Von funkelndem Plankton bis zu Rebellen im Dschungel

Nach Oaxaca Stadt brechen wir wieder auf an die Pazifikküste. Wie im letzten Beitrag beschrieben, war das Verlassen der Stadt aufgrund zahlreicher Blockaden nicht ganz einfach, aber schliesslich haben wir es geschafft. Unterwegs hatten wir eine erste „unangenehmere“ Situation in Mexiko bzw. war sie eher bemitleidenswert als bedrohlich. 2 Männer haben ein Seil über die Strasse gespannt und wollten Geld von uns, damit wir durchfahren dürfen. Wir stellten uns dumm und gaben 2 Colas raus, schliesslich wirkten sie nicht bedrohlich und wir hätten das Seil auch einfach durchfahren können.

Oaxaca’s Küste und Besuch einer lokalen Familie

Lagune Manialtepec

An der Küste angekommen übernachten wir bei der Lagune Manialtepec, wo wir zugleich eine Nachts-Bootstour machen, um Meeresleuchten / Biolumineszenz zu sehen – Plankton welches bei Dunkelheit leuchtet. Uns war nicht bewusst, dass wir, um es zu sehen, ins Wasser müssen. Besonders für Anouk brauchte es Einiges an Überwindung ins stockdunkle Wasser in der Mitte einer Lagune zu steigen, in der sich allenfalls Krokodile rumtreiben. Aber es war ein spezielles Erlebnis: Sobald man im Wasser war und sich bewegt hat, hat alles im Wasser gefunkelt. Das Leuchten ist eine Abwehrreaktion des Planktons, um Feinde zu irritieren. Deswegen ist es auch so stark wenn man sich bewegt, d.h. für das Plankton bedrohlich wirkt. Leider kann man es nur mit spezieller Ausrüstung fotografieren, deswegen auch keine Fotos. Inzwischen ist sehr heiss und drückend – wir merken, dass wir uns auf Zentralamerika zu bewegen.

Unser Übernachtungsplatz am Playa San Agustin

Weiter sind wir der Küste entlang weiter südwärts. Dies nicht ohne regelmässig bei Kokospalmen anzuhalten, um Kokosnüsse runterzuholen, von welchen wir dann den Saft trinken und die Frucht essen würden. Das Hippiedorf Mazunte mit den Kliffs und der Aussicht bei Punta Cometa war schön, aber besser hat es uns in San Agustin gefallen, wo wir den Strand für uns hatten und auch direkt am Strand übernachten konnten. Einen weiteren Stopp haben wir bei den wunderschönen Dünen Dunas de Playa Azul direkt am Meer eingelegt. Dann war unser Küstenintermezzo auch schon wieder zu Ende.

Im Garten der Familie des Englischlehrers

Wir fuhren ins Landesinnere in ein Dorf namens Zanatepec, wo wir bei einer lokalen Familie im wunderschönen Garten übernachten durften. Der Vater ist Englischlehrer und lässt Reisende kostenlos bei ihm übernachten, um ein wenig in Übung zu bleiben – hier auf dem Lande bekommt er diese sonst nicht oft, da ausser seinen Schülern niemand Englisch spricht. Zum Dank haben wir die Familie zum Abendessen eingeladen, welches wir beim Taco-Stand der Tante des Vaters eingenommen haben (sehr lecker). Wir wurden die ganze Zeit mit frischen Mangos direkt vom Garten verwöhnt. Die riesigen Mangobäume trugen Hunderte von Früchten und waren so lecker und süss, wie wir sie noch nie hatten. Auch Jackfruits und Tamarinde wuchs im wunderschönen üppigen Garten bzw. im kleinen Paradies. Es war sehr interessant den Abend mit der Familie zu verbringen und mehr über den mexikanischen Alltag und das öffentliche Leben zu lernen. Zum Frühstück hat uns die Mutter wunderbare Chilaquiles gekocht- ein mexikanisches Frühstücksgericht mit Nachos, Salsa, Käse, Crema und Eiern. Die Kinder waren sehr aufgeweckt, konnten gut Englisch und waren wohl aufgrund des häufigen Kontaktes mit Reisenden sehr offen. Die Familie lebt sehr einfach, was einerseits an den beschränkten Mitteln liegt, andererseits aber auch daran, dass man Wohlstand nicht zur Schau stellen sollte. Ansonsten kann es vorkommen, dass man erpresst wird bzw. man Telefonate bekommt, bei welchen eine Art Schutzgeld gefordert wird.

Chiapas – Cañón del Sumidero und indigene Dörfer

Weihnachtsbaumformation im Cañón del Sumidero

Weiter geht’s in den Bundesstaat Chiapas. Das Gebiet ist voller Reichtum an Kultur – indigene Stämme und Dörfer pflegen und leben hier noch intensiv ihre, teils auf die Maya zurückgehenden Traditionen. Zugleich ist der Staat aber auch Brennpunkt – dank den zapatistisch kontrollierten Gebieten im Dschungel. Wir schauen uns die Schlucht Cañón del Sumidero an – von Aussichtspunkten auf dem Canyon, aber auch im Rahmen einer Bootstour durch die Schlucht. Die bis zu 1 km hohen Felswände sind sehr eindrücklich und beinhalten interessante Formationen wie den sogenannten Weihnachtsbaum oder eine Höhle mit natürlich pinken Stellen. Wir sehen im Canyon auch einige Krokodile, Klammeräffchen und ein Vogelschwarm aus Tausenden von Vögeln, die sich urplötzlich alle beim selben Ort ins Wasser gestürzt haben und sich gebadet haben.

Iglesia de San Juan Chamula

Weiter besuchten wir San Juan Chamula und Zinacantan, 2 Dörfer mit indigener Bevölkerung – den Tzotzil-Maya. Sie haben ihre eigene Sprache (nur 50% sprechen auch Spanisch), tragen traditionelle bunte Kleidung und pflegen eigene Traditionen die sich sogar zwischen den Dörfern unterscheiden. Zinacantan ist vor allem bekannt für die kunstvoll gewobenen, mit Blumen bestickten Textilien und für die vielen Blumen, die nach ganz Mexico exportiert werden. In Chamula tragen die Frauen dicke schwarze Röcke aus Schafswolle. Eine interessante Tradition in Chamula ist, dass in der Kirche Coca Cola gerülpst wird, um böse Geister zu vertreiben. Dies und der günstige Preis von Cola führen wohl dazu, dass Chiapas der höchste Cola Konsum der Welt hat. Wir besuchen den Friedhof in San Chomula, wo gerade aufwendige Begräbnis-Zeremonien im Gange sind. Hunderte von Menschen haben sich versammelt, mehrere Autos mit Unmengen an aufwendigem Gesteck kommen angefahren. Hier werden keine Kosten gescheut, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen, auch wenn die Gräber danach sehr einfach aussehen – mit einfachen Holzkreuzen deren Farbe auf das Alter der Verstorbenen hindeutet. Danach fahren wir noch in die Stadt San Cristóbal de las Casas, bekannt für seine Kolonialarchitektur und ebenfalls für das traditionelle kunstvolle Textilhandwerk.

El Chiflon und Agua Azul Wasserfälle 

Cascada Velo de Novia

Weiter gehts zu den El Chiflon Wasserfällen – für uns eindeutig die schönsten Wasserfälle bisher. Der Hauptwasserfall ist ca. 120 Meter hoch, davor und danach gibt es noch viele kleinere Wasserfälle. Das Wasser ist wunderschön hellblau und lädt zum Baden ein. Ab dem hohen Wasserfall verlieren sich die Leute, da der Weg hoch steil und anstrengend ist, d.h. den Wasserfall darüber hatten wir für uns alleine zum Schwimmen. Wir mussten einfach aufpassen nicht zu Nahe an den Rand des Wasserfalls zu kommen, da es sonst eben die 120 Meter in die Tiefe gegangen wäre. Das Wasser ist so sauber, dass es Manche direkt ohne Filter trinken. Es war wirklich das reinste Paradies im Dschungel. Wir fahren noch bis zur guatemalischen Grenze, wo wir am Laguna Tsiscao See übernachten. Der See ist Teil des Lagos de Montebello Nationalparks – bekannt für seine Seen in wunderschönen klaren blau grünen Farben. Dann kehren wir um Richtung Dschungel. Vor der nächsten Strecke haben wir ordentlich Respekt, führt sie doch durch zapatistisch kontrolliertes Gebiet und haben wir schon einige Horrorstories gelesen. Zu unsrer grossen Überraschung kommen wir ohne auch nur das kleinste Problem durch in den 2 Tagen, die wir uns im entsprechenden Gebiet befinden. Eine bei unsrer Durchfahrt bereits aufgelöste Strassensperre, jede Menge Warnplakate, dass es sich zapatistisches Gebiet handelt, sowie eine hohe Anzahl an Spähern mit Funkgeräten waren die einzige Indikatoren, dass es hier ein wenig anders läuft. Es gab auch niemand, der uns anhielt und Geld wollte oder Ähnliches – gespannte Seile und improvisierte Mautstationen soll es hier nämlich oft geben. Da sind wir in Oaxaca eindeutig öfters auf Hindernisse gestossen.
Der nächste Stopp liegt bei den Agua Azul Wasserfällen, eine Reihe an Wasserfällen, bekannt für die wunderschöne blaue Farbe. Leider war das Wasser mehr marrón (=braun) statt azul (=blau), da es davor geregnet hat. In der Hoffnung, dass es am nächsten Tag besser wird, beschliessen wir eine Nacht zu bleiben. Wir schliessen uns einem holländischen Paar an, welches ebenfalls im eigenen Auto ein wunderschönes Plätzchen direkt am Fluss inmitten vom Dschungel findet. Raphi macht sich noch bei den Locals beliebt in dem er mit der Säge hilft Holz klein zu machen und Bier und Cola vorbeibringt. Mit den Holländern geniessen wir den Abend in Dschungelstimmung: Heiss, feucht, mit dem Rauschen des Wasser und des Regenwalds, jeder Menge Glühwürmchen, irgendwelchen bei Dunkelheit nicht identifizierbaren Säugetieren und jede Menge rote, stechende Ameisen und sonstige Krabbeltieren. In der Nacht regnet es erneut, womit die Hoffnung auf blaues Wasser zu Nichte gemacht wird und wir damit am nächsten Tag weiterfahren.

Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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Auch bei uns gabs Fasnacht – die grossen Carnevals wurden wegen Covid abgesagt, aber zufällig sind wir in einem Kaff bei einem Umzug vorbeigefahren: 

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