bei den kitschigen Fotomöglichkeiten. Die Familie, die den Aussichtspunkt managed lässt uns netterweise kostenlos bei ihnen im Auto übernachten und die Toilette benutzen – die Menschen in Kolumbien sind wirklich sehr nett, zuvorkommend und grosszügig. Auf dem Weiterweg pflücken wir Kakaofrüchte von verwilderten Kakaobäumen. Wir wollen sie zu Schokolade verarbeiten, nach unsrer Tour in Costa Rica wissen wir ja jetzt wie es geht. Es scheitert aber leider schon im ersten Schritt als wir merken, dass die Früchte innen vergammelt sind. Spannend finden wir auch die kleinen Holztribünen am Strassenrand, auf welchen Geissen stehen. Wenn jemand Milch kaufen möchte, werden diese direkt gemelkt.

Fahrt durchs ehemalige FARC-Gebiet

An vielen Häusern sind diese FARC-Kennzeichnungen zu sehen

In 2 Tagesetappen zu 7 Stunden und je 150-200 Kilometer fahren wir nun nach La Macarena. Die erste Etappe fahren wir noch alleine. Die unbefestigte einsame Strasse führt durch schöne Berglandschaften, vorbei an riesigen Wasserfällen und freundlichen Minidörfern wo uns reichhaltiges Mittagessen für 2 Dollar serviert wird. Aber man merkt, dass hier alles ein wenig anders ist. Wir fahren durch verschiedene Militärkontrollen – die hier übrigens fast schon Spass machen, die Militärs freuen sich jeweils sehr über unseren Besuch, darüber ihr gebrochenes Englisch testen zu können und sind extrem freundlich und gesprächig, kontrolliert wird bei uns so gut wie nix. Auf der selben Strecke fahren wir dann durch Dörfer in welchen jedes Haus mit Graffiti und einem Stempel der FARC gekennzeichnet sind. Bis 2002 wurde das ganze Gebiet noch von der FARC beherrscht. Danach hat die Regierung das Gebiet zurückerobert, worauf über Jahre schlimme Konflikten und Anschlägen an der Tagesordnung standen. Erst 2016 wurde ein Friedensabkommen getroffen. Seither hat sich die Lage beruhigt, aber im Gebiet leben noch immer viele FARC Dissidenten, weswegen es immer noch zu Zusammenstössen kommt.
In San Vicente del Cagúan werden wir von einem Fasnacht-ähnlichen Umzug begrüsst – auch hier werden Süssigkeiten geworfen. Dann treffen wir uns mit den anderen und fahren den nächsten Tag die Strecke nach La Macarena. Überraschend unspektakulär, die Strasse mühsam, in einem sehr schlechten Zustand, aber keine Herausforderung. Im Hotel für 10 Dollar pro Nacht quartieren wir uns ein und freuen uns auf den nächsten Tag, der Grund für diese 15-stündige Fahrt ins Niemandsland: Eine Tour zum scheinbar schönsten Fluss der Welt, Caño Cristales.

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Piedra del Peñol

Besuch des vom Gewalt-Hotspots zur innovativen Metropole transformierten Medellíns

Piedra del Peñol

Nach Bogotá fahren wir nordwestlich Richtung Medellín. Aus den geplanten 8 Stunden Fahrt werden schnell über 12: Wir nehmen kleinere Strassen übers Land und kurz vor dem Ziel Guatapé (wir sehen schon das Merkmal – den riesigen Fels von Guatapé) landen wir vor einer gesperrten Strasse. Beim mehrstündigen Umweg begegnen wir noch weiteren Strassensperrungen aufgrund von Baustellen, die wir mit riesigen Umwegen umfahren müssen. Wenigstens sind die kleineren Strassen auf dem Land schöner als die Autobahn. In den grünen Bergen fühlen wir uns weiterhin wie in der Schweiz – am Strassenrand wird von kleinen Ständen sogar überall Meringue mit Rahm / Sahne (und Erdbeeren) verkauft. Aber ja die Distanzen sind in Südamerika anders: Kolumbien ist doppelt so gross wie alle 7 zentralamerikanischen Länder zusammen – d.h. wir sind hier jeweils länger am fahren als zuvor.
Irgendwann schaffen wir es endlich und kommen an unserem Ziel an, dem Piedra del Guatapé/Peñol. Es handelt sich um ein 220 Meter hoher Monolith, den wir mit rund 650 steilen Stufen erklimmen können. Ziemlich anstrengend, aber die Aussicht auf den anliegenden, an den Vierwaldstättersee erinnernden Embalse del Peñol-See mit den vielen kleinen Inseln ist es wert.

Medellín

Danach geht es für uns nach Medellín. Wir parken den Land Cruiser auf einem Campingplatz in den Bergen, die Medellín umgeben und nehmen dann Bus und Seilbahn, mit der wir direkt in der Stadt landen. Eine interessante Seilbahnfahrt, fahren wir doch direkt über sehr einfache Viertel Medellíns, wo Häuser noch aus verschiedenen Wellblechplatten zusammengebastelt sind. Ansonsten ist die ganze Stadt hauptsächlich aus Backstein, was ihr ein einzigartiges Aussehen beschert.
In der zweitgrössten Stadt des Landes mit ca. 2.6 Millionen Einwohnern bleiben wir ein paar Tage im Hotel. Medellín ist eine spannende Stadt mit schrecklicher Geschichte. Während sie von der Washington Post einst zur gefährlichsten Stadt der Welt erklärt wurde, hat das Wall Street Journal Medellín vor ein paar Jahren zur innovativsten Stadt gekürt. Auf rund 400 Morde auf 100000 Einwohner kam Medellin anfangs der 90er. Inzwischen ist die Stadt unter anderem auch dank der Netflix-Serie Narcos, welche Medellíns Geschichte mit Drogenbaron und Terroristen Pablo Escobar aufrollt, bei Touristen eine äusserst beliebte Destination. Pablo Escobar, der wohl berüchtigtste Drogenboss aller Zeiten verbreitete Angst und Schrecken bis er 1993 von einer US-Kolumbianischen Spezialeinheit ermordet wurde. Er ermordete Politiker, Polizisten, Richter, von ihm entführte reiche Zivilisten und seine Gegner und sprengte sogar ein Linienflug mit 110 Passagieren in die Luft. Viele Einwohner Medellíns sind jetzt noch geprägt und traumatisiert von dieser Zeit und sehen den Hype um Escobar deswegen gar nicht gerne.
Inzwischen ist Medellín aber hip, einigermassen sicher und florierend. Im Stadtzentrum bewundern wir die Kolonialbauten oder die Statuen des vielleicht berühmtesten Künstlers Kolumbiens/Medellíns Fernando Boteros, der mit seinen Gemälden und Bildhauerei von pummligen Figuren berühmt wurde. Im Poblado Viertel haben wir die Auswahl aus internationalen Restaurants und originellen Rooftop Bars. Hier werden wir auch in die Luxuswohnung im 20. Stockwerk zu einem Texaner und seiner kolumbianischen Frau eingeladen. Wir sind in Kontakt gekommen weil sie ebenfalls einen Toyota Land Cruiser besitzen und gerade von einem halbjährigen Südamerika-Trip zurück nach Medellín, ihrem Zuhause gekommen sind. Sie geben uns viele Tipps mit auf den Weg und die Vorfreude das restliche Südamerika zu erkunden steigt.
Auch wenn Medellín mittlerweile vergleichbar ist mit vielen Metropolen, finden sich überall Spuren der Vergangenheit. Im Casa de la Memoria werden Opfern und deren Angehörigen der damaligen Konflikte eine Stimme gegeben. Die 1995 bei einem Bombenanschlag mit 20 Toten zerstörte Vogelstatue von Botero steht immer noch im Parque San Antonio neben einer neuen von Botero angefertigten Vogelstatue. Die beiden heissen nun Vögel des Friedens. Und dann ist da die Comuna 13 mit dem Graffiti und den vielen Murals (Wandmalereien).

Comuna 13 – vom Horrorviertel zur Erfolgsgeschichte

Wir machen eine Tour durch die Comuna 13 mit – ein Vorzeigebeispiel wie aus einem gewalttätigen Viertel, in welchem vor 20 Jahren noch kein Nichtbewohner reinkam ein friedliches, hippes Quartier wurde.
In den 90ern galt es noch als das gefährlichste Viertel der gefährlichsten Stadt in Lateinamerika. Medellín, in der Mitte des Landes gelegen, war strategisch ein guter Knotenpunkt für alle möglichen Geschäfte inklusive Waffen- und Drogenhandel. Die Comuna 13, als Vorort im Nordwesten gelegen, war dabei der Zugang zur Dariengap und damit zur Landschmuggelroute nach Nordamerika. Die Guerillagruppen FARC und ELN liessen sich in dem damalig illegalen Viertel nieder, verlangten Zoll von den Kartellen und Banden, die den Comuna 13-Zugang zu Darién nutzten und führten blutige Kämpfe um das Gebiet. Zusätzlich liessen sich paramilitärische Gruppierungen nieder, die ebenfalls ums Territorium kämpften. Es war ein Teufelskreis, eine Spirale der Gewalt mit täglichen Morden auch an Zivilisten. Die Comuna 13 war ein Schlachtfeld, ein rechtsfreier Raum, ohne Wasser- und Stromleitungen und Polizei, da die Stadtregierung nichts mit dem Viertel zu tun haben wollte. Für die Kinder der Comuna 13 war es lebensgefährlich in die Schule zu gehen, worauf vielen nichts anderes übrig blieb, als sich den Banden anzuschliessen.
Erst 2002 gab es dann mit dem neuen Präsidenten Alvaro Uribe mehrere Militäroperationen im Gebiet, um es von der Herrschaft der FARC und ELN zu befreien. Bei diesen Säuberungen wurde das Militär von den Paramilitärs unterstützt, welchen es natürlich gelegen kam, wenn sie die Gebiete der Comuna 13 nicht mehr mit den Rebellen teilen mussten. Aufgrund der teils falschen oder vagen Angaben der Paramilitärs kamen so bei den Militäroperationen auch wieder viele Zivilisten ums Leben. Bei der letzten Operation wurde teils gar von Helikoptern auf Häuser geschossen, da bot das Aluminium Wellblech kein Schutz. Danach war die Comuna 13 zwar von den Guerillas befreit, aber unter Herrschaft der Paramilitärs, die noch zwei Jahre lang in Selbstjustiz Menschen verschwinden liessen, die sie im Verdacht hatten, ehemalig etwas mit den Rebellen zu tun gehabt zu haben. Unsere Führerin zeigt uns den Berg neben der Comuna 13, eine Bauschuttdeponie, wo die Paramilitärs wohl Hunderte dieser Verschwundenen zu dieser Zeit begruben.
Erst immense Investitionen der Regierung ab 2006 brachten Besserung im Quartier, welches inzwischen von vielen kleineren Gangs beherrscht wurde. Insbesondere die Erschliessung des Viertels an Medellín mittels Metro, Seilbahn und einem knapp 400 Meter langem Netzwerk an Freiluft-Rolltreppen haben die Perspektive verbessert. Für das Viertel am steilen Hang war der Zugang zum Zentrum Medellíns zuvor mit viel Mühe verbunden, mussten sie doch ohne Hilfsmittel ein Äquivalent an 28 Stockwerken bewältigen, um auf eine Ebene mit dem Zentrum zu gelangen.
Zusätzlich wurden Schulen, Bibliotheken, kostenloses Sport-, Freizeit-und Kulturangebot und Pärke errichtet, um der Jugend, die früher keine Chance abseits der Kriminalität hatte, eine Perspektive zu geben. Wenn ein Park oder eine Gegend heute gefährlich ist und für Drogenhandel o.ä. missbraucht wird, hat die Regierung ein einfaches Mittel: Kostenloses WLAN an dem entsprechenden Ort anzubieten, dann kommen genug Leute und die Kriminellen verziehen sich.
Die Führerin zeigt uns das Viertel, insbesondere die unzähligen Graffiti und Wandmalereien, mit welchen lokale Künstler die Vergangenheit verarbeiten, die Transformation der Comuna 13 aufzeigen und Hoffnung auf die Zukunft darstellen. Wir sind beeindruckt von der Kreativität und wieviel mit einem einzigem Mural teils gleichzeitig ausgesagt wird. Nach der langen Rolltreppenfahrt nach oben geniessen wir die Aussicht auf Medellín. Inzwischen gibt es hier viele Touristen, überall Stände, kleine Bars und Restaurants.
Trotzdem ist es ein langer Weg – Nachts sollte man das Gebiet verlassen haben und die Geschäfte zahlen auch heute noch Schutzgeld – die Unternehmung mit welcher wir die Tour machen seit kurzem nicht mehr. Schlussendlich haben auch die Mitglieder von solchen Banden festgestellt, dass Tourismus eine gute Einkommensquelle ist und wenden sich teils besseren Geschäften zu, zum Beispiel der Eröffnung einer Brauerei für Touristen.

Jardín und Kaffeeplantagen 

Nach unserem Stadtaufenthalt kehren wir zurück zum Land Cruiser und bleiben zwei weitere Nächte auf dem Campingplatz, der beliebt bei Overlandern ist. So können wir wieder mal Wäsche waschen, kleinere Reparaturen erledigen und Grossputz machen. Am Abend kochen wir jeweils mit den andern Overlandern, einem englischen und italienischen Pärchen, einem Kanadier und einem Deutschen.
Nach Al Bosque fahren wir weiter ins Kaffeeanbaugebiet um Jardín. Wir geniessen die idyllischen aber herausfordernden Strassen durch die grünen Kaffeeanbauberge und seine Fincas. In Jardín selbst geniessen wir die für die Provinz Antioquia bekannte Architektur mit weissen Häusern und bunten Balkonen, Fenster- und Türrahmen bevor wir uns weiter in den Süden machen.

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Ventanas de Tisquizoque

Von haarsträubenden Brücken, Salzkathedralen und explosivem Nationalsport

Gefährliche Brücken

Diese Woche sind wir ziemlich vorwärts gekommen trotz mühsamen Strassen und vielen Sehenswürdigkeiten. Statt über 30 Grad in der Nacht begegnen wir inzwischen auch tagsüber Menschen, die in Wintermänteln rumlaufen (was für unser Empfinden übertrieben ist – wir laufen immer noch in kurzen Klamotten rum, aber die Nächte sind nun angenehm kühl). Angefangen haben wir die Woche mit einem Offroad-Track entlang einer alten Zugroute, die uns vom Chef unsrer Werkstatt in Barranquilla empfohlen wurde. Der Track ist abenteuerlich, führt durch Schlamm, enge stockdunkle Tunnels und über wacklige enge Holzbrücken, bei welchen wir hoffen, nicht runter zu stürzen. Die Landschaft ist aber sehr schön und der Track hat Spass gemacht (Video unten). 

Cañón del Chicamocha

Weiter fahren wir zum Canyon Cañon de Chicamocha. Beim schönen Wildcamping-Spot mit Aussicht treffen wir lustigerweise wieder auf unsere Container Buddies. Mit ihnen geniessen wie den Abend und am nächsten Morgen bekommen die Herren noch einen Haarschnitt verpasst, inklusive Aussicht und ein paar Geissen als Zuschauer. Wir fahren eine wunderschöne Strasse in den Canyon hinein zum Dorf Cepitá. Das winzige Dorf ist wirklich süss, sieht wohl kaum je andere Touristen und in den Bäumen auf dem Dorfplatz entdecken wir sogar seltene blau-gelbe Aras! Wenn man zu Fuss über den Fluss möchte, dann muss man die Handseilbahn nehmen: Über dem Fluss ist ein Seil gespannt. Daran hängt eine Holz-Schnur-Konstruktion, auf die man sich setzen kann und sich dann auf die andere Seite des Flusses rüber ziehen muss. Nach dem Canyon fahren wir ins Städtchen San Gil. Es ist der grösste Ort in der Umgebung und deswegen müssen wir hier ins Spital: Vielleicht aufgrund eines Insektenstichs in den insektenreichen Nächten an der Küste hat Anouk eine merkwürdige Infektion am Bein, mit immer häufiger erscheinenden kleinen eiternden Bläschen. Ekelhaft so etwas auf Reisen zu haben ohne zu wissen was es ist, insbesondere, da diese Infektion kurz nach Anouks Fieberschüben ausgebrochen ist. So besucht Anouk das Regionalspital und nach anderthalb Stunden warten und mit gebrochenem Spanisch und Google Translate das Problem erklärend, bekommt sie ohne Untersuchung ein Medikamentencocktail verschrieben. Die Salbe und 2 Arten von Tabletten (eine davon Antibiotika) kosten insgesamt 4 Franken, der Arztbesuch war kostenlos. Ein paar Tage später sehen die infizierten Stellen auch schon viel besser aus.

San Gil und Barichara

In San Gil besuchen wir den El Gallineral Park. Wie oft in dieser Umgebung gibt es hier jede Menge von Bäumen voller sogenannten Barba de Viejo (=Bärte alter Männer). Die Umhänge voller Moos geben den Bäumen hier die Erscheinung alter Männer mit langen silbrigen Bärten.
Wieder mit den Container Buddies unterwegs besuchen wir die Kolonialstadt Barichara, die uns mit den Pflastersteinstrassen und den geschmückten Häusern begeistert. Spezialität sind Riesenameisen – Hermigas Culonas, zu deutsch Fette-Hintern-Ameisen. Raphi hat eine probiert, sein Kommentar: „knusprig und speziell“. Als nächstes fahren wir nach Guadalupe. Hier in der Umgebung fühlen wir uns wie in der Schweiz im Mittelland. Überall grüne Hügel, eine friedliche Atmosphäre, Kühe, Kuhgeruch und Gemuhe und hin und wieder ein Haus. Wir parken unser Auto auf dem Land und laufen dann einen idyllischen Spazierweg zu perfekt runden Steinpools, durch welche ein Fluss fliesst. Hier erfrischen wir uns und erkunden das unterirdische Tunnel.

Ventanas de Tisquizoque und Villa de Leyva

Als Nächstes wollen wir zu den Ventanas de Tisquizoque. Dieser Wasserfall ist total abgelegen und wir müssen um hinzukommen mehrere Stunden lang einen schrecklichen Schlamm-Track fahren. Scheinbar haben nicht nur wir Mühe. Unterwegs treffen wir ganze 3 festgesteckten Autos, das eine sogar ein Schulbus. Wir ziehen sie aus dem Schlamm raus und sind selber sehr überrascht, dass wir nach 3 Versuchen den Schulbus mit unserem viel kleineren Auto schaffen rauszukriegen (Video siehe unten). Aber die Leute haben sich gefreut und die Schulkinder waren begeistert von unserem Auto und haben die Flaggen-Kleber der Länder bewundert, die wir schon alle besucht haben. Im winzigen Kaff namens Florian übernachten wir am Dorfplatz. Schon schön, dass es hier noch viele Orte hat, die touristisch nicht sehr erschlossen sind. Am nächsten Morgen besuchen wir den spektakulären Wasserfall. Aus einer Höhle fliesst das Wasser in 3 hintereinander fallenden Wasserfällen raus, der längste davon 300 Meter lang. Nachdem wir zuerst den falschen Weg nehmen und uns gehörig im Schlamm verlaufen und teils halb versinken, sind neben dem Auto nun auch unsere Beine voller Schlamm. Ein paar Locals weisen uns den richtigen Weg und so finden wir zur Höhle, von welcher aus das Wasser in die Tiefe fällt. Eine gigantische Aussicht geniessen wir von da oben. Der Ausflug hat sich gelohnt (Video unten). Auf dem Rückweg finden wir irgendwo auf dem Land einen Wasserfall, wo wir uns den Schlamm abputzen und auch wieder mal duschen können. Weil wir unseren Wassertank füllen möchten und sauberes Wasser in Kolumbien schwierig per Schlauch zu bekommen ist, halten wir in einem Dorf bei einem Stand an und nachdem wir eine leckere Empanada bestellt haben fragen wir, ob wir Wasser kaufen können. Der nette Mann füllt uns eimerweise Trinkwasser von seiner eigenen Quelle ab und bringt es uns zum Auto, um den Tank zu füllen. Er will kein Geld annehmen und so kaufen wir dafür noch ein paar Sachen von ihm ab. Er freut sich, wir zeigen unseren Camper und in Nullkommanichts ist das ganze Dorf vor Ort und staunt. Wahnsinnig diese Herzlichkeit auf dem Land.

Als Nächstes besuchen wir das pittoreske Städtchen Villa de Leyva in den kolumbianischen Anden. Mit den einstöckigen hübschen Häusern, den Kopfsteinplasterstrassen und dem grössten Dorfplatz Kolumbiens diente Villa de Leyva schon in der Kolonialzeit hochrangigen Menschen und Vizekönigen als Erholungsort. Das Städtchen ist wunderschön aber auch sehr touristisch. Es findet momentan ein Festival statt und so ist der Dorfplatz voll mit Ständen, einer Bühne und Bahnen, die zum Teil interessant zusammengebastelt sind (kleine Plastik-Kinderautos an Kleiderbügeln befestigt, die dann ein fliegendes Karussell ergeben). Wie geniessen von den Ständen leckere Spezialitäten, wie zum Beispiel Lechona – kolumbianisches Spanferkel welches im Erdofen in der Haut gefüllt mit Reis, Erbsen und vielen leckeren Gewürzen 10 Stunden lang gekocht wird.

Catedral de Sal und Bogota

Kurz vor Bogotá besuchen wir die Catedral de Sal (Salzkathedrale) von Zipaquirá. Die Salzkathedrale ist eine riesige religiöse Einrichtung mit beleuchteten Kunstwerken aus Salz und Marmor in den Tunnels und Hallen einer ehemaligen Salzmine 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Schon vor Kolonialzeiten wurden die Salzvorkommen in Zipaquirá entdeckt und zu Nutze gemacht. Ab dem 19. Jahrhundert wurden dann richtige Salzminen erschaffen, worauf sich ein paar Minenarbeiter eine kleine Zufluchtskammer zum Beten gebaut haben. Um 1950 wurde dann eine richtige Kathedrale daraus, die aber aufgrund der weiter anhaltenden Minentätigkeiten geschlossen werden musste, da sie zu unstabil wurde. Erst in den 1990ern wurde dann eine neue Salzkathedrale in anderen Minenschächten gebaut, die nun heute besichtigt werden kann. Da die Salzgewinnungstechnik sich verändert hat und es keine Erschütterungen mehr gibt, bleibt die Kathedrale stabil. Früher wurde das Salz mit dem Fels gesprengt und danach das Salz mit Wasser gelöst. Heute wird auf die Sprengung verzichtet, da das Wasser mit Druck in den Fels gepumpt wird und das Salz löst. Sicher ein imposantes Bauwerk und mal eine ganz andere Sehenswürdigkeit, auch wenn es für unseren Geschmack ein wenig sehr kommerziell war.
Nun kommen wir in die Hauptstadt Kolumbiens: Bogotá. Die Stadt ist mit 12 Mio. Einwohnern (inkl. Umkreis, entspricht 22% der Bevölkerung Kolumbiens), die grösste Stadt Kolumbiens und mit einer Höhenlage von 2700 Metern eine der höchsten Grossstädte Südamerikas. Da wir das Nachtleben kennenlernen möchten und unser gesicherter Parkplatz bereits um 21.00 Uhr schliesst, nehmen wir ein Hotel und feiern überrascht die erste heisse Dusche seit dem Hot Spring Waterfall in Guatemala, der sich zumindest wie eine heisse Dusche anfühlte. Wir suchen erfolglos nach einer bezahlbaren Seilwinde. Der Prozess war interessant: Man fährt ins Quartier für Autoersatzteile. In dem Quartier hat es hunderte kleine Läden mit Ersatzteilen, gearbeitet wird oft direkt auf der Strasse. Wir fahren ins Quartier und werden relativ schnell von Jemandem angesprochen, der sich im Labyrinth von Läden auskennt. Man wartet im Auto während dieser versucht das gewünschte Teil ausfindig zu machen und all seine Kontakte aktiviert. Danach kann man ein Trinkgeld geben. Unser Mann hat sich sehr Mühe gegeben, aber ein weiteres Mal stellen wir fest, dass eine Seilwinde hier aufgrund der hohen Importsteuern nicht in unserem Budget liegt. Abends gingen wir aus und am Sonntag haben wir uns ins Getümmel gestürzt und die Stadt ein wenig zu Fuss erkundigt. Bogotá ist definitiv keine Augenweide. Im Zentrum La Candeleria gibt es ein paar schöne Kolonialbauten, aber das wars auch schon mit Schönheit. Es ist aber eine äusserst lebendige, spannende Stadt. In den vielen Fussgängerzonen sind wie komplett überwältigt von all den Eindrücken, den unzähligen Strassenständen, die alles mögliche verkaufen, dem Streetfood, den vielen Aufführungen, sogar „Guggenmusik“, den Strassenkünstlern oder auch einfach den vielen unterschiedlichen Menschen, die vom Kleidungsstil und dem Benehmen her irgendwie vielfältiger sind, als wir es beispielsweise in Zentralamerika erlebt haben. Wir wissen gar nicht wohin mit den Augen, so viele Eindrücke auf einmal. Am Abend treffen wir uns mit einem Amerikanisch-mexikanischen Pärchen, welches seit 3 Monaten in Bogotá ist und darauf wartet endlich den Roadtrip durch Südamerika zu starten, aber Probleme mit dem frisch gekauften Auto hat. Mit ihnen gehen wir Tejo spielen. Tejo ist der offizielle National-„sport“ Kolumbiens und beinhaltet Bleikugeln, Schiesspulver und viel Bier. Das Spiel wurde ca. vor 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung erfunden. Auf einer Platte mit viel Lehm befinden sich kleine Briefchen mit Schiesspulver. Mit einer halben Kilo schweren Bleikugel muss man die Platte bewerfen und erhält je nachdem, ob die Mitte oder ein Schiesspulverbriefchen getroffen wird und dabei eine Explosion ausgelöst wird, unterschiedlich viel Punkte (Video unten). Dabei wird oft ziemlich viel Bier getrunken. Es war auf jeden Fall eine lustige Erfahrung. Eigentlich wollen wir danach Bogota verlassen, finden aber heraus, dass wir dummerweise am gewünschten Abfahrtstag nicht fahren dürfen. Je nach Endung des Kennzeichens darf jedes Auto jeden zweiten Tag nicht gefahren werden, um die Verschmutzung und Strassenverstopfung zu verringern. So erledigen wir noch einen Tag lang Diverses, geniessen einen Kaffee und schreiben diesen Bericht 🙂

Unser Zugstrecken-4×4-Track:

Unsere Schulbus-Rettungsmission:

Ventanas de Tisquizoque Wasserfälle:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn