Houston, we have a problem (Kakerlaken entdeckt đŸ˜±)!

Happy New Year an alle und auf dass im 2022 die Pandemie endlich abflacht!

Nach dem sĂŒssen San Antonio sind wir weiter in die Hauptstadt von Texas: Austin. Wir haben viel Positives gehört von dieser liberalen Insel im konservativen Texas mit lebendigem Zentrum, Kultur, tollen Shops und Restaurants. So war es vielleicht ein wenig dumm von uns am Sonntag nach Weihnachten hinzufahren, wo dann halt doch fast alles geschlossen war. Wir haben aber das Beste draus gemacht, haben die GrĂŒnflĂ€chen um den Colorado River im Stadtzentrum genossen, dort die Schildkröten beobachtet und sind zum Texas State Capitol gelaufen. Vielleicht kommen wir ja auf dem RĂŒckweg nochmals durch.

Boca Chica Beach

Texas‘ KĂŒste / Golf von Mexiko

Weiter fahren wir ans Meer – den Golf von Mexiko. Wir starten an der Grenze von Texas zu Mexiko – dem Boca Chica Beach. Direkt neben dem Strand liegt die SpaceX Starbase, ein Weltraumbahnhof von Elon Musk’s Raumfahrtunternehmen SpaceX. Momentan finden regelmĂ€ssig TestflĂŒge statt, dann wird der Strand gesperrt. Bald sollen aber auch kommerzielle FlĂŒge ins All gestartet werden. Es war jedenfalls eindrĂŒcklich am Strand entlang zu fahren neben ein paar Raketen als Kulisse. Wir fuhren bis zum Punkt, wo der ca. 40 Meter breite Rio Grande ins Meer mĂŒndet und wir den mexikanischen Fischern auf der andern Seite des Flusses zuwinken konnten.

Padre Island National Seashore

Wir sind dann weiter zum Padre Island National Seashore, einem ca. 100 KM langen, geschĂŒtzten KĂŒstenstreifen einer Barrier Island (schmale Insel vor Festland) mit Strand, DĂŒnen, migrierenden Vögeln, nestenden Schildkröten etc.. Mit Allrad kann man die 100km direkt am Strand fahren (dafĂŒr haben wir ein paar Stunden gebraucht) und sich ein einsames PlĂ€tzchen zum ĂŒbernachten direkt am Meer suchen – traumhaft.
Ganz am Ende der Insel konnte Raphi gut von einem Felssteg aus fischen. Leider ging die Fischerrute kaputt und so haben wir den Hunderten erfolgreicheren Pelikanen dabei zugeschaut, wie sie sich ins Wasser stĂŒrzten und sich an den grossen Fischen fast verschluckten. ZufĂ€lligerweise haben wir einen Land Cruiser Enthusiast kennengelernt und haben mit seiner Familie am Strand den Abend ausklingen lassen, inkl. Abendessen und Knicklichtershow der Jungs. Die Familie wohnt normalerweise in New Mexico in einem selbstgebauten Earthship in einer Earthship Community. Earthships sind HĂ€user die bezĂŒglich Wasser, WĂ€rme und Energie komplett autark sind. Dies wird durch Sonnennutzung und spezielle Bauweise ermöglicht, bei welcher oft auch recyceltes Material zum Einsatz kommt. Unsere Bekannten haben die Backsteine aus Stroh und Lehm selbst hergestellt und Second-Hand Fenster verwendet. Sehr spannend.

Delfine am Spielen

Das Einzige, was uns an der Padre Island und allgemein an der texanischen KĂŒste störte, war die massive Verschmutzung. Der MĂŒll wird teils von Besuchern hinterlassen, aber der grösste Teil wird aufgrund der Strömung im mexikanischen Golf vom Ozean an die texanischen StrĂ€nde geschwemmt (gemĂ€ss einer Studie 10x soviel wie an anderen US-Staaten am Golf). Ja, wir haben ein grosses Plastikproblem. Der Grossteil des MĂŒlls ist Plastik, viel durch das Meer so zermĂŒrbt, dass es gleich auseinander brach (was das Sammeln erheblich erschwerte), aber auch riesige Bojen, Tanks etc. lagen da. Wir haben ein paar MĂŒllsĂ€cke gefĂŒllt und mitgenommen, aber das war leider nicht mal ein Tropfen auf den heissen Stein.
Nachdem wir Raphi eine neue Fischerrute besorgt haben ging es weiter an den nÀchsten Strand, wo wir den vielen Delfinen beim Spielen zuschauen konnten.

Independence Space Shuttle im Space Center Houston

Houston

So haben wir uns der KĂŒste entlang nordwĂ€rts bewegt bis nach Houston, der 4. grössten Stadt der USA. Houston ist Heimat des Mission Control Centers der NASA, von welchem seit 1965 alle bemannten Raumfahrten der NASA, sowie die Fahrten zur internationalen Raumstation ISS gesteuert werden. Der Besuch des Space Center Houstons war spannend und unterhaltsam. Astronauten haben live von ihren Erlebnissen berichtet, es gab interaktive Ausstellungen und neben den moderneren Space Shuttles gab es die riesige Saturn V Rakete zu besichtigen (die grösste und schwerste Rakete, die je geflogen ist und die bei der ersten Mondlandung zum Einsatz kam). Diese Rakete, höher als ein 30-stöckiges GebĂ€ude war eindrĂŒcklich, aber es ist wohl gut, dass die neueren Raketen deutlich kompakter sind. Schlussendlich ist nur der allerkleinste Teil der Rakete (im Falle Saturn V wohl bloss ca. 5%) wieder verwendbar, der Rest verglĂŒht. Wir haben uns von der NASA belehren lassen, wie fragil und schutzbedĂŒrftig die AtmosphĂ€re und Erde ist und haben uns geĂ€rgert, dass dieselbe NASA in ihrer Museumscafeteria alles nur in Einwegplastik offeriert. Ansonsten war das Space Center aber sehr gelungen und immerhin im All wird fleissig recycelt – Urin wird wieder aufbereitet und als Trinkwasser verwendet, da Wasser so knapp ist.

Unsere Bloody Mary’s

Über Silvester haben wir uns eine Nacht im Motel gegönnt und sind im Ausgang gut ins 2022 gerutscht. Am nĂ€chsten Tag gab es dann einen bombastischen Bloody Mary zum KaterfrĂŒhstĂŒck. Weiter haben wir dem San Jacinto Monument einen Besuch abgestattet. Das 173 Meter hohe Monument mit einem 220 Tonnen schweren Stern (Symbol vom Lone Star State Texas) erinnert an die Schlacht, in welcher Texas den UnabhĂ€ngigkeitskrieg gegenĂŒber Mexiko gewonnen hat (nach der verlorenen Schlacht beim Alamo in San Antonio). Da es 1. Januar und Feiertag war, konnten wir leider nicht hoch. Stattdessen liessen wir uns nebendran von einem ĂŒberfreundlichen Local bei einem Sumpf mit Alligatoren das Crabbing (Blaukrabben fangen) zeigen und schauten den enormen Tankerschiffen in der riesigen Bucht vor Houston zu.
Ja, die ganze Gegend um Houston ist voller Raffinerien, Ölverarbeitung und petrochemische Industrie. So sitzen scheinbar 5000 Energiekonzerne in Houston. Damit wird Houston manchmal auch als Energiehauptstadt der Welt betitelt. Ein Grund fĂŒr diesen Boom ist das Öl- und Gasvorkommen in den GewĂ€ssern vor Houston – dem mexikanischen Golf.

Ocean Star Offshore Drilling Rig

Und so besichtigen wir noch eine nicht mehr aktive Offshore Ölbohrungsplattform in Galveston, der Hafenstadt vor Houston. Leider war es so extrem stĂŒrmisch, dass wir nicht auf die Aussenplattform durften und in den InnenrĂ€umen bleiben mussten. Die Ausstellung zu Offshore Öl-Förderung war aber interessant (wenn auch vielleicht nicht ganz neutral 🙂). Die Ölvorkommen im mexikanischen Golf machen doch ca. 15% der amerikanischen Ölproduktion aus. Wir waren beeindruckt, wie diese hochentwickelte Technologie es ermöglicht, da draussen in bis zu 2400 Metern Wassertiefe Ölquellen mit seismologischen High Tech GerĂ€ten und Experten zu entdecken, zu erschliessen und dann durch ein Netzwerk aus Pipelines zu pumpen. Dieses Netzwerk an Pipelines hat alleine im Golf von Mexiko eine GesamtlĂ€nge von ca. 44’000 KM, was ungefĂ€hr einer Erdumrundung entspricht. Aber ja, das Thema ist natĂŒrlich sehr kontrovers – die 2010 im Golf von Mexico explodierte Ölbohrplattform Deepwater Horizon, welche zur grössten Ölpest der Geschichte fĂŒhrte lĂ€sst grĂŒssen…
Damit sind wir am fĂŒr uns östlichsten Punkt unsrer Texas-Expedition angelangt und machen uns zurĂŒck Richtung Westen, um auf Höhe Baja California die Grenze zu Mexiko ĂŒberqueren (die Grenzregion in Mexico wollen wir meiden). Wir mĂŒssen aber noch ein Problem einer anderen Art lösen, wir haben nĂ€mlich eine 5cm lange, dicke fette Kakerlake in unserem Heim auf RĂ€dern entdeckt đŸ˜±đŸ˜±đŸ˜± Sie ist uns entwischt, das heisst irgendwo krabbelt sie noch rum und wer weiss, ob es noch mehr davon hat…

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

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