San Blas Inseln

Mit dem Segelschiff auf einen neuen Kontinent

Nach unseren 3 Tagen in Portobelo ohne fliessend Wasser und am letzten Tag auch noch ohne Strom konnten wir endlich unsere Überfahrt nach Kolumbien antreten. Mit dem Segelschiff werden wir in 5 Nächten von Portobelo in Panama nach Cartagena in Kolumbien segeln. Damit ist das Kapitel Nord- und Zentralamerika abgeschlossen und wir kommen nach Südamerika, wo wir beide noch nie waren.

Riesige Seesterne bei den San Blas Inseln

Auf dem Segelschiff sind wir eine gemischte Gruppe – ein dänisches Pärchen, ein englisches Pärchen, ein argentinischer Motorradfahrer und zwei US-amerikanische Fahrradfahrer. Der Captain ist Australier und seine kolumbianische Frau verwöhnt uns kulinarisch. Im 60-jährigen Segelschiff machen wir zuerst 3 Tage lang Inselhopping auf den San Blas Trauminseln, bevor wir die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer antreten.
Die ersten 3 Tage auf den Inseln sind paradiesisch. Die San Blas Inselgruppe gehört zwar zu Panama, wird aber autonom vom indigenen Kuna-Stamm verwaltet und besessen. Insgesamt gehören über 365 Inseln dazu, nur rund 50 davon sind von den Kuna bewohnt. Die Kuna mussten lange um ihr Recht kämpfen, auf den Inseln wohnen zu bleiben und haben es dann 1930 endlich geschafft, sich Autonomie für die Inseln zu sichern und die Garantie da einigermassen ungestört zu leben. Während sie früher unbekleidet, nur mit reichlich Körperbemalung verziert waren, haben Missionare sie überzeugt Kleidung zu tragen. Darauf haben sie wunderschöne bunte Tücher als Kleidung entwickelt, die mit denselben Motiven bestickt sind wie ursprünglich die Körperbemalung. Interessant ist auch, dass es sich um eine matriarchalische Gesellschaft handelt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Besitztümer den Frauen gehören oder dass ein Ehepaar zur Familie der Frau zieht. Wir sehen wie die Kuna noch immer sehr einfach in ihren Strohhütten leben, den Lebensunterhalt meistern sie durch Fischen oder den Verkauf von Kokosnüssen ans Festland. 100 Kokosnüsse bringen ihnen dabei 60 US-Dollar ein. Deswegen wäre es im Vergleich zu anderen Orten auch verpönt wenn wir hier Kokosnüsse einsammeln und verspeisen würden, selbst wenn die Insel unbewohnt ist – Kokosnüsse sind hier Geld.

Sonnenuntergang in San Blas

Zum Fischen oder zur Fortbewegung benutzen die Kunas selbst geschnitzte Holzkanus. Hin und wieder kommen sie damit vorbei zu unserem Boot und bieten handgemachte Schmuckstücke an, verkaufen uns frisches Eis für die Kühlbox oder frischgefangene Lobster (12 Dollar für 1 KG), aus welchen die Frau des Captains uns ein leckeres Gericht zaubert.

Die Ave Maria in San Blas

Wir besuchen natürlich nur ein Bruchteil der Inseln, schnorcheln bei den Riffen um die Inseln und einmal um ein Schiffswrack, fasziniert ab den vielen bunten Fischen oder den riesigen Mantarochen. Bei einer unbewohnten Insel befestigen wir Hängematten, wer will kann die Nacht drin verbringen. Auf der Insel grillen wir Steak und schlürfen Cocktails aus der Kokosnuss und geniessen bei einem Lagerfeuer die vielen Sterne. Wie es in den Tropen halt so ist, regnet es auch zwischen durch, aber nicht so dass es störend ist – im Gegenteil, es ist eher erfrischend. Die Gruppendynamik ist gut und wir haben es lustig untereinander.

Raphi auf der Ave Maria

Nach drei Tagen bei den San Blas Inseln folgt die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer. In der ersten Nacht werden wir von 3 Stürmen heimgesucht, was ungewöhnlich viele sind. Auf diesem winzigen, alten Boot in den riesigen Wellen ist dies ein wenig unheimlich. Immerhin können wir uns gemütlich reinverziehen und müssen nur mit der stickigen Luft leben, da wir die Fenster nicht öffnen können und der Wohnraum doch sehr eng ist. Nur der Captain muss draussen ausharren sowie Raphi, der aufblüht, überall mithelfen will und auch mal das Steuer übernimmt. Am Schluss sind sich alle einig, dass Raphi als letzter ausgesetzt auf der Insel überleben würde und er hat den neuen Übernamen ‚the Swiss Bear Grylls‘ (der Text wurde von Anouk geschrieben :)).
Die Stimmung am Tag auf offener See ist ruhig – die meisten sind entweder seekrank oder aufgrund der Seekrankheitstabletten müde. Uns geht es beiden gut – Raphi hilft weiter mit und Anouk geniesst es in Ruhe ein Buch zu lesen. Einmal schauen Delfine vorbei, die wir leider nicht auf Kamera kriegen. Die letzten Stunden in der letzten Nacht sind dann nochmals aufregend – wobei wir manches aufgrund unseren guten Schlafes nur am Rande mitbekommen. Wir fahren in den Hafenkanal von Kolumbien. Die Küstengarde Kolumbiens kommt vorbei und durchsucht mitten in der Nacht das ganze Boot. Nachdem sie fertig sind, erwähnen sie, dass wir schnell weiterfahren sollen, da ein Containerschiff kommt (und der Kanal ist eng). Dummerweise stellen wir fest, dass das Seil, welches das kleine Motorboot hinterherzieht sich in unsrer Schraube verfangen hat. Panik bricht aus und spätestens dann sind wir alle wach. Es gibt keine professionellen Taucher an Bord und so opfert sich der Captain dann und taucht mitten in der Nacht in die verschmutzten Kanalgewässer ein und schafft es irgendwie das Seil zu zerschneiden und entwirren. So können wir dem Containerschiff nochmals glimpflich entkommen und kommen mitten in der Nacht in der Bucht von Cartagena an. Am nächsten Morgen fährt uns der Captain in kleinen Gruppen mit dem ‚Dingy‘, dem Motorboot an Land. Es bleibt bis am Schluss spannend, denn bei uns, als letzte Gruppe, fällt der Motor aus und geht nicht mehr an. Zumindest bei Anouk bricht die Angst aus nun noch im letzten Moment im Hafen von Cartagena zu versinken / bzw. durch die grossen Wellen nass zu werden mitsamt unsrem Gepäck und wertvoller Elektronik. Mit Teamarbeit schaffen wir es das Dingy wieder zum Laufen bringen und unsere Drohne, Kamera und Laptop trocken an Land zu bringen.

Ankunft in Cartagena

In einem Shawarma Restaurant mit Wifi belagern wir bis spät Nachmittags die Tische bis endlich unsere Pässe gestempelt zurückkommen. Mit dem vielen Gepäck nehmen Raphi und ich ein Uber zum Hotel. Wir sind überfordert mit den Eindrücken unterwegs. Alles ist so ganz anders als in Zentralamerika. Kolumbien und Panama sind so nah, die direkte Strasse nur durch die Darién Gap getrennt aber doch ist alles so fremd hier. Wir können es noch nicht beziffern. Ist es Weitläufigkeit? Sind es die die uns gänzlich unbekannten Shopnamen? Sind es die Menschen oder die Musik, die hier anders aus den Boxen klingt? Wir merken, wir sind an einem ganz neuen Ort angekommen, den wir nicht mehr so leicht vergleichen können. Wir sind in Südamerika, für uns beide neben der Antarktis einzige Kontinent, den wir davor noch nicht kannten. Wir sind wo ganz Neues und wir sind aufgeregt!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Ein Platz am schwarzen Sandstrand

Auto-Rettungsmissionen und Flussdurchquerungen in Nicaragua und Costa Rica

Der Land Cruiser auf der Fähre

Isla de Ometepe

Nicaragua besitzt den grössten See Zentralamerikas, den Lago de Nicaragua. Mitten drin sitzt die Isla de Ometepe, die mit 270 km² grösste Vulkaninsel auf einem See weltweit. Sie besteht aus 2 Vulkanen und kann trotz der Grösse in ein paar wenigen Stunden einmal umrundet werden. Wir nehmen die Fähre auf die Insel, um dort 2 Tage zu verweilen. Für einmal ist dies ein erfrischend unkomplizierter Prozess und nach 1.5 Stunden sind wir auch bereits auf der Insel. Da man die Vulkane nur im Rahmen von geführten Ganztagestouren besteigen kann, verzichten wir darauf und möchten deswegen einen Wasserfall besuchen.

Der Mazda im See

Auf dem Weg werden wir von mit Händen fuchtelnden Locals angehalten. Völlig baff sehen wir, dass da ein weisses Auto ca. 10 Meter weit vom Ufer im See steckt. Schon alleine von der Strasse zum Ufer ist der Abstand mindestens 20 Meter lang. Mit der Machete befreien wir den Absprung zum See vom gröbsten Gestrüpp und fahren über die Felsen runter. Es stellt sich heraus, dass der norwegische Fahrer des Mazdas Gas und Bremse verwechselt hat und mit dem Auto über den Absprung im See gelandet ist, wobei der See das Auto dann noch weiter raus getrieben hat. Gut, dass niemand verletzt wurde. Dummerweise wurde automatisch der Notfallmodus des Autos aktiviert, welcher die elektrische Handbremse zog und wir diese nicht lösen konnten. Somit hat die Rettungsaktion mehrere Stunden gedauert. Zuerst brauchten wir viele Anläufe bis wir den Mazda auf unseren Sandblechen aus dem See ziehen konnten. Dann haben wir die Räder gelöst, um den Motor der Handbremse zu entfernen und sie so versucht zu lösen. Ohne gelöste Handbremse wäre es unmöglich gewesen, den Vorsprung auf die Strasse zu überwältigen. Nach langem Hin und Her haben wir es geschafft und mussten dann ein paar Äste eines Baumes absägen, um den Vorsprung mit dem Land Cruiser hochfahren zu können und das Auto hinterherzuziehen. Mit „wir“ ist dabei hauptsächlich Raphi gemeint und ein paar Locals. Irgendwann war alles geschafft und der Mazda stand auf der Strasse, parat für den Mechaniker.

Unser Spot am See mit Vulkankulisse

Für den Wasserfall wars dann auch zu spät und so fanden wir ein Übernachtungsort am Seeufer, wo wir sicher freistehen konnten. Als nebendran ein Boot von lokalen Fischern voller Holz ankommt bindet Raphi das Holz ans Auto, lädt die Fischer auf und fährt es zu ihnen ins nächste Dorf nach Hause. So macht man sich bei den Locals beliebt.
Am nächsten Tag versuchen wir es das zweite Mal mit dem Wasserfall. Mit dem Land Cruiser können wir einen Grossteil der Strecke per 4×4 Track überwältigen. Danach müssen wir trotzdem noch wandern, was in der Hitze ziemlich schweisstreibend ist. Auf die Erfrischung am Wasserfall freuten wir uns zu früh, die paar Tröpfchen (es ist erst Beginn der Regensaison) reichen nicht, um den Schweiss wegzuwaschen. Dafür geniessen wir die Gesellschaft von vielen wunderschönen Schmetterlingen und Brüllaffen. Am Abend finden wir einen schönen Ort für den Sonnenuntergang, wo wir auch gleich übernachten können.

Playa Popoyo in Nicaragua

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre zurück aufs Festland. Unseren letzten Tag und Nacht in Nicaragua möchten wir noch an der Küste verbringen. Auch dieser Küstenabschnitt ist beliebt bei Surfern und so finden wir sogar ein Campingplatz mit richtiger Ausstattung. Die umfangreiche Einrichtung müssen wir ausnutzen und so geniessen wir vor lauter Putzen und Waschen kaum den Strand – es reicht bloss für einen kleinen Spaziergang zu Gezeitenpools.

Fazit Nicaragua

Ja, Nicaragua hat uns sehr gefallen mit Ausnahme vom Hotel in León und der politischen Entwicklung. Es gab viel zu sehen, viele Tiere (Affen, wunderschöne Vögel und Schmetterlinge), hübsche Städte, überraschend viele relativ wilde Orte. Die Menschen waren sehr nett und herzlich und wir fühlten uns stets sicher -so sicher, dass wir oft freistanden. Es ist definitiv ein Land, welches wir wieder besuchen würden und von welchem wir denken, dass es grosses Potential hat. Wir haben aus Zeitgründen nur einen kleinen Teil gesehen – es wäre sicher spannend gewesen, auch die kaum erschlossene Karibikküste zu erkunden.

Einreise nach Costa Rica

So machen wir uns am nächsten Morgen wehmütig auf zur Grenze. Die Ausreise aus Nicaragua ist deutlich komplizierter und mühsamer als die Einreise. Auch hier haben wir Angst, dass wir doch noch durch den Scanner geschickt werden und uns die Drohne weggenommen wird. Die Frau vom nicaraguanischen Zoll scheint auch ein wenig sadistisch veranlagt zu sein – Leute die sie nicht mag, nimmt sie auseinander. Auch uns fragt sie einige Male, ob wir eine Drohne dabei haben und überlegt sich uns durch den Scanner zu schicken. Wir benehmen uns so gut und höflich wie möglich. Sie scheint uns zum Glück zu mögen und lässt uns ohne tiefergreifende Kontrollen durch. Auch die Einreise nach Costa Rica ist umständlich, aber verläuft dann ebenfalls reibungslos.
Wie waren im November ja bereits 2 Wochen in Costa Rica, um unsere USA Aufenthaltsbewilligung um nochmals 3 Monate zu verlängern.

Ein Plätzchen am einsamen Strand auf dem Nicoya Peninsula

Nachdem wir den Rest von Zentralamerika kennen, ist die Rückkehr nach Costa Rica ziemlich ernüchternd. Es ist verdammt teuer, wir sehen mehr Gringos als Einheimische, es ist alles geordnet, es gibt keine Strassenverkäufer oder Fruchtstände mehr und keine Tiere auf der Strasse. Nur die Strassen sind gleichbleibend miserabel, wenn nicht sogar schlechter. Anhand der Kommentare bei potentiellen Übernachtungsplätzen anderer Reisender ist es auch nicht sicherer – im Gegenteil wir lesen viel mehr von Überfällen, wobei es natürlich hier auch mehr Reisende gibt. Eine positive Beobachtung machen wir aber dennoch: Es liegt viel weniger Müll rum, als in den anderen von uns besuchten Ländern Zentralamerikas. Und es fehlen zwar die grösseren Tiere auf der Strasse, aber durch die viele Krebse, die sich auf der Strasse sonnen, wird die Fahrt trotzdem zum Spiessrutenlauf. Und wir freuen uns aufs Freistehen an Traumstränden und eine vielfältige Tierwelt.

Nicoya Peninsula

Raphi holt Mangos von den Bäumen

Die ersten Tagen verbringen wie mit Beach Hopping auf dem Nicoya Peninsula. Wir fahren einfach von Strand zu Strand und wo es uns gefällt bleiben wir für eine Nacht. Da alle Sehenswürdigkeiten und Nationalparks so teuer sind (pro Person 20 USD oder mehr), haben wir kein schlechtes Gewissen den Grossteil auszulassen. Vieles kennen wir ja auf die ein oder andere Weise schon vom Besuch im November oder weil wir es in den Nachbarländern oder Mexico ähnlich gesehen haben. Es tut uns gut einmal ein nicht so volles Programm zu haben wie sonst. Es ist Beginn der Regensaison und oft regnet es für kurze Zeit am Nachmittag und einmal auch gleich einen ganzen Tag lang. Die „Strassen“ sehen auch dementsprechend aus und sind manchmal richtige Schlammlöcher oder halbe Bäche. Schon am zweiten Tag müssen wie wieder ein Auto aus einem Schlammloch rausziehen. Lustigerweise hat ein anderes Auto angehalten, um zu schauen oder zu helfen, welches dann ebenfalls gleich feststeckte, womit wir dieses ebenfalls rausziehen musste. Die vielen Flussdurchquerungen sind auch spannend: Man weiss nie wie tief das Wasser ist und wenn man Krokodile drinnen schwimmen sieht, hat man auch keine grosse Lust das zuerst zu erkunden. Wir haben Freude am Baden in den wilden Wellen im Pazifik, finden einsame Plätze an einsamen Stränden und sammeln jede Menge Mangos und Kokosnüsse zum Essen. Nächste Woche wollen wir dann noch ein wenig mehr unternehmen 🙂

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Zeitraffer von der Isla Ometepe nach Sonnenuntergang:

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unsere Robinson Crusoe-Erfahrung beim Belize Barrier Reef

Unser Zelt unter den Palmen am Meer

Am Sonntag morgen nahmen wir in Sittee River das Boot aufs Glovers Reef Atoll. 99 US-Dollar pro Person pro Woche, um im eigenen Zelt auf der Insel zu übernachten inkl. 3 stündige Bootsfahrt hin und zurück. Das Angebot ist unglaublich gut, kostet nur schon ein Tagesausflug in Belize normalerweise mindestens 100 Dollar. Die Haken sind einzig, dass man für die ganze Woche auf der Insel feststeckt – vorher zurückkehren können wir nur, wenn wir für ein Vermögen selbst ein Boot chartern, was nicht in Frage kommt. Mit anderen Worten, wenn das Wetter nicht mitspielt oder man mit den Gastgebern nicht klar kommt (anhand der Rezensionen kommt das häufiger vor, sie sind auch ein wenig speziell), hat man ein Problem. Weiter müssen wir, um günstig wegzukommen, alles selbst mitnehmen (Zelt, Ausrüstung, Essen). Es wird zwar auf der Insel zu den Mahlzeiten jeweils etwas gekocht, aber mitzuessen ist ziemlich teuer. Weiterer Haken: Es gibt keine Elektrizität damit auch kein Kühlschrank, kein Internet und nur sehr beschränkt fliessend Wasser: Gesammeltes Regenwasser zum Duschen und Hände waschen. Abgespült und gewaschen wird mit Meerwasser.

Das Glovers Atoll ist eines von 3 Atollen im Belize Barrier Reef (nach dem Great Barrier Reef Australiens das zweitgrösste Riff der Welt). Ein Atoll zeichnet sich normalerweise durch ein ringförmiges Riff aus, in welcher sich eine Lagune bildet, die oft weit weniger tief und wild ist als das Meer ringsherum und oft auch viele kleine Riffs beinhaltet. So verhält es sich auch beim Glovers Atoll: In der „Lagune“ befinden sich über 700 kleine Riffs, das ringförmige Riff ringsum befindet sich teilweise tot / ausgetrocknet an der Oberfläche, so dass wir teils drauf laufen können. Das Glovers Atoll hat einen Umfang von über 80 Kilometern und beinhaltet neben den Riffs auch ein paar Inseln – eine davon unser Zuhause für eine Woche.

In der Hängematte chillen zum Sonnenuntergang

Wir gingen mit gemischten Gefühlen – Anouk hatte ein wenig Angst mit Gedanken à la: Was machen wir nur die ganze Woche, ohne Internet kann man die Zeit ja nicht mal sinnvoll nutzen für die Reiseplanung; Fotos aussortieren ohne Strom und damit ohne Laptop geht auch nicht und was passiert wenn dann sogar der E-Reader kein Akku mehr hat?… Man sieht also, wir haben diese Auszeit vielleicht auch nötig 🙂
Und so packen wir alles zusammen, verabschieden uns schwermütig vom Land Cruiser und fahren mit dem kleinen Motorboot, mit einem Gastgeber und 5 weiteren Touristen 3 Stunden durch das wilde aber teils wunderschöne türkise Meer vorbei an vielen Trauminseln, um dann vollkommen durchnässt auf dem Atoll anzukommen. Der erste Eindruck war einfach nur… Wow! Eine Insel wie im Ferienmagazin. Eine kleine Palmeninsel umgeben von türkisfarbenes Meer. Die Insel ist mit 5 Hektaren richtig klein – in 5 bis 10 Minuten sind wir einmal ringsum gelaufen. Die Wege sind markiert mit schönen Riesen-Flügelschnecken (Conch im Englischen), die hier überall im Meer zu finden sind und neben Deko auch gerne als Nahrung dienen. Neben den Regenwasser-Duschen hat es Komposttoiletten, eine Gasflasche zum Kochen und ein paar simple Über-Wasser-Hütten als Unterkunft für Gäste, die ein wenig mehr zahlen. Besonders cool ist die Kokos-Öffnungsstation: Ein Beil im Boden, um den äusseren Teil der Kokosnuss zu entfernen, ein paar Macheten um sie aufzuschlagen und eine Eisendrehkurbel, um aus dem Fruchtfleisch Kokosraspeln zu machen. Raphi hat aber seine Kokosöffnungsfähigkeiten mit seiner neuen Machete schon längst perfektioniert (Anouk schreibt den Text, ist also kein Eigenlob :)). Die ganze Insel ist voll von Kokospalmen und der ganze Boden mit Kokosnüssen bedeckt. Das wars dann mit den Einrichtungen. Wir sind die einzigen, die im Zelt schlafen, die wenigen anderen übernachten in den Überwasserhütten. Wir finden ein schönes Plätzchen für unser Zelt, abgeschieden vom Rest, direkt vor dem Riff zum Schnorcheln. Wir passen auf, das Zelt nicht direkt unter Kokosnüssen hinzustellen. Gerüchten zufolge ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund einer fallenden Kokosnuss zu sterben nämlich 15 mal so hoch wie durch einen Haiangriff umzukommen.
Wir richten uns ein, Raphi baut aus Palmenüberresten einen Tisch. Die Hängematte hängen wir zwischen 2 Palmen auf und für das die Woche gemietete Kajak baut Raphi einen kleinen Hafen. Damit haben wir unser kleines Paradies fertig eingerichtet.

Schnorcheln vor unsrer Insel

Unser Aufenthalt und die Insel übertreffen alle unsere Erwartungen. Schnorcheln können wir direkt vom Ufer aus in den vielen kleinen Patch-Riffen (eben über 700 in diesem Atoll). Wenn wir Abwechslung wollen, nehmen wir das Kajak und fahren weiter weg zum Schnorcheln. Raphi meint es sei das schönste Riff, welches wir gesehen haben, auch schöner als was wir vom Great Barrier Reef in Australien gesehen haben. Anouk will sich nicht festlegen. Wir sehen auf jeden Fall einigermassen bunte Korallen und viele farbenfrohe kleine bis riesige Fische, Haie, die bis ans Ufer kommen, riesige Manta-Rochen, Moränen und unzählige von den hübschen Conch-Riesenschnecken. Kajakausflüge unternehmen wir zum Beispiel auf eine 10 Quadratmeter grosse Miniinsel, zu Riffen und Raphi oft zu Stellen wo er gut fischen kann. Da es windig ist und damit hohe Wellen hat, sind wir mit der Distanz leider eingeschränkt. Neben dem Wind hatten wir aber Glück mit dem Wetter – die ganze Woche durch war es strahlend sonnig. Von der Insel aus geht eine ca. 15 KM weite Riffkruste über Wasser, welche den Rand des Atolls bildet und auf welcher man laufen kann. Hier brechen die Wellen der Karibik und neben der Kruste, auf der Aussenseite des Atolls, geht es steil runter – ca. 20 Meter, dann graduell tiefer bis zu 2000 Metern. Wir geniessen den Spaziergang auf der Riffkruste, getrauen uns aber nicht zu weit. Obwohl sich vieles über dem Meeresspiegel befindet und tot ist, befinden sich doch auch noch Lebewesen auf der Kruste und wir wollen nichts zerstören.

Instant-Fondue auf dem Feuer unter Palmen

Ansonsten geniessen wir es einfach mal nichts zu tun, d.h. sich weder um Reise-Vorbereitung (Planung) noch -Nachbereitung (Fotos aussortieren, Blog etc) zu kümmern – Anouk kommt endlich mal zum Buch lesen und Raphi, wenn er nicht gerade fischt kümmert sich um die Inselpflege: Er pflanzt die bereits spriessenden Kokosnüsse schön, füttert Hermit Crabs oder platziert sie um, so dass sie nicht gerade zertreten werden 🙂 Auf der Insel wimmelte es nur so von den süssen Einsiedlerkrebsen / Hermit Crabs, die sich als Schutz ein Schneckenhaus suchen und damit umherkrabbeln. Deswegen müssen wir bei Dunkelheit besonders aufpassen, wo wir hintreten. Umso beunruhigender sind dafür die vielen reflektierenden Augen in der Dunkelheit – das sind alles Spinnen. Zudem haben wir einen Riesenkrebs gesehen, dessen Körper ohne Beine schon so gross wie ein Fussball ist und manchmal haben Adler vorbeigeschaut. Unzählige Geckos und Eidechsen fressen die Ameisen und Mücken, worüber wir dankbar sind und dann wars das auch schon mit der Fauna auf der Insel. So geht die Woche auch ohne Strom, Internet und Co. schnell rum und am Samstag vor Ostern kommen wir wieder in der Marina an.

Raphi klettert El Castillo hoch

Ostern in Belize

Die Semana Santa, die heilige Woche vor Ostern ist ein riesiges Ereignis in Lateinamerika, besonders in Guatemala, was wir aufgrund des Atolls nun leider verpasst haben. Wir fahren von der Küste nach San Ignacio, wo wir am Montag die Grenze überqueren wollen. Den Ostersonntag verbringen wir mit Wäsche machen und putzen. Leider sind auch in Belize die Hauptfeierlichkeiten schon vorüber. Auf Schoggihasen und -eier müssen wir Schweren Herzens verzichten, aber die Menschen befinden sich in Feierlaune und beim benachbarten Fluss gibt es ein grosses Festival, welches uns beim Putzen schön mit Hintergrundmusik unterhält. Wir besuchen ausserdem, nachdem wir einmal mehr einen Fluss mit einer Handkurbelfähre überquert haben, die Xunantunich-Ruinen. Bei diesen Maya-Ruinen beeindruckt uns vor allem der mit schönen Stuckfries-Bildnissen versehenen, über 30 Meter hohe Tempel El Castillo – die zweithöchste von Menschen geschaffene Struktur in Belize. Darauf geniessen wir eine wunderschöne Aussicht ins benachbarte Guatemala, und die grüne, dschungelhafte Hügellandschaft.
Wir werden von ein paar netten Amis, darunter der Ex-Bürgermeister von San Ignacio (50 Jahre her) auf ein Bier eingeladen und bereiten dann noch den Grenzübertritt für morgen vor. Ja, Belize haben wir in diesen 2 Wochen wahrhaftig ins Herz geschlossen und können auch hier eine Reise hin nur wärmstens empfehlen!

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Stromatolithen in der Laguna de Bacalar

Paradiesische Gewässer zum Abschied von Mexico

Unsere letzte Woche in Mexico bricht an. Wir fahren in unseren letzten mexikanischen Bundesstaat, der gleichzeitig unser erster war (im Juli mussten wir 2 Wochen in Mexico verbringen, bevor wir in die USA einreisen durften) – Quintana Roo.

Insel Holbox

Chillen in der Hängematte

Hier parken wir den Land Cruiser am Pier und nehmen um 6 Uhr morgens die erste Fähre auf die Insel Holbox. Somit haben wir den ganzen Tag und sparen trotzdem die Übernachtung auf der Insel. Holbox ist ca. 40 Kilometer lang und 1.5 Kilometer breit, wobei der grösste Teil unzugänglich und als Biosphäre für die über 150 Vogelarten geschützt ist. Ansonsten bietet die Insel Traumstrände, Mangroven und ein gemütliches Inseldorf. Der einzige Verkehr sind Golf-Carts und Fahrräder.
Wir geniessen einen Tag lang das Inselleben. Wir bewundern die Murals / Wandmalereien im Dorf, laufen von Strand zu Strand, und bei Sonnenaufgang und Ebbe über eine Sandbank zum Naturschutzgebiet. Am Strand holen wir Schlaf nach und machen es in den fotogenen Hängematten gemütlich, bevor wir zu Happy Hour Drinks den Sonnenuntergang geniessen und dann die Fähre zurücknehmen.

Küste von Quintana Roo

Wir fahren weiter südlich. Cancun als letzte grössere Stadt suchen wir auf, um einzukaufen und Wäsche zu machen. In Xpu-Ha treffen wir uns für eine Übernachtung mit einer deutschen Familie auf einem Campingplatz am Strand. Es ist verflixt: Die Strände an dieser Karibikküste sind wieder voller stinkendem Seegras – ins Meer zu gehen ist unmöglich. Die Familie versichert uns, dass vor 2 Tagen noch absolute Traumstrandverhältnisse herrschten. Wir hatten ja bereits im Juli an dieser Küste schrecklich viel Seegras. Auf unsrer Reise durch Mexico sind wir so vielen Menschen begegnet, die uns versicherten, dass bei deren Besuch kein Seegras vorhanden war und so haben wir uns darauf gefreut die schöne Quintana Roo Karibikküste von Cancun bis Tulum ohne Seegras zu erleben. Diesbezüglich haben wir wohl aber einfach Pech. So flüchteten wir bald wieder vom Meer.
Wir suchten nochmals die Cenote Azul auf, in welcher Anouk im Juli ihr Handy geschrottet hat und gönnten uns dort die kostenlose Fischmassage: In der Cenote leben Tausende von Fischchen, welche wenn man ruhig bleibt, anfangen die abgestorbene Haut von den Füssen und Beinen wegzuzupfen – sehr angenehm 🙂 Wir besuchten nochmals kurz Playa del Carmen, um in unsrem Lieblingsrestaurant zu essen, und uns würdig vom leckeren mexikanischen Essen zu verabschieden.

Laguna de Bacalar und Mahahual

Wieder mal Hängematten – diesmal auf der Laguna de Bacalar

Vor dem Grenzübertritt besuchen wir noch den 55 Kilometer langen See Laguna de Bacalar. Er ist auch als Lagune der 7 Farben bekannt, da der weiss-sandige Boden für so viele Schattierungen in wunderbarem Blau sorgt. Viel vom See und den Inseln ist Naturschutzgebiet, um zum Beispiel Vögel oder Stromatolithen zu schützen. Stromatolithen sind die erste Form von Leben, die auf der Erde existierten. Die Zellgruppierungen verformen sich zu Gesteinen, welche Sauerstoff freigeben und somit die Atmosphäre, wie wir sie heute kennen, erst ermöglichten. Nur an wenigen Orten auf der Welt kann man sie noch beobachten und Bacalar ist einer davon. Wir finden einen einfachen Campground direkt am See, machen vor der Grenzüberquerung nochmals einen Grossputz und mieten Kanus, um die 7 Farben des wunderschönen Sees zu entdecken.
Wir geben der Küste nochmals eine Chance und machen einen Abstecher nach Mahahual, bekannt dafür, dass man da gut schnorcheln kann. Aber auch hier, zu viel Seegras, um ins Wasser zugehen. Wenigstens finden wir noch einen schönes Übernachtungsplätzchen neben Kokospalmen am Meer und essen nochmals richtig viel Kokosnuss. In Chetumal, der Grenzstadt machen wir noch letzte Besorgungen (Belize ist teuer!), feiern bei Drinks unseren Hochzeitstag und übernachten gut bewacht vor der Polizeistation, so dass wir morgen früh die Grenze überqueren können.

Fazit Mexico

Unser letztes Übernachtungsplätzchen an Mexiko’s Karibikküste

Wir hatten damit gerechnet 6 Wochen in Mexico zu verbringen woraus nun volle 3 Monate wurden. Trotzdem mussten wir sehr viele Orte auslassen, die wir gerne gesehen hätten und waren eigentlich jeden Tag unterwegs, aber das Land ist einfach riesig. 11’000 Kilometer haben wir hier gemacht, gefühlt aber mehr, da wir aufgrund der Strassenverhältnisse nur noch mit ca. 50 KM/h vorankamen.
Unsere Erwartungen bezüglich Mexico wurden vollkommen übertroffen, insbesondere was unsere Sicherheitsbedenken anbelangte. Wir hatten grossen Respekt vor Mexico und sind nun ohne eine einzelne schlechte Erfahrung durchgekommen. Nicht mal auf korrupte Polizisten sind wir gestossen und auch nicht Opfer eines Betrugversuchs geworden (z.B. bei Tankstellen). Wir haben oft wildgecampt, haben nach dem Kostenschock bei der ersten Mautstrasse komplett auf die sicheren Mautstrassen verzichtet (sonst wären wir jetzt arm), sind durch Zapatista-Gebiet gefahren und wir leben noch. Klar haben wir aufgepasst und gesunden Menschenverstand walten lassen, aber grundsätzlich ist die Lage nicht so prekär für Touristen, wie man dank den Medienberichten glaubt.
Die Vielfalt und Schönheit der Natur, die bunte und lebendige Kultur, die herzliche Gastfreundschaftlichkeit haben uns begeistert. Allgemein waren die Menschen sehr freundlich. Uns hat zu Beginn der fast schon grimmige Gesichtsausdruck Vieler ein wenig verunsichert. Man muss sich daran gewöhnen, dass der anfängliche Grundgesichtsausdruck nicht viel mit der Stimmung zu tun hat – sobald man nämlich grüsst oder lächelt verwandelt sich die Mimik in absolutes Strahlen und Herzlichkeit. Die wunderschönen bunten Städte und auch mit wieviel Liebe und Fantasie die Häuser, Cafés, Restaurants teils dekoriert und ausgestattet sind, haben uns auch sehr zugesagt. Das Meereswelt mit seinen Bewohnern um das Baja Peninsula und die Baja selbst mit den vielen einsamen Orten und Stränden haben uns total fasziniert.
Das Essen war auch super lecker und wahrscheinlich deutlich besser, als wir es in Zentralamerika erleben dürfen, wo es dann viel Reis und Bohnen geben wird.
Wir können Mexico wärmstens als Reiseland empfehlen und zwar hauptsächlich das Land ausserhalb der Touristenhochburg Quintana Roo.
Auf der anderen Seite – klar – man mussaufpassen. Das Land befindet sich im Drogenkrieg und was teils passiert, ist grausam. Auch bezüglich Femizide weist das Land traurige Werte auf – 10 Frauen werden pro Tag ermordet und von den Morden bleiben 90% ungeklärt und unbestraft.
Nervig fanden wir die vielen Topes (Geschwindigkeitsschwellen aller möglichen Höhen und Arten), die einem ständig zum bremsen zwingen und die einem das Auto mit der Zeit zerstören (haben schon von einigen Achsenbrüchen aufgrund von Topes gehört). Das Topesbauen ist total aud dem Ruder geraten – Jeder Strassenstandbesitzer bastelt vor seinem Stand ein Topes, damit die potentiellen Kunden abbremsen müssen. Aber diese Topes werden uns scheinbar in gesamt Lateinamerika begleiten.
Bisschen schade fanden wir auch, dass alles kommerzialisiert ist, was teils sicher der Menschendichte zu verdanken ist (Mexico hat doppelt so viele Menschen pro Quadratkilometer wie die USA). Wirkliche Wildnis findet man kaum, für jeden Wasserfall zahlt man irgendwie Eintritt und aus jeder kleinen Naturattraktion wird auch gleich ein Vergnügungspark geschaffen mit Ständen, Ziplines und Co.. Ganz traurig war der Müll überall, da bringt auch das Zusammenlesen nicht viel, da er oft wieder zurück in der Natur entsorgt wird. Das Einzige was man machen kann, ist weniger zu produzieren.
Aber wie gesagt, abgesehen davon hat uns Mexico wahnsinnig gut gefallen und wir bedanken uns von ganzem Herzen für die wunderschöne Zeit!

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