Der wunderschöne Cotopaxi

Erlebnisse von 0 bis 5200 m.ü.M. in Ecuador

Da in Eile, haben wir uns für Ecuador nur eine gute Woche Zeit genommen. Wir hoffen aber Ecuador irgendwann noch ausgiebiger erkunden zu können, vielleicht in Kombination mit einem Besuch der Galapagos Inseln.

Quito und der Äquator

Äquator Faxen

Nach dem Aufenthalt auf dem deutschen Campingplatz Sommerwind sind wir weiter Richtung 2 Mio. Einwohner Hauptstadt Quito. Auf dem Weg besuchen wir den an manchen Tagen grössten Markt Südamerikas in Otovalo und kaufen Anouk einen Poncho, der in den Anden warm geben soll. Raphi wurde nicht fündig. Nördlich von Quito passieren wir den Äquator. Wir verzichten darauf das touristische Monument mitsamt gemalter Äquatorlinie zu besuchen. Dieses liegt an falscher Stelle, da sich ein paar Missionare dazumal um ein paar hundert Meter vertan haben. Stattdessen suchen wir die Catequilla Stätte auf, eine abgelegene, kaum besuchte und unkommerzialisierte Ruine aus Prä-Inkazeiten (8. Jahrhundert), welches als astronomisches Observatorium diente und genau auf dem Äquator liegt. Es befindet sich zugleich ein neues Monument daneben, welches sich gut dazu eignete, ein paar Äquator Fotos zu schiessen.
In Quito treffen uns mit einem Ecuadorianischen Pärchen, welches selber bereits mit dem Motorrad Südamerika bereist hat und mit welchem wir dank einer Facebook Gruppe in Kontakt stehen. Sie haben uns nicht nur Unmengen Reisetipps und Routen mit auf den Weg gegeben, sondern sind auch von ausserhalb der Stadt anreist, um uns Quito zu zeigen und uns dann ins edle Restaurant einzuladen (keine Widerrede möglich). Er ist interessanterweise Müller und hat in der Schweiz eine Müllerausbildung gemacht, da es bei St. Gallen eine renommierte Schule dafür gibt, was wir nicht mal wussten.
Die Innenstadt Quitos geniessen wir sehr, die Kolonialbauten sind prächtig, die Kirchen innen wunderschön detailreich mit viel Gold geschmückt. Sie gefallen uns mehr als die oft simplen Kirchen, die wir bisher in Lateinamerika gesehen haben. Quito war dank seiner Kolonialbauten die erste UNESCO Weltkulturerbestadt.
Ausserhalb der Innenstadt wirkt die Stadt ein wenig trostlos, viele Läden sind geschlossen, wenig Leute zu Fuss unterwegs, die Fassaden sind graffitiverschmiert. Man merkt, dass es Ecuador wirtschaftlich schlecht geht. Schon vor der Pandemie war Ecuador verschuldet und hat dann in Vereinbarung mit dem IWF Sparmassnahmen ergriffen wie öffentliche Ausgaben und Benzinsubventionen zu streichen. Dies hat zu Aufruhr in der Bevölkerung geführt. Mit der Pandemie ist die Arbeitslosigkeit und Armut massiv gestiegen, Ecuador hat erst sehr spät die Grenzen wieder geöffnet und so treffen mit Covid-19 diese Sparmassnahmen alle noch viel härter. Erst vor ein paar Wochen hat es massive Proteste, Streiks und Blockaden im ganzen Land gegeben, bis die Regierung Kompromisse eingegangen ist, wie den regulierten Treibstoffpreis wieder zu senken.
In Quito bleiben wir 2 halbe Tage und geniessen dabei die lokale Küche, die übrigens sehr lecker ist – Kartoffelsuppe mit Avocado und Käse, riesige luftige Empanadas (frittierte Teigtaschen) mit Käse gefüllt, warme Bananen vom Grill mit Käse gefüllt, Canelazos – heisser Punch mit Aguardiente (Zuckerrohrschnaps) oder Ponche, aufgeschäumter Eierpunch. Auf Cuy verzichten wir vorläufig. Cuy sind Meerschweinchen, die auf dem Land überall am Strassenrand an Drehspiessen gegrillt werden. In Quito machen wir auch wieder mal eine für uns nicht nachvollziehbare, in unseren Augen völlig abstruse Geschäftserfahrung, die wohl in Europa nie geschehen würde: Wir holen eine Seilwinde ab, die wir für die Amazonasdurchquerung bestellt haben und die wir Wochen davor bereits per Überweisung anbezahlt haben. Nachdem die Transaktion vollständig war (wir den Restbetrag per Banktransfer bezahlt haben und die Seilwinde in unserem Auto liegt) kommt der Chef des Ladens und will plötzlich 20% mehr. Es ist ihm aufgefallen, dass seine Bank ihm 20% Kommission berechnet. Er macht uns den Vorwurf, dass wir das hätten wissen sollen (als ob wir die AGB’s seiner Bank kennen, in Kolumbien haben wir ohne Probleme mehrmals per Transfer bezahlt). Der Chef wollte ja das Geld per Banktransfer, und wenn er die Konditionen seiner Bank nicht kannte, dann hätte er spätestens nach der Anzahlung die Kommission bemerken sollen. Riesige Diskussionen, einige Stunden und dem guten Support unsrer Bank (Revolut) später können wir das Problem lösen.

Der Vulkan Cotopaxi

Der Cotopaxi ist mit einer Höhe von 5911 Metern der zweithöchste Gipfel Ecuadors und ein aktiver Vulkan. Wir schaffen mit dem Land Cruiser den bisherigen Höherekord: den Parkplatz auf ca. 4600 Höhemetern am Vulkan. Von dichtem Nebel umgeben und enttäuscht den Vulkan nicht zu sehen beschliessen wir den Nachmittag auf dem Parkplatz im Auto zu verbringen. Irgendwann beschliessen wir doch noch ein paar Schritte zu laufen, wenn wir doch schon da sind. Aus den paar Schritten wird dann der ganze Weg bis ins Basislager auf 4864 Metern. Die paar fehlenden Höhemeter zur 5000er Marke konnten wir nicht auf uns sitzen lassen und so wandern wir weiter bis wir komplett spontan mit 5200 Metern unseren bisherigen Rekord von bisschen mehr als 5000 Metern in Mexico brechen und fast den Gletscher erreichen. Inzwischen sind auch die Wolken grösstenteils weg und die Aussicht herrlich!
Der Vulkan ist wunderschön, mit grünen bis goldenen Feldern zu Fusse, grau-schwarzem und weiter oben rötlichem Mittelteil aus Erde und Vulkanasche bis zum weissen mit Schnee und Gletschern bedeckten Gipfel. Als Belohnung gibts auf unserem wunderschönen Übernachtungsort mit dem Cotopaxi als Kulisse wieder mal ein Fondue zum Znacht.

Ein Kratersee und ein in Wolken versteckter Gigant und Rückkehr zu den Walen

Unseren Weiterweg führt durch idyllische Strassen und indigene Dörfer zur Laguna Quilatoa. Dieser Kratersee ist mit 250 Metern extrem tief und hat eine wunderschöne blaugrüne Farbe dank der Mineralien von ehemaligen Vulkanausbrüchen. Unterwegs folgen wir nach einem Hinweisschild einen Umweg zu einer total abgelegen auf einem Berg liegender Käserei. Wir dürfen der Käserin bei der Herstellung zuschauen, dabei probieren und kaufen leckeren, gealterten Hartkäse (eine Seltenheit hier). Es stellt sich heraus, dass diese herzliche Käserei-Familie von einem Schweizer unterrichtet wurde. Bei der Lagune angekommen verzichten wir aufgrund des Regens auf einen grösseren Spaziergang und fahren weiter zum grössten Vulkan Südamerikas und höchsten Berg Ecuadors. Dessen Gipfel ist der Ort der Welt, welcher am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt ist und zugleich am nächsten bei den Sternen ist – der Vulkan Chimborazo. Grund, dass er mit „nur“ 6264 Metern über Meer den Mount Everest mit der Höhendefinition ab Erdkern übertrifft, ist, dass die Erde nicht perfekt rund ist sondern entlang des Äquators breiter.
Wir finden einen Wildcampingspot direkt am Berg umgeben von jeder Menge Vicuñas. Diese Alpaka-ähnlichen Tiere waren einst bedroht und in Ecuador komplett ausgestorben. Inzwischen sind sie geschützt und durch gespendete Tiere von Peru und Bolivien ist auch in Ecuador beim Chimborazo wieder eine Population vorhanden. Wir sind überrascht, wie gut wir die Höhe in Ecuador vertragen und auch stets auf 4000 Metern gut übernachten. Der einzige, der Probleme schiebt, ist unser Feueralarm. Dieser fängt oft in der Nacht aufgrund von Sauerstoffmangel (Kohlenmonoxid- Überfluss) an zu lärmen bis wir schliesslich die Batterie rausnehmen müssen, um nicht immer aufzuwachen.

Den Dschungel Ecuadors lassen wir aus, dafür fahren wir an die Pazifikküste. Wir erfrischen uns im Pazifik am Los Frailes Strand und fahren nach Puerto Lopez. Von dort aus wollen wir einen Ausflug auf die aufgrund ihrer Artenvielfalt mit dem Spitznamen Poor Mans Galapagos versehenen Insel „Isla La Plata“ machen. Da langes Wochenende ist, ist der Ausflug leider bereits ausgebucht und so entscheiden wir uns für eine Waltour. Buckelwale kommen jeweils von Juni bis September vom Antarktis nach Ecuador vor die Küste von Puerto Lopez um sich zu paaren und zu gebären. Da sie sich in der Paarungsphase befinden, sind jede Menge besonderer Verhaltungsweisen zu beobachten, wie zum Beispiel, dass die Männchen grossartige Sprünge machen, um Weibchen zu beeindrucken.
Nach unseren wunderschönen Walerlebnissen auf der Baja war diese Tour eine der gemischten Gefühle. Wir kamen zwar nah an die Wale ran und es war eindrücklich sie so nahe springen zu sehen, aber in unseren Augen wurde überhaupt nicht aufs Tierwohl geachtet. Jeweils 5-6 grosse Boote verschiedener Tourgesellschaften umkreisten die Wale und kamen dabei bis zu 2-3 Meter nahe ans Tier, während in Theorie 100 Meter Abstand eingehalten werden müssen. Das war traurig. Auf einer Boje sahen wir immerhin ein paar Blaufusstölpel oder mit griffigerem englischen Namen „Boobies“ – tollpatschig aussehende Vögel mit knallblauen Flossen und Schnabeln, einer der typischen Vogelarten der Galapagos.

Wunderschönes Cuenca

Nach einer weiteren Nacht am Strand weiter südlich überqueren wir erneut wunderschönes Andengebirge und treffen dabei zufällig ein deutsches Langzeitreise-Pärchen, welches seit 2016 mit dem Camper in Südamerika unterwegs ist. Wir unterhalten uns sehr lange mit ihnen, tauschen Erfahrungen aus (sie kommen von der südlichen Richtung, wir von der nördlichen), verabschieden uns und fahren weiter in die Stadt Cuenca. Wir stellen unser Auto in der Nähe eines Parks ab, lustigerweise genau wie das Pärchen, welches wir bereits wenige Stunden zuvor getroffen haben und so besichtigen wir die Stadt gemeinsam. Die drittgrösste Stadt des Landes ist ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe. Die Innenstadt ist wunderschön mit ihren Kolonialbauten, den aufwendigen Fassaden, den grosszügigen, mit Geranien versehenen Innenhöfen, der Lage am Fluss und den Kopfsteinpflasterstrassen. Auf dem Dach der Catedral de la Inmaculada Concepción geniessen wir die Aussicht über die Stadt und schlendern danach durch die Strassen bevor wir auf einem winzigen Minibalkon die Happy Hour geniessen.

Eine spannende Gratwanderung zum Abschied

Unseren letzten Tag in Ecuador fahren wir wieder viel. Beim Cerro Mandango legen wir einen Halt ein, wo wir eine aufregende Rundwanderung abseits der Touristenpfade machen. Der erste Teil hoch zu einem Aussichtspunkt auf dem Berg ist sehr steil, anstrengend und bei Locals einigermassen beliebt, aber danach treffen wir keinen mehr an. Wir laufen ein paar Kilometer den Grat entlang und es ist furchterregend. Links und rechts geht es sehr steil runter, auch wenn es einem aufgrund der hohen Büsche manchmal nicht so bewusst ist. Es braucht extreme Aufmerksamkeit, damit man sich nicht vertritt. Teils ist der Grat auch selbst steil, was Halt zu finden bei diesem Boden aus loser Erde noch schwieriger macht. Nachdem wir den Grat verlassen haben mussten wir uns ein paar Kilometer lang durch Büsche kämpfen, wobei wir immer wieder den Weg verloren. Zum Glück waren die Tausenden von Spinnenwaben, von welchen der letzte Kommentator der Wanderung vor ein paar Monaten gewarnt hat weg. Ja, das war abenteuerlich und auf eine Art spassig, aber wir tragen einige Andenken davon (Kratzer und ein paar Löcher in den Kleidern). Das war auch bereits unser Abschied vom schönen, vielfältigen Ecuador mit den stets sehr freundlichen Menschen. Wir fahren bis es dunkel wird, und bekommen netterweise von einem Wächter die Erlaubnis auf einer bewachten Baustelle vor dem Grenzübertritt am nächsten Tag kostenlos zu übernachten. Ja, Ecuador möchten wir irgendwann nochmals besuchen, es gibt noch so viel zu sehen und auch hier haben wir uns sehr willkommen und stets sicher gefühlt!

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Ein Platz am schwarzen Sandstrand

Auto-Rettungsmissionen und Flussdurchquerungen in Nicaragua und Costa Rica

Der Land Cruiser auf der Fähre

Isla de Ometepe

Nicaragua besitzt den grössten See Zentralamerikas, den Lago de Nicaragua. Mitten drin sitzt die Isla de Ometepe, die mit 270 km² grösste Vulkaninsel auf einem See weltweit. Sie besteht aus 2 Vulkanen und kann trotz der Grösse in ein paar wenigen Stunden einmal umrundet werden. Wir nehmen die Fähre auf die Insel, um dort 2 Tage zu verweilen. Für einmal ist dies ein erfrischend unkomplizierter Prozess und nach 1.5 Stunden sind wir auch bereits auf der Insel. Da man die Vulkane nur im Rahmen von geführten Ganztagestouren besteigen kann, verzichten wir darauf und möchten deswegen einen Wasserfall besuchen.

Der Mazda im See

Auf dem Weg werden wir von mit Händen fuchtelnden Locals angehalten. Völlig baff sehen wir, dass da ein weisses Auto ca. 10 Meter weit vom Ufer im See steckt. Schon alleine von der Strasse zum Ufer ist der Abstand mindestens 20 Meter lang. Mit der Machete befreien wir den Absprung zum See vom gröbsten Gestrüpp und fahren über die Felsen runter. Es stellt sich heraus, dass der norwegische Fahrer des Mazdas Gas und Bremse verwechselt hat und mit dem Auto über den Absprung im See gelandet ist, wobei der See das Auto dann noch weiter raus getrieben hat. Gut, dass niemand verletzt wurde. Dummerweise wurde automatisch der Notfallmodus des Autos aktiviert, welcher die elektrische Handbremse zog und wir diese nicht lösen konnten. Somit hat die Rettungsaktion mehrere Stunden gedauert. Zuerst brauchten wir viele Anläufe bis wir den Mazda auf unseren Sandblechen aus dem See ziehen konnten. Dann haben wir die Räder gelöst, um den Motor der Handbremse zu entfernen und sie so versucht zu lösen. Ohne gelöste Handbremse wäre es unmöglich gewesen, den Vorsprung auf die Strasse zu überwältigen. Nach langem Hin und Her haben wir es geschafft und mussten dann ein paar Äste eines Baumes absägen, um den Vorsprung mit dem Land Cruiser hochfahren zu können und das Auto hinterherzuziehen. Mit „wir“ ist dabei hauptsächlich Raphi gemeint und ein paar Locals. Irgendwann war alles geschafft und der Mazda stand auf der Strasse, parat für den Mechaniker.

Unser Spot am See mit Vulkankulisse

Für den Wasserfall wars dann auch zu spät und so fanden wir ein Übernachtungsort am Seeufer, wo wir sicher freistehen konnten. Als nebendran ein Boot von lokalen Fischern voller Holz ankommt bindet Raphi das Holz ans Auto, lädt die Fischer auf und fährt es zu ihnen ins nächste Dorf nach Hause. So macht man sich bei den Locals beliebt.
Am nächsten Tag versuchen wir es das zweite Mal mit dem Wasserfall. Mit dem Land Cruiser können wir einen Grossteil der Strecke per 4×4 Track überwältigen. Danach müssen wir trotzdem noch wandern, was in der Hitze ziemlich schweisstreibend ist. Auf die Erfrischung am Wasserfall freuten wir uns zu früh, die paar Tröpfchen (es ist erst Beginn der Regensaison) reichen nicht, um den Schweiss wegzuwaschen. Dafür geniessen wir die Gesellschaft von vielen wunderschönen Schmetterlingen und Brüllaffen. Am Abend finden wir einen schönen Ort für den Sonnenuntergang, wo wir auch gleich übernachten können.

Playa Popoyo in Nicaragua

Am nächsten Tag nehmen wir die Fähre zurück aufs Festland. Unseren letzten Tag und Nacht in Nicaragua möchten wir noch an der Küste verbringen. Auch dieser Küstenabschnitt ist beliebt bei Surfern und so finden wir sogar ein Campingplatz mit richtiger Ausstattung. Die umfangreiche Einrichtung müssen wir ausnutzen und so geniessen wir vor lauter Putzen und Waschen kaum den Strand – es reicht bloss für einen kleinen Spaziergang zu Gezeitenpools.

Fazit Nicaragua

Ja, Nicaragua hat uns sehr gefallen mit Ausnahme vom Hotel in León und der politischen Entwicklung. Es gab viel zu sehen, viele Tiere (Affen, wunderschöne Vögel und Schmetterlinge), hübsche Städte, überraschend viele relativ wilde Orte. Die Menschen waren sehr nett und herzlich und wir fühlten uns stets sicher -so sicher, dass wir oft freistanden. Es ist definitiv ein Land, welches wir wieder besuchen würden und von welchem wir denken, dass es grosses Potential hat. Wir haben aus Zeitgründen nur einen kleinen Teil gesehen – es wäre sicher spannend gewesen, auch die kaum erschlossene Karibikküste zu erkunden.

Einreise nach Costa Rica

So machen wir uns am nächsten Morgen wehmütig auf zur Grenze. Die Ausreise aus Nicaragua ist deutlich komplizierter und mühsamer als die Einreise. Auch hier haben wir Angst, dass wir doch noch durch den Scanner geschickt werden und uns die Drohne weggenommen wird. Die Frau vom nicaraguanischen Zoll scheint auch ein wenig sadistisch veranlagt zu sein – Leute die sie nicht mag, nimmt sie auseinander. Auch uns fragt sie einige Male, ob wir eine Drohne dabei haben und überlegt sich uns durch den Scanner zu schicken. Wir benehmen uns so gut und höflich wie möglich. Sie scheint uns zum Glück zu mögen und lässt uns ohne tiefergreifende Kontrollen durch. Auch die Einreise nach Costa Rica ist umständlich, aber verläuft dann ebenfalls reibungslos.
Wie waren im November ja bereits 2 Wochen in Costa Rica, um unsere USA Aufenthaltsbewilligung um nochmals 3 Monate zu verlängern.

Ein Plätzchen am einsamen Strand auf dem Nicoya Peninsula

Nachdem wir den Rest von Zentralamerika kennen, ist die Rückkehr nach Costa Rica ziemlich ernüchternd. Es ist verdammt teuer, wir sehen mehr Gringos als Einheimische, es ist alles geordnet, es gibt keine Strassenverkäufer oder Fruchtstände mehr und keine Tiere auf der Strasse. Nur die Strassen sind gleichbleibend miserabel, wenn nicht sogar schlechter. Anhand der Kommentare bei potentiellen Übernachtungsplätzen anderer Reisender ist es auch nicht sicherer – im Gegenteil wir lesen viel mehr von Überfällen, wobei es natürlich hier auch mehr Reisende gibt. Eine positive Beobachtung machen wir aber dennoch: Es liegt viel weniger Müll rum, als in den anderen von uns besuchten Ländern Zentralamerikas. Und es fehlen zwar die grösseren Tiere auf der Strasse, aber durch die viele Krebse, die sich auf der Strasse sonnen, wird die Fahrt trotzdem zum Spiessrutenlauf. Und wir freuen uns aufs Freistehen an Traumstränden und eine vielfältige Tierwelt.

Nicoya Peninsula

Raphi holt Mangos von den Bäumen

Die ersten Tagen verbringen wie mit Beach Hopping auf dem Nicoya Peninsula. Wir fahren einfach von Strand zu Strand und wo es uns gefällt bleiben wir für eine Nacht. Da alle Sehenswürdigkeiten und Nationalparks so teuer sind (pro Person 20 USD oder mehr), haben wir kein schlechtes Gewissen den Grossteil auszulassen. Vieles kennen wir ja auf die ein oder andere Weise schon vom Besuch im November oder weil wir es in den Nachbarländern oder Mexico ähnlich gesehen haben. Es tut uns gut einmal ein nicht so volles Programm zu haben wie sonst. Es ist Beginn der Regensaison und oft regnet es für kurze Zeit am Nachmittag und einmal auch gleich einen ganzen Tag lang. Die „Strassen“ sehen auch dementsprechend aus und sind manchmal richtige Schlammlöcher oder halbe Bäche. Schon am zweiten Tag müssen wie wieder ein Auto aus einem Schlammloch rausziehen. Lustigerweise hat ein anderes Auto angehalten, um zu schauen oder zu helfen, welches dann ebenfalls gleich feststeckte, womit wir dieses ebenfalls rausziehen musste. Die vielen Flussdurchquerungen sind auch spannend: Man weiss nie wie tief das Wasser ist und wenn man Krokodile drinnen schwimmen sieht, hat man auch keine grosse Lust das zuerst zu erkunden. Wir haben Freude am Baden in den wilden Wellen im Pazifik, finden einsame Plätze an einsamen Stränden und sammeln jede Menge Mangos und Kokosnüsse zum Essen. Nächste Woche wollen wir dann noch ein wenig mehr unternehmen 🙂

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Zeitraffer von der Isla Ometepe nach Sonnenuntergang:

Brennendes Lava im Masaya Krater

Vulkanboarding und -hopping in Nicaragua

Am Montagmorgen standen wir früh an der meist gefürchteten Grenze unsrer ganzen Reise: Dieser zu Nicaragua. Die Grenze ist nicht nur wegen den wie üblich komplizierten Prozessen berüchtigt, sondern auch aufgrund der rigorosen Kontrollen. So sind in Nicaragua Drohnen ganz verboten und andere Geräte wie zum Beispiel Funkgeräte auch nicht gerne gesehen. Jegliche Geräte halt, die irgendwie dazu genutzt werden könnten das Regime auszuspionieren, sind tabu. An der Grenze gibt es riesige Scanner, durch welche die meisten Touristen durchfahren müssen. Wir haben auch gehört wie andere schon dazu gezwungen wurden ihre ganzen Camper leerzuräumen und das Gepäck und den Camper dann separat durch den Scanner mussten. Wenn eine Drohne gefunden wird, was mit Scanner durchaus möglich ist, wird sie natürlich konfisziert.

Zettelkrieg an der Grenze

Wir haben uns den Grenzübergang ausgesucht, von welchem wir am wenigsten schlimme Geschichten gelesen haben und hatten Glück. In nur 2 Stunden waren wir durch, mussten nicht durch den Scanner und nichts wurde weggenommen. Wir mussten einen teuren PCR Test für die Einreise machen und uns 7 Tage vorher zeitaufwendig online anmelden, aber ansonsten bestand der Übergang aus dem üblichen Prozedere. Mit gefühlt Hunderten von Zettelchen jonglierend, die wir von verschiedenen Stellen und Personen an der Grenze erhielten und an anderen Stellen wieder abgaben, meistern wir den Grenzübergang.
Nach Kauf einer Simkarte finden wir als erstes Jemanden, der uns für 20 Dollar unser Loch in der Felge schweisst, durch welches Luft rauskommt. Danach fahren wir durchs Land und gewinnen erste Eindrücke. Nicaragua kommt uns ärmer vor, als wir es uns vorgestellt haben, d.h. nicht deutlich reicher als beispielsweise Honduras. Die Menschen leben sehr sehr einfach. Auf dem Land sieht man kaum Autos – dafür Ochsenkarren oder Pferdekarren, die immer nett Platz machen, wenn man auf der einspurigen Strasse vorbeifährt. Nutztiere wie Schweine, Hähne oder Küken laufen alle frei rum – man muss stets aufpassen nichts zu überfahren. Die Menschen sind grad auf dem Land sehr nett und grüssen immer. Wir hätten erwartet mehr Touristen anzutreffen, aber der Tourismus beschränkt sich auf ein paar sehr wenige Orte. Auffallend sind die vielen Polizeikontrollen, aber diese hängen mit dem Regime und dessen Umgang mit Opposition zusammen.
Der aktuelle Präsident hat, nachdem er die Regel aufgehoben hat, dass ein Präsident maximal 2 Regierungszyklen regieren darf, nach und nach demokratische Organe ausgehebelt und ist nach Unterdrückung der Opposition nun bereits zum vierten Mal hintereinander im Amt. Kämpfe und Unruhen zwischen Regierungsbefürwortenden und Protestierenden haben in den letzten Jahren zu vielen Toten geführt.

Boarding auf dem Cerro Negro Vulkan

Unser erstes Ziel ist der Cerro Negro Vulkan – der jüngste, aktivste Vulkan von Nicaraguas 19 aktiven Vulkanen. Dort können wir direkt am Fusse des Vulkans auf dem schwarzen Sand stehen und übernachten. Am Eingang mieten wir Vulkanboarding-Ausrüstung. Ja, man kann hier mit einem Holzbrett den Vulkan runterdüsen. So brechen wir am nächsten Morgen auf und schleppen unsere Boards 400 Höhenmeter rauf auf den Cerro Negro. Der Krater und die Aussicht sind eindrücklich. An vielen Orten dampft es, der Vulkan ist unübersehbar aktiv. Der Runterweg ist weniger anstrengend – wir ziehen den Schutzoverall, – brille und -handschuhe an und düsen auf dem Board sitzend den Vulkan runter. Eine lustige und andrenalinreiche Angelegenheit, wenn auch der Vulkanstaub trotz Brille in die Augen, Nasenlöcher, Ohren und auf die Lunge kommt.

Auf der Catedral de León

Revolutionäres León

Weiter gehts ins Städtchen León, wo wir Anouks Geburtstag feiern möchten und das erste Mal seit Mexico City vor 3 Monaten wieder in einem richtigen Bett schlafen und uns ein Hotel leisten. Das Hotel ist zwar eine grosse Enttäuschung (für 70 USD pro Nacht gibt es nicht mal eine warme Dusche), aber der Rest von León gefällt uns. Wir besuchen die Kathedrale von León – die grösste Zentralamerikas. Man kann sogar aufs Dach der weissen bis blendend schneeweissen Kathedrale, muss aber die Schuhe ausziehen, um das Weiss nicht zu beschmutzen. Ein weiterer Ausflug machen wir ins Muséo de la Revolucion, wobei Museum vielleicht übertrieben ist. Das alte historische Gebäude ist sehr heruntergekommen, hat Kugellöcher und ist innen voller Taubenkot. Die Ausstellung besteht aus ein paar Plakaten und alten Zeitungsausschnitten, welche die 1979 Revolution und wichtige Figuren dabei ehrt. Bis 1979 regierte eine diktatorische Familie, unterstützt von den USA, Nicaragua. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas gab es Guerilla-Bewegungen, in diesem Falle die Sandinistische Befreiungsfront. Nachdem ein desaströses Erdbeben die Hauptstadt komplett zerstörte, und darauf die internationalen Hilfsgelder hauptsächlich in die Taschen des Diktators wanderten war ein Wendepunkt erreicht. Die Revolution, getrieben von den Guerillakämpfern konnte durchgeführt werden. Die Jahre danach regierte die Befreiungsfront und führte demokratische Institutionen ein. Unter anderem aufgrund internationaler Sanktionen hatte die Regierung weiterhin Mühe das Land aus Misere und Armut zu erlösen, worauf sie bald durch eine konservative Regierung ersetzt wurde. Wirtschaftlich brachte diese zwar mehr Erfolg, brachte aber auch nie da gewesene Wellen der Korruption mit sich. So gewann irgendwann wieder Daniel Ortega mit seiner sandinistischen Befreiungsfront die Wahlen und untergräbt seither nach und nach die Demokratie. Extrem tragisch, auch die Rollen der USA und des Westens bei der Unterstützung der diktatorischen Kräfte und Einführung von Sanktionen dazumal gegen eine Regierung die einst Besserung brachte. León spielte während der Revolution 1979 eine treibende Rolle. Die eigentliche Attraktion des Museums ist es durch einen ehemaligen Guerillakämpfer, der selbst an vorderster Front mitgekämpft hatte, geführt zu werden. Er drückt uns die am Boden liegende kaputte Bazooka in die Hand und erzählt voller Leidenschaft von der Revolution, aber auch mit Ernsthaftigkeit von den Folterungen und all seinen gestorbenen Mitkämpfern. Obwohl die Tour in Spanisch ist, erzählt er so lebhaft und gestikreich, dass man ihn gut versteht. Interessant ist die Exkursion mit ihm aufs Dach des Gebäudes. Das Wellblechdach ist löchrig und fühlt sich so unstabil an, dass man sich bei jedem Schritt vorkommt wie bei Russisch Roulette – nicht wissend, ob man nun einstürzt oder nicht. Aber die Aussicht war wunderbar.

Am Kraterrand vom Telica Vulkan

Nach Léon fahren wir zum Telica Vulkan. Wir verfahren uns zuerst ein paar Mal – der Weg ist nicht häufig befahren und oft so bewachsen, dass wie ihn mit der Machete befreien müssen. Wenn dann begegnen wir hauptsächlich Ochsenkarren. So fühlen wir uns auch genug sicher am Fusse des Vulkans nach einem wunderschönen Sonnenuntergang zu übernachten. Am Morgen wandern wir zum Krater. Der riesige, dampfende Krater ist der
Wahnsinn. Wir können direkt am Kraterrand stehen, wo es senkrecht runter geht und es gibt keine Sicherheitsmassnahmen weit und breit – ziemlich furchteinflössend. Man atmet die Schwefeldämpfe ein und hören es unten brodeln.

Granada von der Auf der Iglesia La Merced aus

Vorzeigestadt Granada

Nach Telica gehts für uns weiter Richtung Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, wo wir nur anhalten, um ein paar Besorgungen zu machen. Wir wollen dem Masaya Vulkan einen Besuch abstatten, aber der ist nach einem Erdbeben grad zu aktiv. So fahren wir stattdessen zum Fort Fortaleza de Coyotepe. Hier können wir übernachten und haben zum Sonnenuntergang eine schöne Rundumaussicht auf das ganze Land. Der Wächter gibt uns nach Sonnenuntergang eine kurze Führung durch das Verlies unter dem Forts mit seiner düsteren Geschichte. Die vielleicht 20-Quadratmeter grossen Räume haben jeweils 100 von Gefangenen gleichzeitig beherbergt – teilweise jahrelang in vollkommener Dunkelheit. Er führte uns auch durch die Folterkammern, wo die Blutspuren noch deutlich auf den Wänden zu sehen sind. Weiter sind wir nach Granada, eine wunderschöne, elegante, grosszügig erbaute Stadt. Als eine der ersten Kolonialstädte in den Amerikas diente sie als Vorzeigestadt, mit welcher die Spanier der Welt beweisen wollten, was sie alles zu bieten haben. Inzwischen einige Male durch Kriege oder Naturkatastrophen zerstört und wieder aufgebaut ist sie wirklich sehr hübsch. Wir spazierten einen Tag lang in der touristischen Stadt herum und probierten lokales Essen aus.

Brodelndes Lava im Masaya

Beim zweiten Versuch klappt dann der Masaya Vulkan doch noch. Wir können bis zum Krater des Vulkans fahren und geniessen dort den Sonnenuntergang. Nach dem Eindunkeln bestaunen wir endlich die Besonderheit dieses Vulkans: Wir können im Krater des Masayas direkt das rot leuchtende brennende Lava beobachten. Wie sind schwer beeindruckt, wenn wir auch nicht ganz so nahe an den Kraterrand kommen wie beim Telica.

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Und so kann man sich das Vulkan-Boarden vorstellen:

Ausbruch des Fuego's bei Nacht

Campen neben dem Lava-spuckenden Fuego Vulkan und Weiterfahrt nach El Salvador

Chichicastenango

Friedhof in Chichicastenango

Nach Antigua sind wir weiter nach Chichicastenango, Heimat des scheinbar grössten Aussenmarktes Lateinamerikas. Der Markt war schon vor Ankunft der Spanier einer der wichtigsten Handlungsorte für die Maya und wird auch heute noch hauptsächlich von den K’iche Maya besucht. Der Markt ist riesig, bunt und es wird alles verkauft, was das Herz begehrt, auch wieder lebendige Tiere. Inmitten des Marktes steht die Kirche Santo Tomas. Auf den Treppen werden wunderschöne Blumen verkauft, Feuer gemacht, Weihrauch verbrannt und Opfergaben bereitgestellt. In der Kirche selbst findet gerade eine Taufzeremonie statt. Wir besuchen den Friedhof Chichicastenango. Die riesigen Gräber sind bunt und mit viel Liebe und den Interessen der Verstorbenen wahrend dekoriert – ein schöner Anblick. Normalerweise wird zum Beispiel die Lieblingsfarbe des Toten für das Grab genutzt. Neben dem Friedhof stossen wir auf einen weiteren Schrein, wo die Maya ebenfalls Zeremonien abhalten.

Lago de Atitlán

Raphi am Atitlan See

Weiter fahren wir zum Lago de Atitlán – See. Der riesige pittoreske See, umgeben von Vulkanen wird total gehypt von Backpackern, der alternativen Szene, Spirituellen und vielen mehr. Entsprechend gibt es hier alles was das Hipster-Herz begehren könnte – von spirituellen Feuerzeremonien, schamanischer Heilung im Yoga-Wald (ja, der heisst so) bis zu Festivals zur Erweiterung des spirituellen Bewusstseins mit LSD-Microdosaging. Wir haben keine Zeit dafür – wir wollen nämlich pünktlich zum schön vorhergesagten Wetter den Vulkan zurück bei Antigua besteigen. So beschränken wir uns, eine Nacht am See zu campen und am Morgen ein paar süsse Dörfer um den See mit dem Boot-Collectivo zu erkunden. Die kleinen Motorboote funktionieren wie Fähren, d.h. sie gabeln auf der Strecke immer neue Passagiere auf und laden sie beim gewünschten Stopp ab, man muss nur auf sich aufmerksam machen. Süss sind auch all die Tuktuks die rumfahren – oft werden sie von den Besitzern bemalt, getunt und mit riesen Musikboxen ausgestattet. Wir laufen auf eine schön bemalte Aussichtsplattform und verabschieden uns dann leider auch bereits wieder vom See.

Volcán Acatenango und Volcán de Fuego

Ausbruch des Fuego’s bei Nacht

Wir fahren zurück Richtung Antigua. Hier übernachten wir am Fusse des Acatenango Vulkans auf 2500 Metern. Am nächsten Tag laufen wir hoch auf den Vulkan. Ziel ist, den aktiven (aber zuletzt 1972 ausgebrochenen) Acatenango Vulkan zu besteigen und dabei Aussicht auf den hyperaktiven Zwillingsvulkan Fuego zu haben. Im Gegensatz zu so gut wie allen anderen gehen wir ohne Tour, müssen dafür aber Zelt, Schlafmatte, Schlafsäcke, Essen und Wasser selber schleppen und durch die verschiedenen Wege selbst navigieren. Wir gehen früh los, um nicht inmitten von Tourgruppen festzustecken. Die Wanderung ist schön. Zuerst durch Wiesen und Pinienwäldern, dann durch Dschungel / Nebelwald und schliesslich Eichenwald, bis sich dieser lichtet und man nur noch in teils schön bunten Büschen auf der schwarzen Vulkanasche läuft. Es ist durchaus anstrengend, vor allem mit den 12 Kilo (Anouk) und 16 Kilo (Raphi) Gepäck, welches wir schleppen. Da wir uns für den westlichen Weg entschieden haben und die meisten Tourgruppen östlich laufen treffen wir auf dem Wanderweg praktisch Niemanden an. Nach guten 4 Stunden und 1200 Höhemetern erreichen wir endlich die Terrassen mit Aussicht auf den Fuego. Dies zu diesem Zeitpunkt nur theoretisch, da wir uns den ganzen Nachmittag in einer Nebelsuppe befinden. Plötzlich hören wir ein extrem lautes, wütendes Donnern. Zuerst total erschreckt stellen wir schliesslich fest, dass das einfach ein Ausbruch von Fuego ist. Umso unheimlicher, wenn man den Vulkan aufgrund der Wolken nicht sehen kann. Bei den Terrassen wo man campen kann ist niemand anzutreffen. Wir haben damit gerechnet einer Tour Geld geben zu müssen, um eine Terrasse mit unserem Zelt mitnutzen zu dürfen, aber es ist ja niemand da. Eine Zeitlang machen wir uns Sorgen, ob die Touren vielleicht aufgrund von schlimmen Gewittern oder einem Vulkanausbruch abgesagt wurden, aber nach ein paar Stunden kommt dann doch eine einzige Tourgruppe, die aber weit unter uns campt. Wir fühlen uns fitter als erwartet und bereuen nicht den östlichen Tourgruppen-Weg genommen zu haben. Von dort hätten wir uns nämlich noch einer Tour anschliessen können, die noch weiter geht und zwar auf den Kamm des Fuego Vulkans selbst. Diese Fortsetzung ist ohne Tour zu riskant und von unsrem Standort nur mit einem mehrstündigen Umweg möglich. Als wir in der Dunkelheit die Lichter der Stirnlampen auf dem Kamm des Fuegos sehen und wie links und rechts davon Lavabrocken runterkrachen und sie in Vulkanstaub-Asche eingedeckt werden sind wir wieder halbwegs froh, es nicht gemacht zu haben. Der Ausflug war auch so abenteuerlich genug. Mit Sonnenuntergang verschwanden die Wolken und wir konnten die ganze Nacht, die im Intervall von 10 bis 20 Minuten erfolgenden Ausbrüche des Fuegos mit spuckender und fliessenden Lava aus nächster Nähe vom Zelt aus mitverfolgen. Jedes Mal ist der Ausbruch mit tosendem Lärm verbunden – die Kraft der Natur hier ist einfach unbeschreiblich. Durch den Lärm und die Kälte konnten wir zwar kaum schlafen, aber das machte nichts. Das Erlebnis war einzigartig, unvergesslich und als Gesamtereignis die mit Sicherheit tollste Wanderung, die wir je gemacht haben.

Warten auf den Sonnenaufgang

Um 4 Uhr morgens packten wir unsere Sachen zusammen und liefen die restlichen 300 Höhemeter auf den Krater des Acatenango hoch. Hier haben wir weiterhin schöne Aussicht auf den Fuego: Mit Tagesanbruch sieht man die Lava weniger, dafür die starke Rauchwolke besser. Der Sonnenaufgang ist wunderschön und ein wenig Nebelmeer haben wie auch dabei. Eindrücklich ist der Schatten des Berges. Erschöpft machen wir uns auf den Runterweg.

Abschied von Guatemala

Die beste Lasagne vom Dutch Oven

Da wir wieder mal waschen und Anderes erledigen müssen, fahren wir zurück in die schöne Stadt Antigua. Der Inhaber eines Event-Schlossgartens lässt hier Overlander auf dem Parkplatz übernachten und da Antigua allgemein sehr beliebt ist, ist man hier meistens nicht alleine. Und siehe da, zufällig kommen die Schweizer wieder, die wir bereits an den heissen Wasserfällen in Guatemala getroffen haben, wir treffen Holländer wieder, die wir in Mexico getroffen haben, eine deutsche Familie im Feuerwehrtruck, die wir von vergangener Woche in Antigua kennen und eine amerikanische Familie mit welcher wir bereits über soziale Netzwerke in Kontakt waren. Die schönste Überraschung war Steffi und Karsten von Dino Adventure kennenzulernen. Die beiden sind seit 2019 auf der Panamericana unterwegs und wir haben schon lange vor dem Start unsrer Reise ihre Youtube Videos gekuckt und uns dabei auf unsere eigene Reise gefreut. Wir hätten dabei nie gedacht, dass wir sie je einholen würden, aber die Pandemie hat halt so manche Pläne durcheinander gebracht. Mit all diesen Reisenden verbringen wir so 2 super Abende auf dem Stellplatz inklusive Lasagne im Dutch Oven (die beste seit sehr sehr langem) und S’Mores (Marshmellows überm Feuer mit Schokolade und Keks). Danach heisst es leider weiter für uns.
Auf dem Weg zur Grenze repariert Raphi noch den kapputten Reifen von ein paar Locals, worauf wir zu mehreren Kokosnüssen eingeladen werden. Wir übernachten auf einer Tankstelle und überqueren am nächsten Morgen die Grenze. Es ist schade, dass wir so im Zeitdruck sind. Wir haben das Gefühl dass wir Guatemala mit seinen Naturwundern und seiner Jahrhunderten alten, immer noch stark gelebten Maya Kultur und dem angenehmen Klima viel zu wenig Zeit gegeben haben. Aber mit dem Verschiffungstermin im Juni ab Panama sind wir nun halt im Zeitdruck.

Ankunft in El Salvador

Die Grenzübergänge werden zwar konstant komplizierter und langwieriger, aber es hält sich noch in Grenzen. Immerhin waren die Beamten an der salvatorischen Grenze extrem zuvorkommend, höflich, konnten meist sogar Englisch und haben uns erst noch bevorzugt behandelt. Man merkt – hier kommen nicht viele Touristen hin. Wir fahren ins nächste Dorf – holen uns eine Simkarte und werden dabei wieder extrem höflich, interessiert und bevorzugt behandelt. Die Leute sind überrascht, dass wir den weiten Weg von der Schweiz in ihr Land auf uns nehmen und heissen uns stets herzlich willkommen. Auf dem Markt essen wir Frühstück. Es gibt Pupusas, das Nationalgericht El Salvadors. Es handelt sich dabei um frisch gefüllte Maisteigtaschen – mit ganz viel Käse und weiteren Zutaten nach Wunsch – die frisch gefüllt und dann gegrillt werden. Wir folgen der Ruta de Flores weiter und machen einen Abstecher bei Los Ausoles – eine geothermische Fläche mit sprudelnden Schlamm- und Dampflöchern im Boden. Man muss aufpassen, wo man hintritt. Im schönen Städtchen Ataco gönnen wir uns nach einem Spaziergang ein Fondue in einem Restaurant namens La Raclette mit Gouda und Sangria (da es kein Weisswein hat). Spezielle Kombination und das Fondue ist leider auch geschieden, aber irgendwie trotzdem lecker.

Sprudelndes Schlammloch

Danach besuchen wir die Kaffeeplantage El Carmen und lernen im Rahmen einer Tour vieles über die Kaffeeherstellung. Leider ist die Produktionssaison seit Februar zu Ende – die Früchte sind bereits abgeerntet und der Beginn der Regensaison ist unvorteilhaft für das an der Sonne trocknen lassen der Kaffeebohnen. Deswegen laufen die Maschinen momentan nicht. Interessant war, wie die unterschiedlichen Verarbeitungen zu unterschiedlichen Sorten führen – zum Beispiel werden für unterschiedliche Arten von Kaffee verschieden viele Schichten der Kaffeebohnen vor der Trocknung entfernt. Vieles wird hier manuell gemacht – die wenigen Maschinen sind alle aus dem Jahr 1930. Die Bohnen werden auch nach Grösse, Gewicht und Farbe sortiert – die kleinsten und teils durch Lebewesen durchlöcherte Bohnen werden für Instantkaffee verwendet. Die grossen und schweren werden für Premiumkaffee verwendet und vor Versand nochmals handverlesen. Diesen Schritt haben wir gesehen – die Frauen sitzen am mit Kaffeebohnen belegten Fliessband, nehmen die Bohnen zusammen, picken blitzschnell die schlechten Kaffeebohnen raus und schon bewegt sich das Fliessband weiter. Absolut bewundernswert. Für den monotonen Job erhalten die Frauen pro Tag 10 Dollar, vor ein paar Jahren waren es noch 5. Nicht weniger leid tun uns die Arbeiter, die die bis zu 70 Kg schweren Säcke voller Kaffeebohnen schleppen und für den Export vorbereiten. Nur die Bohnen für den lokalen Gebrauch werden vorher geröstet, die für den Export bestimmten werden von den Käuferfirmen selbst geröstet, da die Röstmethode sehr unterschiedlich je nach lokalem Geschmack gewählt wird. Wir trinken noch was mit Irländern, welche wir auf der Tour kennenlernen und vergessen dabei die Zeit. Prompt gelangen wir so auf dem Weg in die nächste Stadt in die Dunkelheit. Toll. Ausgerechnet in diesen laut Statistiken gefährlichem Land brechen wir die goldene Regel, nicht bei Dunkelheit zu fahren. Im Städtchen Juayua wollen wir ein Food Festival besuchen, welches leider bereits zu Ende ist. Unsere Suche nach einem bewachten Parkplatz läuft ebenfalls schlecht – sieht so aus, als ob wir in unsrer ersten Nacht im Land mit der im Jahr 2021 höchsten Mordrate weltweit freistehen müssen. Wir fragen bei der Polizei an und können dann immerhin in der Strasse direkt vor der Polizeistation übernachten. Wir essen in der Pupuseria nebendran spotbillig Pupusas mit verschiedener Füllung und gehen dann zufrieden über den Verlauf des ersten Tages in diesem bis jetzt für uns wunderbaren Land schlafen.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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Vom Dschungel in den Schnee auf dem Festland Mexikos

Unsere Fähre in Mazatlán

Nach 4 Wochen auf der Halbinsel Baja sind wir auf Mexikos Festland angekommen. Das Übersetzen aufs Festland ging erstaunlich einfach. Statt für die normale Passagierfähre haben wir uns für die Truckerfähre entschieden, da sie günstiger ist und man sogar im Auto schlafen darf. Da man das Ticket nicht im Voraus kaufen kann und wir vom Prozess viel Haarsträubendes gehört haben, waren wir bereits um 12.00 Uhr am Hafen, obwohl die Fähre erst Abends ablegen sollte (die Planabfahrtszeit weiss niemand so genau). Innerhalb von 15 Minuten waren wir mit dem ganzen Prozess (Militärkontrolle, Auto wiegen und messen, Ticket kaufen) durch, standen als erste bei der Fähre und konnten dann 5 Stunden aufs Boarding warten. Typisch Schweizer 🙂 Auf der Fähre wars aber super, die Trucker und das Fährpersonal alle sehr nett, man konnte duschen und das einfache aber leckere Abendessen und Frühstück war im Preis inbegriffen. Am nächsten Tag um ca. 10.00 Uhr fuhren wir dann als letzte (da als erste auf dem Schiff) in Mazatlán aus dem Fährgelände.

Mazatlán

Der Land Cruiser an unserem Palmenstrand

Zuerst machen wir einen Spaziergang zu El Faro, einer der mit 135m höchst gelegenen Leuchttürme der Welt, und geniessen die Aussicht. Von der Fähre aus hatten wir südlich der Stadt einen endlosen, einsamen von Palmen gesäumten Sandstrand gesehen, welchen wir uns nicht entgehen lassen wollten. Die Palmen gehören zu Plantagen, aber der Strand ist wie jeder Strand in Mexico per Gesetz öffentlich. Wir finden eine Zugangsstrasse und fühlen uns am Strand so wohl, dass wir gleich da übernachten, obwohl wir uns eigentlich vorgenommen haben das Wildcampen auf dem Festland zu reduzieren. Mit Ausnahme von 1-2 Traktoren, die durchfuhren und ein paar Pferden hatten wir den Strand für uns. Wir genossen die Erfrischung im Meer und sind zum Sonnenuntergang zu einem Schiffswrack gelaufen. Danach fahren wir Richtung Süden und verlassen damit den Bundesstaat Sinaloa, Heimat des gleichnamigen grössten Kartells der Welt. Auf Sehenswürdigkeiten weiter nördlich wie den Copper Canyon verzichten wir schweren Herzens aus Sicherheits- und Zeitgründen (Kartellgebiet). Den Canyon könnte man zwar mit dem Zug machen, aber wir hätten wenn schon dann eine Auto-/ Zug-Kombination gemacht, da auch die steilen Strassen in das Canyonsystem hinein sehr spannend sind. Aber wir wollen auch nicht das kleinste Risiko eingehen, dass uns das Auto weggenommen wird, denn Unterstützung von der Polizei kann man in diesen Gebieten vergessen.

Nayarit

Krokodil bei La Tovara

Bei der Fahrt in den Süden sind wir von der üppigen Vegetation überwältigt, insbesondere nach der Baja- Wüstenlandschaft. Ja, hier herrscht praktisch Dschungel überall entlang der Strasse werden leckere frische Früchte verkauft – Jackfruits, Melonen, Kokosnüsse, Mangos etc.
Nächster Stopp ist die geschützte Mangrovenlandschaft La Tovara im Bundesstaat Nayarit. Wir machen eine kleine Bootstour durch die Mangroven, die von Krokodilen und Flussschildkröten nur so wimmeln. Wir erfrischen uns in einem Schwimmloch (zum Glück mit Gitter, so dass keine Krokodile durchkommen). An der Riviera Nayarit, einem aufstrebenden wunderschönen Küstenabschnitt voller Kokospalmen übernachten wir im Hinterhof eines Deutsch-Amerikanischen Auswandererpaars, von deren Hinterhof man direkt ins Meer hinabsteigen kann.

Auf dem Weg zu den Altavista Petroglyphen

Unser nächster Halt sind die Altavista Petroglyphen (in Felsen gemeisselte Bilder). Schon der Weg an sich ist ein Abenteuer: eine kleine Dirtroad im Dschungel-Niemandsland, nichts angeschrieben, holprig und wir verkratzen das ganze Auto bis wir effektiv nicht mehr weiterkommen und den Rest zum Eingang laufen. Dort führt ein Spaziergang durch den dichten Dschungel zu den Petroglyphen, Naturpools und einem kleinen Wasserfall, welcher durch vom Wasser hübsch eckig geformte Steine fliesst. Unterwegs sehen wir sogar eine Eule. Die Petroglyphen wurden vor weit mehr als 2000 Jahren vom Tecoxquin-Stamm wahrscheinlich als Gebet erschaffen. Noch immer wird der Ort vom noch existierenden Huicholes Stamm für Rituale gebraucht und Opfergaben dagelassen. Nach einem weiteren Halt am Wochenmarkt im Küstenstädtchen La Peñita de Jaltemba besuchen und schwimmen wir an einem Surferstrand nördlich der Touristensstadt Puerto Vallarta. Auf der Dirtroad zum Strand zwischen 2 Luxusresorts fühlen wir uns genügend sicher, um freizustehen und geniessen so bereits zum Sonnenaufgang ein Bad in einem Naturpool am Meer welches sich zur Flut füllt.

Jalisco und Nevado de Colima

Kirche in San Sebastian del Oeste

Danach nehmen wir Abschied von der Küste und legen im Landesinnern einen Zwischenhalt im malerischen Dorf San Sebastian del Oeste ein. Das Dorf ist ehemalige Silber-, Gold- und Blei-Minenort und bekannt für seine hübsche Architektur mit Kopfsteinpflasterstrassen. Es ist nur eines von vielen wunderschönen bunten Dörfern, welche wir an diesem Tag sehen. Auf der Fahrt durch den Bundesstaat Jalisco wird der Dschungel durch Berge, Avocadobäume, Agavenfelder, Beerenfelder und Bauernhöfe abgelöst. Ein Dorf ist hübscher als das letzte mit bunten Häusern, liebevoller Dekoration, hübschen Kathedralen… so oft haben wie wohl selten „jööö“ und „oh wie süss“ gesagt. Die Männer sind mit ihren Hüten wie Cowboys gekleidet, am Strassenrand werden Nüsse und Früchte verkauft – hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.
Wir möchten zum Vulkan Nevado de Colima, den wie am nächsten Tag besteigen möchten, um die Aussicht auf den aktiven Volcán de Fuego zu geniessen. Von der Strasse sieht man die beiden (schneefreien) Gipfel wunderbar und die Wettervorhersage sieht auch strahlend aus. Wir wollen im Nationalpark der beiden Vulkane übernachten und so bricht das erste Mal leichte Panik aus, als in einer Bergstrasse ein paar Autos vor uns ein Lastwagen umkippt, wir 2 Stunden lang warten müssen und gezwungenermassen bei Dunkelheit fahren müssen (was wir versprochen haben nicht zu tun). Es läuft aber alles gut und so stehen wir am nächsten Morgen früh auf und werden total vom üppigen Schneefall und dichten Nebel überrascht. Wir fahren trotzdem bis zum höchstmöglichen Punkt und wandern so weit wir können. Irgendwann geht’s aber nicht weiter. Der Schnee, nun fast waagrecht und mehr Hagel als Schnee schmerzt im Gesicht, wir finden den Wanderweg (schon ohne Schnee und Nebel eine Herausforderung in Mexico) nicht mehr, durch den Nebel sieht man sowieso nix, neben uns geht’s steil runter und wir müssen aufpassen im Schnee nicht auszurutschen. So geben wir auf. Auf dem Rückweg treffen wir auf weitere Gruppen. Eine ist mit Guide unterwegs, der uns bestätigt, dass ein Aufstieg zu diesen Bedingungen nicht möglich ist. So fahren wir zurück und bereits nach ein paar Minuten bleibt das erste Auto stecken – die Mexikaner sind sich Schnee nicht gewohnt und mit Sommerreifen unterwegs.
Und so kommt unser Abschleppseil das erste Mal zum Zug und Raphi hilft das Auto zu befreien. Nur wenig später passiert dasselbe bei einem anderen Auto, Raphi hilft wieder. Inzwischen wurde der Zugang für zum Nationalpark für Autos gesperrt und die Leute müssen hoch laufen. Wir sehen sogar einige in Badhosen. Wie wir später erfahren, sind Leute direkt vom Strand angereist, als sie erfahren haben, dass es hier schneit, denn dies ist hier eine Besonderheit.

Mit all dem Schnee können wir wenigstens einen Schneemann bauen 🙂

Von der einen Gruppe, welcher Raphi geholfen hat, werden wir zu einem richtigen Festessen ins Restaurant eingeladen und so kommen wir neben den klassischen mexikanischen Gerichten auch das erste Mal in den Genuss (?) von Lammeingeweiden, ganzen Wachteln und Kaninchen mexikanischer Art. Und Raphi musste natürlich Tequila mittrinken. Unglaublich nette Leute! So ging der Tag schnell vorbei und schon war es zu spät, um weiterzufahren. Zum Glück hatte uns der Guide, den wir auf dem Berg getroffen haben von einer jungen lokalen Familie erzählt, die vor ein paar Jahren durch Lateinamerika gereist ist. Um etwas zurück zu geben für die Gastfreundschaft, die ihnen damals widerfahren ist, lässt die Familie nun ebenfalls Reisende kostenlos bei ihnen parken und gibt ihnen Zugang zu warmer Dusche, Toiletten, Wifi etc. So schreiben wir der Familie am Samstagabend, ob wir spontan bei ihnen unterkommen können und erhalten prompt die Antwort, dass das kein Problem ist. Spontan, an einem Samstagabend, kostenlos wildfremde Leute empfangen – in der Schweiz unvorstellbar 🙂 Wir bringen eine Flasche Wein mit und verbringen einen gemütlichen und interessanten Abend mit den sehr sympathischen Gastgebern. Sie geben uns viele Tipps für Mexico und Zentralamerika auf den Weg. Unglaublich diese Gastfreundschaft!

Damit schliessen wir unsere erste Woche auf dem Festland Mexikos ab. Wir hatten im Vorfeld grossen Respekt, wurde uns doch so oft eingetrichtert, wie gefährlich es ist. Ja, man muss aufpassen und das machen wir weiterhin. Aber wir geniessen es auch, uns inzwischen sehr wohl zu fühlen, statt ständig ängstlich zu sein, da wir die Herzlichkeit und Gastfreundschaft des Grossteils der Bevölkerung nun zu Genüge selbst erlebt haben. Wir haben auch auf dem Festland die meisten Nächte freigestanden, uns dabei sicher gefühlt und noch keine einzelne schlechte Erfahrung gemacht. Die Leute sind sogar noch offener, herzlicher und hilfsbereiter als auf der Baja, was wohl daran liegt, dass es auf dem Festland nicht so viele US-Amis / Gringos gibt wie dort. Zu viele Touristen aus einem Land ist halt oft schwierig (Bereitschaft sich anzupassen sinkt, z.B. Spanisch zu reden) und das Verhältnis zwischen Mexikanern und US-Amis ist nun mal nicht das Einfachste. Wir freuen uns auf die weiteren Erlebnisse auf dem Festland!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Tukan im Tierspital

Strand-, Regenwald- und Vulkanferien in Costa Rica

Da unsere 3 Monate Maximalaufenthalt in den USA zu Ende sind, müssen wir aus dem NAFTA-Raum ausreisen. Der günstigste Flug führte nach Costa Rica und so verbringen wir nun 2 Wochen in diesem wunderschönen kleinen Land. Und das Beste daran ist, dass wir das erste Mal Besuch bekommen 🙂 Mit unseren aus der Schweiz eingereisten Freunden Andrea und Marius reisen wir nun im Mietauto von Airbnb zu Airbnb. Der Land Cruiser wartet in LA auf uns.

San José

Angekommen sind wir in San José, der Hauptstadt Costa Ricas. San José hat zwar weder spektakuläre noch zahlreiche Sehenswürdigkeiten, aber wahrscheinlich gerade deswegen war die Stadt relativ untouristisch und wirkte auf uns authentisch und sympathisch. So sind wir die ersten anderthalb Tage ruhig angegangen, haben das Wiedersehen genossen, sind durch die Stadt mit den vielen kleinen schönen Parks spaziert und haben auf dem lokalen Samstags-Bauernmarkt das erste Mal lokal gegessen.

An der Karibikküste in Puerto Viejo

Puerto Viejo

Nach San José haben wir unser Mietauto abgeholt und sind damit zur Karibikküste gefahren nach Puerto Viejo. Die Küste ist voll mit Stränden, Kokospalmen, Regenwald bis zum Strand und vielen wilden Tieren. So haben wir bei Strandspaziergängen unser erstes Faultier entdeckt. Dieses sass gerade am Boden und verrichtete sein wöchentliches grosses Geschäft. Faultiere verbringen die ganze Zeit in den Bäumen ausser eben einmal wöchentlich, wo sie runterklettern, um am Boden auf die Toilette zu gehen. Immer wieder wurden wir von äusserst lautem Gebrüll erschreckt. Erst später fanden wir heraus, dass es keine benachbarte Riesenwildkatze war, sondern Brüllaffen, die wir ebenfalls gesehen haben. Brüllaffen sind die zweitlautesten Land-Säugetiere der Welt, man hört sie in bis zu 4-5 KM Entfernung. Nur Fledermäuse sind lauter, deren Frequenz ist allerdings so hoch, dass Menschen sie gar nicht hören können.

Dann haben wir eine Kakaoplantage besucht, die zufällig einem vor ca. 30 Jahren ausgewandertem Schweizer gehörte. Er hat uns den ganzen Prozess von der Bohne bis zur fertigen Schokolade gezeigt. Dabei durfte man die Zwischenprodukte auch jeweils probieren – eine spannende Erfahrung, gerade wenn man Schokolade liebt 🙂 . Überrascht hat uns u.a. die Süssigkeit des Fruchtfleisches der Kakaobohne, aber auch der hohe Aufwand für die Herstellung von Schokolade im Verhältnis zu sehr geringem Ertrag. 

Einen Morgen haben wir im Gandoca-Manzanillo-Naturreservat verbracht. Dieser üppige Regenwald mit hübschen Schmetterlingen, weiteren Faultieren und sonstigen Tieren hat uns ebenfalls gefallen. Leider wurden wir von strömendem Regen überrascht und so wurden wir pflotschnass und mussten umkehren. Die Regenzeit ist leider noch nicht ganz vorbei. Den regnerischen Nachmittag haben wir unter anderem damit verbracht die Kokosnüsse unsrer Hauspalme mit Steinen zu bewerfen bis eine runtergefallen ist und wir sie essen und das Kokoswasser trinken konnten. Sehr lecker und so frisch eindeutig besser als die meisten, die man an Strassenständen kaufen kann. Freude hatten wir auch an den Agutis die sich bei uns herumtrieben. Agutis sind relativ grosse (ca. 50cm lange) Nagetiere, die aussehen wie zu gross geratene Meerschweinchen.

Ein anderes Mal haben wir eine Tour durch das Tierspital Jaguar Rescue Center gemacht und vieles über die bunte Tierwelt Costa Ricas gelernt. Im Tierspital werden angeschlagene Tiere gepflegt und dabei unterstützt selbstständig überleben zu lernen, bevor sie wieder ausgewildert werden. Oft sind es Tiere, die illegal als Haustiere gehalten wurden (in Costa Rica ist es verboten einheimische Tiere als Haustiere zu besitzen). Die besonders Kranken, welche selbstständig nicht mehr überleben können, bleiben permanent im Tierspital – wie zum Beispiel ein psychisch kranker Tukan, der sich die Federn ausrupft oder eine Margay-Wildkatze, die beim Versuch der Auswilderung immer wieder zurückgekehrt ist und die anderen Wildtiere im Tierspital angegriffen hat.

Irazú Vulkan

Nach Puerto Viejo sind wir zurück in die Nähe von San José in das bergige Landesinnere. Mit den vielen grünen Wiesen, Kühen und Landwirtschaft kommt man sich fast vor wie in der Schweiz. Nur die bunten Häuser oder die Bewirtung der Felder durch Pferde und Büffel statt Maschinen erinnern daran, dass dies nicht der Fall ist. Dort haben wir eine Nacht in einem süssen Airbnb auf einem Bauernhof mit wunderbarer Aussicht (wenn der Nebel mal weg war) auf die Stadt Cartago und San José verbracht. Der Hühnerstall war direkt neben unserem Bungalow und zum Frühstück wurden deren Eier offeriert. Da wir früh auf mussten, konnten wir sie leider nicht probieren. Ziel war der Irazú Vulkan. Dieser ist mit über 3400 Metern der höchste Vulkan in Costa Rica. Er ist zwar noch aktiv, ist aber das letzte Mal 1994 ausgebrochen. Oft ist der Krater mit einem wunderschönen grün-türkisen Kratersee gefüllt, welcher bei unsrem Besuch leider nur ein braunes Pfützchen war. Bei klarem Wetter sieht man vom Vulkan aus sowohl die Pazifik- als auch die Karibikküste. Meistens und auch bei uns war das aber nicht der Fall und so genossen wir stattdessen die Aussicht auf ein Nebelmeer.

Krokodil im Río Tárcoles

Krokodile im Río Tárcoles

Auf dem Weg zur Pazifikküste machen wir ein Zwischenstopp bei der «Crocodile Bridge» über den Rio Tarcoles. Der Fluss wimmelt von Krokodilen und von der Brücke sieht man sie sehr gut. Nur schade, dass dies inzwischen sehr kommerzialisiert wird und teils die Krokodile sogar gefüttert werden.

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