Rainbow Mountain

Von Regenbogen-Bergen in ein neues Kapitel: Brasilien

Nach Cusco sind wie ein zweites Mal, dieses Mal ohne Tour, ins Heilige Tal der Inkas. Das fruchtbare Tal erstreckt sich über 100 Kilometer und beheimatet unzählige Inka-Ruinen inkl. Machu Picchu.

Ollantaytambo

Zuerst stoppen wir in Ollantaytambo, einer Ortschaft mit gleichnamigen Inka-Ruinen am Ende des heiligen Tals. Die Stätte wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die lokalen Völker unter Kontrolle der Inkas zu bringen. Nach der Eroberung der Spanier von Cusco war Ollantaytambo kurz Zufluchtsort des Inkaherrschers Manco Inca bis die Spanier auch da ankamen. Zuerst konnte Manco Inca sie noch vertreiben, in dem er mithilfe der gebauten Kanäle das Tal flutete. Beim zweiten Versuch mit weit grösserer Armee funktionierte die Eroberung der Spanier und der Manco Inka floh nach Vilcabamba, dem letzten Zufluchtsort. Die Hauptruinen bestehen aus einer Festung mit einem Tempel am Hügel, Terrassen und einer Quelle mit Kanalsystem und vielen ausgeklügelten Brunnen, welche die Stätte mit Wasser versorgen (und dies immer noch tun).
Eindrücklich ist einmal mehr die präzise Steinhauerei – insbesondere bei 6 riesigen, über 50 Tonnen schweren Monolithen der Wand eines Sonnentempels. Einmal mehr ist der Transport dieser Steine ein Rätsel. Danach schlendern wir noch durch die Strassen von Ollantaytambo selbst. Die gepflasterten Strassen- jeweils mit einem Wasserkanal am Rand – und die Häuser sind teils noch im Originalzustand und gehören damit zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Bauten Südamerikas. Am Berg gegenüber der Hauptruinen befindet sich die steile Stätte Pinkuylluna, von welcher wir eine schöne Aussicht geniessen. Pinkuylluna war ein Lagerungsort für die geernteten Agrarprodukte. Durch die Höhe war das Essen schwieriger durch Feinde zu erreichen und durch mehr Wind und kältere Temperaturen waren die Lagerbedingungen besser.

Salzminen von Maras, Meerschweinchen und Pisac

Als nächstes besuchen wir die Salineras de Maras – die Salzminen von Maras. Es handelt sich dabei um über 3000 Salzwasserpools in Terrassen – die grösste pre-hispanische Salzminentätigkeit – wobei nicht klar ist, wann sie gebaut wurden. Es wurden Keramiküberreste von einer Periode, die bis zu 200 v.Chr. zurückgeht, gefunden. Die Pools wurden um einen Salzwasserbach gebaut, einem Überbleibsel des Ozeans, der vor Entstehung der Anden noch an dieser Stelle lag. Der Bach wurde umgeleitet in die vielen Pools, die mit Schlamm und Steinen gebaut wurden. Heute wird vom ortsansässigen Stamm immer noch nach derselben Methode, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, Salz abgebaut: das Salzwasser wird in ein Pool geleitet, bis es fast voll ist, dann verdampft das Wasser in etwa 3 Tagen. Dieser Prozess wird im Monat ein paar Mal wiederholt und am Ende bleiben ca. 200 Kilogramm Salz übrig. Wir fahren weiter und es gibt Mittagessen, und zwar etwas was uns seit Ecuador verfolgt: Cuy – auf deutsch Meerschweinchen. Meerscheinchen werden in den ganzen Anden gegessen – teils am Strassenrand am Drehspiess gegrillt, teils frittiert. Tatsächlich kommen sie von Südamerika, wurden hier schon immer gegessen und wurden erst von den Spaniern zurück nach Europa gebracht, wo sie später als Haustiere gehalten wurden. Dasselbe gilt übrigens für Kartoffeln. Kartoffeln kommen aus Peru und die Inkas sind wohl die ersten, welche die Kartoffeln in grossem Umfang kultiviert haben. Nachdem sich die Kartoffel in Südamerika als Nahrungsmittel etabliert hat wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht, wo sie zuerst auf Aberglaube stiess, aber bald schon in die Küche integriert wurde.
Wir bestellen nur ein halbes Meerschweinchen, längs geteilt, und sind froh drüber. Mit den vielen Knochen ist es sehr umständlich zu essen – definitiv nichts, was wir wiederholen müssen. Da sind uns Kartoffeln lieber. Unser letzter Besuch im Heiligen Tal statten wir Pisac ab. Pisac ist ebenfalls eine ehemalige Inka-Stätte und wurde wohl als Zeremonie- und Militärzentrum gebraucht und diente mit den vielen Terrassen auch der Landwirtschaft. Zurück in Cusco legen wir auf dem Campingplatz noch einen Wäsche- und Grossputztag ein. Abends geniessen wir mal wieder die Gesellschaft von anderen Reisenden, unter anderem auch von Holländern, die wir bereits in Panama City getroffen haben. Da unser Ruinen-Kombinationsticket auch eine Theateraufführung beinhaltet, schauen wir uns im Theater noch eine Show von Volkstänzen verschiedener Provinzen von Cusco an bevor es für uns weiter geht.

Vinicunca – der Rainbow Mountain

Es geht nun nochmals richtig weit hoch – zu Vinicunca bzw. dem sogenannten Rainbow Mountain auf 5200 Metern. Der Berg ist berühmt für seine 7 Farben, die dank verschiedener Mineralien-Zusammensetzungen entstehen (rot: Tonstein/Eisen, gelb: kalkhaltiger Schwefel, grün: Phyllitschiefer/Eisenmagnesium etc.). Der Grund der Entdeckung hinter dem Regenbogen-Mountain ist relativ tragisch – er kam erst um 2015 richtig gut zum Vorschein, da mit Klimaerwärmung Eis und Schnee auf dem Berg weggeschmolzen sind. Instagram und ein paar schlaue Marketeers haben dann schnell dazu beigetragen, dass der Berg die wohl zweitgrösste Attraktion nach Machu Picchu um Cusco geworden ist. Täglich kommen Tausende Touristen, die den Berg besuchen. Merkwürdigerweise finden aber alle Touren am Morgen statt. Als wir am Nachmittag hoch fahren ist die Fahrt auf der einspurigen Strasse zwar mühsam, da wir ca. 50-100 runterfahrende Touristenbusse passieren müssen, aber oben angekommen haben wir den Berg komplett für uns alleine. Vom Parkplatz auf ca. 4700 Meter müssen wir noch 3km zum eigentlichen Rainbow Mountain laufen, was auf der Höhe doch recht anstrengend ist. Aber wir werden belohnt, er ist tatsächlich spektakulär! Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über das wunderschöne Red Valley, ein Tal in tiefroten Farben. Leider ist es auch bereits ein wenig zu spät für schöne Fotos, es wird dunkel und der Runterweg ist abenteuerlich. Sehr steil und mit Schnee, der langsam anfängt zu gefrieren ist es ganz schön heikel, aber wir schaffen es heil zurück.

Noch nicht genug von den farbigen Bergen Perus fahren wir am nächsten Tag nach Pallay Punchu. Die rotgrüne, markante Bergformation ist noch nicht touristisch erschlossen, so sind wir weit und breit die einzigen. Es ist eine wunderschöne Landschaft – das typische gelb durch die Andengräser, die blaue Lagune Langui, die rot-grünen Berge und das ganze noch teilweise beschneit. Wir klettern hoch zu den Kliffs und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder nach unten müssen, weil eine Sturmfront auf uns zu kommt. Wir kommen noch in einen kleinen Schneesturm – ein schöner kühler, vorübergehender Abschied der Anden.

Abschied von Peru und der Anfang in Brasilien

Denn nun geht es weiter, in die lange Fahrt in den Amazonas – zuerst 1.5 Tage lang in Peru. Der grösste Regenwald der Welt, der Amazonas, liegt nur zu 60% in Brasilien, der Rest liegt in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana und Suriname. Der Amazonas Fluss entspringt übrigens ebenfalls in Peru – in den Anden. Wir sind schockiert wie viel im peruanischen Amazonasgebiet gerodet wurde und wieviel Mienentätigkeiten wir hier stattdessen sehen. Tatsächlich sind Goldminen, sowohl legale als auch illegale ein grosses Problem im peruanischen Amazon, sie sorgen für Abholzung des Regenwalds und für eine Verschmutzung durch Quecksilber.
Man könnte das ja rechtfertigen, wenn es der lokalen Bevölkerung zugute kommen würde, aber man hat nicht das Gefühl, dass vom Goldprofit gross etwas bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Schade. In Puerto Maldonado, der Ausgangsstadt für den peruanischen Amazonas machen wir noch letzte Besorgungen bevor wir am Samstagmorgen die Grenze überqueren.
Der Abschied von Peru fällt schwer. Wie erwartet ist Peru ein grandioses Land mit sich übertreffenden Highlights. Überrascht hat uns, dass es so viele „off-the-beaten-Track“ Highlights gab, die den Klassikern in nichts nachstehen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte es noch viel mehr zum entdecken und auch einige weitere Mehrtageswanderungen gegeben, die uns gereizt hätten. Schön ist wie die indigene Kultur auf dem Land und in den Anden noch stark gelebt wird und spannend ist die Vielzahl an Relikten früherer Kulturen, wie der Nazca oder der Inka. Die Landschaft ist vielfältig- Meer, Wüste, Schneebergen, Hochebenen, aktiven Vulkanen oder Dschungel gibt es alles. Die peruanische Küche ist hervorragend, und eine erfrischende Abwechslung zur zentralamerikanischen und nord-südamerikanischen Küche. Das kühle Andenklima werden wir vermissen, der Land Cruiser wird aber froh sein auf geringeren Höhen wieder mal ordentlich Luft zu bekommen. Im peruanischen Amazonasgebiet bekommen wir schon einen Vorgeschmack was uns erwartet. Kaum öffnen wir die Autotüre, sehen wir wie sich überall alles bewegt – unidentifizierbare Insekten, Riesenheuschrecken, oder Riesenameisen. Während uns am Tag zuvor noch seichte Schneeflocken entgegen flogen sind es jetzt Rieseninsekten, die uns auf die Windschutzscheibe platzen. Ja, die Pause zwischen Dschungelgebiet Zentralamerikas und dem Amazonas war ein wenig kurz, aber wir freuen uns auf alles andere was der Amazonas zu bieten hat.
Es ist wieder mal eine sehr abgelegene und dementsprechend gelassene Grenze an einem Dreiländereck – Peru, Bolivien, Brasilien. In 5 Minuten haben wir den Peru Teil durch. Dann geht es für uns ins 5. grösste Land der Welt (nach Fläche und Bevölkerung) und in ein ganz neues Kapitel: Brasilien. Ein wenig verunsichert sind wir durch die vielen Warnungen, wobei diese ja nie von anderen Reisenden kommen oder von Leuten, die im entsprechenden Gebiet wohnen – im Gegenteil. Die wenigen Reisenden, die wir gefunden haben, die eine ähnliche Route in Brasilien gemacht haben, haben uns alle ermutigt diesen Abstecher durchzuziehen. Weiteres Hindernis neben der Angst ist die Sprachbarriere. Wir sprechen neben Bom Dia und Obrigado kein Wort portugiesisch. Aber der Eindruck in den ersten 2 Tagen, obwohl wir hauptsächlich fahren, ist wunderbar und unsicher fühlen wir uns nie – im Gegenteil. Mit Portugiesisch kommen wir aber tatsächlich nicht klar. Wir hatten zwar nie Probleme in Portugal und es heisst ja Portugiesisch sei ähnlich wie Spanisch, aber zumindest hier hört es sich für uns an wie eine komplett andere, eher vielleicht osteuropäische Sprache. Nur wenn die Leute ganz langsam und simpel reden, können wir manche Begriffe über Spanisch entziffern. Die Menschen, auf die wir treffen, können oder wollen nicht Spanisch oder Englisch reden. Google Translate ist ebenfalls deutlich schlechter als im Spanischen und übersetzt teilweise nur Mist. Es wird uns schnell bewusst, dass wir uns auf einer zukünftigen Reise mehr Zeit für Brasilien nehmen wollen und wir nehmen uns vor für diese Reise Portugiesisch zu lernen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir keine Simkarte kaufen können, ohne eine lokale Identifikationsnummer zu haben. Ohne Internet ist das Zurechtfinden zusammen mit der Sprachbarriere noch schwieriger. Da die Offline-Übersetzungen von Google Translate bei Gerichten nichts taugen, bestellen wir so im Restaurant wie teilweise in Asien einfach irgendetwas und lassen uns vollständig überraschen.
Die Leute sind extrem herzlich. So oft enthusiastisch begrüsst, zugewinkt oder durch Passanten auf Instagram angeschrieben wurden wir noch nie in so kurzer Zeit. Ein anderer Reisender hat es sehr treffend formuliert: „Brazil puts them all in the shade when it comes to enthusiastic welcomes. Even when we can’t understand a word they say, Brazilians say it with a big smile and a thumbs-up!“ Es macht uns ganz wehmütig, dass wir so wenig Zeit für Brasilien haben.
Ansonsten kommt uns Brasilien auf den ersten Blick deutlich entwickelter und wohlständiger als Peru vor, wobei auch die Preise teurer sind. Gemessen am im Gegensatz zum spanisch sprechenden Lateinamerika hohen Anteil an „normalen Autos“ (normal=weder am auseinanderfallen noch total luxuriös), ist der Mittelstand hier grösser. Die Leute fahren zivilisierter, aber die Strassen mit unzähligen Schlaglöchern sind eine Katastrophe und deutlich schlechter als in Peru. Autobahn zu fahren ist hier fast wie in einem Videogame – man muss ständig Hindernissen – hier metergrossem Schlaglöchern und anderen Autos, die ebenfalls Schlaglöcher umfahren, ausweichen. Andere ausländische Touristen sehen wir gar keine in diesen Gebieten Brasiliens (mit Ausnahme von 1-2 in Manaus). Übernachten tun wir hier oft bei Tankstellen, das ist hier ganz normal. Da gibt es Toiletten, Dusche, wenn man Glück hat Wifi, es ist relativ sicher, und das alles kostenlos.
Politik ist hier ebenfalls sehr präsent, wobei bald Wahlen anstehen. Anstatt wie in Peru an den Häusern, befindet sich die Werbung hier an den Autos. So lächeln uns von überall Bolsonaros oder Alternativen entgegen, am Strassenrand schwingen die Menschen entsprechende Fahnen oder singen den Wahlsong vom entsprechenden Kandidaten mit seiner Kandidatennummer schön in den Songtext integriert. Am zweiten Tag fahren wir auch direkt an einen Roadblock. Obwohl sie in Lateinamerika häufig vorkommen und andere Reisende auch schon wochenlang aufgehalten haben, wurden wir bis jetzt verschont. Ausgerechnet jetzt, wo wir so viele Stunden Fahrt vor uns haben, müssen wir doch noch leiden. Mehrere Stunden warten wir, bis die Polizei es schafft die Demonstranten dazu bringen, die Autos durchzulassen. Ja wir sind gespannt, was uns Brasilien noch bringt. Jetzt erwartet uns wohl zuerst mal den Grund wieso wir die Seilwinde gekauft haben: Die berüchtigte Strasse BR-319.

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Wir habens nach Machu Picchi geschafft!

Von schwimmenden Inseln ins Herz des Inkareichs

Der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln

Unsere Woche beginnt mit einer Überraschung: Im See mitten in den hohen Anden, neben welchem wir übernachtet haben befinden sich unzählige Flamingos! Danach besuchen wir einen weiteren See – den Titicaca See, der mit einer Höhe von 3800 Meter höchste schiffbare See der Welt. Zugleich handelt es sich um den grössten See Südamerikas, ist er doch 15.5 mal grösser als der Bodensee. Der See entstand vor 60 Mio. Jahren als ein massives Erdbeben die Anden teilte und das Loch mit Gletscherwasser füllte. Gemäss Inka-Legenden ist der Titicaca See Geburtsort des wichtigsten Gottes der Inkas und zugleich des ersten Inkakönigs und Gründer des Inkareichs und wird deswegen als heilig angesehen. Heute liegt er zur Hälfte in Peru und zur anderen Hälfte in Bolivien.
Am See besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros. Die Inseln mitsamt Booten und Häusern sind vollständig aus Schilf gebaut. Damit sie nicht davon schwimmen, werden sie am Seeboden befestigt. Auf den Inseln wohnt das Uros-Volk, welches bereits vor den Inkas da wohnte. Als sie dazumal von ihrem Ursprungsort im Amazonas zum Titicaca-See kamen, wollten ihnen die Ortsansässigen kein Land geben und so haben sie sich diese Inseln gebaut. Auf einer 30cm Erdschicht wird das Schilf umgeknickt und mit zusätzlichem Schilf belegt, bis die Schilfschicht ca. 50cm bemisst. Da sich das Schilf zersetzt, müssen regelmässig neue Schichten draufgelegt werden und nach 30-40 Jahren müssen die Inseln komplett erneuert werden. Insgesamt gibt es ungefähr 80 dieser Inseln, wobei jeweils 2-3 Familien auf einer leben. Heutzutage gibt es auch 2 Schulen auf den Inseln und die Menschen leben vor allem vom Tourismus und dem Kunsthandwerk, welches sie den Touristen verkaufen. Wir machen eine Privattour mit einem Einheimischen und besuchen so 2 der kleinen Inseln und lernen einiges mehr über das Leben vor Ort. Es ist ein spezielles Gefühl auf diesem Schilfboden zu laufen, der sich stets mitbewegt. Leider war die Tour ein wenig kurz gehalten und die Inseln ein wenig ausgestorben – der Grund ist schnell klar: Im Dorf am Festland findet ein grosses Fest statt und die gesamte Inselbevölkerung ist auf dem Weg dahin. So machen wir uns ebenfalls auf den Weg zum Fest. Wir verstehen nicht genau, was gefeiert wird, aber es ist spannend für uns. Die meisten Menschen sind wie immer hier in der Gegend traditionell, bunt und fantasievoll gekleidet. Verschiedene Schulklassen und später erwachsene Gruppen jeweils von einem Dorf oder einer Insel marschieren zur Marschmusik der Polizei durch die Menschenmengen, während auf dem Podium hochrangig-aussehende Politiker im Anzug zuschauen.
Danach fahren wir weiter, zum Cañón Tinajani, ein schönes Tal mit interessanten Steinformationen. Da das Land geteilt ist zwischen verschiedenen Familien und jede Familie separat Eintritt verlangt und zudem die meisten wenig freundlich sind, ist es ein wenig frustrierend. Aber wir finden eine lokale Käserei mit nettem Besitze, wo wir zu verdammt günstigen Preisen viel leckeren gealterten Käse kaufen. In Lateinamerika ist es direkt beim Produzent, auf Märkten oder in kleinen Dorfläden im Gegensatz zu Europa stets viel günstiger als in grossen Supermärkten. Dies weil grosse Supermärkte ein neues und vom Westen importiertes Phänomen sind und die Perzeption herrscht, dass etwas, was neu ist, teuer sein muss. So macht es umso mehr Spass lokal einzukaufen und auf den Komfort von modernen Supermärkten zu verzichten.
Weiter fahren wir nach Cusco. Leider hat Raphi eine üble Infektion mit Fieber. Den Symptomen nach kommt es wahrscheinlich von Lebensmitteln, von was genau wissen wir nicht. So nehmen wir ein Hotel und Raphi kann sich zum Glück vor unserem nächsten Highlight auskurieren:

Der Inca-Trail

Als Hochzeitsgeschenk haben wir den Inka Trail nach Machu Picchu erhalten. Der 4-tägige Inka-Trail war leider bereits Monate im Voraus ausgebucht und so machen wir den 2-tägigen Trek, was ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis isr. Es gibt ja nicht nur einen Weg für die Inkas, sondern viele und der kurze Weg, welchen wie nehmen, stösst erst kurz vor Machu Picchu zum klassischen Trail hinzu. Den Inka Trail kann man nur im Rahmen einer Tour wandern, aber da wir eine kleine Gruppe sind von 5 Personen (mit 2 US-Amis und einer Australierin) ist es eine angenehme Erfahrung. Wir werden in Cusco abgeholt, fahren zuerst im Bus und dann mit dem luxeriösen, extrem teuren, touristischen, kitschigen Machu Picchu Zug nach Chachabamba im heiligen Tal der Inkas. Da fängt unsrer Trek an, der sich zum grossen Teil immer noch im Originalzustand befindet. Immer wieder sehen wir Ruinen am Weg oder in der Ferne. Gleich zu Beginn befindet sich eine, die vermutlich ein Kontrollpunkt war, inklusive Brunnen, damit sich die Pilger reinigen konnten. Es wird vermutet, dass die Pfade nach Machu Picchu nicht jedem zugänglich waren. Wir lernen, dass Inkatrails Pfade waren, die sich von der Inka-Hauptstadt Cusco in alle Richtungen ausbreiteten und dass es 3 Arten davon gab. Der Inkatrail für den Handel wurde breit angelegt, schliesslich hatten die Inkas nur Lamas als Lastentiere und da diese nicht viel tragen konnten, wurden grosse Herden und damit breite Wege benötigt. Diese Art von Inkatrail ist heute die Autobahn /Panamericana. Dann gabs die militärischen Inkatrails, die sich in Tälern befinden, damit die Militärs nicht unnötig Kraft verschwenden. So folgt der Zug durch das heilige Tal heutzutage einem solch militärischen Inkatrail. Und dann gabs die schmalen religiösen Inkapfade durch die Berge für Pilger, wie eben dieser Inkatrail, den wir heute begehen.
An der Talwand schlängelt sich der Pfad langsam hoch, vorbei an schönen Blumen und Wasserfällen, durch Nebelwald und mit schöner Aussicht auf viele Inkaruinen, im Tal oder an den Talwänden (hauptsächlich Terrassen für die Landwirtschaft). Ein Highlight sind die steilen Winay Wauna-Ruinen. Die Stätte diente wohl zur Lebensmittelversorgung, als Rastplatz und zur Reinigung vor dem weiteren Weg nach Machu Picchu. Exakt in der Mitte zwischen Winay Wauna und unserem nächstem Stopp, dem Sun Gate haben die Inkas einen Rastplatz errichtet, sie konnten also schon damals präzise messen. Nach einer enorm steilen Treppe, auch Gringo Killer genannt erreichen wir dann das Sun Gate, wo wir das erste Mal einen Ausblick auf Machu Picchu haben. Für Anouk war es ein Traum Machu Picchu zu besuchen seit sie als Kind in einem Reisemagazin ein Bild davon gesehen hat und daraufhin ihre Pinnwände und Agenden damit beklebt hat. Nun 20 Jahre später ist der Traum in Erfüllung gegangen, was für ein Gefühl Machu Picchu endlich mit eigenen Augen zu sehen! Leider ist es aufgrund von Waldbränden sehr dunstig, aber es ist trotzdem sehr imposant. Das Sun Gate diente wohl als Kontrollpunkt für Machu Picchu-Besucher. Vom Sun Gate laufen wir vorbei an einer Begräbnisstätte und weiter zum Guardians House von Macchu Picchu. Dort wachten die Wächter wohl dazumal über der Stätte und wo heute, dank des guten Überblicks die typischen Fotos geschossen werden. Dann laufen wir runter ins Tal zum Dorf Aguacalientes, wo wir lecker essen und übernachten. Wir probieren das erste Mal Alpaca-Filet, was extrem lecker ist. Alpacas sind kleiner und flauschiger als die Lamas, während Lamas grösser sind und einen länglichen, pferdeartigen Kopf haben. Lamafleisch wird nicht gegessen, da Lamas Syphillis haben.

Machu Picchu

Am nächsten Tag gehts wieder hoch nach Machu Picchu – erst dann haben wir die richtige Führung durch die Ruinen.
Machu Picchu, eines der sieben neuen Weltwunder (nach Chichen Itza in Mexico das zweite dieser Reise), ist wahrlich eine Sensation. Es handelt sich zwar nicht um die wichtigste Inka-Ruine von dazumal, denn diese befinden sich in der damaligen Hauptstadt Cusco. Aber es ist definitiv die am Besten erhaltene Ruine. Erst 1911 wurde die überwucherte Ruine wieder erschlossen. Davor war sie gute 400 Jahre lang verlassen. Auch heute noch sind 70% der Ruinen im Originalzustand, was ein sehr hoher Anteil ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie sich im für Bauten schädlichen Regenwald befinden und unzählige Erdbeben und sonstige Naturkatastrophen überlebt haben. Diese Widerstandsfähigkeit ist der extrem guten Bauweise der Inkas zu verdanken. Die vielen Terrassen haben nämlich nicht nur zusätzlichen Platz für Landwirtschaft ermöglicht, sondern den Städten auch mehr Stabilität gegeben. Die Bauten sind unter der Erde zwecks der Stabilität in etwa gleich nochmals so riesig wie an der Oberfläche. Verschiedene Erd- und Steinschichten sorgen zusätzlich für optimales Absickern von Wasser. Weiter haben die Inkas wohl rausgefunden, wo es einen Riss in der Erdplatte gibt, auf diesem Spalt nicht mehr gebaut und so ermöglicht, dass es eine Pufferzone gibt, die verhindert, dass sich die Bauten gegenseitig beschädigen. Am krassesten ist aber die Steinhauerei: Die Steine sind so exakt aufeinander zugeschnitten (ohne Metallwerkzeug), dass kein Mörtel oder sonstiges Klebeprodukt gebraucht wird, sondern die Steine nur aufeinander gelegt werden. Winkelförmige Ecksteine geben den Bauten die restliche Stabilität. Dies alles wurde bewerkstelligt ohne Nutztiere, ohne Eisenwerkzeuge und die teils riesigen, viele Tonnen schwere Steine wurden von Hand transportiert. Je präziser die Steine geschnitten sind, desto wichtiger das Gebäude. Der Sonnentempel ist zum Beispiel sehr wichtig, was man sofort an der präzisen Bauform erkennt. Neben der Anbetung des Sonnengotts hatte der Tempel wohl noch weitere Funktionen: Die beiden Fenster sind exakt so gelegen, dass bei Sonnen- und Wintersonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. So konnten die Jahre gezählt werden und das Sturmphänomen El Nino, welches alle 3-4 Jahre stattfindet, vorausgesagt werden. Damit konnten die Herrscher die Stadt auf die schlechten Zeiten vorbereiten und wurden zugleich als göttlich angesehen, in dem sie ihr Vorhersagetrick geheim hielten. Da Machu Picchu dermassen lange verlassen war, ist jedoch auch heute noch vieles ein Rätsel. Aber was wir da für ein Meisterwerk sehen, begeistert uns – Machu Picchu ist zurecht ein neues Weltwunder.

Cusco

Nach der Tour haben wir noch ein paar Tage Zeit die ehemalige Hauptstadt der Inkas zu bewundern. Cusco ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, ist sie doch seit über 3000 Jahren bewohnt. Von hier aus haben die Inkas vom 13. bis anfangs 16. Jahrhundert über ihr gesamtes Reich, welches sich zu Spitzenzeiten über grosse Teile Perus, Ecuadors, Bolivien, Argentinien und Chile erstreckte und etwa 10 Mio. Menschen umfasste, geherrscht. Nachdem die Spanier Cusco 1533 erobert haben, wurden viele Gebäude der Inkas zerstört oder mit neuen Gebäuden überbaut. So auch der Qoricancha Sonnentempel, der wohl wichtigste religiöse Tempel der Inkas. Wir besichtigen den Tempel, der wirklich speziell aussieht. Die grundlegenden Mauern sind Überbleibsel der Inkas und in deren akribischen Art was Steinhauerei anbelangt, gebaut. Darauf wurde eine Kirche im typischen Kolonialstil der Spanier (Convento de Santa Domingo) draufgesetzt. Qoricancha war vor Ankunft der Spanier scheinbar komplett mit Gold überzogen, aber die Spanier haben das Gold geplündert und den grössten Teil vom Originalbau zerstört. Weiter schauen wir uns Sacsayhuaman an, die grösste Militärbasis der Incas auf einem Hügel mit Überblick über Cusco. Die Festung wurde mit riesigen, bis zu 4.5 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Steinen gebaut, die ebenfalls präzise passend gemacht wurden und zu welchen heute nicht geklärt ist, wie sie von zum Teil 20km weit entfernten Steinbrüchen nach Cusco transportiert wurden. Ansonsten gefällt uns Cusco auch sehr, neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten gibt es hübsche Gassen zum erkunden und eine riesige Vielfalt an Restaurants und Bars. Das Wochenende verbringen wir mit Jhanet, einer entfernten Coucousine von Anouk, entdecken mit ihr das Nachtleben Cuscos und feuern Jhanet am Sonntag bei einem Motocross Rennen an.

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Caño Cristales

Regenbogen-Flüsse, einzigartige Gräber und der Abschied Kolumbiens

Caño Cristales – der Regenbogen-Fluss

Caño Cristales

Nach unsrer mühsamen 2-tägigen Fahrt im Konvoi mit Ally und Blake sind wir endlich im Dorf La Macarena im ehemaligen Guerilla-Gebiet angekommen. Hier machen wir eine Tour (auf eigene Faust ist ein Besuch nicht möglich) zu Caño Cristales. Caño Cristales wird auch als flüssiger Regenbogen, Fluss der 5 Farben und schönster Fluss der Welt bezeichnet.
Die Farben hat der 100-Kilometer lange Fluss hauptsächlich der Wasserpflanze Macarenia Clavigera zu verdanken. Die Pflanze, normalerweise leuchtend hellgrün, nimmt durch optimale Sonneneinstrahlung über mehrere Tage eine leuchtend rote Farbe an. Somit wirken Grossteile des Flusses rot, während durch das Zusammenspiel von Sand, (Quartzit-)felsen und Wasser auch die Farben gelb, grün, schwarz und blau zum Vorschein kommen. Das Phänomen ist nur von Juni bis Oktober zu beobachten, da der Wasserstand sonst zu hoch ist und die Pflanzen verdeckt.
Nach Bootsfahrt und Wanderung durch Steppenlandschaften erreichen wir das Wunder. Der erste Teil des Flusses ist grün, weil durch die Bäume um den Fluss kaum Sonne durchscheint. Aber schon dieses Neongrün ist besonders – die Wasserpflanzen sehen richtig flauschig aus! So verbringen wir den Tag, laufen von einer wunderschönen Stelle zur nächsten, sehen Wasserfälle, Kaskaden und Pools in wunderschönen Farben, essen leckeres lokales Zmittag – Gewürzter Reis mit Poulet im Bananenblatt gekocht. Wir dürfen uns an manchen Stellen im Wasser erfrischen, bekommen ordentlich Sonnenbrand (Sonnencreme ist aufgrund des fragilen Ökosystems nicht erlaubt) und schiessen Hunderte von Fotos von diesem Naturwunder. Mehrmals treffen wir auf Ölquellen und die Führerin bestätigt, dass die Gegend voller Öl ist und Ölfirmen grosses Interesse haben. Zum Glück ist das Gebiet geschützt, aber es gibt das Gerücht, dass der (seit ein paar Tagen ehemalige) Präsident vor Amtende bezüglich Erschliessung dieses Gebietes Verträge mit Ölfirmen abgeschlossen hat. Dies wäre gravierend und wir hoffen, dass sich das Gerücht nicht bewahrheitet.
Zurück in La Macarena geniessen wir den Abend, treffen in der Dorfbeiz auf ein paar Lokalpolitiker, die sich über den exotischen Besuch freuen, uns zuerst zu Trinkspielen überreden und uns dann auf eine Bierrunde nach der anderen einladen.

La Plata und die Gräber von Tierradentro

Nach der mühsamen Fahrt zurück, verabschieden wir uns von Blake und Ally und fahren nach La Plata, einem kleinen Städtchen in der Provinz Huila. Hierhin haben wir neue Reifen bestellt, die wir montieren müssen. Aufgrund der Importzolle in Südamerika ist dies in Kolumbien teurer als in den USA/ Europa, aber immer noch günstiger als in Ländern weiter südlich. Deswegen bringen wir es hinter uns. Abends und den nächsten Morgen verbringen wir mit einem extrem netten Local in unserem Alter, dessen Kontaktdaten wir von einer kolumbianischen Freundin in Europa hatten. Dieser zeigt uns die friedliche Umgebung mit den vielen Aussichtspunkten und wir werden zu lokal gebrautem Süsswein eingeladen. Die Einladung im freien Haus seiner Schwester zu schlafen schlagen wir aus und stellen uns stattdessen vornedran. Eine nette Nachbarin kommt auf ein Schwätzchen vorbei und bringt uns Orangen von ihrem Garten. Die Menschen in Kolumbien sind wirklich unglaublich nett.

Alto de Segovia

Auf dem Weiterweg machen wir ein Zwischenhalt in Tierradentro. Das mit 160 Untergrundgräbern und über 500 Steinstatuen eines der wichtigsten Ausgrabungsstätten Südamerikas befindet sich vollkommen ausserhalb der Touristenpfade. Die tief unter der Erde mit extrem steilen Stufen zugänglichen Gräber stammen aus dem 06. Bis 10. Jahrhundert. Die in Vulkanstein gebauten Höhlen sind in schwarzer, weisser und roter Farbe bemalt (nur noch teilweise zu sehen) und sollen das irdische Heim nachbilden. Die Körper wurden aber nicht direkt hier begraben sondern Überreste in Urnen in die Höhlen gestellt. Da man zwischen den Gräbern weit über Hügel wandern musste, haben wir nur einen Bruchteil der Gräber gesehen, waren aber schwer beeindruckt. Dabei kam der Atmosphäre zugute, dass wir weit und breit die einzigen Touristen waren.

Die weisse Stadt, Graffiti am Auto und Abschied von Kolumbien

Nächster Stopp ist die Stadt Popayán – auch die weisse Stadt genannt, da die gesamte Altstadt in komplett weiss gehalten wird. Was eigentlich eine sehr schöne Stadt sein sollte, begeistert uns nicht. Viele Fassaden sind inzwischen mit Graffiti beschmutzt – etwas, was wir seit sehr Langem nicht mehr gesehen haben. In Lateinamerika haben wir bisher fast nur schöne Wandmalereien / Murals gesehen, kaum hässliche Graffiti-Tags. Wir hätten das als Warnzeichen sehen sollen, haben aber trotzdem in der Innenstadt im Auto geschlafen und prompt hatten wir am nächsten Morgen Schmierereien am Auto. Zum Glück konnten wir sie mit Klebstoffentferner entfernen.
Letzter Stopp in Kolumbien ist die Kirche Santuario las Lajas. Die Basilika, in einem tiefen engen Flusstal gelegen mit einer integrierten Brücke, die die beiden Talseiten verbindet strahlt eine mystische Atmosphäre aus. Andere vergleichen es mit einem Bildnis, wie es aus einem Tolkien-Roman (Herr der Ringe) stammen könnte, was wohl ziemlich zutreffend ist. Bei einem Seilbahnparkplatz haben wir uns hingestellt, um die Nacht zu verbringen und es uns drinnen gemütlich gemacht. Wir nehmen draussen Stimmen war, machen die Tür auf und da stehen etwa 20 strahlende Kolumbianer aus verschiedenen Familien um unser Auto. Die Herzlichkeit, das Strahlen und die ansteckende Freude sind herzerwärmend. Wir mussten alles über unsere Reise erzählen und natürlich das Auto zeigen. Ein 5-jähriges Mädchen war zufällig Wohnmobil-Fan, hat sich mega gefreut, und so haben wir mit ihr und dem Land Cruiser für viele Fotos positioniert. Währenddessen hat sich der 10-jährige Junge sehr dafür interessiert, was wir beruflich machen. Scheinbar wollte er wissen, welchen Berufsweg man einschlagen sollte, um sich eine solche Reise leisten zu können. Wenn auch eine kurze Begegnung, war es ein schöner Abschied und ein schönes Beispiel dafür, was Kolumbien für uns so einzigartig gemacht hat.
Damit heisst es für uns schweren Herzens Abschied von Kolumbien zu nehmen.

Santuario de Las Lajas

Kolumbien ist definitiv ein Favorit für uns. Das Land ist landschaftlich extrem vielfältig, hat alles zu bieten von Bergen, Dschungel, Traumstränden, grandiosen Wasserfällen, Wüste und Naturwundern, wie dem Caño Cristales. Gleichzeitig begeistern uns die spannenden Städte und die wunderhübschen gemütlichen Dörfer. Wir sind überrascht, was für tolle Offroad-Möglichkeiten Kolumbien zu bieten hat und hätten definitiv noch viel länger im Land verbringen können, aber es fehlt die Zeit. Das Essen ist lecker und im Vergleich zu Zentralamerika abwechslungsreicher. Es ist alles verdammt günstig, vom Diesel (50 Rappen pro Liter), übers Mittagessen (2 Fr. für ein Menu) bis zum Cocktail (3 Fr.).

Und ja die Menschen. Nach all den Lobreden, die wir vor Kolumbien schon über Kolumbianer gehört haben, waren unsere Erwartungen sehr hoch. Wir wurden nicht enttäuscht, die Herzlichkeit der Menschen war unglaublich, wir haben viele neue Bekanntschaften geschlossen und mit unzählbaren Menschen geredet, die sich über unseren Besuch von Kolumbien gefreut haben. Wir haben uns überall willkommen gefühlt, kaum je wurde uns Gringopreise berechnet (und falls doch, dann an extrem touristischen Orten). Im Gegenteil – öfters wurde uns etwas einfach gratis gegeben oder geschenkt. Nach Zentralamerika waren wir zudem sehr von der Sauberkeit überrascht. Mit ein paar wenigen Ausnahmen sind die Strassen so sauber wie in Europa. Mit dieser wunderbaren Gastfreundschaft haben wir uns auch sehr sicher gefühlt und nachdem wir das Auto abgeholt haben fast immer wildgecampt. Wir mussten uns richtig zusammenreissen achtsam zu bleiben, weil wir uns so geborgen gefühlt haben. Zum Glück gab es aber auch immer wieder besorgte Locals, die uns daran erinnert haben, wachsam zu bleiben.

Noch mehr Gräber und Weissbier in Ecuador

Der Grenzübergang nach Ecuador war aufgrund des Wochenendes mühsam – für den Temporärimport des Autos mussten wir lange anstehen und einmal mehr hatte man den Eindruck, dass die Beamten das erste Mal mit dieser Anfrage konfrontiert wurden. Als wir es endlich geschafft haben besuchen wir den Militärfriedhof von Tulcán, einen der gelungensten Formschnitt-Gärten der Welt. Über 300 riesige Statuen aus Bäumen stehen hier dicht beieinander, widerspiegeln die Tier- und Pflanzenwelt Ecuadors und schmücken den Friedhof.
Das mittlerweile geschützte Aussehen des Friedhofs ist dem ehemaligen Friedhofdirektor Jose Franco zu verdanken, der vor über 100 Jahren festgestellt hat, dass die Erde beim Friedhof sehr fruchtbar ist, darauf Zypressen pflanzte und diese anfing zu Figuren zurechtzuschneiden. Sein Ziel war, einen „solch schöner Ort zu schaffen, der dazu einlädt, zu sterben“.
Nach diesem speziellen Besuch fahren wir zur Finca Sommerwind, ein deutsches Café /Restaurant, Campingplatz und Overlander Treffpunkt eines deutschen Auswanderers im ländlichen Ecuador neben einem See und einer Rennstrecke. Nach einem Grossputz belohnen wir uns hier mit Oettinger Weissbier, Rotkäppchen-Wein, Jäger- und Wiener Schnitzel und decken uns mit Marzipan und frischgebackenem Brot ein. Dann gehts weiter nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors, wo wir unsere nächste Verabredung haben, aber dazu mehr nächste Woche.

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Ausbruch des Fuego's bei Nacht

Campen neben dem Lava-spuckenden Fuego Vulkan und Weiterfahrt nach El Salvador

Chichicastenango

Friedhof in Chichicastenango

Nach Antigua sind wir weiter nach Chichicastenango, Heimat des scheinbar grössten Aussenmarktes Lateinamerikas. Der Markt war schon vor Ankunft der Spanier einer der wichtigsten Handlungsorte für die Maya und wird auch heute noch hauptsächlich von den K’iche Maya besucht. Der Markt ist riesig, bunt und es wird alles verkauft, was das Herz begehrt, auch wieder lebendige Tiere. Inmitten des Marktes steht die Kirche Santo Tomas. Auf den Treppen werden wunderschöne Blumen verkauft, Feuer gemacht, Weihrauch verbrannt und Opfergaben bereitgestellt. In der Kirche selbst findet gerade eine Taufzeremonie statt. Wir besuchen den Friedhof Chichicastenango. Die riesigen Gräber sind bunt und mit viel Liebe und den Interessen der Verstorbenen wahrend dekoriert – ein schöner Anblick. Normalerweise wird zum Beispiel die Lieblingsfarbe des Toten für das Grab genutzt. Neben dem Friedhof stossen wir auf einen weiteren Schrein, wo die Maya ebenfalls Zeremonien abhalten.

Lago de Atitlán

Raphi am Atitlan See

Weiter fahren wir zum Lago de Atitlán – See. Der riesige pittoreske See, umgeben von Vulkanen wird total gehypt von Backpackern, der alternativen Szene, Spirituellen und vielen mehr. Entsprechend gibt es hier alles was das Hipster-Herz begehren könnte – von spirituellen Feuerzeremonien, schamanischer Heilung im Yoga-Wald (ja, der heisst so) bis zu Festivals zur Erweiterung des spirituellen Bewusstseins mit LSD-Microdosaging. Wir haben keine Zeit dafür – wir wollen nämlich pünktlich zum schön vorhergesagten Wetter den Vulkan zurück bei Antigua besteigen. So beschränken wir uns, eine Nacht am See zu campen und am Morgen ein paar süsse Dörfer um den See mit dem Boot-Collectivo zu erkunden. Die kleinen Motorboote funktionieren wie Fähren, d.h. sie gabeln auf der Strecke immer neue Passagiere auf und laden sie beim gewünschten Stopp ab, man muss nur auf sich aufmerksam machen. Süss sind auch all die Tuktuks die rumfahren – oft werden sie von den Besitzern bemalt, getunt und mit riesen Musikboxen ausgestattet. Wir laufen auf eine schön bemalte Aussichtsplattform und verabschieden uns dann leider auch bereits wieder vom See.

Volcán Acatenango und Volcán de Fuego

Ausbruch des Fuego’s bei Nacht

Wir fahren zurück Richtung Antigua. Hier übernachten wir am Fusse des Acatenango Vulkans auf 2500 Metern. Am nächsten Tag laufen wir hoch auf den Vulkan. Ziel ist, den aktiven (aber zuletzt 1972 ausgebrochenen) Acatenango Vulkan zu besteigen und dabei Aussicht auf den hyperaktiven Zwillingsvulkan Fuego zu haben. Im Gegensatz zu so gut wie allen anderen gehen wir ohne Tour, müssen dafür aber Zelt, Schlafmatte, Schlafsäcke, Essen und Wasser selber schleppen und durch die verschiedenen Wege selbst navigieren. Wir gehen früh los, um nicht inmitten von Tourgruppen festzustecken. Die Wanderung ist schön. Zuerst durch Wiesen und Pinienwäldern, dann durch Dschungel / Nebelwald und schliesslich Eichenwald, bis sich dieser lichtet und man nur noch in teils schön bunten Büschen auf der schwarzen Vulkanasche läuft. Es ist durchaus anstrengend, vor allem mit den 12 Kilo (Anouk) und 16 Kilo (Raphi) Gepäck, welches wir schleppen. Da wir uns für den westlichen Weg entschieden haben und die meisten Tourgruppen östlich laufen treffen wir auf dem Wanderweg praktisch Niemanden an. Nach guten 4 Stunden und 1200 Höhemetern erreichen wir endlich die Terrassen mit Aussicht auf den Fuego. Dies zu diesem Zeitpunkt nur theoretisch, da wir uns den ganzen Nachmittag in einer Nebelsuppe befinden. Plötzlich hören wir ein extrem lautes, wütendes Donnern. Zuerst total erschreckt stellen wir schliesslich fest, dass das einfach ein Ausbruch von Fuego ist. Umso unheimlicher, wenn man den Vulkan aufgrund der Wolken nicht sehen kann. Bei den Terrassen wo man campen kann ist niemand anzutreffen. Wir haben damit gerechnet einer Tour Geld geben zu müssen, um eine Terrasse mit unserem Zelt mitnutzen zu dürfen, aber es ist ja niemand da. Eine Zeitlang machen wir uns Sorgen, ob die Touren vielleicht aufgrund von schlimmen Gewittern oder einem Vulkanausbruch abgesagt wurden, aber nach ein paar Stunden kommt dann doch eine einzige Tourgruppe, die aber weit unter uns campt. Wir fühlen uns fitter als erwartet und bereuen nicht den östlichen Tourgruppen-Weg genommen zu haben. Von dort hätten wir uns nämlich noch einer Tour anschliessen können, die noch weiter geht und zwar auf den Kamm des Fuego Vulkans selbst. Diese Fortsetzung ist ohne Tour zu riskant und von unsrem Standort nur mit einem mehrstündigen Umweg möglich. Als wir in der Dunkelheit die Lichter der Stirnlampen auf dem Kamm des Fuegos sehen und wie links und rechts davon Lavabrocken runterkrachen und sie in Vulkanstaub-Asche eingedeckt werden sind wir wieder halbwegs froh, es nicht gemacht zu haben. Der Ausflug war auch so abenteuerlich genug. Mit Sonnenuntergang verschwanden die Wolken und wir konnten die ganze Nacht, die im Intervall von 10 bis 20 Minuten erfolgenden Ausbrüche des Fuegos mit spuckender und fliessenden Lava aus nächster Nähe vom Zelt aus mitverfolgen. Jedes Mal ist der Ausbruch mit tosendem Lärm verbunden – die Kraft der Natur hier ist einfach unbeschreiblich. Durch den Lärm und die Kälte konnten wir zwar kaum schlafen, aber das machte nichts. Das Erlebnis war einzigartig, unvergesslich und als Gesamtereignis die mit Sicherheit tollste Wanderung, die wir je gemacht haben.

Warten auf den Sonnenaufgang

Um 4 Uhr morgens packten wir unsere Sachen zusammen und liefen die restlichen 300 Höhemeter auf den Krater des Acatenango hoch. Hier haben wir weiterhin schöne Aussicht auf den Fuego: Mit Tagesanbruch sieht man die Lava weniger, dafür die starke Rauchwolke besser. Der Sonnenaufgang ist wunderschön und ein wenig Nebelmeer haben wie auch dabei. Eindrücklich ist der Schatten des Berges. Erschöpft machen wir uns auf den Runterweg.

Abschied von Guatemala

Die beste Lasagne vom Dutch Oven

Da wir wieder mal waschen und Anderes erledigen müssen, fahren wir zurück in die schöne Stadt Antigua. Der Inhaber eines Event-Schlossgartens lässt hier Overlander auf dem Parkplatz übernachten und da Antigua allgemein sehr beliebt ist, ist man hier meistens nicht alleine. Und siehe da, zufällig kommen die Schweizer wieder, die wir bereits an den heissen Wasserfällen in Guatemala getroffen haben, wir treffen Holländer wieder, die wir in Mexico getroffen haben, eine deutsche Familie im Feuerwehrtruck, die wir von vergangener Woche in Antigua kennen und eine amerikanische Familie mit welcher wir bereits über soziale Netzwerke in Kontakt waren. Die schönste Überraschung war Steffi und Karsten von Dino Adventure kennenzulernen. Die beiden sind seit 2019 auf der Panamericana unterwegs und wir haben schon lange vor dem Start unsrer Reise ihre Youtube Videos gekuckt und uns dabei auf unsere eigene Reise gefreut. Wir hätten dabei nie gedacht, dass wir sie je einholen würden, aber die Pandemie hat halt so manche Pläne durcheinander gebracht. Mit all diesen Reisenden verbringen wir so 2 super Abende auf dem Stellplatz inklusive Lasagne im Dutch Oven (die beste seit sehr sehr langem) und S’Mores (Marshmellows überm Feuer mit Schokolade und Keks). Danach heisst es leider weiter für uns.
Auf dem Weg zur Grenze repariert Raphi noch den kapputten Reifen von ein paar Locals, worauf wir zu mehreren Kokosnüssen eingeladen werden. Wir übernachten auf einer Tankstelle und überqueren am nächsten Morgen die Grenze. Es ist schade, dass wir so im Zeitdruck sind. Wir haben das Gefühl dass wir Guatemala mit seinen Naturwundern und seiner Jahrhunderten alten, immer noch stark gelebten Maya Kultur und dem angenehmen Klima viel zu wenig Zeit gegeben haben. Aber mit dem Verschiffungstermin im Juni ab Panama sind wir nun halt im Zeitdruck.

Ankunft in El Salvador

Die Grenzübergänge werden zwar konstant komplizierter und langwieriger, aber es hält sich noch in Grenzen. Immerhin waren die Beamten an der salvatorischen Grenze extrem zuvorkommend, höflich, konnten meist sogar Englisch und haben uns erst noch bevorzugt behandelt. Man merkt – hier kommen nicht viele Touristen hin. Wir fahren ins nächste Dorf – holen uns eine Simkarte und werden dabei wieder extrem höflich, interessiert und bevorzugt behandelt. Die Leute sind überrascht, dass wir den weiten Weg von der Schweiz in ihr Land auf uns nehmen und heissen uns stets herzlich willkommen. Auf dem Markt essen wir Frühstück. Es gibt Pupusas, das Nationalgericht El Salvadors. Es handelt sich dabei um frisch gefüllte Maisteigtaschen – mit ganz viel Käse und weiteren Zutaten nach Wunsch – die frisch gefüllt und dann gegrillt werden. Wir folgen der Ruta de Flores weiter und machen einen Abstecher bei Los Ausoles – eine geothermische Fläche mit sprudelnden Schlamm- und Dampflöchern im Boden. Man muss aufpassen, wo man hintritt. Im schönen Städtchen Ataco gönnen wir uns nach einem Spaziergang ein Fondue in einem Restaurant namens La Raclette mit Gouda und Sangria (da es kein Weisswein hat). Spezielle Kombination und das Fondue ist leider auch geschieden, aber irgendwie trotzdem lecker.

Sprudelndes Schlammloch

Danach besuchen wir die Kaffeeplantage El Carmen und lernen im Rahmen einer Tour vieles über die Kaffeeherstellung. Leider ist die Produktionssaison seit Februar zu Ende – die Früchte sind bereits abgeerntet und der Beginn der Regensaison ist unvorteilhaft für das an der Sonne trocknen lassen der Kaffeebohnen. Deswegen laufen die Maschinen momentan nicht. Interessant war, wie die unterschiedlichen Verarbeitungen zu unterschiedlichen Sorten führen – zum Beispiel werden für unterschiedliche Arten von Kaffee verschieden viele Schichten der Kaffeebohnen vor der Trocknung entfernt. Vieles wird hier manuell gemacht – die wenigen Maschinen sind alle aus dem Jahr 1930. Die Bohnen werden auch nach Grösse, Gewicht und Farbe sortiert – die kleinsten und teils durch Lebewesen durchlöcherte Bohnen werden für Instantkaffee verwendet. Die grossen und schweren werden für Premiumkaffee verwendet und vor Versand nochmals handverlesen. Diesen Schritt haben wir gesehen – die Frauen sitzen am mit Kaffeebohnen belegten Fliessband, nehmen die Bohnen zusammen, picken blitzschnell die schlechten Kaffeebohnen raus und schon bewegt sich das Fliessband weiter. Absolut bewundernswert. Für den monotonen Job erhalten die Frauen pro Tag 10 Dollar, vor ein paar Jahren waren es noch 5. Nicht weniger leid tun uns die Arbeiter, die die bis zu 70 Kg schweren Säcke voller Kaffeebohnen schleppen und für den Export vorbereiten. Nur die Bohnen für den lokalen Gebrauch werden vorher geröstet, die für den Export bestimmten werden von den Käuferfirmen selbst geröstet, da die Röstmethode sehr unterschiedlich je nach lokalem Geschmack gewählt wird. Wir trinken noch was mit Irländern, welche wir auf der Tour kennenlernen und vergessen dabei die Zeit. Prompt gelangen wir so auf dem Weg in die nächste Stadt in die Dunkelheit. Toll. Ausgerechnet in diesen laut Statistiken gefährlichem Land brechen wir die goldene Regel, nicht bei Dunkelheit zu fahren. Im Städtchen Juayua wollen wir ein Food Festival besuchen, welches leider bereits zu Ende ist. Unsere Suche nach einem bewachten Parkplatz läuft ebenfalls schlecht – sieht so aus, als ob wir in unsrer ersten Nacht im Land mit der im Jahr 2021 höchsten Mordrate weltweit freistehen müssen. Wir fragen bei der Polizei an und können dann immerhin in der Strasse direkt vor der Polizeistation übernachten. Wir essen in der Pupuseria nebendran spotbillig Pupusas mit verschiedener Füllung und gehen dann zufrieden über den Verlauf des ersten Tages in diesem bis jetzt für uns wunderbaren Land schlafen.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn