Rainbow Mountain

Von Regenbogen-Bergen in ein neues Kapitel: Brasilien

Nach Cusco sind wie ein zweites Mal, dieses Mal ohne Tour, ins Heilige Tal der Inkas. Das fruchtbare Tal erstreckt sich über 100 Kilometer und beheimatet unzählige Inka-Ruinen inkl. Machu Picchu.

Ollantaytambo

Zuerst stoppen wir in Ollantaytambo, einer Ortschaft mit gleichnamigen Inka-Ruinen am Ende des heiligen Tals. Die Stätte wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die lokalen Völker unter Kontrolle der Inkas zu bringen. Nach der Eroberung der Spanier von Cusco war Ollantaytambo kurz Zufluchtsort des Inkaherrschers Manco Inca bis die Spanier auch da ankamen. Zuerst konnte Manco Inca sie noch vertreiben, in dem er mithilfe der gebauten Kanäle das Tal flutete. Beim zweiten Versuch mit weit grösserer Armee funktionierte die Eroberung der Spanier und der Manco Inka floh nach Vilcabamba, dem letzten Zufluchtsort. Die Hauptruinen bestehen aus einer Festung mit einem Tempel am Hügel, Terrassen und einer Quelle mit Kanalsystem und vielen ausgeklügelten Brunnen, welche die Stätte mit Wasser versorgen (und dies immer noch tun).
Eindrücklich ist einmal mehr die präzise Steinhauerei – insbesondere bei 6 riesigen, über 50 Tonnen schweren Monolithen der Wand eines Sonnentempels. Einmal mehr ist der Transport dieser Steine ein Rätsel. Danach schlendern wir noch durch die Strassen von Ollantaytambo selbst. Die gepflasterten Strassen- jeweils mit einem Wasserkanal am Rand – und die Häuser sind teils noch im Originalzustand und gehören damit zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Bauten Südamerikas. Am Berg gegenüber der Hauptruinen befindet sich die steile Stätte Pinkuylluna, von welcher wir eine schöne Aussicht geniessen. Pinkuylluna war ein Lagerungsort für die geernteten Agrarprodukte. Durch die Höhe war das Essen schwieriger durch Feinde zu erreichen und durch mehr Wind und kältere Temperaturen waren die Lagerbedingungen besser.

Salzminen von Maras, Meerschweinchen und Pisac

Als nächstes besuchen wir die Salineras de Maras – die Salzminen von Maras. Es handelt sich dabei um über 3000 Salzwasserpools in Terrassen – die grösste pre-hispanische Salzminentätigkeit – wobei nicht klar ist, wann sie gebaut wurden. Es wurden Keramiküberreste von einer Periode, die bis zu 200 v.Chr. zurückgeht, gefunden. Die Pools wurden um einen Salzwasserbach gebaut, einem Überbleibsel des Ozeans, der vor Entstehung der Anden noch an dieser Stelle lag. Der Bach wurde umgeleitet in die vielen Pools, die mit Schlamm und Steinen gebaut wurden. Heute wird vom ortsansässigen Stamm immer noch nach derselben Methode, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, Salz abgebaut: das Salzwasser wird in ein Pool geleitet, bis es fast voll ist, dann verdampft das Wasser in etwa 3 Tagen. Dieser Prozess wird im Monat ein paar Mal wiederholt und am Ende bleiben ca. 200 Kilogramm Salz übrig. Wir fahren weiter und es gibt Mittagessen, und zwar etwas was uns seit Ecuador verfolgt: Cuy – auf deutsch Meerschweinchen. Meerscheinchen werden in den ganzen Anden gegessen – teils am Strassenrand am Drehspiess gegrillt, teils frittiert. Tatsächlich kommen sie von Südamerika, wurden hier schon immer gegessen und wurden erst von den Spaniern zurück nach Europa gebracht, wo sie später als Haustiere gehalten wurden. Dasselbe gilt übrigens für Kartoffeln. Kartoffeln kommen aus Peru und die Inkas sind wohl die ersten, welche die Kartoffeln in grossem Umfang kultiviert haben. Nachdem sich die Kartoffel in Südamerika als Nahrungsmittel etabliert hat wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht, wo sie zuerst auf Aberglaube stiess, aber bald schon in die Küche integriert wurde.
Wir bestellen nur ein halbes Meerschweinchen, längs geteilt, und sind froh drüber. Mit den vielen Knochen ist es sehr umständlich zu essen – definitiv nichts, was wir wiederholen müssen. Da sind uns Kartoffeln lieber. Unser letzter Besuch im Heiligen Tal statten wir Pisac ab. Pisac ist ebenfalls eine ehemalige Inka-Stätte und wurde wohl als Zeremonie- und Militärzentrum gebraucht und diente mit den vielen Terrassen auch der Landwirtschaft. Zurück in Cusco legen wir auf dem Campingplatz noch einen Wäsche- und Grossputztag ein. Abends geniessen wir mal wieder die Gesellschaft von anderen Reisenden, unter anderem auch von Holländern, die wir bereits in Panama City getroffen haben. Da unser Ruinen-Kombinationsticket auch eine Theateraufführung beinhaltet, schauen wir uns im Theater noch eine Show von Volkstänzen verschiedener Provinzen von Cusco an bevor es für uns weiter geht.

Vinicunca – der Rainbow Mountain

Es geht nun nochmals richtig weit hoch – zu Vinicunca bzw. dem sogenannten Rainbow Mountain auf 5200 Metern. Der Berg ist berühmt für seine 7 Farben, die dank verschiedener Mineralien-Zusammensetzungen entstehen (rot: Tonstein/Eisen, gelb: kalkhaltiger Schwefel, grün: Phyllitschiefer/Eisenmagnesium etc.). Der Grund der Entdeckung hinter dem Regenbogen-Mountain ist relativ tragisch – er kam erst um 2015 richtig gut zum Vorschein, da mit Klimaerwärmung Eis und Schnee auf dem Berg weggeschmolzen sind. Instagram und ein paar schlaue Marketeers haben dann schnell dazu beigetragen, dass der Berg die wohl zweitgrösste Attraktion nach Machu Picchu um Cusco geworden ist. Täglich kommen Tausende Touristen, die den Berg besuchen. Merkwürdigerweise finden aber alle Touren am Morgen statt. Als wir am Nachmittag hoch fahren ist die Fahrt auf der einspurigen Strasse zwar mühsam, da wir ca. 50-100 runterfahrende Touristenbusse passieren müssen, aber oben angekommen haben wir den Berg komplett für uns alleine. Vom Parkplatz auf ca. 4700 Meter müssen wir noch 3km zum eigentlichen Rainbow Mountain laufen, was auf der Höhe doch recht anstrengend ist. Aber wir werden belohnt, er ist tatsächlich spektakulär! Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über das wunderschöne Red Valley, ein Tal in tiefroten Farben. Leider ist es auch bereits ein wenig zu spät für schöne Fotos, es wird dunkel und der Runterweg ist abenteuerlich. Sehr steil und mit Schnee, der langsam anfängt zu gefrieren ist es ganz schön heikel, aber wir schaffen es heil zurück.

Noch nicht genug von den farbigen Bergen Perus fahren wir am nächsten Tag nach Pallay Punchu. Die rotgrüne, markante Bergformation ist noch nicht touristisch erschlossen, so sind wir weit und breit die einzigen. Es ist eine wunderschöne Landschaft – das typische gelb durch die Andengräser, die blaue Lagune Langui, die rot-grünen Berge und das ganze noch teilweise beschneit. Wir klettern hoch zu den Kliffs und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder nach unten müssen, weil eine Sturmfront auf uns zu kommt. Wir kommen noch in einen kleinen Schneesturm – ein schöner kühler, vorübergehender Abschied der Anden.

Abschied von Peru und der Anfang in Brasilien

Denn nun geht es weiter, in die lange Fahrt in den Amazonas – zuerst 1.5 Tage lang in Peru. Der grösste Regenwald der Welt, der Amazonas, liegt nur zu 60% in Brasilien, der Rest liegt in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana und Suriname. Der Amazonas Fluss entspringt übrigens ebenfalls in Peru – in den Anden. Wir sind schockiert wie viel im peruanischen Amazonasgebiet gerodet wurde und wieviel Mienentätigkeiten wir hier stattdessen sehen. Tatsächlich sind Goldminen, sowohl legale als auch illegale ein grosses Problem im peruanischen Amazon, sie sorgen für Abholzung des Regenwalds und für eine Verschmutzung durch Quecksilber.
Man könnte das ja rechtfertigen, wenn es der lokalen Bevölkerung zugute kommen würde, aber man hat nicht das Gefühl, dass vom Goldprofit gross etwas bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Schade. In Puerto Maldonado, der Ausgangsstadt für den peruanischen Amazonas machen wir noch letzte Besorgungen bevor wir am Samstagmorgen die Grenze überqueren.
Der Abschied von Peru fällt schwer. Wie erwartet ist Peru ein grandioses Land mit sich übertreffenden Highlights. Überrascht hat uns, dass es so viele „off-the-beaten-Track“ Highlights gab, die den Klassikern in nichts nachstehen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte es noch viel mehr zum entdecken und auch einige weitere Mehrtageswanderungen gegeben, die uns gereizt hätten. Schön ist wie die indigene Kultur auf dem Land und in den Anden noch stark gelebt wird und spannend ist die Vielzahl an Relikten früherer Kulturen, wie der Nazca oder der Inka. Die Landschaft ist vielfältig- Meer, Wüste, Schneebergen, Hochebenen, aktiven Vulkanen oder Dschungel gibt es alles. Die peruanische Küche ist hervorragend, und eine erfrischende Abwechslung zur zentralamerikanischen und nord-südamerikanischen Küche. Das kühle Andenklima werden wir vermissen, der Land Cruiser wird aber froh sein auf geringeren Höhen wieder mal ordentlich Luft zu bekommen. Im peruanischen Amazonasgebiet bekommen wir schon einen Vorgeschmack was uns erwartet. Kaum öffnen wir die Autotüre, sehen wir wie sich überall alles bewegt – unidentifizierbare Insekten, Riesenheuschrecken, oder Riesenameisen. Während uns am Tag zuvor noch seichte Schneeflocken entgegen flogen sind es jetzt Rieseninsekten, die uns auf die Windschutzscheibe platzen. Ja, die Pause zwischen Dschungelgebiet Zentralamerikas und dem Amazonas war ein wenig kurz, aber wir freuen uns auf alles andere was der Amazonas zu bieten hat.
Es ist wieder mal eine sehr abgelegene und dementsprechend gelassene Grenze an einem Dreiländereck – Peru, Bolivien, Brasilien. In 5 Minuten haben wir den Peru Teil durch. Dann geht es für uns ins 5. grösste Land der Welt (nach Fläche und Bevölkerung) und in ein ganz neues Kapitel: Brasilien. Ein wenig verunsichert sind wir durch die vielen Warnungen, wobei diese ja nie von anderen Reisenden kommen oder von Leuten, die im entsprechenden Gebiet wohnen – im Gegenteil. Die wenigen Reisenden, die wir gefunden haben, die eine ähnliche Route in Brasilien gemacht haben, haben uns alle ermutigt diesen Abstecher durchzuziehen. Weiteres Hindernis neben der Angst ist die Sprachbarriere. Wir sprechen neben Bom Dia und Obrigado kein Wort portugiesisch. Aber der Eindruck in den ersten 2 Tagen, obwohl wir hauptsächlich fahren, ist wunderbar und unsicher fühlen wir uns nie – im Gegenteil. Mit Portugiesisch kommen wir aber tatsächlich nicht klar. Wir hatten zwar nie Probleme in Portugal und es heisst ja Portugiesisch sei ähnlich wie Spanisch, aber zumindest hier hört es sich für uns an wie eine komplett andere, eher vielleicht osteuropäische Sprache. Nur wenn die Leute ganz langsam und simpel reden, können wir manche Begriffe über Spanisch entziffern. Die Menschen, auf die wir treffen, können oder wollen nicht Spanisch oder Englisch reden. Google Translate ist ebenfalls deutlich schlechter als im Spanischen und übersetzt teilweise nur Mist. Es wird uns schnell bewusst, dass wir uns auf einer zukünftigen Reise mehr Zeit für Brasilien nehmen wollen und wir nehmen uns vor für diese Reise Portugiesisch zu lernen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir keine Simkarte kaufen können, ohne eine lokale Identifikationsnummer zu haben. Ohne Internet ist das Zurechtfinden zusammen mit der Sprachbarriere noch schwieriger. Da die Offline-Übersetzungen von Google Translate bei Gerichten nichts taugen, bestellen wir so im Restaurant wie teilweise in Asien einfach irgendetwas und lassen uns vollständig überraschen.
Die Leute sind extrem herzlich. So oft enthusiastisch begrüsst, zugewinkt oder durch Passanten auf Instagram angeschrieben wurden wir noch nie in so kurzer Zeit. Ein anderer Reisender hat es sehr treffend formuliert: „Brazil puts them all in the shade when it comes to enthusiastic welcomes. Even when we can’t understand a word they say, Brazilians say it with a big smile and a thumbs-up!“ Es macht uns ganz wehmütig, dass wir so wenig Zeit für Brasilien haben.
Ansonsten kommt uns Brasilien auf den ersten Blick deutlich entwickelter und wohlständiger als Peru vor, wobei auch die Preise teurer sind. Gemessen am im Gegensatz zum spanisch sprechenden Lateinamerika hohen Anteil an „normalen Autos“ (normal=weder am auseinanderfallen noch total luxuriös), ist der Mittelstand hier grösser. Die Leute fahren zivilisierter, aber die Strassen mit unzähligen Schlaglöchern sind eine Katastrophe und deutlich schlechter als in Peru. Autobahn zu fahren ist hier fast wie in einem Videogame – man muss ständig Hindernissen – hier metergrossem Schlaglöchern und anderen Autos, die ebenfalls Schlaglöcher umfahren, ausweichen. Andere ausländische Touristen sehen wir gar keine in diesen Gebieten Brasiliens (mit Ausnahme von 1-2 in Manaus). Übernachten tun wir hier oft bei Tankstellen, das ist hier ganz normal. Da gibt es Toiletten, Dusche, wenn man Glück hat Wifi, es ist relativ sicher, und das alles kostenlos.
Politik ist hier ebenfalls sehr präsent, wobei bald Wahlen anstehen. Anstatt wie in Peru an den Häusern, befindet sich die Werbung hier an den Autos. So lächeln uns von überall Bolsonaros oder Alternativen entgegen, am Strassenrand schwingen die Menschen entsprechende Fahnen oder singen den Wahlsong vom entsprechenden Kandidaten mit seiner Kandidatennummer schön in den Songtext integriert. Am zweiten Tag fahren wir auch direkt an einen Roadblock. Obwohl sie in Lateinamerika häufig vorkommen und andere Reisende auch schon wochenlang aufgehalten haben, wurden wir bis jetzt verschont. Ausgerechnet jetzt, wo wir so viele Stunden Fahrt vor uns haben, müssen wir doch noch leiden. Mehrere Stunden warten wir, bis die Polizei es schafft die Demonstranten dazu bringen, die Autos durchzulassen. Ja wir sind gespannt, was uns Brasilien noch bringt. Jetzt erwartet uns wohl zuerst mal den Grund wieso wir die Seilwinde gekauft haben: Die berüchtigte Strasse BR-319.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Containerschiff auf der Durchfahrt

Die berüchtigte Darién Gap, der legendäre Kanal und die Stunde der Wahrheit

Nach unseren Land Cruiser- Schrumpfbemühungen in Panama City fahren wir weiter östlich in die berüchtigte Darién Provinz. Unser Ziel ist das Ende der Strasse und der Beginn der sogenannten Darién Gap – der Grund wieso wir überhaupt verschiffen müssen.

Die Darién Gap und der Grund für die Verschiffung

Angekommen in Yaviza, wo die Panamericana endet

Die Darién Gap ist eine ca. 100 Kilometer lange Lücke in der Panamericana zwischen Panama in Zentralamerika und Kolumbien in Südamerika. Durch den dichten Dschungel wurde nie eine Strasse gebaut. Man könnte die Darién Gap zwar zu Fuss durchqueren, was aber illegal ist und womöglich tödlich endet. Es handelt sich schliesslich, um eine der gefährlichsten Regionen weltweit: Einerseits ist der Dschungel kaum erschlossen, dass man sich verirrt ist deswegen sehr wahrscheinlich. Weiter gibt es jede Menge gefährliche, teils tödliche Tiere, Schlangen, Amphibien, Insekten. Zudem wird der Darién Dschungel grösstenteils von der kolumbianischen FARC Guerilla Armee und Drogenkartellen kontrolliert. Wenn diese von der Anwesenheit von Zivilisten Wind bekommen, ist mit Mord oder Entführung zu rechnen oder damit, dass man Unmengen an Geld bezahlen muss, um lebendig wieder rauszukommen. Und als ob das nicht genug wäre, liegen auch noch Mienen rum.
Der Randteil des Dschungels auf Panamaseite könnte man mit Führer besuchen, aber für das fehlt uns die Zeit. So fahren wir bis ans Ende der Panamericana von Alaska in Yaviza, wo die Strasse vor einer Fussgängerbrücke endet. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar Häuser und dann fängt der berüchtigte Darién Dschungel an. Es ist alles nicht sehr spektakulär, Yaviza als Dorf sehr arm, aber trotzdem finden wir es irgendwie spannend und reizvoll bis ganz ans Ende zu gehen. Bereits in der gesamten Darién Provinz merkt man, dass es hier anders ist – alle paar Kilometer folgt eine Militärkontrolle, es soll sicher gestellt werden, dass niemand was schmuggelt und niemand auf die Idee kommt auf diesem Weg nach Kolumbien zu reisen. Traurig ist wiederum der Müll, der sich neben der Panamericana teilweise richtig häuft und streut. Auf dem Weg zurück nach Panama City machen wir einen Abstecher an die Pazifikküste. Hierhin verirrt sich normalerweise kein Tourist, die Strassen abseits der Panamericana sind nicht mal in Google Maps erfasst. Aber es gibt sie und so fühlen wir uns ziemlich abenteuerlich, als wir diese Strassen erkunden und dabei ca. 10 Flüsse durchqueren müssen. An den einsamen Strand, der uns von Alejandro aus der Overland Embassy empfohlen wurde, kommen wir leider nicht – der Weg ist zu überwachsen. Aber der Abstecher war trotzdem schön, die Menschen auf dem Land sehr freundlich, wir begegnen einem Faultier auf der Strasse und der grössten Spinne, die wir je gesehen haben. Unterwegs findet Raphi Holz, das er zu Rampen sägt, die den Radwechsel bei der Verschiffung erleichtern sollen.

Letzte Vorbereitungen und Sightseeing in Panama City

Panaviera Rooftop Bar

Dann fahren wir nach diesem mehrtätigen Ausflug zurück nach Panama City. Dort haben wir uns bei der Albrook Mall, der grössten Mall der Americas, verabredet. Man kann da ein gutes panamisches Pulled Beef Sandwich essen, und auf dem Parkplatz kostenlos übernachten – was will man mehr bei einem Overlander Treffen. Die zwei Deutschen in ihrem VW Crafterbus sind bereits ähnlich lange wie wir unterwegs, gehen nun aber wieder nordwärts Richtung Kanada und Alaska. Da sie etwa zu 40% unterwegs arbeiten haben sie länger Zeit und Budget wie wir. Leider finden wir auch in der Albrook Mall keine neuen Trekkingschuhe und so gehts weiter zurück zur Overland Embassy, wo wir unsere Stahlfelgen noch mit Gummi bekleben möchten damit keine Beschädigungen am Container entstehen, Grossputz machen und ein paar Kleinigkeiten reparieren wollen. Leider ist wieder mal Pipi aus der Toilette ausgeleert und so lassen wir neben unsren Sitzen auch die Teppiche professionell reinigen. Inzwischen sind auch unsere Container Buddies Aurore und Salah aus Frankreich in der Embassy eingetroffen. Wir treffen dort weitere Overlander – zwei Pärchen aus den USA, ein holländisches Pärchen, ein ausgewanderter französischer Youtuber, ein deutsches Pärchen, ein texanischer Motorradfahrer und ein kanadisches Pärchen, welches wir bereits kurz in Mexico und Nicaragua angetroffen haben. Die individuellen Stories und Lebensweisen dieser Reisenden sind immer so spannend anzuhören und geben auch neue Ideen und Perspektiven. So verbringen wir ein paar Tage in der Overland Embassy, arbeiten fleissig, schaffen es aber auch mal mit den anderen ein Bier trinken zu gehen oder Pizza zu bestellen. Einmal müssen wir zu einer Behörde, um von Polizeibeamten unser Auto, die VIN, Motornummern und deren Übereinstimmung mit Dokumenten für die Verschiffung inspizieren zu lassen. Ja es ist sehr wichtig, dass immer alle Nummern genau stimmen, sonst gibt es grosse Probleme. Danach, wird ein neues Dokument erstellt mit wieder denselben Autoangaben. Ironischerweise befinden sich ausgerechnet auf diesem Dokument wieder Fehler: Unsere Container Buddies fahren einen roten „Fitat“ statt einen weissen Fiat. Ja, rot und weiss kann man leicht vertauschen. Nachdem wir mit allem fertig sind, erkundigen wir mit unseren Container Buddies endlich Panama City: Wir besuchen Casco Viejo – die Altstadt. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die hübschen alten Kolonialbauten. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut, nachdem die alte Panama City beinahe vollständig durch Piraten zerstört wurde. Das Viertel ist wunderschön, herausgeputzt, überall durch die Polizei überwacht. Da wirkt es umso surrealer, dass sich gleich nebenan der Abfall nur so türmt und die Kinder im Müll spielen. Ja, Panama City. Eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber die Ungleichheit ist einfach zu extrem. Wir haben in ganz Zentralamerika inklusive Mexico bisher nirgendwo solchen Luxus gesehen. Gleichzeitig haben wir auch nirgendwo bis jetzt solchen Elend und solche Müllberge gesehen. Auf den Salat für 20 US Dollar in Casco Viejo verzichten wir, finden aber im legendären Coca Cola Café einfaches, leckeres panamisches Essen für 5 Dollar. Es ist das älteste Restaurant Panamas, wo auch schon Che Guevara oder Theodore Roosevelt eingekehrt sind. Am nächsten Tag suchen wir den Mercado de Mariscos auf, den grossen Fischmarkt Panamas. Vor lauter Wäsche waschen und anderen Arbeiten verpassen wir leider den Markt, aber bei den Ständen probieren wir ein paar günstige frische Fischgerichte, unter anderem natürlich das in ganz Lateinamerika beliebte Ceviche. Der schönen Uferpromenade entlang laufen wir ins Viertel Punta Pacifica, wo sich ein Grossteil von Panamas Skyline befindet. Hier gönnen wir uns als Abschied von der Stadt in einer Rooftop Bar im 66. Stockwerk mit herrlicher Aussicht noch einen Drink bevor wir das Uber zurück zur Mall nehmen zum Übernachten.

Der Panama Kanal

Schiffspotting beim Panamakanal

Den nächsten Tag machen wir einen Spaziergang im riesigen Stadtpark Parque Natural Metropolitano, um die schöne Aussicht auf Panama City zu geniessen und werden den restlichen, letzten Tag mit dem Land Cruiser zu Schiffspottern. Bei den Pedro Miguel Schleusen und in Gamboa, beides entlang des Panama Kanals schauen wir mit unseren Container Buddies den riesigen Dampfern zu. Obwohl schon vor 500 Jahren die Idee aufkam einen Kanal zu bauen, welcher die Karibik mit dem Pazifik verbindet, wurde erst Ende 19. Jahrhundert damit angefangen. Der erste Versuch der Franzosen misslang – aufgrund von Fehlplanungen und Tropenkrankheiten starben 25’000 Menschen. Der zweite Versuch der USA Anfang 20. Jahrhundert war dann erfolgreich. Danach folgten immer wieder Streitigkeiten über Besitz und Zuständigkeiten zwischen Panama und den USA- erst 1999 hat die USA sämtliche Rechte und Verantwortlichkeiten an Panama abgegeben. 8 bis 10 Stunden dauert die ca. 80 kilometerlange Kanaldurchfahrt. Kein Wunder haben wir in Panama City so viele Schiffe gesehen, die alle auf die Durchfahrt warten. Eine Durchfahrt ist kein Schnäppchen – bis zu 450’000 US Dollar kann sie kosten, je nach Volumen. Ungefähr 2 Milliarden Dollar werden damit jährlich generiert. Vielleicht bekommt der Kanal aber bald „anti-westliche“ Konkurrenz. Die Chinesen haben schon vor Jahren einen Deal mit Nicaragua abgeschlossen, um in Nicaragua einen Kanal zu bauen. Obwohl das Projekt lange auf Eis gelegt war und die dafür gegründete Kanalbau-Firma hauptsächlich für Geldwäsche genutzt wurde, wird das Projekt Gerüchten zufolge mit den derzeitigen Spannungen zwischen China, Nicaragua, Russland versus USA wieder aktueller. Die letzte Nacht im Land Cruiser geniessen wir direkt am Kanal bevor wir am Montag Morgen nach Colón für die Verladung fahren.

Die Verschiffung und Wasserprobleme

Mit unseren Container Buddies und Alejandro, der auch noch vorbeigeschaut hat

Wir kommen extra früh an, damit wir schon mal die Stahlfelgen montieren können. Raphi hat an alles gedacht, die Montage funktioniert einwandfrei. Zuerst verladen wir den Land Cruiser auf den Abschleppwagen, damit er auf der richtigen Höhe in den Container gerollt werden kann. Damit ist die Stunde der Wahrheit gekommen – und siehe da, es funktioniert! Es bleibt höchstens ca. 1 cm Spielraum, aber wir schaffen es rein – langsam – aber es klappt. Der Fiat unsrer Container Buddies ist weniger hoch und stellt somit kein Problem dar. Allerdings ist er breit, womit es eine wirkliche Herausforderung ist, nach dem Befestigen der Autos mit Spanngurten wieder hinaus zu klettern. Aber auch das klappt nach mehreren Anläufen. Dann wird der Container geschlossen und versiegelt. Unser Agent Boris hat schon alle Formalitäten erledigt und uns den Stempel im Pass geholt, damit wir das Land verlassen können. Wir dürfen das Land sonst nicht verlassen, wenn nicht bewiesen ist, dass das Auto ebenfalls draussen ist. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einem Bier ist dann der Abschied angesagt. Die anderen fahren zurück nach Panama City, wir werden von Boris zum Busbahnhof von Colón gefahren. Endlich können wir mit einem dieser restaurierten, wunderschön bemalten, haarsträubend-fahrenden, US Schulbussen fahren, von welchen es in Zentralamerika nur so wimmelt. Komfort ist anders, die Sitze sind ursprünglich ja für Kinder gedacht, aber es ist ein Erlebnis. Mit lauter Partymusik und innen blinkenden Lichtern werden wir für ca. 1 Dollar 1.5 Stunden lang nach Portobelo gefahren. Im verschlafenen karibischen Kaff wird 2 Tage später unser Segelturn nach Kolumbien ablegen und so bleiben wir hier in einem Airbnb bei einer sympathischen Familie (sie mit aufgeweckter Tochter aus Kamerun, er aus Kanada). Wir freuen uns darauf nach vielen Tagen ohne, wieder mal zu duschen und Handwäsche zu machen bevor wir 5 Tage auf dem Segelboot ohne Frischwasser verbringen. Umso frustrierter sind wir, als wir erfahren, dass im ganzen Dorf das Wasser abgestellt wurde. Wir können nicht duschen, nicht waschen, keine Hände waschen, nicht spülen. Und das im reichen Panama. Was für uns nur vorübergehend ein grosser Frust ist, ist für die Menschen hier Alltag. Aber eben, hier grüsst wieder mal die Ungleichheit. In Panama City besteht bei manchen die grösste Sorge wahrscheinlich daraus, sich auf dem Weg in den Prada Store der grössten Mall von Nord- und Südamerika zu verlaufen, während die Leute im Dorf tagelang nicht mal fliessend Wasser haben. Naja uns bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen uns mit Regenwasser in Kübeln auszuhelfen so gut es geht. Heute Abend geht dann unser Segeltrip nach San Blas los. Bis jetzt hat es in Portobelo geregnet, vielleicht schaffen wir es noch die eine oder andere Festung anzuschauen. Portobelo war zu Kolonialzeiten eine wichtige Hafenstadt, die von schweren Festungen geschützt wurde. Die Überbleibsel sind noch zu besichtigen, sind auch als UNESCO Weltkulturerbe geschützt. Sie sind aber so am zerfallen, dass sie auf die Rote Liste aufgenommen wurden, womit gedroht wird den Weltkulturerbestatus wieder zu streichen. Das wars mit unsrer Woche, nächstes Mal melden wir uns hoffentlich von Kolumbien.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Unsere Route seit Reisebeginn durch Nord- und Zentralamerika:

Unsere Route bis Panama

Raphi auf dem Cerro Tute

Vom Dschungel ins Konsumparadies Panamas

Osa Peninsula

Dreifachsonnenuntergang bei Drake Bay

Unser letzter Halt in Costa Rica machen wir auf dem Osa Peninsula. Das Osa Pensinsula beherbergt laut National Geographic die intensivste Biodiversität, also Artenvielfalt der Welt. So wird geschätzt, dass auf dem Peninsula 2.5% der Biodiversität der Welt zu finden ist, obwohl das Peninsula nicht mal ein Tausendstel Prozent der Erdoberfläche ausmacht. Der Grossteil des Peninsulas ist von Dschungel bedeckt und teilweise durch den Corcovado Nationalpark geschützt. Zuerst fahren wir zu einem abgelegen Strand in der Nähe von Drake Bay, was 4-5 Flussdurchquerungen erfordert. Wir werden mit einem wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz am Strand mit traumhaftem Sonnenuntergang belohnt. Nachdem es dunkel ist, wimmelt es nur noch so von Hermit Crabs (Einsiedlerkrebsen) – eindrücklich. Wo der meilenweite mit Kokospalmen gesäumte Strand endet, fängt der dichte Dschungel an. Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung durch diesen Dschungel. Wir sahen tatsächlich einige Tiere – Mango naschende Äffchen (wobei sie immer nur 2-3 Bisse probieren, die Mango an Boden schmeissen und die nächste pflücken), Nasenbären, riesige blaue Schmetterlinge, Truthahngeier, einen gut getarnter Helmbasilisk und Aras. Anouk wird schmerzhaft und zweifach von einer giftgrünen Raupe gestochen. Auf dem nassen rutschigen Lehmboden fallen wir ein paar Mal auf den Hintern und sind danach richtig dreckig, aber ansonsten hat die Wanderung Spass gemacht. Danach fahren wir auf die andere Seite des Peninsulas und geniessen dort noch 2 Tage, suchen einsame Strände zum übernachten, fischen und Wellen reiten oder erledigen im Dörfchen Administratives. Auf den Besuch des Corcovado Nationalpark verzichten wir aus Budgetgründen, freuen uns aber drüber am Morgen vom Bett aus durchs Dachfenster Tukane und Aras in den Bäumen zu beobachten.

Grenze zu Panama und Boquete

1000-jähriger Baum auf dem Pipeline Trail bei Boquete

Das wars nun auch schon mit Costa Rica und so machen wir uns auf zur letzten Grenze Zentralamerikas – der nach Panama. Es handelt sich wieder um eine verhältnismässig mühsame Grenze. Verlängert wurde das Prozedere dadurch, dass die Beamten sowohl beim Abschluss der obligatorischen Haftpflichtversicherung fürs Auto als auch bei den Temporärimportpapieren fürs Auto die VIN Nummer und das Kennzeichen fehlerhaft eingaben und das rückgängig machen mehrere Anrufe und viel Warten implizierte. Beim Korrigieren schlichen sich erneut Fehler ein, womit der Prozess ein drittes Mal wiederholt werden musste. Wir kontrollieren die Nummern jedes Mal, da es im Falle von Fehlern bei der Ausreise und dieses Mal noch schlimmer – bei der Verschiffung – Probleme geben würde. Wir können uns nicht erklären, wieso wir tatsächlich fast jedes Mal Fehler entdecken, obwohl die Beamten diesen Prozess täglich wiederholen – mühsam. Nach etwa 3 Stunden haben wir es geschafft, machen in der Stadt David ein paar Erledigungen (z.B. zahlen auf der Bank die Anzahlung ein für die Verschiffung) und fahren ins blumige Hochland ins Städtchen Boquete. In Boquete übernachten wie am Dorfplatz, wie zufälligerweise unsere Container Buddies auch. Somit lernen wir sie das erste Mal kennen und gehen zusammen etwas essen und trinken. Aurore und Salah aus Frankreich sind seit einem Jahr auf der Panamericana unterwegs. Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, als sie in einer Facebook-Gruppe gefragt haben, ob jemand mit ihnen Mitte Juni ein Container nach Kolumbien teilt.
Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Es ist unser dritter, letzter und leider weiterhin erfolgloser Versuch Quetzals zu sehen.

Cerro Tute

Raphi auf dem Cerro Tute

Weiter fahren wir zum Cerro Tute, eine Destination abseits der Touristenpfade. Hier fahren wir so weit hoch wie es geht. Es ist eine wahrliche Allrad-Herausforderung – auf rutschigem, äusserst steilen, unebenen Lehm mit vielen Felsen. Das letzte extrem steile Stück schaffen wir nicht zu überwinden und damit kommen wir nicht bis da wir hinwollten, aber doch so weit, dass wir beim Übernachten ein schönes Panorama haben. Am nächsten Morgen stehen wir vor dem Sonnenaufgang auf, um die restliche halbstündige Wanderung zum Gipfel zu wandern. Ein Stück ist für Anouk mental besonders anspruchsvoll: Es führt durch ganze Landschaften voller ineinander gewobenen Spinnennetzen. Zum Glück hat Raphi die Machete dabei und kann den Weg freimachen. Dies ist für Arachnaphobikerin Anouk aber nur eine kleine Beruhigung, ist doch der Weg so schmal, dass man unweigerlich die Pflanzen berührt (dies erst noch bei Dunkelheit) und damit Angriffsfläche für Spinnen schafft. Am Schluss müssen wir noch auf den Felsen klettern, begrüssen die dort ansässige Krötenfamilie und hätten dann ein 360-Panorama vom höchsten Berg in der Umgebung. Leider ist es so neblig da oben, dass wir kaum was sehen, auch nicht den Sonnenaufgang. Es ist halt Regensaison. Leider können wir nicht warten, da wir nach Panama City müssen. Zurück beim Auto wartet die nächste Überraschung: Unser Reifen ist platt. Zum Glück liegt es am Reifen, nicht wieder am Felgen, womit Raphi das Loch flicken kann.

Ankunft in Panama City und der Overland Embassy

Raphi schneidet die Felgen zurecht

Dann müssen wir nach Panama City eilen, zur „Botschaft“. Die Overland Embassy / Botschaft wurde letztes Jahr von Alejandro gegründet, der selber gerne reist und bereits overland die Strecke Panama – Alaska gereist ist. Alejandro ist mit seiner Familie mit 16 von Venezuela nach Panama geflohen. Um als Teenager in der neuen Umgebung nicht in ein Loch zu fallen hat er sich zum Ziel gesetzt Panama bis in die letzten Ecken zu erkunden und mögen zu lernen. Dabei ist er immer wieder auf Reisende / Overlander gestossen und hat sie dann unterstützt bei ihren Vorhaben in Panama, wie zum Beispiel bei der grossem Herausforderung der Verschiffung nach Kolumbien. Und so wurde ihm immer wieder vorgeschlagen sein Hobby zum Beruf zu machen, was er nun mit der frisch gegründeten Overland Embassy macht. Er weiss was Overlander wie wir brauchen und hilft bei allem Möglichen. Zum Beispiel bietet er Werkstatt mit allem drum und dran hat, hat Kontakte für alle möglichen Reparaturen, man kann bei seiner „Botschaft“ kostenlos freistehen und Wlan, Dusche, Toilette nutzen. Man kann sein Camper putzen, Ersatzteile bestellen, er agiert auch als Agent für Verschiffungen und so weiter. Und natürlich schliesst man dort auch mit ihm und anderen Reisenden schnell neue Freundschaften. Eine wirklich tolle Sache. Wir haben zwar bereits einen anderen Verschiffungsagenten, Alejandro kann uns aber helfen uns zu „schrumpfen“, damit wir in den Container passen. Er ist gerade dran einen alten Land Cruiser zu restaurieren, von welchem er auch die Originalfelgen gekauft hat. Netterweise verkauft er uns diese weiter. In seiner Werkstatt können wir sie so zurechtschneiden, dass wir sie am Land Cruiser anbringen können und mit ihnen ohne Reifen in den Container fahren können, um niedriger zu sein.
Nachdem wir am zweiten Tag fertig sind, kommt der grosse Moment der Wahrheit – wir messen und sind mit den zurechtgeschnittenen Felgen 2.57 Meter hoch. Wir dürfen genau 2.58 Meter sein – es sollte also passen. Ein halber Stein fällt uns vom Herzen (sind ja noch nicht im Container). Nun haben wir noch ein bisschen Zeit vor der Verladung am 13. Juni um Panama und Panama City zu erkunden und machen uns ausgestattet mit Alejandros Panama-Insider Tipps auf den Weg.

Das reiche aber ungleiche Panama

Nach unseren ersten Tagen in Panama haben wir einen gemischten Eindruck. Die Menschen sind generell sehr sehr freundlich und offen, mehr noch als in Costa Rica. Was schockiert, ist der Müll der wieder überall rumliegt, obwohl Panama dank dem Panamakanal, aber auch Offshore Banking und Geldwäscherei in reiches Land ist, sogar reicher als Costa Rica. Auf der anderen Seite sind wir total überwältigt vom kommerziellen Angebot. An den meisten Orten, aber vor allem um Panama City gibt es riesige wunderschöne Supermärkte mit einem top internationalen Angebot (sogar Schweizer Villars Schoggi, die es in der Schweiz nur in ganz grossen Coops gibt). Es reiht sich eine Riesenmall an die nächste, und wir sehen eine Vielfalt an amerikanischen Fastfoodketten, die wir in den USA das letzte Mal gesehen haben. Nachdem wir seit den USA mit einem sehr stark eingeschränkten Angebot leben mussten, ist dies ein Luxus für uns. Z.B. war das verfügbare Spektrum an Lebensmittel sehr gering oder wir versuchen seit den USA neue Trekking-Turnschuhe zu finden, da unsere dank täglichem Tragen total abgenutzt sind – keine Chance. So sind wir total überwältigt von diesen plötzlich scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Aber ja, dafür sind die Preise praktisch gleich hoch wie in den USA, bezahlt wird auch in US Dollar. Angesichts der Riesen-Skyline von Panama City würde so manche US-Grossstadt erblassen und unsere letzte besuchte Metropole Mexico City sowieso. Der ganze Luxus ist ja schön und gut, aber etwas stimmt nicht ganz und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Auf dem Land leben die Menschen in offenen Stroh und Wellblechhütten ohne Strom und vorne dran türmt sich der Abfall. Die Armut ist deutlich zu spüren und die Ungleichheit widerspiegelt sich auch in der extrem hohen Polizeipräsenz, die versucht zu verhindern, dass die Situation eskaliert. Lateinamerika ist weltweit führend was Einkommen- und Vermögensungleichheit angeht und innerhalb Lateinamerikas kommt Panama diesbezüglich nach Brasilien an oberster Stelle. Ja Panama ist reicher als Costa Rica, aber Costa Rica pflegt eindeutig den nachhaltigeren Wohlstand.
Aber vielleicht ändert sich das ja noch, Panama ist relativ „neureich“. Erst 1999 hat die USA Panama die vollständige Kontrolle über den Kanal überlassen und viel Wohlstand stammt auch von der Verdreifachung des Verkehrs durch den Panamakanal seit der Fertigstellung der Kapazitätserweiterung 2016. Bis 1989 hat Panama unter einer schlimmen Militärdiktatur gelitten – bis der Diktator den USA den Krieg erklärt hat, was als Land mit halb so vielen Einwohnern wie die Schweiz wohl nicht der schlauste Schritt ist. Der „Krieg“ und die Diktatur nahm damit nach nur ein paar Tagen ein Ende und der Diktator musste fliehen. Seither herrscht Demokratie, aber trotzdem hatte Panama noch lange mit Korruption und anderen politischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Wir sind gespannt was uns in diesem kleinen Land noch erwartet.

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Ein paar Tiere, die wir auf dem Osa Peninsula angetroffen haben:

Ein Platz am schwarzen Sandstrand

Auto-Rettungsmissionen und Flussdurchquerungen in Nicaragua und Costa Rica

Der Land Cruiser auf der Fähre

Isla de Ometepe

Nicaragua besitzt den grössten See Zentralamerikas, den Lago de Nicaragua. Mitten drin sitzt die Isla de Ometepe, die mit 270 km² grösste Vulkaninsel auf einem See weltweit. Sie besteht aus 2 Vulkanen und kann trotz der Grösse in ein paar wenigen Stunden einmal umrundet werden. Wir nehmen die Fähre auf die Insel, um dort 2 Tage zu verweilen. Für einmal ist dies ein erfrischend unkomplizierter Prozess und nach 1.5 Stunden sind wir auch bereits auf der Insel. Da man die Vulkane nur im Rahmen von geführten Ganztagestouren besteigen kann, verzichten wir darauf und möchten deswegen einen Wasserfall besuchen.

Der Mazda im See

Auf dem Weg werden wir von mit Händen fuchtelnden Locals angehalten. Völlig baff sehen wir, dass da ein weisses Auto ca. 10 Meter weit vom Ufer im See steckt. Schon alleine von der Strasse zum Ufer ist der Abstand mindestens 20 Meter lang. Mit der Machete befreien wir den Absprung zum See vom gröbsten Gestrüpp und fahren über die Felsen runter. Es stellt sich heraus, dass der norwegische Fahrer des Mazdas Gas und Bremse verwechselt hat und mit dem Auto über den Absprung im See gelandet ist, wobei der See das Auto dann noch weiter raus getrieben hat. Gut, dass niemand verletzt wurde. Dummerweise wurde automatisch der Notfallmodus des Autos aktiviert, welcher die elektrische Handbremse zog und wir diese nicht lösen konnten. Somit hat die Rettungsaktion mehrere Stunden gedauert. Zuerst brauchten wir viele Anläufe bis wir den Mazda auf unseren Sandblechen aus dem See ziehen konnten. Dann haben wir die Räder gelöst, um den Motor der Handbremse zu entfernen und sie so versucht zu lösen. Ohne gelöste Handbremse wäre es unmöglich gewesen, den Vorsprung auf die Strasse zu überwältigen. Nach langem Hin und Her haben wir es geschafft und mussten dann ein paar Äste eines Baumes absägen, um den Vorsprung mit dem Land Cruiser hochfahren zu können und das Auto hinterherzuziehen. Mit „wir“ ist dabei hauptsächlich Raphi gemeint und ein paar Locals. Irgendwann war alles geschafft und der Mazda stand auf der Strasse, parat für den Mechaniker.

Unser Spot am See mit Vulkankulisse

Für den Wasserfall wars dann auch zu spät und so fanden wir ein Übernachtungsort am Seeufer, wo wir sicher freistehen konnten. Als nebendran ein Boot von lokalen Fischern voller Holz ankommt bindet Raphi das Holz ans Auto, lädt die Fischer auf und fährt es zu ihnen ins nächste Dorf nach Hause. So macht man sich bei den Locals beliebt.
Am nächsten Tag versuchen wir es das zweite Mal mit dem Wasserfall. Mit dem Land Cruiser können wir einen Grossteil der Strecke per 4×4 Track überwältigen. Danach müssen wir trotzdem noch wandern, was in der Hitze ziemlich schweisstreibend ist. Auf die Erfrischung am Wasserfall freuten wir uns zu früh, die paar Tröpfchen (es ist erst Beginn der Regensaison) reichen nicht, um den Schweiss wegzuwaschen. Dafür geniessen wir die Gesellschaft von vielen wunderschönen Schmetterlingen und Brüllaffen. Am Abend finden wir einen schönen Ort für den Sonnenuntergang, wo wir auch gleich übernachten können.

Playa Popoyo in Nicaragua

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre zurück aufs Festland. Unseren letzten Tag und Nacht in Nicaragua möchten wir noch an der Küste verbringen. Auch dieser Küstenabschnitt ist beliebt bei Surfern und so finden wir sogar ein Campingplatz mit richtiger Ausstattung. Die umfangreiche Einrichtung müssen wir ausnutzen und so geniessen wir vor lauter Putzen und Waschen kaum den Strand – es reicht bloss für einen kleinen Spaziergang zu Gezeitenpools.

Fazit Nicaragua

Ja, Nicaragua hat uns sehr gefallen mit Ausnahme vom Hotel in León und der politischen Entwicklung. Es gab viel zu sehen, viele Tiere (Affen, wunderschöne Vögel und Schmetterlinge), hübsche Städte, überraschend viele relativ wilde Orte. Die Menschen waren sehr nett und herzlich und wir fühlten uns stets sicher -so sicher, dass wir oft freistanden. Es ist definitiv ein Land, welches wir wieder besuchen würden und von welchem wir denken, dass es grosses Potential hat. Wir haben aus Zeitgründen nur einen kleinen Teil gesehen – es wäre sicher spannend gewesen, auch die kaum erschlossene Karibikküste zu erkunden.

Einreise nach Costa Rica

So machen wir uns am nächsten Morgen wehmütig auf zur Grenze. Die Ausreise aus Nicaragua ist deutlich komplizierter und mühsamer als die Einreise. Auch hier haben wir Angst, dass wir doch noch durch den Scanner geschickt werden und uns die Drohne weggenommen wird. Die Frau vom nicaraguanischen Zoll scheint auch ein wenig sadistisch veranlagt zu sein – Leute die sie nicht mag, nimmt sie auseinander. Auch uns fragt sie einige Male, ob wir eine Drohne dabei haben und überlegt sich uns durch den Scanner zu schicken. Wir benehmen uns so gut und höflich wie möglich. Sie scheint uns zum Glück zu mögen und lässt uns ohne tiefergreifende Kontrollen durch. Auch die Einreise nach Costa Rica ist umständlich, aber verläuft dann ebenfalls reibungslos.
Wie waren im November ja bereits 2 Wochen in Costa Rica, um unsere USA Aufenthaltsbewilligung um nochmals 3 Monate zu verlängern.

Ein Plätzchen am einsamen Strand auf dem Nicoya Peninsula

Nachdem wir den Rest von Zentralamerika kennen, ist die Rückkehr nach Costa Rica ziemlich ernüchternd. Es ist verdammt teuer, wir sehen mehr Gringos als Einheimische, es ist alles geordnet, es gibt keine Strassenverkäufer oder Fruchtstände mehr und keine Tiere auf der Strasse. Nur die Strassen sind gleichbleibend miserabel, wenn nicht sogar schlechter. Anhand der Kommentare bei potentiellen Übernachtungsplätzen anderer Reisender ist es auch nicht sicherer – im Gegenteil wir lesen viel mehr von Überfällen, wobei es natürlich hier auch mehr Reisende gibt. Eine positive Beobachtung machen wir aber dennoch: Es liegt viel weniger Müll rum, als in den anderen von uns besuchten Ländern Zentralamerikas. Und es fehlen zwar die grösseren Tiere auf der Strasse, aber durch die viele Krebse, die sich auf der Strasse sonnen, wird die Fahrt trotzdem zum Spiessrutenlauf. Und wir freuen uns aufs Freistehen an Traumstränden und eine vielfältige Tierwelt.

Nicoya Peninsula

Raphi holt Mangos von den Bäumen

Die ersten Tagen verbringen wie mit Beach Hopping auf dem Nicoya Peninsula. Wir fahren einfach von Strand zu Strand und wo es uns gefällt bleiben wir für eine Nacht. Da alle Sehenswürdigkeiten und Nationalparks so teuer sind (pro Person 20 USD oder mehr), haben wir kein schlechtes Gewissen den Grossteil auszulassen. Vieles kennen wir ja auf die ein oder andere Weise schon vom Besuch im November oder weil wir es in den Nachbarländern oder Mexico ähnlich gesehen haben. Es tut uns gut einmal ein nicht so volles Programm zu haben wie sonst. Es ist Beginn der Regensaison und oft regnet es für kurze Zeit am Nachmittag und einmal auch gleich einen ganzen Tag lang. Die „Strassen“ sehen auch dementsprechend aus und sind manchmal richtige Schlammlöcher oder halbe Bäche. Schon am zweiten Tag müssen wie wieder ein Auto aus einem Schlammloch rausziehen. Lustigerweise hat ein anderes Auto angehalten, um zu schauen oder zu helfen, welches dann ebenfalls gleich feststeckte, womit wir dieses ebenfalls rausziehen musste. Die vielen Flussdurchquerungen sind auch spannend: Man weiss nie wie tief das Wasser ist und wenn man Krokodile drinnen schwimmen sieht, hat man auch keine grosse Lust das zuerst zu erkunden. Wir haben Freude am Baden in den wilden Wellen im Pazifik, finden einsame Plätze an einsamen Stränden und sammeln jede Menge Mangos und Kokosnüsse zum Essen. Nächste Woche wollen wir dann noch ein wenig mehr unternehmen 🙂

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Zeitraffer von der Isla Ometepe nach Sonnenuntergang:

Markt in Antigua

Guatemala: In der Natur und der schönsten Stadt Zentralamerikas

Am Montag überquerten wir die Grenze von Belize nach Guatemala – das grösste Land Zentralamerikas. Guatemala ist bekannt für seinen Dschungel, die über 30 Vulkane und seine noch stark gelebte Maya-Kultur – die meisten Mayas leben in Guatemala.

Flores und Petén-Itzá

Bei unserem Stellplatz am Petén-Itzá-See

Das übliche Grenzprozedere mit uns von Belize abmelden, Auto abmelden, Pestizidbehandlung des Autos bezahlen (ohne dass sie gemacht wird), uns in Guatemala anmelden, Auto anmelden etc. verlief problemlos. Der einzige Umstand war, dass wir von der Grenze ins nächste Dorf laufen mussten und dort bei einer Bank den Temporärimport des Autos bezahlen bevor wir mit dem Auto ins Land durften. Danach haben wir wie üblich Geld abgehoben, eine Simkarte gekauft und gingen uns dann das süsse Inselstädtchen Flores auf dem See Petén-Itzá anschauen. Wir freuen uns nach dem teuren Belize wieder Obst leisten zu können, kaufen am Strassenstand 6 Mangos für insgesamt 3 Franken und verdrücken sie in nur 2 Tagen. Einfach lecker, das Fruchtangebot in Guatemala!
Nach Flores finden wir am Lago Petén-Itzá gegen eine kleine Gebühr gleich neben dem schönen bunten Steg und ein paar Hängematten im Wasser einen Stellplatz für die Nacht. Ja, neben Mexico wissen sie auch in Guatemala wie süss geht – was unschwer an der hübschen und bunten Deko zu erkennen ist.

Tikal Ruinen

Am nächsten Tag fahren wir zu den Tikal Maya-Ruinen. Tikal wurde über 800 Jahre lang erbaut und befindet sich mitten im Dschungel. Die mit bis 100’000 Einwohnern grösste Maya-Stadt der Klassik-Periode war auch eine Zeit lang Zentrum des gesamten Mayareichs. Die sehr steilen schmalen Tempel unterscheiden sich vom Aussehen von den Maya-Ruinen, die wir bisher besichtigt haben. Die Treppen mit den steilen, hohen Stufen erschweren den Aufstieg deutlich. Dies ist so gewollt, sollte schliesslich der Aufstieg zur heiligen Spitze des Tempels auch mit Mühe verbunden sein, um die Götter genügend zu würdigen. Unzählige Tempel kann man besteigen, der höchste misst knapp 70 Meter hoch – schliesslich wurden ganze 4000 Strukturen in Tikal entdeckt. Es ist fast schon ermüdend – jedes Mal wenn wir denken nun haben wir alles gesehen kommt im dichten Dschungel wieder ein neuer Tempel zum Vorschein. Neben Brüllaffen sehen wir Tukane, Coatis und Pfauentruthühner.

Ein Canyon mit Brüllaffen und ein heisser Wasserfall

El Boquerón Canyon

In der Nähe des nächsten Sees (Izamal) besuchen wir den El Boquerón Canyon – eine Schlucht, durch welche ein kleiner Fluss fliesst. Mit einem Boot werden wir hochgefahren bis das Boot nicht mehr weiter kommt worauf wir uns watend und schwimmend weiter den Canyon flussaufwärts fortbewegen bis wir genug gesehen haben. Dann lassen wir uns den Fluss runtertreiben. Wir sind ganz alleine und so sorgt das plötzliche Geschrei der zweitlautesten Tiere der Welt – der Brüllaffen – für eine spannende, leicht unheimliche Stimmung. Wenn wir nicht gewusst hätten, dass es nur Brüllaffen sind, wären wir zu Tode erschreckt.

Cascadas El Paraiso

Weiter fahren wir zu den Cascadas El Paraíso – einem heissen Wasserfall. Der Wasserfall ist der Wahnsinn. Das wie bei heissen Quellen durch Geothermik aufgewärmte Wasser ist so heiss, dass man im Pool oberhalb des Wasserfalls nicht baden kann. Aber man kann unter dem Wasserfall stehen und geniessen wie das heisse Wasser auf den Kopf und Körper fällt – eine angenehm wenn auch ungewohnte Kombination wenn der Körper sich im Pool von noch warmen, aber deutlich abgekühltem Wasser befindet und total heisses Wasser auf den Kopf fällt. Nachdem wir seit den USA fast nie wieder eine heisse Dusche mit viel Wasserdruck hatten fühlt es sich für uns an wie die beste Dusche, die wir seit Monaten haben und wahrscheinlich noch das nächste Jahr über haben werden.
Wir campen beim Wasserfall und lustigerweise sind die einzigen andern Camper ebenfalls Schweizer Overlander aus Luzern in unserem Alter und so verbringen wir einen schönen Abend und Morgen mit ihnen.

Semuc Champey und Biotopo de Quetzal

Semuc Champey Pools

Danach fahren wir eine lange Strecke nach Semuc Champey. Die schöne, aber unbefestigte Route durch die Berge hat es in sich – mit Schlaglöchern, vielen Hügeln und einmal wieder ein paar Locals, die ein Seil spannen um Geld für die Durchfahrt von uns zu verlangen. Sie geben sich dann mit 60 Rappen zufrieden, statt den zuerst geforderten 15 Franken. Ansonsten ist die Route wirklich schön und führt uns durch viele Maya Dörfer. Die Leute sind hier alle traditionell gekleidet in den schönen gewobenen bunten Tüchern und Kleidern. Das Leben ist einfach und die Armut ist spürbar. Viele Menschen stehen einfach rum (auch Kinder) ohne einer regelmässigen Tätigkeit nachzugehen (d.h. auch ohne in die Schule zu gehen). Geduscht, gewaschen und abgespült wird im Fluss. Die Bevölkerung wirkt in Guatemala deutlich ärmer als in Mexico und die Kluft zwischen arm und reich ist gross. Die Armut ist wohl auf den bis 1996 andauernden über 36 Jahre langen Bürgerkrieg zurückzuführen. Obwohl inzwischen demokratisch regiert wird sind Korruption und organisierte Verbrechen immer noch grosse Probleme.
In Guatemala fahren die Leute nochmals deutlich verrückter und haarsträubender als in Mexico, wir müssen also allgemein mehr aufpassen. Hier auf dem Land werden die Menschen mit Pickups transportiert, da haben schon so etwa 15-20 auf einer Ladefläche Platz – die die nicht reinpassen, klammern sich halt aussen fest. Ein anderes Phänomen in Guatemala und Zentralamerika sind die sogenannten Chicken Busse („Hühnerbusse“). Es handelt sich dabei um ausrangierte, bunt bemalte und geschmückte US-Schulbusse, die zum Transport von Waren oder Menschen verwendet werden. Auch deren Fahrer fallen durch absolut waghalsige Fahrmanöver auf.
Semuc Champey ist ein Naturschutzgebiet – Highlights sind die verschiedenen türkisfarbenen Lehmgestein-Naturpools die vom darunter durchfliessenden Fluss mit Wasser versorgt werden. Vom Aussichtspunkt haben wir nach dem anstrengenden Aufstieg eine schöne Sicht darauf und kühlen uns nach dem Abstieg darin ab. Dann besuchen wie noch die K’An Ba Caves – Höhlen mit einem Guide. Es ist ein lustiges, total verrücktes, aber auch ein wenig gefährliches Erlebnis. Wir bekommen beide eine Kerze in die Hand gedrückt und erkunden die mit Wasser gefüllte Höhle. Um uns fortzubewegen zwängen wir uns durch enge Tunnels, müssen sie runterrutschen, schwimmen (immer mit der Kerze in der Hand), klettern 6-7 Meter hohe Wasserfälle an Seilen hoch, müssen dann wieder 5 Meter irgendwo in ein nicht zu sehendes Pool runterspringen. Und dies ohne Helm oder Schutzausrüstung, wir müssen uns zu 100 Prozent auf die Anweisungen des Guides verlassen. Zum Glück gehen unsere 3 Kerzen nie gleichzeitig aus, sonst wären wir in absoluter Dunkelheit. Ja, es war eine touristisches Erlebnis aber es hat sich gelohnt, alleine schon da es aufgrund der Sicherheitsstandards wohl nirgendwo sonst so möglich gewesen wäre. Nach über einer Stunde waren wir dann ganz froh da wieder einigermassen heil rauszukommen, liessen uns dann noch in einem Schlauchring den Fluss runtertreiben (auf das Bier dazu mussten wir verzichten, da wir noch weiterfahren wollten) und sprangen einen Wasserfall runter.
Unser nächster Stopp legen wir im Biotopo de Quetzal ein – einem Naturschutzgebiet für den wunderschönen Nationalvogel von Guatemala, dem Quetzal. Auf der Wanderung durch den Dschungel hören wir zwar die schönen Vogelgesänge, leider bekommen wir ihn aber nicht zu Gesicht.

Markt in Antigua

Antigua

Weiter geht es in die oftmals als schönste Stadt Zentralamerikas bezeichnete Stadt: Antigua. Die gut erhaltene, bunte und als UNESCO Weltkulturerbe geschützte Kolonialstadt ist umgeben von mehreren Vulkanen. Auf ca. 1500 Metern hoch gelegen ist das Klima das erste Mal seit paar Wochen für uns sehr angenehm – tagsüber heiss, aber ohne hohe Luftfeuchtigkeit und angenehm kühl in der Nacht.
Die im 16. Jahrhundert erbaute Stadt wurde im 18. Jahrhundert grösstenteils durch Erdbeben zerstört, wobei viele Ruinen noch heute zu besichtigen sind. Wir geniessen es durch die schönen Kopfsteinpflasterstrassen zu schlendern. Highlight ist aber der riesige bunte Markt, in welchem alles verkauft wird – von lebendigen Hühnern über Obst & Gemüse, CD’s, Viagara etc.. 

Volcan de Fuego Cocktail

Dank der Beliebtheit der Stadt bei Touristen ist auch das kulinarische Angebot sehr breit und so gehen wir der lokalen Küche ausnahmsweise fremd und essen Züri Geschnetzeltes, Älplermagronen und Meringue mit Rahm in einem Restaurant mit Schweizer Koch. Und ja es sind die besten Älplermagronen, die Anouk je gegessen hat (mit Pilzen statt Kartoffeln) und dies ausgerechnet in Guatemala. Besonders gefiel uns auch der Besuch einer versteckten Bar – der Zugang erfolgt über eine Telefonkabine in einer Brauerei. Menu gibt es keines, man muss dem Barkeeper nur sagen, was man mag und was nicht. Anouk wollte etwas Lokales und hatte Erdnüsse, Kaffeebohnen und Kardamom im Cocktail – spannend und lecker. Unsere Tresen-Nachbarn bekamen einen rauchenden El Fuego Vulkan. Soviel zu unsrer ersten Woche hier. Nächste Woche wollen wir dann unbedingt den aktiven Vulkán de Fuego besteigen.

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Rio Frio Cave

Belize – ein kleines, spannendes Tropenparadies

Wow! Belize hat uns total begeistert! Wir wussten nicht, was wir erwarten sollten – die Meinungen anderer Reisenden waren gespalten: Manche waren begeistert und manche empfohlen tatsächlich das kleine Land an der Karibik auszulassen und direkt nach Guatemala zu fahren. Zum Glück haben wir das nicht gemacht! Belize ist halb so gross wie die Schweiz und das jüngste Land sowie das einzige mit Englisch statt Spanisch als Amtssprache in Zentralamerika .
Am Montag früh haben wir von Mexico aus die Grenze nach Belize überquert. Es lief alles reibungslos, sowohl bei der Ausreise Mexicos (Polizeikontrolle, Stornierung Visum und Temporärimportpapiere des Autos) als auch der Einreise in Belize (Abschluss Covidversicherung, Kontrolle Impfausweis, Auto einsprühen mit Pestiziden, Visum für uns, Temporäreinfuhr des Autos, Abschluss KFZ-Versicherung).

Cerros Ruinen

Raphi kurbelt die Fähre mit

Nach Geld abheben und Simkarte kaufen fahren weiter zu den Cerros Ruinen. Dabei fahren wir das erste Mal mit einer von Hand gekurbelten Autoflussfähre – von diesen gibt es in Belize einige. Raphi kurbelt fleissig mit. Wir sind überrascht, wie wenig Menschen wir begegnen, die Strassen sind vollkommen leer, ganz im Gegensatz zu Mexico. Man merkt, dass Belize das am wenigsten dicht besiedelte Land in Zentralamerika ist. Bei den Ruinen angekommen ist die Aufsichtsperson, die dort wohnt und die Ruinen pflegt, ganz überrascht. Es sind schon lange keine anderen Touristen da gewesen. Nur hin und wieder, wenn ein Kreuzfahrtschiff anlegt, kommt Besuch. Die Cerros Ruinen wurden von 400 v.Chr. bis 400 n.Chr. von den Mayas bewohnt. Direkt an der Karibik gelegen befindet sich ein Grossteil der Ruinen im Wasser, ein paar können auch an Land besichtigt werden mit traumhafter Karibikkulisse.

4×4 – Konvoifahrt zu den Davis Falls

Weg voller Schlammlöcher

Wir fahren weiter bis zur Mitte von Belize. Ja, ausnahmsweise sind wir mal in einem winzigen Land und kommen somit schnell voran. Wir treffen uns mit einem Pärchen aus Alaska, welche wir bereits in Oaxaca und Mérida getroffen haben. Am nächsten Tag wollen wir mit ihnen eine Offroadtour durch den Dschungel zu den zweithöchsten Wasserfällen Belizes – den Davis Falls – machen. Wir machen an dem Abend gleich 2 neue Bekanntschaften: eine erste Bekanntschaft mit der unglaublichen Gastfreundschaft der Belizer und die Bekanntschaft mit den grausamen bösen nervigen Botlassfliegen. Obwohl wir selbst gekocht haben, anstatt im Restaurant zu essen, haben die Inhaber des Campingplatzes das restliche Essen uns am Schluss geschenkt und uns mit einem leckeren Flan überrascht – diese Gastfreundschaft zieht sich auch auf die weiteren Begegnungen in Belize hin. Die Botlassfliegen hingegen werden uns auch noch einige Tage verfolgen. Sie leben in Zentral-Belize und sind winzig, stechen aber die ganzen Beine voll. Bei jedem Stich bildet sich ein kleiner Bluttropfen, der sich zu einem roten Punkt entwickelt, ein paar Stunden später stark anschwillt und dann fürchterlich anfängt zu jucken. Wenn man 70 Stiche hat oder so, macht das keinen Spass. Am nächsten Tag geht’s zum 4×4 Track, zu welchem es natürlich kaum Informationen gibt. Die wenigen, die die Wasserfälle besuchen, machen dies im Rahmen einer Tour. Wir fahren zum ungefähren Anfangsort und fragen uns durch bis wir den Anfang gefunden haben und die Erlaubnis eingeholt haben die Route zu fahren. Durch riesige Orangenplantagen, durch wilden Dschungel, mit sicher etwa 6 Flussdurchquerungen, durch unzählige Schlammlöcher und mit mehrmaligem Verfahren werden unsere Autos stark beansprucht. Schliesslich schaffen wir es aber an den Anfang des Wanderwegs. Nach 3 Kilometern laufen kommen wir endlich an und können uns im Wasserfall von der Hitze erfrischen. Der schöne Ausflug wird nur vom Rückweg getrübt: Beim Versuch ein paar schöne Drohnenaufnahmen zu machen flog die teure Drohne der Alaskaner prompt in den Dschungel gegen einen Baum. Nach 2 Stunden Rettungsmission und vielen Insektenstichen später mussten wir leider aufgeben. Dasselbe ist uns bereits bei unsrer letzten Konvoifahrt in Idaho passiert, aber dort konnten wir die Drohne retten. Wir scheinen unseren Konvoi-Gefährten diesbezüglich Pech zu bringen.

Mountain Pine Ridge Reserve

Rio Frio Cave

Einen anderen Tag verbringen wir (wieder allein) im Mountain Pine Ridge Reserve – ein riesiges geschütztes Hochlandgebiet, welches vom Dschungel unten weiter hoch in Pinienwald mündet und viele Wasserfälle, Naturpools und Höhlen beheimatet. Vieles ist nur mit Allrad zugänglich. Von einem Aussichtspunkt sehen wir hier den mit 500 Metern höchsten Wasserfall Zentralamerikas – die 1000 Foot Falls. Näher hin- oder runterzuwandern ist leider nicht erlaubt. Dafür treffen wir dort auf den Caretaker – die dort wohnende Aufsichtsperson. Er führt uns rum und erklärt uns die Pflanzen und ihre Nutzen (z.B. als natürlicher Insektenschutz oder Heilmittel bei Schlangenbiss). Es ist unglaublich wie nett die Leute hier sind und wie bereitwillig sie ihr Wissen weitergeben (ohne eine Gegenleistung zu erwarten). Zur Erfrischung suchen wir die Big Rock Falls Wasserfälle auf und die Rio On Pools – eine Reihe von Kaskaden und Naturpools in welchen es sich wunderbar und einsam schwimmen lässt. Highlight war das Rio Frio Cave, eine riesige Höhle mit 2 Ausgängen, wunderschönen und bunten Steinformationen, durch die ein Bach mit Kaskaden fliesst.
Wir widerstehen der Versuchung tiefer in das Reservat reinzufahren, da wir keine Seilwinde haben und bei diesen abgelegenen Routen teils wochenlang keiner vorbeifährt.

Bei den Mennoniten und Lamanai Ruinen

Hier fahren nur Kutschen

Wir machen einen langen Abstecher zu den Lamanai Ruinen. Um dorthin zu fahren müssen wir eine lange Dirtroad durch Ortschaften wie Shipyard fahren. Auf der Fahrt durch diese Gegend fragen wir uns, ob uns die Zeitmaschine 100 Jahre zurückgeschickt hat: Die Strassen teilen wir uns hier nämlich nur mit Kutschen. In Sonntagsanzügen (es ist Donnerstag), in langen edlen Kleidern und mit schicken Hüten, fahren hier die Familien oder Einzelpersonen in der Kutsche durch die Gegend. Im Gegensatz zum restlichen Belize wirken die Leute hier deutsch bis nordisch mit heller Hautfarbe und meist blonden Haaren. Wir sind in einer riesigen Mennoniten Gemeinschaft gelandet. Die geschichtlich mit Amischen verbundenen Mennoniten sind Freikirchler. Ursprünglich aus dem deutschen Sprachraum nach Russland ausgewandert, haben sie sich später weiter begeben – hauptsächlich in die Amerikas. Sie sprechen eine alte Form von Plattdeutsch, leben konservativ in ihrer friedseligen eigenen Welt (moderne Habseligkeiten wie Autos oder Technik sind verpönt) und betreiben hauptsächlich Landwirtschaft. Wir kommen uns ein wenig fehl am Platz vor – insbesondere da es ja nirgendwo andere Touristen hat – aber die Mennoniten sind sehr freundlich und grüssen stets. Spannend, die Vielfalt in diesem kleinen Land. Die wunderschönen riesigen Lamanai- Ruinen haben wir praktisch für uns alleine, was die Magie des Ortes mitten im Dschungel stark erhöht. Aufgrund der abgelegenen Lage mit Wasserzugang (Fluss) war Lamanai die am längsten besiedelte Mayaruine – vom 16. Jahrhundert vor Christus bis zum 17.Jahrhundert nach Christus, also rund 2000 Jahre. Highlight ist der Mask Temple mit 2 riesigen Lehmsilhouetten von Maya-Königen.

Cave Tubing und Hot Sauce

St. Herman’s Cave

Wir fahren wieder südwärts und landen spät abends auf dem Parkplatz einer Höhle, die wir am nächsten Tag besuchen möchten. Hier können wir für 5 USD sicher stehen und haben Zugang zu den WCs und Duschen (bei 40 Grad und der hohen Feuchtigkeit sehr willkommen). Die Aufsichtsperson der Höhle ist super freundlich. In Belize ist Cave Tubing eine populäre Touristenattraktion. Dabei lässt man sich in einem Schlauchring auf dem Wasser durch Höhlen treiben. Das Ganze macht man im Rahmen einer Tour machen und zahlt dabei mind. 50 USD pro Person. Dies ist uns zu teuer und deswegen hatten wir uns diese Erfahrung schon abgeschrieben. Zu unsrer grossen Überraschung bietet uns die Aufsichtsperson eine private Cave Tubing Tour unter der Hand an – in derselben Nacht für nur 25 USD pro Person. Das Angebot ist so toll, dass wir es nicht ausschlagen können. Normalerweise finden die Touren am Tag statt und man teilt sich die Tour und die Höhle mit vielen anderen und nun haben wir alles für uns allein zum halben Preis (wenn auch nicht ganz offiziell). Die kurze Wanderung durch den Dschungel zur Höhle ist unheimlich bei Nacht. Wir sehen Spinnen auf dem Weg, die so gross wie eine Hand sind. Aber auch aufgrund der Ameisen-Autobahnen, die wir bis jetzt in jedem Dschungel in Belize begegneten, müssen wir aufpassen, wo wir hintreten. Die süssen fleissigen Ameisen (Leaf Cutter Ants) transportieren Blätter für den Nestbau, die um ein Vielfaches grösser und schwerer sind als sie selbst. Sie sind faszinierend und wir wollen sie bei ihrer Arbeit nicht stören. Es gibt auch Pumas und Jaguare, aber die sind leider schüchtern und wir bekommen sie nicht zu Gesicht. Sich in der Dunkelheit durch die Höhle treiben zu lassen ist wirklich magisch. Mit der Stirnlampe sehen wir die verschiedenen schönen, zum Teil durch die Wassertropfen funkelnden Formationen. Wenn man die Stirnlampe abschaltet, herrscht absolute, komplette Dunkelheit. Dies ist fast ein wenig furchteinflössend ist, vor allem wenn man still bleibt und nur die Geräusche der Höhle hört. Die Aufsichtsperson ist Maya, wie etwa 11% der Bevölkerung von Belize. Er erzählt uns viel Spannendes über Belize, über die Maya, ihre Geschichte und heutige Situation in Belize, aber auch über die gesamte Flora und Fauna der Umgebung. Die Maya müssen auch heute noch stark dafür kämpfen, dass ihnen ihr Land nicht weggenommen wird. Problematisch dabei ist auch, dass teilweise Rassismus zwischen den verschiedenen Mayastämmen herrscht, was für den Zusammenhalt und ein stärkeres Auftreten gegenüber der Regierung nicht gerade förderlich ist. Der Abend war einmalig.
Im selben Nationalpark besuchen wir dann bei Tageslicht das sogenannte Blue Hole. Es handelt sich dabei um ein schönes saphirblaues Senkloch im Dschungel, in welchem man sich herrlich erfrischen kann.

Hot Sauce Tasting

Dann fahren wir weiter an die Küste. Unterwegs besuchen wir noch die Mary Sharp’s Hot Sauce Fabrik – eine belizische Herstellerin von Hot Sauce. Die Sauce wird in in 30 Länder exportiert und ist das Erste in Belize hergestellte und exportierte Agrarprodukt. Die Tour durch die kleine Fabrik ist interessant. Wir sehen zu wie die Angestellten die von den lokalen Farmern angelieferten Karotten von Hand schälen bevor sie weiter zur Sauce verarbeitet werden. Danach dürfen wir die 16 Sorten Hot Sauce, 13 Sorten Marmelade und Fruchtweine probieren und decken uns gleich ein.
An der Küste werden wir von Stürmen überrascht. Damit können wir zwar kein Strandleben geniessen, aber über die windige Abkühlung freuen wir uns dennoch. Morgen brechen wir für eine Woche auf ein Atoll auf. Wir werden im Zelt übernachten und haben kein Zugang zu fliessend Wasser, Elektrizität oder Internet aber dafür zu unendlich vielen Kokosnüssen. Wir können auch nicht „fliehen“ wenn das Wetter schlecht ist oder Ähnliches, da extra ein Boot zu chartern ein Vermögen kostet. Wir werden berichten 🙂

Ein paar Fakten und Schlussfolgerungen zu Belize nach Gesprächen mit Locals

Belize wurde erst 1981 unabhängig von Grossbritannien. Als Commonwealth of Nations- Staat ist Königin Elisabeth immer noch Staatsoberhaupt, regiert wird aber durch die demokratisch gewählte Regierung. So weit so gut, wobei Konversationen mit den Locals ein deutliches Misstrauen gegenüber der Regierung gezeigt haben. Gemäss ihnen ist die Regierung auch überaus korrupt. Kulturell ist das Land total anders als die restlichen zentralamerikanischen Länder und eher karibisch geprägt. Hier gibt es keine Kolonialstädte – die Architektur ist ebenfalls bunt aber einfacher. Die Bevölkerung ist sehr divers und reicht von Mayas bis Kreolen. Guatemala stellt auch heute noch Besitzansprüche über Belize, wobei die Briten Belize militärische Unterstützung gewährleisten, was Guatemala daran hindert, das kleine Land anzugreifen. Das Leben ist in Belize nicht einfach. Das Land ist extrem teuer – fast alles wird importiert, ist mit extrem hohen Importtaxen belegt und ist sehr teuer (z.B. die günstigste Art von Käse – Ein kleines Päckchen Plastikkäse, mit welchem Burger belegt werden, kostet etwa 5 Dollar). Das allgemeine Preisniveau ist vielleicht ungefähr so hoch wie in den USA. Gleichzeitig sind die Durchschnittslöhne sehr tief – etwa 1800 Dollar im Monat.
Aus politischer Sicht interessant und vielleicht ein wenig bedenklich ist, wie China seinen Einfluss sichert. Wir haben dasselbe bereits in Afrika beobachtet, in Südostasien und in Costa Rica. China investiert in Bauprojekte, sichert sich dabei aber Rechte, von welchen längerfristig nur China profitiert und weniger die lokale Wirtschaft. Im Beispiel Belizes hat China vor ein paar Jahren eine Autobahn gebaut, die inzwischen schon längst nicht mehr gut ist, aber sich dabei Rechte gesichert, wie z.B. dass Chinesische Einwanderer in Belize Geschäfte errichten können und keine Steuern bezahlen müssen. Tatsächlich waren alle Supermärkte, die wir gesehen haben in chinesischer Hand. Das Problem dabei ist, dass die Einkünfte nicht wieder in die lokale Wirtschaft fliessen, sondern hauptsächlich zurück nach China. Zudem werden keine Locals angestellt, sondern Leute aus China hergeholt und eingestellt. Grad während Covid war dies ein grosses Problem, da Supermärkte als einzige Geschäfte öffnen konnten, aber jeder ausgegebene Dollar nicht zurück in den belizischen Wirtschaftskreislauf geflossen ist, sondern nach China. Wir wissen natürlich nicht, ob das alles zu 100% so stimmt, aber das haben uns die Locals erzählt und in anderen Ländern haben wir Ähnliches gehört.

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Las Coloradas und Karibik

Pinke Seen, gelbe Städte, grüner Dschungel, blaue Cenoten – eine farbenfrohe Woche

Palenque

Palenque

Begonnen haben wir die Woche mit einem Besuch der Maya Ruinenstadt Palenque. Mitten im Dschungel gelegen strahlt der Ort eine romantisch-aufregende Dschungel-Ruinen Stimmung, ein wenig à la Indiana Jones, aus. Diese Erfahrung hätte man wohl „bereichern“ können, wenn man von den zahlreichen Verkäufern vor den Ruinen Magic Mushrooms gekauft hätte, was wir aber dankend abgelehnt haben 🙂
In seiner Blütenzeit im 7. Jahrhundert hat das Herrschaftsgebiet von Palenque bis El Salvador gereicht. Vieles an Geschehnissen und an der Geschichte der Maya ist in Palenque in zahlreichen Hieroglyphen verewigt, für Forscher extrem hilfreich. Der damalige Herrscher Pakal wurde in einem riesigen, ausgiebig geschmückten Grab und mit einer ausserordentlichen Todesmaske aus Jade begraben, leider wird man nicht mehr ins Grab gelassen. Nach Misserfolgen wurde die Stadt um ca. 900 nach Chr. verlassen und erst nach Eintreffen der Spanier wiederentdeckt. Bis heute wurde wahrscheinlich erst 5-10 % der Stadt ausgegraben. Um die Ruinen herum haben wir noch Spaziergänge durch den Dschungel und zu weiteren Ruinen machen können und bekamen das erste Mal in Mexico Brüllaffen zu Gesicht.

Raphi vor dem alten Stadtkern Campeches

Campeche

Nach Palenque fuhren wir weiter an den Golf von Mexico im Bundesstaat Campeche auf dem Yukatan Peninsula. Der wunderschönen Küste entlang fahren wir bis zur gleichnamigen Hauptstadt des Bundesstaats.
Campeche ist eine wunderschöne, sympathische Stadt am Meer, auch diese geschützt als UNESCO Weltkulturerbe. Die Häuser sind pastellfarben, es hat ein paar schöne Kathedralen und ein grosser Teil der alten Stadtmauer ist noch zu sehen.
Die Handelsstadt wurde nach Eroberung durch die Spanier anfangs 16. Jahrhunderts sooft von Piraten attackiert, dass Stadtmauer und Festungen gebaut wurden. Ob die Angriffe aufgrund dessen aufgehört haben oder einfach weil sich rumgesprochen hat, dass es in der Stadt nichts zu holen gibt, ist nicht abschliessend geklärt. Die Polizei patrouilliert in süssen Minielektrofahrzeugen, die Gehsteige sind so hoch, dass es kleine Treppchen gibt und die Autofahrer halten sogar bei Fussgängerstreifen an, was uns total schockiert hat. Ja, die Stadt hat wahrlich Charme versprüht und uns gefallen, so verschlafen und hübsch wie sie war. Nach der Bewunderung des Sonnenuntergangs an der Strandpromenade und dem Abendessen in der süss beleuchteten Altstadt fühlen wir uns auch hier sicher genug einfach an der Strandpromenade im Auto zu übernachten.

Mérida und Izamal

Raphi in Izamal

Danach fahren wir weiter der Küste entlang. Beim nächsten einsamen Strandplätzchen welches wir zum Übernachten aussuchen, werden wir das erste Mal so richtig von Mücken aufgefressen. Unsere neu gekaufte Mückenlampe und das Mückengitter bei den Fenstern helfen da auch nicht viel. Es ist so krass, dass wir nicht mal was kochen, da wie wissen, dass innerhalb von Sekunden unser Essen voll von Insekten wäre. So flüchten wir am nächsten Tag nach Mérida, der Hauptstadt von Yukatan. Merida ist die scheinbar zweitsicherste Stadt vom ganzen amerikanischen Kontinent (nach Quebec in Kanada). Nach so vielen tollen Städten hat uns Mérida aber nicht umgehauen. Wir haben uns eine Nachstellung des Maya Ballspiels „Pok Ta Pok“ angeschaut, dessen Spielgrund wir jetzt schon bei einigen Ruinen gesehen haben und uns mit Reisenden aus Alaska zum Yukatanisch essen verabredet. Als wir weiter sind, hat es das erste Mal richtig geschüttet. Ja die Regenzeit kommt langsam – zum Glück gibt es Cenoten! Besser als Mérida hat uns dann die Stadt Izamal gefallen, eine Stadt ganz in gelb. Alle Häuser, das Kloster, die Kirchen, ja sogar die mexikanischen Papierfähnchen (Papel Picado), welche über der Strasse hängen – alles war gelb. Interessanterweise weiss niemand genau wieso dem so ist – eine Theorie besagt, dass die Stadt für den Besuch vom Papst 1993 gelb angemalt wurde, andere sagen sie wurde zu Ehren des mayanischen Sonnengottes gefärbt. Zentrum ist das schöne gelbe Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua – einmal mehr errichtet auf einer Maya Ruinen.

Raphi in der Ik-Kil Cenote

Cenoten und Coba

Cenoten sind einfach wunderbar. 3 dieser eingestürzten Karsthöhlen, die Zugang zu mit Wasser gefüllten Grotten und Unterwasserhöhlensystemen geben, haben wir schon im Juli aufgesucht. Da es auf der Yukatan Halbinsel aber über 6000 davon gibt, möchten wir noch ein paar mehr erkundigen. An unsrem Regentag haben wir eine fast geschlossene Cenote (Hool Kosom) besucht, so blieben wir vom Regen verschont. Zum Glück regnete es nur einen Tag lang und so konnten wir danach auch offene Cenoten versuchen – wir entscheiden uns für die X-Batun, Dzonbakal, und Ik-Kil Cenoten. Es ist jedes Mal ein tolles Erlebnis, insbesondere die Unterwasserwelt mit Schnorcheln zu entdecken. Tauchen wäre noch interessanter, da die Cenoten ja unterirdisch oft noch viel weiter gehen, mit anderen Cenoten verbunden sind und sich Maya Schätze, Knochen oder andere Überbleibsel befinden.
Auch die Coba Ruinen haben wir besucht – eine ehemalige Maya- Stadt die architektonisch stark dem guatemalischen Tikal ähnelt. Vermutlich sind Coba Bewohner mit royalen Tikal-Frauen verheiratet worden, um den Handel zwischen den beiden Städten zu vereinfachen. Als die Frauen nach Coba gekommen sind, waren unter ihrer Gefolgschaft wohl Architekten und Handwerker, was die Ähnlichkeiten erklären würde. Lustigerweise haben wir dort auf dem Parkplatz das seit 25 Jahren reisenden Schweizerpaar wieder getroffen, die wir schon in den USA bei Vermillion Cliffs im Dezember kennengelernt haben.

Pinke Seen und Flamingos in Ría Lagartos

Las Coloradas und Karibik

Weiter fahren wir an das oberste Ende des Yukatan Peninsula – zum UNESCO geschützten Biosphärenreservat Ría Lagartos. Hier befinden sich Las Coloradas – Pinke Seen. Der hohe Salzgehalt der Seen zieht viele Krabben, Plankton und rote Algen an. Bei Sonne verdunstet viel vom Wasser, was die Konzentration dieser Lebewesen so stark erhöht, dass die Seen pink werden. Nebendran befindet sich gleich das wunderschön türkise karibische Meer. Das Biosphärenreservat zieht sich noch über viele weiteren Lagunen, die von Vögeln und Flamingos bewohnt werden. Diese Flamingos sind übrigens aus dem selben Grund so pink wie die Seen- sie wären weiss, aber die Ernährung von Shrimps, Plankton und rote Algen färbt sie pink. Wir fahren den abenteuerlichen Weg durch die Mangroven zwischen den Lagunen und bewundern die Flamingos. Nach El Cuyo finden wir einen wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz an der türkisen Karibik / Golf von Mexico. Hier verbringen wir das restliche Wochenende, essen jede Menge Kokosnüsse, die wir direkt von der Palme holen und Anouk schneidet Raphi wieder mal die Haare, diesmal mit herrlichem Ausblick übers Meer.

Ein kleines Drohnenvideo von den pinken Seen und der Fahrt durch Ria Lagartos: 

Hier noch ein kleiner Ausschnitts der Pok Ta Pok Nachstellung:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Weihnachtsbaumformation im Cañón del Sumidero

Von funkelndem Plankton bis zu Rebellen im Dschungel

Nach Oaxaca Stadt brechen wir wieder auf an die Pazifikküste. Wie im letzten Beitrag beschrieben, war das Verlassen der Stadt aufgrund zahlreicher Blockaden nicht ganz einfach, aber schliesslich haben wir es geschafft. Unterwegs hatten wir eine erste „unangenehmere“ Situation in Mexiko bzw. war sie eher bemitleidenswert als bedrohlich. 2 Männer haben ein Seil über die Strasse gespannt und wollten Geld von uns, damit wir durchfahren dürfen. Wir stellten uns dumm und gaben 2 Colas raus, schliesslich wirkten sie nicht bedrohlich und wir hätten das Seil auch einfach durchfahren können.

Oaxaca’s Küste und Besuch einer lokalen Familie

Lagune Manialtepec

An der Küste angekommen übernachten wir bei der Lagune Manialtepec, wo wir zugleich eine Nachts-Bootstour machen, um Meeresleuchten / Biolumineszenz zu sehen – Plankton welches bei Dunkelheit leuchtet. Uns war nicht bewusst, dass wir, um es zu sehen, ins Wasser müssen. Besonders für Anouk brauchte es Einiges an Überwindung ins stockdunkle Wasser in der Mitte einer Lagune zu steigen, in der sich allenfalls Krokodile rumtreiben. Aber es war ein spezielles Erlebnis: Sobald man im Wasser war und sich bewegt hat, hat alles im Wasser gefunkelt. Das Leuchten ist eine Abwehrreaktion des Planktons, um Feinde zu irritieren. Deswegen ist es auch so stark wenn man sich bewegt, d.h. für das Plankton bedrohlich wirkt. Leider kann man es nur mit spezieller Ausrüstung fotografieren, deswegen auch keine Fotos. Inzwischen ist sehr heiss und drückend – wir merken, dass wir uns auf Zentralamerika zu bewegen.

Unser Übernachtungsplatz am Playa San Agustin

Weiter sind wir der Küste entlang weiter südwärts. Dies nicht ohne regelmässig bei Kokospalmen anzuhalten, um Kokosnüsse runterzuholen, von welchen wir dann den Saft trinken und die Frucht essen würden. Das Hippiedorf Mazunte mit den Kliffs und der Aussicht bei Punta Cometa war schön, aber besser hat es uns in San Agustin gefallen, wo wir den Strand für uns hatten und auch direkt am Strand übernachten konnten. Einen weiteren Stopp haben wir bei den wunderschönen Dünen Dunas de Playa Azul direkt am Meer eingelegt. Dann war unser Küstenintermezzo auch schon wieder zu Ende.

Im Garten der Familie des Englischlehrers

Wir fuhren ins Landesinnere in ein Dorf namens Zanatepec, wo wir bei einer lokalen Familie im wunderschönen Garten übernachten durften. Der Vater ist Englischlehrer und lässt Reisende kostenlos bei ihm übernachten, um ein wenig in Übung zu bleiben – hier auf dem Lande bekommt er diese sonst nicht oft, da ausser seinen Schülern niemand Englisch spricht. Zum Dank haben wir die Familie zum Abendessen eingeladen, welches wir beim Taco-Stand der Tante des Vaters eingenommen haben (sehr lecker). Wir wurden die ganze Zeit mit frischen Mangos direkt vom Garten verwöhnt. Die riesigen Mangobäume trugen Hunderte von Früchten und waren so lecker und süss, wie wir sie noch nie hatten. Auch Jackfruits und Tamarinde wuchs im wunderschönen üppigen Garten bzw. im kleinen Paradies. Es war sehr interessant den Abend mit der Familie zu verbringen und mehr über den mexikanischen Alltag und das öffentliche Leben zu lernen. Zum Frühstück hat uns die Mutter wunderbare Chilaquiles gekocht- ein mexikanisches Frühstücksgericht mit Nachos, Salsa, Käse, Crema und Eiern. Die Kinder waren sehr aufgeweckt, konnten gut Englisch und waren wohl aufgrund des häufigen Kontaktes mit Reisenden sehr offen. Die Familie lebt sehr einfach, was einerseits an den beschränkten Mitteln liegt, andererseits aber auch daran, dass man Wohlstand nicht zur Schau stellen sollte. Ansonsten kann es vorkommen, dass man erpresst wird bzw. man Telefonate bekommt, bei welchen eine Art Schutzgeld gefordert wird.

Chiapas – Cañón del Sumidero und indigene Dörfer

Weihnachtsbaumformation im Cañón del Sumidero

Weiter geht’s in den Bundesstaat Chiapas. Das Gebiet ist voller Reichtum an Kultur – indigene Stämme und Dörfer pflegen und leben hier noch intensiv ihre, teils auf die Maya zurückgehenden Traditionen. Zugleich ist der Staat aber auch Brennpunkt – dank den zapatistisch kontrollierten Gebieten im Dschungel. Wir schauen uns die Schlucht Cañón del Sumidero an – von Aussichtspunkten auf dem Canyon, aber auch im Rahmen einer Bootstour durch die Schlucht. Die bis zu 1 km hohen Felswände sind sehr eindrücklich und beinhalten interessante Formationen wie den sogenannten Weihnachtsbaum oder eine Höhle mit natürlich pinken Stellen. Wir sehen im Canyon auch einige Krokodile, Klammeräffchen und ein Vogelschwarm aus Tausenden von Vögeln, die sich urplötzlich alle beim selben Ort ins Wasser gestürzt haben und sich gebadet haben.

Iglesia de San Juan Chamula

Weiter besuchten wir San Juan Chamula und Zinacantan, 2 Dörfer mit indigener Bevölkerung – den Tzotzil-Maya. Sie haben ihre eigene Sprache (nur 50% sprechen auch Spanisch), tragen traditionelle bunte Kleidung und pflegen eigene Traditionen die sich sogar zwischen den Dörfern unterscheiden. Zinacantan ist vor allem bekannt für die kunstvoll gewobenen, mit Blumen bestickten Textilien und für die vielen Blumen, die nach ganz Mexico exportiert werden. In Chamula tragen die Frauen dicke schwarze Röcke aus Schafswolle. Eine interessante Tradition in Chamula ist, dass in der Kirche Coca Cola gerülpst wird, um böse Geister zu vertreiben. Dies und der günstige Preis von Cola führen wohl dazu, dass Chiapas der höchste Cola Konsum der Welt hat. Wir besuchen den Friedhof in San Chomula, wo gerade aufwendige Begräbnis-Zeremonien im Gange sind. Hunderte von Menschen haben sich versammelt, mehrere Autos mit Unmengen an aufwendigem Gesteck kommen angefahren. Hier werden keine Kosten gescheut, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen, auch wenn die Gräber danach sehr einfach aussehen – mit einfachen Holzkreuzen deren Farbe auf das Alter der Verstorbenen hindeutet. Danach fahren wir noch in die Stadt San Cristóbal de las Casas, bekannt für seine Kolonialarchitektur und ebenfalls für das traditionelle kunstvolle Textilhandwerk.

El Chiflon und Agua Azul Wasserfälle 

Cascada Velo de Novia

Weiter gehts zu den El Chiflon Wasserfällen – für uns eindeutig die schönsten Wasserfälle bisher. Der Hauptwasserfall ist ca. 120 Meter hoch, davor und danach gibt es noch viele kleinere Wasserfälle. Das Wasser ist wunderschön hellblau und lädt zum Baden ein. Ab dem hohen Wasserfall verlieren sich die Leute, da der Weg hoch steil und anstrengend ist, d.h. den Wasserfall darüber hatten wir für uns alleine zum Schwimmen. Wir mussten einfach aufpassen nicht zu Nahe an den Rand des Wasserfalls zu kommen, da es sonst eben die 120 Meter in die Tiefe gegangen wäre. Das Wasser ist so sauber, dass es Manche direkt ohne Filter trinken. Es war wirklich das reinste Paradies im Dschungel. Wir fahren noch bis zur guatemalischen Grenze, wo wir am Laguna Tsiscao See übernachten. Der See ist Teil des Lagos de Montebello Nationalparks – bekannt für seine Seen in wunderschönen klaren blau grünen Farben. Dann kehren wir um Richtung Dschungel. Vor der nächsten Strecke haben wir ordentlich Respekt, führt sie doch durch zapatistisch kontrolliertes Gebiet und haben wir schon einige Horrorstories gelesen. Zu unsrer grossen Überraschung kommen wir ohne auch nur das kleinste Problem durch in den 2 Tagen, die wir uns im entsprechenden Gebiet befinden. Eine bei unsrer Durchfahrt bereits aufgelöste Strassensperre, jede Menge Warnplakate, dass es sich zapatistisches Gebiet handelt, sowie eine hohe Anzahl an Spähern mit Funkgeräten waren die einzige Indikatoren, dass es hier ein wenig anders läuft. Es gab auch niemand, der uns anhielt und Geld wollte oder Ähnliches – gespannte Seile und improvisierte Mautstationen soll es hier nämlich oft geben. Da sind wir in Oaxaca eindeutig öfters auf Hindernisse gestossen.
Der nächste Stopp liegt bei den Agua Azul Wasserfällen, eine Reihe an Wasserfällen, bekannt für die wunderschöne blaue Farbe. Leider war das Wasser mehr marrón (=braun) statt azul (=blau), da es davor geregnet hat. In der Hoffnung, dass es am nächsten Tag besser wird, beschliessen wir eine Nacht zu bleiben. Wir schliessen uns einem holländischen Paar an, welches ebenfalls im eigenen Auto ein wunderschönes Plätzchen direkt am Fluss inmitten vom Dschungel findet. Raphi macht sich noch bei den Locals beliebt in dem er mit der Säge hilft Holz klein zu machen und Bier und Cola vorbeibringt. Mit den Holländern geniessen wir den Abend in Dschungelstimmung: Heiss, feucht, mit dem Rauschen des Wasser und des Regenwalds, jeder Menge Glühwürmchen, irgendwelchen bei Dunkelheit nicht identifizierbaren Säugetieren und jede Menge rote, stechende Ameisen und sonstige Krabbeltieren. In der Nacht regnet es erneut, womit die Hoffnung auf blaues Wasser zu Nichte gemacht wird und wir damit am nächsten Tag weiterfahren.

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Auch bei uns gabs Fasnacht – die grossen Carnevals wurden wegen Covid abgesagt, aber zufällig sind wir in einem Kaff bei einem Umzug vorbeigefahren: 

Raphi beim Minas Viejas Wasserfall

Eine Woche im Wasserfall-Paradies und bei Schmetterling-Kolonien

Raphi beim Minas Viejas Wasserfall

Huasteca Potosina

Nach langer Fahrt durch die schöne Berglandschaft namens Sierra Gorda erreichen wir die Region Huasteca Potosina.
Huasteca Potosina erstreckt sich über mehrere Bundesstaaten und ist geprägt von subtropischem Klima und üppiger Vegetation / Dschungel. Bekannt ist die Region für die vielen Grotten, Höhlen, Wasserfälle und Flüsse, die ganz besondere Farben haben – von ganz klarem Blaugrün bis zu schon fast milchigem Türkis. Die Farben sind wunderschön und einladend zum Baden, für manche Locals auch zum Wäsche waschen und duschen.

Tamul Wasserfall

In Huasteca Potosina verbringen wir ein paar Tage, reisen von Wasserfall zu Wasserfall – manche kommerzialisiert mit fast schon Freizeitparkausmass und manche einsam und kostenlos, machen neue Bekanntschaften und geniessen das Leben. Highlight war der 105 Meter hohe Tamul Wasserfall. Leider momentan – zur Trockenzeit – nicht so imposant wie zur Regenzeit, wo er bis zu 300 Meter breit wird, aber trotzdem sehr besonders. Und da eher schwierig zu erreichen, waren wir auch die Einzigen da. Wir mussten eine lange abenteuerliche Dirtroad fahren, einen Bauern bezahlen, um durch dessen Land fahren zu dürfen, zum Wasserfall wandern und dann eine interessant zusammengebastelte senkrechte Treppe / Leiter zum Fusse des Wasserfalls runterklettern.
Einmal mehr hätte es noch so viel mehr Wasserfälle und Höhlen zum erkunden gegeben, aber wir müssen weiter.

Grutas Tolantongo

Die Hot Springs am Berghang

So bewegen wir uns ins nächste (halb-) natürliche Wellnessparadies: Die Grutas Tolantongo im Bundesstaat Hidalgo. Es handelt sich dabei um ein Tal mit Grotten und mineralhaltigen, durch die Geothermik natürlich aufgeheizten Gewässer: In riesigen Grotten mit Stalaktiten wird man heftig von heissem Wasser, welches durch den Wasserfall vor der Grotte und durch Löcher in der Grotte stürzt, begossen. Dann gibt es eine dunkle, enge, ca. 25 Meter lange Höhle, welche wie ein Dampfbad wirkt, da sich die Luft durch das heisse Wasser am Grund so aufheizt. Durch das Tal fliesst ein dank Geothermik warmer Fluss, welcher durch die natürlich enthaltenen Mineralien eine beinah schon absurd milchige Farbe hat.

Bei den Tolantongo Grotten

Dass man durch das Wasser nichts sieht, ist fast schon unangenehm. Am Berghang wurden Pools gebaut, in welches das heisse Wasser des Berges geleitet wird – somit gibt es auch Hot Springs. Das Tal ist zwar kommerzialisiert, aber das Gebiet ist riesig, man darf kostenlos mit dem Auto direkt am warmen Fluss campen und so lohnen sich die 7.50 Dollar Eintritt pro Person definitiv. Neu für uns waren die Covid-Massnahmen vor Einfahrt in das Tal: Nach Fiebermessen, Hand- und Schuhdesinfektion mussten wir vollständig angezogen durch einen Tunnel gehen, in welchem wir von allen Seiten mit Desinfektionsmittel bespritzt wurden. Danach wurde mit einem Gebläse noch unser Land Cruiser von innen desinfiziert / abgespritzt. Damit erübrigt sich ein Duftbaum für die nächsten paar Tage 🙂

Mariposa Monarca

Millionen von Monarchfaltern

Weiter geht es für uns wieder mal in die Berge – in die Sierra Nevada im Bundesstaat Michoacan auf 3300 Hõhemeter zu den Mariposa Monarca, den Monarchfalter-Schmetterlingen. Diese überwintern in diesen geschützten Wäldern, bevor sie 4500 Kilometer zurück ins nördliche Nordamerika fliegen, um den Sommer zu verbringen. Bis zu 300 km pro Tag legt die Milliarde an Schmetterlingen bei dieser Migration zurück. Hier in den Wäldern hängen sie dann in riesigen Trauben an den Kiefern, womit die Wälder orange-schwarz erscheinen. Wenn die Sonne heraus kommt, fangen die Schmetterlinge an zu fliegen. Es muss spektakulär aussehen, wenn sie zu Tausenden rumflattern. Leider hat unser Berg-‚Glück‘ wieder mal zugeschlagen und es war grösstenteils bewölkt. So haben wir nur die riesigen Trauben gesehen und ein paar kleinere rumfliegende Schwärme. Aber auch das war beeindruckend. Es ist wirklich ein unglaublich wie die Schmetterlinge im Rahmen ihrer Migration immer wieder ins das selbe Gebiet zurückfinden. Da sie maximal 1 Monat alt werden, machen sie nicht die ganze Migration mit, sondern sterben unterwegs. Da sie zuvor Eier gelegt haben wird die Migration von den unterwegs geschlüpften Schmetterlingen fortgesetzt. Die kurze Lebensspanne kann man auch hier, in den Wäldern der Sierra Nevada beobachten – am Boden liegen viele tote Schmetterlinge.

Ankunft in Mexico City

Danach fahren wir nach Mexico City. Es gibt wieder mal Administratives zu erledigen, Wäsche zu machen und eine Tollwutimpfung aufzufrischen. So sind wir die ersten Tage beschäftigt. Wir schaffen aber noch einen Festivalbesuch und einen Abend den Plaza Garibaldi zu besuchen. Der Platz ist berühmt für seine vielen Mariachi Bands. Die traditionellen Musikgruppen spielen gegen eine geringe Gebühr ein Lied mexikanischer Volksmusik vor. In einer Bar gab es eine tolle Aufführung von Jarabe Tapatio, einem mexikanischen Volkstanz. Mit dem richtigen Sightseeing der riesigen Stadt beginnen wir dann nächste Woche.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Sonnenuntergang von unserem Airbnb aus

Freche Äffchen und riesige Wellen an der Pazifikküste Costa Ricas

Nach der ersten Woche an der Karibik und im Landesinnern haben wir die zweite Woche in Costa Rica hauptsächlich an der Pazifikküste verbracht und sind das erste Mal dieser Reise viel und ausgiebig ins Meer.

Sonnenuntergang bei unserem Airbnb

Manuel Antonio

Gestartet sind wir in Manuel Antonio, einem Touristendorf neben einem gleichnamigen Nationalpark. Der Nationalpark, bestehend aus Regenwald und Stränden ist relativ klein, aber der meistbesuchte in Costa Rica. Auch um den Nationalpark herum ist alles Regenwald. Wir hatten ein Airbnb gebucht, welches aus einem Bungalow in einer riesigen Hotelanlage besteht. Es war ein Paradies im Dschungel. Von den anderen Gästen bekamen wir fast nichts mit, da die Gebäude so breit gestreut waren. Es gab sogar eigene Wanderwege. Wir hatten eine Aussenküche auf dem Balkon umringt von Dschungel und mit Blick aufs Meer. Es kam ständig Besuch – von Äffchen, Akunis, Waschbären, Iguanas und Tukanen. Wir sahen also auf dem Balkon fast mehr Tiere als im Nationalpark 🙂. Neben Kapuzineraffen kamen auch die bedrohten zentralamerikanischen Totenkopfäffchen – diese waren waren besonders süss und überhaupt nicht schüchtern. Hauptsächlich aufgrund von Waldrodungen gibt es leider nur noch sehr wenige.
Aber die Niedlichkeit täuscht – die Affen können ganz schön frech sein:

Totenkopfäffchen auf unserem Balkon

Zwar war unser Kühlschrank mit einem zusätzlichen Mechanismus gegen Affen versehen, aber über Nacht schafften sie es trotzdem den Kühlschrank aufzumachen, unser Frühstück zu essen und auf dem ganzen Balkon eine riesige Sauerei zu veranstalten. Diese Affen sind schlau, sie haben ein IQ in der Höhe eines 5-Jährigen. In der zweiten Nacht verblockten wir zusätzlich alles mit Stühlen und verriegelten den Kühlschrank mit Schnüren. Dies half.
Für den Besuch des Nationalparks haben wir dieses Mal eine Führung gebucht, da die Führer viel mehr sehen als wir Laien und natürlich auch viel interessantes Hintergrundwissen haben. Grad die vielen kleineren Tiere hätten wir wohl ohne Guide kaum entdeckt. So zum Beispiel die Tent-Building Bat unter einem riesigen Blatt, die ihrem Namen entsprechend jeweils ein Zelt baut in dem sie ein Blatt umknickt, damit sie darunter hausen kann. Oder der Helmbasilik, auch Jesus Christ Lizard auf Englisch genannt, da diese Echsenart auf Wasser gehen kann. Auch von den roten Landkrabben sahen wir viele. Diese leben das Jahr über im Landesinnern, nur einmal im Jahr, ca. im Juli stürmen sie massenweise die Strände, wo sie sich dann paaren.
In Manuel Antonio haben wir es das erste Mal auf dieser Reise in den Pazifik geschafft. Es war herrlich – die Wellen waren gewaltig und das Wasser hatte die perfekte Temperatur. So kann man stundenlang im Wasser bleiben – mit den Wellen wirds nie langweilig und kalt wird es auch nicht.

Ein anderes Mal haben wir einen Ausflug in den Parque Nacional Marina Bellena gemacht. Der Nationalpark schützt maritimes Gebiet welches von Buckelwalen zur Migration genutzt wird. Um Wale zu sehen hätten wir wohl mehr Geduld gebraucht oder eine Bootstour buchen müssen. Aber auch die Küste ist sehenswert: Die wunderschönen von Palmen umsäumten Stränden bilden bei Ebbe eine Bank, die von oben aussieht wie eine Walfischflosse und zu dessen mit Krebsen /Fischen besiedelten Gezeitenpools man bei Ebbe rauslaufen kann.

Playa Grande

Sonnenuntergang in Playa Grande

Unsere zweite Hälfte verbrachten wir in Playa Grande, ein Ort oberhalb von Tamarindo – als Touristenhotspot deswegen auch als Tama-gringo bekannt. Ursprünglich haben wir Playa Grande gebucht, da Lederschildkröten zu dieser Jahreszeit da nisten und man dies innerhalb einer Tour miterleben kann. Leider wurden in dieser Saison noch keine gesichtet, womit die Tour ausfiel.
Wir hatten trotzdem eine tolle Zeit. Im Gegenteil zum touristischen Tamarindo ist Playa Grande sehr entspannt, hat einen 5 Kilometer langen Strand, auf welchem kaum andere Leute anzutreffen sind und eine sehr beschränkte Infrastruktur. Zum Baden ist es mit den hohen Wellen wieder fantastisch und so haben wir die meiste Zeit im Meer verbracht. Das Wetter war endlich durchgehend schön und jeden Abend gabs tolle Sonnenuntergänge.
In der Gegend sind viele weitere kaum erschlossene und einsame Traumstrände vorhanden. Einen haben wir auf der Suche nach Meereshöhlen, die es da haben soll besucht. Die Höhlen haben wir leider nicht gefunden aber winzige, bei Ebbe begehbare Inseln erkundigt.

Arenal

Auf dem Weg zurück nach San José verbrachten wir noch eine Nacht beim Arenal Vulkan. Der Vulkan ist der berühmteste Costa Ricas, da er bis vor kurzem (2010) regelmässig ausgebrochen ist und er mit seiner symmetrischen Kegelform sehr klassisch aussieht. Tatsächlich haben wir es nie geschafft ihn zu sehen, da er immer von Wolken umhangen war. Stattdessen haben wir daneben einen Regenwald-Park mit vielen Hängebrücken besucht und wieder mal tolle Tierwelt und üppige Vegetation (diesmal teils auch von oben) genossen, bis es wieder mal aus Kübeln angefangen hat zu giessen.

Rückreise

So schnell waren unsere zwei Wochen dann auch zu Ende. Zurück in San José müssen wir für den Flug zum Drive Through Covid Test. Dann bringen wir das Auto trotz unzähligen Schlaglöchern und waghalsigen Fahrmanövern der Locals heil zum Vermieter zurück. Nun hiess es leider bereits wieder Abschied nehmen von Andrea und Marius. Immer wieder Abschied nehmen zu müssen ist eindeutig das Schwierigste am Reisen.
Costa Rica hingegen sehen wir vielleicht schon bald mit dem Land Cruiser wieder 🙂.
Die Ankunft in LA war dieses Mal richtig nervenauftreibend. Wir wurden bei der US Passkontrolle rausgenommen und separat verhört, was zusammen mit der Warterei in einem kleinen Raum ca. 3 Stunden gedauert hat. Nachdem wir uns im Nichtwörtlichen Sinne komplett die Hosen runtergelassen haben und die Beamten jedes Detail unser Umstände kannten wurden wir zu unserer grossen Erleichterung doch noch reingelassen. Nun verbringen wir noch ein paar Tage in LA bevors weiter geht.

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