Chiricahua National Monument

Eine letzte Woche Verwöhnprogramm durch die wundervollen USA

In unserer letzten Woche haben sich die USA nochmals von ihrer besten Seite gezeigt (wie uns gegenüber durchgehend in den letzten 5 Monaten) mit tollem Wetter, idyllischen Landschaften, 4×4-Abenteuern, wunderbaren Begegnungen.

Rückweg durch Texas

Auf dem Enchanted Rock

Nach Houston fahren wir zurück in Richtung Westen, geniessen noch ein paar Mal texanisches Barbecue.
Wir wissen leider nicht, ob wir unser Kakerlakenproblem gelöst haben. Nachdem wir in Houston auch noch beim Einschlafen um die 28 Grad hatten, gab es urplötzlich einen Temperaturumschwung und so hatten wir ca. 300 Kilometer weiter westlich in der nächsten Nacht -7 Grad im Auto. Wir sind fast erfroren und wir hoffen die Kakerlake(n) ganz. Wir kauften trotzdem noch Fallen und hoffen das Problem ist gelöst, wissen es aber nicht.
Ein Zwischenhalt legten wir bei der Enchanted Rock State Natural Area ein. Der Enchanted Rock ist ein riesiger rosafarbener Granit-Batholith, d.h. ein riesiger Steinblock / Steinberg, welcher sich zum grössten Teil unter der Erde befindet. Hinauf zu laufen war für uns eine gute Gelegenheit, die Beine zu vertreten und wir wurden mit schöner Aussicht belohnt.

Auf dem Guadalupe Peak

Als Abschluss von Texas sind wir in den Guadalupe National Park, wo wir den höchsten Berg Texas‘ – den Guadalupe Peak erklommen haben. Das hört sich nach viel an, insbesondere wenn man bedenkt, dass Texas doppelt so gross wie Deutschland ist. Aber er ist nur 2667 Meter hoch. Anstrengend war die Wanderung nichtsdestotrotz, einen solchen Wind haben wir selten erlebt. Bei Anouk wechselten sich die Ängste davon gewindet zu werden, von einem herumwehenden Stein oder Ast totgeschlagen zu werden oder aufgrund des eisigen, in der Lunge schmerzenden Windes eine schwere Lungenentzündung zu erleiden regelmässig ab. Aber wir hielten durch und wurden auf dem Gipfel mit herrlicher Aussicht über das unendlich weite, hüglige Flachland belohnt.
Noch ein allerletztes Mal BBQ und dann gehts weiter durch New Mexico in Richtung Arizona. Durch unseren Konvoi- Kollegen aus Idaho wurde uns ein Mechaniker in der mexikanischen Grenzstadt Mexicali empfohlen, wo wir am 11. eine Einstellung des Ventilspiels machen. Damit haben wir einen fixen Termin für die Einreise nach Mexiko, was vielleicht nicht so schlecht ist, da der Abschied von den USA nicht einfach fällt und es noch so viel zu Sehen gäbe.

Auf dem Echo Canyon Trail

Chiricahua National Monument

Wieder ein Mal in Arizona angekommen (bereits das 4. Mal auf diesem Trip) besuchen wir das Chiricahua National Monument. Das Gebiet besteht aus unzähligen Rhyolith-Säulen (Vulkansgestein) in herrlichen, fantasieanregenden Formen. Flechten in knallgelb oder neongrün sorgen dafür, dass sie schön bunt sind. Am Schnee freuen wir uns auch. Vor lauter Staunen und Fotos machen hat die Wanderung durch den Echo Canyon schliesslich deutlich länger gedauert als geplant.

Unser Land Cruiser neben den anderen Land Cruisern der Werkstatt

Rund um Tucson

Raphi hat tatsächlich auf unserem Weg in Südarizona noch einen Land Cruiser Mechaniker gefunden! Wir hatten wirklich in den ganzen USA unglaubliche Schwierigkeiten jemanden zu finden. Wir hatten viele Toyota Garagen angefragt, aber diese hatten nicht mal unsere Ölfilter. Zum Ölfilter beispielsweise hiess es, dass es keinen Einzigen in der USA geben und die Bestellung 2 Monate dauern würde. Und nun ausgerechnet im abgelegenen Süden Arizonas, in einem 800-Einwohner-Kaff gibt es eine Werkstatt, die wirklich alles an Lager hat mit Besitzern, die sich hervorragend auskennen. Es waren einmal mehr extrem nette Leute, Raphi hat den Service gleich mitgemacht und konnte dabei noch ein, zwei Dinge lernen.
Weiter sind wir in die Universitätsstadt Tucson, die letzte grössere Stadt auf unserem Weg zur Grenze. Hier machen wir noch unsere letzten Besorgungen in Baumärkten, Outdoorläden etc. Zum Beispiel kaufen wir einen Wasserfilter, oder müssen Dokumente wie z.B. unsere mexikanische Autoversicherungsbestätigung für die Grenze ausdrucken oder kopieren. Und dann stehen so essentielle Dinge an wie das letzte Mal einen Cheesecake von der Cheesecake Factory oder einen leckeren Burger vom In’n’Out-Restaurant zu essen.
In Tucson kommen wie wieder mit sehr vielen ausserordentlich netten Menschen ins Gespräch. Zum Beispiel ist da der Chef eines Autozubehör-Ladens, der uns verschiedene 4×4-Tracks in der Gegend empfiehlt, uns auf Google alles zeigt, alle Wegbeschreibungen für uns ausdruckt und uns auf unseren Einkauf auch noch Militärrabbatt gibt.

Chiva Waterfalls

Um Tucson herum gibt es verdammt viel zu machen und die Schönheit der Gegend zeigt sich nur schon in unseren Übernachtungsspots in den öffentlichen Ländern um Tucson, voll gespickt mit den majestätischen, riesigen Saguaro-Kakteen. Leider schaffen wir zeitlich nur einen Ausflug: Wir besuchen die Chiva Waterfalls – ein Tipp vom Autozubehör-Verkäufer. Der 4×4 Track durch die Sonora Wüste war anspruchsvoll: Wir mussten öfters Treppen bauen, um die steilen Passagen zu überwinden und bis ans Ende haben wir es nicht ganz geschafft. Aber so sind wir halt denn Rest noch gelaufen und wurden mit einem wundervollen, hohen, durch den geschmolzenen Schnee wasserreichen Wasserfall mitten in der Wüste belohnt. Raphi hats sogar ins Wasser geschafft. Und wieder mal, weder auf dem Track noch beim Wasserfall – kein Mensch weit und breit. Abends besuchten wir zwei weitere Paare in ihrem Camp. Deren Bekanntschaft hatten wir am Morgen gemacht, da das eine Paar dasselbe Modell Land Cruiser besitzt und wir zufällig bei ihnen vorbeigefahren sind. Diese bringen dem anderen Paar das Offroad fahren hier auf den 4×4-Tracks der öffentlichen Ländern der Sonora Wüste bei. Das Land Cruiser Paar hat ihren Land Cruiser aus Australien importiert und ist damit auch schon durch die Amerikas, Australien und Afrika gefahren. Die Reaktion darauf, dass wir seit August unterwegs sind war – „Oh, so you’ve just started“. In der Vergangenheit haben sie jeweils die amerikanische Overlandexpo organisiert. Der gemeinsam verbrachte Abend war wieder sehr spannend und inspirierend für uns – der Zusammenhalt in der Overland Community ist einfach unglaublich.
Leider konnten wir die vielen weiteren Sehenswürdigkeiten in und um Tucson nicht mehr anschauen, wir mussten weiter.

Letzte Vorbereitungen und Fazit 

Die Autobahn nach Calexico führt durch Sanddünen

Auf dem Weg nach Calexico in Kalifornien, wo wir die Grenze überqueren, suchen wir das letzte Mal einen Campingplatz auf, machen Grossputz und reinigen den Wassertank. Weiter tanken wir vor Kalifornien nochmals unseren 270 Liter Tank voll, günstiger wird es in Mexico und Kalifornien nicht mehr und wir holen unsere letzte Amazon-Bestellung ab. Dinge die wir nicht in normalen Supermärkten oder Baumärkten finden bestellen wir oft über Amazon, da diese auch an Locker in allen möglichen Orten liefern, d.h. Schlüsselboxen in z.B. Apotheken oder Supermärkten. Für uns ohne Adresse ist dies sehr wertvoll. Wir suchen einfach ein Locker aus, welchen wir nach dem geschätzten Ankunftsdatum der Ware passieren werden und können dann das Paket abholen. Ausserhalb der USA wird es nicht mehr so einfach sein.

Nun stehen wir mehr oder weniger vor der Grenze, das letzte Mal kostenlos auf wunderbarem BLM Land und sind (hoffentlich) parat, um morgen die Grenze zu überqueren.
Die Gefühle sind sehr gemischt. Wir freuen uns sehr auf Mexico! Aber wir glauben es ist normal und ok, dass wir auch Respekt haben und unsicher sind. Wir haben inzwischen so unglaublich viel gehört, was sowohl die Unsicherheit als auch die Vorfreude verstärkt hat. Es gab eigentlich Niemand, der keine Meinung dazu hatte, dass wir durch Mexiko fahren mit dem eigenen Camper 🙂 Aber in unserem 2-wöchigen Vorgeschmack haben wir ja nur positive Erfahrungen gemacht und grad von Denjenigen, welchen in letzter Zeit da waren, hat uns niemand davon abgeraten.
Aber ja, die USA waren einfach unglaublich, und so fällt der Abschied auch sehr schwer.
Die USA ist einfach ein pures Luxus-Reiseland, grad für Overlanders / Roadtrippers. Die Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die Vielfalt der unglaublich schönen Natur, der grosse Anteil an wunderschönem öffentlichem Land, auf welchem man kostenlos campen darf, das Vorhandensein von sauberen und kostenlosen Toiletten überall, das Sicherheitsgefühl, und, und, und… sind alles einfach unschlagbar.
Klar hat die USA viele Probleme, aber als Reiseland sind sie einzigartig.
Man weiss, die politische Gespaltenheit ist da, das sieht man schon an der Menge an „Trump won“- Flaggen. Aber im Reisealltag haben wir davon oder allgemein von gegenseitigem Hass nichts mitbekommen, was natürlich nichts heissen muss. Persönlich hat uns am meisten die Mentalität bezüglich Ressourcen und Umwelt gestört. Wie so oft einfach der Motor noch laufen gelassen wird, während der Fahrer einkaufen geht, wie noch so viel Verpackungsmüll generiert wird oder so wenig recycelt wird. In manchen Staaten wie Kalifornien sind diesbezüglich deutliche Verbesserungen zu sehen. Aber ja, ansonsten können wir nur ein grosses Danke sagen, an all die wunderbaren Menschen und all die super Institutionen und Einrichtungen, die unseren ersten 5 Monate Panamericana besser gemacht haben, als wir es uns je erträumt haben.

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Boca Chica Beach

Houston, we have a problem (Kakerlaken entdeckt 😱)!

Happy New Year an alle und auf dass im 2022 die Pandemie endlich abflacht!

Nach dem süssen San Antonio sind wir weiter in die Hauptstadt von Texas: Austin. Wir haben viel Positives gehört von dieser liberalen Insel im konservativen Texas mit lebendigem Zentrum, Kultur, tollen Shops und Restaurants. So war es vielleicht ein wenig dumm von uns am Sonntag nach Weihnachten hinzufahren, wo dann halt doch fast alles geschlossen war. Wir haben aber das Beste draus gemacht, haben die Grünflächen um den Colorado River im Stadtzentrum genossen, dort die Schildkröten beobachtet und sind zum Texas State Capitol gelaufen. Vielleicht kommen wir ja auf dem Rückweg nochmals durch.

Boca Chica Beach

Texas‘ Küste / Golf von Mexiko

Weiter fahren wir ans Meer – den Golf von Mexiko. Wir starten an der Grenze von Texas zu Mexiko – dem Boca Chica Beach. Direkt neben dem Strand liegt die SpaceX Starbase, ein Weltraumbahnhof von Elon Musk’s Raumfahrtunternehmen SpaceX. Momentan finden regelmässig Testflüge statt, dann wird der Strand gesperrt. Bald sollen aber auch kommerzielle Flüge ins All gestartet werden. Es war jedenfalls eindrücklich am Strand entlang zu fahren neben ein paar Raketen als Kulisse. Wir fuhren bis zum Punkt, wo der ca. 40 Meter breite Rio Grande ins Meer mündet und wir den mexikanischen Fischern auf der andern Seite des Flusses zuwinken konnten.

Padre Island National Seashore

Wir sind dann weiter zum Padre Island National Seashore, einem ca. 100 KM langen, geschützten Küstenstreifen einer Barrier Island (schmale Insel vor Festland) mit Strand, Dünen, migrierenden Vögeln, nestenden Schildkröten etc.. Mit Allrad kann man die 100km direkt am Strand fahren (dafür haben wir ein paar Stunden gebraucht) und sich ein einsames Plätzchen zum übernachten direkt am Meer suchen – traumhaft.
Ganz am Ende der Insel konnte Raphi gut von einem Felssteg aus fischen. Leider ging die Fischerrute kaputt und so haben wir den Hunderten erfolgreicheren Pelikanen dabei zugeschaut, wie sie sich ins Wasser stürzten und sich an den grossen Fischen fast verschluckten. Zufälligerweise haben wir einen Land Cruiser Enthusiast kennengelernt und haben mit seiner Familie am Strand den Abend ausklingen lassen, inkl. Abendessen und Knicklichtershow der Jungs. Die Familie wohnt normalerweise in New Mexico in einem selbstgebauten Earthship in einer Earthship Community. Earthships sind Häuser die bezüglich Wasser, Wärme und Energie komplett autark sind. Dies wird durch Sonnennutzung und spezielle Bauweise ermöglicht, bei welcher oft auch recyceltes Material zum Einsatz kommt. Unsere Bekannten haben die Backsteine aus Stroh und Lehm selbst hergestellt und Second-Hand Fenster verwendet. Sehr spannend.

Delfine am Spielen

Das Einzige, was uns an der Padre Island und allgemein an der texanischen Küste störte, war die massive Verschmutzung. Der Müll wird teils von Besuchern hinterlassen, aber der grösste Teil wird aufgrund der Strömung im mexikanischen Golf vom Ozean an die texanischen Strände geschwemmt (gemäss einer Studie 10x soviel wie an anderen US-Staaten am Golf). Ja, wir haben ein grosses Plastikproblem. Der Grossteil des Mülls ist Plastik, viel durch das Meer so zermürbt, dass es gleich auseinander brach (was das Sammeln erheblich erschwerte), aber auch riesige Bojen, Tanks etc. lagen da. Wir haben ein paar Müllsäcke gefüllt und mitgenommen, aber das war leider nicht mal ein Tropfen auf den heissen Stein.
Nachdem wir Raphi eine neue Fischerrute besorgt haben ging es weiter an den nächsten Strand, wo wir den vielen Delfinen beim Spielen zuschauen konnten.

Independence Space Shuttle im Space Center Houston

Houston

So haben wir uns der Küste entlang nordwärts bewegt bis nach Houston, der 4. grössten Stadt der USA. Houston ist Heimat des Mission Control Centers der NASA, von welchem seit 1965 alle bemannten Raumfahrten der NASA, sowie die Fahrten zur internationalen Raumstation ISS gesteuert werden. Der Besuch des Space Center Houstons war spannend und unterhaltsam. Astronauten haben live von ihren Erlebnissen berichtet, es gab interaktive Ausstellungen und neben den moderneren Space Shuttles gab es die riesige Saturn V Rakete zu besichtigen (die grösste und schwerste Rakete, die je geflogen ist und die bei der ersten Mondlandung zum Einsatz kam). Diese Rakete, höher als ein 30-stöckiges Gebäude war eindrücklich, aber es ist wohl gut, dass die neueren Raketen deutlich kompakter sind. Schlussendlich ist nur der allerkleinste Teil der Rakete (im Falle Saturn V wohl bloss ca. 5%) wieder verwendbar, der Rest verglüht. Wir haben uns von der NASA belehren lassen, wie fragil und schutzbedürftig die Atmosphäre und Erde ist und haben uns geärgert, dass dieselbe NASA in ihrer Museumscafeteria alles nur in Einwegplastik offeriert. Ansonsten war das Space Center aber sehr gelungen und immerhin im All wird fleissig recycelt – Urin wird wieder aufbereitet und als Trinkwasser verwendet, da Wasser so knapp ist.

Unsere Bloody Mary’s

Über Silvester haben wir uns eine Nacht im Motel gegönnt und sind im Ausgang gut ins 2022 gerutscht. Am nächsten Tag gab es dann einen bombastischen Bloody Mary zum Katerfrühstück. Weiter haben wir dem San Jacinto Monument einen Besuch abgestattet. Das 173 Meter hohe Monument mit einem 220 Tonnen schweren Stern (Symbol vom Lone Star State Texas) erinnert an die Schlacht, in welcher Texas den Unabhängigkeitskrieg gegenüber Mexiko gewonnen hat (nach der verlorenen Schlacht beim Alamo in San Antonio). Da es 1. Januar und Feiertag war, konnten wir leider nicht hoch. Stattdessen liessen wir uns nebendran von einem überfreundlichen Local bei einem Sumpf mit Alligatoren das Crabbing (Blaukrabben fangen) zeigen und schauten den enormen Tankerschiffen in der riesigen Bucht vor Houston zu.
Ja, die ganze Gegend um Houston ist voller Raffinerien, Ölverarbeitung und petrochemische Industrie. So sitzen scheinbar 5000 Energiekonzerne in Houston. Damit wird Houston manchmal auch als Energiehauptstadt der Welt betitelt. Ein Grund für diesen Boom ist das Öl- und Gasvorkommen in den Gewässern vor Houston – dem mexikanischen Golf.

Ocean Star Offshore Drilling Rig

Und so besichtigen wir noch eine nicht mehr aktive Offshore Ölbohrungsplattform in Galveston, der Hafenstadt vor Houston. Leider war es so extrem stürmisch, dass wir nicht auf die Aussenplattform durften und in den Innenräumen bleiben mussten. Die Ausstellung zu Offshore Öl-Förderung war aber interessant (wenn auch vielleicht nicht ganz neutral 🙂). Die Ölvorkommen im mexikanischen Golf machen doch ca. 15% der amerikanischen Ölproduktion aus. Wir waren beeindruckt, wie diese hochentwickelte Technologie es ermöglicht, da draussen in bis zu 2400 Metern Wassertiefe Ölquellen mit seismologischen High Tech Geräten und Experten zu entdecken, zu erschliessen und dann durch ein Netzwerk aus Pipelines zu pumpen. Dieses Netzwerk an Pipelines hat alleine im Golf von Mexiko eine Gesamtlänge von ca. 44’000 KM, was ungefähr einer Erdumrundung entspricht. Aber ja, das Thema ist natürlich sehr kontrovers – die 2010 im Golf von Mexico explodierte Ölbohrplattform Deepwater Horizon, welche zur grössten Ölpest der Geschichte führte lässt grüssen…
Damit sind wir am für uns östlichsten Punkt unsrer Texas-Expedition angelangt und machen uns zurück Richtung Westen, um auf Höhe Baja California die Grenze zu Mexiko überqueren (die Grenzregion in Mexico wollen wir meiden). Wir müssen aber noch ein Problem einer anderen Art lösen, wir haben nämlich eine 5cm lange, dicke fette Kakerlake in unserem Heim auf Rädern entdeckt 😱😱😱 Sie ist uns entwischt, das heisst irgendwo krabbelt sie noch rum und wer weiss, ob es noch mehr davon hat…

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San Antonio Riverwalk

Weihnachten in Texas

Wir sind in Texas angekommen!

Unsere Weihnachtswoche war eher ruhig, da wir viel gefahren sind und sonstige Dinge erledigt haben.
So mussten wir die undichten Seitenfenster abdichten und dafür ein Campingplatz aufsuchen, damit wir eine Leiter ausleihen konnten. Das war ganz nett, der eine Campingnachbar war der permanent dort wohnende Sheriff des kleinen texanischen Dörfchens und die anderen Nachbarn haben uns Weihnachtsplätzchen vorbeigebracht.
Ja, endlich sind wir in Texas! Wir waren noch nie hier und sind gespannt, ob sich unsere unzähligen Bilder im Kopf vom nach Alaska zweitgrössten Staat bewahrheiten oder nicht. Was uns als Erstes überrascht und dem Bild von Freiheit und Weite ein wenig widerspricht ist das Nichtvorhandensein von öffentlichem (BLM) Land. Wiederum dem Klischee nach grenzt hier Ranch an Ranch. Zwar ist wie in anderen Staaten auch hier alles einsames Niemandsland, nur ist dieses halt eingezäunt und privat. Damit sind unsere Möglichkeiten kostenlos zu übernachten hauptsächlich auf Rastplätze, Strassen und Walmartparkplätze begrenzt. Damit haben wir kein Problem, aber wir wurden in anderen Staaten halt doch stark verwöhnt was einsame Plätze in wunderschöner Umgebung anging.

Big Bend National & State Parks

Big Bend Ranch State Park und Rio Grande

Als Erstes besuchten wir den Big Bend Ranch State Park und dann den benachbarten Big Bend National Park. Die beiden Parks, abgelegen im Westen sind wirklich sehr schön und grenzen direkt an Mexiko. Die Grenze wird durch den Fluss Rio Grande gebildet. Unsere Assoziationen eines reissenden Flusses aufgrund seiner Eigenschaft als Grenzfluss und des Namens „Grande“ haben sich aber nicht ganz bewahrheitet: Stets haben wir erwartet, dass wir nach Ankunft auf der anderen Seite der grossen Bergkette vor uns endlich den grandiosen Rio Grande sehen würden. Irgendwann ist uns das Lichtlein aufgegangen, dass die grosse Bergkette vor uns bereits zu Mexiko gehört und der schmale Bach davor, welchen man an einigen Orten locker durchlaufen konnte der Rio Grande ist.

Die Big Bend Parks umfassen grosse Teile der Chihuahua-Wüste, aber auch Berge und Canyons. Am ersten Morgen sind wir doch sehr erschrocken, da wir voller Nebel kaum 10 Meter weit sehen konnten. Als wir dann in die Hochebene Chisos Basin gefahren sind war es plötzlich wunderschön und so waren wir auch motiviert von dort aus auf den höchsten Berg im Park, den ca. 2400 Meter hohen Emory Peak zu wandern. Neben dem 360 Grad Ausblick ganz oben haben uns auch die verschieden Farbtöne in gelb, orange, grün etc. der riesigen Felsen gefallen – wieder ganz anders als in andern Parks. 

Ernst Tinaja Canyon

Cool war dann auch die 4×4 Fahrt zum Ernst Tinaja Canyon, der durch markante Schichten in verschiedenen rosaroten Tönen gezeichnet war. Neben weiteren Canyonwanderungen haben wir einmal mehr Hot Springs besucht, dieses Mal waren sie direkt angrenzend an den Rio Grande, d.h. man konnte sich zwischendurch immer wieder im Rio Grande abkühlen. Süss waren die kleinen Stände mit mexikanischem Handwerk und daneben stets eine Kasse wo man das Geld einwerfen konnte. Die mexikanischen Verkäufer warten und beobachten allerdings auf der anderen Seite des Flusses auf mexikanischer Seite und damit geschützt vor Kontrollen durch die US Border Control.

Weg nach San Antonio und Texan BBQ

Nach Big Bend gings weiter Richtung San Antonio. Es ist komisch, mittlerweile haben wir wieder über 25 Grad tagsüber und klagen über Hitze und Mücken – eine ziemliche Umgewöhnung zu den Minusgraden ein paar Tage zuvor. Unterwegs hatten wir das erste Mal texanisches BBQ, welches wir seither bei jeder Gelegenheit widerholten, bis jetzt 4x. Das gönnen wir uns jetzt, danach werden wir wieder genug sparen und fleischarm essen :). Die auf der Zunge zergehenden Ribs, Pulled Pork und Brisket und Co. aus dem Smoker sind wirklich unfassbar lecker. Man zahlt zwischen 10 bis 20 Dollar und es geht wirklich nur um das Wesentliche – den Geschmack. Das ganze Drumherum, wie Service, Deko etc. interessiert hier Niemanden. Man bestellt an der Theke, bekommt alles eingepackt in Papier mit Einweggeschirr, holt sich selbst die Getränke, setzt sich an einen Tisch und räumt danach alles selbst wieder weg. Vom einfachen Konzept her sehr sympathisch, aber es wäre toll, wenn beim Einweggeschirr ein Umdenken stattfinden würde.
Ein weiterer Zwischenstopp haben wir in einem Walgreens eingelegt, einer Kettenapotheke eingelegt, wo wir uns unkompliziert und kostenlos die Moderna Boosterimpfung holen konnten.

San Antonio Riverwalk

San Antonio

Weiter fuhren wir nach San Antonio, wo wir uns für Weihnachten 2 Nächte lang den Luxus eines Airbnbs geleistet haben. San Antonio hat uns sehr gefallen. Die älteste Stadt Texas weist in der Architektur viele spanischen und mexikanischen Einflüsse auf, hat unzählige Parks und den Riverwalk – einen 25km langen Spazierweg / Grünfläche entlang des San Antonio Rivers, der sich durch die ganze Innenstadt zieht. Die Stadt ist sehr aufstrebend, viele Personen und ganze Firmen ziehen zum Beispiel aus Kalifornien aufgrund der geringeren Lebenshaltungskosten nach San Antonio. Als erstes haben wir dem Alamo ein Besuch abgestattet. Das Alamo war ursprünglich eine franziskanische Mission, die später in ein Fort umgewandelt wurde. Das Fort war Schauplatz einer bedeutenden (und verlorenen) Schlacht der Texaner gegen die Mexikaner im texanischen Unabhängigkeitskrieg. Texas, zu diesem Zeitpunkt noch bis nach Wyoming reichend, gehörte da noch zu Mexiko.

Käsewähe, Gutzis und Glühwein zum 24.

Nach einem Bier bei Nachbarn, die uns netterweise einluden, haben wir den ersten Abend die Weihnachtsdekoration und einen Drink bei einem Spaziergang entlang des Riverwalks genossen.
Heiligabend haben wir im Airbnb verbracht, gewaschen, kleinere Reparaturen getätigt, Weihnachtsgutzis und Käsewähe gebacken sowie Glühwein gekocht. Somit wissen wir nun, dass man mit Rotwein, Gewürzteebeuteln, Orangen und Zucker einen durchaus akzeptablen Glühwein zaubern kann und dass sich die entsprechende Weinflasche hervorragend dazu eignet, Teig auszuwallen und ein Weinglas, um Plätzchen auszustechen, falls entsprechende Ausrüstung fehlt 😊 Ausserdem gelingt eine Schweizer Käsewähe auch halbwegs mit einer improvisierten Mischung aus Cheddar, Parmesan, Manchego und überteuertem milden Gruyère (ja, wir vermissen vernünftigen, rezenten Schweizer Käse).
Am 25. war dann alles geschlossen und so haben wir vor Weiterfahrt, die vielen Parks genossen und am Abend eine tägliche, an eine Kathedrale projizierte Lichter / Musik / Kunst – Show über die Geschichte San Antonios besucht. Diese war wirklich hervorragend gemacht, wir waren begeistert. Nun geht es weiter in die Hauptstadt Austin bevor wir uns Richtung Meer bewegen.

Ein winziger Ausschnitt aus „The Saga“ – hier ohne Musik:

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Devil's Bridge

Inmitten von Red Rocks, Hoodoos, Aliens und Tropfsteinhöhlen

Monument Valley

Unsere Flucht von Utah in den Süden nach Arizona hat uns durchs Monument Valley geführt, eines der wohl berühmtesten USA-Roadtrip-Fotomotive.
Das Monument Valley ist Teil des Navajo Reservats, dem grössten Indianerreservat der USA. Wir hatten Glück – die Scenic Drive hatte geöffnet und so konnten wir durch die bis zu 300 Metern hohen, imposanten Sandsteinfelsformationen, -türmen und -tafelbergen fahren. Bisher hatten auf unsrer Reise viele Indianerresevate und deren Sehenswürdigkeiten aufgrund von Covid noch geschlossen.

Sedona

Devil’s Bridge

Weiter gehts nach Sedona. Ziemlich überrascht sind wir an der Menge an (Mit-)Touristen. Während wir in den letzten Wochen viele Spots für uns alleine hatten, scheint sich der gesamte US-Tourismus auf Sedona konzentriert zu haben. Sedona ist auch wirklich eine wunderschöne romantische Kleinstadt umgeben von roten Berglandschaften (Red Rock Country) und Kieferwäldern. Da Sedona tief gelegen ist, sind auch die Temperaturen um mindestens 10 Grad wärmer als eine halbe Stunde weiter nördlich. Die Stadt selbst ist mit ihren Galerien und Spas sehr hübsch und aufgrund der spirituellen Kraft, die den Bergen um Sedona zugeschrieben wird, ist der Ort ein Zentrum der New Age Bewegung. In der Umgebung kann man wunderbar wandern, offroaden und sonst aktiv sein und durch das Vorhandensein zahlreicher Social Media Hot Spots wie Höhlen oder Steinformationen wie die Devils Bridge möchte jeder dahin und ein Foto machen (ja, wir sind nicht besser 😊).

Chapel of the Holy Cross in Sedona

Am ersten Tag waren wir zu spät bei allen Wanderungs-Ausgangspunkten – alle Parkplätze weit und breit waren besetzt, die Warteschlange riesig. Da wir beide noch angeschlagen/erkältet waren, war dies eine gute Ausrede uns auf öffentliches BLM Land zurückzuziehen und uns im Land Cruiser auszukurieren.
Die nächsten Tage sind wir dann früh aufgestanden, fanden direkt ein Parkplatz und mussten dann auch nicht anstehen bei irgendwelchen Foto Hotspots. Wir haben kleine Wanderungen zu Devils Bridge, Subway Cave / Keyhole Cave (sieht tatsächlich aus wie eine U-Bahnstation oder ein Schlüsselloch), den Cathedral Rocks mit Rundumaussicht und dem Soldier Pass Cave (einer weiteren Höhle) gemacht. So früh am morgen hatten wir die Orte auch noch fast für uns alleine (wir lasen, dass man für ein Foto bei der Devils Bridge teils über eine Stunde anstehen muss – in der Nebensaison!) und konnten uns auch Zeit lassen die entsprechenden Höhlen zu erkundigen. Wie es hier zur Hauptsaison aussieht wollen wir nicht wissen. Es hat definitiv Spass gemacht und das Red Rock Country ist wunderschön, aber wir sind auch froh, als wir dann weiterfahren und diese Touristenhochburg hinter uns lassen können.

Raphi und sein Hoodoo-Kumpel

New Mexico

Da wir Anfang Januar nach Mexiko einreisen möchten müssen wir langsam weiter und so reisen wir Richtung Westen in den Bundesstaat New Mexico. Die Strecke auf der Autobahn dahin war krass: Innerhalb von 4 Stunden Fahrt sahen wir ca. 15 umgekippte oder eingeknickte Lastwagen neben der Autobahn. Dies war wohl Resultat von Schnee- und Windstürmen in der Nacht davor. Auch New Mexiko kennen wir bereits ein bisschen und so lassen wir Hot Spots wie den wunderschönen White Sands National Park aus.
Im Norden New Mexikos, extrem abgelegen gibt es viele Orte die durch Erosion geformte Steinformationen – Hoodoos, bestückt sind. Wir machen uns auf zur Ah-Shi-Sle-Pah Wilderness Study Area. Leider sind wir damit wieder zurück in Kälte und Schnee. Weit und breit sind wir die Einzigen, mit Ausnahme von 2 Koyoten. Wir hören sie zwar fast jede Nacht, aber dies ist das erste Mal, dass wir sie zu Gesicht bekommen, wenn auch weit entfernt. Wir geniessen den Spaziergang durch die witzigen und bizarren Formationen, die oft wie Pilze, Menschen oder ähnliches aussehen (sogar das Smartphone hält ein Hoodoo für ein Gesicht beim Fotografieren). Es gibt auch immer noch viele Fossilien und versteinerte Bäume / Baumstümpfe in der Gegend zu entdecken.

Montezuma Hot Springs bei Mondschein

Einen weiteren Halt Richtung Westen machen wir bei den natürlichen Montezuma Hot Springs. Das Wasser der Hot Springs wird in verschiedene Steinpools geleitet, welche je nach Entfernung zur Quelle unterschiedliche Temperaturen haben. Das heissteste ist ca. 50 Grad und wird auch Lobster Pod (Lobstertopf) genannt, da man nach einem Bad knallrot ist. Im Wechselspiel aus Pause an der kalten Luft und dann wieder ab in die Hot Springs ist das Bad extrem angenehm.
Freiwillige Locals putzen die Quellen regelmässig. Ein paar davon lernen wir kennen und lauschen deren Geschichten über deren Vorfahren und New Mexico bei Fast-Vollmondschein während einem wunderbaren Bad in den Hot Springs – extrem entspannend.

Im International UFO Museum & Research Center

Ebenfalls vorbei kommen wir an Roswell. Das Städtchen ist berühmt für den sogenannten Roswell Incident, ein angeblicher Absturz eines UFO’s 1947, der Behauptungen zufolge von der Air Force vertuscht worden war. Dank dem Zwischenfall wurde das Städtchen zur UFO Hauptstadt erkoren. Überall gibt es entsprechende Statuen und Souvenirläden. Im International UFO Museum and Research Center lassen wir uns von Verschwörungstheorien berieseln und lernen alles was wir schon immer wissen wollten über Alien-Entführungen und UFO Begegnungen 😊

Sitting Bull Falls

Auf dem weiteren Weg statten wir noch den Sitting Bull Falls einen Besuch ab – schöne ca. 50 Meter hohe Wasserfälle (leider gerade mit wenig Wasser) durch zerklüfteten Stein inmitten der Wüste. Dann ist unser letzter New Mexico Stop für uns der Carlsbad Caverns National Park.
Der Park ist bekannt für seine 83 Tropfsteinhöhlen, darunter den mit 1.2km Länge und 200m Breite grössten Höhlenraum Nordamerikas – dem Big Room. Dieser gewaltige, an eine Kathedrale erinnernde Höhlenraum mit den kleinere Seitenkammern und den tausenden von der Decke hängenden Stalaktiten aber auch anderen teils riesigen Formationen, Stalagmiten und Popcorn war wirklich sehr eindrücklich.

Nun heisst es für uns noch einen Tag opfern um die undichten Seitenfenster abzudichten bevor wir anfangen Texas zu erkunden und dann in San Antonio Weihnachten feiern. 

Wir wünschen allen fröhliche Weihnachten und besinnliche Festtage!

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Canyons, 4×4-Fahrten und Wintereinbruch im einzigartigen Utah

Wir haben eine weitere fantastische Woche in Utah verbracht, aber nun holt uns der Winter ein und so fahren wir weiter.

Hole-in-the-Rock Road

Die Hole-in-the-Rock Road ist eine Nebenstrasse der Scenic Route 12 und führt 100km bis zum Lake Powell. Sie wurde ursprünglich um 1880 von mormonischen Pionieren «gebaut» im Versuch eine Abkürzung über den Colorado River (welcher mit dem Lake Powell gestaut wird) zu schaffen. Entlang der einsamen Hole-in-the-Rock Road befinden sich jede Menge Slot Canyons und weitere Sehenswürdigkeiten. 

Speziell waren die verschiedenen Wanderungen zu den Zebra, Peek-a-boo und Spooky Slot Canyons (sehr schmale Schluchten). Diese Slot Canyons sind extrem schmal und teils auch steil. D.h. wir mussten klettern und uns durchpressen. Wenn der Spalt unten zu schmal war, mussten wir die Canyonwände weiter hoch bis zu einem grösseren Canyonwand-Abstand und uns dann durch Abstemmen von Armen, Füssen und Hintern vorwärtsbewegen. Platzangst ist hier fehl am Platz. Der Zebra Canyon war dem Namen entsprechend wie ein Zebra gestreift, die anderen hatten eine rote Färbung, die je nach Sonnenstand und Reflexion der Sonnenstrahlen besonders schön zur Geltung kam. 

Ein weiterer Halt entlang der Hole-in-the-Rock Road war der Devils Garden – eine Gegend voller orange-weisser Sandsteinformationen wie z.B. Brücken, Hoodoos (Säulen) etc.

 

Raphi klettert im Hole-in-the-Rock

Wir sind bis ans Ende der Strasse gefahren bis zum eigentlichen Hole-in-the-Rock. Spätestens als irgendwann in der Mitte der Strecke, die Dirtroad zu einem 4×4 Track wurde, verloren wir auch noch die letzten anderen wenigen Touristen. Das Hole-in the Rock ist eine Spalte zwischen den riesigen Felswänden welche von den Mormonen als Zugang zum Lake Powell benutzt wurde. Mittlerweile wurde der extrem steile Weg durch diese Spalte durch riesige Felsbrocken komplett zerstört. Den Land Cruiser mussten wir oben lassen, mit viel Mühe konnten wir aber runterklettern. Kaum zu fassen, dass durch diesen steilen schmalen Spalt mal Wagen durchgezogen wurden. Am Lake Powell unten findet Raphi eine Schatzkiste – eine verlassene Werkzeugkiste, die wahrscheinlich an Land gespült wurde, spannend. Der Wasserstand des zweitgrössten Stausees der USA ist aufgrund von Trockenheit traurigerweise extrem niedrig. In Kanab wurde uns erzählt, dass Leute um 5 Uhr morgens anstehen, um ihr Boot ins Wasser zu lassen, da fast alle Bootrampen aufgrund des niedrigen Wasserstandes geschlossen wurden. 

Steven’s Arch beim Coyote Gulch Canyon

Neben den schmalen Slot Canyons gibt es entlang der Hole-in-the-Rock Road auch Zugang zu grösseren Canyons und so entschliessen wir uns dazu eine Tageswanderung im Coyote Gulch Canyon zu unternehmen. Die Wanderung war eine ziemliche Herausforderung. Um in den Canyon runterzukommen, mussten wir zu einem «Crack in the Wall» – einem ca. 30 cm-weiten Riss eines Felsen vor der Canyonwand wandern. Dort mussten wir uns durch diesen Riss hinunterzwängen und bis zur Bachsohle des Canyons absteigen, um dort im Canyon weiter zu wandern. Dies war dann wunderschön. Der Bach (Coyote Gulch) bietet im rotgoldenen Canyon mit den steilen, bis 200 Meter hohen Wänden Grundlage für eine üppige Vegetation, welche einen wunderschönen Kontrast darstellt. Entlang der Canyonwände gibt es viele Einbuchtungen und zusammen mit dem Wasser, das da runtertröpfelt, führt dies zu wunderschönen hängenden Gärten. Hinzu kommen noch die riesigen Arches (= Sandsteinbögen und -brücken) und Höhlen, sowie die vielen kleinen Wasserfälle / Kaskaden des Coyote Gulch. Schade nur, dass viel Vegetation aufgrund der Jahreszeit ergraut ist – Frühling, Herbst und auch Sommer müssen hier magisch sein. Dafür sahen wir jede Menge Eisblumen. Auch mussten wir wieder und wieder den Bach überqueren, was bei der Kälte mühsam werden kann. Schliesslich haben wir es durch eine Mischung aus Brückenbauen aus Holz und Stein, Zähne zusammenbeissen und barfuss durchqueren und Wanderstab-Hochsprung geschafft, dass die Schuhe trocken blieben.

Der Ausstieg aus dem Canyon war ein wenig zu krass. Wir mussten eine steile Canyonwand hochklettern (nicht senkrecht, aber sehr steil), zum Teil ohne Unregelmässigkeiten, die einem Halt gaben. Wenn man an einer Stelle ankommt, an welcher man weder vor noch zurück weiss, muss man sich doch schön zusammenreissen, um keine Panikattacke zu bekommen. Schlussendlich sind wir aber heil oben angekommen und schliessen mit dieser wunderschönen Wanderung das Kapitel Hole-in-the-Rock Road ab. 

Die verschiedenen Schichten des Waterpocket Fold

Capitol Reef National Park

Weiter führt uns die Scenic Route 12 zum Capitol Reef National Park. Der Park schützt eine Gegend, die durch eine Falte der Erdoberfläche geprägt ist. Diese Falte besteht aus verschiedenen Steinschichten, die hochgepresst wurden, teils erodiert wurden und nun alle nebeneinander zum Vorschein kommen. Aus geologischer Sicht höchst faszinierend, aber auch für Laien wie uns wunderschön, da die verschiedenen Schichten durch unterschiedliche Farben geprägt sind. Natürlich gibt es auch hier jede Menge verschiedener Steinformationen und Canyons. Wir haben eine kleine Wanderung zum und auf den Sandsteinbogen Cassidy Arch gemacht. Weiter sind wir in den abgelegenen Teil Cathedral Valley gefahren, wo wir wieder mal weit und breit die Einzigen waren. Die imposanten Sandsteinformationen erinnern dem Namen gemäss tatsächlich an gotische Kathedralen. Wir haben es grad noch zur Abenddämmerung geschafft. Gerne hätten wir den sehr eindrücklichen Park und das Cathedral Valley ausgiebiger erkundigt, aber die Wettervorhersage kündigt Schnee an und wir haben noch einiges hier oben vor, bevor wir in den Süden fahren.

Rund um Moab

Moab ist eine Kleinstadt im Südosten Utahs. Zwischen 2 Nationalparks liegend und mit unzähligen Wanderwegen und 4×4-Tracks in der Gegend ist Moab ein absolutes Touristenzentrum und war auch für uns Ausgangspunkt für unsere Exkursionen. Wir haben 2 ziemlich heftige 4×4-Strecken ausprobiert, bei welchen wir wirklich nicht wussten, ob der Land Cruiser das heil überlebt. Es gab steile Felstreppen etc., zum Teil mussten wir auch selbst Treppen aus Steinen bauen, da der Land Cruiser sonst zu viel Höhe in einem Schritt überwinden hätte müssen. Einige Male hörten wir wie ein Steine unten am Auto etwas berühren, aber kaputt ging zum Glück nichts. Der panikerfüllteste Moment war, als wir an einem Hang standen, beide draussen standen, und der Land Cruiser plötzlich anfing zu rollen. Zum Glück konnte Raphi grad noch rechtzeitig reinspringen und das Auto stoppen. Bei beiden Tracks wurden wir mit grandioser Aussicht belohnt. Beim «Top of the World»-Track standen wir am Schluss auf einer steilen Klippe mit Wahnsinnsausblick auf rote Berge und Schneeberge im Hintergrund, nur leider bei schlechtem Wetter. Beim «Hells-Revenge»-Track in der Sand Flats Recreation Area hatten wir ebenfalls wunderschöne Aussicht auf die Sand Flats – Sandsteinhügel, wieder mit Schneebergen als Kulisse.

Wir haben eine Bewilligung eingeholt, die regulierte «White Rim Road» im Canyonlands National Park zu fahren. Für die 160km lange Strecke braucht man ebenfalls ein 4×4 Fahrzeug und mindestens 1 Tag Zeit, aber sie ist definitiv weniger anspruchsvoll als «Top of the world» & Co. Die Strasse durch diese weiten Canyonlands, oft einem White Rim (weissen Canyonrand) folgend war grandios. Canyons innerhalb von Canyons, steile Kliffs, faszinierende Formationen, die Green und Colorado Flüsse und einmal mehr die schneereichen La Sal Berge als Kulisse machen die Strecke zu einem weiteren Highlight. Es werden bis zu 50 Bewilligungen pro Tag ausgestellt, aber insgesamt sind wir nur 2 anderen Fahrzeugen begegnet.

Inzwischen ist es verdammt kalt geworden, in der Nacht -8 Grad, tagsüber knapp über 0 und Anouk hat sich stark erkältet. Obwohl Moab und Umgebung noch so viel zu bieten hätten, entschliessen wir uns schweren Herzens in den Süden zu fahren. Schon stark angeschlagen bei Minustemperaturen zu übernachten (keine Isolation im Land Cruiser) ist wohl nicht das Beste. Irgendwann kommen wir wieder, denn wie zu Beginn gefürchtet, unsere Utah-Noch-To-Do-Liste ist nicht kürzer geworden, sondern länger.

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White Pocket

Ein Highlight jagt das nächste entlang der Utah / Arizona Grenze

Diese Woche haben wir im Süden Utahs / Norden Arizonas verbracht und unsere Erwartungen wurden komplett übertroffen. Die Hauptattraktionen wie Zion, Bryce, Arches, Grand Canyon National Parks und Antelope Canyon etc. haben wir 2015 besucht und lassen diese aus. Sie sind wunderbar und wir hätten sie sehr gerne wieder besucht, wenn wir mehr Zeit hätten, aber die unendliche Anzahl an weiteren wunderschönen Orten in diesen beiden Staaten lässt dies nicht zu. Auch wollen wir ausnutzen, dass wir mit unserem Fahrzeug an viele abgelegene Orte kommen, die ohne Allrad nicht zu erreichen sind. Jeden Tag, welchen wir hier verbringen hören wir von oder entdecken wir noch weitere Dinge, die wir tun könnten. Jedes Mal, wenn wir denken ein Erlebnis nicht mehr toppen zu können (und das passierte sehr oft diese Woche), wartet ein neues Highlight auf uns. Das Einzige womit wir zu kämpfen haben, ist unsere fehlende Isolation bei Minustemperaturen in der Nacht. Während es tagsüber bis zu 20 Grad warm wird, ist es in der Nacht unter 0. Obwohl wir vor dem Schlafen noch kurz die Standheizung laufen lassen, haben sich am Morgen bereits kleine Eiszapfen am Dachfenster im Land Cruiser gebildet und unser Atem kondensiert. Aber man kann nicht alles haben 🙂 

Südwesten Utahs

Toquerville Falls

Nach einem Autoservice im Städtchen St. George machen wir uns in der Gegend auf Erkundungstour. Unser erster Trip verlangt uns wieder Einiges ab: der Beschreibung nach hatte sich die 4×4 Route zu den Toquerville Falls sehr locker angehört und so wurden wir doch sehr von den steilen Felsen, die wir mit dem Land Cruiser bezwingen mussten, überrascht. Mehrmals wären wir fast umgekehrt, aber schliesslich haben wir die 10 Kilometer in ein wenig mehr als einer Stunde geschafft. Belohnt wurden wir mit einem wundervoll prächtigen, einsamen Wasserfall mitten in der Prärie (woher kommt nur diese grosse Menge Wasser her?!). Wir nutzten die Gelegenheit uns im eiskalten Wasser zu waschen (zumindest Raphi, Anouk hats nur mit den Füssen reingeschafft). Die Strasse führte sogar durch den Wasserfall und so konnten wir das erste Mal mit dem Land Cruiser einen Wasserfall durchqueren 🙂.

Double Arch Alcove

Weiter sind wir zu den Kolob Canyons – ein separater und damit wenig besuchter Teil des Zion National Parks. Unter anderem haben wir die Wanderung durch ein Tal zu zur Double Arch Alcove, eine Halbhöhle mit zwei Felsbrücken gemacht. Eigentlich sind wir eher gerannt, da wir uns für das eiskalte Tal eindeutig zu kurz angezogen hatten (beim Parkplatz in der Sonne wars eben noch warm). Wir mussten immer wieder denselben, teils gefrorenen Bach auf Steinen balancierend überqueren, da mussten wir ziemlich aufpassen 🙂Trotzdem war die Wanderung inmitten der majestätischen hohen rotgoldenen Felswänden wunderschön.
Ein anderes Mal sind wir zu den Yant Flats / Candy Cliffs – wieder so ein Geheimtip. Wir waren weit und breit die Einzigen auf diesen wunderschönen Steinformationen. Wenn man auf die Felsen kletterte wurde man mit atemberaubenden Rundumausblick belohnt.
Dann sind wir zur Red Cliffs Recreation Area und haben dort ebenfalls eine spannende Wanderung teils durch eine Schlucht gemacht bei welcher wir Felsen runterrutschen und entlang klettern mussten.

Vermillion Cliffs National Monument

Buckskin Gulch

Danach sind wir weiter in die Mitte von Utahs Süden wo wir das wenig besuchte 1200 km2 grosse Vermillion Cliffs National Monument auf der andern Seite der Grenze in Arizona besuchen. Bekanntester Exponent davon ist „The Wave„. Diese wellenförmige Steinformation ist spätestens seit es Windows Bildschirmschoner mit Landschaften gibt weltweit berühmt. Pro Tag gibt es aber nur 16 Permits für die Wanderung dahin, die teils 3 Monate im Voraus per Online Lotterie vergeben und teils am Vortag per „Walk-In“-Lotterie im Städtchen Kanab verlost werden. Bei der Online Lotterie waren wir leider erfolglos, aber stattdessen haben wir ebenfalls 3 Monate im Voraus eine Bewilligung für den Zugang für Coyotte Buttes South neben der Wave besorgt. Diese dürfen nur 20 Personen pro Tag besuchen. Da aber nicht so heiss begehrt, war es sehr leicht im Voraus ein Permit zu sichern.
Zuerst sind wir aber zum Buckskin Gulch – mit ca. 21 KM der längste Slot Canyon in den USA.
Slot Canyons sind enge Schluchten, die durch Wasser gebildet wurden und von welchen es in USA’s Südwesten zahlreiche gibt – der Bekannteste davon ist der Antelope Canyon.
Und siehe da, das einzige andere Auto auf dem Parkplatz hat ein Schweizer Nummernschild 🙂 Wir reden mit den beiden Reisenden aus dem Kanton Waadt, die seit 25! Jahren in ihrem Auto in den Amerikas, Asien, Afrika unterwegs sind. Damit kennen sie sich sehr aus und geben uns viele wertvolle Tipps, auch weitere Geheimtipps für Vermillion Cliffs auf den Weg.

Extrem filigrane Sandsteinkunstwerke

Die Wanderung durch den Buckskin Gulch war sehr eindrücklich, wir haben aber nicht die ganzen 21 KM gemacht. Teils musste man Holzleitern zum Klettern nutzen. Ehemalige Holzleitern sieht man ca. 15 Meter über dem Boden zwischen den Schluchtwänden feststecken – das Ergebnis von tobenden Sturzfluten. Ja, wenn es regnet sollte man besser nicht hier sein.
Nach dem Buckskin Gulch besuchen wir Edmaiers Secret, von den beiden anderen Schweizern empfohlen. Wieder mal sind wir sprachlos von der Schönheit der Steinformationen und deren Farben, dieses Mal gibt es viel ‚Brain Rock‘ (ja das heisst so) und eine Art hauchdünnes Sandstein – Gewebe, dünne Sandsteintreppen und vieles mehr. Kein Wunder werden diese Orte so gut es geht unter Verschluss gehalten: Dieses filigrane Gewebe aus Sandstein ist extrem sensibel und geht kaputt wenn jemand drauftritt.

The „Mini Wave“ bei Coyotte Buttes South

Für den nächsten Tag haben wir den Permit für Coyotte Buttes South. Das Gebiet ist ziemlich gross und es gibt keine Wanderwege. Wir beschliessen von einem Zugangspunkt zum andern zu wandern und wieder zurück (Luftlinie ca. 6 Km oneway). Bei Hitze und ohne Weg stellt sich dies doch als eine grössere Herausforderung dar. Wir laufen oft im Zickzack oder landen vor einem Abgrund und müssen dann wieder einen grossen Umweg machen. Zudem weiss jeder von uns auch noch die Richtung besser, was zu kleineren Konflikten führt 🙂 Wir wurden aber mit absoluter Einsamkeit und Stille belohnt und es war mega eindrücklich inmitten dieser Steinformationen zu stehen, ohne Menschenseele weit und breit. Und die Schönheit, Feinheit und Vielfalt der Formationen war absolut faszinierend, jedes Einzelne ein Kunstwerk und man hätte bei jedem Stunden damit verbringen können es zu studieren. Ein absolutes Wunder, was die Natur alles zu Stande bringt. 

White Pocket

Nach Coyotte Buttes haben wir kurz vor Sonnenuntergang noch die sandige 4×4 Route zu White Pocket zurückgelegt und wurden erneut vom Hocker gehauen. Wieder ganz andere Steinformationen, wunderschön aber dieses Mal skuriller. Für diejenigen, die die Kinderbücher Ms. Frizzle kennen – man kommt sich vor als wäre man inmitten einer Expedition von Ms. Frizzles Klasse in den menschlichen Körper und würde auf einem Gehirn herumklettern.
Jedenfalls sind wir uns am Schluss einig – ein solch schöner Ort wie die Vermillion Cliffs mit seiner Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Wildnis und unzähliger Vielfalt an Kunstwerken der Natur haben wir noch nie gesehen.

Kanab

The Great Chamber

Nach den Vermillion Cliffs fahren wir nach Kanab. Wir möchten unser Glück an der Walk-In Lotterie für „the Wave“ versuchen, im konservativen Utah ist dies die einzige legale Lotterie. Es war ein lustiges Erlebnis. In der Schulturnhalle, in welcher die Lotterie stattfindet mit der Jury in der Mitte fühlt man sich 20 Jahre zurückversetzt, der Lotterie-Chef ist unterhaltsam, man macht zwischen Zettel ausfüllen und Auslosung neue interessante Bekanntschaften und am Schluss ist die Spannung doch sehr gross. Wir hatten an beiden Tagen, an welchen wir teilgenommen hatten kein Glück. Aber wie der Lotterie-Chef so schön sagte: „You have already won anyway – you are in Southern Utah“ – wie Recht er doch hat.

Red Canyon Slot

Red Canyon Slot

In Kanab werden wir wegen unserem Lörracher Kennzeichen von einem deutschen Auswanderer angesprochen, der uns einen weiteren 4×4 Geheimtipp gibt und so besuchen wir the Great Chamber, einen riesige Halbhöhle gleich ausserhalb der Stadt mit wunderschöner Aussicht. Auf dem Rückweg, wo wir uns an einem anderen 4×4 Weg versuchen kommen wir das erste Mal an unsere Grenzen. Die Hälfte des Sandwegs bricht in der Mitte abrupt ab. Nachdem Raphi etwa eine halbe Stunde damit verbringt die Strasse wieder zu reparieren und mit Steinen, Sand und mit unseren Sandblechen stabilisiert, wir aber auf halbem Weg trotzdem noch zu fest absinken, kehren wir doch um. Das Risiko wollen wir nicht eingehen.
Kleinere Ausflüge haben wir zu den Sand Caves (Sandsteinhöhlen am Hang), Belly of the Dragon (Name ist sehr zutreffend, das Tunnel könnte wirklich ein Drachenmagen sein) und dem Red Canyon Slot (schmaler Slot Canyon) gemacht.

Scenic Route 12

Dann gehts weiter auf die Scenic Route 12 ins Grand Staircase Escalante Monument.
Da auf dem Weg machen wir doch noch einen kleinen Abstecher in den Bryce Canyon National Park mit seinen tausenden Hoodoos (Sandsteinsäulen) und geniessen die Abenddämmerung beim Bryce Point.
Weiter besuchen wir entlang der wirklich tollen aber einsamen Scenic Route 12 den eindrücklichen 45 Meter hohen Doppelbogen Grosvenor Arch.
Das nächste Ziel ist die Hole-in-the-Rock Road, aber dazu mehr nächste Woche.

Bryce Point

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Eureka Dunes

Wieder unterwegs: Thanksgiving im Death Valley & Valley of Fire

Lightscape

Nachdem wir nach einigen Diskussionen zum Glück wieder in die USA gelassen wurden, blieben uns noch 2 Tage in Los Angeles. Wir hatten noch Einiges zu erledigen, wie zum Beispiel das undichte Dachfenster zu reparieren, die Wassertankisolation oder Reifen zu rotieren. Trotzdem geschafft haben wir es noch zur Ausstellung Lightscape im Botanischen Garten / Arboretum. Lightscape ist eine riesige Lichterinstallation im Einklang mit den jeweiligen Pflanzen, immer synchron mit unterschiedlicher Musik je nach Abschnitt und teils weihnachtlicher Atmosphäre.
Danach mussten wir schweren Herzens Abschied von LA, Ruth und Christian nehmen und leben nun wieder im Land Cruiser – nach 6 Wochen Pause!
Bevor wir aber wieder alleine unterwegs sind, fahren wir noch mit der Familie von Anouks Cousin über die Thanksgiving-Ferien ins Death Valley.

Death Valley

Sidewinder Canyon Trail

Das Death Valley ist ein Nationalpark der Extreme: es handelt sich um das trockenste Gebiet Nordamerikas, es beinhaltet den tiefsten Punkt Nordamerikas (86m unter Meeresspiegel) und die höchste je gemessene Temperatur (57 Grad) wurde hier registriert.
Ganz so heiss hatten wir es nicht – nur ca. 25 Grad tagsüber und in der Nacht wurde es richtig kalt.
Einen Tag fuhren wir zum Racetrack Playa mit den Wandering Rocks – den wandernden Steinen. Diese sind dafür bekannt auf dem komplett ebenen getrockneten Seebett der Playa sich über Zeit fortzubewegen und dabei eine Spur zu hinterlassen. Erst vor etwa 7 Jahren wurde bekannt, was hinter dem Phänomen steckt: Bei kälteren Temperaturen bildet sich auf dem Seebett eine dünne Eisschicht, welche bei Morgensonne schmilzt. Bei Wind kann es dann sein, dass die Steine bewegt werden.
Weiter sind wir die 4WD Strecke durch den Teils engen und kurvigen Titus Canyon (Titus Schlucht) gefahren oder sind in den Mesquite Dunes gelaufen mit jeweiligen Wettrennen wenn es darum ging die Dünen hinunterzukommen.
Spass gemacht hat auch eine Wanderung durch die Schlucht Sidewinder Canyon. Unterwegs gab es einige noch engere Seitenschluchten (zum Teil komplett dunkel) zu erkunden, was oft nur mit klettern ging. An Thanksgiving gab es dann im Restaurant neben dem Campground das klassische Thanksgiving Dinner – Schinken, Truthahn mit Stuffing und vielen Beilagen und Pumpkin Pie zum Dessert. Es war cool das mal mitzuerleben. Nur schade, dass wir den Turkey nicht im ganzen Zustand gesehen haben. Zum Glück isst man typischerweise sehr früh (in unserem Falle um 16 Uhr), da man danach so unglaublich voll ist, dass man unmöglich schlafen gehen kann.

Am nächsten Tag mussten wir uns leider auch noch von unseren letzten Weggefährten verabschieden und sind nun nach fast 7 Wochen Gesellschaft wieder alleine unterwegs. Während Cousin und Familie zurück nach Orange County fuhren, unternahmen wir noch einen Ausflug zu den sehr abgelegenen und nur durch eine Dirtroad zu erreichenden Eureka Dunes (ebenfalls im Death Valley). Diese sind die neben den Great Sand Dunes in Colorado die höchsten Sanddünen Nordamerikas. Die über 200 Meter hohe Düne zu erklimmen war wirklich sehr anstrengend, da man ja mit jedem Schritt mindestens wieder einen halben absinkt. Aber es war eine willkommene Möglichkeit das Thanksgiving Dinner ein wenig zu verdauen und der Ausblick war wunderschön.

Danach verabschieden wir uns von Kalifornien und fahren wieder nach Nevada. Nächster Stopp ist der Valley of Fire State Park. Bei unserem Übernachtungsspot vor dem Park auf öffentlichem (=BLM) Land kamen wir noch in Genuss von einem grossem Feuerwerk gleich neben uns. Es schien, als ob sich verschiedene Personen verabredet haben und jeder sein eigenes Feuerwerk abliess, eines schöner und grösser als das andere. Verrückt, was man manchmal so auf BLM Land antrifft.

Valley of Fire State Park

Bei der Fire Wave

Den nächsten Tag haben wir im Valley of Fire State Park verbracht. Er besteht aus einer Felslandschaft in allen Feuerfarbtönen – rot, orange, gelb, pink. Inmitten der grau, braun, goldenen Prärie wirkt die Landschaft fast als wäre sie künstlich dahin platziert worden. Es handelt sich aber um ehemalige Dünen, die dahin geweht wurden und über Jahre zu Sandstein versteinert wurden. Wir haben kleine Wanderungen gemacht und sind die Scenic Drive gefahren. Besonders gefallen hat uns die Steinformation Fire Wave mit der wunderschönen Wellenmusterung und der Pink Canyon, eine kleine rosafarbene Schlucht. Das erste Mal kamen unsere Sandbleche zum Einsatz: ein anderer Besucher hat sein Mietwagen auf einem Sandhügel beim Parkplatz festgefahren und mit den Sandblechen gelang es Raphi das Auto zu befreien.

Endlich auf dem OHV Trail angekommen

Nach den Wanderungen hatten wir noch nicht genug und online fanden wir ein „OHV“-Track am Park angrenzend. Ein OHV-(=Off Highway Vehicle)-Track ist ein Weg, der nur von dafür gebauten Fahrzeugen gefahren werden kann wie Quads /ATVs oder Jeeps mit viel Bodenfreiheit. Da er moderat eingestuft war, dachten wir, dass wir den auch mit unserem Land Cruiser schaffen. Womit wir nicht gerechnet haben, war, dass der Anfahrtsweg schwieriger war als der Track selbst. Wir waren zum Rock Crawling (=über steile unebene Felsen fahren) gezwungen, haben uns beim Navigieren durch eine schmale Schlucht die Scheiben zerkratzt und mussten ohne Bahnübergang über befahrene Gleise kommen. Oft kamen wir nicht weiter und mussten aus dem Labyrinth an Wegen einen anderen einschlagen. Es war ein Abenteuer, aber irgendwie haben wir es heil geschafft und der Track war wirklich schön. Wir hatten nur noch Zeit für einen kleinen Teil, da auch schon die Sonne unterging. Mit diesem Abenteuer schliessen wir auch mit Nevada ab und freuen uns auf Utah und Arizona.

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Ferien in und um LA, Halloween und Día de Muertos

Sonnenuntergang bei Erwin’s Rooftop Lounge

Schon fast ist unsere Zeit in Los Angeles zu Ende und trotzdem konnten wir nicht mal die Hälfte von dem tun, was wir geplant hatten. Wie haben es extrem genossen und wurden viel zu sehr verwöhnt.

Viel haben wir am Land Cruiser gearbeitet. Zum Beispiel haben wir eine neue Batterie bestellt und eingebaut und Raphi hat eine Halterung für das Fähnchen, welches man bei Dünenfahrten braucht, gebaut. Wir haben entdeckt, dass das Dachfenster nicht dicht ist und müssen eine Lösung dafür basteln. Anouk hat viel Zeit mit Costa Rica Planung verbracht, während Raphi den kaputten Öldrucksensor repariert hat, und und und… Fast jeden Tag kam es eine Päckchenflut von irgendwelchen Teilchen, die wir bestellt haben. 

Ansonsten haben wir Spaziergänge in Venice und Santa Monica und im hipstrigen Silver Lake Viertel unternommen. Silver Lake ist bekannt für seine vielen steilen unterschiedlich bemalten Treppen. Von der Mulholland Drive in den Hügeln haben wir die Aussicht auf LA bewundert. In Downtown waren wir im Fashion District günstig shoppen und haben in der Rooftop Bar des höchsten Hochhauses LA’s (Wilshire Grand Center) einen Drink und die Aussicht genossen. 

Zu viel mehr Sightseeing sind wir leider nicht gekommen, aber wir kennen LA auch schon gut von früheren Besuchen. Dafür haben wir die kulinarische Vielfalt sehr genossen und gingen häufig mit der Familie essen oder in originelle Bars. 

Halloween und Día de Muertos

Ein weiteres Wochenende haben wir bei der Familie von Anouks Cousin in Orange County verbracht. Dort erlebten wir ein weiteres Highlight unserer gesamten Reise: Anouks Cousin arbeitet bei der Polizei und wir durften ihn bereits vor 2 Jahren eine Nachtschicht lang begleiten. Diesmal hat er was ganz Besonderes organisiert: Wir durften die Polizei auf Schicht auf einem Flug mit dem Polizei- Helikopter begleiten! Das war wunderschön und superspannend. Wir sahen viel, unter anderem einen wunderschönen Sonnenuntergang, ein paar kleinere Einsätze und die riesige Ansammlung von Containerschiffen, die vor der Küste auf Abfertigung wartet. Seit vielen Wochen gibt es ein Containerstau vor den 2 grössten Häfen der USA – die nebeneinanderliegenden Häfen von Long Beach und LA. Zum Teil warten bis zu 100 Schiffe – ein Resultat aus gestiegenem Postcovid-Konsum und gravierendem Personalmangel. 

Sprechende Kürbisse

Mit der Familie von Anouks Cousin haben wir auch Halloween gefeiert und einen «Trunk or Treat»-Anlass und «Trick or Treat»-Umzug mitgemacht. «Trunk or Treat» war eine Veranstaltung in der Schule, bei welcher die Kinder Kofferräume sehr umfangreich dekoriert und Süssigkeiten ausgeteilt haben. Das Ganze war verbunden mit verschiedenen Spielen, lauter Musik und weiterem Unterhaltungsprogramm definitiv ein spassiger Anlass – für jung und alt. Am Halloween-Abend haben sich Familien für «Trick or Treat» zusammengetan und während die Kinder von Haus zu Haus rannten und Süssigkeiten sammelten, sind die Eltern mit einem Glas Wein in der Hand hinterherspaziert. Manche Hausbesitzer haben sich extrem Mühe gegeben mit ihrer Dekoration. Es gab sprechende und sich bewegende Figuren, Kunstrauch und alles Mögliche – zum Teil sehr kreativ. Ein grösseres Anwesen hat ein ganzes Labyrinth aufgebaut mit Nebelmaschinen und vielen verkleideten Personen, welche die Durchlaufenden erschreckt haben. Auch die Erwachsenen durften durch das Labyrinth und Anouk hat wahrscheinlich mehr geschrien als so manches Kind 🙂

Zurück in LA haben wir Día de Muertos Feierlichkeiten besucht. Die grossen Umzüge am Wochenende haben wir verpasst, aber es gab eine Aufführung und Austellungen im mexikanischen Viertel in Downtown. Día de Muertos ist eines der wichtigsten mexikanischen Feiertage und wird vom 31. Oktober bis zum 02. November gefeiert. LA, mit vielleicht der grössten mexikanischen Community ausserhalb Mexikos ist kein schlechter Ort, um das Fest mitzuerleben. Mit farbigen Umzügen, Kostümen, Aufführungen etc. wird den Toten Respekt gezollt. Zuhause oder auf dem Friedhof werden bunte Altare aufgestellt, um die Toten, die während diesen Tagen die Lebenden besuchen, willkommen zu heissen und mit ihnen zu feiern. Um die lange Reise der Toten zurück zu den Lebenden so angenehm wie möglich zu gestalten wird oft deren Lieblingsspeisen und Trinken, Fotos und jede Menge weitere Gegenstände, die den jeweiligen Verstorbenen gefallen hatten, bereitgestellt. Da schon für die Azteken, bei welchen das Fest seine Ursprünge findet, der Tod eine natürliche Phase im Lebenskontinuum war, ist das Fest keine traurige Angelegenheit. Im Gegenteil – die Feierlichkeiten sind laut, bunt, ausgelassen, schliesslich soll mit den Verstorbenen gefeiert werden.

Las Vegas

Einen kleinen Ausflug haben wir auch noch nach Las Vegas unternommen. In den 2 Tagen hatten wir eigentlich nur Zeit für den Strip – die Hauptmeile mit den pompösen Casinos – was aber wie immer sehr unterhaltsam war, da jedes Casino einem anderen Thema gewidmet ist von Venedig  über Ägypten bis zu Disney.

Nun fliegen wir nach Costa Rica, da unsere 3 Monate Maximalaufenthalt USA ausgeschöpft sind und hoffen, dass wir danach wieder ins Land gelassen werden.

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Santa Monica

Vorübergehende Pause vom Minimalismus und weitere Pläne

In LA (Santa Monica)

Wir sind in LA angekommen! Nach 10 Wochen „on the road“ in den USA ist dies für uns ein Wechsel ins absolute Luxusleben ❤ Hier in LA kommen wir bei Anouks Tante in Venice unter und geniessen die Zeit mit ihr und ihrem Mann und können Dinge mit Anouks Cousins und deren Familien, alle in der Gegend wohnhaft, unternehmen. Ausserdem nutzen wie die Zeit für Putzen, Reparaturen, Ausbesserungen am Land Cruiser und Reiseplanung. Uuuund wie geniessen es mal wieder in einem richtigen Bett zu schlafen und noch viel mehr wieder richtig und regelmässig zu duschen 😊 Und wir werden richtig verwöhnt was Essensvielfalt angeht – ob mit Somalisch, koreanischem Barbecue oder Griechisch. Eine schöne Abwechslung zu unserem Brot vs. Pasta – Alltag im Land Cruiser. 
Der Plan ist ca. 3 Wochen hier zu bleiben (mit ein paar Ausflügen z.B. nach Las Vegas). Dann müssen wir ausreisen: Aufgrund von Covid werden keine Visums für die USA ausgestellt, deswegen beträgt unser Maximalaufenthalt 3 statt 6 Monate. Schnell über die Grenze nach Mexico ausreisen reicht nicht, wir müssen den NAFTA-Raum verlassen, wenn wir noch länger in den USA bleiben wollen. Deswegen fliegen wir im November 2 Wochen lang nach Costa Rica und lassen den Land Cruiser bei Anouks Tante. Danach fahren wir weiter nach Utah / Arizona, wo es viele wunderschöne Allrad-Routen gibt und dann weiter nach Texas. Gegen Ende Dezember / Anfang Januar planen wir die USA endgültig zu verlassen und nach Mexico einzureisen.

Big Sur und die südliche Highway 1

See-Elefanten am Kämpfen

Aber nun zu letzter Woche: Nach dem Bristlecone Pine Forest sind wir zurück an die Küste auf die Highway 1 bei Höhe Big Sur – eine der spektakulärsten Abschnitte dieser Strasse. Die Vorfreude auf LA war allerdings so gross, dass wir uns nicht mehr richtig Zeit genommen haben.
Wir haben einen Spaziergang zu einem Gezeitenfall gemacht (ein Wasserfall, der bei Flut direkt ins Meer mündet) und weiter südlich See-Elefanten besucht. Diese sind sehr lustig zu beobachten. Zum grössten Teil liegen sie einfach da, manchmal mampfen sie etwas, kratzen sich, suchen wälzend nach einer bequemeren Liegeposition, kämpfen mit anderen, legen sich dann aber ziemlich schnell erschöpft wieder hin.
Auch haben wir noch ein Monarch Schmetterling Sanctuary (=Zufluchtsort) besucht, wo Monarch Schmetterlinge aus kälteren Gebieten überwintern, bevor sie zurück in den Norden fliegen. Die Tausenden von Schmetterlingen sind faszinierend, sie sind aber gut getarnt und schwer zu sehen, wenn sie sich nicht bewegen.

Venice

Unser Land Cruiser in Hollywood

Dann kamen wir endlich in Los Angeles bzw. Venice an. Dort haben wir die ersten Tage hauptsächlich mit Waschen und Grossputz von Land Cruiser und kleineren Reparaturen verbracht. z.B. haben wir festgestellt, dass unser Trackinggerät nicht mehr funktioniert seit Oregon. Oder wir sind in ein Nagel gefahren und mussten das Rad flicken und mit dem Ersatzrad tauschen.

Mit Freude haben wir bei Spaziergängen festgestellt, dass sich der Stadtteil Venice, seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren wieder stark verbessert hat.
Venice entstand anfangs 20. Jahrhundert als florierendes Vergnügungsviertel mit vielen Venedig-nachempfundenen Kanälen, Gondeln und Freizeitaktivitäten am Strand. Mit der Prohibition ging das Viertel stark ein, viele der Kanäle wurden zugeschüttet. In den 1960ern zog das Gebiet, da heruntergekommen und günstig viele Künstler an und gewann an Beliebtheit. Erst in den 90ern wurden dann die noch bestehenden Kanäle restauriert und das Viertel wurde sehr hip und für seinen verrückten Venice Beach weltberühmt. In den letzten Jahren hatte Venice mit vielen Zeltstädten und erhöhter Kriminalität zu kämpfen. Erst diesen Sommer wurde aufgeräumt, für Obdachlose wurden Unterkünfte gefunden und nun sind viele Strassen und der Venice Beach so sauber wie schon lange nicht mehr.

Ein paar Tage haben wir noch einen Cousin mit Familie in Orange County (das Vorstadt-Gebiet um Los Angeles herum) besucht und unter anderem im Crystal Cave State Park am Strand Krebse und sonstige Meereslebewesen in den Tide Pools (=Gezeitenpools) beobachtet. 

Wir geniessen es wirklich sehr mal einen Gang runter zu schalten – aber die Zeit rast auch hier. 

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Ancient Bristlecone Pine Forest

Unser Wüstenabenteuer und die höchsten und ältesten Bäume der Welt

Nach unserem Besuch der Alvord-Wüste in Oregon entschlossen wir uns, gleich noch die Black Rock Desert im Norden Nevadas anzuhängen. Die Black Rock Desert ist eine je nach Definition ca. 12’000 km² weite Wüste – hauptsächlich bestehend aus trockener Steppe, Hügeln und vor allem bekannt für seine riesige über 500 km² grosse Playa. Diese Playa ist eine der ebensten Gegenden der Welt. Hier wurde bereits der Landgeschwindigkeitsrekord aufgestellt (sogar die Schallmauer wurde durchbrochen) und regelmässig werden selbstgebaute Raketen ins Weltall geschossen. Jährlich findet hier Burning Man statt – ein riesiges Festival, für welches eine ganze Stadt aufgebaut wird. Ansonsten ist die Black Rock Desert total ausgestorben, da sie sehr abgelegen ist.

Black Rock Desert

Vieles ist grau, Quellen und Bäche erkennt man an der grünen Vegetation

Obwohl die Black Rock Wüste mehr oder weniger angrenzend ist, ist der Weg bis zur Playa über die Highway / Hauptstrasse ca. 600 Kilometer lang. Auf einer unsrer Offline-Karten-Apps sahen wir jede Menge Wege und so entschlossen wir uns kurzerhand eine ca. 250km „Abkürzung“ via Dirt Tracks zu nehmen. Vielleicht hätten wir uns besser informieren sollen und mehr Sicherheitsvorräte mitnehmen sollen, es ist schlussendlich Prärie / Wüste mit keinen anderen Autos weit und breit. Aber wir hatten kein Internet und keine Lust vor unserem Offroad Abenteuer nochmals stundenlang zu fahren bis zum nächsten Ort mit Internetempfang. Einen vollen 50 Liter Wassertank und einen Wasserfilter haben wir ja dabei 😊
Schlussendlich ist alles gut gegangen. Allerdings war es definitiv keine Abkürzung – wir haben 2 Tage gebraucht. Aber es war ein spannendes Erlebnis und hat sich definitiv gelohnt:
Einerseits war es schon schwierig einen Weg zu finden. Die Dirt Roads glichen einem Labyrinth, manche waren privat oder gesperrt (was in unserer Offline Map nicht ersichtlich war). Andere Strassen, die wir als Alternative genommen haben, waren gar nicht erst in unserer Map eingezeichnet. Auch hätten wir diese Wege ohne Allrad, ohne gute Reifen und viel Bodenfreiheit definitiv nicht geschafft.
Andererseits stiessen wir da in der Wüste auf absolute Juwelen:
Einmal fanden wir eine verlassene Hütte / Cabin mitten im Nirgendwo. Im Cabin gab es einen Ofen, Notfallset, Konserven, Gesellschaftsspiele, Gästebuch – einfach da für Durchreisende, die es benötigen.

An einem anderen Ort fanden wir drei verschiedene Toiletten (eine ohne Türe, eine andere mit Aussicht und eine ganz geschlossen – siehe Foto). Diese Auswahl mitten im Nirgendwo! Dann stiessen wir mitten in der Wüste auf 2 Wannen, in welches Wasser aus Hot Springs geleitet wurde und genossen ein weiteres wundervoll heisses Bad.

Bei weiteren Hot Springs gab es offizielle Stellplätze mit Feuerring und tatsächlich traffen wir da sogar auf einen weiteren Camper. Wir genossen das erste Mal seit Langem ein Campingfeuer (an fast allen Orten in USA’s Westen waren Feuer aufgrund Waldbrandgefahr verständlicherweise vorübergehend verboten). Der andere Camper brachte Zutaten für S’Mores mit – das Klassischste aller amerikanischen Campingerlebnissen. Dabei grilliert man Marshmallows auf einem Spiess im Feuer und sobald sie weich sind, baut man daraus mit Keksen und Schokolade ein Sandwich und isst es.

Interessant war stets bei diesen Einrichtungen im Nirgendwo (Stellplätzen, Toiletten etc. ) den Behälter mit dem Gästebuch zu öffnen: Hier haben Leute oft anderen Reisenden in Not Dinge hinterlassen wie zum Beispiel Wasserflaschen, kleine Vodkaflaschen, Brillenputztüchlein, einzelne Zigaretten. Auf was man alles so trifft in der Wüste 🙂. Am Schluss haben wir es dann noch auf die Playa geschafft. Den Geschwindigkeitsrekord haben wir nicht gebrochen, aber unser Auto nochmals ein wenig eingestaubt (juhu jetzt können wir wieder putzen 😊).

Lassen Volcanic National Park

Brodelndes Schlammloch

Brodelndes Schlammloch

Nach diesem Erlebnis (und einmal unsere insgesamt 270 Liter Tanks volltanken – da in Nevada günstiger) fahren wir weiter nach Kalifornien. Der Anfang ist sehr traurig: In dieser Gegend gab/gibt es viele Waldbrände (manche frisch, manche älter) und wir fahren stundenlang immer wieder durch verkohlten Wald.
Unser Ziel ist der Lassen Volcanic National Park. Auch dieser ist zum grössten Teil geschlossen, da Aufräumarbeiten von Waldbränden im Gange sind. Da es nicht viel Alternativen gibt wandern wir auf den Peak hinauf – schlechte Idee, in der Mitte der Wanderung durchbrechen wir eine Nebelmauer und sehen von dann an nichts mehr, auch nicht bei Ankunft auf dem Gipfel. Auf dem Runterweg hagelt es uns ins Gesicht und wir erfrieren fast. Immerhin war es ein Erlebnis und wir haben ein paar Kalorien verbrannt 🙂 Wir schauen uns noch ein paar dampfende Quellen und blubbernde Schlammlöcher an und besuchen auf dem Weg zur Pazifikküste noch die beeindruckenden Burney Falls. 

Pacific Coast Highway & Redwoods

Avenue of the Giants

Avenue of the Giants

Wir fahren zurück an die Küste, um der malerischen Pacific Coast Highway südwärts zu folgen. Es gibt viele Coast Redwoods Wälder. Deren Bäume sind mit bis zu über 110 Metern die höchsten Bäume der Welt. Neben den Wäldern besuchen wir den Fern Canyon – eine Schlucht eingehüllt in Farn, welche als Drehort für Filme wie z.B. Jurassic Park diente. Auch sonst ist die kurvige Highway 1 wunderschön. Man könnte alle paar Meter aussteigen und spazieren, den vielen Seelöwen, Robben oder migrierenden Vögeln zuschauen oder nach Walen Ausschau halten. Da wir vorwärts kommen möchten, machen wir das nur selektiv.  

Sierra Nevada

Kurz vor San Francisco verlassen wir die Strecke und fahren wieder an die Grenze zu Nevada. Da wir in der Lotterie für die Half Dome Wanderung im Yosemite National Park mehrmals keinen Erfolg hatten, verlegen wir den Parkbesuch in die Zukunft und besuchen zum Sonnenaufgang den wunderschönen Mono Lake mit seinen Kalksteinformationen. Diese kamen erst zum Vorschein, als das 600 km weit entfernte Los Angeles Anfang letztes Jahrhundert angefangen hat Wasser abzupumpen. Nachdem der Pegel extrem gesunken und der See sehr salzig geworden ist, wurde dem glückerweise ein Ende gesetzt.

Auf dem Weg zum Ancient Bristlecone Pine Forest kommen wir das erste Mal in Schnee und schauen noch bei einem Hot Creek vorbei – einem heissen Bach voller Forellen.

Im Ancient Bristlecone Pine Forest leben mit einem Alter von über 4000 Jahren die ältesten lebenden Bäume der Welt. Der älteste davon – über 4800 Jahre alt – ist ebenfalls teils dieses Waldes. Wo er genau steht ist allerdings ein Geheimnis, welches der US Forest Service nicht verrät.
Auf unserer Navigationsapp Maps.Me wurde uns im Vergleich zu Google Maps wieder mal eine „Abkürzung“ vorgeschlagen. Wie schon in der Black Desert ist es vielleicht streckenmässig eine Abkürzung, aber zeitlich definitiv keine. Aber es war ein Abenteuer und hat Spass gemacht. Mehrere Wasserdurchquerungen und dann einen sehr steilen Track den Hang hinauf, mit wunderschöner Aussicht. Wir mussten über 2000 Höhenmeter auf sehr steilen Wegen und mit im Schnitt deutlich über 20% Steigung überwältigen.

Auch das Zeil hat sich gelohnt – kaum zu glauben, wie alt diese Bäume sind. Die meisten sehen aus wie Kunstwerke – so abstrakt und geschwungen wie sie dastehen. Auch denkt man bei vielen, dass sie tot sind- aber dieses Aussehen ist wohl Resultat der Langlebigkeit in dieser Höhe (über 3000 Meter). Es war definitiv wieder ein ganz neues Erlebnis und der Umweg hierher hat sich gelohnt.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn