Ein Container wird paratgestellt

Eine schreckliche Woche mit Happy End: Ein Bürokratie-Krimi

Ein Sonnenuntergang in Cartagena

Eine kleine Vorwarnung: Es folgt ein Bericht, in welchem wir uns hauptsächlich über unsere „Luxusprobleme“ beklagen. Denn ja, es könnte noch viel schlimmer sein: Wir könnten ausgeraubt worden sein, einen Unfall gehabt haben, der Container im Meer versenkt worden sein, oder wir könnten diese Reise gar nie erst angetreten haben. Aber die Bemühungen unser Auto zurückzubekommen waren trotzdem mental zermürbend. Falls jemand Positives lesen will, würden wir ans Herz legen, andere Beiträge zu lesen, da unsere Reise ansonsten von A bis Z wundervoll ist und wir sonst nur lobende Worte finden für die besuchten Orte und die Menschen, welchen wir begegnen.
Dies war unsere zweite Woche in Cartagena und die Woche, wo wir nach Verspätungen endlich den Land Cruiser zurückerwarten.
Der erste Tag in Cartagena war überwältigend – neuer Kontinent, neues Land, neue Kultur, lebensfreudige Mentalität. Die erste Woche war dann teils ernüchternd und die zweite Woche hätten wir an manchen Tagen am liebsten direkt kehrt gemacht. Zurück ins bunte, freundliche Zentralamerika, ins paradiesische Mexico oder die vielfältige USA – wir sehen alles andere nur noch durch die rosarote Brille.

Ein Container wird paratgestellt

Was anstrengend war, war vor allem die mangelnde Planbarkeit, die Ungewissheit und die Ohnmacht, nichts machen zu können oder auch nicht verstehen zu können wieso jetzt etwas nicht klappt oder so lange geht. Wenn wir gewusst hätten, dass es so lange geht, hätten wir nämlich schon längst etwas anderes gemacht in der Zwischenzeit. Man mag es nicht glauben, aber auch bei einer solch langen Reise ist man unter Zeitdruck und jede einzelne Minute wertvoll.
Am Mittwoch hätte es nämlich endlich so weit sein sollen. Nachdem unser Container eine Woche verspätet auf das Schiff geladen wurde und die Freigabe etwas länger gedauert hat, weil wieder mal ein Feiertag war (in Kolumbien gibt es 19 landesweite Feiertage, regional wohl noch mehr) hätten wir am Mittwoch endlich das Auto abholen können. Der ganze Prozess wurde uns auch auf Nachfrage von der Agentin nie deutlich erklärt und es war auch frustrierend zu sehen, wie unorganisiert sie arbeitete und nie wusste wer jetzt zu wem, zu welchem Container, zu welchem Auto oder zu welchem Verschiffungsdatum gehörte. Aber um fair zu bleiben, hat sie ansonsten einen guten Job gemacht.

Raphi fährt aus dem Container

Das Ganze war von Anfang an mühsam, weil wir immer auf ominöse Emails warten mussten, die dann den nächsten Schritt einläuteten. Dies war immer wieder der Fall, das heisst irgendwie mussten wir immer in der Nähe des Hafens bleiben, um schnell reagieren zu können. Dienstagabend kam die erste Mail und so gingen Raphi und Salah am Mittwoch zum Port. Viel Gewarte und von Arbeitern nicht eingehaltene Termine später, können sie endlich den Container öffnen. Die Rampe macht das Herausfahren zu einer Herausforderung. Cartagenas Hafen verlangt, dass wir die Stahlfelgen für 170 Dollar vom Hafenpersonal austauschen lassen, statt es selber zu machen, was eine absolute Frechheit ist. Raphi hat den Wechsel in Panama ohne Hilfe und ohne Probleme in 30 Minuten geschafft. Wir haben sogar angeboten einfach mit den Stahlfelgen aus dem Hafengelände rauszufahren. In den USA mit weit höherem Lohnniveau haben wir für 60 USD alle 5 Reifen wechseln und ausbalancieren lassen. Aber wir wurden von der Agentin schon im Voraus diesbezüglich informiert und haben deswegen den Reifenwechsel organisieren lassen. Die Reifenwechsel-Spasstis kamen aber erst mit 2 Stunden Verspätung (während für uns alles schnell gehen musste, wenn wie noch am selben Tag den Hafen verlassen wollten). Sie waren ausserdem unfähig, so dass Raphi den grössten Teil selbst machen musste. Salah hat zum Glück gefilmt und so konnten wir reklamieren und mussten nicht die vollen 170 Dollar bezahlen.
Dann mussten Raphi, Salah und die weiteren Reisenden, die seit 2-3 Wochen warten, das Auto im Hafen lassen und die Schlüssel abgeben. Für uns eine weitere Frechheit aus folgendem Hintergrund: Eine Verschiffungsmöglichkeit ist Roll-On Roll-Off (RoRo), wo statt ein Container das Auto direkt aufs Schiff gefahren wird und die Schlüssel abgegeben werden. So haben wir auch in die USA verschifft, da RoRo-Verschiffungen nach Nordamerika erfahrungsgemäss relativ sicher sind. Da die Schlüssel abgegeben werden ist die Chance eines Einbruchs aber extrem hoch (in Lateinamerika, unseren Gesprächen mit anderen Reisenden gemäss etwa bei 80%, ausser man reist mit einem festungsähnlichen Lastwagen). Genau aus diesem Grund wählen die meisten einen Container, wo ja der Zugang zum Inhalt des Containers nur für die Eigentümer möglich sein sollte. Dass wir nun die Schlüssel abgeben sollen und unser Auto mitsamt ungesicherten Inhalt ungeschützt im Hafen rumstehen soll, nachdem wir genau das mit dem Container verhindern wollten, macht uns schon wütend. Immerhin versichert uns unsere Agentin Ana, dass es sicher sein soll und wir haben bei Containerverschiffungen auch noch nichts von Einbrüchen gehört.

Durch den Zaun schauen wir sehnsüchtig unsere Autos an, wie sie im Hafen stehen

Wir können nichts machen und so bleibt nichts anderes übrig als auf die nächsten Dokumente zu warten. Unerwarteterweise ist die zuständige Person „sehr beschäftigt und hat Ferien“ (was nun genau??), so dass am Mittwoch nichts weiter passiert. Die anderen Reisenden sind teils noch wütender als wir, da sie noch länger warten und beim einen Container wurde ein Motorrad schlecht gesichert, so dass das benachbarte Auto beschädigt wurde. Dies zieht sich die Woche so hin. Das Frustrierende ist, dass Ana den Prozess nicht kommuniziert und keine klaren Antworten gibt. Bei den vielen Reisenden und Kommunikationswegen fliessen so überall Wahrheiten, Gerüchte und Halbwahrheiten. Wir werden die ganze Zeit vertröstet und müssen immer wieder auf eine Email warten für den nächsten Prozessschritt. Jeden Tag in der Hoffnung nun das Auto abholen können, packen wir alles zusammen, checken aus dem fenster- und klimaanlagelosen, trostlosen Zimmer aus, um irgendwann wieder zu einem noch höheren Preis einzuchecken. Wir sitzen in den trostlosen Cafés oder in der Mall und warten, hypothesieren, lästern. Ein gravierender tropischer Sturm wird von den Medien vorhergesagt, was uns weiter beunruhigt und worauf Stellen im Hafen wiederum drohten zu schliessen. Und das Wochenende nähert sich. Am Montag ist wieder Mal Feiertag (der dritte Montag in Folge) und wenn wir das Auto am Freitag nicht bekommen, dann frühestens am Dienstag. Irgendwann wurden wir informiert, dass das Bill of Landing Dokument aus unerfindlichen Gründen nicht erstellt werden kann und deswegen alle erst nächste Woche ihr Auto abholen können und diese somit unverschlossen im Hafen bleiben. Grosse Aufregung. Unsere Container Buddies Aurore und Salah, die gut spanisch sprechen haben ein riesiges Theater gemacht. Da diese Nacht auch kein günstiges Hotel in der Nähe frei war haben sie sich bei Ana unsrer Agentin einquartiert und sind ihr von dann an auf Schritt und Tritt gefolgt, stets Druck ausübend, damit Ana diesen auch weiter gibt. Und ja Ana hat sich wirklich für uns eingesetzt. Irgendwann haben Aurore und Salah gar die französische Botschaft kontaktiert, die dann ihrerseits auf verschiedene Stellen Druck ausgeübt hatte. Stark unterstützt beim Druck ausüben wurden sie von einem deutschen Pärchen, das bereits eine Woche länger auf den Container wartet. Anouk lag mit Hochfieber im Hotelbett und war damit keine Hilfe, während Raphi bisschen hin und her sprang. Die meisten der etwa 10 Parteien (Fahrzeuginhaber der 4 Container) haben sich wohl schon halb damit abgefunden, dass wir noch bis nächste Woche in der inzwischen allseits gehassten Stadt Cartagena verbringen müssen. Aber der Druck bringt etwas – im Verlauf vom Freitag erhalten wir die Neuigkeit, dass wir wohl doch noch die Autos abholen können. Es folgt weiteres Hin und Her und stundenlanges Warten am Hafen. Irgendwann gegen 18.00 Uhr Freitags können die Männer dann rein in den Hafen. Vor dem Rausfahren müssen sie plötzlich wieder kehrt machen weil noch irgendein Dokument fehlt. Ein weiterer Schreckensmoment. Aber dann schlussendlich kommt alles gut und irgendwann am Freitag gegen 19.00 Uhr, letzte Minute vor dem langen Wochenende fahren die Fahrzeuginhaber endlich mit den Fahrzeugen aus dem Hafen – Hallelujah.

Raphi chillt in der Hängematte in Dibulla

Am nächsten Tag ist somit der lang ersehnte Tag gekommen und nach einem teuren Einkauf und günstigem Tanken (55 Rappen pro Liter Diesel) brechen wir endlich auf um Südamerika zu entdecken. Mit Aurore und Salah fahren wir der Küste entlang gegen Norden. In Barranquilla sind wir ein wenig von der Hässlichkeit der Shakira-Statue schockiert. Barranquilla ist die Heimatstadt Shakiras. Jemand verglich die Statue mit einem Ork mit Gitarre was leider ziemlich nahe kommt. Ein weiterer Halt machen wir in Dibulla wo wir am Strand chillen und übernachten. Hauptziel ist aber La Guajira – die nördlichste Wüste Südamerikas, aber dazu mehr nächste Woche.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Cartagenas Kolonialbauten

Zwangsferien in der hübschen Kolonialstadt Cartagena

Cartagenas Kolonialbauten

Nach fast einem Jahr Reise sind wir also endlich in Südamerika angekommen – mit dem Segelschiff von Panama aus. Unser Container mit dem Land Cruiser wurde leider nicht auf das vorgesehene Schiff geladen und verspätet sich damit um eine Woche. Die Schiffe sind oft überbucht, und nein, wir sind keine Prioritätskunden von Maersk 🙃 Wir können sogar von Glück reden, dass es sich nur um eine Woche Verspätung handelt (plus wegen Feiertagen ein paar weitere Tage Verzögerung bei der behördlichen Freigabe). Diejenigen, die eine Woche vor uns verschifft haben werden ihr Auto gleichzeitig erhalten und haben damit sogar 2 Wochen Verspätung.
Da Touren teuer sind und wir ja bald wieder mobil sind, sitzen wir halt nun anderthalb Wochen in Cartagena fest. Neben Administrativem und Planung bleibt uns so viel Zeit die Stadt kennenzulernen. Immerhin handelt es sich im ummauerten Stadtkern dabei um eine wirklich schöne Hafenstadt mit wunderschönen Kolonialbauten.

Raphi in Getsemani

Am ersten Abend sind wir total überwältigt. Im Stadtkern ist so viel los, so viel Leben, so viele Menschen, ein bunter Mix aus Einheimischen aber auch vielen lateinamerikanischen und westlichen Touristen. Es wird auf der Strasse gefeiert und wir sehen Segelbootsgefährten wieder oder unsere Container Buddies. Durch die schönen Bauten, der Partystimmung und den Pubs überall werden wir stark an Amsterdam erinnert. Es könnte aber auch daran liegen, dass uns die ganze Zeit zuerst laut Bier und Zigarren angeboten werden und dann leise flüsternd Marihuana, Haschisch oder „weissen Kaffee„, also Koks.

Auf einer Rooftop Bar

Cartagena de Indias wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern gegründet. Zeitweise war es die wichtigste Hafenstadt der Americas. Sie war Standort für die Inquisition und den grössten Sklaven-Hafen Lateinamerikas mit florierendem Sklavenhandel. Als reiche Handelsstadt wurde Cartagena oft von Piraten, weswegen aus Korallen Mauern um den Stadtkern gebaut wurden, die auch heute noch intakt sind. Verschiedene Festungen, darunter auch die grösste Kolonialfestung von gesamt Südamerika – das Castillo de San Felipe beschützten die Stadt.

Rooftop Brunch mit den Container Buddies

Die ersten Tage waren wir noch ganz wackelig auf den Beinen, nach 5 Tagen auf See ist es ungewohnt, wenn man nicht mehr die ganze Zeit schaukelt. Wir geniessen die internationale sowie lokale Küche und Streetfood. So ohne Land Cruiser und eigene Küche sind wir „gezwungen“ immer auswärts zu essen, was auch mal schön ist zur Abwechslung. Wir besuchen einige Rooftops – in Form von Bars aber auch mal in Form von einem Brunch.
Wir treffen uns mit den Segelturngefährten wieder und anderen die verschifft haben und unternehmen viel mit unseren Container Buddies. Im modernen Hochhaus-Viertel Bocagrande bewundern wir die Hochhäuser und kucken uns im Kino (zum Glück auf Englisch) den neuen Top Gun Film für 4 Dollar an. Bei einer „Free City Tour“ lernen wir viel über die Geschichte der Stadt und im hippen, ehemals armen und mittlerweile gentrifizierten Quartier Getsemani schlendern wir durch die mit Streetart versehenen Strassen.
Abends ist in Getsemani jeden Tag Party, Aufführungen und Tänze finden auf den Plätzen statt, überall gibt es Streetfood und Cocktailstände. Ein Burgerstand hat es uns besonders angetan. Mit Burgerpatty, Bacon, Schinken, Pouletbrust, einem gebratenen Mix aus leckerem Gemüse und Zwiebeln, einem riesigen Haufen auf der gleichen Platte geschmolzenen Käse wird eine krasse Kalorienbombe gebastelt.

Castillo de San Felipe de Barajas

Wir besuchen das riesige Fort Castillo de San Felipe und sind beeindruckt von den Dimensionen, den Tunnels, durch welche die Verteidiger sich geschützt zwischen den verschiedenen Ecken des Forts fortbewegen konnten und der wunderbaren Aussicht. Wenn das Fort nicht gewesen wäre, wäre die britische Attacke auf Cartagena im 18. Jahrhundert vielleicht erfolgreich gewesen. Den ummauerten Stadtkern hatten sie nämlich bereits eingenommen und so sind sie nur am Fort gescheitert. Dann wäre Kolumbien vielleicht eine englische Kolonie geworden und die offizielle Sprache heute Englisch.
Kulturell ist neben dem Kolonialbauten auch der lebhafte karibische Einfluss spürbar. Man sieht viele Palenqueras -afro-amerikanische Frauen in traditionellen bunten Kleidern, die für Fotos posieren oder Früchte verkaufen, welche sie in Körben auf dem Kopf transportieren. Ursprünglich kommen sie aus San Basilio de Palenque, einer Stadt in der Nähe von Cartagena, welche im 17. Jahrhundert durch geflohene Sklaven gegründet wurde. Als erste Stadt konnte sie, lange vor allen anderen, ihre Unabhängigkeit zur spanischen Kolonialmächte sichern. Damit war die Stadt wirtschaftlich allerdings abgeschieden und brauchte neues Einkommen. Während die Männer zu Hause blieben, gingen so die Frauen regelmässig in die Grossstadt Cartagena, um Früchte zu verkaufen, die in San Blasio im Überfluss wuchsen. Mittlerweile sind diese Palenqueras längst ein Wahrzeichen von Cartagena. Interessant war auch der Museumsbesuch im Inquisitionspalast. Das Inquisitionstribunal von Cartagena war zuständig für die Inquisition weiter Teile von Südamerika, das heisst für die Verfolgung von anderen Religionen, schwarzer Magie oder anderen Ansichten, Bräuchen oder Tätigkeiten welche vom Papst nicht toleriert wurden. Über 900 Menschen wurden im Zuge der Inquisition vom Tribunal in Cartagena verurteilt. Noch heute sieht man das Fenster, durch welches die Menschen Zettel werfen konnten wenn sie jemanden denunzieren wollten. Neben der Geschichte wurden im Palast auch die Folterinstrumente ausgestellt. Diese wurden vorübergehend von der Ausstellung entfernt, als der Papst Cartagena 2015 besuchte – der arme Papst soll ja nicht schockiert werden.
Ein weiterer Ausflug haben wir zu unsrer Verschiffungsagentin ausserhalb des ummauerten Stadtkerns unternommen. Wir wollten herausfinden, ob sich irgendwie der Prozess das Auto nach Ankunft zu bekommen beschleunigen lässt. Das Unterfangen war zwar nicht erfolgreich aber es war definitiv spannend und erschreckend das Cartagena zu Gesicht bekommen, welches nicht für Touristenaugen gedacht ist. Wir liefen zwischen einem riesigen Markt und der Meereszunge. Alles ist voller Müll und es stinkt so grässlich wie wir es noch nie erlebt haben. Leute wohnen im Müll an der Meereszunge und verrichten ihr grosses Geschäft in der Öffentlichkeit. Daneben wird stinkender Fisch verkauft. Solche prekären Zustände haben wir noch nicht gesehen, auch nicht in Honduras oder Guatemala. Kolumbien hat wohl wie Panama viel mit Ungleichheiten zu kämpfen, und zusätzlich viele extrem arme Flüchtlinge aus Venezuela, die nach Kolumbien fliehen . Wenigstens wurde an unserem ersten Tag in Kolumbien ein neuer Präsident gewählt und die Hoffnung der Bevölkerung, dass nun bessere Zeiten anbrechen ist spürbar. Wir hoffen das Beste. Morgen können wir hoffentlich den Land Cruiser abholen und dann melden wir uns nächste Woche hoffentlich wieder von unterwegs aus.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Containerschiff auf der Durchfahrt

Die berüchtigte Darién Gap, der legendäre Kanal und die Stunde der Wahrheit

Nach unseren Land Cruiser- Schrumpfbemühungen in Panama City fahren wir weiter östlich in die berüchtigte Darién Provinz. Unser Ziel ist das Ende der Strasse und der Beginn der sogenannten Darién Gap – der Grund wieso wir überhaupt verschiffen müssen.

Die Darién Gap und der Grund für die Verschiffung

Angekommen in Yaviza, wo die Panamericana endet

Die Darién Gap ist eine ca. 100 Kilometer lange Lücke in der Panamericana zwischen Panama in Zentralamerika und Kolumbien in Südamerika. Durch den dichten Dschungel wurde nie eine Strasse gebaut. Man könnte die Darién Gap zwar zu Fuss durchqueren, was aber illegal ist und womöglich tödlich endet. Es handelt sich schliesslich, um eine der gefährlichsten Regionen weltweit: Einerseits ist der Dschungel kaum erschlossen, dass man sich verirrt ist deswegen sehr wahrscheinlich. Weiter gibt es jede Menge gefährliche, teils tödliche Tiere, Schlangen, Amphibien, Insekten. Zudem wird der Darién Dschungel grösstenteils von der kolumbianischen FARC Guerilla Armee und Drogenkartellen kontrolliert. Wenn diese von der Anwesenheit von Zivilisten Wind bekommen, ist mit Mord oder Entführung zu rechnen oder damit, dass man Unmengen an Geld bezahlen muss, um lebendig wieder rauszukommen. Und als ob das nicht genug wäre, liegen auch noch Mienen rum.
Der Randteil des Dschungels auf Panamaseite könnte man mit Führer besuchen, aber für das fehlt uns die Zeit. So fahren wir bis ans Ende der Panamericana von Alaska in Yaviza, wo die Strasse vor einer Fussgängerbrücke endet. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar Häuser und dann fängt der berüchtigte Darién Dschungel an. Es ist alles nicht sehr spektakulär, Yaviza als Dorf sehr arm, aber trotzdem finden wir es irgendwie spannend und reizvoll bis ganz ans Ende zu gehen. Bereits in der gesamten Darién Provinz merkt man, dass es hier anders ist – alle paar Kilometer folgt eine Militärkontrolle, es soll sicher gestellt werden, dass niemand was schmuggelt und niemand auf die Idee kommt auf diesem Weg nach Kolumbien zu reisen. Traurig ist wiederum der Müll, der sich neben der Panamericana teilweise richtig häuft und streut. Auf dem Weg zurück nach Panama City machen wir einen Abstecher an die Pazifikküste. Hierhin verirrt sich normalerweise kein Tourist, die Strassen abseits der Panamericana sind nicht mal in Google Maps erfasst. Aber es gibt sie und so fühlen wir uns ziemlich abenteuerlich, als wir diese Strassen erkunden und dabei ca. 10 Flüsse durchqueren müssen. An den einsamen Strand, der uns von Alejandro aus der Overland Embassy empfohlen wurde, kommen wir leider nicht – der Weg ist zu überwachsen. Aber der Abstecher war trotzdem schön, die Menschen auf dem Land sehr freundlich, wir begegnen einem Faultier auf der Strasse und der grössten Spinne, die wir je gesehen haben. Unterwegs findet Raphi Holz, das er zu Rampen sägt, die den Radwechsel bei der Verschiffung erleichtern sollen.

Letzte Vorbereitungen und Sightseeing in Panama City

Panaviera Rooftop Bar

Dann fahren wir nach diesem mehrtätigen Ausflug zurück nach Panama City. Dort haben wir uns bei der Albrook Mall, der grössten Mall der Americas, verabredet. Man kann da ein gutes panamisches Pulled Beef Sandwich essen, und auf dem Parkplatz kostenlos übernachten – was will man mehr bei einem Overlander Treffen. Die zwei Deutschen in ihrem VW Crafterbus sind bereits ähnlich lange wie wir unterwegs, gehen nun aber wieder nordwärts Richtung Kanada und Alaska. Da sie etwa zu 40% unterwegs arbeiten haben sie länger Zeit und Budget wie wir. Leider finden wir auch in der Albrook Mall keine neuen Trekkingschuhe und so gehts weiter zurück zur Overland Embassy, wo wir unsere Stahlfelgen noch mit Gummi bekleben möchten damit keine Beschädigungen am Container entstehen, Grossputz machen und ein paar Kleinigkeiten reparieren wollen. Leider ist wieder mal Pipi aus der Toilette ausgeleert und so lassen wir neben unsren Sitzen auch die Teppiche professionell reinigen. Inzwischen sind auch unsere Container Buddies Aurore und Salah aus Frankreich in der Embassy eingetroffen. Wir treffen dort weitere Overlander – zwei Pärchen aus den USA, ein holländisches Pärchen, ein ausgewanderter französischer Youtuber, ein deutsches Pärchen, ein texanischer Motorradfahrer und ein kanadisches Pärchen, welches wir bereits kurz in Mexico und Nicaragua angetroffen haben. Die individuellen Stories und Lebensweisen dieser Reisenden sind immer so spannend anzuhören und geben auch neue Ideen und Perspektiven. So verbringen wir ein paar Tage in der Overland Embassy, arbeiten fleissig, schaffen es aber auch mal mit den anderen ein Bier trinken zu gehen oder Pizza zu bestellen. Einmal müssen wir zu einer Behörde, um von Polizeibeamten unser Auto, die VIN, Motornummern und deren Übereinstimmung mit Dokumenten für die Verschiffung inspizieren zu lassen. Ja es ist sehr wichtig, dass immer alle Nummern genau stimmen, sonst gibt es grosse Probleme. Danach, wird ein neues Dokument erstellt mit wieder denselben Autoangaben. Ironischerweise befinden sich ausgerechnet auf diesem Dokument wieder Fehler: Unsere Container Buddies fahren einen roten „Fitat“ statt einen weissen Fiat. Ja, rot und weiss kann man leicht vertauschen. Nachdem wir mit allem fertig sind, erkundigen wir mit unseren Container Buddies endlich Panama City: Wir besuchen Casco Viejo – die Altstadt. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die hübschen alten Kolonialbauten. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut, nachdem die alte Panama City beinahe vollständig durch Piraten zerstört wurde. Das Viertel ist wunderschön, herausgeputzt, überall durch die Polizei überwacht. Da wirkt es umso surrealer, dass sich gleich nebenan der Abfall nur so türmt und die Kinder im Müll spielen. Ja, Panama City. Eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber die Ungleichheit ist einfach zu extrem. Wir haben in ganz Zentralamerika inklusive Mexico bisher nirgendwo solchen Luxus gesehen. Gleichzeitig haben wir auch nirgendwo bis jetzt solchen Elend und solche Müllberge gesehen. Auf den Salat für 20 US Dollar in Casco Viejo verzichten wir, finden aber im legendären Coca Cola Café einfaches, leckeres panamisches Essen für 5 Dollar. Es ist das älteste Restaurant Panamas, wo auch schon Che Guevara oder Theodore Roosevelt eingekehrt sind. Am nächsten Tag suchen wir den Mercado de Mariscos auf, den grossen Fischmarkt Panamas. Vor lauter Wäsche waschen und anderen Arbeiten verpassen wir leider den Markt, aber bei den Ständen probieren wir ein paar günstige frische Fischgerichte, unter anderem natürlich das in ganz Lateinamerika beliebte Ceviche. Der schönen Uferpromenade entlang laufen wir ins Viertel Punta Pacifica, wo sich ein Grossteil von Panamas Skyline befindet. Hier gönnen wir uns als Abschied von der Stadt in einer Rooftop Bar im 66. Stockwerk mit herrlicher Aussicht noch einen Drink bevor wir das Uber zurück zur Mall nehmen zum Übernachten.

Der Panama Kanal

Schiffspotting beim Panamakanal

Den nächsten Tag machen wir einen Spaziergang im riesigen Stadtpark Parque Natural Metropolitano, um die schöne Aussicht auf Panama City zu geniessen und werden den restlichen, letzten Tag mit dem Land Cruiser zu Schiffspottern. Bei den Pedro Miguel Schleusen und in Gamboa, beides entlang des Panama Kanals schauen wir mit unseren Container Buddies den riesigen Dampfern zu. Obwohl schon vor 500 Jahren die Idee aufkam einen Kanal zu bauen, welcher die Karibik mit dem Pazifik verbindet, wurde erst Ende 19. Jahrhundert damit angefangen. Der erste Versuch der Franzosen misslang – aufgrund von Fehlplanungen und Tropenkrankheiten starben 25’000 Menschen. Der zweite Versuch der USA Anfang 20. Jahrhundert war dann erfolgreich. Danach folgten immer wieder Streitigkeiten über Besitz und Zuständigkeiten zwischen Panama und den USA- erst 1999 hat die USA sämtliche Rechte und Verantwortlichkeiten an Panama abgegeben. 8 bis 10 Stunden dauert die ca. 80 kilometerlange Kanaldurchfahrt. Kein Wunder haben wir in Panama City so viele Schiffe gesehen, die alle auf die Durchfahrt warten. Eine Durchfahrt ist kein Schnäppchen – bis zu 450’000 US Dollar kann sie kosten, je nach Volumen. Ungefähr 2 Milliarden Dollar werden damit jährlich generiert. Vielleicht bekommt der Kanal aber bald „anti-westliche“ Konkurrenz. Die Chinesen haben schon vor Jahren einen Deal mit Nicaragua abgeschlossen, um in Nicaragua einen Kanal zu bauen. Obwohl das Projekt lange auf Eis gelegt war und die dafür gegründete Kanalbau-Firma hauptsächlich für Geldwäsche genutzt wurde, wird das Projekt Gerüchten zufolge mit den derzeitigen Spannungen zwischen China, Nicaragua, Russland versus USA wieder aktueller. Die letzte Nacht im Land Cruiser geniessen wir direkt am Kanal bevor wir am Montag Morgen nach Colón für die Verladung fahren.

Die Verschiffung und Wasserprobleme

Mit unseren Container Buddies und Alejandro, der auch noch vorbeigeschaut hat

Wir kommen extra früh an, damit wir schon mal die Stahlfelgen montieren können. Raphi hat an alles gedacht, die Montage funktioniert einwandfrei. Zuerst verladen wir den Land Cruiser auf den Abschleppwagen, damit er auf der richtigen Höhe in den Container gerollt werden kann. Damit ist die Stunde der Wahrheit gekommen – und siehe da, es funktioniert! Es bleibt höchstens ca. 1 cm Spielraum, aber wir schaffen es rein – langsam – aber es klappt. Der Fiat unsrer Container Buddies ist weniger hoch und stellt somit kein Problem dar. Allerdings ist er breit, womit es eine wirkliche Herausforderung ist, nach dem Befestigen der Autos mit Spanngurten wieder hinaus zu klettern. Aber auch das klappt nach mehreren Anläufen. Dann wird der Container geschlossen und versiegelt. Unser Agent Boris hat schon alle Formalitäten erledigt und uns den Stempel im Pass geholt, damit wir das Land verlassen können. Wir dürfen das Land sonst nicht verlassen, wenn nicht bewiesen ist, dass das Auto ebenfalls draussen ist. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einem Bier ist dann der Abschied angesagt. Die anderen fahren zurück nach Panama City, wir werden von Boris zum Busbahnhof von Colón gefahren. Endlich können wir mit einem dieser restaurierten, wunderschön bemalten, haarsträubend-fahrenden, US Schulbussen fahren, von welchen es in Zentralamerika nur so wimmelt. Komfort ist anders, die Sitze sind ursprünglich ja für Kinder gedacht, aber es ist ein Erlebnis. Mit lauter Partymusik und innen blinkenden Lichtern werden wir für ca. 1 Dollar 1.5 Stunden lang nach Portobelo gefahren. Im verschlafenen karibischen Kaff wird 2 Tage später unser Segelturn nach Kolumbien ablegen und so bleiben wir hier in einem Airbnb bei einer sympathischen Familie (sie mit aufgeweckter Tochter aus Kamerun, er aus Kanada). Wir freuen uns darauf nach vielen Tagen ohne, wieder mal zu duschen und Handwäsche zu machen bevor wir 5 Tage auf dem Segelboot ohne Frischwasser verbringen. Umso frustrierter sind wir, als wir erfahren, dass im ganzen Dorf das Wasser abgestellt wurde. Wir können nicht duschen, nicht waschen, keine Hände waschen, nicht spülen. Und das im reichen Panama. Was für uns nur vorübergehend ein grosser Frust ist, ist für die Menschen hier Alltag. Aber eben, hier grüsst wieder mal die Ungleichheit. In Panama City besteht bei manchen die grösste Sorge wahrscheinlich daraus, sich auf dem Weg in den Prada Store der grössten Mall von Nord- und Südamerika zu verlaufen, während die Leute im Dorf tagelang nicht mal fliessend Wasser haben. Naja uns bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen uns mit Regenwasser in Kübeln auszuhelfen so gut es geht. Heute Abend geht dann unser Segeltrip nach San Blas los. Bis jetzt hat es in Portobelo geregnet, vielleicht schaffen wir es noch die eine oder andere Festung anzuschauen. Portobelo war zu Kolonialzeiten eine wichtige Hafenstadt, die von schweren Festungen geschützt wurde. Die Überbleibsel sind noch zu besichtigen, sind auch als UNESCO Weltkulturerbe geschützt. Sie sind aber so am zerfallen, dass sie auf die Rote Liste aufgenommen wurden, womit gedroht wird den Weltkulturerbestatus wieder zu streichen. Das wars mit unsrer Woche, nächstes Mal melden wir uns hoffentlich von Kolumbien.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Unsere Route seit Reisebeginn durch Nord- und Zentralamerika:

Unsere Route bis Panama

Letzte Vorbereitungen und Verschiffung

Die letzten Wochen waren echt verrückt. Wir waren konstant mit Vorbereitungen beschäftigt, hatten keine Minute Zeit um auszuruhen. Dazu haben wir beide bis zum letzten Tag vor Abflug gearbeitet. Nun in Mexico haben wir endlich mal Zeit für uns. 

Unser Land Cruiser im Hamburger Hafengelände

Zu organisieren gab es vieles – wir haben noch letzte Umbauten an unserem Landi (z.B. Installation eines Transformers für Anschluss an das amerikanische Netz, Alarmanlage…) erledigt. Dann brachte Raphi ihn für Service und TÜV nach Ellingen zu Desert Tec (ca. 5 Stunden Fahrt pro Weg) und holte ihn eine Woche später wieder.

Wir mussten unsere Flüge / Unterkunft buchen, umbuchen und stornieren: Da die USA die Grenzen gegenüber Europa nicht geöffnet haben, müssen wir 14 Tage vor USA Einreise ausserhalb des Schengenraums verbringen. Wir haben also neue Flüge von der Schweiz nach Mexico und von Mexico nach Baltimore und entsprechende Unterkünfte gebucht. Dazu kam jede Menge Papierkram wie z.B. Erstellung von Vollmachten, Regeln von Steuerangelegenheiten usw. Und natürlich verabschiedeten wir uns nach und nach von Familie und Freunden. 

Verschiffung – Abgabe in Hamburg

Durch unseren Umweg über Mexico beschlossen wir die Verschiffung nochmals um eine Woche zu verschieben, damit das Auto nicht zulange in Baltimore am Hafen auf uns wartet. Dies war zum Glück ohne Probleme und kostenlos möglich. Anfang Juli bereiteten wir das Auto dann für die Verschiffung vor. Es musste sehr sauber sein und alles was wir mitverschiffen wollten, musste fest in den Schränken verstaut sein. Mit den Sandblechen und Fahrradschlössern haben wir den Zwischenraum von Wohnraum und Fahrerkabine verriegelt, da das Fahrzeug im Hafen und auf dem Schiff oft unverschlossen sein wird und wir damit Diebstahl vorbeugen wollten. Schliesslich hat Raphi den Landi hoch nach Hamburg gefahren. 

Alle Textilien mussten mit Plastik überzogen werden

Die Abgabe in Hamburg am Oswald Kai war dank der guten Beschreibung von SeaBridge sehr einfach. Zuerst wurde im Büro ein Lieferschein erstellt und ein Pager mitgegeben. Nach ca. 10 Min. warten vibrierte der Pager und das Auto konnte an die Schranke am Verladekai gefahren werden. Auf dem Lieferschein war ein Barcode, mit welchem die Schranke geöffnet werden konnte. An einem kleinen Container wurde nochmals Papierkram erledigt und danach musst das Fahrzeug über die Waage fahren: 2980 KG. Essen und Diesel können wir also noch laden, ohne dass wir die 3,5 Tonnen überschreiten. Nun wurde eine Reihennummer angegeben in welcher der Landcruiser geparkt werden musste. Die Sitze hat Raphi noch mit Plastikfolie überzogen, alles verriegelt, Schlüssel abgegeben und ist dann zu Fuss den Heimweg angetreten 🙂 Das ganze Prozedere dauerte keine Stunde. Alles weitere wurde nun durch die Hafenmitarbeiter erledigt. Der Land Cruiser bekam noch eine Unterbodenreinigung und wurde dann mit einem Tag Verspätung auf das Schiff Atlantik Sail verladen. 

Die Fahrt können wir online tracken. Wer auch mal sehen möchte, was sich alles so auf den Weltmeeren rumtummelt, sollte bei der Seite von Marine Traffic vorbeischauen, der Reichtum and Details ist faszinierend.