San Blas Inseln

Mit dem Segelschiff auf einen neuen Kontinent

Nach unseren 3 Tagen in Portobelo ohne fliessend Wasser und am letzten Tag auch noch ohne Strom konnten wir endlich unsere Überfahrt nach Kolumbien antreten. Mit dem Segelschiff werden wir in 5 Nächten von Portobelo in Panama nach Cartagena in Kolumbien segeln. Damit ist das Kapitel Nord- und Zentralamerika abgeschlossen und wir kommen nach Südamerika, wo wir beide noch nie waren.

Riesige Seesterne bei den San Blas Inseln

Auf dem Segelschiff sind wir eine gemischte Gruppe – ein dänisches Pärchen, ein englisches Pärchen, ein argentinischer Motorradfahrer und zwei US-amerikanische Fahrradfahrer. Der Captain ist Australier und seine kolumbianische Frau verwöhnt uns kulinarisch. Im 60-jährigen Segelschiff machen wir zuerst 3 Tage lang Inselhopping auf den San Blas Trauminseln, bevor wir die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer antreten.
Die ersten 3 Tage auf den Inseln sind paradiesisch. Die San Blas Inselgruppe gehört zwar zu Panama, wird aber autonom vom indigenen Kuna-Stamm verwaltet und besessen. Insgesamt gehören über 365 Inseln dazu, nur rund 50 davon sind von den Kuna bewohnt. Die Kuna mussten lange um ihr Recht kämpfen, auf den Inseln wohnen zu bleiben und haben es dann 1930 endlich geschafft, sich Autonomie für die Inseln zu sichern und die Garantie da einigermassen ungestört zu leben. Während sie früher unbekleidet, nur mit reichlich Körperbemalung verziert waren, haben Missionare sie überzeugt Kleidung zu tragen. Darauf haben sie wunderschöne bunte Tücher als Kleidung entwickelt, die mit denselben Motiven bestickt sind wie ursprünglich die Körperbemalung. Interessant ist auch, dass es sich um eine matriarchalische Gesellschaft handelt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Besitztümer den Frauen gehören oder dass ein Ehepaar zur Familie der Frau zieht. Wir sehen wie die Kuna noch immer sehr einfach in ihren Strohhütten leben, den Lebensunterhalt meistern sie durch Fischen oder den Verkauf von Kokosnüssen ans Festland. 100 Kokosnüsse bringen ihnen dabei 60 US-Dollar ein. Deswegen wäre es im Vergleich zu anderen Orten auch verpönt wenn wir hier Kokosnüsse einsammeln und verspeisen würden, selbst wenn die Insel unbewohnt ist – Kokosnüsse sind hier Geld.

Sonnenuntergang in San Blas

Zum Fischen oder zur Fortbewegung benutzen die Kunas selbst geschnitzte Holzkanus. Hin und wieder kommen sie damit vorbei zu unserem Boot und bieten handgemachte Schmuckstücke an, verkaufen uns frisches Eis für die Kühlbox oder frischgefangene Lobster (12 Dollar für 1 KG), aus welchen die Frau des Captains uns ein leckeres Gericht zaubert.

Die Ave Maria in San Blas

Wir besuchen natürlich nur ein Bruchteil der Inseln, schnorcheln bei den Riffen um die Inseln und einmal um ein Schiffswrack, fasziniert ab den vielen bunten Fischen oder den riesigen Mantarochen. Bei einer unbewohnten Insel befestigen wir Hängematten, wer will kann die Nacht drin verbringen. Auf der Insel grillen wir Steak und schlürfen Cocktails aus der Kokosnuss und geniessen bei einem Lagerfeuer die vielen Sterne. Wie es in den Tropen halt so ist, regnet es auch zwischen durch, aber nicht so dass es störend ist – im Gegenteil, es ist eher erfrischend. Die Gruppendynamik ist gut und wir haben es lustig untereinander.

Raphi auf der Ave Maria

Nach drei Tagen bei den San Blas Inseln folgt die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer. In der ersten Nacht werden wir von 3 Stürmen heimgesucht, was ungewöhnlich viele sind. Auf diesem winzigen, alten Boot in den riesigen Wellen ist dies ein wenig unheimlich. Immerhin können wir uns gemütlich reinverziehen und müssen nur mit der stickigen Luft leben, da wir die Fenster nicht öffnen können und der Wohnraum doch sehr eng ist. Nur der Captain muss draussen ausharren sowie Raphi, der aufblüht, überall mithelfen will und auch mal das Steuer übernimmt. Am Schluss sind sich alle einig, dass Raphi als letzter ausgesetzt auf der Insel überleben würde und er hat den neuen Übernamen ‚the Swiss Bear Grylls‘ (der Text wurde von Anouk geschrieben :)).
Die Stimmung am Tag auf offener See ist ruhig – die meisten sind entweder seekrank oder aufgrund der Seekrankheitstabletten müde. Uns geht es beiden gut – Raphi hilft weiter mit und Anouk geniesst es in Ruhe ein Buch zu lesen. Einmal schauen Delfine vorbei, die wir leider nicht auf Kamera kriegen. Die letzten Stunden in der letzten Nacht sind dann nochmals aufregend – wobei wir manches aufgrund unseren guten Schlafes nur am Rande mitbekommen. Wir fahren in den Hafenkanal von Kolumbien. Die Küstengarde Kolumbiens kommt vorbei und durchsucht mitten in der Nacht das ganze Boot. Nachdem sie fertig sind, erwähnen sie, dass wir schnell weiterfahren sollen, da ein Containerschiff kommt (und der Kanal ist eng). Dummerweise stellen wir fest, dass das Seil, welches das kleine Motorboot hinterherzieht sich in unsrer Schraube verfangen hat. Panik bricht aus und spätestens dann sind wir alle wach. Es gibt keine professionellen Taucher an Bord und so opfert sich der Captain dann und taucht mitten in der Nacht in die verschmutzten Kanalgewässer ein und schafft es irgendwie das Seil zu zerschneiden und entwirren. So können wir dem Containerschiff nochmals glimpflich entkommen und kommen mitten in der Nacht in der Bucht von Cartagena an. Am nächsten Morgen fährt uns der Captain in kleinen Gruppen mit dem ‚Dingy‘, dem Motorboot an Land. Es bleibt bis am Schluss spannend, denn bei uns, als letzte Gruppe, fällt der Motor aus und geht nicht mehr an. Zumindest bei Anouk bricht die Angst aus nun noch im letzten Moment im Hafen von Cartagena zu versinken / bzw. durch die grossen Wellen nass zu werden mitsamt unsrem Gepäck und wertvoller Elektronik. Mit Teamarbeit schaffen wir es das Dingy wieder zum Laufen bringen und unsere Drohne, Kamera und Laptop trocken an Land zu bringen.

Ankunft in Cartagena

In einem Shawarma Restaurant mit Wifi belagern wir bis spät Nachmittags die Tische bis endlich unsere Pässe gestempelt zurückkommen. Mit dem vielen Gepäck nehmen Raphi und ich ein Uber zum Hotel. Wir sind überfordert mit den Eindrücken unterwegs. Alles ist so ganz anders als in Zentralamerika. Kolumbien und Panama sind so nah, die direkte Strasse nur durch die Darién Gap getrennt aber doch ist alles so fremd hier. Wir können es noch nicht beziffern. Ist es Weitläufigkeit? Sind es die die uns gänzlich unbekannten Shopnamen? Sind es die Menschen oder die Musik, die hier anders aus den Boxen klingt? Wir merken, wir sind an einem ganz neuen Ort angekommen, den wir nicht mehr so leicht vergleichen können. Wir sind in Südamerika, für uns beide neben der Antarktis einzige Kontinent, den wir davor noch nicht kannten. Wir sind wo ganz Neues und wir sind aufgeregt!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Containerschiff auf der Durchfahrt

Die berüchtigte Darién Gap, der legendäre Kanal und die Stunde der Wahrheit

Nach unseren Land Cruiser- Schrumpfbemühungen in Panama City fahren wir weiter östlich in die berüchtigte Darién Provinz. Unser Ziel ist das Ende der Strasse und der Beginn der sogenannten Darién Gap – der Grund wieso wir überhaupt verschiffen müssen.

Die Darién Gap und der Grund für die Verschiffung

Angekommen in Yaviza, wo die Panamericana endet

Die Darién Gap ist eine ca. 100 Kilometer lange Lücke in der Panamericana zwischen Panama in Zentralamerika und Kolumbien in Südamerika. Durch den dichten Dschungel wurde nie eine Strasse gebaut. Man könnte die Darién Gap zwar zu Fuss durchqueren, was aber illegal ist und womöglich tödlich endet. Es handelt sich schliesslich, um eine der gefährlichsten Regionen weltweit: Einerseits ist der Dschungel kaum erschlossen, dass man sich verirrt ist deswegen sehr wahrscheinlich. Weiter gibt es jede Menge gefährliche, teils tödliche Tiere, Schlangen, Amphibien, Insekten. Zudem wird der Darién Dschungel grösstenteils von der kolumbianischen FARC Guerilla Armee und Drogenkartellen kontrolliert. Wenn diese von der Anwesenheit von Zivilisten Wind bekommen, ist mit Mord oder Entführung zu rechnen oder damit, dass man Unmengen an Geld bezahlen muss, um lebendig wieder rauszukommen. Und als ob das nicht genug wäre, liegen auch noch Mienen rum.
Der Randteil des Dschungels auf Panamaseite könnte man mit Führer besuchen, aber für das fehlt uns die Zeit. So fahren wir bis ans Ende der Panamericana von Alaska in Yaviza, wo die Strasse vor einer Fussgängerbrücke endet. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar Häuser und dann fängt der berüchtigte Darién Dschungel an. Es ist alles nicht sehr spektakulär, Yaviza als Dorf sehr arm, aber trotzdem finden wir es irgendwie spannend und reizvoll bis ganz ans Ende zu gehen. Bereits in der gesamten Darién Provinz merkt man, dass es hier anders ist – alle paar Kilometer folgt eine Militärkontrolle, es soll sicher gestellt werden, dass niemand was schmuggelt und niemand auf die Idee kommt auf diesem Weg nach Kolumbien zu reisen. Traurig ist wiederum der Müll, der sich neben der Panamericana teilweise richtig häuft und streut. Auf dem Weg zurück nach Panama City machen wir einen Abstecher an die Pazifikküste. Hierhin verirrt sich normalerweise kein Tourist, die Strassen abseits der Panamericana sind nicht mal in Google Maps erfasst. Aber es gibt sie und so fühlen wir uns ziemlich abenteuerlich, als wir diese Strassen erkunden und dabei ca. 10 Flüsse durchqueren müssen. An den einsamen Strand, der uns von Alejandro aus der Overland Embassy empfohlen wurde, kommen wir leider nicht – der Weg ist zu überwachsen. Aber der Abstecher war trotzdem schön, die Menschen auf dem Land sehr freundlich, wir begegnen einem Faultier auf der Strasse und der grössten Spinne, die wir je gesehen haben. Unterwegs findet Raphi Holz, das er zu Rampen sägt, die den Radwechsel bei der Verschiffung erleichtern sollen.

Letzte Vorbereitungen und Sightseeing in Panama City

Panaviera Rooftop Bar

Dann fahren wir nach diesem mehrtätigen Ausflug zurück nach Panama City. Dort haben wir uns bei der Albrook Mall, der grössten Mall der Americas, verabredet. Man kann da ein gutes panamisches Pulled Beef Sandwich essen, und auf dem Parkplatz kostenlos übernachten – was will man mehr bei einem Overlander Treffen. Die zwei Deutschen in ihrem VW Crafterbus sind bereits ähnlich lange wie wir unterwegs, gehen nun aber wieder nordwärts Richtung Kanada und Alaska. Da sie etwa zu 40% unterwegs arbeiten haben sie länger Zeit und Budget wie wir. Leider finden wir auch in der Albrook Mall keine neuen Trekkingschuhe und so gehts weiter zurück zur Overland Embassy, wo wir unsere Stahlfelgen noch mit Gummi bekleben möchten damit keine Beschädigungen am Container entstehen, Grossputz machen und ein paar Kleinigkeiten reparieren wollen. Leider ist wieder mal Pipi aus der Toilette ausgeleert und so lassen wir neben unsren Sitzen auch die Teppiche professionell reinigen. Inzwischen sind auch unsere Container Buddies Aurore und Salah aus Frankreich in der Embassy eingetroffen. Wir treffen dort weitere Overlander – zwei Pärchen aus den USA, ein holländisches Pärchen, ein ausgewanderter französischer Youtuber, ein deutsches Pärchen, ein texanischer Motorradfahrer und ein kanadisches Pärchen, welches wir bereits kurz in Mexico und Nicaragua angetroffen haben. Die individuellen Stories und Lebensweisen dieser Reisenden sind immer so spannend anzuhören und geben auch neue Ideen und Perspektiven. So verbringen wir ein paar Tage in der Overland Embassy, arbeiten fleissig, schaffen es aber auch mal mit den anderen ein Bier trinken zu gehen oder Pizza zu bestellen. Einmal müssen wir zu einer Behörde, um von Polizeibeamten unser Auto, die VIN, Motornummern und deren Übereinstimmung mit Dokumenten für die Verschiffung inspizieren zu lassen. Ja es ist sehr wichtig, dass immer alle Nummern genau stimmen, sonst gibt es grosse Probleme. Danach, wird ein neues Dokument erstellt mit wieder denselben Autoangaben. Ironischerweise befinden sich ausgerechnet auf diesem Dokument wieder Fehler: Unsere Container Buddies fahren einen roten „Fitat“ statt einen weissen Fiat. Ja, rot und weiss kann man leicht vertauschen. Nachdem wir mit allem fertig sind, erkundigen wir mit unseren Container Buddies endlich Panama City: Wir besuchen Casco Viejo – die Altstadt. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die hübschen alten Kolonialbauten. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut, nachdem die alte Panama City beinahe vollständig durch Piraten zerstört wurde. Das Viertel ist wunderschön, herausgeputzt, überall durch die Polizei überwacht. Da wirkt es umso surrealer, dass sich gleich nebenan der Abfall nur so türmt und die Kinder im Müll spielen. Ja, Panama City. Eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber die Ungleichheit ist einfach zu extrem. Wir haben in ganz Zentralamerika inklusive Mexico bisher nirgendwo solchen Luxus gesehen. Gleichzeitig haben wir auch nirgendwo bis jetzt solchen Elend und solche Müllberge gesehen. Auf den Salat für 20 US Dollar in Casco Viejo verzichten wir, finden aber im legendären Coca Cola Café einfaches, leckeres panamisches Essen für 5 Dollar. Es ist das älteste Restaurant Panamas, wo auch schon Che Guevara oder Theodore Roosevelt eingekehrt sind. Am nächsten Tag suchen wir den Mercado de Mariscos auf, den grossen Fischmarkt Panamas. Vor lauter Wäsche waschen und anderen Arbeiten verpassen wir leider den Markt, aber bei den Ständen probieren wir ein paar günstige frische Fischgerichte, unter anderem natürlich das in ganz Lateinamerika beliebte Ceviche. Der schönen Uferpromenade entlang laufen wir ins Viertel Punta Pacifica, wo sich ein Grossteil von Panamas Skyline befindet. Hier gönnen wir uns als Abschied von der Stadt in einer Rooftop Bar im 66. Stockwerk mit herrlicher Aussicht noch einen Drink bevor wir das Uber zurück zur Mall nehmen zum Übernachten.

Der Panama Kanal

Schiffspotting beim Panamakanal

Den nächsten Tag machen wir einen Spaziergang im riesigen Stadtpark Parque Natural Metropolitano, um die schöne Aussicht auf Panama City zu geniessen und werden den restlichen, letzten Tag mit dem Land Cruiser zu Schiffspottern. Bei den Pedro Miguel Schleusen und in Gamboa, beides entlang des Panama Kanals schauen wir mit unseren Container Buddies den riesigen Dampfern zu. Obwohl schon vor 500 Jahren die Idee aufkam einen Kanal zu bauen, welcher die Karibik mit dem Pazifik verbindet, wurde erst Ende 19. Jahrhundert damit angefangen. Der erste Versuch der Franzosen misslang – aufgrund von Fehlplanungen und Tropenkrankheiten starben 25’000 Menschen. Der zweite Versuch der USA Anfang 20. Jahrhundert war dann erfolgreich. Danach folgten immer wieder Streitigkeiten über Besitz und Zuständigkeiten zwischen Panama und den USA- erst 1999 hat die USA sämtliche Rechte und Verantwortlichkeiten an Panama abgegeben. 8 bis 10 Stunden dauert die ca. 80 kilometerlange Kanaldurchfahrt. Kein Wunder haben wir in Panama City so viele Schiffe gesehen, die alle auf die Durchfahrt warten. Eine Durchfahrt ist kein Schnäppchen – bis zu 450’000 US Dollar kann sie kosten, je nach Volumen. Ungefähr 2 Milliarden Dollar werden damit jährlich generiert. Vielleicht bekommt der Kanal aber bald „anti-westliche“ Konkurrenz. Die Chinesen haben schon vor Jahren einen Deal mit Nicaragua abgeschlossen, um in Nicaragua einen Kanal zu bauen. Obwohl das Projekt lange auf Eis gelegt war und die dafür gegründete Kanalbau-Firma hauptsächlich für Geldwäsche genutzt wurde, wird das Projekt Gerüchten zufolge mit den derzeitigen Spannungen zwischen China, Nicaragua, Russland versus USA wieder aktueller. Die letzte Nacht im Land Cruiser geniessen wir direkt am Kanal bevor wir am Montag Morgen nach Colón für die Verladung fahren.

Die Verschiffung und Wasserprobleme

Mit unseren Container Buddies und Alejandro, der auch noch vorbeigeschaut hat

Wir kommen extra früh an, damit wir schon mal die Stahlfelgen montieren können. Raphi hat an alles gedacht, die Montage funktioniert einwandfrei. Zuerst verladen wir den Land Cruiser auf den Abschleppwagen, damit er auf der richtigen Höhe in den Container gerollt werden kann. Damit ist die Stunde der Wahrheit gekommen – und siehe da, es funktioniert! Es bleibt höchstens ca. 1 cm Spielraum, aber wir schaffen es rein – langsam – aber es klappt. Der Fiat unsrer Container Buddies ist weniger hoch und stellt somit kein Problem dar. Allerdings ist er breit, womit es eine wirkliche Herausforderung ist, nach dem Befestigen der Autos mit Spanngurten wieder hinaus zu klettern. Aber auch das klappt nach mehreren Anläufen. Dann wird der Container geschlossen und versiegelt. Unser Agent Boris hat schon alle Formalitäten erledigt und uns den Stempel im Pass geholt, damit wir das Land verlassen können. Wir dürfen das Land sonst nicht verlassen, wenn nicht bewiesen ist, dass das Auto ebenfalls draussen ist. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einem Bier ist dann der Abschied angesagt. Die anderen fahren zurück nach Panama City, wir werden von Boris zum Busbahnhof von Colón gefahren. Endlich können wir mit einem dieser restaurierten, wunderschön bemalten, haarsträubend-fahrenden, US Schulbussen fahren, von welchen es in Zentralamerika nur so wimmelt. Komfort ist anders, die Sitze sind ursprünglich ja für Kinder gedacht, aber es ist ein Erlebnis. Mit lauter Partymusik und innen blinkenden Lichtern werden wir für ca. 1 Dollar 1.5 Stunden lang nach Portobelo gefahren. Im verschlafenen karibischen Kaff wird 2 Tage später unser Segelturn nach Kolumbien ablegen und so bleiben wir hier in einem Airbnb bei einer sympathischen Familie (sie mit aufgeweckter Tochter aus Kamerun, er aus Kanada). Wir freuen uns darauf nach vielen Tagen ohne, wieder mal zu duschen und Handwäsche zu machen bevor wir 5 Tage auf dem Segelboot ohne Frischwasser verbringen. Umso frustrierter sind wir, als wir erfahren, dass im ganzen Dorf das Wasser abgestellt wurde. Wir können nicht duschen, nicht waschen, keine Hände waschen, nicht spülen. Und das im reichen Panama. Was für uns nur vorübergehend ein grosser Frust ist, ist für die Menschen hier Alltag. Aber eben, hier grüsst wieder mal die Ungleichheit. In Panama City besteht bei manchen die grösste Sorge wahrscheinlich daraus, sich auf dem Weg in den Prada Store der grössten Mall von Nord- und Südamerika zu verlaufen, während die Leute im Dorf tagelang nicht mal fliessend Wasser haben. Naja uns bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen uns mit Regenwasser in Kübeln auszuhelfen so gut es geht. Heute Abend geht dann unser Segeltrip nach San Blas los. Bis jetzt hat es in Portobelo geregnet, vielleicht schaffen wir es noch die eine oder andere Festung anzuschauen. Portobelo war zu Kolonialzeiten eine wichtige Hafenstadt, die von schweren Festungen geschützt wurde. Die Überbleibsel sind noch zu besichtigen, sind auch als UNESCO Weltkulturerbe geschützt. Sie sind aber so am zerfallen, dass sie auf die Rote Liste aufgenommen wurden, womit gedroht wird den Weltkulturerbestatus wieder zu streichen. Das wars mit unsrer Woche, nächstes Mal melden wir uns hoffentlich von Kolumbien.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Unsere Route seit Reisebeginn durch Nord- und Zentralamerika:

Unsere Route bis Panama

Raphi auf dem Cerro Tute

Vom Dschungel ins Konsumparadies Panamas

Osa Peninsula

Dreifachsonnenuntergang bei Drake Bay

Unser letzter Halt in Costa Rica machen wir auf dem Osa Peninsula. Das Osa Pensinsula beherbergt laut National Geographic die intensivste Biodiversität, also Artenvielfalt der Welt. So wird geschätzt, dass auf dem Peninsula 2.5% der Biodiversität der Welt zu finden ist, obwohl das Peninsula nicht mal ein Tausendstel Prozent der Erdoberfläche ausmacht. Der Grossteil des Peninsulas ist von Dschungel bedeckt und teilweise durch den Corcovado Nationalpark geschützt. Zuerst fahren wir zu einem abgelegen Strand in der Nähe von Drake Bay, was 4-5 Flussdurchquerungen erfordert. Wir werden mit einem wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz am Strand mit traumhaftem Sonnenuntergang belohnt. Nachdem es dunkel ist, wimmelt es nur noch so von Hermit Crabs (Einsiedlerkrebsen) – eindrücklich. Wo der meilenweite mit Kokospalmen gesäumte Strand endet, fängt der dichte Dschungel an. Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung durch diesen Dschungel. Wir sahen tatsächlich einige Tiere – Mango naschende Äffchen (wobei sie immer nur 2-3 Bisse probieren, die Mango an Boden schmeissen und die nächste pflücken), Nasenbären, riesige blaue Schmetterlinge, Truthahngeier, einen gut getarnter Helmbasilisk und Aras. Anouk wird schmerzhaft und zweifach von einer giftgrünen Raupe gestochen. Auf dem nassen rutschigen Lehmboden fallen wir ein paar Mal auf den Hintern und sind danach richtig dreckig, aber ansonsten hat die Wanderung Spass gemacht. Danach fahren wir auf die andere Seite des Peninsulas und geniessen dort noch 2 Tage, suchen einsame Strände zum übernachten, fischen und Wellen reiten oder erledigen im Dörfchen Administratives. Auf den Besuch des Corcovado Nationalpark verzichten wir aus Budgetgründen, freuen uns aber drüber am Morgen vom Bett aus durchs Dachfenster Tukane und Aras in den Bäumen zu beobachten.

Grenze zu Panama und Boquete

1000-jähriger Baum auf dem Pipeline Trail bei Boquete

Das wars nun auch schon mit Costa Rica und so machen wir uns auf zur letzten Grenze Zentralamerikas – der nach Panama. Es handelt sich wieder um eine verhältnismässig mühsame Grenze. Verlängert wurde das Prozedere dadurch, dass die Beamten sowohl beim Abschluss der obligatorischen Haftpflichtversicherung fürs Auto als auch bei den Temporärimportpapieren fürs Auto die VIN Nummer und das Kennzeichen fehlerhaft eingaben und das rückgängig machen mehrere Anrufe und viel Warten implizierte. Beim Korrigieren schlichen sich erneut Fehler ein, womit der Prozess ein drittes Mal wiederholt werden musste. Wir kontrollieren die Nummern jedes Mal, da es im Falle von Fehlern bei der Ausreise und dieses Mal noch schlimmer – bei der Verschiffung – Probleme geben würde. Wir können uns nicht erklären, wieso wir tatsächlich fast jedes Mal Fehler entdecken, obwohl die Beamten diesen Prozess täglich wiederholen – mühsam. Nach etwa 3 Stunden haben wir es geschafft, machen in der Stadt David ein paar Erledigungen (z.B. zahlen auf der Bank die Anzahlung ein für die Verschiffung) und fahren ins blumige Hochland ins Städtchen Boquete. In Boquete übernachten wie am Dorfplatz, wie zufälligerweise unsere Container Buddies auch. Somit lernen wir sie das erste Mal kennen und gehen zusammen etwas essen und trinken. Aurore und Salah aus Frankreich sind seit einem Jahr auf der Panamericana unterwegs. Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, als sie in einer Facebook-Gruppe gefragt haben, ob jemand mit ihnen Mitte Juni ein Container nach Kolumbien teilt.
Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Es ist unser dritter, letzter und leider weiterhin erfolgloser Versuch Quetzals zu sehen.

Cerro Tute

Raphi auf dem Cerro Tute

Weiter fahren wir zum Cerro Tute, eine Destination abseits der Touristenpfade. Hier fahren wir so weit hoch wie es geht. Es ist eine wahrliche Allrad-Herausforderung – auf rutschigem, äusserst steilen, unebenen Lehm mit vielen Felsen. Das letzte extrem steile Stück schaffen wir nicht zu überwinden und damit kommen wir nicht bis da wir hinwollten, aber doch so weit, dass wir beim Übernachten ein schönes Panorama haben. Am nächsten Morgen stehen wir vor dem Sonnenaufgang auf, um die restliche halbstündige Wanderung zum Gipfel zu wandern. Ein Stück ist für Anouk mental besonders anspruchsvoll: Es führt durch ganze Landschaften voller ineinander gewobenen Spinnennetzen. Zum Glück hat Raphi die Machete dabei und kann den Weg freimachen. Dies ist für Arachnaphobikerin Anouk aber nur eine kleine Beruhigung, ist doch der Weg so schmal, dass man unweigerlich die Pflanzen berührt (dies erst noch bei Dunkelheit) und damit Angriffsfläche für Spinnen schafft. Am Schluss müssen wir noch auf den Felsen klettern, begrüssen die dort ansässige Krötenfamilie und hätten dann ein 360-Panorama vom höchsten Berg in der Umgebung. Leider ist es so neblig da oben, dass wir kaum was sehen, auch nicht den Sonnenaufgang. Es ist halt Regensaison. Leider können wir nicht warten, da wir nach Panama City müssen. Zurück beim Auto wartet die nächste Überraschung: Unser Reifen ist platt. Zum Glück liegt es am Reifen, nicht wieder am Felgen, womit Raphi das Loch flicken kann.

Ankunft in Panama City und der Overland Embassy

Raphi schneidet die Felgen zurecht

Dann müssen wir nach Panama City eilen, zur „Botschaft“. Die Overland Embassy / Botschaft wurde letztes Jahr von Alejandro gegründet, der selber gerne reist und bereits overland die Strecke Panama – Alaska gereist ist. Alejandro ist mit seiner Familie mit 16 von Venezuela nach Panama geflohen. Um als Teenager in der neuen Umgebung nicht in ein Loch zu fallen hat er sich zum Ziel gesetzt Panama bis in die letzten Ecken zu erkunden und mögen zu lernen. Dabei ist er immer wieder auf Reisende / Overlander gestossen und hat sie dann unterstützt bei ihren Vorhaben in Panama, wie zum Beispiel bei der grossem Herausforderung der Verschiffung nach Kolumbien. Und so wurde ihm immer wieder vorgeschlagen sein Hobby zum Beruf zu machen, was er nun mit der frisch gegründeten Overland Embassy macht. Er weiss was Overlander wie wir brauchen und hilft bei allem Möglichen. Zum Beispiel bietet er Werkstatt mit allem drum und dran hat, hat Kontakte für alle möglichen Reparaturen, man kann bei seiner „Botschaft“ kostenlos freistehen und Wlan, Dusche, Toilette nutzen. Man kann sein Camper putzen, Ersatzteile bestellen, er agiert auch als Agent für Verschiffungen und so weiter. Und natürlich schliesst man dort auch mit ihm und anderen Reisenden schnell neue Freundschaften. Eine wirklich tolle Sache. Wir haben zwar bereits einen anderen Verschiffungsagenten, Alejandro kann uns aber helfen uns zu „schrumpfen“, damit wir in den Container passen. Er ist gerade dran einen alten Land Cruiser zu restaurieren, von welchem er auch die Originalfelgen gekauft hat. Netterweise verkauft er uns diese weiter. In seiner Werkstatt können wir sie so zurechtschneiden, dass wir sie am Land Cruiser anbringen können und mit ihnen ohne Reifen in den Container fahren können, um niedriger zu sein.
Nachdem wir am zweiten Tag fertig sind, kommt der grosse Moment der Wahrheit – wir messen und sind mit den zurechtgeschnittenen Felgen 2.57 Meter hoch. Wir dürfen genau 2.58 Meter sein – es sollte also passen. Ein halber Stein fällt uns vom Herzen (sind ja noch nicht im Container). Nun haben wir noch ein bisschen Zeit vor der Verladung am 13. Juni um Panama und Panama City zu erkunden und machen uns ausgestattet mit Alejandros Panama-Insider Tipps auf den Weg.

Das reiche aber ungleiche Panama

Nach unseren ersten Tagen in Panama haben wir einen gemischten Eindruck. Die Menschen sind generell sehr sehr freundlich und offen, mehr noch als in Costa Rica. Was schockiert, ist der Müll der wieder überall rumliegt, obwohl Panama dank dem Panamakanal, aber auch Offshore Banking und Geldwäscherei in reiches Land ist, sogar reicher als Costa Rica. Auf der anderen Seite sind wir total überwältigt vom kommerziellen Angebot. An den meisten Orten, aber vor allem um Panama City gibt es riesige wunderschöne Supermärkte mit einem top internationalen Angebot (sogar Schweizer Villars Schoggi, die es in der Schweiz nur in ganz grossen Coops gibt). Es reiht sich eine Riesenmall an die nächste, und wir sehen eine Vielfalt an amerikanischen Fastfoodketten, die wir in den USA das letzte Mal gesehen haben. Nachdem wir seit den USA mit einem sehr stark eingeschränkten Angebot leben mussten, ist dies ein Luxus für uns. Z.B. war das verfügbare Spektrum an Lebensmittel sehr gering oder wir versuchen seit den USA neue Trekking-Turnschuhe zu finden, da unsere dank täglichem Tragen total abgenutzt sind – keine Chance. So sind wir total überwältigt von diesen plötzlich scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Aber ja, dafür sind die Preise praktisch gleich hoch wie in den USA, bezahlt wird auch in US Dollar. Angesichts der Riesen-Skyline von Panama City würde so manche US-Grossstadt erblassen und unsere letzte besuchte Metropole Mexico City sowieso. Der ganze Luxus ist ja schön und gut, aber etwas stimmt nicht ganz und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Auf dem Land leben die Menschen in offenen Stroh und Wellblechhütten ohne Strom und vorne dran türmt sich der Abfall. Die Armut ist deutlich zu spüren und die Ungleichheit widerspiegelt sich auch in der extrem hohen Polizeipräsenz, die versucht zu verhindern, dass die Situation eskaliert. Lateinamerika ist weltweit führend was Einkommen- und Vermögensungleichheit angeht und innerhalb Lateinamerikas kommt Panama diesbezüglich nach Brasilien an oberster Stelle. Ja Panama ist reicher als Costa Rica, aber Costa Rica pflegt eindeutig den nachhaltigeren Wohlstand.
Aber vielleicht ändert sich das ja noch, Panama ist relativ „neureich“. Erst 1999 hat die USA Panama die vollständige Kontrolle über den Kanal überlassen und viel Wohlstand stammt auch von der Verdreifachung des Verkehrs durch den Panamakanal seit der Fertigstellung der Kapazitätserweiterung 2016. Bis 1989 hat Panama unter einer schlimmen Militärdiktatur gelitten – bis der Diktator den USA den Krieg erklärt hat, was als Land mit halb so vielen Einwohnern wie die Schweiz wohl nicht der schlauste Schritt ist. Der „Krieg“ und die Diktatur nahm damit nach nur ein paar Tagen ein Ende und der Diktator musste fliehen. Seither herrscht Demokratie, aber trotzdem hatte Panama noch lange mit Korruption und anderen politischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Wir sind gespannt was uns in diesem kleinen Land noch erwartet.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Ein paar Tiere, die wir auf dem Osa Peninsula angetroffen haben: