El Salvador und Honduras: Die berüchtigtsten Länder Zentralamerikas

Volcán de Santa Ana

Nachdem wir bereits letzte Woche einen guten Start in El Salvador hatten, sind wir als Nächstes zum Volcan Santa Ana gefahren, wo wir das letzte Stück im Rahmen einer geführten Tour hochlaufen müssen. Aufs Versehen haben wir beim Parken ein Privatevent gecrasht: Ein Anwesen, dessen Tor halb offen stand, sah für uns nach öffentlichem Parkplatz aus. Wir fuhren rein und erst als ein paar verwirrte, aber sehr nette Locals kamen und wir sie fragten, was das Parken kostet, dämmerte es uns langsam. Die Locals waren aber so nett und freuten sich über unseren Besuch El Salvadors. So durften wir gratis bleiben und bekamen sogar noch Essen angeboten, als wir später wiederkamen. Die Wanderung durch Nebelwald und Aloe Vera Pflanzen war mühsam in der Gruppe – wir laufen lieber in unserem Tempo – aber die Aussicht auf den gigantischen Krater gefüllt mit einem schönen Kratersee war es definitiv wert.

Küste von El Salvador

Danach fuhren wir wieder auf geringere Tiefen, wobei ein unappetitliches Problem zum Vorschein kam: Durch die Höhen- und damit verbundenen Druckunterschiede ist unsere Bordtoilette ausgelaufen (nur Pipi 🙂) , womit wir nun erstmal den ganzen Teppich säubern konnten. Das nächste Missgeschick passierte ausgerechnet genau an der Stelle (einem Aussichtspunkt), wo man nicht anhalten sollte, weil schon Leute Opfer von bewaffneten Raubüberfällen wurden. Die Radmuttern haben sich gelöst. Es gibt kein Ausweg, Raphi muss anhalten, bevor das Rad abfällt und es vorübergehend reparieren. Prompt kommen neugierige Familien, die helfen wollen, aber keine bewaffneten Räuber. Später, in der Hauptstadt San Salvador wollen wir die gelösten Radbolzen sichern. Im ersten Autoshop können sie es nicht machen, aber der Angestellte setzt sich in sein Auto damit wir ihm zu einer Werkstätte folgen, wo wir das Problem lösen können – echt nett. Da schon wieder Abend ist suchen wir einen Übernachtungsplatz. Im Block der US-Botschaft fragen wir den Wächter einer Strasse, ob wir uns vor ihn stellen können. Wir geben im als Dank ein 7UP und fühlen uns sicher.
Danach fahren wir die Küste an. In der Bucht Bahía de Jiquilisco finden wir endlose leere Strände mit dank der Vulkane schwarzem Sand. Wir fahren weiter zu den Stränden bei El Cuco, was wir später bereuen. Dies ist der einzige touristische Ort des Landes – die Wellen hier sind Weltklasse, da lassen sich Surfer nicht von Sicherheitsbedenken abhalten. Es ist alles relativ teuer und die Locals hier sind auch nicht mehr so nett. Schnell weg von da, Surfer sind wir ja nicht. Wir fahren eine abenteuerliche 4×4 Strasse zum Aussichtspunkt Espíritu de Montaña, wo wir auf den schönen mit Inseln versehenen Golf de Fonseca ausblicken. Auf dem Weg lesen wir jede Menge leckere Mangos von unzähligen Mangobäumen auf.

Kratersee, La Palma und Fazit El Salvador

Im Dorf Alegría

Auf dem Weg zurück Richtung Westen übernachten wir in einem Vulkankrater an einem Kratersee. Die Regenzeit ist am Kommen. Die ganze Nacht schüttet es aus Kübeln und gewittert so extrem, dass der Himmel dank den Blitzen eigentlich die ganze Zeit über weiss ist. Es donnert zudem so viel und stark, dass wir uns untereinander kaum mehr hören. Diese Situation war im Krater ein wenig unheimlich und schliesslich fahren wir mitten in der Nacht noch weiter weg vom Kratersee, da wir am nächsten Morgen nicht im See stehen möchten. Auf dem weiteren Weg besuchen wir das süsse Städtchen La Palma mit wiederum unzähligen Wandmalereien und lassen uns in San Salvador den angerissenen Auspuff für 25 Dollar schweissen. Auch hier sind die Leute unglaublich freundlich, wir kommen sofort an die Reihe und werden vom Chef persönlich bedient.
Danach heisst es auch schon wieder, uns von El Salvador zu verabschieden. Wir haben uns in das kleinste Land Zentralamerikas mit dem besten lokalen Käse seit Langem verliebt. Von vielen Reisenden komplett ausgelassen (man kann direkt über Honduras fahren) sind wir froh dies nicht gemacht zu haben.
Diese Anzahl an durchs Band extrem nette und interessierte Leute hatten wir bisher nirgendwo erlebt. Wir merken, wie sehr es die Leute freut, dass wir ihr Land besuchen. Wir wurden so oft angesprochen. Selbst beim Vorbeifahren haben andere Autofahrer ihr Fenster runtergelassen und uns überschwänglich begrüsst. Kaum zu glauben, dass das Land so stark mit Bandenkriminalität zu kämpfen hat und mit seiner hohen Mordrate eines der gefährlichsten Länder weltweit sein soll. Momentan herrscht aufgrund der hohen Mordrate sogar Ausnahmezustand, d.h. die Rechte der Bürger werden im Namen der Justiz beschnitten (Verhaftungen sind ohne Haftbefehl möglich, Versammlungsfreiheit wird eingeschränkt etc.). Interessant zu wissen ist auch, dass El Salvador als offizielle Währung einzig den US Dollar und den Bitcoin akzeptiert. Die Einführung des Bitcoins als Zahlungsmittel ist allerdings ein Flop – die Bevölkerung traut der Bitcoin App der Regierung oder Bitcoin selbst nicht und nur 5 % aller Verkäufe wurden 2022 in Bitcoin getätigt. Die Regierung gibt aber nicht auf – so soll am Fusse des Conchagua Vulkans eine steuerfreie Bitcoin City entstehen, in welcher die Geothermik-Energie des Vulkans genutzt werden soll, um unter anderem Servercenter für Bitcoin-Rechenoperationen zu betreiben.

In Honduras angekommen

Honduras

Weiter geht’s ins nächste von Reisenden vernachlässigte und oft nur innerhalb von 3 Stunden durchfahrene Land – Honduras. Die Prozesse an den Grenzen werden mühsamer (wie müssen uns online voranmelden, dabei unzählige Fragen beantworten, die wir an der Grenze nochmals an etwa 2 oder 3 Stellen beantworten müssen. Wenigstens werden hier die unzähligen Kopien von den Beamten selbst gemacht. Ansonsten muss man einen Bündel von Kopien in allen Variationen (schwarz-weiss / farbig) mitbringen und für die Kopie des Stempels im Pass, die man ja nicht im Voraus machen kann, an der Grenze umherstiefeln bis man einen Laden findet, der einem die Kopie macht. Wer sich über die Bürokratie in der Schweiz ärgert, sollte mal für eine Art Schocktherapie nach Zentralamerika reisen. Honduras ist wieder anders (krass wieviel eine Grenze ausmacht). Wir treffen ebenfalls auf sehr nette Menschen, aber die meisten Leute sind zurückhaltender, grüssen auch fast nie. Wir wissen nicht, ob es Misstrauen ist, Angst, Schüchternheit oder ob sie einfach lieber unter sich bleiben möchten. Andere ausländischen Touristen gibt es kaum (wir sehen keinen einzigen in unseren 4 Tagen Honduras). Ganz schlimm sind die Fahrmanöver. Mexico und unsere bisherigen zentralamerikanischen Länder waren ja schon haarsträubend genug, aber nach den Strassen Honduras sind wir wirklich froh noch am Leben zu sein. Keine Ahnung, wieso sich die Leute Gedanken um Kriminalität machen – bei diesen Fahrmanövern haben wir ganz andere Sorgen. Oft gibt es pro Fahrtrichtung nur eine Spur. Es gibt viele langsame Fahrzeuge auf der Strasse (massiv überladene Lastwagen einerseits, und gefühlt 50-jährige Autos ohne Leistung andererseits), so dass die ganze Zeit überholt wird. Dabei wird aber überhaupt nicht berücksichtigt, dass ja Gegenverkehr kommen könnte (schon gar nicht bei Kurven). Man hofft einfach, dass wenn es Gegenverkehr gibt, dieser nicht zu breit ist und schnell genug ist um auszuweichen. Uns blieb mehr als einmal das Herz fast stehen. 

Stele bei den Copán Ruinen

Als erstes fahren wir nach Copán. Diese riesige Maya-Ruinenstätte ist vielleicht der Ort wo normalerweise noch die meisten Touristen hinkommen (als Tagesausflug von Guatemala), aber selbst hier sind wir alleine. Die Ruinen sind eindrücklich, insbesondere die vielen wunderschönen Stele – Steinpfeiler, auf welchen Herrscher verewigt wurden, sowie die in Stein gehauene Dekorationen der Gebäude. Obwohl das Gebiet 2000 Jahre lang bewohnt war, stammen die meisten Gebäude von der Blütezeit zwischen 400 -800 n.Chr.. Unter den Tempeln befinden sich oft noch ältere Tempel, die wiederum weitere Strukturen überdecken. Hauptgrund für den Niedergang dieser Maya-Stadt waren innere Unruhen. Diese waren unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich Wiederstand breit machte, als beim Stein schleppen für den Bau der pompösen Tempel die Arbeiter wegstarben. Ein besonders Highlight war die hieroglyphische Treppe – eine Treppe mit über 60 Stufen voller Hieroglyphen. diese erfassen die gesamte Geschichte von Copán. Ca. 80% der mehreren Tausend Hieroglyphen konnte von Archäologen bereits entziffert werden. Ein anderes Highlight der Ruinenstätte waren die vielen roten riesigen Aras, die da hausen. Es war für uns das erste Mal diese wunderschönen Vögel wild zu sehen.

Cataratas de Pulhapanzak

Pulhapanzak Wasserfälle und Murals

Nach Copán fuhren wir zu den Wasserfällen Cataratas de Pulhapanzak. Aus vielen Löchern sprudelt das Wasser raus und bildet einen schönen Wasserfall. Wir konnten da auch gleich campen und genossen die ganze Nacht die laute Musik und Feierlichkeiten des Muttertagfests nebendran. Ja auch die Honduraner können feiern. Im schönen und mit Wandmalereien versehene Städtchen Ajuterique legen wir einen Zwischenhalt ein, um danach in der Hauptstadt ein paar Stunden im Stau zu stehen.

In Cantarranas

Es fängt an zu schütten. Richtig krass wie hier bei Regenschauer das Wasser in regelrechten Wasserfällen Treppen runterströmt oder wie wir teils durch fast knietiefes Wasser laufen müssen. Nach dem PCR Test, den wir für die nächste Grenze brauchen fliehen wir aus der Hauptstadt in einen Naturpark, wo wir übernachten. Am letzten Tag in Honduras schauen wir uns wieder 2 wunderschöne Dörfchen an – Valle de Angeles und Cantarranas. In Valle de Angeles (Tal der Engel) sind gemäss dem Namen überall Engelsflügel zu sehen und in Cantarranas ist die Strassenkunst wirklich nicht mehr zu überbieten – wir finden hier die schönsten und fantasievollsten Murals seit Beginn der Reise.

Fazit Honduras

Am letzten Nachmittag fahren wir in die Nähe der Grenze für letzte Grenzvorbereitungen, aber einen Übernachtungsort zu finden, stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Schliesslich fragen wir bei einem schicken Hotel an. Es ergibt sich eine komische Situation. Der Mann mit seiner Familie der das Hotel managed ist total gastfreundlich, muss aber den Eigentümer in Kanada fragen, welcher aber unerreichbar ist. Es ist alles sehr edel und nigelnagelneu, es gibt aber keine anderen Gäste, irgendwie auch kaum Gästezimmer zu sehen und das Restaurant ist auch geschlossen. Der nette Mann gibt uns aber das Wifi Passwort, wir dürfen Toilette und alles gratis benutzen, er freut sich über den Besuch. Nun sitzen wir immer noch da wie bestellt und nicht abgeholt und warten auf den Bescheid, ob wir da bleiben dürfen oder nicht.
Fazit: Wir sind sehr froh dem Land eine kurze Chance gegeben zu haben und haben die Zeit sehr genossen, wenn wir uns auch ein wenig „fehler“ am Platz gefühlt haben, als beispielsweise in El Salvador. Wir haben uns nie bedroht gefühlt, aber es gab ein, zwei Situationen, wo es uns doch leicht unwohl war. Die Armut ist deutlich höher als in El Salvador – das Land hat viele Jahrzehnte unter Gewalt, Repression, Revolutionen, Korruption und Konflikten gelitten und es noch nicht aus der Abwärtsspirale rausgeschafft, wenn die Perspektiven auch besser aussehen als auch schon. Gerne wären wir noch tiefer in Land und Leute eingetaucht und aber es fehlt einfach die Zeit.

Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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Wir haben 50’000 Kilometer auf den Amerikas überschritten – hier unsere Route bis jetzt:

Route bis El Salvador

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