Laguna de Morón

Von der Wüste ins Kloster

Paracas National Reservat und Oasen

In der Laguna de Morón

Nachdem wir endlich von Lima loskönnen, ist unser erster Stopp das Paracas National Reserve. Das Reservat ist vor allem für sein Meeresleben bekannt – Wale, Delphine, Vögel, Humboldt Pinguine, Seelöwen und die als peruanische Galapagos Inseln bekannten Ballestas Inseln befinden sich hier. Wir erkunden das Reservat nur von Land aus. Bei einer Lagune beobachten wir Flamingos, geniessen die schöne karge Landschaft am Meer, mit steilen Kliffs und vielen Vögeln, inbesondere die Inkaseeschwalbe. Die Wüste und Strände sind zum Teil fast rot – ein schönes Farbenspiel mit dem hellblauen Meer. Unser nächster Stopp ist die Oasis de Morón, eine Lagune, die vom Untergrund mit Wasser versorgt wird und üppig von Vegetation umgeben wird. Ein wunderschöner Anblick so mitten in den hübschen Sanddünen. Schön, dass hier noch nichts kommerzialisiert ist und wir nur ein paar wenige Locals antreffen, keine Touristengruppen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und campen in den Dünen. Am nächsten Tag besuchen wir die viel bekanntere Oasis de Huacachina. Nach der Oasis de Morón sind wir ziemlich enttäuscht. Die Oase ist mittlerweile nur noch ein Touristendorf, dass zwar halb zusammenfällt, während die Dünen voll mit Müll sind, aber irgendwie trotzdem noch Horden von Touristen anzieht. Das Wasser der Oase selber ist dreckig und wird inzwischen über Rohre eingespeist, da die Lagune eigentlich durch den Tourismusboom ausgetrocknet ist.

Cañón de Los Perdidos

Anouk und der Land Cruiser am Rande des Cañón de los Perdidos

Nach Huacachina machen wir einen abenteuerlichen Ausflug. Wir wollen zum Cañón de Los Perdidos (was treffenderweise soviel wie Schlucht der Verlorenen bedeutet). Dafür müssen wir stundenlang durch absolutes Niemandsland fahren. Zum Glück haben wir die GPS-Wegpunkte runtergeladen, weil der Weg ist nicht mal auf unsrer detailliertesten App, die normalerweise sogar alle Wanderwege erkennt (Maps.Me) eingezeichnet. Es gibt zudem keine Strasse sondern nur eine Vielzahl von Spuren anderer Fahrzeuge, von welcher man aber nicht weiss, welches die richtige ist. Es fühlt sich an, wie auf dem Mond zu fahren, gar nichts weit und breit, siehe ein kleiner Clip unten. Mithilfe dieser GPS-Wegpunkte kommen wir am Ziel an. Überraschenderweise treffen wir hier einen kleinen Tourbus an. Dem Bus sind auf dem Weg 2 Reifen geplatzt und nun sitzt er fest. Der arme Reiseführer beklagt sich bei uns über seine aufgebrachten Touristen. Leider können wir ihm nicht helfen, da die Reifen nicht mehr reparierbar sind, aber zum Glück kommt bald ein Freund mit Ersatzreifen angefahren und wir haben den Canyon für uns alleine. Mitten im Nirgendwo befindet sich hier diese schöne malerische bis 450 Meter Tiefe Schlucht, die uns ein wenig an Utah erinnert. Wir wandern ein wenig und da es für den langen Weg zurück zu spät ist übernachten wir hier alleine mitten im Nirgendwo unter prächtigem Sternenhimmel.

Nazca

Der weitere Weg führt uns nach Nazca zu den weltberühmten Nazca Linien und den weniger bekannten Palpa Linien. Die Nazca Linien sind praktisch perfekte, kolossale Zeichnungen (die Längste ist 3.6 Kilometer lang), welche erst 1930 durch Flugzeuge entdeckt wurden, da man sie nur aus der Luft richtig sieht. Die Linien stammen von der Nazca-Kultur und wurden ca. zwischen 300 vor bis 500 nach Christus erschaffen. Wie es dieses Volk geschafft hat, die Zeichnungen so präzise ohne Luftfahrt zu vervollständigen ist unfassbar und nicht geklärt. Kein Wunder kommen da immer wieder Alien-Theorien auf. Neben ganzen 70 Tier- oder Pflanzenzeichnungen von z.B. Affen, Walen, Lamas, Fröschen etc. sind etwa 900 geometrische Figuren vorhanden.
Da wir auf den Flug aus Kostengründen verzichtet haben, müssen wir mit dem Aussichtsturm vorlieb nehmen – hier sehen wir aber leider nur einen Frosch, eine Echse und einen Baum.
Die Palpa Linien ein paar Kilometer weiter, obwohl kleiner, finden wir fast imposanter. Da sie in Schräglage am Hügel angebracht sind, sahen wir die Linien besser und konnten die gezeichnete Paracas-Familie klar erkennen. Die Palpa-Linien wurden sogar ein paar Jahrhunderte vor den Nazca-Linien von der Paracas-Kultur geschaffen. Unter den Palpa Linien befindet sich auch ein perfektes Mandala, ein Symbol, welches eigentlich aus Indien stammt, was weitere Rätsel aufwirft. Wieso diese Nazca und Palpa-Linien geschaffen wurden und wie die Figuren ohne Luftperspektive dermassen genau erschaffen werden konnten, bleibt ebenfalls bis heute ein Rätsel.
Nur die Erschaffungsart ist bekannt: Für die Nazca Zeichnungen wurde so tief gegraben bis die weisse Erdschicht unter der braunen zum Vorschein kam (was nur ca. 10 bis 15 cm tief ist). Für die Palpa-Linien hingegen wurden Steine aufeinandergehäuft. Überall sonst wären die Figuren längst erodiert, aber da es sich hier um eine der trockensten Gegenden der Welt handelt, war der Erhalt über Tausende von Jahren möglich.
In der Gegend gibt es noch weitere historische Wunder. Wir besuchen die Nekropolis von Chauchilla – einen Friedhof, vermutlich ebenfalls von der Nazca-Kultur, in welchem sich Hunderte von Mumien befanden. Obwohl die Mumien über 1200 Jahre alt sind, sind sie erstaunlich gut erhalten, manche haben sogar noch Haarbüschel auf dem Kopf, was ebenfalls dem trockenen Klima und der guten Mumifizierungstechnik zu verdanken ist. Einige sind in den mittlerweile offenen Gräbern heute noch zu besichtigen. Alle Grabbeigaben und sonstigen Kostbarkeiten wurden über die Jahre von Grabräubern geplündert und dabei auch einige der Mumien zerstört, um deren Schmuck zu entfernen. Weiter besichtigen wir die Äquadukte von Cantalloc – ein ca. 1500 Jahre altes Ingenieursmeisterwerk der Nazca-Kultur. Von den 46 Äquadukten um die Stadt Nazca sind immer noch 32 in Betrieb. Sie wurden erbaut, um die herumliegenden Felder mit Wasser zu versorgen. Ganze 12 Meter liegen sie unter dem Boden und sind mehrere Kilometer lang. Wir bekommen nur die Ventilationsschäfte zu sehen, ein Kunstwerk für sich in ihrer exakten Spiralform, wenn man bedenkt wie alt sie sind. Sie wurden wohl (und werden immer noch) dafür gebraucht, Wind in die Untergrundkanäle zu leiten, welcher dann Wasser von Untergrundwasserreservoiren zu jenen Stellen leitet, wo es benötigt wird.
Entlang der Küste fahren wir dann weiter. Ca. 12 Stunden Fahrt liegen vor uns bis zum nächsten Ziel – der zweitgrössten Stadt Perus – Arequipa. Man könnte erwarten, dass man auf der Panamericana, der wichtigsten Autobahn des Landes, vorwärts kommt, man zahlt ja schliesslich auch Maut. Aber nein, hier ist es gang und gäbe, dass einfach ohne Ankündigung Abschnitte dieser Autobahn für ein paar Stunden geschlossen werden, damit zum Beispiel neuer Belag eingebaut werden kann. In solche Situationen fahren wir 3 Mal. Die ersten beiden Male können wir und die restlichen Hunderte von Autos nach ca. einer halben Stunde warten weiterfahren. Beim dritten Mal warten wir tatsächlich etwa 3.5 Stunden, bevor wir und die unendlich lange Schlange an Autos kurz durchgelassen wird und dann der Abschnitt wieder gesperrt und weitergebaut wird. Ein System welches für uns ärgerlich und für Raphi als Strassenbauspezialist unverständlich ist, aber ok. Wenigstens sind wie überall in Lateinamerika, obwohl wir mitten in der Wüste sind, die Strassenverkäufer nicht weit und laufen fleissig von Auto zu Auto um uns kulinarisch zu versorgen.

Arequipa

Im Monasterio de Santa Catalina

Irgendwann kommen wir in Arequipa an. Arequipa war uns (oder hauptsächlich Anouk) schon im Voraus extrem sympathisch – eine Stadt, die gleich heisst wie der kolumbianische Namen für die leckere Süssigkeit Dulce de Leche (Arequipe), kann nur schön sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Stadt ist umgeben von Vulkanen und ist, da sie komplett aus Sillarstein (weissem Vulkangestein) gebaut wurde auch als Ciudad Blanca (die weisse Stadt) bekannt. Neben Spaziergängen durch die Stadt und einem Pisco Sour zum Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt geniessen wir den Besuch des Klosters Monasterio de Santa Catalina. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert von der Witwe Maria de Guzman gegründet und ist so stark gewachsen, bis es eine eigene ummauerte Stadt in der Stadt war. Bis zu 450 Nonnen haben einst hier gelebt. Erst 1970 wurde das Kloster der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Noch heute ist das Kloster aktiv, es wohnen aber nur noch ca. 20 Nonnen da. Das Kloster ist extrem pittoresk mit seinen im Gegensatz zur weissen restlichen Stadt roten und blauen Farben, Blumen, Orangenbäumen und Fresken. Es wird gut geschildert, wie hier früher gelebt wurde und die Utensilien von dazumal wie Tonöfen, Wasserfilter, Wasch“-maschinen“ etc. sind alle noch zu besichtigen.

Colca Canyon

Blick auf Sangalle

Nach Arequipa fahren wir zum Colca Canyon. Der Colca Canyon ist einer der tiefsten Canyons der Welt (manche Quellen sagen der zweittiefste, aber andere sagen wieder etwas anderes). An manchen Stellen ist er 2-fach so tief wie der Grand Canyon in der USA. Da wir den falschen Weg wählen sind wir viel zu lange unterwegs, fahren wir über 4800 Meter hohe Pässe, kommen aufgrund deswegen teils nur im Schritttempo voran und merken, dass unsere Mechaniker in Lima beim Austausch der Bremsflüssigkeit gepfuscht haben und etwas nicht stimmt. Die Landschaft ist aber wunderschön und inzwischen machen wir richtig häufig Bekanntschaft mit Lamas und Alpakas. Beeindruckend sind zu Beginn des Tals die Terrassen für die Landwirtschaft an den Hängen, überall und so weit das Auge reicht. Noch vor den Inkas wurden diese errichtet und sind heute noch in Gebrauch. Nach einer ruhigen Nacht auf einem Dorfplatz am Canyonrand brechen wir um 5 Uhr auf, um in den Canyon runter zu wandern. Ziel ist die Oase Sangalle am Grund des Canyons. In einem der paar Hostels (sonst gibt es hier nichts ausser dem Fluss) geniessen wir ein Frühstück. Friedlich, idyllisch und wenn wir mehr Zeit hätten, wäre es entspannend hier zu übernachten und das Oasenleben am Pool zu geniessen. Wir machen uns auf den steilen Weg im Zickzack zurück nach oben. Die 1200 Höhemeter in 4 Kilometern machen uns ganz schön zu schaffen. Ja, Canyon-Wanderungen sind im Gegensatz zu Bergwanderungen undankbar, das Anstrengende folgt stets am Schluss. Und das Ziel, der Canyongrund hat oft weniger schöne Aussichten als der Beginn der Wanderung zu bieten. Wir verfluchen uns, aber irgendwann kommen wir verschwitzt oben an. Zurück beim Auto kann Raphi zum Glück unser Bremsenproblem lösen, indem er das Bremssystem entlüftet. Dieses Mal fahren wir bei Tageslicht den wunderschönen Canyonrand entlang zurück. Bei einer Aussichtsplattform lassen wir uns beide zum Kauf eines Jäckchens aus Alpakawolle überreden. Wir bereuen es nicht, die Wolle ist extrem angenehm und gibt sehr warm. Am Canyonende machen wir Halt bei den Chacapi Hot Springs. Mit schöner Aussicht auf eine alte Steinbrücke erholen wir uns in den Steinpools, die direkt von heissen Quellen gefüllt werden von der Canyon-Wanderung. Als wir genug haben geht es für uns weiter in die Anden – in Richtung Titicaca-See, dem höchsten schiffbaren Gewässer der Welt.

Oasis de Moron:

Ein Video des Canon del Pato von den Wochen zuvor in den Anden:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Valle del Cocora

Inmitten von Giganten und ein Besuch der zweiten Wüste Kolumbiens

Cocora-Tal mit den höchsten Palmen der Welt

Anouk inmitten von Wachspalmen

Weiterhin im grünen Hochland von Kolumbiens Kaffee-Region unterwegs, ist unser nächstes Ziel das Cocora Tal.
Hier wachsen Quindio-Wachspalmen, die höchsten Palmen der Welt – für Anouk als Palmenfan eine absolute Pflichtattraktion. Bis zu 60 Meter hoch werden die gigantischen Palmen.
Im Nebelwald-Gebiet liegend umgibt die riesigen dünnen Palmen im Cocora Tal oftmals ein Nebelschleier, was für eine magische mystische Atmosphäre sorgt. Wir machen eine Wanderung. Die Gegend ist berühmt für seine Vielfalt und Dichte an Kolibris, das dafür eingerichtete Reservat ist aufgrund Hochwassers geschlossen. Aber auch auf der Wanderung stossen wir auf viele dieser süssen kleinen Vögel. Komfortabel ist die Wanderung nicht – Nach einer regenreichen Nacht regnet es munter weiter, d.h. wir laufen durch Schlamm, teils extrem steile Passagen, wo ausrutschen praktisch unumgänglich ist und einmal müssen wir den reissenden Fluss durchqueren. Mehrfach müssen wir den Fluss auf lückenreichen, wackligen, abenteuerlichen Hängebrücken überqueren. Nach der Wanderung und einem leckeren Forellen-Zmittag im angrenzenden bunten Dorf Salento machen wir einen schönen einsamen 4×4 Track durch die Berge durch viele weitere gigantischen Wachspalmen. Entlang der Strasse finden wir ein schönes Plätzchen mit Aussicht zum übernachten.

Tatacoa-Wüste

Raphi im Cuzco-Teil der Wüste

Als nächstes fahren wir in die Tatacoa Wüste. Diese 330 Kilometer grosse Wüste ist geprägt von durch Erosion bizarr geformten Felslandschaften im Teil Cuzco in rot und im Teil Los Hoyos in grau. Unzählige Kakteen schmücken die Wüste und Geissen wandern umher. Zum übernachten finden wir wunderschöne Wildcamping-Spots umgeben von Wüste. Am zweiten Abend bekommen wir Gesellschaft von Ally und Blake und deren beiden Hunden. Diese Reisenden aus Oregon haben wir bereits in Panama City kennengelernt. Sie haben zwar eine Woche vor uns verschifft, ihr Auto aber gleichzeitig abgeholt.
Wir kochen was zusammen und besprechen die weiteren Pläne. Mit ihnen haben wir uns nämlich verabredet, um im Konvoi nach La Macarena zu fahren. La Macarena ist sehr abgelegen, fast alle fliegen dahin, Infos über den Zustand und die Sicherheit der Strassen durchs ehemalige FARC Gebiet finden sich praktisch keine und die letzten mit dem Auto fahrenden Reisenden, die wir auftreiben konnten, waren vor ca. 4 Jahren da. So sind wir zum Schluss gekommen, dass es besser ist jemanden zu finden, mit wem wir die Fahrt gemeinsam machen können.

La Mano del Gigante

Vor der Konvoifahrt trennen wir uns aber nochmals und machen einen Abstecher zu La Mano del Gigante – ein Aussichtspunkt in den Bergen. Wir beschliessen hoch zu laufen und werden dabei von 2 schönen Hunden den ganzen Weg nach oben begleitet. Wir geniessen die Aussicht, schauen den Paraglidern zu und schiessen ein paar Fotos bei den kitschigen Fotomöglichkeiten. Die Familie, die den Aussichtspunkt managed lässt uns netterweise kostenlos bei ihnen im Auto übernachten und die Toilette benutzen – die Menschen in Kolumbien sind wirklich sehr nett, zuvorkommend und grosszügig. Auf dem Weiterweg pflücken wir Kakaofrüchte von verwilderten Kakaobäumen. Wir wollen sie zu Schokolade verarbeiten, nach unsrer Tour in Costa Rica wissen wir ja jetzt wie es geht. Es scheitert aber leider schon im ersten Schritt als wir merken, dass die Früchte innen vergammelt sind. Spannend finden wir auch die kleinen Holztribünen am Strassenrand, auf welchen Geissen stehen. Wenn jemand Milch kaufen möchte, werden diese direkt gemelkt.

Fahrt durchs ehemalige FARC-Gebiet

An vielen Häusern sind diese FARC-Kennzeichnungen zu sehen

In 2 Tagesetappen zu 7 Stunden und je 150-200 Kilometer fahren wir nun nach La Macarena. Die erste Etappe fahren wir noch alleine. Die unbefestigte einsame Strasse führt durch schöne Berglandschaften, vorbei an riesigen Wasserfällen und freundlichen Minidörfern wo uns reichhaltiges Mittagessen für 2 Dollar serviert wird. Aber man merkt, dass hier alles ein wenig anders ist. Wir fahren durch verschiedene Militärkontrollen – die hier übrigens fast schon Spass machen, die Militärs freuen sich jeweils sehr über unseren Besuch, darüber ihr gebrochenes Englisch testen zu können und sind extrem freundlich und gesprächig, kontrolliert wird bei uns so gut wie nix. Auf der selben Strecke fahren wir dann durch Dörfer in welchen jedes Haus mit Graffiti und einem Stempel der FARC gekennzeichnet sind. Bis 2002 wurde das ganze Gebiet noch von der FARC beherrscht. Danach hat die Regierung das Gebiet zurückerobert, worauf über Jahre schlimme Konflikten und Anschlägen an der Tagesordnung standen. Erst 2016 wurde ein Friedensabkommen getroffen. Seither hat sich die Lage beruhigt, aber im Gebiet leben noch immer viele FARC Dissidenten, weswegen es immer noch zu Zusammenstössen kommt.
In San Vicente del Cagúan werden wir von einem Fasnacht-ähnlichen Umzug begrüsst – auch hier werden Süssigkeiten geworfen. Dann treffen wir uns mit den anderen und fahren den nächsten Tag die Strecke nach La Macarena. Überraschend unspektakulär, die Strasse mühsam, in einem sehr schlechten Zustand, aber keine Herausforderung. Im Hotel für 10 Dollar pro Nacht quartieren wir uns ein und freuen uns auf den nächsten Tag, der Grund für diese 15-stündige Fahrt ins Niemandsland: Eine Tour zum scheinbar schönsten Fluss der Welt, Caño Cristales.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
Punta Gallenas

Wo goldene Dünen in die türkise Karibik fliessen

Nach unseren Schwierigkeiten den Land Cruiser zurückzubekommen sind wir seit über einer Woche wieder unterwegs und haben uns in Rekordschnelle mit Kolumbien versöhnt. Landschaftlich ist es wirklich schön und die Menschen werden ihrem Ruf gerecht. Seit Reisebeginn haben wir immer zu hören bekommen, dass die Leute in Kolumbien so toll sein sollen. Und wirklich, bisher sind wir auf unglaublich gastfreundliche, nette, offene, hilfsbereite, interessierte Menschen gestossen. Wir ziehen deutlich mehr Augen auf uns als in Zentralamerika und werden sehr oft angesprochen und in Gespräche verwickelt.

La Guajira

Beim Pilón de Azúcar

Wir machen uns nordwärts zum Guajira Peninsula. Unsere Container Buddies sind ohne High Clearance (Bodenfreiheit) und 4×4 nicht für diese Fahrt ausgerüstet und so stellen wir ihr Van in Riohacha unter, besorgen Essen, Cracker und Wassertüten für die indigene Bevölkerung und tanken nochmals voll bevor wir zu Viert im Land Cruiser weiterfahren. Hier in der Nähe der venezuelischen Grenze ist Volltanken bei 45 Rappen pro Liter relativ schmerzfrei. Danach fahren wir auf die 21’000 Quadratkilometer grosse Halbinsel. Die Fahrt dauert mehrere Stunden und wir bewegen uns grösstenteils auf Wüstentracks statt auf befestigten Strassen. La Guajira ist im Gegensatz vom Rest Kolumbiens geprägt von karger Wüste. Die indigenen Bewohner – die Wayúu – leben hier in einfachsten Verhältnissen, ohne fliessend Wasser, abgeschieden von der Aussenwelt und mit Mangel an Schulen, Arztpraxen oder sonstigen Institutionen. Die Wayúu sind dazumal während der Kolonialisierung in diese Gegend geflohen und haben es als einer der wenigen indigenen Stämme geschafft ihre Traditionen und ihren Lebensstil hier unabhängig zu bewahren, während sie jahrelang für ihre Autonomie gekämpft haben. Heute leben sie in sehr armen Verhältnissen, von der Land- und Viehwirtschaft, der Fischerei, dem Handel mit Kunsthandwerk und dem Tourismus. Als Grenzregion gibt es in der Region auch viele Schmuggelrouten, wobei mit dem Thema Drogenschmuggel relativ offen umgegangen wird. So rechnet uns ein Autobewunderer netterweise vor, dass man mit dem Schmuggel einer vollen Bootsladung Koks von La Guajira in die Dominikanische Republik, einen ähnlichen Land Cruiser wie unseren kaufen kann.

Auf dem Pilón de Azúcar

Landschaftlich ist La Guajira prächtig: Goldene Wüste mit Dünen, die einem eher in Nordafrika wähnen lassen als in Südamerika. Der grösste Unterschied ist dabei, dass die Wüste in der hellblauen Karibik mündet, was für einen wunderschönen Kontrast sorgt. Nach Monaten im heissen und feuchten Zentralamerika sind wir über die Trockenheit extrem dankbar. Der starke Wind sorgt ausserdem dafür, dass die Temperaturen trotz intensiver Sonneneinstrahlung angenehm sind und wir endlich wieder relativ kühle Nächte verbringen.
Den ersten Stopp legen wir im Dorf Cabo de la Vela ein. Aufgrund des starken Windes und des zugleich flachen Wassers ist dies ein Weltklasse – Kitesurfspot. Was für Künste (Sprünge!) die Locals hier draufhaben ist beeindruckend – siehe Video unten. Hier geniessen wir die Kitesurfshow, erfrischen uns im Meer und laufen auf den schönen Pilón de Azucar hoch für den Sonnenuntergang. Während die meisten Menschen hier in Hängematten übernachten schlafen wir im Auto und bauen für Aurore und Salah das Zelt auf. Am nächsten Tag machen wir die Fahrt noch tiefer ins Peninsula rein – nach Punta Gallinas. Viele haben uns davon abgeraten, dies auf eigene Faust zu machen, da man in den unterirdischen Flüssen steckenbleiben kann, es eine Vielzahl an Tracks gibt, ohne dass wir die „guten“ bzw. richtigen Tracks kennen und es teils feindlich gesinnte Locals gibt. So vereinbaren wir mit Tourguides, dass wir gegen eine kleine Bezahlung ihren Touren hinterherfahren. Da doch sehr anspruchsvoll, brauchen wir für die Fahrt fast den ganzen Tag. Krass war die Anzahl an „Schnurblockaden“. Auf der ganzen Fahrt hatten wir vielleicht 150-200 davon. Das sind Locals, die eine Schnur (oder auch ein Stahlseil oder eine Kette) spannen und wollen, dass wir ihnen was geben. Es handelt sich dabei oft um Kinder, ab ca. 2 Jahren bis ins Teenageralter. Manchmal gabs gleich etwa 20 oder so Schnurblockaden hintereinander mit Abstand von etwa 5 Meter dazwischen. Geld sollte man nicht geben und so sind wir froh, dass wir viele Wassertüten, Crackerpakete oder Früchte gekauft haben. Aber es sind so viele, dass wir nicht jedes Mal etwas geben können und manchmal nicht anhalten und die Locals das Seil dann im letzten Moment fallen lassen. Traurig ist auch, dass der Abfall von diesen Wassertüten oder den Esswaren alles in der Wüste landet. Die Situation ist allgemein unbefriedigend. Statt dass alle betteln wäre es besser wenn sich die Clans organisieren würden, Eintritt für das Gebiet verlangen würden, dieses Geld auf die Familien verteilen und die Kinder in die Schule können, statt betteln zu müssen. Aber ja, so eine strukturelle Änderung ist immer einfacher ausgedacht als umgesetzt.

Bahia Hondita

Bei den schönen Dünen Dunas del Taroa, die direkt ins Meer fliessen, legen wir einen längeren Zwischenhalt ein und gehen im Meer schwimmen. Den Sonnenuntergang geniessen wir bei Punta Gallenas, dem nördlichsten Punkt Südamerikas. Ein alter Leuchtturm, viele Steinmännchen und ein Gemälde mit Landkarte, welche Punta Gallenas darstellt, schmücken diesen Ort in der Wüste. Es hat auch einen Wegweiser und wir fühlen uns geehrt, dass die Schweiz als einziges europäisches Land darauf zu finden ist.
Am nächsten Tag fahren wir zurück nach Cabo de la Vela, finden ein einsames Plätzchen, wo Raphi uns einen grossen Fisch fängt, der für alle zum Abendessen reicht. Vom Übernachtungsplatz in der Wildnis werden wir vertrieben, dürfen dann aber gegen eine kleinen Beitrag auf dem Grundstück eines Häuptlings übernachten.

Santa Cruz de Mompox

Raphi in Mompox

Von nun an geht es also südwärts. Schweren Herzens trennen wir uns von unsren Containerbuddies. In einer super Werkstatt in Barranquilla mit nettem Inhaber, der uns noch viele Reise- und 4×4 Tipps auf den Weg gibt, machen wir Service und wechseln den Zahnriemen. Wir waren den ganzen Tag von 08.00 bis 17.00 Uhr in der Werkstatt und haben dafür nur 140 Franken bezahlt! Dann müssen wir zurück nach Cartagena, um bei Agentin Ana die Kreditkarte abholen, die nach über einem Monat endlich aus der Schweiz angekommen ist (Revolut hat kurzerhand entschlossen unsere noch lange gültige Kreditkarte zu ersetzen, was für uns auf Reisen natürlich denkbar ungünstig ist). Die erste, die Anouks Eltern versucht haben zu senden ging verloren, dieses Mal hats zum Glück geklappt. Nun sind wir endlich gefühlt frei von allen Verpflichtungen, verabschieden uns das letzte Mal von der Karibik und fahren ins Landesinnere nach Mompox.
Santa Cruz de Mompox ist eine süsse kleine Kolonialstadt am Magdalena Fluss in einer schönen grünen Sumpf- und Seelandschaft. Infolge der vielen Piratenangriffen auf Städte der Karibikküste sind dazumal viele reichen Spanier nach Mompox gezogen, was sich in der Architektur widerspiegelt. Erst 2015 wurde eine Brücke eröffnet, die Mompox, theoretisch auf einer riesigen Flussinsel liegend, per Landweg mit dem restlichen Kolumbien verbindet. Überrascht haben uns die Schweizer Flaggen überall. Es hat ein bisschen gedauert, bis wir gecheckt haben, dass die Flagge von Mompox ebenfalls aus einem weissem Kreuz auf rotem Grund besteht – der rote Grund repräsentiert das Blut, dass von Momposinos vergossen wurde und das weisse Kreuz die Religiosität, die von den Spaniern übernommen wurde. Abends flanieren wir an der hübschen Flussuferpromenade, geniessen einen Cocktail aus Lulo-Früchten (leckere leicht säuerliche orange Früchte) und Salat aus dem leckeren lokalen Käse bevor wir am Dorfplatz im Auto übernachten.

Los Estoraques

Wir bei Los Estoraques

Weiter westwärts besuchen wir Los Estoraques – eine Landschaft aus grossen braunen Lehmsäulen, die über Jahrtausende hinweg zur jetzigen Form erodiert wurden. Wieder in einem ganz anderen Kolumbien geniessen wir da den friedlichen Spaziergang mit Vogelgezwitscher und der gelegentlichen Kuh-Begegnung. La Playa de Belen, das süsse Städtchen vor dem kleinen Nationalpark begeistert uns ebenfalls. Es war ein schöner Ausflug in die Berge, aber der Verkehr treibt einen in den Wahnsinn. Die Distanzen sind sehr lang und die Strassen, ja auch die Mautstrassen, alle einspurig. Konstant steckt man so (insbesondere auf den zahlreichen kurvigen Bergstrassen) hinter im Schneckentempo fahrenden Lastwagen fest.
Nun ist es für uns endgültig Zeit in kältere Gefilde zu fliehen – wir haben wieder eine Kakerlake entdeckt und freuen uns nun auf die Berglandschaften weiter südlich, welche dem Schwitzen in der Nacht und jeglichen Kakerlaken hoffentlich endgültig ein Ende setzen werden.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn