Wir habens nach Machu Picchi geschafft!

Von schwimmenden Inseln ins Herz des Inkareichs

Der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln

Unsere Woche beginnt mit einer Überraschung: Im See mitten in den hohen Anden, neben welchem wir übernachtet haben befinden sich unzählige Flamingos! Danach besuchen wir einen weiteren See – den Titicaca See, der mit einer Höhe von 3800 Meter höchste schiffbare See der Welt. Zugleich handelt es sich um den grössten See Südamerikas, ist er doch 15.5 mal grösser als der Bodensee. Der See entstand vor 60 Mio. Jahren als ein massives Erdbeben die Anden teilte und das Loch mit Gletscherwasser füllte. Gemäss Inka-Legenden ist der Titicaca See Geburtsort des wichtigsten Gottes der Inkas und zugleich des ersten Inkakönigs und Gründer des Inkareichs und wird deswegen als heilig angesehen. Heute liegt er zur Hälfte in Peru und zur anderen Hälfte in Bolivien.
Am See besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros. Die Inseln mitsamt Booten und Häusern sind vollständig aus Schilf gebaut. Damit sie nicht davon schwimmen, werden sie am Seeboden befestigt. Auf den Inseln wohnt das Uros-Volk, welches bereits vor den Inkas da wohnte. Als sie dazumal von ihrem Ursprungsort im Amazonas zum Titicaca-See kamen, wollten ihnen die Ortsansässigen kein Land geben und so haben sie sich diese Inseln gebaut. Auf einer 30cm Erdschicht wird das Schilf umgeknickt und mit zusätzlichem Schilf belegt, bis die Schilfschicht ca. 50cm bemisst. Da sich das Schilf zersetzt, müssen regelmässig neue Schichten draufgelegt werden und nach 30-40 Jahren müssen die Inseln komplett erneuert werden. Insgesamt gibt es ungefähr 80 dieser Inseln, wobei jeweils 2-3 Familien auf einer leben. Heutzutage gibt es auch 2 Schulen auf den Inseln und die Menschen leben vor allem vom Tourismus und dem Kunsthandwerk, welches sie den Touristen verkaufen. Wir machen eine Privattour mit einem Einheimischen und besuchen so 2 der kleinen Inseln und lernen einiges mehr über das Leben vor Ort. Es ist ein spezielles Gefühl auf diesem Schilfboden zu laufen, der sich stets mitbewegt. Leider war die Tour ein wenig kurz gehalten und die Inseln ein wenig ausgestorben – der Grund ist schnell klar: Im Dorf am Festland findet ein grosses Fest statt und die gesamte Inselbevölkerung ist auf dem Weg dahin. So machen wir uns ebenfalls auf den Weg zum Fest. Wir verstehen nicht genau, was gefeiert wird, aber es ist spannend für uns. Die meisten Menschen sind wie immer hier in der Gegend traditionell, bunt und fantasievoll gekleidet. Verschiedene Schulklassen und später erwachsene Gruppen jeweils von einem Dorf oder einer Insel marschieren zur Marschmusik der Polizei durch die Menschenmengen, während auf dem Podium hochrangig-aussehende Politiker im Anzug zuschauen.
Danach fahren wir weiter, zum Cañón Tinajani, ein schönes Tal mit interessanten Steinformationen. Da das Land geteilt ist zwischen verschiedenen Familien und jede Familie separat Eintritt verlangt und zudem die meisten wenig freundlich sind, ist es ein wenig frustrierend. Aber wir finden eine lokale Käserei mit nettem Besitze, wo wir zu verdammt günstigen Preisen viel leckeren gealterten Käse kaufen. In Lateinamerika ist es direkt beim Produzent, auf Märkten oder in kleinen Dorfläden im Gegensatz zu Europa stets viel günstiger als in grossen Supermärkten. Dies weil grosse Supermärkte ein neues und vom Westen importiertes Phänomen sind und die Perzeption herrscht, dass etwas, was neu ist, teuer sein muss. So macht es umso mehr Spass lokal einzukaufen und auf den Komfort von modernen Supermärkten zu verzichten.
Weiter fahren wir nach Cusco. Leider hat Raphi eine üble Infektion mit Fieber. Den Symptomen nach kommt es wahrscheinlich von Lebensmitteln, von was genau wissen wir nicht. So nehmen wir ein Hotel und Raphi kann sich zum Glück vor unserem nächsten Highlight auskurieren:

Der Inca-Trail

Als Hochzeitsgeschenk haben wir den Inka Trail nach Machu Picchu erhalten. Der 4-tägige Inka-Trail war leider bereits Monate im Voraus ausgebucht und so machen wir den 2-tägigen Trek, was ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis isr. Es gibt ja nicht nur einen Weg für die Inkas, sondern viele und der kurze Weg, welchen wie nehmen, stösst erst kurz vor Machu Picchu zum klassischen Trail hinzu. Den Inka Trail kann man nur im Rahmen einer Tour wandern, aber da wir eine kleine Gruppe sind von 5 Personen (mit 2 US-Amis und einer Australierin) ist es eine angenehme Erfahrung. Wir werden in Cusco abgeholt, fahren zuerst im Bus und dann mit dem luxeriösen, extrem teuren, touristischen, kitschigen Machu Picchu Zug nach Chachabamba im heiligen Tal der Inkas. Da fängt unsrer Trek an, der sich zum grossen Teil immer noch im Originalzustand befindet. Immer wieder sehen wir Ruinen am Weg oder in der Ferne. Gleich zu Beginn befindet sich eine, die vermutlich ein Kontrollpunkt war, inklusive Brunnen, damit sich die Pilger reinigen konnten. Es wird vermutet, dass die Pfade nach Machu Picchu nicht jedem zugänglich waren. Wir lernen, dass Inkatrails Pfade waren, die sich von der Inka-Hauptstadt Cusco in alle Richtungen ausbreiteten und dass es 3 Arten davon gab. Der Inkatrail für den Handel wurde breit angelegt, schliesslich hatten die Inkas nur Lamas als Lastentiere und da diese nicht viel tragen konnten, wurden grosse Herden und damit breite Wege benötigt. Diese Art von Inkatrail ist heute die Autobahn /Panamericana. Dann gabs die militärischen Inkatrails, die sich in Tälern befinden, damit die Militärs nicht unnötig Kraft verschwenden. So folgt der Zug durch das heilige Tal heutzutage einem solch militärischen Inkatrail. Und dann gabs die schmalen religiösen Inkapfade durch die Berge für Pilger, wie eben dieser Inkatrail, den wir heute begehen.
An der Talwand schlängelt sich der Pfad langsam hoch, vorbei an schönen Blumen und Wasserfällen, durch Nebelwald und mit schöner Aussicht auf viele Inkaruinen, im Tal oder an den Talwänden (hauptsächlich Terrassen für die Landwirtschaft). Ein Highlight sind die steilen Winay Wauna-Ruinen. Die Stätte diente wohl zur Lebensmittelversorgung, als Rastplatz und zur Reinigung vor dem weiteren Weg nach Machu Picchu. Exakt in der Mitte zwischen Winay Wauna und unserem nächstem Stopp, dem Sun Gate haben die Inkas einen Rastplatz errichtet, sie konnten also schon damals präzise messen. Nach einer enorm steilen Treppe, auch Gringo Killer genannt erreichen wir dann das Sun Gate, wo wir das erste Mal einen Ausblick auf Machu Picchu haben. Für Anouk war es ein Traum Machu Picchu zu besuchen seit sie als Kind in einem Reisemagazin ein Bild davon gesehen hat und daraufhin ihre Pinnwände und Agenden damit beklebt hat. Nun 20 Jahre später ist der Traum in Erfüllung gegangen, was für ein Gefühl Machu Picchu endlich mit eigenen Augen zu sehen! Leider ist es aufgrund von Waldbränden sehr dunstig, aber es ist trotzdem sehr imposant. Das Sun Gate diente wohl als Kontrollpunkt für Machu Picchu-Besucher. Vom Sun Gate laufen wir vorbei an einer Begräbnisstätte und weiter zum Guardians House von Macchu Picchu. Dort wachten die Wächter wohl dazumal über der Stätte und wo heute, dank des guten Überblicks die typischen Fotos geschossen werden. Dann laufen wir runter ins Tal zum Dorf Aguacalientes, wo wir lecker essen und übernachten. Wir probieren das erste Mal Alpaca-Filet, was extrem lecker ist. Alpacas sind kleiner und flauschiger als die Lamas, während Lamas grösser sind und einen länglichen, pferdeartigen Kopf haben. Lamafleisch wird nicht gegessen, da Lamas Syphillis haben.

Machu Picchu

Am nächsten Tag gehts wieder hoch nach Machu Picchu – erst dann haben wir die richtige Führung durch die Ruinen.
Machu Picchu, eines der sieben neuen Weltwunder (nach Chichen Itza in Mexico das zweite dieser Reise), ist wahrlich eine Sensation. Es handelt sich zwar nicht um die wichtigste Inka-Ruine von dazumal, denn diese befinden sich in der damaligen Hauptstadt Cusco. Aber es ist definitiv die am Besten erhaltene Ruine. Erst 1911 wurde die überwucherte Ruine wieder erschlossen. Davor war sie gute 400 Jahre lang verlassen. Auch heute noch sind 70% der Ruinen im Originalzustand, was ein sehr hoher Anteil ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie sich im für Bauten schädlichen Regenwald befinden und unzählige Erdbeben und sonstige Naturkatastrophen überlebt haben. Diese Widerstandsfähigkeit ist der extrem guten Bauweise der Inkas zu verdanken. Die vielen Terrassen haben nämlich nicht nur zusätzlichen Platz für Landwirtschaft ermöglicht, sondern den Städten auch mehr Stabilität gegeben. Die Bauten sind unter der Erde zwecks der Stabilität in etwa gleich nochmals so riesig wie an der Oberfläche. Verschiedene Erd- und Steinschichten sorgen zusätzlich für optimales Absickern von Wasser. Weiter haben die Inkas wohl rausgefunden, wo es einen Riss in der Erdplatte gibt, auf diesem Spalt nicht mehr gebaut und so ermöglicht, dass es eine Pufferzone gibt, die verhindert, dass sich die Bauten gegenseitig beschädigen. Am krassesten ist aber die Steinhauerei: Die Steine sind so exakt aufeinander zugeschnitten (ohne Metallwerkzeug), dass kein Mörtel oder sonstiges Klebeprodukt gebraucht wird, sondern die Steine nur aufeinander gelegt werden. Winkelförmige Ecksteine geben den Bauten die restliche Stabilität. Dies alles wurde bewerkstelligt ohne Nutztiere, ohne Eisenwerkzeuge und die teils riesigen, viele Tonnen schwere Steine wurden von Hand transportiert. Je präziser die Steine geschnitten sind, desto wichtiger das Gebäude. Der Sonnentempel ist zum Beispiel sehr wichtig, was man sofort an der präzisen Bauform erkennt. Neben der Anbetung des Sonnengotts hatte der Tempel wohl noch weitere Funktionen: Die beiden Fenster sind exakt so gelegen, dass bei Sonnen- und Wintersonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. So konnten die Jahre gezählt werden und das Sturmphänomen El Nino, welches alle 3-4 Jahre stattfindet, vorausgesagt werden. Damit konnten die Herrscher die Stadt auf die schlechten Zeiten vorbereiten und wurden zugleich als göttlich angesehen, in dem sie ihr Vorhersagetrick geheim hielten. Da Machu Picchu dermassen lange verlassen war, ist jedoch auch heute noch vieles ein Rätsel. Aber was wir da für ein Meisterwerk sehen, begeistert uns – Machu Picchu ist zurecht ein neues Weltwunder.

Cusco

Nach der Tour haben wir noch ein paar Tage Zeit die ehemalige Hauptstadt der Inkas zu bewundern. Cusco ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, ist sie doch seit über 3000 Jahren bewohnt. Von hier aus haben die Inkas vom 13. bis anfangs 16. Jahrhundert über ihr gesamtes Reich, welches sich zu Spitzenzeiten über grosse Teile Perus, Ecuadors, Bolivien, Argentinien und Chile erstreckte und etwa 10 Mio. Menschen umfasste, geherrscht. Nachdem die Spanier Cusco 1533 erobert haben, wurden viele Gebäude der Inkas zerstört oder mit neuen Gebäuden überbaut. So auch der Qoricancha Sonnentempel, der wohl wichtigste religiöse Tempel der Inkas. Wir besichtigen den Tempel, der wirklich speziell aussieht. Die grundlegenden Mauern sind Überbleibsel der Inkas und in deren akribischen Art was Steinhauerei anbelangt, gebaut. Darauf wurde eine Kirche im typischen Kolonialstil der Spanier (Convento de Santa Domingo) draufgesetzt. Qoricancha war vor Ankunft der Spanier scheinbar komplett mit Gold überzogen, aber die Spanier haben das Gold geplündert und den grössten Teil vom Originalbau zerstört. Weiter schauen wir uns Sacsayhuaman an, die grösste Militärbasis der Incas auf einem Hügel mit Überblick über Cusco. Die Festung wurde mit riesigen, bis zu 4.5 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Steinen gebaut, die ebenfalls präzise passend gemacht wurden und zu welchen heute nicht geklärt ist, wie sie von zum Teil 20km weit entfernten Steinbrüchen nach Cusco transportiert wurden. Ansonsten gefällt uns Cusco auch sehr, neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten gibt es hübsche Gassen zum erkunden und eine riesige Vielfalt an Restaurants und Bars. Das Wochenende verbringen wir mit Jhanet, einer entfernten Coucousine von Anouk, entdecken mit ihr das Nachtleben Cuscos und feuern Jhanet am Sonntag bei einem Motocross Rennen an.

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Laguna de Morón

Von der Wüste ins Kloster

Paracas National Reservat und Oasen

In der Laguna de Morón

Nachdem wir endlich von Lima loskönnen, ist unser erster Stopp das Paracas National Reserve. Das Reservat ist vor allem für sein Meeresleben bekannt – Wale, Delphine, Vögel, Humboldt Pinguine, Seelöwen und die als peruanische Galapagos Inseln bekannten Ballestas Inseln befinden sich hier. Wir erkunden das Reservat nur von Land aus. Bei einer Lagune beobachten wir Flamingos, geniessen die schöne karge Landschaft am Meer, mit steilen Kliffs und vielen Vögeln, inbesondere die Inkaseeschwalbe. Die Wüste und Strände sind zum Teil fast rot – ein schönes Farbenspiel mit dem hellblauen Meer. Unser nächster Stopp ist die Oasis de Morón, eine Lagune, die vom Untergrund mit Wasser versorgt wird und üppig von Vegetation umgeben wird. Ein wunderschöner Anblick so mitten in den hübschen Sanddünen. Schön, dass hier noch nichts kommerzialisiert ist und wir nur ein paar wenige Locals antreffen, keine Touristengruppen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und campen in den Dünen. Am nächsten Tag besuchen wir die viel bekanntere Oasis de Huacachina. Nach der Oasis de Morón sind wir ziemlich enttäuscht. Die Oase ist mittlerweile nur noch ein Touristendorf, dass zwar halb zusammenfällt, während die Dünen voll mit Müll sind, aber irgendwie trotzdem noch Horden von Touristen anzieht. Das Wasser der Oase selber ist dreckig und wird inzwischen über Rohre eingespeist, da die Lagune eigentlich durch den Tourismusboom ausgetrocknet ist.

Cañón de Los Perdidos

Anouk und der Land Cruiser am Rande des Cañón de los Perdidos

Nach Huacachina machen wir einen abenteuerlichen Ausflug. Wir wollen zum Cañón de Los Perdidos (was treffenderweise soviel wie Schlucht der Verlorenen bedeutet). Dafür müssen wir stundenlang durch absolutes Niemandsland fahren. Zum Glück haben wir die GPS-Wegpunkte runtergeladen, weil der Weg ist nicht mal auf unsrer detailliertesten App, die normalerweise sogar alle Wanderwege erkennt (Maps.Me) eingezeichnet. Es gibt zudem keine Strasse sondern nur eine Vielzahl von Spuren anderer Fahrzeuge, von welcher man aber nicht weiss, welches die richtige ist. Es fühlt sich an, wie auf dem Mond zu fahren, gar nichts weit und breit, siehe ein kleiner Clip unten. Mithilfe dieser GPS-Wegpunkte kommen wir am Ziel an. Überraschenderweise treffen wir hier einen kleinen Tourbus an. Dem Bus sind auf dem Weg 2 Reifen geplatzt und nun sitzt er fest. Der arme Reiseführer beklagt sich bei uns über seine aufgebrachten Touristen. Leider können wir ihm nicht helfen, da die Reifen nicht mehr reparierbar sind, aber zum Glück kommt bald ein Freund mit Ersatzreifen angefahren und wir haben den Canyon für uns alleine. Mitten im Nirgendwo befindet sich hier diese schöne malerische bis 450 Meter Tiefe Schlucht, die uns ein wenig an Utah erinnert. Wir wandern ein wenig und da es für den langen Weg zurück zu spät ist übernachten wir hier alleine mitten im Nirgendwo unter prächtigem Sternenhimmel.

Nazca

Der weitere Weg führt uns nach Nazca zu den weltberühmten Nazca Linien und den weniger bekannten Palpa Linien. Die Nazca Linien sind praktisch perfekte, kolossale Zeichnungen (die Längste ist 3.6 Kilometer lang), welche erst 1930 durch Flugzeuge entdeckt wurden, da man sie nur aus der Luft richtig sieht. Die Linien stammen von der Nazca-Kultur und wurden ca. zwischen 300 vor bis 500 nach Christus erschaffen. Wie es dieses Volk geschafft hat, die Zeichnungen so präzise ohne Luftfahrt zu vervollständigen ist unfassbar und nicht geklärt. Kein Wunder kommen da immer wieder Alien-Theorien auf. Neben ganzen 70 Tier- oder Pflanzenzeichnungen von z.B. Affen, Walen, Lamas, Fröschen etc. sind etwa 900 geometrische Figuren vorhanden.
Da wir auf den Flug aus Kostengründen verzichtet haben, müssen wir mit dem Aussichtsturm vorlieb nehmen – hier sehen wir aber leider nur einen Frosch, eine Echse und einen Baum.
Die Palpa Linien ein paar Kilometer weiter, obwohl kleiner, finden wir fast imposanter. Da sie in Schräglage am Hügel angebracht sind, sahen wir die Linien besser und konnten die gezeichnete Paracas-Familie klar erkennen. Die Palpa-Linien wurden sogar ein paar Jahrhunderte vor den Nazca-Linien von der Paracas-Kultur geschaffen. Unter den Palpa Linien befindet sich auch ein perfektes Mandala, ein Symbol, welches eigentlich aus Indien stammt, was weitere Rätsel aufwirft. Wieso diese Nazca und Palpa-Linien geschaffen wurden und wie die Figuren ohne Luftperspektive dermassen genau erschaffen werden konnten, bleibt ebenfalls bis heute ein Rätsel.
Nur die Erschaffungsart ist bekannt: Für die Nazca Zeichnungen wurde so tief gegraben bis die weisse Erdschicht unter der braunen zum Vorschein kam (was nur ca. 10 bis 15 cm tief ist). Für die Palpa-Linien hingegen wurden Steine aufeinandergehäuft. Überall sonst wären die Figuren längst erodiert, aber da es sich hier um eine der trockensten Gegenden der Welt handelt, war der Erhalt über Tausende von Jahren möglich.
In der Gegend gibt es noch weitere historische Wunder. Wir besuchen die Nekropolis von Chauchilla – einen Friedhof, vermutlich ebenfalls von der Nazca-Kultur, in welchem sich Hunderte von Mumien befanden. Obwohl die Mumien über 1200 Jahre alt sind, sind sie erstaunlich gut erhalten, manche haben sogar noch Haarbüschel auf dem Kopf, was ebenfalls dem trockenen Klima und der guten Mumifizierungstechnik zu verdanken ist. Einige sind in den mittlerweile offenen Gräbern heute noch zu besichtigen. Alle Grabbeigaben und sonstigen Kostbarkeiten wurden über die Jahre von Grabräubern geplündert und dabei auch einige der Mumien zerstört, um deren Schmuck zu entfernen. Weiter besichtigen wir die Äquadukte von Cantalloc – ein ca. 1500 Jahre altes Ingenieursmeisterwerk der Nazca-Kultur. Von den 46 Äquadukten um die Stadt Nazca sind immer noch 32 in Betrieb. Sie wurden erbaut, um die herumliegenden Felder mit Wasser zu versorgen. Ganze 12 Meter liegen sie unter dem Boden und sind mehrere Kilometer lang. Wir bekommen nur die Ventilationsschäfte zu sehen, ein Kunstwerk für sich in ihrer exakten Spiralform, wenn man bedenkt wie alt sie sind. Sie wurden wohl (und werden immer noch) dafür gebraucht, Wind in die Untergrundkanäle zu leiten, welcher dann Wasser von Untergrundwasserreservoiren zu jenen Stellen leitet, wo es benötigt wird.
Entlang der Küste fahren wir dann weiter. Ca. 12 Stunden Fahrt liegen vor uns bis zum nächsten Ziel – der zweitgrössten Stadt Perus – Arequipa. Man könnte erwarten, dass man auf der Panamericana, der wichtigsten Autobahn des Landes, vorwärts kommt, man zahlt ja schliesslich auch Maut. Aber nein, hier ist es gang und gäbe, dass einfach ohne Ankündigung Abschnitte dieser Autobahn für ein paar Stunden geschlossen werden, damit zum Beispiel neuer Belag eingebaut werden kann. In solche Situationen fahren wir 3 Mal. Die ersten beiden Male können wir und die restlichen Hunderte von Autos nach ca. einer halben Stunde warten weiterfahren. Beim dritten Mal warten wir tatsächlich etwa 3.5 Stunden, bevor wir und die unendlich lange Schlange an Autos kurz durchgelassen wird und dann der Abschnitt wieder gesperrt und weitergebaut wird. Ein System welches für uns ärgerlich und für Raphi als Strassenbauspezialist unverständlich ist, aber ok. Wenigstens sind wie überall in Lateinamerika, obwohl wir mitten in der Wüste sind, die Strassenverkäufer nicht weit und laufen fleissig von Auto zu Auto um uns kulinarisch zu versorgen.

Arequipa

Im Monasterio de Santa Catalina

Irgendwann kommen wir in Arequipa an. Arequipa war uns (oder hauptsächlich Anouk) schon im Voraus extrem sympathisch – eine Stadt, die gleich heisst wie der kolumbianische Namen für die leckere Süssigkeit Dulce de Leche (Arequipe), kann nur schön sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Stadt ist umgeben von Vulkanen und ist, da sie komplett aus Sillarstein (weissem Vulkangestein) gebaut wurde auch als Ciudad Blanca (die weisse Stadt) bekannt. Neben Spaziergängen durch die Stadt und einem Pisco Sour zum Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt geniessen wir den Besuch des Klosters Monasterio de Santa Catalina. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert von der Witwe Maria de Guzman gegründet und ist so stark gewachsen, bis es eine eigene ummauerte Stadt in der Stadt war. Bis zu 450 Nonnen haben einst hier gelebt. Erst 1970 wurde das Kloster der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Noch heute ist das Kloster aktiv, es wohnen aber nur noch ca. 20 Nonnen da. Das Kloster ist extrem pittoresk mit seinen im Gegensatz zur weissen restlichen Stadt roten und blauen Farben, Blumen, Orangenbäumen und Fresken. Es wird gut geschildert, wie hier früher gelebt wurde und die Utensilien von dazumal wie Tonöfen, Wasserfilter, Wasch“-maschinen“ etc. sind alle noch zu besichtigen.

Colca Canyon

Blick auf Sangalle

Nach Arequipa fahren wir zum Colca Canyon. Der Colca Canyon ist einer der tiefsten Canyons der Welt (manche Quellen sagen der zweittiefste, aber andere sagen wieder etwas anderes). An manchen Stellen ist er 2-fach so tief wie der Grand Canyon in der USA. Da wir den falschen Weg wählen sind wir viel zu lange unterwegs, fahren wir über 4800 Meter hohe Pässe, kommen aufgrund deswegen teils nur im Schritttempo voran und merken, dass unsere Mechaniker in Lima beim Austausch der Bremsflüssigkeit gepfuscht haben und etwas nicht stimmt. Die Landschaft ist aber wunderschön und inzwischen machen wir richtig häufig Bekanntschaft mit Lamas und Alpakas. Beeindruckend sind zu Beginn des Tals die Terrassen für die Landwirtschaft an den Hängen, überall und so weit das Auge reicht. Noch vor den Inkas wurden diese errichtet und sind heute noch in Gebrauch. Nach einer ruhigen Nacht auf einem Dorfplatz am Canyonrand brechen wir um 5 Uhr auf, um in den Canyon runter zu wandern. Ziel ist die Oase Sangalle am Grund des Canyons. In einem der paar Hostels (sonst gibt es hier nichts ausser dem Fluss) geniessen wir ein Frühstück. Friedlich, idyllisch und wenn wir mehr Zeit hätten, wäre es entspannend hier zu übernachten und das Oasenleben am Pool zu geniessen. Wir machen uns auf den steilen Weg im Zickzack zurück nach oben. Die 1200 Höhemeter in 4 Kilometern machen uns ganz schön zu schaffen. Ja, Canyon-Wanderungen sind im Gegensatz zu Bergwanderungen undankbar, das Anstrengende folgt stets am Schluss. Und das Ziel, der Canyongrund hat oft weniger schöne Aussichten als der Beginn der Wanderung zu bieten. Wir verfluchen uns, aber irgendwann kommen wir verschwitzt oben an. Zurück beim Auto kann Raphi zum Glück unser Bremsenproblem lösen, indem er das Bremssystem entlüftet. Dieses Mal fahren wir bei Tageslicht den wunderschönen Canyonrand entlang zurück. Bei einer Aussichtsplattform lassen wir uns beide zum Kauf eines Jäckchens aus Alpakawolle überreden. Wir bereuen es nicht, die Wolle ist extrem angenehm und gibt sehr warm. Am Canyonende machen wir Halt bei den Chacapi Hot Springs. Mit schöner Aussicht auf eine alte Steinbrücke erholen wir uns in den Steinpools, die direkt von heissen Quellen gefüllt werden von der Canyon-Wanderung. Als wir genug haben geht es für uns weiter in die Anden – in Richtung Titicaca-See, dem höchsten schiffbaren Gewässer der Welt.

Oasis de Moron:

Ein Video des Canon del Pato von den Wochen zuvor in den Anden:

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Der wunderschöne Cotopaxi

Erlebnisse von 0 bis 5200 m.ü.M. in Ecuador

Da in Eile, haben wir uns für Ecuador nur eine gute Woche Zeit genommen. Wir hoffen aber Ecuador irgendwann noch ausgiebiger erkunden zu können, vielleicht in Kombination mit einem Besuch der Galapagos Inseln.

Quito und der Äquator

Äquator Faxen

Nach dem Aufenthalt auf dem deutschen Campingplatz Sommerwind sind wir weiter Richtung 2 Mio. Einwohner Hauptstadt Quito. Auf dem Weg besuchen wir den an manchen Tagen grössten Markt Südamerikas in Otovalo und kaufen Anouk einen Poncho, der in den Anden warm geben soll. Raphi wurde nicht fündig. Nördlich von Quito passieren wir den Äquator. Wir verzichten darauf das touristische Monument mitsamt gemalter Äquatorlinie zu besuchen. Dieses liegt an falscher Stelle, da sich ein paar Missionare dazumal um ein paar hundert Meter vertan haben. Stattdessen suchen wir die Catequilla Stätte auf, eine abgelegene, kaum besuchte und unkommerzialisierte Ruine aus Prä-Inkazeiten (8. Jahrhundert), welches als astronomisches Observatorium diente und genau auf dem Äquator liegt. Es befindet sich zugleich ein neues Monument daneben, welches sich gut dazu eignete, ein paar Äquator Fotos zu schiessen.
In Quito treffen uns mit einem Ecuadorianischen Pärchen, welches selber bereits mit dem Motorrad Südamerika bereist hat und mit welchem wir dank einer Facebook Gruppe in Kontakt stehen. Sie haben uns nicht nur Unmengen Reisetipps und Routen mit auf den Weg gegeben, sondern sind auch von ausserhalb der Stadt anreist, um uns Quito zu zeigen und uns dann ins edle Restaurant einzuladen (keine Widerrede möglich). Er ist interessanterweise Müller und hat in der Schweiz eine Müllerausbildung gemacht, da es bei St. Gallen eine renommierte Schule dafür gibt, was wir nicht mal wussten.
Die Innenstadt Quitos geniessen wir sehr, die Kolonialbauten sind prächtig, die Kirchen innen wunderschön detailreich mit viel Gold geschmückt. Sie gefallen uns mehr als die oft simplen Kirchen, die wir bisher in Lateinamerika gesehen haben. Quito war dank seiner Kolonialbauten die erste UNESCO Weltkulturerbestadt.
Ausserhalb der Innenstadt wirkt die Stadt ein wenig trostlos, viele Läden sind geschlossen, wenig Leute zu Fuss unterwegs, die Fassaden sind graffitiverschmiert. Man merkt, dass es Ecuador wirtschaftlich schlecht geht. Schon vor der Pandemie war Ecuador verschuldet und hat dann in Vereinbarung mit dem IWF Sparmassnahmen ergriffen wie öffentliche Ausgaben und Benzinsubventionen zu streichen. Dies hat zu Aufruhr in der Bevölkerung geführt. Mit der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit und Armut massiv gestiegen, Ecuador hat erst sehr spät die Grenzen wieder geöffnet und so treffen mit Covid-19 diese Sparmassnahmen alle noch viel härter. Erst vor ein paar Wochen hat es massive Proteste, Streiks und Blockaden im ganzen Land gegeben, bis die Regierung Kompromisse eingegangen ist, wie den regulierten Treibstoffpreis wieder zu senken.
In Quito bleiben wir 2 halbe Tage und geniessen dabei die lokale Küche, die übrigens sehr lecker ist – Kartoffelsuppe mit Avocado und Käse, riesige luftige Empanadas (frittierte Teigtaschen) mit Käse gefüllt, warme Bananen vom Grill mit Käse gefüllt, Canelazos – heisser Punch mit Aguardiente (Zuckerrohrschnaps) oder Ponche, aufgeschäumter Eierpunch. Auf Cuy verzichten wir vorläufig. Cuy sind Meerschweinchen, die auf dem Land überall am Strassenrand an Drehspiessen gegrillt werden. In Quito machen wir auch wieder mal eine für uns nicht nachvollziehbare, in unseren Augen völlig abstruse Geschäftserfahrung, die wohl in Europa nie geschehen würde: Wir holen eine Seilwinde ab, die wir für die Amazonasdurchquerung bestellt haben und die wir Wochen davor bereits per Überweisung anbezahlt haben. Nachdem die Transaktion vollständig war (wir den Restbetrag per Banktransfer bezahlt haben und die Seilwinde in unserem Auto liegt) kommt der Chef des Ladens und will plötzlich 20% mehr. Es ist ihm aufgefallen, dass seine Bank ihm 20% Kommission berechnet. Er macht uns den Vorwurf, dass wir das hätten wissen sollen (als ob wir die AGB’s seiner Bank kennen, in Kolumbien haben wir ohne Probleme mehrmals per Transfer bezahlt). Der Chef wollte ja das Geld per Banktransfer, und wenn er die Konditionen seiner Bank nicht kannte, dann hätte er spätestens nach der Anzahlung die Kommission bemerken sollen. Riesige Diskussionen, einige Stunden und dem guten Support unsrer Bank (Revolut) später können wir das Problem lösen.

Der Vulkan Cotopaxi

Der Cotopaxi ist mit einer Höhe von 5911 Metern der zweithöchste Gipfel Ecuadors und ein aktiver Vulkan. Wir schaffen mit dem Land Cruiser den bisherigen Höherekord: den Parkplatz auf ca. 4600 Höhemetern am Vulkan. Von dichtem Nebel umgeben und enttäuscht den Vulkan nicht zu sehen beschliessen wir den Nachmittag auf dem Parkplatz im Auto zu verbringen. Irgendwann beschliessen wir doch noch ein paar Schritte zu laufen, wenn wir doch schon da sind. Aus den paar Schritten wird dann der ganze Weg bis ins Basislager auf 4864 Metern. Die paar fehlenden Höhemeter zur 5000er Marke konnten wir nicht auf uns sitzen lassen und so wandern wir weiter bis wir komplett spontan mit 5200 Metern unseren bisherigen Rekord von bisschen mehr als 5000 Metern in Mexico brechen und fast den Gletscher erreichen. Inzwischen sind auch die Wolken grösstenteils weg und die Aussicht herrlich!
Der Vulkan ist wunderschön, mit grünen bis goldenen Feldern zu Fusse, grau-schwarzem und weiter oben rötlichem Mittelteil aus Erde und Vulkanasche bis zum weissen mit Schnee und Gletschern bedeckten Gipfel. Als Belohnung gibts auf unserem wunderschönen Übernachtungsort mit dem Cotopaxi als Kulisse wieder mal ein Fondue zum Znacht.

Ein Kratersee und ein in Wolken versteckter Gigant und Rückkehr zu den Walen

Unseren Weiterweg führt durch idyllische Strassen und indigene Dörfer zur Laguna Quilatoa. Dieser Kratersee ist mit 250 Metern extrem tief und hat eine wunderschöne blaugrüne Farbe dank der Mineralien von ehemaligen Vulkanausbrüchen. Unterwegs folgen wir nach einem Hinweisschild einen Umweg zu einer total abgelegen auf einem Berg liegender Käserei. Wir dürfen der Käserin bei der Herstellung zuschauen, dabei probieren und kaufen leckeren, gealterten Hartkäse (eine Seltenheit hier). Es stellt sich heraus, dass diese herzliche Käserei-Familie von einem Schweizer unterrichtet wurde. Bei der Lagune angekommen verzichten wir aufgrund des Regens auf einen grösseren Spaziergang und fahren weiter zum grössten Vulkan Südamerikas und höchsten Berg Ecuadors. Dessen Gipfel ist der Ort der Welt, welcher am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist und zugleich am nächsten bei den Sternen ist – der Vulkan Chimborazo. Grund, dass er mit „nur“ 6264 Metern über Meer den Mount Everest mit der Höhendefinition ab Erdkern übertrifft, ist, dass die Erde nicht perfekt rund ist sondern entlang des Äquators breiter.
Wir finden einen Wildcampingspot direkt am Berg umgeben von jeder Menge Vicuñas. Diese Alpaka-ähnlichen Tiere waren einst bedroht und in Ecuador komplett ausgestorben. Inzwischen sind sie geschützt und durch gespendete Tiere von Peru und Bolivien ist auch in Ecuador beim Chimborazo wieder eine Population vorhanden. Wir sind überrascht, wie gut wir die Höhe in Ecuador vertragen und auch stets auf 4000 Metern gut übernachten. Der einzige, der Probleme schiebt, ist unser Feueralarm. Dieser fängt oft in der Nacht aufgrund von Sauerstoffmangel (Kohlenmonoxid- Überfluss) an zu lärmen bis wir schliesslich die Batterie rausnehmen müssen, um nicht immer aufzuwachen.

Den Dschungel Ecuadors lassen wir aus, dafür fahren wir an die Pazifikküste. Wir erfrischen uns im Pazifik am Los Frailes Strand und fahren nach Puerto Lopez. Von dort aus wollen wir einen Ausflug auf die aufgrund ihrer Artenvielfalt mit dem Spitznamen Poor Mans Galapagos versehenen Insel „Isla La Plata“ machen. Da langes Wochenende ist, ist der Ausflug leider bereits ausgebucht und so entscheiden wir uns für eine Waltour. Buckelwale kommen jeweils von Juni bis September vom Antarktis nach Ecuador vor die Küste von Puerto Lopez um sich zu paaren und zu gebären. Da sie sich in der Paarungsphase befinden, sind jede Menge besonderer Verhaltungsweisen zu beobachten, wie zum Beispiel, dass die Männchen grossartige Sprünge machen, um Weibchen zu beeindrucken.
Nach unseren wunderschönen Walerlebnissen auf der Baja war diese Tour eine der gemischten Gefühle. Wir kamen zwar nah an die Wale ran und es war eindrücklich sie so nahe springen zu sehen, aber in unseren Augen wurde überhaupt nicht aufs Tierwohl geachtet. Jeweils 5-6 grosse Boote verschiedener Tourgesellschaften umkreisten die Wale und kamen dabei bis zu 2-3 Meter nahe ans Tier, während in Theorie 100 Meter Abstand eingehalten werden müssen. Das war traurig. Auf einer Boje sahen wir immerhin ein paar Blaufusstölpel oder mit griffigerem englischen Namen „Boobies“ – tollpatschig aussehende Vögel mit knallblauen Flossen und Schnabeln, einer der typischen Vogelarten der Galapagos.

Wunderschönes Cuenca

Nach einer weiteren Nacht am Strand weiter südlich überqueren wir erneut wunderschönes Andengebirge und treffen dabei zufällig ein deutsches Langzeitreise-Pärchen, welches seit 2016 mit dem Camper in Südamerika unterwegs ist. Wir unterhalten uns sehr lange mit ihnen, tauschen Erfahrungen aus (sie kommen von der südlichen Richtung, wir von der nördlichen), verabschieden uns und fahren weiter in die Stadt Cuenca. Wir stellen unser Auto in der Nähe eines Parks ab, lustigerweise genau wie das Pärchen, welches wir bereits wenige Stunden zuvor getroffen haben und so besichtigen wir die Stadt gemeinsam. Die drittgrösste Stadt des Landes ist ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Die Innenstadt ist wunderschön mit ihren Kolonialbauten, den aufwendigen Fassaden, den grosszügigen, mit Geranien versehenen Innenhöfen, der Lage am Fluss und den Kopfsteinpflasterstrassen. Auf dem Dach der Catedral de la Inmaculada Concepción geniessen wir die Aussicht über die Stadt und schlendern danach durch die Strassen bevor wir auf einem winzigen Minibalkon die Happy Hour geniessen.

Eine spannende Gratwanderung zum Abschied

Unseren letzten Tag in Ecuador fahren wir wieder viel. Beim Cerro Mandango legen wir einen Halt ein, wo wir eine aufregende Rundwanderung abseits der Touristenpfade machen. Der erste Teil hoch zu einem Aussichtspunkt auf dem Berg ist sehr steil, anstrengend und bei Locals einigermassen beliebt, aber danach treffen wir keinen mehr an. Wir laufen ein paar Kilometer den Grat entlang und es ist furchterregend. Links und rechts geht es sehr steil runter, auch wenn es einem aufgrund der hohen Büsche manchmal nicht so bewusst ist. Es braucht extreme Aufmerksamkeit, damit man sich nicht vertritt. Teils ist der Grat auch selbst steil, was Halt zu finden bei diesem Boden aus loser Erde noch schwieriger macht. Nachdem wir den Grat verlassen haben mussten wir uns ein paar Kilometer lang durch Büsche kämpfen, wobei wir immer wieder den Weg verloren. Zum Glück waren die Tausenden von Spinnenwaben, von welchen der letzte Kommentator der Wanderung vor ein paar Monaten gewarnt hat weg. Ja, das war abenteuerlich und auf eine Art spassig, aber wir tragen einige Andenken davon (Kratzer und ein paar Löcher in den Kleidern). Das war auch bereits unser Abschied vom schönen, vielfältigen Ecuador mit den stets sehr freundlichen Menschen. Wir fahren bis es dunkel wird, und bekommen netterweise von einem Wächter die Erlaubnis auf einer bewachten Baustelle vor dem Grenzübertritt am nächsten Tag kostenlos zu übernachten. Ja, Ecuador möchten wir irgendwann nochmals besuchen, es gibt noch so viel zu sehen und auch hier haben wir uns sehr willkommen und stets sicher gefühlt!

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Caño Cristales

Regenbogen-Flüsse, einzigartige Gräber und der Abschied Kolumbiens

Caño Cristales – der Regenbogen-Fluss

Caño Cristales

Nach unsrer mühsamen 2-tägigen Fahrt im Konvoi mit Ally und Blake sind wir endlich im Dorf La Macarena im ehemaligen Guerilla-Gebiet angekommen. Hier machen wir eine Tour (auf eigene Faust ist ein Besuch nicht möglich) zu Caño Cristales. Caño Cristales wird auch als flüssiger Regenbogen, Fluss der 5 Farben und schönster Fluss der Welt bezeichnet.
Die Farben hat der 100-Kilometer lange Fluss hauptsächlich der Wasserpflanze Macarenia Clavigera zu verdanken. Die Pflanze, normalerweise leuchtend hellgrün, nimmt durch optimale Sonneneinstrahlung über mehrere Tage eine leuchtend rote Farbe an. Somit wirken Grossteile des Flusses rot, während durch das Zusammenspiel von Sand, (Quartzit-)felsen und Wasser auch die Farben gelb, grün, schwarz und blau zum Vorschein kommen. Das Phänomen ist nur von Juni bis Oktober zu beobachten, da der Wasserstand sonst zu hoch ist und die Pflanzen verdeckt.
Nach Bootsfahrt und Wanderung durch Steppenlandschaften erreichen wir das Wunder. Der erste Teil des Flusses ist grün, weil durch die Bäume um den Fluss kaum Sonne durchscheint. Aber schon dieses Neongrün ist besonders – die Wasserpflanzen sehen richtig flauschig aus! So verbringen wir den Tag, laufen von einer wunderschönen Stelle zur nächsten, sehen Wasserfälle, Kaskaden und Pools in wunderschönen Farben, essen leckeres lokales Zmittag – Gewürzter Reis mit Poulet im Bananenblatt gekocht. Wir dürfen uns an manchen Stellen im Wasser erfrischen, bekommen ordentlich Sonnenbrand (Sonnencreme ist aufgrund des fragilen Ökosystems nicht erlaubt) und schiessen Hunderte von Fotos von diesem Naturwunder. Mehrmals treffen wir auf Ölquellen und die Führerin bestätigt, dass die Gegend voller Öl ist und Ölfirmen grosses Interesse haben. Zum Glück ist das Gebiet geschützt, aber es gibt das Gerücht, dass der (seit ein paar Tagen ehemalige) Präsident vor Amtende bezüglich Erschliessung dieses Gebietes Verträge mit Ölfirmen abgeschlossen hat. Dies wäre gravierend und wir hoffen, dass sich das Gerücht nicht bewahrheitet.
Zurück in La Macarena geniessen wir den Abend, treffen in der Dorfbeiz auf ein paar Lokalpolitiker, die sich über den exotischen Besuch freuen, uns zuerst zu Trinkspielen überreden und uns dann auf eine Bierrunde nach der anderen einladen.

La Plata und die Gräber von Tierradentro

Nach der mühsamen Fahrt zurück, verabschieden wir uns von Blake und Ally und fahren nach La Plata, einem kleinen Städtchen in der Provinz Huila. Hierhin haben wir neue Reifen bestellt, die wir montieren müssen. Aufgrund der Importzolle in Südamerika ist dies in Kolumbien teurer als in den USA/ Europa, aber immer noch günstiger als in Ländern weiter südlich. Deswegen bringen wir es hinter uns. Abends und den nächsten Morgen verbringen wir mit einem extrem netten Local in unserem Alter, dessen Kontaktdaten wir von einer kolumbianischen Freundin in Europa hatten. Dieser zeigt uns die friedliche Umgebung mit den vielen Aussichtspunkten und wir werden zu lokal gebrautem Süsswein eingeladen. Die Einladung im freien Haus seiner Schwester zu schlafen schlagen wir aus und stellen uns stattdessen vornedran. Eine nette Nachbarin kommt auf ein Schwätzchen vorbei und bringt uns Orangen von ihrem Garten. Die Menschen in Kolumbien sind wirklich unglaublich nett.

Alto de Segovia

Auf dem Weiterweg machen wir ein Zwischenhalt in Tierradentro. Das mit 160 Untergrundgräbern und über 500 Steinstatuen eines der wichtigsten Ausgrabungsstätten Südamerikas befindet sich vollkommen ausserhalb der Touristenpfade. Die tief unter der Erde mit extrem steilen Stufen zugänglichen Gräber stammen aus dem 06. Bis 10. Jahrhundert. Die in Vulkanstein gebauten Höhlen sind in schwarzer, weisser und roter Farbe bemalt (nur noch teilweise zu sehen) und sollen das irdische Heim nachbilden. Die Körper wurden aber nicht direkt hier begraben sondern Überreste in Urnen in die Höhlen gestellt. Da man zwischen den Gräbern weit über Hügel wandern musste, haben wir nur einen Bruchteil der Gräber gesehen, waren aber schwer beeindruckt. Dabei kam der Atmosphäre zugute, dass wir weit und breit die einzigen Touristen waren.

Die weisse Stadt, Graffiti am Auto und Abschied von Kolumbien

Nächster Stopp ist die Stadt Popayán – auch die weisse Stadt genannt, da die gesamte Altstadt in komplett weiss gehalten wird. Was eigentlich eine sehr schöne Stadt sein sollte, begeistert uns nicht. Viele Fassaden sind inzwischen mit Graffiti beschmutzt – etwas, was wir seit sehr Langem nicht mehr gesehen haben. In Lateinamerika haben wir bisher fast nur schöne Wandmalereien / Murals gesehen, kaum hässliche Graffiti-Tags. Wir hätten das als Warnzeichen sehen sollen, haben aber trotzdem in der Innenstadt im Auto geschlafen und prompt hatten wir am nächsten Morgen Schmierereien am Auto. Zum Glück konnten wir sie mit Klebstoffentferner entfernen.
Letzter Stopp in Kolumbien ist die Kirche Santuario las Lajas. Die Basilika, in einem tiefen engen Flusstal gelegen mit einer integrierten Brücke, die die beiden Talseiten verbindet strahlt eine mystische Atmosphäre aus. Andere vergleichen es mit einem Bildnis, wie es aus einem Tolkien-Roman (Herr der Ringe) stammen könnte, was wohl ziemlich zutreffend ist. Bei einem Seilbahnparkplatz haben wir uns hingestellt, um die Nacht zu verbringen und es uns drinnen gemütlich gemacht. Wir nehmen draussen Stimmen war, machen die Tür auf und da stehen etwa 20 strahlende Kolumbianer aus verschiedenen Familien um unser Auto. Die Herzlichkeit, das Strahlen und die ansteckende Freude sind herzerwärmend. Wir mussten alles über unsere Reise erzählen und natürlich das Auto zeigen. Ein 5-jähriges Mädchen war zufällig Wohnmobil-Fan, hat sich mega gefreut, und so haben wir mit ihr und dem Land Cruiser für viele Fotos positioniert. Währenddessen hat sich der 10-jährige Junge sehr dafür interessiert, was wir beruflich machen. Scheinbar wollte er wissen, welchen Berufsweg man einschlagen sollte, um sich eine solche Reise leisten zu können. Wenn auch eine kurze Begegnung, war es ein schöner Abschied und ein schönes Beispiel dafür, was Kolumbien für uns so einzigartig gemacht hat.
Damit heisst es für uns schweren Herzens Abschied von Kolumbien zu nehmen.

Santuario de Las Lajas

Kolumbien ist definitiv ein Favorit für uns. Das Land ist landschaftlich extrem vielfältig, hat alles zu bieten von Bergen, Dschungel, Traumstränden, grandiosen Wasserfällen, Wüste und Naturwundern, wie dem Caño Cristales. Gleichzeitig begeistern uns die spannenden Städte und die wunderhübschen gemütlichen Dörfer. Wir sind überrascht, was für tolle Offroad-Möglichkeiten Kolumbien zu bieten hat und hätten definitiv noch viel länger im Land verbringen können, aber es fehlt die Zeit. Das Essen ist lecker und im Vergleich zu Zentralamerika abwechslungsreicher. Es ist alles verdammt günstig, vom Diesel (50 Rappen pro Liter), übers Mittagessen (2 Fr. für ein Menu) bis zum Cocktail (3 Fr.).

Und ja die Menschen. Nach all den Lobreden, die wir vor Kolumbien schon über Kolumbianer gehört haben, waren unsere Erwartungen sehr hoch. Wir wurden nicht enttäuscht, die Herzlichkeit der Menschen war unglaublich, wir haben viele neue Bekanntschaften geschlossen und mit unzählbaren Menschen geredet, die sich über unseren Besuch von Kolumbien gefreut haben. Wir haben uns überall willkommen gefühlt, kaum je wurde uns Gringopreise berechnet (und falls doch, dann an extrem touristischen Orten). Im Gegenteil – öfters wurde uns etwas einfach gratis gegeben oder geschenkt. Nach Zentralamerika waren wir zudem sehr von der Sauberkeit überrascht. Mit ein paar wenigen Ausnahmen sind die Strassen so sauber wie in Europa. Mit dieser wunderbaren Gastfreundschaft haben wir uns auch sehr sicher gefühlt und nachdem wir das Auto abgeholt haben fast immer wildgecampt. Wir mussten uns richtig zusammenreissen achtsam zu bleiben, weil wir uns so geborgen gefühlt haben. Zum Glück gab es aber auch immer wieder besorgte Locals, die uns daran erinnert haben, wachsam zu bleiben.

Noch mehr Gräber und Weissbier in Ecuador

Der Grenzübergang nach Ecuador war aufgrund des Wochenendes mühsam – für den Temporärimport des Autos mussten wir lange anstehen und einmal mehr hatte man den Eindruck, dass die Beamten das erste Mal mit dieser Anfrage konfrontiert wurden. Als wir es endlich geschafft haben besuchen wir den Militärfriedhof von Tulcán, einen der gelungensten Formschnitt-Gärten der Welt. Über 300 riesige Statuen aus Bäumen stehen hier dicht beieinander, widerspiegeln die Tier- und Pflanzenwelt Ecuadors und schmücken den Friedhof.
Das mittlerweile geschützte Aussehen des Friedhofs ist dem ehemaligen Friedhofdirektor Jose Franco zu verdanken, der vor über 100 Jahren festgestellt hat, dass die Erde beim Friedhof sehr fruchtbar ist, darauf Zypressen pflanzte und diese anfing zu Figuren zurechtzuschneiden. Sein Ziel war, einen „solch schöner Ort zu schaffen, der dazu einlädt, zu sterben“.
Nach diesem speziellen Besuch fahren wir zur Finca Sommerwind, ein deutsches Café /Restaurant, Campingplatz und Overlander Treffpunkt eines deutschen Auswanderers im ländlichen Ecuador neben einem See und einer Rennstrecke. Nach einem Grossputz belohnen wir uns hier mit Oettinger Weissbier, Rotkäppchen-Wein, Jäger- und Wiener Schnitzel und decken uns mit Marzipan und frischgebackenem Brot ein. Dann gehts weiter nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors, wo wir unsere nächste Verabredung haben, aber dazu mehr nächste Woche.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Piedra del Peñol

Besuch des vom Gewalt-Hotspots zur innovativen Metropole transformierten Medellíns

Piedra del Peñol

Nach Bogotá fahren wir nordwestlich Richtung Medellín. Aus den geplanten 8 Stunden Fahrt werden schnell über 12: Wir nehmen kleinere Strassen übers Land und kurz vor dem Ziel Guatapé (wir sehen schon das Merkmal – den riesigen Fels von Guatapé) landen wir vor einer gesperrten Strasse. Beim mehrstündigen Umweg begegnen wir noch weiteren Strassensperrungen aufgrund von Baustellen, die wir mit riesigen Umwegen umfahren müssen. Wenigstens sind die kleineren Strassen auf dem Land schöner als die Autobahn. In den grünen Bergen fühlen wir uns weiterhin wie in der Schweiz – am Strassenrand wird von kleinen Ständen sogar überall Meringue mit Rahm / Sahne (und Erdbeeren) verkauft. Aber ja die Distanzen sind in Südamerika anders: Kolumbien ist doppelt so gross wie alle 7 zentralamerikanischen Länder zusammen – d.h. wir sind hier jeweils länger am fahren als zuvor.
Irgendwann schaffen wir es endlich und kommen an unserem Ziel an, dem Piedra del Guatapé/Peñol. Es handelt sich um ein 220 Meter hoher Monolith, den wir mit rund 650 steilen Stufen erklimmen können. Ziemlich anstrengend, aber die Aussicht auf den anliegenden, an den Vierwaldstättersee erinnernden Embalse del Peñol-See mit den vielen kleinen Inseln ist es wert.

Medellín

Danach geht es für uns nach Medellín. Wir parken den Land Cruiser auf einem Campingplatz in den Bergen, die Medellín umgeben und nehmen dann Bus und Seilbahn, mit der wir direkt in der Stadt landen. Eine interessante Seilbahnfahrt, fahren wir doch direkt über sehr einfache Viertel Medellíns, wo Häuser noch aus verschiedenen Wellblechplatten zusammengebastelt sind. Ansonsten ist die ganze Stadt hauptsächlich aus Backstein, was ihr ein einzigartiges Aussehen beschert.
In der zweitgrössten Stadt des Landes mit ca. 2.6 Millionen Einwohnern bleiben wir ein paar Tage im Hotel. Medellín ist eine spannende Stadt mit schrecklicher Geschichte. Während sie von der Washington Post einst zur gefährlichsten Stadt der Welt erklärt wurde, hat das Wall Street Journal Medellín vor ein paar Jahren zur innovativsten Stadt gekürt. Auf rund 400 Morde auf 100000 Einwohner kam Medellin anfangs der 90er. Inzwischen ist die Stadt unter anderem auch dank der Netflix-Serie Narcos, welche Medellíns Geschichte mit Drogenbaron und Terroristen Pablo Escobar aufrollt, bei Touristen eine äusserst beliebte Destination. Pablo Escobar, der wohl berüchtigtste Drogenboss aller Zeiten verbreitete Angst und Schrecken bis er 1993 von einer US-Kolumbianischen Spezialeinheit ermordet wurde. Er ermordete Politiker, Polizisten, Richter, von ihm entführte reiche Zivilisten und seine Gegner und sprengte sogar ein Linienflug mit 110 Passagieren in die Luft. Viele Einwohner Medellíns sind jetzt noch geprägt und traumatisiert von dieser Zeit und sehen den Hype um Escobar deswegen gar nicht gerne.
Inzwischen ist Medellín aber hip, einigermassen sicher und florierend. Im Stadtzentrum bewundern wir die Kolonialbauten oder die Statuen des vielleicht berühmtesten Künstlers Kolumbiens/Medellíns Fernando Boteros, der mit seinen Gemälden und Bildhauerei von pummligen Figuren berühmt wurde. Im Poblado Viertel haben wir die Auswahl aus internationalen Restaurants und originellen Rooftop Bars. Hier werden wir auch in die Luxuswohnung im 20. Stockwerk zu einem Texaner und seiner kolumbianischen Frau eingeladen. Wir sind in Kontakt gekommen weil sie ebenfalls einen Toyota Land Cruiser besitzen und gerade von einem halbjährigen Südamerika-Trip zurück nach Medellín, ihrem Zuhause gekommen sind. Sie geben uns viele Tipps mit auf den Weg und die Vorfreude das restliche Südamerika zu erkunden steigt.
Auch wenn Medellín mittlerweile vergleichbar ist mit vielen Metropolen, finden sich überall Spuren der Vergangenheit. Im Casa de la Memoria werden Opfern und deren Angehörigen der damaligen Konflikte eine Stimme gegeben. Die 1995 bei einem Bombenanschlag mit 20 Toten zerstörte Vogelstatue von Botero steht immer noch im Parque San Antonio neben einer neuen von Botero angefertigten Vogelstatue. Die beiden heissen nun Vögel des Friedens. Und dann ist da die Comuna 13 mit dem Graffiti und den vielen Murals (Wandmalereien).

Comuna 13 – vom Horrorviertel zur Erfolgsgeschichte

Wir machen eine Tour durch die Comuna 13 mit – ein Vorzeigebeispiel wie aus einem gewalttätigen Viertel, in welchem vor 20 Jahren noch kein Nichtbewohner reinkam ein friedliches, hippes Quartier wurde.
In den 90ern galt es noch als das gefährlichste Viertel der gefährlichsten Stadt in Lateinamerika. Medellín, in der Mitte des Landes gelegen, war strategisch ein guter Knotenpunkt für alle möglichen Geschäfte inklusive Waffen- und Drogenhandel. Die Comuna 13, als Vorort im Nordwesten gelegen, war dabei der Zugang zur Dariengap und damit zur Landschmuggelroute nach Nordamerika. Die Guerillagruppen FARC und ELN liessen sich in dem damalig illegalen Viertel nieder, verlangten Zoll von den Kartellen und Banden, die den Comuna 13-Zugang zu Darién nutzten und führten blutige Kämpfe um das Gebiet. Zusätzlich liessen sich paramilitärische Gruppierungen nieder, die ebenfalls ums Territorium kämpften. Es war ein Teufelskreis, eine Spirale der Gewalt mit täglichen Morden auch an Zivilisten. Die Comuna 13 war ein Schlachtfeld, ein rechtsfreier Raum, ohne Wasser- und Stromleitungen und Polizei, da die Stadtregierung nichts mit dem Viertel zu tun haben wollte. Für die Kinder der Comuna 13 war es lebensgefährlich in die Schule zu gehen, worauf vielen nichts anderes übrig blieb, als sich den Banden anzuschliessen.
Erst 2002 gab es dann mit dem neuen Präsidenten Alvaro Uribe mehrere Militäroperationen im Gebiet, um es von der Herrschaft der FARC und ELN zu befreien. Bei diesen Säuberungen wurde das Militär von den Paramilitärs unterstützt, welchen es natürlich gelegen kam, wenn sie die Gebiete der Comuna 13 nicht mehr mit den Rebellen teilen mussten. Aufgrund der teils falschen oder vagen Angaben der Paramilitärs kamen so bei den Militäroperationen auch wieder viele Zivilisten ums Leben. Bei der letzten Operation wurde teils gar von Helikoptern auf Häuser geschossen, da bot das Aluminium Wellblech kein Schutz. Danach war die Comuna 13 zwar von den Guerillas befreit, aber unter Herrschaft der Paramilitärs, die noch zwei Jahre lang in Selbstjustiz Menschen verschwinden liessen, die sie im Verdacht hatten, ehemalig etwas mit den Rebellen zu tun gehabt zu haben. Unsere Führerin zeigt uns den Berg neben der Comuna 13, eine Bauschuttdeponie, wo die Paramilitärs wohl Hunderte dieser Verschwundenen zu dieser Zeit begruben.
Erst immense Investitionen der Regierung ab 2006 brachten Besserung im Quartier, welches inzwischen von vielen kleineren Gangs beherrscht wurde. Insbesondere die Erschliessung des Viertels an Medellín mittels Metro, Seilbahn und einem knapp 400 Meter langem Netzwerk an Freiluft-Rolltreppen haben die Perspektive verbessert. Für das Viertel am steilen Hang war der Zugang zum Zentrum Medellíns zuvor mit viel Mühe verbunden, mussten sie doch ohne Hilfsmittel ein Äquivalent an 28 Stockwerken bewältigen, um auf eine Ebene mit dem Zentrum zu gelangen.
Zusätzlich wurden Schulen, Bibliotheken, kostenloses Sport-, Freizeit-und Kulturangebot und Pärke errichtet, um der Jugend, die früher keine Chance abseits der Kriminalität hatte, eine Perspektive zu geben. Wenn ein Park oder eine Gegend heute gefährlich ist und für Drogenhandel o.ä. missbraucht wird, hat die Regierung ein einfaches Mittel: Kostenloses WLAN an dem entsprechenden Ort anzubieten, dann kommen genug Leute und die Kriminellen verziehen sich.
Die Führerin zeigt uns das Viertel, insbesondere die unzähligen Graffiti und Wandmalereien, mit welchen lokale Künstler die Vergangenheit verarbeiten, die Transformation der Comuna 13 aufzeigen und Hoffnung auf die Zukunft darstellen. Wir sind beeindruckt von der Kreativität und wieviel mit einem einzigem Mural teils gleichzeitig ausgesagt wird. Nach der langen Rolltreppenfahrt nach oben geniessen wir die Aussicht auf Medellín. Inzwischen gibt es hier viele Touristen, überall Stände, kleine Bars und Restaurants.
Trotzdem ist es ein langer Weg – Nachts sollte man das Gebiet verlassen haben und die Geschäfte zahlen auch heute noch Schutzgeld – die Unternehmung mit welcher wir die Tour machen seit kurzem nicht mehr. Schlussendlich haben auch die Mitglieder von solchen Banden festgestellt, dass Tourismus eine gute Einkommensquelle ist und wenden sich teils besseren Geschäften zu, zum Beispiel der Eröffnung einer Brauerei für Touristen.

Jardín und Kaffeeplantagen 

Nach unserem Stadtaufenthalt kehren wir zurück zum Land Cruiser und bleiben zwei weitere Nächte auf dem Campingplatz, der beliebt bei Overlandern ist. So können wir wieder mal Wäsche waschen, kleinere Reparaturen erledigen und Grossputz machen. Am Abend kochen wir jeweils mit den andern Overlandern, einem englischen und italienischen Pärchen, einem Kanadier und einem Deutschen.
Nach Al Bosque fahren wir weiter ins Kaffeeanbaugebiet um Jardín. Wir geniessen die idyllischen aber herausfordernden Strassen durch die grünen Kaffeeanbauberge und seine Fincas. In Jardín selbst geniessen wir die für die Provinz Antioquia bekannte Architektur mit weissen Häusern und bunten Balkonen, Fenster- und Türrahmen bevor wir uns weiter in den Süden machen.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Ventanas de Tisquizoque

Von haarsträubenden Brücken, Salzkathedralen und explosivem Nationalsport

Gefährliche Brücken

Diese Woche sind wir ziemlich vorwärts gekommen trotz mühsamen Strassen und vielen Sehenswürdigkeiten. Statt über 30 Grad in der Nacht begegnen wir inzwischen auch tagsüber Menschen, die in Wintermänteln rumlaufen (was für unser Empfinden übertrieben ist – wir laufen immer noch in kurzen Klamotten rum, aber die Nächte sind nun angenehm kühl). Angefangen haben wir die Woche mit einem Offroad-Track entlang einer alten Zugroute, die uns vom Chef unsrer Werkstatt in Barranquilla empfohlen wurde. Der Track ist abenteuerlich, führt durch Schlamm, enge stockdunkle Tunnels und über wacklige enge Holzbrücken, bei welchen wir hoffen, nicht runter zu stürzen. Die Landschaft ist aber sehr schön und der Track hat Spass gemacht (Video unten). 

Cañón del Chicamocha

Weiter fahren wir zum Canyon Cañon de Chicamocha. Beim schönen Wildcamping-Spot mit Aussicht treffen wir lustigerweise wieder auf unsere Container Buddies. Mit ihnen geniessen wie den Abend und am nächsten Morgen bekommen die Herren noch einen Haarschnitt verpasst, inklusive Aussicht und ein paar Geissen als Zuschauer. Wir fahren eine wunderschöne Strasse in den Canyon hinein zum Dorf Cepitá. Das winzige Dorf ist wirklich süss, sieht wohl kaum je andere Touristen und in den Bäumen auf dem Dorfplatz entdecken wir sogar seltene blau-gelbe Aras! Wenn man zu Fuss über den Fluss möchte, dann muss man die Handseilbahn nehmen: Über dem Fluss ist ein Seil gespannt. Daran hängt eine Holz-Schnur-Konstruktion, auf die man sich setzen kann und sich dann auf die andere Seite des Flusses rüber ziehen muss. Nach dem Canyon fahren wir ins Städtchen San Gil. Es ist der grösste Ort in der Umgebung und deswegen müssen wir hier ins Spital: Vielleicht aufgrund eines Insektenstichs in den insektenreichen Nächten an der Küste hat Anouk eine merkwürdige Infektion am Bein, mit immer häufiger erscheinenden kleinen eiternden Bläschen. Ekelhaft so etwas auf Reisen zu haben ohne zu wissen was es ist, insbesondere, da diese Infektion kurz nach Anouks Fieberschüben ausgebrochen ist. So besucht Anouk das Regionalspital und nach anderthalb Stunden warten und mit gebrochenem Spanisch und Google Translate das Problem erklärend, bekommt sie ohne Untersuchung ein Medikamentencocktail verschrieben. Die Salbe und 2 Arten von Tabletten (eine davon Antibiotika) kosten insgesamt 4 Franken, der Arztbesuch war kostenlos. Ein paar Tage später sehen die infizierten Stellen auch schon viel besser aus.

San Gil und Barichara

In San Gil besuchen wir den El Gallineral Park. Wie oft in dieser Umgebung gibt es hier jede Menge von Bäumen voller sogenannten Barba de Viejo (=Bärte alter Männer). Die Umhänge voller Moos geben den Bäumen hier die Erscheinung alter Männer mit langen silbrigen Bärten.
Wieder mit den Container Buddies unterwegs besuchen wir die Kolonialstadt Barichara, die uns mit den Pflastersteinstrassen und den geschmückten Häusern begeistert. Spezialität sind Riesenameisen – Hermigas Culonas, zu deutsch Fette-Hintern-Ameisen. Raphi hat eine probiert, sein Kommentar: „knusprig und speziell“. Als nächstes fahren wir nach Guadalupe. Hier in der Umgebung fühlen wir uns wie in der Schweiz im Mittelland. Überall grüne Hügel, eine friedliche Atmosphäre, Kühe, Kuhgeruch und Gemuhe und hin und wieder ein Haus. Wir parken unser Auto auf dem Land und laufen dann einen idyllischen Spazierweg zu perfekt runden Steinpools, durch welche ein Fluss fliesst. Hier erfrischen wir uns und erkunden das unterirdische Tunnel.

Ventanas de Tisquizoque und Villa de Leyva

Als Nächstes wollen wir zu den Ventanas de Tisquizoque. Dieser Wasserfall ist total abgelegen und wir müssen um hinzukommen mehrere Stunden lang einen schrecklichen Schlamm-Track fahren. Scheinbar haben nicht nur wir Mühe. Unterwegs treffen wir ganze 3 festgesteckten Autos, das eine sogar ein Schulbus. Wir ziehen sie aus dem Schlamm raus und sind selber sehr überrascht, dass wir nach 3 Versuchen den Schulbus mit unserem viel kleineren Auto schaffen rauszukriegen (Video siehe unten). Aber die Leute haben sich gefreut und die Schulkinder waren begeistert von unserem Auto und haben die Flaggen-Kleber der Länder bewundert, die wir schon alle besucht haben. Im winzigen Kaff namens Florian übernachten wir am Dorfplatz. Schon schön, dass es hier noch viele Orte hat, die touristisch nicht sehr erschlossen sind. Am nächsten Morgen besuchen wir den spektakulären Wasserfall. Aus einer Höhle fliesst das Wasser in 3 hintereinander fallenden Wasserfällen raus, der längste davon 300 Meter lang. Nachdem wir zuerst den falschen Weg nehmen und uns gehörig im Schlamm verlaufen und teils halb versinken, sind neben dem Auto nun auch unsere Beine voller Schlamm. Ein paar Locals weisen uns den richtigen Weg und so finden wir zur Höhle, von welcher aus das Wasser in die Tiefe fällt. Eine gigantische Aussicht geniessen wir von da oben. Der Ausflug hat sich gelohnt (Video unten). Auf dem Rückweg finden wir irgendwo auf dem Land einen Wasserfall, wo wir uns den Schlamm abputzen und auch wieder mal duschen können. Weil wir unseren Wassertank füllen möchten und sauberes Wasser in Kolumbien schwierig per Schlauch zu bekommen ist, halten wir in einem Dorf bei einem Stand an und nachdem wir eine leckere Empanada bestellt haben fragen wir, ob wir Wasser kaufen können. Der nette Mann füllt uns eimerweise Trinkwasser von seiner eigenen Quelle ab und bringt es uns zum Auto, um den Tank zu füllen. Er will kein Geld annehmen und so kaufen wir dafür noch ein paar Sachen von ihm ab. Er freut sich, wir zeigen unseren Camper und in Nullkommanichts ist das ganze Dorf vor Ort und staunt. Wahnsinnig diese Herzlichkeit auf dem Land.

Als Nächstes besuchen wir das pittoreske Städtchen Villa de Leyva in den kolumbianischen Anden. Mit den einstöckigen hübschen Häusern, den Kopfsteinplasterstrassen und dem grössten Dorfplatz Kolumbiens diente Villa de Leyva schon in der Kolonialzeit hochrangigen Menschen und Vizekönigen als Erholungsort. Das Städtchen ist wunderschön aber auch sehr touristisch. Es findet momentan ein Festival statt und so ist der Dorfplatz voll mit Ständen, einer Bühne und Bahnen, die zum Teil interessant zusammengebastelt sind (kleine Plastik-Kinderautos an Kleiderbügeln befestigt, die dann ein fliegendes Karussell ergeben). Wie geniessen von den Ständen leckere Spezialitäten, wie zum Beispiel Lechona – kolumbianisches Spanferkel welches im Erdofen in der Haut gefüllt mit Reis, Erbsen und vielen leckeren Gewürzen 10 Stunden lang gekocht wird.

Catedral de Sal und Bogota

Kurz vor Bogotá besuchen wir die Catedral de Sal (Salzkathedrale) von Zipaquirá. Die Salzkathedrale ist eine riesige religiöse Einrichtung mit beleuchteten Kunstwerken aus Salz und Marmor in den Tunnels und Hallen einer ehemaligen Salzmine 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Schon vor Kolonialzeiten wurden die Salzvorkommen in Zipaquirá entdeckt und zu Nutze gemacht. Ab dem 19. Jahrhundert wurden dann richtige Salzminen erschaffen, worauf sich ein paar Minenarbeiter eine kleine Zufluchtskammer zum Beten gebaut haben. Um 1950 wurde dann eine richtige Kathedrale daraus, die aber aufgrund der weiter anhaltenden Minentätigkeiten geschlossen werden musste, da sie zu unstabil wurde. Erst in den 1990ern wurde dann eine neue Salzkathedrale in anderen Minenschächten gebaut, die nun heute besichtigt werden kann. Da die Salzgewinnungstechnik sich verändert hat und es keine Erschütterungen mehr gibt, bleibt die Kathedrale stabil. Früher wurde das Salz mit dem Fels gesprengt und danach das Salz mit Wasser gelöst. Heute wird auf die Sprengung verzichtet, da das Wasser mit Druck in den Fels gepumpt wird und das Salz löst. Sicher ein imposantes Bauwerk und mal eine ganz andere Sehenswürdigkeit, auch wenn es für unseren Geschmack ein wenig sehr kommerziell war.
Nun kommen wir in die Hauptstadt Kolumbiens: Bogotá. Die Stadt ist mit 12 Mio. Einwohnern (inkl. Umkreis, entspricht 22% der Bevölkerung Kolumbiens), die grösste Stadt Kolumbiens und mit einer Höhenlage von 2700 Metern eine der höchsten Grossstädte Südamerikas. Da wir das Nachtleben kennenlernen möchten und unser gesicherter Parkplatz bereits um 21.00 Uhr schliesst, nehmen wir ein Hotel und feiern überrascht die erste heisse Dusche seit dem Hot Spring Waterfall in Guatemala, der sich zumindest wie eine heisse Dusche anfühlte. Wir suchen erfolglos nach einer bezahlbaren Seilwinde. Der Prozess war interessant: Man fährt ins Quartier für Autoersatzteile. In dem Quartier hat es hunderte kleine Läden mit Ersatzteilen, gearbeitet wird oft direkt auf der Strasse. Wir fahren ins Quartier und werden relativ schnell von Jemandem angesprochen, der sich im Labyrinth von Läden auskennt. Man wartet im Auto während dieser versucht das gewünschte Teil ausfindig zu machen und all seine Kontakte aktiviert. Danach kann man ein Trinkgeld geben. Unser Mann hat sich sehr Mühe gegeben, aber ein weiteres Mal stellen wir fest, dass eine Seilwinde hier aufgrund der hohen Importsteuern nicht in unserem Budget liegt. Abends gingen wir aus und am Sonntag haben wir uns ins Getümmel gestürzt und die Stadt ein wenig zu Fuss erkundigt. Bogotá ist definitiv keine Augenweide. Im Zentrum La Candeleria gibt es ein paar schöne Kolonialbauten, aber das wars auch schon mit Schönheit. Es ist aber eine äusserst lebendige, spannende Stadt. In den vielen Fussgängerzonen sind wie komplett überwältigt von all den Eindrücken, den unzähligen Strassenständen, die alles mögliche verkaufen, dem Streetfood, den vielen Aufführungen, sogar „Guggenmusik“, den Strassenkünstlern oder auch einfach den vielen unterschiedlichen Menschen, die vom Kleidungsstil und dem Benehmen her irgendwie vielfältiger sind, als wir es beispielsweise in Zentralamerika erlebt haben. Wir wissen gar nicht wohin mit den Augen, so viele Eindrücke auf einmal. Am Abend treffen wir uns mit einem Amerikanisch-mexikanischen Pärchen, welches seit 3 Monaten in Bogotá ist und darauf wartet endlich den Roadtrip durch Südamerika zu starten, aber Probleme mit dem frisch gekauften Auto hat. Mit ihnen gehen wir Tejo spielen. Tejo ist der offizielle National-„sport“ Kolumbiens und beinhaltet Bleikugeln, Schiesspulver und viel Bier. Das Spiel wurde ca. vor 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung erfunden. Auf einer Platte mit viel Lehm befinden sich kleine Briefchen mit Schiesspulver. Mit einer halben Kilo schweren Bleikugel muss man die Platte bewerfen und erhält je nachdem, ob die Mitte oder ein Schiesspulverbriefchen getroffen wird und dabei eine Explosion ausgelöst wird, unterschiedlich viel Punkte (Video unten). Dabei wird oft ziemlich viel Bier getrunken. Es war auf jeden Fall eine lustige Erfahrung. Eigentlich wollen wir danach Bogota verlassen, finden aber heraus, dass wir dummerweise am gewünschten Abfahrtstag nicht fahren dürfen. Je nach Endung des Kennzeichens darf jedes Auto jeden zweiten Tag nicht gefahren werden, um die Verschmutzung und Strassenverstopfung zu verringern. So erledigen wir noch einen Tag lang Diverses, geniessen einen Kaffee und schreiben diesen Bericht 🙂

Unser Zugstrecken-4×4-Track:

Unsere Schulbus-Rettungsmission:

Ventanas de Tisquizoque Wasserfälle:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Cartagenas Kolonialbauten

Zwangsferien in der hübschen Kolonialstadt Cartagena

Cartagenas Kolonialbauten

Nach fast einem Jahr Reise sind wir also endlich in Südamerika angekommen – mit dem Segelschiff von Panama aus. Unser Container mit dem Land Cruiser wurde leider nicht auf das vorgesehene Schiff geladen und verspätet sich damit um eine Woche. Die Schiffe sind oft überbucht, und nein, wir sind keine Prioritätskunden von Maersk 🙃 Wir können sogar von Glück reden, dass es sich nur um eine Woche Verspätung handelt (plus wegen Feiertagen ein paar weitere Tage Verzögerung bei der behördlichen Freigabe). Diejenigen, die eine Woche vor uns verschifft haben werden ihr Auto gleichzeitig erhalten und haben damit sogar 2 Wochen Verspätung.
Da Touren teuer sind und wir ja bald wieder mobil sind, sitzen wir halt nun anderthalb Wochen in Cartagena fest. Neben Administrativem und Planung bleibt uns so viel Zeit die Stadt kennenzulernen. Immerhin handelt es sich im ummauerten Stadtkern dabei um eine wirklich schöne Hafenstadt mit wunderschönen Kolonialbauten.

Raphi in Getsemani

Am ersten Abend sind wir total überwältigt. Im Stadtkern ist so viel los, so viel Leben, so viele Menschen, ein bunter Mix aus Einheimischen aber auch vielen lateinamerikanischen und westlichen Touristen. Es wird auf der Strasse gefeiert und wir sehen Segelbootsgefährten wieder oder unsere Container Buddies. Durch die schönen Bauten, der Partystimmung und den Pubs überall werden wir stark an Amsterdam erinnert. Es könnte aber auch daran liegen, dass uns die ganze Zeit zuerst laut Bier und Zigarren angeboten werden und dann leise flüsternd Marihuana, Haschisch oder „weissen Kaffee„, also Koks.

Auf einer Rooftop Bar

Cartagena de Indias wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern gegründet. Zeitweise war es die wichtigste Hafenstadt der Americas. Sie war Standort für die Inquisition und den grössten Sklaven-Hafen Lateinamerikas mit florierendem Sklavenhandel. Als reiche Handelsstadt wurde Cartagena oft von Piraten, weswegen aus Korallen Mauern um den Stadtkern gebaut wurden, die auch heute noch intakt sind. Verschiedene Festungen, darunter auch die grösste Kolonialfestung von gesamt Südamerika – das Castillo de San Felipe beschützten die Stadt.

Rooftop Brunch mit den Container Buddies

Die ersten Tage waren wir noch ganz wackelig auf den Beinen, nach 5 Tagen auf See ist es ungewohnt, wenn man nicht mehr die ganze Zeit schaukelt. Wir geniessen die internationale sowie lokale Küche und Streetfood. So ohne Land Cruiser und eigene Küche sind wir „gezwungen“ immer auswärts zu essen, was auch mal schön ist zur Abwechslung. Wir besuchen einige Rooftops – in Form von Bars aber auch mal in Form von einem Brunch.
Wir treffen uns mit den Segelturngefährten wieder und anderen die verschifft haben und unternehmen viel mit unseren Container Buddies. Im modernen Hochhaus-Viertel Bocagrande bewundern wir die Hochhäuser und kucken uns im Kino (zum Glück auf Englisch) den neuen Top Gun Film für 4 Dollar an. Bei einer „Free City Tour“ lernen wir viel über die Geschichte der Stadt und im hippen, ehemals armen und mittlerweile gentrifizierten Quartier Getsemani schlendern wir durch die mit Streetart versehenen Strassen.
Abends ist in Getsemani jeden Tag Party, Aufführungen und Tänze finden auf den Plätzen statt, überall gibt es Streetfood und Cocktailstände. Ein Burgerstand hat es uns besonders angetan. Mit Burgerpatty, Bacon, Schinken, Pouletbrust, einem gebratenen Mix aus leckerem Gemüse und Zwiebeln, einem riesigen Haufen auf der gleichen Platte geschmolzenen Käse wird eine krasse Kalorienbombe gebastelt.

Castillo de San Felipe de Barajas

Wir besuchen das riesige Fort Castillo de San Felipe und sind beeindruckt von den Dimensionen, den Tunnels, durch welche die Verteidiger sich geschützt zwischen den verschiedenen Ecken des Forts fortbewegen konnten und der wunderbaren Aussicht. Wenn das Fort nicht gewesen wäre, wäre die britische Attacke auf Cartagena im 18. Jahrhundert vielleicht erfolgreich gewesen. Den ummauerten Stadtkern hatten sie nämlich bereits eingenommen und so sind sie nur am Fort gescheitert. Dann wäre Kolumbien vielleicht eine englische Kolonie geworden und die offizielle Sprache heute Englisch.
Kulturell ist neben dem Kolonialbauten auch der lebhafte karibische Einfluss spürbar. Man sieht viele Palenqueras -afro-amerikanische Frauen in traditionellen bunten Kleidern, die für Fotos posieren oder Früchte verkaufen, welche sie in Körben auf dem Kopf transportieren. Ursprünglich kommen sie aus San Basilio de Palenque, einer Stadt in der Nähe von Cartagena, welche im 17. Jahrhundert durch geflohene Sklaven gegründet wurde. Als erste Stadt konnte sie, lange vor allen anderen, ihre Unabhängigkeit zur spanischen Kolonialmächte sichern. Damit war die Stadt wirtschaftlich allerdings abgeschieden und brauchte neues Einkommen. Während die Männer zu Hause blieben, gingen so die Frauen regelmässig in die Grossstadt Cartagena, um Früchte zu verkaufen, die in San Blasio im Überfluss wuchsen. Mittlerweile sind diese Palenqueras längst ein Wahrzeichen von Cartagena. Interessant war auch der Museumsbesuch im Inquisitionspalast. Das Inquisitionstribunal von Cartagena war zuständig für die Inquisition weiter Teile von Südamerika, das heisst für die Verfolgung von anderen Religionen, schwarzer Magie oder anderen Ansichten, Bräuchen oder Tätigkeiten welche vom Papst nicht toleriert wurden. Über 900 Menschen wurden im Zuge der Inquisition vom Tribunal in Cartagena verurteilt. Noch heute sieht man das Fenster, durch welches die Menschen Zettel werfen konnten wenn sie jemanden denunzieren wollten. Neben der Geschichte wurden im Palast auch die Folterinstrumente ausgestellt. Diese wurden vorübergehend von der Ausstellung entfernt, als der Papst Cartagena 2015 besuchte – der arme Papst soll ja nicht schockiert werden.
Ein weiterer Ausflug haben wir zu unsrer Verschiffungsagentin ausserhalb des ummauerten Stadtkerns unternommen. Wir wollten herausfinden, ob sich irgendwie der Prozess das Auto nach Ankunft zu bekommen beschleunigen lässt. Das Unterfangen war zwar nicht erfolgreich aber es war definitiv spannend und erschreckend das Cartagena zu Gesicht bekommen, welches nicht für Touristenaugen gedacht ist. Wir liefen zwischen einem riesigen Markt und der Meereszunge. Alles ist voller Müll und es stinkt so grässlich wie wir es noch nie erlebt haben. Leute wohnen im Müll an der Meereszunge und verrichten ihr grosses Geschäft in der Öffentlichkeit. Daneben wird stinkender Fisch verkauft. Solche prekären Zustände haben wir noch nicht gesehen, auch nicht in Honduras oder Guatemala. Kolumbien hat wohl wie Panama viel mit Ungleichheiten zu kämpfen, und zusätzlich viele extrem arme Flüchtlinge aus Venezuela, die nach Kolumbien fliehen . Wenigstens wurde an unserem ersten Tag in Kolumbien ein neuer Präsident gewählt und die Hoffnung der Bevölkerung, dass nun bessere Zeiten anbrechen ist spürbar. Wir hoffen das Beste. Morgen können wir hoffentlich den Land Cruiser abholen und dann melden wir uns nächste Woche hoffentlich wieder von unterwegs aus.

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Containerschiff auf der Durchfahrt

Die berüchtigte Darién Gap, der legendäre Kanal und die Stunde der Wahrheit

Nach unseren Land Cruiser- Schrumpfbemühungen in Panama City fahren wir weiter östlich in die berüchtigte Darién Provinz. Unser Ziel ist das Ende der Strasse und der Beginn der sogenannten Darién Gap – der Grund wieso wir überhaupt verschiffen müssen.

Die Darién Gap und der Grund für die Verschiffung

Angekommen in Yaviza, wo die Panamericana endet

Die Darién Gap ist eine ca. 100 Kilometer lange Lücke in der Panamericana zwischen Panama in Zentralamerika und Kolumbien in Südamerika. Durch den dichten Dschungel wurde nie eine Strasse gebaut. Man könnte die Darién Gap zwar zu Fuss durchqueren, was aber illegal ist und womöglich tödlich endet. Es handelt sich schliesslich, um eine der gefährlichsten Regionen weltweit: Einerseits ist der Dschungel kaum erschlossen, dass man sich verirrt ist deswegen sehr wahrscheinlich. Weiter gibt es jede Menge gefährliche, teils tödliche Tiere, Schlangen, Amphibien, Insekten. Zudem wird der Darién Dschungel grösstenteils von der kolumbianischen FARC Guerilla Armee und Drogenkartellen kontrolliert. Wenn diese von der Anwesenheit von Zivilisten Wind bekommen, ist mit Mord oder Entführung zu rechnen oder damit, dass man Unmengen an Geld bezahlen muss, um lebendig wieder rauszukommen. Und als ob das nicht genug wäre, liegen auch noch Mienen rum.
Der Randteil des Dschungels auf Panamaseite könnte man mit Führer besuchen, aber für das fehlt uns die Zeit. So fahren wir bis ans Ende der Panamericana von Alaska in Yaviza, wo die Strasse vor einer Fussgängerbrücke endet. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar Häuser und dann fängt der berüchtigte Darién Dschungel an. Es ist alles nicht sehr spektakulär, Yaviza als Dorf sehr arm, aber trotzdem finden wir es irgendwie spannend und reizvoll bis ganz ans Ende zu gehen. Bereits in der gesamten Darién Provinz merkt man, dass es hier anders ist – alle paar Kilometer folgt eine Militärkontrolle, es soll sicher gestellt werden, dass niemand was schmuggelt und niemand auf die Idee kommt auf diesem Weg nach Kolumbien zu reisen. Traurig ist wiederum der Müll, der sich neben der Panamericana teilweise richtig häuft und streut. Auf dem Weg zurück nach Panama City machen wir einen Abstecher an die Pazifikküste. Hierhin verirrt sich normalerweise kein Tourist, die Strassen abseits der Panamericana sind nicht mal in Google Maps erfasst. Aber es gibt sie und so fühlen wir uns ziemlich abenteuerlich, als wir diese Strassen erkunden und dabei ca. 10 Flüsse durchqueren müssen. An den einsamen Strand, der uns von Alejandro aus der Overland Embassy empfohlen wurde, kommen wir leider nicht – der Weg ist zu überwachsen. Aber der Abstecher war trotzdem schön, die Menschen auf dem Land sehr freundlich, wir begegnen einem Faultier auf der Strasse und der grössten Spinne, die wir je gesehen haben. Unterwegs findet Raphi Holz, das er zu Rampen sägt, die den Radwechsel bei der Verschiffung erleichtern sollen.

Letzte Vorbereitungen und Sightseeing in Panama City

Panaviera Rooftop Bar

Dann fahren wir nach diesem mehrtätigen Ausflug zurück nach Panama City. Dort haben wir uns bei der Albrook Mall, der grössten Mall der Americas, verabredet. Man kann da ein gutes panamisches Pulled Beef Sandwich essen, und auf dem Parkplatz kostenlos übernachten – was will man mehr bei einem Overlander Treffen. Die zwei Deutschen in ihrem VW Crafterbus sind bereits ähnlich lange wie wir unterwegs, gehen nun aber wieder nordwärts Richtung Kanada und Alaska. Da sie etwa zu 40% unterwegs arbeiten haben sie länger Zeit und Budget wie wir. Leider finden wir auch in der Albrook Mall keine neuen Trekkingschuhe und so gehts weiter zurück zur Overland Embassy, wo wir unsere Stahlfelgen noch mit Gummi bekleben möchten damit keine Beschädigungen am Container entstehen, Grossputz machen und ein paar Kleinigkeiten reparieren wollen. Leider ist wieder mal Pipi aus der Toilette ausgeleert und so lassen wir neben unsren Sitzen auch die Teppiche professionell reinigen. Inzwischen sind auch unsere Container Buddies Aurore und Salah aus Frankreich in der Embassy eingetroffen. Wir treffen dort weitere Overlander – zwei Pärchen aus den USA, ein holländisches Pärchen, ein ausgewanderter französischer Youtuber, ein deutsches Pärchen, ein texanischer Motorradfahrer und ein kanadisches Pärchen, welches wir bereits kurz in Mexico und Nicaragua angetroffen haben. Die individuellen Stories und Lebensweisen dieser Reisenden sind immer so spannend anzuhören und geben auch neue Ideen und Perspektiven. So verbringen wir ein paar Tage in der Overland Embassy, arbeiten fleissig, schaffen es aber auch mal mit den anderen ein Bier trinken zu gehen oder Pizza zu bestellen. Einmal müssen wir zu einer Behörde, um von Polizeibeamten unser Auto, die VIN, Motornummern und deren Übereinstimmung mit Dokumenten für die Verschiffung inspizieren zu lassen. Ja es ist sehr wichtig, dass immer alle Nummern genau stimmen, sonst gibt es grosse Probleme. Danach, wird ein neues Dokument erstellt mit wieder denselben Autoangaben. Ironischerweise befinden sich ausgerechnet auf diesem Dokument wieder Fehler: Unsere Container Buddies fahren einen roten „Fitat“ statt einen weissen Fiat. Ja, rot und weiss kann man leicht vertauschen. Nachdem wir mit allem fertig sind, erkundigen wir mit unseren Container Buddies endlich Panama City: Wir besuchen Casco Viejo – die Altstadt. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die hübschen alten Kolonialbauten. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut, nachdem die alte Panama City beinahe vollständig durch Piraten zerstört wurde. Das Viertel ist wunderschön, herausgeputzt, überall durch die Polizei überwacht. Da wirkt es umso surrealer, dass sich gleich nebenan der Abfall nur so türmt und die Kinder im Müll spielen. Ja, Panama City. Eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber die Ungleichheit ist einfach zu extrem. Wir haben in ganz Zentralamerika inklusive Mexico bisher nirgendwo solchen Luxus gesehen. Gleichzeitig haben wir auch nirgendwo bis jetzt solchen Elend und solche Müllberge gesehen. Auf den Salat für 20 US Dollar in Casco Viejo verzichten wir, finden aber im legendären Coca Cola Café einfaches, leckeres panamisches Essen für 5 Dollar. Es ist das älteste Restaurant Panamas, wo auch schon Che Guevara oder Theodore Roosevelt eingekehrt sind. Am nächsten Tag suchen wir den Mercado de Mariscos auf, den grossen Fischmarkt Panamas. Vor lauter Wäsche waschen und anderen Arbeiten verpassen wir leider den Markt, aber bei den Ständen probieren wir ein paar günstige frische Fischgerichte, unter anderem natürlich das in ganz Lateinamerika beliebte Ceviche. Der schönen Uferpromenade entlang laufen wir ins Viertel Punta Pacifica, wo sich ein Grossteil von Panamas Skyline befindet. Hier gönnen wir uns als Abschied von der Stadt in einer Rooftop Bar im 66. Stockwerk mit herrlicher Aussicht noch einen Drink bevor wir das Uber zurück zur Mall nehmen zum Übernachten.

Der Panama Kanal

Schiffspotting beim Panamakanal

Den nächsten Tag machen wir einen Spaziergang im riesigen Stadtpark Parque Natural Metropolitano, um die schöne Aussicht auf Panama City zu geniessen und werden den restlichen, letzten Tag mit dem Land Cruiser zu Schiffspottern. Bei den Pedro Miguel Schleusen und in Gamboa, beides entlang des Panama Kanals schauen wir mit unseren Container Buddies den riesigen Dampfern zu. Obwohl schon vor 500 Jahren die Idee aufkam einen Kanal zu bauen, welcher die Karibik mit dem Pazifik verbindet, wurde erst Ende 19. Jahrhundert damit angefangen. Der erste Versuch der Franzosen misslang – aufgrund von Fehlplanungen und Tropenkrankheiten starben 25’000 Menschen. Der zweite Versuch der USA Anfang 20. Jahrhundert war dann erfolgreich. Danach folgten immer wieder Streitigkeiten über Besitz und Zuständigkeiten zwischen Panama und den USA- erst 1999 hat die USA sämtliche Rechte und Verantwortlichkeiten an Panama abgegeben. 8 bis 10 Stunden dauert die ca. 80 kilometerlange Kanaldurchfahrt. Kein Wunder haben wir in Panama City so viele Schiffe gesehen, die alle auf die Durchfahrt warten. Eine Durchfahrt ist kein Schnäppchen – bis zu 450’000 US Dollar kann sie kosten, je nach Volumen. Ungefähr 2 Milliarden Dollar werden damit jährlich generiert. Vielleicht bekommt der Kanal aber bald „anti-westliche“ Konkurrenz. Die Chinesen haben schon vor Jahren einen Deal mit Nicaragua abgeschlossen, um in Nicaragua einen Kanal zu bauen. Obwohl das Projekt lange auf Eis gelegt war und die dafür gegründete Kanalbau-Firma hauptsächlich für Geldwäsche genutzt wurde, wird das Projekt Gerüchten zufolge mit den derzeitigen Spannungen zwischen China, Nicaragua, Russland versus USA wieder aktueller. Die letzte Nacht im Land Cruiser geniessen wir direkt am Kanal bevor wir am Montag Morgen nach Colón für die Verladung fahren.

Die Verschiffung und Wasserprobleme

Mit unseren Container Buddies und Alejandro, der auch noch vorbeigeschaut hat

Wir kommen extra früh an, damit wir schon mal die Stahlfelgen montieren können. Raphi hat an alles gedacht, die Montage funktioniert einwandfrei. Zuerst verladen wir den Land Cruiser auf den Abschleppwagen, damit er auf der richtigen Höhe in den Container gerollt werden kann. Damit ist die Stunde der Wahrheit gekommen – und siehe da, es funktioniert! Es bleibt höchstens ca. 1 cm Spielraum, aber wir schaffen es rein – langsam – aber es klappt. Der Fiat unsrer Container Buddies ist weniger hoch und stellt somit kein Problem dar. Allerdings ist er breit, womit es eine wirkliche Herausforderung ist, nach dem Befestigen der Autos mit Spanngurten wieder hinaus zu klettern. Aber auch das klappt nach mehreren Anläufen. Dann wird der Container geschlossen und versiegelt. Unser Agent Boris hat schon alle Formalitäten erledigt und uns den Stempel im Pass geholt, damit wir das Land verlassen können. Wir dürfen das Land sonst nicht verlassen, wenn nicht bewiesen ist, dass das Auto ebenfalls draussen ist. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einem Bier ist dann der Abschied angesagt. Die anderen fahren zurück nach Panama City, wir werden von Boris zum Busbahnhof von Colón gefahren. Endlich können wir mit einem dieser restaurierten, wunderschön bemalten, haarsträubend-fahrenden, US Schulbussen fahren, von welchen es in Zentralamerika nur so wimmelt. Komfort ist anders, die Sitze sind ursprünglich ja für Kinder gedacht, aber es ist ein Erlebnis. Mit lauter Partymusik und innen blinkenden Lichtern werden wir für ca. 1 Dollar 1.5 Stunden lang nach Portobelo gefahren. Im verschlafenen karibischen Kaff wird 2 Tage später unser Segelturn nach Kolumbien ablegen und so bleiben wir hier in einem Airbnb bei einer sympathischen Familie (sie mit aufgeweckter Tochter aus Kamerun, er aus Kanada). Wir freuen uns darauf nach vielen Tagen ohne, wieder mal zu duschen und Handwäsche zu machen bevor wir 5 Tage auf dem Segelboot ohne Frischwasser verbringen. Umso frustrierter sind wir, als wir erfahren, dass im ganzen Dorf das Wasser abgestellt wurde. Wir können nicht duschen, nicht waschen, keine Hände waschen, nicht spülen. Und das im reichen Panama. Was für uns nur vorübergehend ein grosser Frust ist, ist für die Menschen hier Alltag. Aber eben, hier grüsst wieder mal die Ungleichheit. In Panama City besteht bei manchen die grösste Sorge wahrscheinlich daraus, sich auf dem Weg in den Prada Store der grössten Mall von Nord- und Südamerika zu verlaufen, während die Leute im Dorf tagelang nicht mal fliessend Wasser haben. Naja uns bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen uns mit Regenwasser in Kübeln auszuhelfen so gut es geht. Heute Abend geht dann unser Segeltrip nach San Blas los. Bis jetzt hat es in Portobelo geregnet, vielleicht schaffen wir es noch die eine oder andere Festung anzuschauen. Portobelo war zu Kolonialzeiten eine wichtige Hafenstadt, die von schweren Festungen geschützt wurde. Die Überbleibsel sind noch zu besichtigen, sind auch als UNESCO Weltkulturerbe geschützt. Sie sind aber so am zerfallen, dass sie auf die Rote Liste aufgenommen wurden, womit gedroht wird den Weltkulturerbestatus wieder zu streichen. Das wars mit unsrer Woche, nächstes Mal melden wir uns hoffentlich von Kolumbien.

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Unsere Route seit Reisebeginn durch Nord- und Zentralamerika:

Unsere Route bis Panama

Brennendes Lava im Masaya Krater

Vulkanboarding und -hopping in Nicaragua

Am Montagmorgen standen wir früh an der meist gefürchteten Grenze unsrer ganzen Reise: Dieser zu Nicaragua. Die Grenze ist nicht nur wegen den wie üblich komplizierten Prozessen berüchtigt, sondern auch aufgrund der rigorosen Kontrollen. So sind in Nicaragua Drohnen ganz verboten und andere Geräte wie zum Beispiel Funkgeräte auch nicht gerne gesehen. Jegliche Geräte halt, die irgendwie dazu genutzt werden könnten das Regime auszuspionieren, sind tabu. An der Grenze gibt es riesige Scanner, durch welche die meisten Touristen durchfahren müssen. Wir haben auch gehört wie andere schon dazu gezwungen wurden ihre ganzen Camper leerzuräumen und das Gepäck und den Camper dann separat durch den Scanner mussten. Wenn eine Drohne gefunden wird, was mit Scanner durchaus möglich ist, wird sie natürlich konfisziert.

Zettelkrieg an der Grenze

Wir haben uns den Grenzübergang ausgesucht, von welchem wir am wenigsten schlimme Geschichten gelesen haben und hatten Glück. In nur 2 Stunden waren wir durch, mussten nicht durch den Scanner und nichts wurde weggenommen. Wir mussten einen teuren PCR Test für die Einreise machen und uns 7 Tage vorher zeitaufwendig online anmelden, aber ansonsten bestand der Übergang aus dem üblichen Prozedere. Mit gefühlt Hunderten von Zettelchen jonglierend, die wir von verschiedenen Stellen und Personen an der Grenze erhielten und an anderen Stellen wieder abgaben, meistern wir den Grenzübergang.
Nach Kauf einer Simkarte finden wir als erstes Jemanden, der uns für 20 Dollar unser Loch in der Felge schweisst, durch welches Luft rauskommt. Danach fahren wir durchs Land und gewinnen erste Eindrücke. Nicaragua kommt uns ärmer vor, als wir es uns vorgestellt haben, d.h. nicht deutlich reicher als beispielsweise Honduras. Die Menschen leben sehr sehr einfach. Auf dem Land sieht man kaum Autos – dafür Ochsenkarren oder Pferdekarren, die immer nett Platz machen, wenn man auf der einspurigen Strasse vorbeifährt. Nutztiere wie Schweine, Hähne oder Küken laufen alle frei rum – man muss stets aufpassen nichts zu überfahren. Die Menschen sind grad auf dem Land sehr nett und grüssen immer. Wir hätten erwartet mehr Touristen anzutreffen, aber der Tourismus beschränkt sich auf ein paar sehr wenige Orte. Auffallend sind die vielen Polizeikontrollen, aber diese hängen mit dem Regime und dessen Umgang mit Opposition zusammen.
Der aktuelle Präsident hat, nachdem er die Regel aufgehoben hat, dass ein Präsident maximal 2 Regierungszyklen regieren darf, nach und nach demokratische Organe ausgehebelt und ist nach Unterdrückung der Opposition nun bereits zum vierten Mal hintereinander im Amt. Kämpfe und Unruhen zwischen Regierungsbefürwortenden und Protestierenden haben in den letzten Jahren zu vielen Toten geführt.

Boarding auf dem Cerro Negro Vulkan

Unser erstes Ziel ist der Cerro Negro Vulkan – der jüngste, aktivste Vulkan von Nicaraguas 19 aktiven Vulkanen. Dort können wir direkt am Fusse des Vulkans auf dem schwarzen Sand stehen und übernachten. Am Eingang mieten wir Vulkanboarding-Ausrüstung. Ja, man kann hier mit einem Holzbrett den Vulkan runterdüsen. So brechen wir am nächsten Morgen auf und schleppen unsere Boards 400 Höhenmeter rauf auf den Cerro Negro. Der Krater und die Aussicht sind eindrücklich. An vielen Orten dampft es, der Vulkan ist unübersehbar aktiv. Der Runterweg ist weniger anstrengend – wir ziehen den Schutzoverall, – brille und -handschuhe an und düsen auf dem Board sitzend den Vulkan runter. Eine lustige und andrenalinreiche Angelegenheit, wenn auch der Vulkanstaub trotz Brille in die Augen, Nasenlöcher, Ohren und auf die Lunge kommt.

Auf der Catedral de León

Revolutionäres León

Weiter gehts ins Städtchen León, wo wir Anouks Geburtstag feiern möchten und das erste Mal seit Mexico City vor 3 Monaten wieder in einem richtigen Bett schlafen und uns ein Hotel leisten. Das Hotel ist zwar eine grosse Enttäuschung (für 70 USD pro Nacht gibt es nicht mal eine warme Dusche), aber der Rest von León gefällt uns. Wir besuchen die Kathedrale von León – die grösste Zentralamerikas. Man kann sogar aufs Dach der weissen bis blendend schneeweissen Kathedrale, muss aber die Schuhe ausziehen, um das Weiss nicht zu beschmutzen. Ein weiterer Ausflug machen wir ins Muséo de la Revolucion, wobei Museum vielleicht übertrieben ist. Das alte historische Gebäude ist sehr heruntergekommen, hat Kugellöcher und ist innen voller Taubenkot. Die Ausstellung besteht aus ein paar Plakaten und alten Zeitungsausschnitten, welche die 1979 Revolution und wichtige Figuren dabei ehrt. Bis 1979 regierte eine diktatorische Familie, unterstützt von den USA, Nicaragua. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas gab es Guerilla-Bewegungen, in diesem Falle die Sandinistische Befreiungsfront. Nachdem ein desaströses Erdbeben die Hauptstadt komplett zerstörte, und darauf die internationalen Hilfsgelder hauptsächlich in die Taschen des Diktators wanderten war ein Wendepunkt erreicht. Die Revolution, getrieben von den Guerillakämpfern konnte durchgeführt werden. Die Jahre danach regierte die Befreiungsfront und führte demokratische Institutionen ein. Unter anderem aufgrund internationaler Sanktionen hatte die Regierung weiterhin Mühe das Land aus Misere und Armut zu erlösen, worauf sie bald durch eine konservative Regierung ersetzt wurde. Wirtschaftlich brachte diese zwar mehr Erfolg, brachte aber auch nie da gewesene Wellen der Korruption mit sich. So gewann irgendwann wieder Daniel Ortega mit seiner sandinistischen Befreiungsfront die Wahlen und untergräbt seither nach und nach die Demokratie. Extrem tragisch, auch die Rollen der USA und des Westens bei der Unterstützung der diktatorischen Kräfte und Einführung von Sanktionen dazumal gegen eine Regierung die einst Besserung brachte. León spielte während der Revolution 1979 eine treibende Rolle. Die eigentliche Attraktion des Museums ist es durch einen ehemaligen Guerillakämpfer, der selbst an vorderster Front mitgekämpft hatte, geführt zu werden. Er drückt uns die am Boden liegende kaputte Bazooka in die Hand und erzählt voller Leidenschaft von der Revolution, aber auch mit Ernsthaftigkeit von den Folterungen und all seinen gestorbenen Mitkämpfern. Obwohl die Tour in Spanisch ist, erzählt er so lebhaft und gestikreich, dass man ihn gut versteht. Interessant ist die Exkursion mit ihm aufs Dach des Gebäudes. Das Wellblechdach ist löchrig und fühlt sich so unstabil an, dass man sich bei jedem Schritt vorkommt wie bei Russisch Roulette – nicht wissend, ob man nun einstürzt oder nicht. Aber die Aussicht war wunderbar.

Am Kraterrand vom Telica Vulkan

Nach Léon fahren wir zum Telica Vulkan. Wir verfahren uns zuerst ein paar Mal – der Weg ist nicht häufig befahren und oft so bewachsen, dass wie ihn mit der Machete befreien müssen. Wenn dann begegnen wir hauptsächlich Ochsenkarren. So fühlen wir uns auch genug sicher am Fusse des Vulkans nach einem wunderschönen Sonnenuntergang zu übernachten. Am Morgen wandern wir zum Krater. Der riesige, dampfende Krater ist der
Wahnsinn. Wir können direkt am Kraterrand stehen, wo es senkrecht runter geht und es gibt keine Sicherheitsmassnahmen weit und breit – ziemlich furchteinflössend. Man atmet die Schwefeldämpfe ein und hören es unten brodeln.

Granada von der Auf der Iglesia La Merced aus

Vorzeigestadt Granada

Nach Telica gehts für uns weiter Richtung Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, wo wir nur anhalten, um ein paar Besorgungen zu machen. Wir wollen dem Masaya Vulkan einen Besuch abstatten, aber der ist nach einem Erdbeben grad zu aktiv. So fahren wir stattdessen zum Fort Fortaleza de Coyotepe. Hier können wir übernachten und haben zum Sonnenuntergang eine schöne Rundumaussicht auf das ganze Land. Der Wächter gibt uns nach Sonnenuntergang eine kurze Führung durch das Verlies unter dem Forts mit seiner düsteren Geschichte. Die vielleicht 20-Quadratmeter grossen Räume haben jeweils 100 von Gefangenen gleichzeitig beherbergt – teilweise jahrelang in vollkommener Dunkelheit. Er führte uns auch durch die Folterkammern, wo die Blutspuren noch deutlich auf den Wänden zu sehen sind. Weiter sind wir nach Granada, eine wunderschöne, elegante, grosszügig erbaute Stadt. Als eine der ersten Kolonialstädte in den Amerikas diente sie als Vorzeigestadt, mit welcher die Spanier der Welt beweisen wollten, was sie alles zu bieten haben. Inzwischen einige Male durch Kriege oder Naturkatastrophen zerstört und wieder aufgebaut ist sie wirklich sehr hübsch. Wir spazierten einen Tag lang in der touristischen Stadt herum und probierten lokales Essen aus.

Brodelndes Lava im Masaya

Beim zweiten Versuch klappt dann der Masaya Vulkan doch noch. Wir können bis zum Krater des Vulkans fahren und geniessen dort den Sonnenuntergang. Nach dem Eindunkeln bestaunen wir endlich die Besonderheit dieses Vulkans: Wir können im Krater des Masayas direkt das rot leuchtende brennende Lava beobachten. Wie sind schwer beeindruckt, wenn wir auch nicht ganz so nahe an den Kraterrand kommen wie beim Telica.

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Und so kann man sich das Vulkan-Boarden vorstellen:

Kartersee vom Volcán de Santa Ana

El Salvador und Honduras: Die berüchtigtsten Länder Zentralamerikas

Volcán de Santa Ana

Nachdem wir bereits letzte Woche einen guten Start in El Salvador hatten, sind wir als Nächstes zum Volcan Santa Ana gefahren, wo wir das letzte Stück im Rahmen einer geführten Tour hochlaufen müssen. Aufs Versehen haben wir beim Parken ein Privatevent gecrasht: Ein Anwesen, dessen Tor halb offen stand, sah für uns nach öffentlichem Parkplatz aus. Wir fuhren rein und erst als ein paar verwirrte, aber sehr nette Locals kamen und wir sie fragten, was das Parken kostet, dämmerte es uns langsam. Die Locals waren aber so nett und freuten sich über unseren Besuch El Salvadors. So durften wir gratis bleiben und bekamen sogar noch Essen angeboten, als wir später wiederkamen. Die Wanderung durch Nebelwald und Aloe Vera Pflanzen war mühsam in der Gruppe – wir laufen lieber in unserem Tempo – aber die Aussicht auf den gigantischen Krater gefüllt mit einem schönen Kratersee war es definitiv wert.

Küste von El Salvador

Danach fuhren wir wieder auf geringere Tiefen, wobei ein unappetitliches Problem zum Vorschein kam: Durch die Höhen- und damit verbundenen Druckunterschiede ist unsere Bordtoilette ausgelaufen (nur Pipi 🙂) , womit wir nun erstmal den ganzen Teppich säubern konnten. Das nächste Missgeschick passierte ausgerechnet genau an der Stelle (einem Aussichtspunkt), wo man nicht anhalten sollte, weil schon Leute Opfer von bewaffneten Raubüberfällen wurden. Die Radmuttern haben sich gelöst. Es gibt kein Ausweg, Raphi muss anhalten, bevor das Rad abfällt und es vorübergehend reparieren. Prompt kommen neugierige Familien, die helfen wollen, aber keine bewaffneten Räuber. Später, in der Hauptstadt San Salvador wollen wir die gelösten Radbolzen sichern. Im ersten Autoshop können sie es nicht machen, aber der Angestellte setzt sich in sein Auto damit wir ihm zu einer Werkstätte folgen, wo wir das Problem lösen können – echt nett. Da schon wieder Abend ist suchen wir einen Übernachtungsplatz. Im Block der US-Botschaft fragen wir den Wächter einer Strasse, ob wir uns vor ihn stellen können. Wir geben im als Dank ein 7UP und fühlen uns sicher.
Danach fahren wir die Küste an. In der Bucht Bahía de Jiquilisco finden wir endlose leere Strände mit dank der Vulkane schwarzem Sand. Wir fahren weiter zu den Stränden bei El Cuco, was wir später bereuen. Dies ist der einzige touristische Ort des Landes – die Wellen hier sind Weltklasse, da lassen sich Surfer nicht von Sicherheitsbedenken abhalten. Es ist alles relativ teuer und die Locals hier sind auch nicht mehr so nett. Schnell weg von da, Surfer sind wir ja nicht. Wir fahren eine abenteuerliche 4×4 Strasse zum Aussichtspunkt Espíritu de Montaña, wo wir auf den schönen mit Inseln versehenen Golf de Fonseca ausblicken. Auf dem Weg lesen wir jede Menge leckere Mangos von unzähligen Mangobäumen auf.

Kratersee, La Palma und Fazit El Salvador

Im Dorf Alegría

Auf dem Weg zurück Richtung Westen übernachten wir in einem Vulkankrater an einem Kratersee. Die Regenzeit ist am Kommen. Die ganze Nacht schüttet es aus Kübeln und gewittert so extrem, dass der Himmel dank den Blitzen eigentlich die ganze Zeit über weiss ist. Es donnert zudem so viel und stark, dass wir uns untereinander kaum mehr hören. Diese Situation war im Krater ein wenig unheimlich und schliesslich fahren wir mitten in der Nacht noch weiter weg vom Kratersee, da wir am nächsten Morgen nicht im See stehen möchten. Auf dem weiteren Weg besuchen wir das süsse Städtchen La Palma mit wiederum unzähligen Wandmalereien und lassen uns in San Salvador den angerissenen Auspuff für 25 Dollar schweissen. Auch hier sind die Leute unglaublich freundlich, wir kommen sofort an die Reihe und werden vom Chef persönlich bedient.
Danach heisst es auch schon wieder, uns von El Salvador zu verabschieden. Wir haben uns in das kleinste Land Zentralamerikas mit dem besten lokalen Käse seit Langem verliebt. Von vielen Reisenden komplett ausgelassen (man kann direkt über Honduras fahren) sind wir froh dies nicht gemacht zu haben.
Diese Anzahl an durchs Band extrem nette und interessierte Leute hatten wir bisher nirgendwo erlebt. Wir merken, wie sehr es die Leute freut, dass wir ihr Land besuchen. Wir wurden so oft angesprochen. Selbst beim Vorbeifahren haben andere Autofahrer ihr Fenster runtergelassen und uns überschwänglich begrüsst. Kaum zu glauben, dass das Land so stark mit Bandenkriminalität zu kämpfen hat und mit seiner hohen Mordrate eines der gefährlichsten Länder weltweit sein soll. Momentan herrscht aufgrund der hohen Mordrate sogar Ausnahmezustand, d.h. die Rechte der Bürger werden im Namen der Justiz beschnitten (Verhaftungen sind ohne Haftbefehl möglich, Versammlungsfreiheit wird eingeschränkt etc.). Interessant zu wissen ist auch, dass El Salvador als offizielle Währung einzig den US Dollar und den Bitcoin akzeptiert. Die Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel ist allerdings ein Flop – die Bevölkerung traut der Bitcoin App der Regierung oder Bitcoin selbst nicht und nur 5 % aller Verkäufe wurden 2022 in Bitcoin getätigt. Die Regierung gibt aber nicht auf – so soll am Fusse des Conchagua Vulkans eine steuerfreie Bitcoin City entstehen, in welcher die Geothermik-Energie des Vulkans genutzt werden soll, um unter anderem Servercenter für Bitcoin-Rechenoperationen zu betreiben.

In Honduras angekommen

Honduras

Weiter geht’s ins nächste von Reisenden vernachlässigte und oft nur innerhalb von 3 Stunden durchfahrene Land – Honduras. Die Prozesse an den Grenzen werden mühsamer (wie müssen uns online voranmelden, dabei unzählige Fragen beantworten, die wir an der Grenze nochmals an etwa 2 oder 3 Stellen beantworten müssen. Wenigstens werden hier die unzähligen Kopien von den Beamten selbst gemacht. Ansonsten muss man einen Bündel von Kopien in allen Variationen (schwarz-weiss / farbig) mitbringen und für die Kopie des Stempels im Pass, die man ja nicht im Voraus machen kann, an der Grenze umherstiefeln bis man einen Laden findet, der einem die Kopie macht. Wer sich über die Bürokratie in der Schweiz ärgert, sollte mal für eine Art Schocktherapie nach Zentralamerika reisen. Honduras ist wieder anders (krass wieviel eine Grenze ausmacht). Wir treffen ebenfalls auf sehr nette Menschen, aber die meisten Leute sind zurückhaltender, grüssen auch fast nie. Wir wissen nicht, ob es Misstrauen ist, Angst, Schüchternheit oder ob sie einfach lieber unter sich bleiben möchten. Andere ausländischen Touristen gibt es kaum (wir sehen keinen einzigen in unseren 4 Tagen Honduras). Ganz schlimm sind die Fahrmanöver. Mexico und unsere bisherigen zentralamerikanischen Länder waren ja schon haarsträubend genug, aber nach den Strassen Honduras sind wir wirklich froh noch am Leben zu sein. Keine Ahnung, wieso sich die Leute Gedanken um Kriminalität machen – bei diesen Fahrmanövern haben wir ganz andere Sorgen. Oft gibt es pro Fahrtrichtung nur eine Spur. Es gibt viele langsame Fahrzeuge auf der Strasse (massiv überladene Lastwagen einerseits, und gefühlt 50-jährige Autos ohne Leistung andererseits), so dass die ganze Zeit überholt wird. Dabei wird aber überhaupt nicht berücksichtigt, dass ja Gegenverkehr kommen könnte (schon gar nicht bei Kurven). Man hofft einfach, dass wenn es Gegenverkehr gibt, dieser nicht zu breit ist und schnell genug ist um auszuweichen. Uns blieb mehr als einmal das Herz fast stehen. 

Stele bei den Copán Ruinen

Als erstes fahren wir nach Copán. Diese riesige Maya-Ruinenstätte ist vielleicht der Ort wo normalerweise noch die meisten Touristen hinkommen (als Tagesausflug von Guatemala), aber selbst hier sind wir alleine. Die Ruinen sind eindrücklich, insbesondere die vielen wunderschönen Stele – Steinpfeiler, auf welchen Herrscher verewigt wurden, sowie die in Stein gehauene Dekorationen der Gebäude. Obwohl das Gebiet 2000 Jahre lang bewohnt war, stammen die meisten Gebäude von der Blütezeit zwischen 400 -800 n.Chr.. Unter den Tempeln befinden sich oft noch ältere Tempel, die wiederum weitere Strukturen überdecken. Hauptgrund für den Niedergang dieser Maya-Stadt waren innere Unruhen. Diese waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich Wiederstand breit machte, als beim Stein schleppen für den Bau der pompösen Tempel die Arbeiter wegstarben. Ein besonders Highlight war die hieroglyphische Treppe – eine Treppe mit über 60 Stufen voller Hieroglyphen. diese erfassen die gesamte Geschichte von Copán. Ca. 80% der mehreren Tausend Hieroglyphen konnte von Archäologen bereits entziffert werden. Ein anderes Highlight der Ruinenstätte waren die vielen roten riesigen Aras, die da hausen. Es war für uns das erste Mal diese wunderschönen Vögel wild zu sehen.

Cataratas de Pulhapanzak

Pulhapanzak Wasserfälle und Murals

Nach Copán fuhren wir zu den Wasserfällen Cataratas de Pulhapanzak. Aus vielen Löchern sprudelt das Wasser raus und bildet einen schönen Wasserfall. Wir konnten da auch gleich campen und genossen die ganze Nacht die laute Musik und Feierlichkeiten des Muttertagfests nebendran. Ja auch die Honduraner können feiern. Im schönen und mit Wandmalereien versehene Städtchen Ajuterique legen wir einen Zwischenhalt ein, um danach in der Hauptstadt ein paar Stunden im Stau zu stehen.

In Cantarranas

Es fängt an zu schütten. Richtig krass wie hier bei Regenschauer das Wasser in regelrechten Wasserfällen Treppen runterströmt oder wie wir teils durch fast knietiefes Wasser laufen müssen. Nach dem PCR Test, den wir für die nächste Grenze brauchen fliehen wir aus der Hauptstadt in einen Naturpark, wo wir übernachten. Am letzten Tag in Honduras schauen wir uns wieder 2 wunderschöne Dörfchen an – Valle de Angeles und Cantarranas. In Valle de Angeles (Tal der Engel) sind gemäss dem Namen überall Engelsflügel zu sehen und in Cantarranas ist die Strassenkunst wirklich nicht mehr zu überbieten – wir finden hier die schönsten und fantasievollsten Murals seit Beginn der Reise.

Fazit Honduras

Am letzten Nachmittag fahren wir in die Nähe der Grenze für letzte Grenzvorbereitungen, aber einen Übernachtungsort zu finden, stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Schliesslich fragen wir bei einem schicken Hotel an. Es ergibt sich eine komische Situation. Der Mann mit seiner Familie der das Hotel managed ist total gastfreundlich, muss aber den Eigentümer in Kanada fragen, welcher aber unerreichbar ist. Es ist alles sehr edel und nigelnagelneu, es gibt aber keine anderen Gäste, irgendwie auch kaum Gästezimmer zu sehen und das Restaurant ist auch geschlossen. Der nette Mann gibt uns aber das Wifi Passwort, wir dürfen Toilette und alles gratis benutzen, er freut sich über den Besuch. Nun sitzen wir immer noch da wie bestellt und nicht abgeholt und warten auf den Bescheid, ob wir da bleiben dürfen oder nicht.
Fazit: Wir sind sehr froh dem Land eine kurze Chance gegeben zu haben und haben die Zeit sehr genossen, wenn wir uns auch ein wenig „fehler“ am Platz gefühlt haben, als beispielsweise in El Salvador. Wir haben uns nie bedroht gefühlt, aber es gab ein, zwei Situationen, wo es uns doch leicht unwohl war. Die Armut ist deutlich höher als in El Salvador – das Land hat viele Jahrzehnte unter Gewalt, Repression, Revolutionen, Korruption und Konflikten gelitten und es noch nicht aus der Abwärtsspirale rausgeschafft, wenn die Perspektiven auch besser aussehen als auch schon. Gerne wären wir noch tiefer in Land und Leute eingetaucht und aber es fehlt einfach die Zeit.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Wir haben 50’000 Kilometer auf den Amerikas überschritten – hier unsere Route bis jetzt:

Route bis El Salvador