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Ein 3-Tages-Trek in der Peruanischen Schweiz

Berg Taulliraju

Die Woche fängt für uns mit einer grossen Herausforderung an: einem ungeführten 3-Tages Trek in der Cordillera Blanca Bergkette – genauer gesagt dem Huascarán National Park. Die Bergkette ist die höchste tropische Bergkette der Welt, und der Namensgeber des Nationalparks – der Berg Huascarán – mit 6768m der höchste tropische Berg der Welt. Über 700 Gletscher und 27 6000-er Gipfel befinden sich in dem Gebiet. Wir entscheiden uns für den Santa Cruz Trek mit Abstecher zum Alpamayo Basecamp mit der Laguna Arhuaycocha.
Die Herausforderung liegt nicht so sehr in der Dauer der Wanderung, sondern vielmehr in der Höhe und der damit zusammenhängenden dünnen Luft, sowie dem schweren Gepäck, welches wir auf dieser Höhe schleppen müssen – mindestens 15kg (Anouk) und 20kg (Raphi) an Zelt, Schlafsack, Matte, Kochutensilien, Kamera, Essen und Trinken und ganz viel Kleidung für die eiskalten Nächte. In 3 Tagen möchten wir 55.5 Kilometer bezwingen, 2765 Meter an Höhe gewinnen und dabei den höchsten Punkt der Wanderung – Punta Union bei 4750 Meter erreichen.
So machen wir uns auf den Weg – zuerst mit dem Mototaxi und dann mit 2 verschiedenen Collectivos (Sammeltaxis) fahren wir in das Kaff Vaqueria, dem Ausgangspunkt der Wanderung mitten in der Bergkette. Wir wundern uns, wie es das alte Collectivo schafft, die haarsträubenden, kurvigen und holprigen Strassen hochzukommen, aber irgendwann nach 12 Uhr Mittags kommen wir an – später als erhofft – immerhin müssen wir am selben Tag noch 1000 Höhemeter schaffen. Am süssen Strassenstand trinken wir einen Coca-Blätter-Tee, der gegen Höhenkrankheit helfen soll und machen uns dann auf den Weg. Es ist viel anstrengender als erwartet – das schwere Gepäck gibt uns den Rest. Aber die Landschaft ist wunderschön, immer wieder kommen neue schneebedeckte Berge um uns herum zum Vorschein. Mühsam sind einzig die Bremsen, die uns den ganzen Trek über belästigen und unnötige Energie von uns rauben. Wir kämpfen uns immer weiter hoch. Alles was wir heute noch schaffen, müssen wir am nächsten, anspruchsvollsten Tag nicht mehr erklimmen. Auf ca. 4300 Meter ist für uns Schluss. Es wird schon dunkel, schöne Fotos sind leider nicht mehr möglich, wir haben aber auch keine Kraft dazu. Während wir bei Sonne im T-Shirt wanderten wird es ohne Sonne schnurstracks eiskalt. Das Panorama ist traumhaft, schöne Gipfel in beide Richtungen. Wir kuscheln uns ins Zelt, kochen Nudeln und versuchen zu schlafen. Obwohl wir toderschöpft sind, fällt dies aufgrund der Höhe und der frostigen Kälte gar nicht so einfach. Wir tragen 6 Lagen Kleidung inklusive Winterjacke, Mütze und Handschuhe, sind im dicken Schlafsack und frieren trotzdem noch extrem! Wir haben den Kochtopf zum Einweichen bis zum Rand mit Wasser gefüllt und dieses ist am nächsten Morgen vollständig eingefroren!

Der höchste Punkt der Wanderung

Früh geht es am nächsten Morgen weiter zum Punta Union hoch, dem mit 4750 Meter höchsten Punkt des Treks. Jeder Schritt ist ein Kampf, aber wir schaffen es und werden mit traumhafter Rundumsicht belohnt. Dann müssen wir abwärts, bevor wir unser Gepäck verstecken und noch einen längeren Umweg zum wunderbaren Gletschersee Arhuaycocha machen. Wir müssen wieder ordentlich rauf laufen, was uns am Ende unsrer Kräfte und bei Anouk nach einem Sturz mit schmerzhaften Knien mittlerweile auch ohne Gepäck schwerfällt. Aber der Ausblick auf den hellblauen See mit umgebenden schneebedeckten Gipfeln ist eine wunderbare Belohnung. Im Tal, welches wir von nun an zum grössten Teil abwärts laufen müssen, finden wir einen Ort für unser Zelt mit Bach für Frischwasser. Da wir nicht das ganze Wasser mitschleifen können, verlassen wir uns auf Bäche und unseren Trinkwasserfilter, sind nur ein bisschen unglücklich über die vielen Kühe und deren Hinterlassenschaften. Die zweite Nacht auf nur noch 3900 Meter Höhe ist minim wärmer als jene zuvor, aber Frost am Zelt finden wir trotzdem am nächsten Morgen. Am letzten Tag geht es dann durch ein idyllisches Tal abwärts, teils sehr steil. Mit schwerem Gepäck ist dies auch nicht viel besser als aufwärts zu gehen, da wir die Muskeln anspannen müssen, wenn wir unsere Knie nicht zerstören möchten. Irgendwann nach Mittag haben wir auch die letzten 20 Kilometer geschafft und finden auch gleich ein Sammeltaxi welches uns zurück nach Caraz zu unserem Auto nimmt. Es reicht uns sogar noch Wäsche zu machen und zum Mechaniker zu gehen, um ein Riesenplastikstück aus unseren Reifen zu nehmen, welches sich durch unsere neuen Reifen gebohrt hat. Den holländischen Backpacker von der Woche zuvor treffen wir zufälligerweise ebenfalls wieder an.

Lima

Plaza Perú in der Altstadt

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Lima, die mit ca. 10 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südamerikas (nach Sao Paolo) und Hauptstadt von Peru. Für die 8-stündige Fahrt müssen wir das erste Mal entlang der verpönten Küste Nordperus fahren. Wir verstehen die Kritik sofort. Die karge, trostlose Wüste entlang der Panamericana ist eine einzige, riesige, scheinbar unendliche Müllhalde. Oft herrscht Nebel. Wenn es Häuser gibt, dann sind es zusammenfallende Bruchbuden. Der schönste Anblick ist noch wenn am Strassenrand riesige Flächen von Chilis getrocknet werden. Ganz besonders schlimm ist das Elend in den Vororten von Lima. Die Menschen leben hier in grösstem Armut und Müll. Nicht schlecht staunen wir, als wir im gehobenen Viertel Miraflores ankommen. Hier gibt es schicke Gebäude, wunderschöne Parks, teure Läden. In diesem Viertel befindet sich auch der Schweizer Club, eine riesige Anlage mit Indoor und Outdoor Pools, süssem Spielplatz mit kleinen Chalets etc., sowie 2 Schweizer Restaurants. Hier dürfen wir (natürlich zu Schweizer Preisen 🙂) auf dem bewachten Parkplatz übernachten und die Einrichtungen nutzen. Nach 2 Nächten wirds uns zu teuer, da das Wifi nicht richtig funktioniert, die Dusche nicht heiss ist und wir inzwischen auch schon alle unseren Schweizer Gelüste im ansässigen Restaurant befriedigen konnten. So ziehen wir in ein nicht viel teureres Hotel und die letzte Nacht übernachten wir gratis bei einem Park in einem Nobelquartier. Der Grund, dass wir so lange in Lima verbringen ist der Land Cruiser. Wir müssen die Seilwinde installieren (in unsere Stossstange ein Loch boren lassen und zur Befestigung eine Adapterplatte bauen lassen). Es steht auch wieder Service an und ausserdem stellen wir fest, dass die Bremssattel nicht mehr top sind, worauf eine Anpassung vorgenommen wird und wir schon mal neue auf Vorrat kaufen. Da wir gelernt haben bei Service, Reparaturen o.ä. besser immer dabei zu sein, sehen wir in der Zwischenzeit nicht viel von Lima und können die Stadt nur am Wochenende erkunden. Lima ist direkt an der Küste, erhoben auf einem steilen Kliff mit genügend Möglichkeiten herunterzusteigen und ins Meer zu gehen – eigentlich ein spektakulärer Anblick. Wir werden aber mit der Stadt nicht richtig warm (wortwörtlich). Es hängt die ganze Zeit ein Nebel über der Stadt, was an der Jahreszeit liegt und es ist eiskalt. Alle, wir inklusive, laufen in Wintermänteln rum. Das wäre ja ok, wenn man die Möglichkeit hätte, sich in gemütliche Cafés, Restaurants, Bars oder Hotelzimmer zu verziehen. Das Problem ist nur, das alles offen gehalten ist, mit grossen Türen und Fenstern, die ständig sperrangelweit offen sind. Auch in den Innenräumen inklusive dem Hotelzimmer oder Restaurants ist es so eiskalt – im Wintermantel im Nobelrestaurant zu sitzen gehört hier zum guten Ton.
In der Altstadt bewundern wir dennoch die Kolonialbauten und geniessen im Museo del Pisco ein paar Pisco Cocktails – Pisco ist der weltberühmte Trauben-Schnaps aus Peru. Im edlen Miraflores bewundern wir Food Courts, Parks und Restaurants, bei welchem Anblick gar Zürichs Nobeleinrichtungen vor Neid erblassen würden. Krass, einmal mehr diese Ungleichheit zu sehen, wenn wir uns an die Vororte Limas zurückerinnern. In La Punta, einem Hafenviertel schauen wir Delfinen zu und geniessen leckere Ceviche (roher, aber marinierter Fischsalat – das inzwischen weltweit berühmte Nationalgericht Perus).
Wir sind begeistert von Perus Küche, welche zurecht den Ruf hat, die beste Südamerikas zu sein. Hier gibt es wieder Gewürze und Schärfe, etwas was wir in der überspitzt formuliert faden und einseitigen Reis- und Bohnenküche ab Belize vermisst haben. Die Küche ist zudem so vielfältig und hat viele Einflüsse von ausserhalb inkooperiert. Gerichte wie gebratener Reis (Einfluss aus Asien) oder Pasta (Einfluss aus Italien) mit peruanischer Pestosauce oder mit peruanischer Chili-Kartoffelkäse-Sauce oder Gulasch mit Pommes wurden vor dermassen langer Zeit integriert und neu interpretiert, dass sie längst zu den Standards gehören und auch im allerhintersten Andendorf serviert werden. Gerne wird dazu Chicha serviert. In der alkoholfreien Variante handelt es sich dabei um ein leckeres süsssaueres, würziges Getränk aus violettem Andenmais. Die alkoholhaltige Version wird auch Spuckebier genannt, da zur Fermentation der zugrundeliegenden Pflanzen Spucke verwendet wird.
Im Künstlerviertel Callao bewundern wir Murals und sind überrascht, wie schnell man sich hier hin und her bewegt zwischen Strasse mit hippen Kunstgallerien und Strassen aus zerfallenen Häusern, zwielichten Gestalten und Gestank. Wir sind froh, als wir die Stadt verlassen können und freuen uns auf die vor uns liegenden schöneren Wüsten- und Küstengegenden.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Punta Gallenas

Wo goldene Dünen in die türkise Karibik fliessen

Nach unseren Schwierigkeiten den Land Cruiser zurückzubekommen sind wir seit über einer Woche wieder unterwegs und haben uns in Rekordschnelle mit Kolumbien versöhnt. Landschaftlich ist es wirklich schön und die Menschen werden ihrem Ruf gerecht. Seit Reisebeginn haben wir immer zu hören bekommen, dass die Leute in Kolumbien so toll sein sollen. Und wirklich, bisher sind wir auf unglaublich gastfreundliche, nette, offene, hilfsbereite, interessierte Menschen gestossen. Wir ziehen deutlich mehr Augen auf uns als in Zentralamerika und werden sehr oft angesprochen und in Gespräche verwickelt.

La Guajira

Beim Pilón de Azúcar

Wir machen uns nordwärts zum Guajira Peninsula. Unsere Container Buddies sind ohne High Clearance (Bodenfreiheit) und 4×4 nicht für diese Fahrt ausgerüstet und so stellen wir ihr Van in Riohacha unter, besorgen Essen, Cracker und Wassertüten für die indigene Bevölkerung und tanken nochmals voll bevor wir zu Viert im Land Cruiser weiterfahren. Hier in der Nähe der venezuelischen Grenze ist Volltanken bei 45 Rappen pro Liter relativ schmerzfrei. Danach fahren wir auf die 21’000 Quadratkilometer grosse Halbinsel. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und wir bewegen uns grösstenteils auf Wüstentracks statt auf befestigten Strassen. La Guajira ist im Gegensatz vom Rest Kolumbiens geprägt von karger Wüste. Die indigenen Bewohner – die Wayúu – leben hier in einfachsten Verhältnissen, ohne fliessend Wasser, abgeschieden von der Aussenwelt und mit Mangel an Schulen, Arztpraxen oder sonstigen Institutionen. Die Wayúu sind dazumal während der Kolonialisierung in diese Gegend geflohen und haben es als einer der wenigen indigenen Stämme geschafft ihre Traditionen und ihren Lebensstil hier unabhängig zu bewahren, während sie jahrelang für ihre Autonomie gekämpft haben. Heute leben sie in sehr armen Verhältnissen, von der Land- und Viehwirtschaft, der Fischerei, dem Handel mit Kunsthandwerk und dem Tourismus. Als Grenzregion gibt es in der Region auch viele Schmuggelrouten, wobei mit dem Thema Drogenschmuggel relativ offen umgegangen wird. So rechnet uns ein Autobewunderer netterweise vor, dass man mit dem Schmuggel einer vollen Bootsladung Koks von La Guajira in die Dominikanische Republik, einen ähnlichen Land Cruiser wie unseren kaufen kann.

Auf dem Pilón de Azúcar

Landschaftlich ist La Guajira prächtig: Goldene Wüste mit Dünen, die einem eher in Nordafrika wähnen lassen als in Südamerika. Der grösste Unterschied ist dabei, dass die Wüste in der hellblauen Karibik mündet, was für einen wunderschönen Kontrast sorgt. Nach Monaten im heissen und feuchten Zentralamerika sind wir über die Trockenheit extrem dankbar. Der starke Wind sorgt ausserdem dafür, dass die Temperaturen trotz intensiver Sonneneinstrahlung angenehm sind und wir endlich wieder relativ kühle Nächte verbringen.
Den ersten Stopp legen wir im Dorf Cabo de la Vela ein. Aufgrund des starken Windes und des zugleich flachen Wassers ist dies ein Weltklasse – Kitesurfspot. Was für Künste (Sprünge!) die Locals hier draufhaben ist beeindruckend – siehe Video unten. Hier geniessen wir die Kitesurfshow, erfrischen uns im Meer und laufen auf den schönen Pilón de Azucar hoch für den Sonnenuntergang. Während die meisten Menschen hier in Hängematten übernachten schlafen wir im Auto und bauen für Aurore und Salah das Zelt auf. Am nächsten Tag machen wir die Fahrt noch tiefer ins Peninsula rein – nach Punta Gallinas. Viele haben uns davon abgeraten, dies auf eigene Faust zu machen, da man in den unterirdischen Flüssen steckenbleiben kann, es eine Vielzahl an Tracks gibt, ohne dass wir die „guten“ bzw. richtigen Tracks kennen und es teils feindlich gesinnte Locals gibt. So vereinbaren wir mit Tourguides, dass wir gegen eine kleine Bezahlung ihren Touren hinterherfahren. Da doch sehr anspruchsvoll, brauchen wir für die Fahrt fast den ganzen Tag. Krass war die Anzahl an „Schnurblockaden“. Auf der ganzen Fahrt hatten wir vielleicht 150-200 davon. Das sind Locals, die eine Schnur (oder auch ein Stahlseil oder eine Kette) spannen und wollen, dass wir ihnen was geben. Es handelt sich dabei oft um Kinder, ab ca. 2 Jahren bis ins Teenageralter. Manchmal gabs gleich etwa 20 oder so Schnurblockaden hintereinander mit Abstand von etwa 5 Meter dazwischen. Geld sollte man nicht geben und so sind wir froh, dass wir viele Wassertüten, Crackerpakete oder Früchte gekauft haben. Aber es sind so viele, dass wir nicht jedes Mal etwas geben können und manchmal nicht anhalten und die Locals das Seil dann im letzten Moment fallen lassen. Traurig ist auch, dass der Abfall von diesen Wassertüten oder den Esswaren alles in der Wüste landet. Die Situation ist allgemein unbefriedigend. Statt dass alle betteln wäre es besser wenn sich die Clans organisieren würden, Eintritt für das Gebiet verlangen würden, dieses Geld auf die Familien verteilen und die Kinder in die Schule können, statt betteln zu müssen. Aber ja, so eine strukturelle Änderung ist immer einfacher ausgedacht als umgesetzt.

Bahia Hondita

Bei den schönen Dünen Dunas del Taroa, die direkt ins Meer fliessen, legen wir einen längeren Zwischenhalt ein und gehen im Meer schwimmen. Den Sonnenuntergang geniessen wir bei Punta Gallenas, dem nördlichsten Punkt Südamerikas. Ein alter Leuchtturm, viele Steinmännchen und ein Gemälde mit Landkarte, welche Punta Gallenas darstellt, schmücken diesen Ort in der Wüste. Es hat auch einen Wegweiser und wir fühlen uns geehrt, dass die Schweiz als einziges europäisches Land darauf zu finden ist.
Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Cabo de la Vela, finden ein einsames Plätzchen, wo Raphi uns einen grossen Fisch fängt, der für alle zum Abendessen reicht. Vom Übernachtungsplatz in der Wildnis werden wir vertrieben, dürfen dann aber gegen eine kleinen Beitrag auf dem Grundstück eines Häuptlings übernachten.

Santa Cruz de Mompox

Raphi in Mompox

Von nun an geht es also südwärts. Schweren Herzens trennen wir uns von unsren Containerbuddies. In einer super Werkstatt in Barranquilla mit nettem Inhaber, der uns noch viele Reise- und 4×4 Tipps auf den Weg gibt, machen wir Service und wechseln den Zahnriemen. Wir waren den ganzen Tag von 08.00 bis 17.00 Uhr in der Werkstatt und haben dafür nur 140 Franken bezahlt! Dann müssen wir zurück nach Cartagena, um bei Agentin Ana die Kreditkarte abholen, die nach über einem Monat endlich aus der Schweiz angekommen ist (Revolut hat kurzerhand entschlossen unsere noch lange gültige Kreditkarte zu ersetzen, was für uns auf Reisen natürlich denkbar ungünstig ist). Die erste, die Anouks Eltern versucht haben zu senden ging verloren, dieses Mal hats zum Glück geklappt. Nun sind wir endlich gefühlt frei von allen Verpflichtungen, verabschieden uns das letzte Mal von der Karibik und fahren ins Landesinnere nach Mompox.
Santa Cruz de Mompox ist eine süsse kleine Kolonialstadt am Magdalena Fluss in einer schönen grünen Sumpf- und Seelandschaft. Infolge der vielen Piratenangriffen auf Städte der Karibikküste sind dazumal viele reichen Spanier nach Mompox gezogen, was sich in der Architektur widerspiegelt. Erst 2015 wurde eine Brücke eröffnet, die Mompox, theoretisch auf einer riesigen Flussinsel liegend, per Landweg mit dem restlichen Kolumbien verbindet. Überrascht haben uns die Schweizer Flaggen überall. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir gecheckt haben, dass die Flagge von Mompox ebenfalls aus einem weissem Kreuz auf rotem Grund besteht – der rote Grund repräsentiert das Blut, dass von Momposinos vergossen wurde und das weisse Kreuz die Religiosität, die von den Spaniern übernommen wurde. Abends flanieren wir an der hübschen Flussuferpromenade, geniessen einen Cocktail aus Lulo-Früchten (leckere leicht säuerliche orange Früchte) und Salat aus dem leckeren lokalen Käse bevor wir am Dorfplatz im Auto übernachten.

Los Estoraques

Wir bei Los Estoraques

Weiter westwärts besuchen wir Los Estoraques – eine Landschaft aus grossen braunen Lehmsäulen, die über Jahrtausende hinweg zur jetzigen Form erodiert wurden. Wieder in einem ganz anderen Kolumbien geniessen wir da den friedlichen Spaziergang mit Vogelgezwitscher und der gelegentlichen Kuh-Begegnung. La Playa de Belen, das süsse Städtchen vor dem kleinen Nationalpark begeistert uns ebenfalls. Es war ein schöner Ausflug in die Berge, aber der Verkehr treibt einen in den Wahnsinn. Die Distanzen sind sehr lang und die Strassen, ja auch die Mautstrassen, alle einspurig. Konstant steckt man so (insbesondere auf den zahlreichen kurvigen Bergstrassen) hinter im Schneckentempo fahrenden Lastwagen fest.
Nun ist es für uns endgültig Zeit in kältere Gefilde zu fliehen – wir haben wieder eine Kakerlake entdeckt und freuen uns nun auf die Berglandschaften weiter südlich, welche dem Schwitzen in der Nacht und jeglichen Kakerlaken hoffentlich endgültig ein Ende setzen werden.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Raphi auf dem Cerro Tute

Vom Dschungel ins Konsumparadies Panamas

Osa Peninsula

Dreifachsonnenuntergang bei Drake Bay

Unser letzter Halt in Costa Rica machen wir auf dem Osa Peninsula. Das Osa Pensinsula beherbergt laut National Geographic die intensivste Biodiversität, also Artenvielfalt der Welt. So wird geschätzt, dass auf dem Peninsula 2.5% der Biodiversität der Welt zu finden ist, obwohl das Peninsula nicht mal ein Tausendstel Prozent der Erdoberfläche ausmacht. Der Grossteil des Peninsulas ist von Dschungel bedeckt und teilweise durch den Corcovado Nationalpark geschützt. Zuerst fahren wir zu einem abgelegen Strand in der Nähe von Drake Bay, was 4-5 Flussdurchquerungen erfordert. Wir werden mit einem wunderschönen einsamen Übernachtungsplatz am Strand mit traumhaftem Sonnenuntergang belohnt. Nachdem es dunkel ist, wimmelt es nur noch so von Hermit Crabs (Einsiedlerkrebsen) – eindrücklich. Wo der meilenweite mit Kokospalmen gesäumte Strand endet, fängt der dichte Dschungel an. Am nächsten Morgen machen wir eine Wanderung durch diesen Dschungel. Wir sahen tatsächlich einige Tiere – Mango naschende Äffchen (wobei sie immer nur 2-3 Bisse probieren, die Mango an Boden schmeissen und die nächste pflücken), Nasenbären, riesige blaue Schmetterlinge, Truthahngeier, einen gut getarnter Helmbasilisk und Aras. Anouk wird schmerzhaft und zweifach von einer giftgrünen Raupe gestochen. Auf dem nassen rutschigen Lehmboden fallen wir ein paar Mal auf den Hintern und sind danach richtig dreckig, aber ansonsten hat die Wanderung Spass gemacht. Danach fahren wir auf die andere Seite des Peninsulas und geniessen dort noch 2 Tage, suchen einsame Strände zum übernachten, fischen und Wellen reiten oder erledigen im Dörfchen Administratives. Auf den Besuch des Corcovado Nationalpark verzichten wir aus Budgetgründen, freuen uns aber drüber am Morgen vom Bett aus durchs Dachfenster Tukane und Aras in den Bäumen zu beobachten.

Grenze zu Panama und Boquete

1000-jähriger Baum auf dem Pipeline Trail bei Boquete

Das wars nun auch schon mit Costa Rica und so machen wir uns auf zur letzten Grenze Zentralamerikas – der nach Panama. Es handelt sich wieder um eine verhältnismässig mühsame Grenze. Verlängert wurde das Prozedere dadurch, dass die Beamten sowohl beim Abschluss der obligatorischen Haftpflichtversicherung fürs Auto als auch bei den Temporärimportpapieren fürs Auto die VIN Nummer und das Kennzeichen fehlerhaft eingaben und das rückgängig machen mehrere Anrufe und viel Warten implizierte. Beim Korrigieren schlichen sich erneut Fehler ein, womit der Prozess ein drittes Mal wiederholt werden musste. Wir kontrollieren die Nummern jedes Mal, da es im Falle von Fehlern bei der Ausreise und dieses Mal noch schlimmer – bei der Verschiffung – Probleme geben würde. Wir können uns nicht erklären, wieso wir tatsächlich fast jedes Mal Fehler entdecken, obwohl die Beamten diesen Prozess täglich wiederholen – mühsam. Nach etwa 3 Stunden haben wir es geschafft, machen in der Stadt David ein paar Erledigungen (z.B. zahlen auf der Bank die Anzahlung ein für die Verschiffung) und fahren ins blumige Hochland ins Städtchen Boquete. In Boquete übernachten wie am Dorfplatz, wie zufälligerweise unsere Container Buddies auch. Somit lernen wir sie das erste Mal kennen und gehen zusammen etwas essen und trinken. Aurore und Salah aus Frankreich sind seit einem Jahr auf der Panamericana unterwegs. Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, als sie in einer Facebook-Gruppe gefragt haben, ob jemand mit ihnen Mitte Juni ein Container nach Kolumbien teilt.
Am nächsten Tag machen wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Es ist unser dritter, letzter und leider weiterhin erfolgloser Versuch Quetzals zu sehen.

Cerro Tute

Raphi auf dem Cerro Tute

Weiter fahren wir zum Cerro Tute, eine Destination abseits der Touristenpfade. Hier fahren wir so weit hoch wie es geht. Es ist eine wahrliche Allrad-Herausforderung – auf rutschigem, äusserst steilen, unebenen Lehm mit vielen Felsen. Das letzte extrem steile Stück schaffen wir nicht zu überwinden und damit kommen wir nicht bis da wir hinwollten, aber doch so weit, dass wir beim Übernachten ein schönes Panorama haben. Am nächsten Morgen stehen wir vor dem Sonnenaufgang auf, um die restliche halbstündige Wanderung zum Gipfel zu wandern. Ein Stück ist für Anouk mental besonders anspruchsvoll: Es führt durch ganze Landschaften voller ineinander gewobenen Spinnennetzen. Zum Glück hat Raphi die Machete dabei und kann den Weg freimachen. Dies ist für Arachnaphobikerin Anouk aber nur eine kleine Beruhigung, ist doch der Weg so schmal, dass man unweigerlich die Pflanzen berührt (dies erst noch bei Dunkelheit) und damit Angriffsfläche für Spinnen schafft. Am Schluss müssen wir noch auf den Felsen klettern, begrüssen die dort ansässige Krötenfamilie und hätten dann ein 360-Panorama vom höchsten Berg in der Umgebung. Leider ist es so neblig da oben, dass wir kaum was sehen, auch nicht den Sonnenaufgang. Es ist halt Regensaison. Leider können wir nicht warten, da wir nach Panama City müssen. Zurück beim Auto wartet die nächste Überraschung: Unser Reifen ist platt. Zum Glück liegt es am Reifen, nicht wieder am Felgen, womit Raphi das Loch flicken kann.

Ankunft in Panama City und der Overland Embassy

Raphi schneidet die Felgen zurecht

Dann müssen wir nach Panama City eilen, zur „Botschaft“. Die Overland Embassy / Botschaft wurde letztes Jahr von Alejandro gegründet, der selber gerne reist und bereits overland die Strecke Panama – Alaska gereist ist. Alejandro ist mit seiner Familie mit 16 von Venezuela nach Panama geflohen. Um als Teenager in der neuen Umgebung nicht in ein Loch zu fallen hat er sich zum Ziel gesetzt Panama bis in die letzten Ecken zu erkunden und mögen zu lernen. Dabei ist er immer wieder auf Reisende / Overlander gestossen und hat sie dann unterstützt bei ihren Vorhaben in Panama, wie zum Beispiel bei der grossem Herausforderung der Verschiffung nach Kolumbien. Und so wurde ihm immer wieder vorgeschlagen sein Hobby zum Beruf zu machen, was er nun mit der frisch gegründeten Overland Embassy macht. Er weiss was Overlander wie wir brauchen und hilft bei allem Möglichen. Zum Beispiel bietet er Werkstatt mit allem drum und dran hat, hat Kontakte für alle möglichen Reparaturen, man kann bei seiner „Botschaft“ kostenlos freistehen und Wlan, Dusche, Toilette nutzen. Man kann sein Camper putzen, Ersatzteile bestellen, er agiert auch als Agent für Verschiffungen und so weiter. Und natürlich schliesst man dort auch mit ihm und anderen Reisenden schnell neue Freundschaften. Eine wirklich tolle Sache. Wir haben zwar bereits einen anderen Verschiffungsagenten, Alejandro kann uns aber helfen uns zu „schrumpfen“, damit wir in den Container passen. Er ist gerade dran einen alten Land Cruiser zu restaurieren, von welchem er auch die Originalfelgen gekauft hat. Netterweise verkauft er uns diese weiter. In seiner Werkstatt können wir sie so zurechtschneiden, dass wir sie am Land Cruiser anbringen können und mit ihnen ohne Reifen in den Container fahren können, um niedriger zu sein.
Nachdem wir am zweiten Tag fertig sind, kommt der grosse Moment der Wahrheit – wir messen und sind mit den zurechtgeschnittenen Felgen 2.57 Meter hoch. Wir dürfen genau 2.58 Meter sein – es sollte also passen. Ein halber Stein fällt uns vom Herzen (sind ja noch nicht im Container). Nun haben wir noch ein bisschen Zeit vor der Verladung am 13. Juni um Panama und Panama City zu erkunden und machen uns ausgestattet mit Alejandros Panama-Insider Tipps auf den Weg.

Das reiche aber ungleiche Panama

Nach unseren ersten Tagen in Panama haben wir einen gemischten Eindruck. Die Menschen sind generell sehr sehr freundlich und offen, mehr noch als in Costa Rica. Was schockiert, ist der Müll der wieder überall rumliegt, obwohl Panama dank dem Panamakanal, aber auch Offshore Banking und Geldwäscherei in reiches Land ist, sogar reicher als Costa Rica. Auf der anderen Seite sind wir total überwältigt vom kommerziellen Angebot. An den meisten Orten, aber vor allem um Panama City gibt es riesige wunderschöne Supermärkte mit einem top internationalen Angebot (sogar Schweizer Villars Schoggi, die es in der Schweiz nur in ganz grossen Coops gibt). Es reiht sich eine Riesenmall an die nächste, und wir sehen eine Vielfalt an amerikanischen Fastfoodketten, die wir in den USA das letzte Mal gesehen haben. Nachdem wir seit den USA mit einem sehr stark eingeschränkten Angebot leben mussten, ist dies ein Luxus für uns. Z.B. war das verfügbare Spektrum an Lebensmittel sehr gering oder wir versuchen seit den USA neue Trekking-Turnschuhe zu finden, da unsere dank täglichem Tragen total abgenutzt sind – keine Chance. So sind wir total überwältigt von diesen plötzlich scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten. Aber ja, dafür sind die Preise praktisch gleich hoch wie in den USA, bezahlt wird auch in US Dollar. Angesichts der Riesen-Skyline von Panama City würde so manche US-Grossstadt erblassen und unsere letzte besuchte Metropole Mexico City sowieso. Der ganze Luxus ist ja schön und gut, aber etwas stimmt nicht ganz und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack: Auf dem Land leben die Menschen in offenen Stroh und Wellblechhütten ohne Strom und vorne dran türmt sich der Abfall. Die Armut ist deutlich zu spüren und die Ungleichheit widerspiegelt sich auch in der extrem hohen Polizeipräsenz, die versucht zu verhindern, dass die Situation eskaliert. Lateinamerika ist weltweit führend was Einkommen- und Vermögensungleichheit angeht und innerhalb Lateinamerikas kommt Panama diesbezüglich nach Brasilien an oberster Stelle. Ja Panama ist reicher als Costa Rica, aber Costa Rica pflegt eindeutig den nachhaltigeren Wohlstand.
Aber vielleicht ändert sich das ja noch, Panama ist relativ „neureich“. Erst 1999 hat die USA Panama die vollständige Kontrolle über den Kanal überlassen und viel Wohlstand stammt auch von der Verdreifachung des Verkehrs durch den Panamakanal seit der Fertigstellung der Kapazitätserweiterung 2016. Bis 1989 hat Panama unter einer schlimmen Militärdiktatur gelitten – bis der Diktator den USA den Krieg erklärt hat, was als Land mit halb so vielen Einwohnern wie die Schweiz wohl nicht der schlauste Schritt ist. Der „Krieg“ und die Diktatur nahm damit nach nur ein paar Tagen ein Ende und der Diktator musste fliehen. Seither herrscht Demokratie, aber trotzdem hatte Panama noch lange mit Korruption und anderen politischen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Wir sind gespannt was uns in diesem kleinen Land noch erwartet.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Ein paar Tiere, die wir auf dem Osa Peninsula angetroffen haben:

Ficuz la Raiz

Nebelwald, Quetzals zum Zweiten und bananige Erkenntnisse in Costa Rica

Fikusbaum-Brücke bei Monteverde

Monteverde

Nach dem Beach Hopping und den Flussdurchquerungen auf dem Nicoya Peninsula fuhren wir weiter aufs Festland Costa Ricas nach Monteverde. Monteverde ist berühmt für seine als Nationalparks geschützten Nebelwälder. Nebel- oder auch Wolkenwälder sind höher gelegen als Regenwälder und sind dem Namen gemäss meist von Nebel und Wolken umhangen, welche für eine mystische Atmosphäre sorgen. Die mit der Höhe verbundenen kälteren Temperaturen, aber auch die gebirgige Topographie mit seinen Temperaturunterschieden führt zur Kondensierung der Feuchtigkeit und damit zu diesem beinahe konstanten Nebel in den höheren Lagen. Die Flora des Nebelwald ist zwar weniger hoch, aber genau so üppig grün wie im Regenwald, mit viel Farn, Moos und anderen Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen wachsen). Da es für Nebelwald sehr spezifische Grundvoraussetzungen braucht, besteht nur 1% des Waldes auf der Erde aus Nebelwald. Leider ist dieser Prozentsatz aufgrund von Klimaerwärmung und der Abholzung zunehmend bedroht, was auch gravierend für die Flora und Fauna ist, für welche diese Waldart optimaler Lebensraum bietet.
Wie bereits geschildert ist Costa Rica sehr teuer und wir versuchen momentan sparsam zu leben, da uns mit dem Übersetzen nach Kolumbien via Containerschiff fürs Auto und via Segelschiff für uns bald sehr hohe Ausgaben erwarten. So entscheiden wir uns gegen den Besuch der beiden Nebelwald-Nationalparks. Stattdessen finden wir mithilfe unsrer geliebten, täglich genutzten App iOverlander einen frei zugänglichen Wanderweg der sich ausserhalb der Nationalparks genau dazwischen befindet und somit genauso durch Nebelwald führt. Ziemlich ab vom Schuss wurde dieser Weg wohl schon wochenlang nicht mehr belaufen und so kommt richtiges Indiana Jones – Feeling auf, als wir uns mit Machete bewaffnet durch den überwachsenen Weg kämpfen. Ausnahmsweise ist es auch im Nebelwald strahlend sonnig und somit fehlt ein wenig die mystische Atmosphäre, dafür sehen wir ziemlich weit.

La Fortuna und San José

Durchs bergige grüne Costa Rica fahren wir eine wunderschöne Strecke nach La Fortuna. Unterwegs machen wir einen kurzen Zwischenstopp beim Lake Arenal mit dem schön symmetrischen Arenal Vulkan als Kulisse. Bei La Fortuna gibt es einen durch die Geothermik des Vulkans aufgeheizten heissen Fluss, in welchem man baden kann. Dank der Ministromschnellen fühlen wir uns wie im Whirl Pool. Es ist sehr entspannend, insbesondere als es in Strömen an zu regnen fängt, wir uns im heissen Wasser befinden während gleichzeitig von oben der kühle Regen auf uns gisst. Zu unsrem angestrebten Übernachtungsspot kamen wir danach nicht mehr ganz – er war auf der anderen Seite eines Flusses, den man normalerweise gut durchqueren kann, der aber durch den Regen zum reissenden Strom geworden ist. So übernachten wir einfach vor der Flussdurchquerung. Danach fahren wir für ein paar Erledigungen zur Hauptstadt San José. Bei der Ausreise per Land nach Mexico wurde unsere Ausreise nicht von der USA registriert (Mexico zählt aber sowieso nicht als definitive Ausreise, erst Belize). Nun versuchen wir den US Behörden zu beweisen, dass wir pünktlich ausgereist sind, damit wir in Zukunft keine Probleme haben, in die USA einzureisen. Dafür haben wir einen langen Brief geschrieben, jede Menge Kopien und Ausdrucke von allen möglichen Beweismitteln (Passstempel, Kreditkarten-Abrechnungen, Visas etc.) gemacht und schicken das nun alles per DHL in die USA und hoffen, dass damit alles ok ist.

Cahuita Nationalpark an der Karibikküste

Anouk im Cahuita Nationalpark

Weiter fahren wir an die Karibikküste. Hier laufen wir im Cahuita Nationalpark vom einen zum anderen Ende, was uns mit dem Rückweg einen knappen Tag lang beschäftigt. Der Weg führt durch Dschungel direkt am Meer und mit ein wenig Glück kann man viele Tiere sehen. Wir sehen Äffchen (Kapuziner- und Brüllaffen), riesige knallblaue Schmetterlinge, Nasenbärenfamilien und einige Faultiere, leider entweder weit weg oder am schlafen, deswegen hats auch keine guten Fotos gegeben. Später geniessen wir im Meer die Wellen und spülen uns den Wanderschweiss ab. Beim Übernachtungsplätzchen direkt am Meer haben wir Nachbarn – 2 Faultiere im Baum daneben, allerdings auch diese die ganze Zeit schlafend. An der Karibik ist es schwieriger einsame sichere Übernachtungsplätze zu finden und so fahren wir zurück zum Pazifik.

Quetzals, Bananen, Wasserfälle und der Pazifik

Unterwegs legen wir einen Stopp bei San Gerardo in den Bergen ein. Verrückt wie Costa Rica, obwohl so schmal und an beiden Rändern auf Meeresspiegelhöhe, in der Landesmitte Berge bis zu 3800 Meter besitzt, von welchen man an klaren Tagen auf beide Meere sehen kann. Auf 3400 Meter übernachten wir und geniessen es, dass mal wieder angenehme kalte Temperaturen über Nacht herrschen. Wir schaffen es fast zum Sonnenaufgang aufzustehen und gehen dann auf Quetzalsuche. Es soll in den Wäldern Quetzals geben und wir sind immer noch auf der Suche nach dem wunderschönen vom Aussterben bedrohten Nationalvogels Guatemalas. Leider bleiben wir trotz dem frühen Aufstehen einmal mehr erfolglos.

Naucaya Waterfall

Weiter wollen wir den Naucaya Wasserfall besuchen. Dieser ist von beiden Flussseiten zugänglich, bei der einen muss man aber ein paar Kilometer wandern. Beim nähren Eingang mit kürzerem Wanderweg zum Wasserfall werden 20 Dollar pro Person verlangt, was wir dankend ablehnen. Auf der Karte sehen wir aber weitere Wege und so landen wir über aufregende, schon lange nicht mehr befahrenen Landwege mit beunruhigenden Hängebrückchen, steilen Strassen voller Lehm und Matsch, und umgefallenem, die Strasse versperrendem Riesenbambus beim anderen Eingang des Wasserfalls. Dieser kostet nur halb soviel ist aber normalerweise mit 2 stündiger Wanderung verbunden (die Wanderung bleibt uns durch unseren abenteuerlichen Landweg erspart). Wir geniessen den prächtigen Wasserfall und eine kurze Erfrischung darin. Wir müssen aber zugeben dass wir auf dieser Reise schon deutlich schönere Wasserfälle gesehen haben (für deutlich weniger Geld). Costa Rica ist in vielen Bereichen wunderschön und einzigartig, aber mit den mittelmässig tollen und völlig überlaufenen 20 Dollar-Wasserfällen können wir uns nicht anfreunden.

Unser Übernachtungsspot am Playa Linda

Auf dem Weg zum Pazifik finden wir endlich mal reife Bananen an Pflanzen auf öffentlichen Grund, welche wir natürlich gleich probieren müssen. Ziemlich überrascht stellen wir fest, dass sie alle voller grosser schwarzer Samen sind. Eine Googlesuche später wissen wir, dass es sich um natürliche Bananen handelt, während alle Bananen, die wir essen, gezüchtet sind. Die kleinen schwarzen Punkte bei den Essbananen sind die zurückgezüchteten Samen, die sich nicht mehr entwickeln. Somit wurde gerade ein wenig unser Weltbild zerstört. Probieren tun wir trotzdem – sie schmecken gleich wie die gezüchteten Bananen, sind aber aufgrund der vielen harten Kerne ungeniessbar. Am Pazifik finden einen wundervollen Platz am Meer zum übernachten mit endlosem palmgesäumten Sandstrand. Es hat fast keine anderen Menschen, die Wellen haben genau die richtige Höhe für Raphis neues Bodyboard und der Sonnenuntergang ist auch schön. Nur die besonders zu Randzeiten aktiven Sandflöhe sind mühsam. So klein wie sie sind kommen sie durch jedes Mückennetz und belästigen einem somit schon nach Sonnenaufgang um 05.00 Uhr morgens im Bett.
Nun steht als Nächstes noch die Erkundung des dschungelreichen Osa Peninsulas an, bevor wir ins letzte Land Zentralamerikas reisen – Panama.

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Unser letzter Übernachtungsspot mit Sonnenuntergang:

Brennendes Lava im Masaya Krater

Vulkanboarding und -hopping in Nicaragua

Am Montagmorgen standen wir früh an der meist gefürchteten Grenze unsrer ganzen Reise: Dieser zu Nicaragua. Die Grenze ist nicht nur wegen den wie üblich komplizierten Prozessen berüchtigt, sondern auch aufgrund der rigorosen Kontrollen. So sind in Nicaragua Drohnen ganz verboten und andere Geräte wie zum Beispiel Funkgeräte auch nicht gerne gesehen. Jegliche Geräte halt, die irgendwie dazu genutzt werden könnten das Regime auszuspionieren, sind tabu. An der Grenze gibt es riesige Scanner, durch welche die meisten Touristen durchfahren müssen. Wir haben auch gehört wie andere schon dazu gezwungen wurden ihre ganzen Camper leerzuräumen und das Gepäck und den Camper dann separat durch den Scanner mussten. Wenn eine Drohne gefunden wird, was mit Scanner durchaus möglich ist, wird sie natürlich konfisziert.

Zettelkrieg an der Grenze

Wir haben uns den Grenzübergang ausgesucht, von welchem wir am wenigsten schlimme Geschichten gelesen haben und hatten Glück. In nur 2 Stunden waren wir durch, mussten nicht durch den Scanner und nichts wurde weggenommen. Wir mussten einen teuren PCR Test für die Einreise machen und uns 7 Tage vorher zeitaufwendig online anmelden, aber ansonsten bestand der Übergang aus dem üblichen Prozedere. Mit gefühlt Hunderten von Zettelchen jonglierend, die wir von verschiedenen Stellen und Personen an der Grenze erhielten und an anderen Stellen wieder abgaben, meistern wir den Grenzübergang.
Nach Kauf einer Simkarte finden wir als erstes Jemanden, der uns für 20 Dollar unser Loch in der Felge schweisst, durch welches Luft rauskommt. Danach fahren wir durchs Land und gewinnen erste Eindrücke. Nicaragua kommt uns ärmer vor, als wir es uns vorgestellt haben, d.h. nicht deutlich reicher als beispielsweise Honduras. Die Menschen leben sehr sehr einfach. Auf dem Land sieht man kaum Autos – dafür Ochsenkarren oder Pferdekarren, die immer nett Platz machen, wenn man auf der einspurigen Strasse vorbeifährt. Nutztiere wie Schweine, Hähne oder Küken laufen alle frei rum – man muss stets aufpassen nichts zu überfahren. Die Menschen sind grad auf dem Land sehr nett und grüssen immer. Wir hätten erwartet mehr Touristen anzutreffen, aber der Tourismus beschränkt sich auf ein paar sehr wenige Orte. Auffallend sind die vielen Polizeikontrollen, aber diese hängen mit dem Regime und dessen Umgang mit Opposition zusammen.
Der aktuelle Präsident hat, nachdem er die Regel aufgehoben hat, dass ein Präsident maximal 2 Regierungszyklen regieren darf, nach und nach demokratische Organe ausgehebelt und ist nach Unterdrückung der Opposition nun bereits zum vierten Mal hintereinander im Amt. Kämpfe und Unruhen zwischen Regierungsbefürwortenden und Protestierenden haben in den letzten Jahren zu vielen Toten geführt.

Boarding auf dem Cerro Negro Vulkan

Unser erstes Ziel ist der Cerro Negro Vulkan – der jüngste, aktivste Vulkan von Nicaraguas 19 aktiven Vulkanen. Dort können wir direkt am Fusse des Vulkans auf dem schwarzen Sand stehen und übernachten. Am Eingang mieten wir Vulkanboarding-Ausrüstung. Ja, man kann hier mit einem Holzbrett den Vulkan runterdüsen. So brechen wir am nächsten Morgen auf und schleppen unsere Boards 400 Höhenmeter rauf auf den Cerro Negro. Der Krater und die Aussicht sind eindrücklich. An vielen Orten dampft es, der Vulkan ist unübersehbar aktiv. Der Runterweg ist weniger anstrengend – wir ziehen den Schutzoverall, – brille und -handschuhe an und düsen auf dem Board sitzend den Vulkan runter. Eine lustige und andrenalinreiche Angelegenheit, wenn auch der Vulkanstaub trotz Brille in die Augen, Nasenlöcher, Ohren und auf die Lunge kommt.

Auf der Catedral de León

Revolutionäres León

Weiter gehts ins Städtchen León, wo wir Anouks Geburtstag feiern möchten und das erste Mal seit Mexico City vor 3 Monaten wieder in einem richtigen Bett schlafen und uns ein Hotel leisten. Das Hotel ist zwar eine grosse Enttäuschung (für 70 USD pro Nacht gibt es nicht mal eine warme Dusche), aber der Rest von León gefällt uns. Wir besuchen die Kathedrale von León – die grösste Zentralamerikas. Man kann sogar aufs Dach der weissen bis blendend schneeweissen Kathedrale, muss aber die Schuhe ausziehen, um das Weiss nicht zu beschmutzen. Ein weiterer Ausflug machen wir ins Muséo de la Revolucion, wobei Museum vielleicht übertrieben ist. Das alte historische Gebäude ist sehr heruntergekommen, hat Kugellöcher und ist innen voller Taubenkot. Die Ausstellung besteht aus ein paar Plakaten und alten Zeitungsausschnitten, welche die 1979 Revolution und wichtige Figuren dabei ehrt. Bis 1979 regierte eine diktatorische Familie, unterstützt von den USA, Nicaragua. Wie in anderen Ländern Lateinamerikas gab es Guerilla-Bewegungen, in diesem Falle die Sandinistische Befreiungsfront. Nachdem ein desaströses Erdbeben die Hauptstadt komplett zerstörte, und darauf die internationalen Hilfsgelder hauptsächlich in die Taschen des Diktators wanderten war ein Wendepunkt erreicht. Die Revolution, getrieben von den Guerillakämpfern konnte durchgeführt werden. Die Jahre danach regierte die Befreiungsfront und führte demokratische Institutionen ein. Unter anderem aufgrund internationaler Sanktionen hatte die Regierung weiterhin Mühe das Land aus Misere und Armut zu erlösen, worauf sie bald durch eine konservative Regierung ersetzt wurde. Wirtschaftlich brachte diese zwar mehr Erfolg, brachte aber auch nie da gewesene Wellen der Korruption mit sich. So gewann irgendwann wieder Daniel Ortega mit seiner sandinistischen Befreiungsfront die Wahlen und untergräbt seither nach und nach die Demokratie. Extrem tragisch, auch die Rollen der USA und des Westens bei der Unterstützung der diktatorischen Kräfte und Einführung von Sanktionen dazumal gegen eine Regierung die einst Besserung brachte. León spielte während der Revolution 1979 eine treibende Rolle. Die eigentliche Attraktion des Museums ist es durch einen ehemaligen Guerillakämpfer, der selbst an vorderster Front mitgekämpft hatte, geführt zu werden. Er drückt uns die am Boden liegende kaputte Bazooka in die Hand und erzählt voller Leidenschaft von der Revolution, aber auch mit Ernsthaftigkeit von den Folterungen und all seinen gestorbenen Mitkämpfern. Obwohl die Tour in Spanisch ist, erzählt er so lebhaft und gestikreich, dass man ihn gut versteht. Interessant ist die Exkursion mit ihm aufs Dach des Gebäudes. Das Wellblechdach ist löchrig und fühlt sich so unstabil an, dass man sich bei jedem Schritt vorkommt wie bei Russisch Roulette – nicht wissend, ob man nun einstürzt oder nicht. Aber die Aussicht war wunderbar.

Am Kraterrand vom Telica Vulkan

Nach Léon fahren wir zum Telica Vulkan. Wir verfahren uns zuerst ein paar Mal – der Weg ist nicht häufig befahren und oft so bewachsen, dass wie ihn mit der Machete befreien müssen. Wenn dann begegnen wir hauptsächlich Ochsenkarren. So fühlen wir uns auch genug sicher am Fusse des Vulkans nach einem wunderschönen Sonnenuntergang zu übernachten. Am Morgen wandern wir zum Krater. Der riesige, dampfende Krater ist der
Wahnsinn. Wir können direkt am Kraterrand stehen, wo es senkrecht runter geht und es gibt keine Sicherheitsmassnahmen weit und breit – ziemlich furchteinflössend. Man atmet die Schwefeldämpfe ein und hören es unten brodeln.

Granada von der Auf der Iglesia La Merced aus

Vorzeigestadt Granada

Nach Telica gehts für uns weiter Richtung Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, wo wir nur anhalten, um ein paar Besorgungen zu machen. Wir wollen dem Masaya Vulkan einen Besuch abstatten, aber der ist nach einem Erdbeben grad zu aktiv. So fahren wir stattdessen zum Fort Fortaleza de Coyotepe. Hier können wir übernachten und haben zum Sonnenuntergang eine schöne Rundumaussicht auf das ganze Land. Der Wächter gibt uns nach Sonnenuntergang eine kurze Führung durch das Verlies unter dem Forts mit seiner düsteren Geschichte. Die vielleicht 20-Quadratmeter grossen Räume haben jeweils 100 von Gefangenen gleichzeitig beherbergt – teilweise jahrelang in vollkommener Dunkelheit. Er führte uns auch durch die Folterkammern, wo die Blutspuren noch deutlich auf den Wänden zu sehen sind. Weiter sind wir nach Granada, eine wunderschöne, elegante, grosszügig erbaute Stadt. Als eine der ersten Kolonialstädte in den Amerikas diente sie als Vorzeigestadt, mit welcher die Spanier der Welt beweisen wollten, was sie alles zu bieten haben. Inzwischen einige Male durch Kriege oder Naturkatastrophen zerstört und wieder aufgebaut ist sie wirklich sehr hübsch. Wir spazierten einen Tag lang in der touristischen Stadt herum und probierten lokales Essen aus.

Brodelndes Lava im Masaya

Beim zweiten Versuch klappt dann der Masaya Vulkan doch noch. Wir können bis zum Krater des Vulkans fahren und geniessen dort den Sonnenuntergang. Nach dem Eindunkeln bestaunen wir endlich die Besonderheit dieses Vulkans: Wir können im Krater des Masayas direkt das rot leuchtende brennende Lava beobachten. Wie sind schwer beeindruckt, wenn wir auch nicht ganz so nahe an den Kraterrand kommen wie beim Telica.

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Und so kann man sich das Vulkan-Boarden vorstellen:

Cañon de Guadalupe

Von Gastfreundschaft, Oasen, Pinienwäldern und dem Pazifik in Mexico

Unsere erste Woche mit dem eigenen Auto in Mexico war wunderbar und vielfältig.

Einreise nach Mexicali

Am Dienstag Morgen um ca. 7.30 standen wir an der Grenze zu Mexicali in der Annahme, dass wir den grössten Teil des Tages mit Grenzformalitäten beschäftigt wären.
So waren wir doch sehr überrascht, dass wir nach ca. 5 Minuten die Grenze passiert haben. Wir haben uns in die Spur für Wohnmobile (gleichzeitig die Verzollspur) eingereiht, da wir von anderen Reisenden gelesen haben, dass es in dieser Spur am Einfachsten ist nach rechts abzubiegen, um für die Visas parken zu können. Für die Dame am Zoll hiess dies aber, dass eine Durchsuchung nötig ist, wozu sie offensichtlich keine Lust hatte. So versuchte sie uns in die anderen Spuren zu schicken und wir mussten regelrecht darauf beharren in unsrer Spur zu bleiben. Nun war sie gezwungen uns zu „durchsuchen“, was bedeutete, dass sie ein paar Schränke öffnete.

Bei Jack in der Werkstatt

Danach waren wir technisch gesehen schon frei in Mexico. Zum Glück wussten wir dank Erfahrungsberichten anderer, dass wir eine Touristenkarte für uns brauchen. Andere sind da schon reingelaufen, haben diese nicht beantragt und mussten dann 1500 Kilometer später, als die Touristenkarte für eine Fähre benötigt wurde, alles zur Grenze zurückreisen, um sie dort rückwirkend zu holen. Für den Land Cruiser brauchen wir ausserdem ein Temporary Import Permit. Beides ging schnell und einfach. Die grössten Herausforderungen waren, überhaupt das richtige Büro zu finden (wieso es nicht angeschrieben ist, ist uns ein Rätsel, braucht doch jeder Nicht-Resident diese Karte) und dass unser Nummernschild den Buchstaben „Ö“ beinhaltete und die Beamten nicht wussten, wie mit diesem Fall umzugehen. Nach maximal einer Stunde waren wir mit allem fertig und nun zu 100% legal in Mexiko unterwegs. Wir heben Pesos ab, laden unsere lokale Simkarte auf, die wir noch vom Sommer haben und warten bis wir uns mit Jack treffen. Jack, der Leiter des Land Cruiser Clubs der Baja California wurde uns von unserem Konvoi-Freund aus Idaho vermittelt. Wie durften im Vorfeld ein spezielles Werkzeug zu ihm bestellen, welches wir brauchen, um das Fahrspiel zu messen. Er könnte uns einen Diesel-Mechaniker vermitteln, aber da Raphi die Fahrspielmessung selbst vornehmen kann, dürfen wir den Nachmittag in seiner Werkstatt verbringen (alleine!) und alles machen, was wir machen müssen. Zum Mittagessen gehen wir Seafood essen, zum Abendessen Tacos, wobei da auch noch Octavio mitkommt. Octavio ist ein Freund von Jack, ebenfalls Mitglied des Land Cruiser Clubs, in dessen Gated Community wir übernachten dürfen. So essen wir auch Aguachile (ein rohes Shrimp-Gericht) oder Eingeweide, beides Dinge die wir alleine vielleicht nicht getraut hätten zu bestellen. Wirklich extrem mit welcher Gastfreundschaft diese Beiden uns totalen Fremden – begegnen. Wir durften nicht mal das Abendessen zahlen!

Unser Land Cruiser eingereiht mit Octavios 3 Land Cruisern

Unsere erste Nacht in Mexico war damit sehr angenehm, Octavio hatte sogar eine Aussentoilette und wir hätten auch im Haus schlafen dürfen, aber wir wollten nicht noch mehr Umstände machen. Ursprünglich war der Plan gewesen in der Gegend von Mexicali zu bleiben bis die Shims aus Dubai bei Jack ankommen, die Raphi nach der Ausmessung nun bestellen konnte. Ja, aus Dubai kommen neben Japan (Japan wäre sehr teuer) die einzigen Ersatzteile für unser Auto. Jack schlug aber vor, dass wir weiter fahren können und er dann die Ersatzteile einem Freund von ihm im Süden der Baja California schickt, wo wir sie dann abholen können, wenn wir sowieso vorbeifahren. Wahnsinn, diese Hilfsbereitschaft!

Cañon de Guadalupe

Cañon de Guadalupe

So sind wir flexibel und fahren weiter. Der erste Stopp für 2 Nächste machen wir beim Guadalupe Canyon, einer Palmenoase in der Wüste mit Hot Springs. Gegen eine geringe Gebühr können wir da neben unsrer eigenen kleinen Hot Spring campen – ein kleines Paradies. Nach der (unberechtigten) Anspannung aufgrund des Grenzübertritts ein willkommene Entspannung. Wir machen eine Wanderung dem Canyon (Tal) bzw. Bach entlang weiter hoch. Der Weg ist geprägt von vielen kleinen Wasserfällen mit entsprechenden Pools und entlang des Baches immer schön mit Palmen besiedelt. Herrlich. Wir verbringen viel zu viel Zeit in der Hot Spring sind aufgrund der Hitze und des Schwefels dementsprechend sehr müde, schlafen viel (sicher 12 Stunden) und sind danach sehr erholt.

Sierra de San Pedro Mártir

Aussichtspunkt El Altar

Danach geht’s weiter Süden. Der grobe Plan ist die Baja California, die zweitgrösste Halbinsel der Welt mit 1200 KM Länge und bis 220 KM Breite bis ans Ende runterzufahren. Die Halbinsel ist auch bekannt für das Offroad Auto- und Motorradrennen Baja 1000 – eines der härtesten und längsten Rennen der Welt. Am Zipfel angekommen möchten wir dann mit der Fähre aufs Festland übersetzen. Die Grenzregion ist prinzipiell gefährlicher und so möchten wir diese schnell hinter uns lassen. Schon am ersten richtigen Fahrtag kommen wir bei 3 Militär-Kontrollpunkten vorbei. Die Kontrollen sind ein wenig mühsam, man wird ausgefragt und je nachdem wird das Fahrzeug durchsucht. Grad bei unseren lächerlichen Spanischkenntnissen ist dies schnell mal der Fall. Ja, wir sind dran, wir lernen nun jeden Tag Spanisch, es ist hier so wichtig. Grundsätzlich ist das Militär aber rechtsschaffend und auch wenn sie vielleicht mit ihren Maschinengewehren, der teils bösen Miene und aufgrund von Corona komplett maskiert furchteinflössend wirken, sorgen sie doch für Sicherheit und sind nicht korrupt oder kriminell wie das bei manchen Polizisten der Fall sein kann.
Der nächste Halt legen wir im Nationalpark Sierra de San Pedro Mártir ein – eine Bergkette auf teils bis über 3000 Metern Höhe, die auch den höchsten Punkt der Baja beinhaltet. An klaren Tagen sieht man von da sowohl den Pazifik als auch den Golf von Kaliforniern zwischen Baja und Festland. Der Nationalpark ist geprägt von Pinienwäldern, grossen Felsen und um diese Jahreszeit auch von Schneefeldern. Wir können kaum glauben, dass wir in Mexico sind und nach einer 50-Kilometer-Fahrt wieder am Meer bei 25 Grad baden könnten. Wir campen im Park und werden am nächsten Tag vom Wetter enttäuscht.
Die Wolken bleiben alle in den Bergen hängen und so bleibt die Wanderung zu einem scheinbar wunderbaren Aussichtspunkt, von welchem man das Meer sehen kann, unbelohnt. Wobei uns die Wanderung und der Ausblick in den Nebel mit den Tannen, Pinienbäumen und den Felsen trotzdem gefallen hatte, da es etwas Mystisches hatte. Und wir haben einen Koyoten gesehen 🙂

Pazifikküste 

Danach gehts weiter südlich, wo die Besiedlung nach und nach abnimmt. An der Pazifikküste finden wir an einem Steinstrand ein schönes einsames Plätzchen für die Nacht, mit nichts und niemandem weit und breit. Wir kucken den Delfinen im Meer zu, geniessen den Sonnenuntergang und hoffen, dass durch den ausgebrochenen Vulkan in Tonga keine Tsunamiwellen bis zu uns kommen (zumindest für die Pazifikküste in den USA wurde eine Warnung ausgesprochen). Dies ist zum Glück nicht passiert und so haben wir auch unsere erste Nacht Wildcampen sicher verbracht.

Fazit

Wir hatten also eine super erste Woche in Mexiko, die Erwartungen wurden sicherlich übertroffen. Wir müssen uns ein wenig umgewöhnen, sind deutlich vorsichtiger, weniger spontan und nur noch am Tag unterwegs. Dies bedeutet, dass wir weniger unternehmen können, aber dafür mehr Zeit für uns haben, da wir Abends immer schon viel früher am Übernachtungsort sind. Unsere mangelnden Sprachkenntnisse stellen sich als grösseres Hindernis heraus als gedacht und so sind wir fleissig am Spanisch lernen. Wir sind schockiert über den Müll der überall herumliegt, selbst im Niemandsland, und nehmen uns vor hier noch fleissiger zu sammeln als in den USA.
Obwohl es bezüglich Einreise keinerlei Restriktionen gab, ist Covid hier wieder präsenter als in den USA – überall herrscht Maskenpflicht und bei allen Eingängen wird Fieber gemessen. Wir sind unglaublich dankbar über die unglaubliche Gastfreundschaft und sind froh wie bisher alles gut geklappt hat und wir uns auch beim Wildcampen sicher gefühlt haben. Ja, das kommt gut 🙂

Kleines Drohnenvideo von unserem Beach Campingspot:

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Chiricahua National Monument

Eine letzte Woche Verwöhnprogramm durch die wundervollen USA

In unserer letzten Woche haben sich die USA nochmals von ihrer besten Seite gezeigt (wie uns gegenüber durchgehend in den letzten 5 Monaten) mit tollem Wetter, idyllischen Landschaften, 4×4-Abenteuern, wunderbaren Begegnungen.

Rückweg durch Texas

Auf dem Enchanted Rock

Nach Houston fahren wir zurück in Richtung Westen, geniessen noch ein paar Mal texanisches Barbecue.
Wir wissen leider nicht, ob wir unser Kakerlakenproblem gelöst haben. Nachdem wir in Houston auch noch beim Einschlafen um die 28 Grad hatten, gab es urplötzlich einen Temperaturumschwung und so hatten wir ca. 300 Kilometer weiter westlich in der nächsten Nacht -7 Grad im Auto. Wir sind fast erfroren und wir hoffen die Kakerlake(n) ganz. Wir kauften trotzdem noch Fallen und hoffen das Problem ist gelöst, wissen es aber nicht.
Ein Zwischenhalt legten wir bei der Enchanted Rock State Natural Area ein. Der Enchanted Rock ist ein riesiger rosafarbener Granit-Batholith, d.h. ein riesiger Steinblock / Steinberg, welcher sich zum grössten Teil unter der Erde befindet. Hinauf zu laufen war für uns eine gute Gelegenheit, die Beine zu vertreten und wir wurden mit schöner Aussicht belohnt.

Auf dem Guadalupe Peak

Als Abschluss von Texas sind wir in den Guadalupe National Park, wo wir den höchsten Berg Texas‘ – den Guadalupe Peak erklommen haben. Das hört sich nach viel an, insbesondere wenn man bedenkt, dass Texas doppelt so gross wie Deutschland ist. Aber er ist nur 2667 Meter hoch. Anstrengend war die Wanderung nichtsdestotrotz, einen solchen Wind haben wir selten erlebt. Bei Anouk wechselten sich die Ängste davon gewindet zu werden, von einem herumwehenden Stein oder Ast totgeschlagen zu werden oder aufgrund des eisigen, in der Lunge schmerzenden Windes eine schwere Lungenentzündung zu erleiden regelmässig ab. Aber wir hielten durch und wurden auf dem Gipfel mit herrlicher Aussicht über das unendlich weite, hüglige Flachland belohnt.
Noch ein allerletztes Mal BBQ und dann gehts weiter durch New Mexico in Richtung Arizona. Durch unseren Konvoi- Kollegen aus Idaho wurde uns ein Mechaniker in der mexikanischen Grenzstadt Mexicali empfohlen, wo wir am 11. eine Einstellung des Ventilspiels machen. Damit haben wir einen fixen Termin für die Einreise nach Mexiko, was vielleicht nicht so schlecht ist, da der Abschied von den USA nicht einfach fällt und es noch so viel zu Sehen gäbe.

Auf dem Echo Canyon Trail

Chiricahua National Monument

Wieder ein Mal in Arizona angekommen (bereits das 4. Mal auf diesem Trip) besuchen wir das Chiricahua National Monument. Das Gebiet besteht aus unzähligen Rhyolith-Säulen (Vulkansgestein) in herrlichen, fantasieanregenden Formen. Flechten in knallgelb oder neongrün sorgen dafür, dass sie schön bunt sind. Am Schnee freuen wir uns auch. Vor lauter Staunen und Fotos machen hat die Wanderung durch den Echo Canyon schliesslich deutlich länger gedauert als geplant.

Unser Land Cruiser neben den anderen Land Cruisern der Werkstatt

Rund um Tucson

Raphi hat tatsächlich auf unserem Weg in Südarizona noch einen Land Cruiser Mechaniker gefunden! Wir hatten wirklich in den ganzen USA unglaubliche Schwierigkeiten jemanden zu finden. Wir hatten viele Toyota Garagen angefragt, aber diese hatten nicht mal unsere Ölfilter. Zum Ölfilter beispielsweise hiess es, dass es keinen Einzigen in der USA geben und die Bestellung 2 Monate dauern würde. Und nun ausgerechnet im abgelegenen Süden Arizonas, in einem 800-Einwohner-Kaff gibt es eine Werkstatt, die wirklich alles an Lager hat mit Besitzern, die sich hervorragend auskennen. Es waren einmal mehr extrem nette Leute, Raphi hat den Service gleich mitgemacht und konnte dabei noch ein, zwei Dinge lernen.
Weiter sind wir in die Universitätsstadt Tucson, die letzte grössere Stadt auf unserem Weg zur Grenze. Hier machen wir noch unsere letzten Besorgungen in Baumärkten, Outdoorläden etc. Zum Beispiel kaufen wir einen Wasserfilter, oder müssen Dokumente wie z.B. unsere mexikanische Autoversicherungsbestätigung für die Grenze ausdrucken oder kopieren. Und dann stehen so essentielle Dinge an wie das letzte Mal einen Cheesecake von der Cheesecake Factory oder einen leckeren Burger vom In’n’Out-Restaurant zu essen.
In Tucson kommen wie wieder mit sehr vielen ausserordentlich netten Menschen ins Gespräch. Zum Beispiel ist da der Chef eines Autozubehör-Ladens, der uns verschiedene 4×4-Tracks in der Gegend empfiehlt, uns auf Google alles zeigt, alle Wegbeschreibungen für uns ausdruckt und uns auf unseren Einkauf auch noch Militärrabbatt gibt.

Chiva Waterfalls

Um Tucson herum gibt es verdammt viel zu machen und die Schönheit der Gegend zeigt sich nur schon in unseren Übernachtungsspots in den öffentlichen Ländern um Tucson, voll gespickt mit den majestätischen, riesigen Saguaro-Kakteen. Leider schaffen wir zeitlich nur einen Ausflug: Wir besuchen die Chiva Waterfalls – ein Tipp vom Autozubehör-Verkäufer. Der 4×4 Track durch die Sonora Wüste war anspruchsvoll: Wir mussten öfters Treppen bauen, um die steilen Passagen zu überwinden und bis ans Ende haben wir es nicht ganz geschafft. Aber so sind wir halt denn Rest noch gelaufen und wurden mit einem wundervollen, hohen, durch den geschmolzenen Schnee wasserreichen Wasserfall mitten in der Wüste belohnt. Raphi hats sogar ins Wasser geschafft. Und wieder mal, weder auf dem Track noch beim Wasserfall – kein Mensch weit und breit. Abends besuchten wir zwei weitere Paare in ihrem Camp. Deren Bekanntschaft hatten wir am Morgen gemacht, da das eine Paar dasselbe Modell Land Cruiser besitzt und wir zufällig bei ihnen vorbeigefahren sind. Diese bringen dem anderen Paar das Offroad fahren hier auf den 4×4-Tracks der öffentlichen Ländern der Sonora Wüste bei. Das Land Cruiser Paar hat ihren Land Cruiser aus Australien importiert und ist damit auch schon durch die Amerikas, Australien und Afrika gefahren. Die Reaktion darauf, dass wir seit August unterwegs sind war – „Oh, so you’ve just started“. In der Vergangenheit haben sie jeweils die amerikanische Overlandexpo organisiert. Der gemeinsam verbrachte Abend war wieder sehr spannend und inspirierend für uns – der Zusammenhalt in der Overland Community ist einfach unglaublich.
Leider konnten wir die vielen weiteren Sehenswürdigkeiten in und um Tucson nicht mehr anschauen, wir mussten weiter.

Letzte Vorbereitungen und Fazit 

Die Autobahn nach Calexico führt durch Sanddünen

Auf dem Weg nach Calexico in Kalifornien, wo wir die Grenze überqueren, suchen wir das letzte Mal einen Campingplatz auf, machen Grossputz und reinigen den Wassertank. Weiter tanken wir vor Kalifornien nochmals unseren 270 Liter Tank voll, günstiger wird es in Mexico und Kalifornien nicht mehr und wir holen unsere letzte Amazon-Bestellung ab. Dinge die wir nicht in normalen Supermärkten oder Baumärkten finden bestellen wir oft über Amazon, da diese auch an Locker in allen möglichen Orten liefern, d.h. Schlüsselboxen in z.B. Apotheken oder Supermärkten. Für uns ohne Adresse ist dies sehr wertvoll. Wir suchen einfach ein Locker aus, welchen wir nach dem geschätzten Ankunftsdatum der Ware passieren werden und können dann das Paket abholen. Ausserhalb der USA wird es nicht mehr so einfach sein.

Nun stehen wir mehr oder weniger vor der Grenze, das letzte Mal kostenlos auf wunderbarem BLM Land und sind (hoffentlich) parat, um morgen die Grenze zu überqueren.
Die Gefühle sind sehr gemischt. Wir freuen uns sehr auf Mexico! Aber wir glauben es ist normal und ok, dass wir auch Respekt haben und unsicher sind. Wir haben inzwischen so unglaublich viel gehört, was sowohl die Unsicherheit als auch die Vorfreude verstärkt hat. Es gab eigentlich Niemand, der keine Meinung dazu hatte, dass wir durch Mexiko fahren mit dem eigenen Camper 🙂 Aber in unserem 2-wöchigen Vorgeschmack haben wir ja nur positive Erfahrungen gemacht und grad von Denjenigen, welchen in letzter Zeit da waren, hat uns niemand davon abgeraten.
Aber ja, die USA waren einfach unglaublich, und so fällt der Abschied auch sehr schwer.
Die USA ist einfach ein pures Luxus-Reiseland, grad für Overlanders / Roadtrippers. Die Freundlichkeit, Offenheit und Hilfsbereitschaft der Menschen, die Vielfalt der unglaublich schönen Natur, der grosse Anteil an wunderschönem öffentlichem Land, auf welchem man kostenlos campen darf, das Vorhandensein von sauberen und kostenlosen Toiletten überall, das Sicherheitsgefühl, und, und, und… sind alles einfach unschlagbar.
Klar hat die USA viele Probleme, aber als Reiseland sind sie einzigartig.
Man weiss, die politische Gespaltenheit ist da, das sieht man schon an der Menge an „Trump won“- Flaggen. Aber im Reisealltag haben wir davon oder allgemein von gegenseitigem Hass nichts mitbekommen, was natürlich nichts heissen muss. Persönlich hat uns am meisten die Mentalität bezüglich Ressourcen und Umwelt gestört. Wie so oft einfach der Motor noch laufen gelassen wird, während der Fahrer einkaufen geht, wie noch so viel Verpackungsmüll generiert wird oder so wenig recycelt wird. In manchen Staaten wie Kalifornien sind diesbezüglich deutliche Verbesserungen zu sehen. Aber ja, ansonsten können wir nur ein grosses Danke sagen, an all die wunderbaren Menschen und all die super Institutionen und Einrichtungen, die unseren ersten 5 Monate Panamericana besser gemacht haben, als wir es uns je erträumt haben.

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San Antonio Riverwalk

Weihnachten in Texas

Wir sind in Texas angekommen!

Unsere Weihnachtswoche war eher ruhig, da wir viel gefahren sind und sonstige Dinge erledigt haben.
So mussten wir die undichten Seitenfenster abdichten und dafür ein Campingplatz aufsuchen, damit wir eine Leiter ausleihen konnten. Das war ganz nett, der eine Campingnachbar war der permanent dort wohnende Sheriff des kleinen texanischen Dörfchens und die anderen Nachbarn haben uns Weihnachtsplätzchen vorbeigebracht.
Ja, endlich sind wir in Texas! Wir waren noch nie hier und sind gespannt, ob sich unsere unzähligen Bilder im Kopf vom nach Alaska zweitgrössten Staat bewahrheiten oder nicht. Was uns als Erstes überrascht und dem Bild von Freiheit und Weite ein wenig widerspricht ist das Nichtvorhandensein von öffentlichem (BLM) Land. Wiederum dem Klischee nach grenzt hier Ranch an Ranch. Zwar ist wie in anderen Staaten auch hier alles einsames Niemandsland, nur ist dieses halt eingezäunt und privat. Damit sind unsere Möglichkeiten kostenlos zu übernachten hauptsächlich auf Rastplätze, Strassen und Walmartparkplätze begrenzt. Damit haben wir kein Problem, aber wir wurden in anderen Staaten halt doch stark verwöhnt was einsame Plätze in wunderschöner Umgebung anging.

Big Bend National & State Parks

Big Bend Ranch State Park und Rio Grande

Als Erstes besuchten wir den Big Bend Ranch State Park und dann den benachbarten Big Bend National Park. Die beiden Parks, abgelegen im Westen sind wirklich sehr schön und grenzen direkt an Mexiko. Die Grenze wird durch den Fluss Rio Grande gebildet. Unsere Assoziationen eines reissenden Flusses aufgrund seiner Eigenschaft als Grenzfluss und des Namens „Grande“ haben sich aber nicht ganz bewahrheitet: Stets haben wir erwartet, dass wir nach Ankunft auf der anderen Seite der grossen Bergkette vor uns endlich den grandiosen Rio Grande sehen würden. Irgendwann ist uns das Lichtlein aufgegangen, dass die grosse Bergkette vor uns bereits zu Mexiko gehört und der schmale Bach davor, welchen man an einigen Orten locker durchlaufen konnte der Rio Grande ist.

Die Big Bend Parks umfassen grosse Teile der Chihuahua-Wüste, aber auch Berge und Canyons. Am ersten Morgen sind wir doch sehr erschrocken, da wir voller Nebel kaum 10 Meter weit sehen konnten. Als wir dann in die Hochebene Chisos Basin gefahren sind war es plötzlich wunderschön und so waren wir auch motiviert von dort aus auf den höchsten Berg im Park, den ca. 2400 Meter hohen Emory Peak zu wandern. Neben dem 360 Grad Ausblick ganz oben haben uns auch die verschieden Farbtöne in gelb, orange, grün etc. der riesigen Felsen gefallen – wieder ganz anders als in andern Parks. 

Ernst Tinaja Canyon

Cool war dann auch die 4×4 Fahrt zum Ernst Tinaja Canyon, der durch markante Schichten in verschiedenen rosaroten Tönen gezeichnet war. Neben weiteren Canyonwanderungen haben wir einmal mehr Hot Springs besucht, dieses Mal waren sie direkt angrenzend an den Rio Grande, d.h. man konnte sich zwischendurch immer wieder im Rio Grande abkühlen. Süss waren die kleinen Stände mit mexikanischem Handwerk und daneben stets eine Kasse wo man das Geld einwerfen konnte. Die mexikanischen Verkäufer warten und beobachten allerdings auf der anderen Seite des Flusses auf mexikanischer Seite und damit geschützt vor Kontrollen durch die US Border Control.

Weg nach San Antonio und Texan BBQ

Nach Big Bend gings weiter Richtung San Antonio. Es ist komisch, mittlerweile haben wir wieder über 25 Grad tagsüber und klagen über Hitze und Mücken – eine ziemliche Umgewöhnung zu den Minusgraden ein paar Tage zuvor. Unterwegs hatten wir das erste Mal texanisches BBQ, welches wir seither bei jeder Gelegenheit widerholten, bis jetzt 4x. Das gönnen wir uns jetzt, danach werden wir wieder genug sparen und fleischarm essen :). Die auf der Zunge zergehenden Ribs, Pulled Pork und Brisket und Co. aus dem Smoker sind wirklich unfassbar lecker. Man zahlt zwischen 10 bis 20 Dollar und es geht wirklich nur um das Wesentliche – den Geschmack. Das ganze Drumherum, wie Service, Deko etc. interessiert hier Niemanden. Man bestellt an der Theke, bekommt alles eingepackt in Papier mit Einweggeschirr, holt sich selbst die Getränke, setzt sich an einen Tisch und räumt danach alles selbst wieder weg. Vom einfachen Konzept her sehr sympathisch, aber es wäre toll, wenn beim Einweggeschirr ein Umdenken stattfinden würde.
Ein weiterer Zwischenstopp haben wir in einem Walgreens eingelegt, einer Kettenapotheke eingelegt, wo wir uns unkompliziert und kostenlos die Moderna Boosterimpfung holen konnten.

San Antonio Riverwalk

San Antonio

Weiter fuhren wir nach San Antonio, wo wir uns für Weihnachten 2 Nächte lang den Luxus eines Airbnbs geleistet haben. San Antonio hat uns sehr gefallen. Die älteste Stadt Texas weist in der Architektur viele spanischen und mexikanischen Einflüsse auf, hat unzählige Parks und den Riverwalk – einen 25km langen Spazierweg / Grünfläche entlang des San Antonio Rivers, der sich durch die ganze Innenstadt zieht. Die Stadt ist sehr aufstrebend, viele Personen und ganze Firmen ziehen zum Beispiel aus Kalifornien aufgrund der geringeren Lebenshaltungskosten nach San Antonio. Als erstes haben wir dem Alamo ein Besuch abgestattet. Das Alamo war ursprünglich eine franziskanische Mission, die später in ein Fort umgewandelt wurde. Das Fort war Schauplatz einer bedeutenden (und verlorenen) Schlacht der Texaner gegen die Mexikaner im texanischen Unabhängigkeitskrieg. Texas, zu diesem Zeitpunkt noch bis nach Wyoming reichend, gehörte da noch zu Mexiko.

Käsewähe, Gutzis und Glühwein zum 24.

Nach einem Bier bei Nachbarn, die uns netterweise einluden, haben wir den ersten Abend die Weihnachtsdekoration und einen Drink bei einem Spaziergang entlang des Riverwalks genossen.
Heiligabend haben wir im Airbnb verbracht, gewaschen, kleinere Reparaturen getätigt, Weihnachtsgutzis und Käsewähe gebacken sowie Glühwein gekocht. Somit wissen wir nun, dass man mit Rotwein, Gewürzteebeuteln, Orangen und Zucker einen durchaus akzeptablen Glühwein zaubern kann und dass sich die entsprechende Weinflasche hervorragend dazu eignet, Teig auszuwallen und ein Weinglas, um Plätzchen auszustechen, falls entsprechende Ausrüstung fehlt 😊 Ausserdem gelingt eine Schweizer Käsewähe auch halbwegs mit einer improvisierten Mischung aus Cheddar, Parmesan, Manchego und überteuertem milden Gruyère (ja, wir vermissen vernünftigen, rezenten Schweizer Käse).
Am 25. war dann alles geschlossen und so haben wir vor Weiterfahrt, die vielen Parks genossen und am Abend eine tägliche, an eine Kathedrale projizierte Lichter / Musik / Kunst – Show über die Geschichte San Antonios besucht. Diese war wirklich hervorragend gemacht, wir waren begeistert. Nun geht es weiter in die Hauptstadt Austin bevor wir uns Richtung Meer bewegen.

Ein winziger Ausschnitt aus „The Saga“ – hier ohne Musik:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Devil's Bridge

Inmitten von Red Rocks, Hoodoos, Aliens und Tropfsteinhöhlen

Monument Valley

Unsere Flucht von Utah in den Süden nach Arizona hat uns durchs Monument Valley geführt, eines der wohl berühmtesten USA-Roadtrip-Fotomotive.
Das Monument Valley ist Teil des Navajo Reservats, dem grössten Indianerreservat der USA. Wir hatten Glück – die Scenic Drive hatte geöffnet und so konnten wir durch die bis zu 300 Metern hohen, imposanten Sandsteinfelsformationen, -türmen und -tafelbergen fahren. Bisher hatten auf unsrer Reise viele Indianerresevate und deren Sehenswürdigkeiten aufgrund von Covid noch geschlossen.

Sedona

Devil’s Bridge

Weiter gehts nach Sedona. Ziemlich überrascht sind wir an der Menge an (Mit-)Touristen. Während wir in den letzten Wochen viele Spots für uns alleine hatten, scheint sich der gesamte US-Tourismus auf Sedona konzentriert zu haben. Sedona ist auch wirklich eine wunderschöne romantische Kleinstadt umgeben von roten Berglandschaften (Red Rock Country) und Kieferwäldern. Da Sedona tief gelegen ist, sind auch die Temperaturen um mindestens 10 Grad wärmer als eine halbe Stunde weiter nördlich. Die Stadt selbst ist mit ihren Galerien und Spas sehr hübsch und aufgrund der spirituellen Kraft, die den Bergen um Sedona zugeschrieben wird, ist der Ort ein Zentrum der New Age Bewegung. In der Umgebung kann man wunderbar wandern, offroaden und sonst aktiv sein und durch das Vorhandensein zahlreicher Social Media Hot Spots wie Höhlen oder Steinformationen wie die Devils Bridge möchte jeder dahin und ein Foto machen (ja, wir sind nicht besser 😊).

Chapel of the Holy Cross in Sedona

Am ersten Tag waren wir zu spät bei allen Wanderungs-Ausgangspunkten – alle Parkplätze weit und breit waren besetzt, die Warteschlange riesig. Da wir beide noch angeschlagen/erkältet waren, war dies eine gute Ausrede uns auf öffentliches BLM Land zurückzuziehen und uns im Land Cruiser auszukurieren.
Die nächsten Tage sind wir dann früh aufgestanden, fanden direkt ein Parkplatz und mussten dann auch nicht anstehen bei irgendwelchen Foto Hotspots. Wir haben kleine Wanderungen zu Devils Bridge, Subway Cave / Keyhole Cave (sieht tatsächlich aus wie eine U-Bahnstation oder ein Schlüsselloch), den Cathedral Rocks mit Rundumaussicht und dem Soldier Pass Cave (einer weiteren Höhle) gemacht. So früh am morgen hatten wir die Orte auch noch fast für uns alleine (wir lasen, dass man für ein Foto bei der Devils Bridge teils über eine Stunde anstehen muss – in der Nebensaison!) und konnten uns auch Zeit lassen die entsprechenden Höhlen zu erkundigen. Wie es hier zur Hauptsaison aussieht wollen wir nicht wissen. Es hat definitiv Spass gemacht und das Red Rock Country ist wunderschön, aber wir sind auch froh, als wir dann weiterfahren und diese Touristenhochburg hinter uns lassen können.

Raphi und sein Hoodoo-Kumpel

New Mexico

Da wir Anfang Januar nach Mexiko einreisen möchten müssen wir langsam weiter und so reisen wir Richtung Westen in den Bundesstaat New Mexico. Die Strecke auf der Autobahn dahin war krass: Innerhalb von 4 Stunden Fahrt sahen wir ca. 15 umgekippte oder eingeknickte Lastwagen neben der Autobahn. Dies war wohl Resultat von Schnee- und Windstürmen in der Nacht davor. Auch New Mexiko kennen wir bereits ein bisschen und so lassen wir Hot Spots wie den wunderschönen White Sands National Park aus.
Im Norden New Mexikos, extrem abgelegen gibt es viele Orte die durch Erosion geformte Steinformationen – Hoodoos, bestückt sind. Wir machen uns auf zur Ah-Shi-Sle-Pah Wilderness Study Area. Leider sind wir damit wieder zurück in Kälte und Schnee. Weit und breit sind wir die Einzigen, mit Ausnahme von 2 Koyoten. Wir hören sie zwar fast jede Nacht, aber dies ist das erste Mal, dass wir sie zu Gesicht bekommen, wenn auch weit entfernt. Wir geniessen den Spaziergang durch die witzigen und bizarren Formationen, die oft wie Pilze, Menschen oder ähnliches aussehen (sogar das Smartphone hält ein Hoodoo für ein Gesicht beim Fotografieren). Es gibt auch immer noch viele Fossilien und versteinerte Bäume / Baumstümpfe in der Gegend zu entdecken.

Montezuma Hot Springs bei Mondschein

Einen weiteren Halt Richtung Westen machen wir bei den natürlichen Montezuma Hot Springs. Das Wasser der Hot Springs wird in verschiedene Steinpools geleitet, welche je nach Entfernung zur Quelle unterschiedliche Temperaturen haben. Das heissteste ist ca. 50 Grad und wird auch Lobster Pod (Lobstertopf) genannt, da man nach einem Bad knallrot ist. Im Wechselspiel aus Pause an der kalten Luft und dann wieder ab in die Hot Springs ist das Bad extrem angenehm.
Freiwillige Locals putzen die Quellen regelmässig. Ein paar davon lernen wir kennen und lauschen deren Geschichten über deren Vorfahren und New Mexico bei Fast-Vollmondschein während einem wunderbaren Bad in den Hot Springs – extrem entspannend.

Im International UFO Museum & Research Center

Ebenfalls vorbei kommen wir an Roswell. Das Städtchen ist berühmt für den sogenannten Roswell Incident, ein angeblicher Absturz eines UFO’s 1947, der Behauptungen zufolge von der Air Force vertuscht worden war. Dank dem Zwischenfall wurde das Städtchen zur UFO Hauptstadt erkoren. Überall gibt es entsprechende Statuen und Souvenirläden. Im International UFO Museum and Research Center lassen wir uns von Verschwörungstheorien berieseln und lernen alles was wir schon immer wissen wollten über Alien-Entführungen und UFO Begegnungen 😊

Sitting Bull Falls

Auf dem weiteren Weg statten wir noch den Sitting Bull Falls einen Besuch ab – schöne ca. 50 Meter hohe Wasserfälle (leider gerade mit wenig Wasser) durch zerklüfteten Stein inmitten der Wüste. Dann ist unser letzter New Mexico Stop für uns der Carlsbad Caverns National Park.
Der Park ist bekannt für seine 83 Tropfsteinhöhlen, darunter den mit 1.2km Länge und 200m Breite grössten Höhlenraum Nordamerikas – dem Big Room. Dieser gewaltige, an eine Kathedrale erinnernde Höhlenraum mit den kleinere Seitenkammern und den tausenden von der Decke hängenden Stalaktiten aber auch anderen teils riesigen Formationen, Stalagmiten und Popcorn war wirklich sehr eindrücklich.

Nun heisst es für uns noch einen Tag opfern um die undichten Seitenfenster abzudichten bevor wir anfangen Texas zu erkunden und dann in San Antonio Weihnachten feiern. 

Wir wünschen allen fröhliche Weihnachten und besinnliche Festtage!

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Canyons, 4×4-Fahrten und Wintereinbruch im einzigartigen Utah

Wir haben eine weitere fantastische Woche in Utah verbracht, aber nun holt uns der Winter ein und so fahren wir weiter.

Hole-in-the-Rock Road

Die Hole-in-the-Rock Road ist eine Nebenstrasse der Scenic Route 12 und führt 100km bis zum Lake Powell. Sie wurde ursprünglich um 1880 von mormonischen Pionieren «gebaut» im Versuch eine Abkürzung über den Colorado River (welcher mit dem Lake Powell gestaut wird) zu schaffen. Entlang der einsamen Hole-in-the-Rock Road befinden sich jede Menge Slot Canyons und weitere Sehenswürdigkeiten. 

Speziell waren die verschiedenen Wanderungen zu den Zebra, Peek-a-boo und Spooky Slot Canyons (sehr schmale Schluchten). Diese Slot Canyons sind extrem schmal und teils auch steil. D.h. wir mussten klettern und uns durchpressen. Wenn der Spalt unten zu schmal war, mussten wir die Canyonwände weiter hoch bis zu einem grösseren Canyonwand-Abstand und uns dann durch Abstemmen von Armen, Füssen und Hintern vorwärtsbewegen. Platzangst ist hier fehl am Platz. Der Zebra Canyon war dem Namen entsprechend wie ein Zebra gestreift, die anderen hatten eine rote Färbung, die je nach Sonnenstand und Reflexion der Sonnenstrahlen besonders schön zur Geltung kam. 

Ein weiterer Halt entlang der Hole-in-the-Rock Road war der Devils Garden – eine Gegend voller orange-weisser Sandsteinformationen wie z.B. Brücken, Hoodoos (Säulen) etc.

 

Raphi klettert im Hole-in-the-Rock

Wir sind bis ans Ende der Strasse gefahren bis zum eigentlichen Hole-in-the-Rock. Spätestens als irgendwann in der Mitte der Strecke, die Dirtroad zu einem 4×4 Track wurde, verloren wir auch noch die letzten anderen wenigen Touristen. Das Hole-in the Rock ist eine Spalte zwischen den riesigen Felswänden welche von den Mormonen als Zugang zum Lake Powell benutzt wurde. Mittlerweile wurde der extrem steile Weg durch diese Spalte durch riesige Felsbrocken komplett zerstört. Den Land Cruiser mussten wir oben lassen, mit viel Mühe konnten wir aber runterklettern. Kaum zu fassen, dass durch diesen steilen schmalen Spalt mal Wagen durchgezogen wurden. Am Lake Powell unten findet Raphi eine Schatzkiste – eine verlassene Werkzeugkiste, die wahrscheinlich an Land gespült wurde, spannend. Der Wasserstand des zweitgrössten Stausees der USA ist aufgrund von Trockenheit traurigerweise extrem niedrig. In Kanab wurde uns erzählt, dass Leute um 5 Uhr morgens anstehen, um ihr Boot ins Wasser zu lassen, da fast alle Bootrampen aufgrund des niedrigen Wasserstandes geschlossen wurden. 

Steven’s Arch beim Coyote Gulch Canyon

Neben den schmalen Slot Canyons gibt es entlang der Hole-in-the-Rock Road auch Zugang zu grösseren Canyons und so entschliessen wir uns dazu eine Tageswanderung im Coyote Gulch Canyon zu unternehmen. Die Wanderung war eine ziemliche Herausforderung. Um in den Canyon runterzukommen, mussten wir zu einem «Crack in the Wall» – einem ca. 30 cm-weiten Riss eines Felsen vor der Canyonwand wandern. Dort mussten wir uns durch diesen Riss hinunterzwängen und bis zur Bachsohle des Canyons absteigen, um dort im Canyon weiter zu wandern. Dies war dann wunderschön. Der Bach (Coyote Gulch) bietet im rotgoldenen Canyon mit den steilen, bis 200 Meter hohen Wänden Grundlage für eine üppige Vegetation, welche einen wunderschönen Kontrast darstellt. Entlang der Canyonwände gibt es viele Einbuchtungen und zusammen mit dem Wasser, das da runtertröpfelt, führt dies zu wunderschönen hängenden Gärten. Hinzu kommen noch die riesigen Arches (= Sandsteinbögen und -brücken) und Höhlen, sowie die vielen kleinen Wasserfälle / Kaskaden des Coyote Gulch. Schade nur, dass viel Vegetation aufgrund der Jahreszeit ergraut ist – Frühling, Herbst und auch Sommer müssen hier magisch sein. Dafür sahen wir jede Menge Eisblumen. Auch mussten wir wieder und wieder den Bach überqueren, was bei der Kälte mühsam werden kann. Schliesslich haben wir es durch eine Mischung aus Brückenbauen aus Holz und Stein, Zähne zusammenbeissen und barfuss durchqueren und Wanderstab-Hochsprung geschafft, dass die Schuhe trocken blieben.

Der Ausstieg aus dem Canyon war ein wenig zu krass. Wir mussten eine steile Canyonwand hochklettern (nicht senkrecht, aber sehr steil), zum Teil ohne Unregelmässigkeiten, die einem Halt gaben. Wenn man an einer Stelle ankommt, an welcher man weder vor noch zurück weiss, muss man sich doch schön zusammenreissen, um keine Panikattacke zu bekommen. Schlussendlich sind wir aber heil oben angekommen und schliessen mit dieser wunderschönen Wanderung das Kapitel Hole-in-the-Rock Road ab. 

Die verschiedenen Schichten des Waterpocket Fold

Capitol Reef National Park

Weiter führt uns die Scenic Route 12 zum Capitol Reef National Park. Der Park schützt eine Gegend, die durch eine Falte der Erdoberfläche geprägt ist. Diese Falte besteht aus verschiedenen Steinschichten, die hochgepresst wurden, teils erodiert wurden und nun alle nebeneinander zum Vorschein kommen. Aus geologischer Sicht höchst faszinierend, aber auch für Laien wie uns wunderschön, da die verschiedenen Schichten durch unterschiedliche Farben geprägt sind. Natürlich gibt es auch hier jede Menge verschiedener Steinformationen und Canyons. Wir haben eine kleine Wanderung zum und auf den Sandsteinbogen Cassidy Arch gemacht. Weiter sind wir in den abgelegenen Teil Cathedral Valley gefahren, wo wir wieder mal weit und breit die Einzigen waren. Die imposanten Sandsteinformationen erinnern dem Namen gemäss tatsächlich an gotische Kathedralen. Wir haben es grad noch zur Abenddämmerung geschafft. Gerne hätten wir den sehr eindrücklichen Park und das Cathedral Valley ausgiebiger erkundigt, aber die Wettervorhersage kündigt Schnee an und wir haben noch einiges hier oben vor, bevor wir in den Süden fahren.

Rund um Moab

Moab ist eine Kleinstadt im Südosten Utahs. Zwischen 2 Nationalparks liegend und mit unzähligen Wanderwegen und 4×4-Tracks in der Gegend ist Moab ein absolutes Touristenzentrum und war auch für uns Ausgangspunkt für unsere Exkursionen. Wir haben 2 ziemlich heftige 4×4-Strecken ausprobiert, bei welchen wir wirklich nicht wussten, ob der Land Cruiser das heil überlebt. Es gab steile Felstreppen etc., zum Teil mussten wir auch selbst Treppen aus Steinen bauen, da der Land Cruiser sonst zu viel Höhe in einem Schritt überwinden hätte müssen. Einige Male hörten wir wie ein Steine unten am Auto etwas berühren, aber kaputt ging zum Glück nichts. Der panikerfüllteste Moment war, als wir an einem Hang standen, beide draussen standen, und der Land Cruiser plötzlich anfing zu rollen. Zum Glück konnte Raphi grad noch rechtzeitig reinspringen und das Auto stoppen. Bei beiden Tracks wurden wir mit grandioser Aussicht belohnt. Beim «Top of the World»-Track standen wir am Schluss auf einer steilen Klippe mit Wahnsinnsausblick auf rote Berge und Schneeberge im Hintergrund, nur leider bei schlechtem Wetter. Beim «Hells-Revenge»-Track in der Sand Flats Recreation Area hatten wir ebenfalls wunderschöne Aussicht auf die Sand Flats – Sandsteinhügel, wieder mit Schneebergen als Kulisse.

Wir haben eine Bewilligung eingeholt, die regulierte «White Rim Road» im Canyonlands National Park zu fahren. Für die 160km lange Strecke braucht man ebenfalls ein 4×4 Fahrzeug und mindestens 1 Tag Zeit, aber sie ist definitiv weniger anspruchsvoll als «Top of the world» & Co. Die Strasse durch diese weiten Canyonlands, oft einem White Rim (weissen Canyonrand) folgend war grandios. Canyons innerhalb von Canyons, steile Kliffs, faszinierende Formationen, die Green und Colorado Flüsse und einmal mehr die schneereichen La Sal Berge als Kulisse machen die Strecke zu einem weiteren Highlight. Es werden bis zu 50 Bewilligungen pro Tag ausgestellt, aber insgesamt sind wir nur 2 anderen Fahrzeugen begegnet.

Inzwischen ist es verdammt kalt geworden, in der Nacht -8 Grad, tagsüber knapp über 0 und Anouk hat sich stark erkältet. Obwohl Moab und Umgebung noch so viel zu bieten hätten, entschliessen wir uns schweren Herzens in den Süden zu fahren. Schon stark angeschlagen bei Minustemperaturen zu übernachten (keine Isolation im Land Cruiser) ist wohl nicht das Beste. Irgendwann kommen wir wieder, denn wie zu Beginn gefürchtet, unsere Utah-Noch-To-Do-Liste ist nicht kürzer geworden, sondern länger.

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