Ventanas de Tisquizoque

Von haarsträubenden Brücken, Salzkathedralen und explosivem Nationalsport

Gefährliche Brücken

Diese Woche sind wir ziemlich vorwärts gekommen trotz mühsamen Strassen und vielen Sehenswürdigkeiten. Statt über 30 Grad in der Nacht begegnen wir inzwischen auch tagsüber Menschen, die in Wintermänteln rumlaufen (was für unser Empfinden übertrieben ist – wir laufen immer noch in kurzen Klamotten rum, aber die Nächte sind nun angenehm kühl). Angefangen haben wir die Woche mit einem Offroad-Track entlang einer alten Zugroute, die uns vom Chef unsrer Werkstatt in Barranquilla empfohlen wurde. Der Track ist abenteuerlich, führt durch Schlamm, enge stockdunkle Tunnels und über wacklige enge Holzbrücken, bei welchen wir hoffen, nicht runter zu stürzen. Die Landschaft ist aber sehr schön und der Track hat Spass gemacht (Video unten). 

Cañón del Chicamocha

Weiter fahren wir zum Canyon Cañon de Chicamocha. Beim schönen Wildcamping-Spot mit Aussicht treffen wir lustigerweise wieder auf unsere Container Buddies. Mit ihnen geniessen wie den Abend und am nächsten Morgen bekommen die Herren noch einen Haarschnitt verpasst, inklusive Aussicht und ein paar Geissen als Zuschauer. Wir fahren eine wunderschöne Strasse in den Canyon hinein zum Dorf Cepitá. Das winzige Dorf ist wirklich süss, sieht wohl kaum je andere Touristen und in den Bäumen auf dem Dorfplatz entdecken wir sogar seltene blau-gelbe Aras! Wenn man zu Fuss über den Fluss möchte, dann muss man die Handseilbahn nehmen: Über dem Fluss ist ein Seil gespannt. Daran hängt eine Holz-Schnur-Konstruktion, auf die man sich setzen kann und sich dann auf die andere Seite des Flusses rüber ziehen muss. Nach dem Canyon fahren wir ins Städtchen San Gil. Es ist der grösste Ort in der Umgebung und deswegen müssen wir hier ins Spital: Vielleicht aufgrund eines Insektenstichs in den insektenreichen Nächten an der Küste hat Anouk eine merkwürdige Infektion am Bein, mit immer häufiger erscheinenden kleinen eiternden Bläschen. Ekelhaft so etwas auf Reisen zu haben ohne zu wissen was es ist, insbesondere, da diese Infektion kurz nach Anouks Fieberschüben ausgebrochen ist. So besucht Anouk das Regionalspital und nach anderthalb Stunden warten und mit gebrochenem Spanisch und Google Translate das Problem erklärend, bekommt sie ohne Untersuchung ein Medikamentencocktail verschrieben. Die Salbe und 2 Arten von Tabletten (eine davon Antibiotika) kosten insgesamt 4 Franken, der Arztbesuch war kostenlos. Ein paar Tage später sehen die infizierten Stellen auch schon viel besser aus.

San Gil und Barichara

In San Gil besuchen wir den El Gallineral Park. Wie oft in dieser Umgebung gibt es hier jede Menge von Bäumen voller sogenannten Barba de Viejo (=Bärte alter Männer). Die Umhänge voller Moos geben den Bäumen hier die Erscheinung alter Männer mit langen silbrigen Bärten.
Wieder mit den Container Buddies unterwegs besuchen wir die Kolonialstadt Barichara, die uns mit den Pflastersteinstrassen und den geschmückten Häusern begeistert. Spezialität sind Riesenameisen – Hermigas Culonas, zu deutsch Fette-Hintern-Ameisen. Raphi hat eine probiert, sein Kommentar: „knusprig und speziell“. Als nächstes fahren wir nach Guadalupe. Hier in der Umgebung fühlen wir uns wie in der Schweiz im Mittelland. Überall grüne Hügel, eine friedliche Atmosphäre, Kühe, Kuhgeruch und Gemuhe und hin und wieder ein Haus. Wir parken unser Auto auf dem Land und laufen dann einen idyllischen Spazierweg zu perfekt runden Steinpools, durch welche ein Fluss fliesst. Hier erfrischen wir uns und erkunden das unterirdische Tunnel.

Ventanas de Tisquizoque und Villa de Leyva

Als Nächstes wollen wir zu den Ventanas de Tisquizoque. Dieser Wasserfall ist total abgelegen und wir müssen um hinzukommen mehrere Stunden lang einen schrecklichen Schlamm-Track fahren. Scheinbar haben nicht nur wir Mühe. Unterwegs treffen wir ganze 3 festgesteckten Autos, das eine sogar ein Schulbus. Wir ziehen sie aus dem Schlamm raus und sind selber sehr überrascht, dass wir nach 3 Versuchen den Schulbus mit unserem viel kleineren Auto schaffen rauszukriegen (Video siehe unten). Aber die Leute haben sich gefreut und die Schulkinder waren begeistert von unserem Auto und haben die Flaggen-Kleber der Länder bewundert, die wir schon alle besucht haben. Im winzigen Kaff namens Florian übernachten wir am Dorfplatz. Schon schön, dass es hier noch viele Orte hat, die touristisch nicht sehr erschlossen sind. Am nächsten Morgen besuchen wir den spektakulären Wasserfall. Aus einer Höhle fliesst das Wasser in 3 hintereinander fallenden Wasserfällen raus, der längste davon 300 Meter lang. Nachdem wir zuerst den falschen Weg nehmen und uns gehörig im Schlamm verlaufen und teils halb versinken, sind neben dem Auto nun auch unsere Beine voller Schlamm. Ein paar Locals weisen uns den richtigen Weg und so finden wir zur Höhle, von welcher aus das Wasser in die Tiefe fällt. Eine gigantische Aussicht geniessen wir von da oben. Der Ausflug hat sich gelohnt (Video unten). Auf dem Rückweg finden wir irgendwo auf dem Land einen Wasserfall, wo wir uns den Schlamm abputzen und auch wieder mal duschen können. Weil wir unseren Wassertank füllen möchten und sauberes Wasser in Kolumbien schwierig per Schlauch zu bekommen ist, halten wir in einem Dorf bei einem Stand an und nachdem wir eine leckere Empanada bestellt haben fragen wir, ob wir Wasser kaufen können. Der nette Mann füllt uns eimerweise Trinkwasser von seiner eigenen Quelle ab und bringt es uns zum Auto, um den Tank zu füllen. Er will kein Geld annehmen und so kaufen wir dafür noch ein paar Sachen von ihm ab. Er freut sich, wir zeigen unseren Camper und in Nullkommanichts ist das ganze Dorf vor Ort und staunt. Wahnsinnig diese Herzlichkeit auf dem Land.

Als Nächstes besuchen wir das pittoreske Städtchen Villa de Leyva in den kolumbianischen Anden. Mit den einstöckigen hübschen Häusern, den Kopfsteinplasterstrassen und dem grössten Dorfplatz Kolumbiens diente Villa de Leyva schon in der Kolonialzeit hochrangigen Menschen und Vizekönigen als Erholungsort. Das Städtchen ist wunderschön aber auch sehr touristisch. Es findet momentan ein Festival statt und so ist der Dorfplatz voll mit Ständen, einer Bühne und Bahnen, die zum Teil interessant zusammengebastelt sind (kleine Plastik-Kinderautos an Kleiderbügeln befestigt, die dann ein fliegendes Karussell ergeben). Wie geniessen von den Ständen leckere Spezialitäten, wie zum Beispiel Lechona – kolumbianisches Spanferkel welches im Erdofen in der Haut gefüllt mit Reis, Erbsen und vielen leckeren Gewürzen 10 Stunden lang gekocht wird.

Catedral de Sal und Bogota

Kurz vor Bogotá besuchen wir die Catedral de Sal (Salzkathedrale) von Zipaquirá. Die Salzkathedrale ist eine riesige religiöse Einrichtung mit beleuchteten Kunstwerken aus Salz und Marmor in den Tunnels und Hallen einer ehemaligen Salzmine 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Schon vor Kolonialzeiten wurden die Salzvorkommen in Zipaquirá entdeckt und zu Nutze gemacht. Ab dem 19. Jahrhundert wurden dann richtige Salzminen erschaffen, worauf sich ein paar Minenarbeiter eine kleine Zufluchtskammer zum Beten gebaut haben. Um 1950 wurde dann eine richtige Kathedrale daraus, die aber aufgrund der weiter anhaltenden Minentätigkeiten geschlossen werden musste, da sie zu unstabil wurde. Erst in den 1990ern wurde dann eine neue Salzkathedrale in anderen Minenschächten gebaut, die nun heute besichtigt werden kann. Da die Salzgewinnungstechnik sich verändert hat und es keine Erschütterungen mehr gibt, bleibt die Kathedrale stabil. Früher wurde das Salz mit dem Fels gesprengt und danach das Salz mit Wasser gelöst. Heute wird auf die Sprengung verzichtet, da das Wasser mit Druck in den Fels gepumpt wird und das Salz löst. Sicher ein imposantes Bauwerk und mal eine ganz andere Sehenswürdigkeit, auch wenn es für unseren Geschmack ein wenig sehr kommerziell war.
Nun kommen wir in die Hauptstadt Kolumbiens: Bogotá. Die Stadt ist mit 12 Mio. Einwohnern (inkl. Umkreis, entspricht 22% der Bevölkerung Kolumbiens), die grösste Stadt Kolumbiens und mit einer Höhenlage von 2700 Metern eine der höchsten Grossstädte Südamerikas. Da wir das Nachtleben kennenlernen möchten und unser gesicherter Parkplatz bereits um 21.00 Uhr schliesst, nehmen wir ein Hotel und feiern überrascht die erste heisse Dusche seit dem Hot Spring Waterfall in Guatemala, der sich zumindest wie eine heisse Dusche anfühlte. Wir suchen erfolglos nach einer bezahlbaren Seilwinde. Der Prozess war interessant: Man fährt ins Quartier für Autoersatzteile. In dem Quartier hat es hunderte kleine Läden mit Ersatzteilen, gearbeitet wird oft direkt auf der Strasse. Wir fahren ins Quartier und werden relativ schnell von Jemandem angesprochen, der sich im Labyrinth von Läden auskennt. Man wartet im Auto während dieser versucht das gewünschte Teil ausfindig zu machen und all seine Kontakte aktiviert. Danach kann man ein Trinkgeld geben. Unser Mann hat sich sehr Mühe gegeben, aber ein weiteres Mal stellen wir fest, dass eine Seilwinde hier aufgrund der hohen Importsteuern nicht in unserem Budget liegt. Abends gingen wir aus und am Sonntag haben wir uns ins Getümmel gestürzt und die Stadt ein wenig zu Fuss erkundigt. Bogotá ist definitiv keine Augenweide. Im Zentrum La Candeleria gibt es ein paar schöne Kolonialbauten, aber das wars auch schon mit Schönheit. Es ist aber eine äusserst lebendige, spannende Stadt. In den vielen Fussgängerzonen sind wie komplett überwältigt von all den Eindrücken, den unzähligen Strassenständen, die alles mögliche verkaufen, dem Streetfood, den vielen Aufführungen, sogar „Guggenmusik“, den Strassenkünstlern oder auch einfach den vielen unterschiedlichen Menschen, die vom Kleidungsstil und dem Benehmen her irgendwie vielfältiger sind, als wir es beispielsweise in Zentralamerika erlebt haben. Wir wissen gar nicht wohin mit den Augen, so viele Eindrücke auf einmal. Am Abend treffen wir uns mit einem Amerikanisch-mexikanischen Pärchen, welches seit 3 Monaten in Bogotá ist und darauf wartet endlich den Roadtrip durch Südamerika zu starten, aber Probleme mit dem frisch gekauften Auto hat. Mit ihnen gehen wir Tejo spielen. Tejo ist der offizielle National-„sport“ Kolumbiens und beinhaltet Bleikugeln, Schiesspulver und viel Bier. Das Spiel wurde ca. vor 500 Jahren von der indigenen Bevölkerung erfunden. Auf einer Platte mit viel Lehm befinden sich kleine Briefchen mit Schiesspulver. Mit einer halben Kilo schweren Bleikugel muss man die Platte bewerfen und erhält je nachdem, ob die Mitte oder ein Schiesspulverbriefchen getroffen wird und dabei eine Explosion ausgelöst wird, unterschiedlich viel Punkte (Video unten). Dabei wird oft ziemlich viel Bier getrunken. Es war auf jeden Fall eine lustige Erfahrung. Eigentlich wollen wir danach Bogota verlassen, finden aber heraus, dass wir dummerweise am gewünschten Abfahrtstag nicht fahren dürfen. Je nach Endung des Kennzeichens darf jedes Auto jeden zweiten Tag nicht gefahren werden, um die Verschmutzung und Strassenverstopfung zu verringern. So erledigen wir noch einen Tag lang Diverses, geniessen einen Kaffee und schreiben diesen Bericht 🙂

Unser Zugstrecken-4×4-Track:

Unsere Schulbus-Rettungsmission:

Ventanas de Tisquizoque Wasserfälle:

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Canyons, 4×4-Fahrten und Wintereinbruch im einzigartigen Utah

Wir haben eine weitere fantastische Woche in Utah verbracht, aber nun holt uns der Winter ein und so fahren wir weiter.

Hole-in-the-Rock Road

Die Hole-in-the-Rock Road ist eine Nebenstrasse der Scenic Route 12 und führt 100km bis zum Lake Powell. Sie wurde ursprünglich um 1880 von mormonischen Pionieren «gebaut» im Versuch eine Abkürzung über den Colorado River (welcher mit dem Lake Powell gestaut wird) zu schaffen. Entlang der einsamen Hole-in-the-Rock Road befinden sich jede Menge Slot Canyons und weitere Sehenswürdigkeiten. 

Speziell waren die verschiedenen Wanderungen zu den Zebra, Peek-a-boo und Spooky Slot Canyons (sehr schmale Schluchten). Diese Slot Canyons sind extrem schmal und teils auch steil. D.h. wir mussten klettern und uns durchpressen. Wenn der Spalt unten zu schmal war, mussten wir die Canyonwände weiter hoch bis zu einem grösseren Canyonwand-Abstand und uns dann durch Abstemmen von Armen, Füssen und Hintern vorwärtsbewegen. Platzangst ist hier fehl am Platz. Der Zebra Canyon war dem Namen entsprechend wie ein Zebra gestreift, die anderen hatten eine rote Färbung, die je nach Sonnenstand und Reflexion der Sonnenstrahlen besonders schön zur Geltung kam. 

Ein weiterer Halt entlang der Hole-in-the-Rock Road war der Devils Garden – eine Gegend voller orange-weisser Sandsteinformationen wie z.B. Brücken, Hoodoos (Säulen) etc.

 

Raphi klettert im Hole-in-the-Rock

Wir sind bis ans Ende der Strasse gefahren bis zum eigentlichen Hole-in-the-Rock. Spätestens als irgendwann in der Mitte der Strecke, die Dirtroad zu einem 4×4 Track wurde, verloren wir auch noch die letzten anderen wenigen Touristen. Das Hole-in the Rock ist eine Spalte zwischen den riesigen Felswänden welche von den Mormonen als Zugang zum Lake Powell benutzt wurde. Mittlerweile wurde der extrem steile Weg durch diese Spalte durch riesige Felsbrocken komplett zerstört. Den Land Cruiser mussten wir oben lassen, mit viel Mühe konnten wir aber runterklettern. Kaum zu fassen, dass durch diesen steilen schmalen Spalt mal Wagen durchgezogen wurden. Am Lake Powell unten findet Raphi eine Schatzkiste – eine verlassene Werkzeugkiste, die wahrscheinlich an Land gespült wurde, spannend. Der Wasserstand des zweitgrössten Stausees der USA ist aufgrund von Trockenheit traurigerweise extrem niedrig. In Kanab wurde uns erzählt, dass Leute um 5 Uhr morgens anstehen, um ihr Boot ins Wasser zu lassen, da fast alle Bootrampen aufgrund des niedrigen Wasserstandes geschlossen wurden. 

Steven’s Arch beim Coyote Gulch Canyon

Neben den schmalen Slot Canyons gibt es entlang der Hole-in-the-Rock Road auch Zugang zu grösseren Canyons und so entschliessen wir uns dazu eine Tageswanderung im Coyote Gulch Canyon zu unternehmen. Die Wanderung war eine ziemliche Herausforderung. Um in den Canyon runterzukommen, mussten wir zu einem «Crack in the Wall» – einem ca. 30 cm-weiten Riss eines Felsen vor der Canyonwand wandern. Dort mussten wir uns durch diesen Riss hinunterzwängen und bis zur Bachsohle des Canyons absteigen, um dort im Canyon weiter zu wandern. Dies war dann wunderschön. Der Bach (Coyote Gulch) bietet im rotgoldenen Canyon mit den steilen, bis 200 Meter hohen Wänden Grundlage für eine üppige Vegetation, welche einen wunderschönen Kontrast darstellt. Entlang der Canyonwände gibt es viele Einbuchtungen und zusammen mit dem Wasser, das da runtertröpfelt, führt dies zu wunderschönen hängenden Gärten. Hinzu kommen noch die riesigen Arches (= Sandsteinbögen und -brücken) und Höhlen, sowie die vielen kleinen Wasserfälle / Kaskaden des Coyote Gulch. Schade nur, dass viel Vegetation aufgrund der Jahreszeit ergraut ist – Frühling, Herbst und auch Sommer müssen hier magisch sein. Dafür sahen wir jede Menge Eisblumen. Auch mussten wir wieder und wieder den Bach überqueren, was bei der Kälte mühsam werden kann. Schliesslich haben wir es durch eine Mischung aus Brückenbauen aus Holz und Stein, Zähne zusammenbeissen und barfuss durchqueren und Wanderstab-Hochsprung geschafft, dass die Schuhe trocken blieben.

Der Ausstieg aus dem Canyon war ein wenig zu krass. Wir mussten eine steile Canyonwand hochklettern (nicht senkrecht, aber sehr steil), zum Teil ohne Unregelmässigkeiten, die einem Halt gaben. Wenn man an einer Stelle ankommt, an welcher man weder vor noch zurück weiss, muss man sich doch schön zusammenreissen, um keine Panikattacke zu bekommen. Schlussendlich sind wir aber heil oben angekommen und schliessen mit dieser wunderschönen Wanderung das Kapitel Hole-in-the-Rock Road ab. 

Die verschiedenen Schichten des Waterpocket Fold

Capitol Reef National Park

Weiter führt uns die Scenic Route 12 zum Capitol Reef National Park. Der Park schützt eine Gegend, die durch eine Falte der Erdoberfläche geprägt ist. Diese Falte besteht aus verschiedenen Steinschichten, die hochgepresst wurden, teils erodiert wurden und nun alle nebeneinander zum Vorschein kommen. Aus geologischer Sicht höchst faszinierend, aber auch für Laien wie uns wunderschön, da die verschiedenen Schichten durch unterschiedliche Farben geprägt sind. Natürlich gibt es auch hier jede Menge verschiedener Steinformationen und Canyons. Wir haben eine kleine Wanderung zum und auf den Sandsteinbogen Cassidy Arch gemacht. Weiter sind wir in den abgelegenen Teil Cathedral Valley gefahren, wo wir wieder mal weit und breit die Einzigen waren. Die imposanten Sandsteinformationen erinnern dem Namen gemäss tatsächlich an gotische Kathedralen. Wir haben es grad noch zur Abenddämmerung geschafft. Gerne hätten wir den sehr eindrücklichen Park und das Cathedral Valley ausgiebiger erkundigt, aber die Wettervorhersage kündigt Schnee an und wir haben noch einiges hier oben vor, bevor wir in den Süden fahren.

Rund um Moab

Moab ist eine Kleinstadt im Südosten Utahs. Zwischen 2 Nationalparks liegend und mit unzähligen Wanderwegen und 4×4-Tracks in der Gegend ist Moab ein absolutes Touristenzentrum und war auch für uns Ausgangspunkt für unsere Exkursionen. Wir haben 2 ziemlich heftige 4×4-Strecken ausprobiert, bei welchen wir wirklich nicht wussten, ob der Land Cruiser das heil überlebt. Es gab steile Felstreppen etc., zum Teil mussten wir auch selbst Treppen aus Steinen bauen, da der Land Cruiser sonst zu viel Höhe in einem Schritt überwinden hätte müssen. Einige Male hörten wir wie ein Steine unten am Auto etwas berühren, aber kaputt ging zum Glück nichts. Der panikerfüllteste Moment war, als wir an einem Hang standen, beide draussen standen, und der Land Cruiser plötzlich anfing zu rollen. Zum Glück konnte Raphi grad noch rechtzeitig reinspringen und das Auto stoppen. Bei beiden Tracks wurden wir mit grandioser Aussicht belohnt. Beim «Top of the World»-Track standen wir am Schluss auf einer steilen Klippe mit Wahnsinnsausblick auf rote Berge und Schneeberge im Hintergrund, nur leider bei schlechtem Wetter. Beim «Hells-Revenge»-Track in der Sand Flats Recreation Area hatten wir ebenfalls wunderschöne Aussicht auf die Sand Flats – Sandsteinhügel, wieder mit Schneebergen als Kulisse.

Wir haben eine Bewilligung eingeholt, die regulierte «White Rim Road» im Canyonlands National Park zu fahren. Für die 160km lange Strecke braucht man ebenfalls ein 4×4 Fahrzeug und mindestens 1 Tag Zeit, aber sie ist definitiv weniger anspruchsvoll als «Top of the world» & Co. Die Strasse durch diese weiten Canyonlands, oft einem White Rim (weissen Canyonrand) folgend war grandios. Canyons innerhalb von Canyons, steile Kliffs, faszinierende Formationen, die Green und Colorado Flüsse und einmal mehr die schneereichen La Sal Berge als Kulisse machen die Strecke zu einem weiteren Highlight. Es werden bis zu 50 Bewilligungen pro Tag ausgestellt, aber insgesamt sind wir nur 2 anderen Fahrzeugen begegnet.

Inzwischen ist es verdammt kalt geworden, in der Nacht -8 Grad, tagsüber knapp über 0 und Anouk hat sich stark erkältet. Obwohl Moab und Umgebung noch so viel zu bieten hätten, entschliessen wir uns schweren Herzens in den Süden zu fahren. Schon stark angeschlagen bei Minustemperaturen zu übernachten (keine Isolation im Land Cruiser) ist wohl nicht das Beste. Irgendwann kommen wir wieder, denn wie zu Beginn gefürchtet, unsere Utah-Noch-To-Do-Liste ist nicht kürzer geworden, sondern länger.

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White Pocket

Ein Highlight jagt das nächste entlang der Utah / Arizona Grenze

Diese Woche haben wir im Süden Utahs / Norden Arizonas verbracht und unsere Erwartungen wurden komplett übertroffen. Die Hauptattraktionen wie Zion, Bryce, Arches, Grand Canyon National Parks und Antelope Canyon etc. haben wir 2015 besucht und lassen diese aus. Sie sind wunderbar und wir hätten sie sehr gerne wieder besucht, wenn wir mehr Zeit hätten, aber die unendliche Anzahl an weiteren wunderschönen Orten in diesen beiden Staaten lässt dies nicht zu. Auch wollen wir ausnutzen, dass wir mit unserem Fahrzeug an viele abgelegene Orte kommen, die ohne Allrad nicht zu erreichen sind. Jeden Tag, welchen wir hier verbringen hören wir von oder entdecken wir noch weitere Dinge, die wir tun könnten. Jedes Mal, wenn wir denken ein Erlebnis nicht mehr toppen zu können (und das passierte sehr oft diese Woche), wartet ein neues Highlight auf uns. Das Einzige womit wir zu kämpfen haben, ist unsere fehlende Isolation bei Minustemperaturen in der Nacht. Während es tagsüber bis zu 20 Grad warm wird, ist es in der Nacht unter 0. Obwohl wir vor dem Schlafen noch kurz die Standheizung laufen lassen, haben sich am Morgen bereits kleine Eiszapfen am Dachfenster im Land Cruiser gebildet und unser Atem kondensiert. Aber man kann nicht alles haben 🙂 

Südwesten Utahs

Toquerville Falls

Nach einem Autoservice im Städtchen St. George machen wir uns in der Gegend auf Erkundungstour. Unser erster Trip verlangt uns wieder Einiges ab: der Beschreibung nach hatte sich die 4×4 Route zu den Toquerville Falls sehr locker angehört und so wurden wir doch sehr von den steilen Felsen, die wir mit dem Land Cruiser bezwingen mussten, überrascht. Mehrmals wären wir fast umgekehrt, aber schliesslich haben wir die 10 Kilometer in ein wenig mehr als einer Stunde geschafft. Belohnt wurden wir mit einem wundervoll prächtigen, einsamen Wasserfall mitten in der Prärie (woher kommt nur diese grosse Menge Wasser her?!). Wir nutzten die Gelegenheit uns im eiskalten Wasser zu waschen (zumindest Raphi, Anouk hats nur mit den Füssen reingeschafft). Die Strasse führte sogar durch den Wasserfall und so konnten wir das erste Mal mit dem Land Cruiser einen Wasserfall durchqueren 🙂.

Double Arch Alcove

Weiter sind wir zu den Kolob Canyons – ein separater und damit wenig besuchter Teil des Zion National Parks. Unter anderem haben wir die Wanderung durch ein Tal zu zur Double Arch Alcove, eine Halbhöhle mit zwei Felsbrücken gemacht. Eigentlich sind wir eher gerannt, da wir uns für das eiskalte Tal eindeutig zu kurz angezogen hatten (beim Parkplatz in der Sonne wars eben noch warm). Wir mussten immer wieder denselben, teils gefrorenen Bach auf Steinen balancierend überqueren, da mussten wir ziemlich aufpassen 🙂Trotzdem war die Wanderung inmitten der majestätischen hohen rotgoldenen Felswänden wunderschön.
Ein anderes Mal sind wir zu den Yant Flats / Candy Cliffs – wieder so ein Geheimtip. Wir waren weit und breit die Einzigen auf diesen wunderschönen Steinformationen. Wenn man auf die Felsen kletterte wurde man mit atemberaubenden Rundumausblick belohnt.
Dann sind wir zur Red Cliffs Recreation Area und haben dort ebenfalls eine spannende Wanderung teils durch eine Schlucht gemacht bei welcher wir Felsen runterrutschen und entlang klettern mussten.

Vermillion Cliffs National Monument

Buckskin Gulch

Danach sind wir weiter in die Mitte von Utahs Süden wo wir das wenig besuchte 1200 km2 grosse Vermillion Cliffs National Monument auf der andern Seite der Grenze in Arizona besuchen. Bekanntester Exponent davon ist „The Wave„. Diese wellenförmige Steinformation ist spätestens seit es Windows Bildschirmschoner mit Landschaften gibt weltweit berühmt. Pro Tag gibt es aber nur 16 Permits für die Wanderung dahin, die teils 3 Monate im Voraus per Online Lotterie vergeben und teils am Vortag per „Walk-In“-Lotterie im Städtchen Kanab verlost werden. Bei der Online Lotterie waren wir leider erfolglos, aber stattdessen haben wir ebenfalls 3 Monate im Voraus eine Bewilligung für den Zugang für Coyotte Buttes South neben der Wave besorgt. Diese dürfen nur 20 Personen pro Tag besuchen. Da aber nicht so heiss begehrt, war es sehr leicht im Voraus ein Permit zu sichern.
Zuerst sind wir aber zum Buckskin Gulch – mit ca. 21 KM der längste Slot Canyon in den USA.
Slot Canyons sind enge Schluchten, die durch Wasser gebildet wurden und von welchen es in USA’s Südwesten zahlreiche gibt – der Bekannteste davon ist der Antelope Canyon.
Und siehe da, das einzige andere Auto auf dem Parkplatz hat ein Schweizer Nummernschild 🙂 Wir reden mit den beiden Reisenden aus dem Kanton Waadt, die seit 25! Jahren in ihrem Auto in den Amerikas, Asien, Afrika unterwegs sind. Damit kennen sie sich sehr aus und geben uns viele wertvolle Tipps, auch weitere Geheimtipps für Vermillion Cliffs auf den Weg.

Extrem filigrane Sandsteinkunstwerke

Die Wanderung durch den Buckskin Gulch war sehr eindrücklich, wir haben aber nicht die ganzen 21 KM gemacht. Teils musste man Holzleitern zum Klettern nutzen. Ehemalige Holzleitern sieht man ca. 15 Meter über dem Boden zwischen den Schluchtwänden feststecken – das Ergebnis von tobenden Sturzfluten. Ja, wenn es regnet sollte man besser nicht hier sein.
Nach dem Buckskin Gulch besuchen wir Edmaiers Secret, von den beiden anderen Schweizern empfohlen. Wieder mal sind wir sprachlos von der Schönheit der Steinformationen und deren Farben, dieses Mal gibt es viel ‚Brain Rock‘ (ja das heisst so) und eine Art hauchdünnes Sandstein – Gewebe, dünne Sandsteintreppen und vieles mehr. Kein Wunder werden diese Orte so gut es geht unter Verschluss gehalten: Dieses filigrane Gewebe aus Sandstein ist extrem sensibel und geht kaputt wenn jemand drauftritt.

The „Mini Wave“ bei Coyotte Buttes South

Für den nächsten Tag haben wir den Permit für Coyotte Buttes South. Das Gebiet ist ziemlich gross und es gibt keine Wanderwege. Wir beschliessen von einem Zugangspunkt zum andern zu wandern und wieder zurück (Luftlinie ca. 6 Km oneway). Bei Hitze und ohne Weg stellt sich dies doch als eine grössere Herausforderung dar. Wir laufen oft im Zickzack oder landen vor einem Abgrund und müssen dann wieder einen grossen Umweg machen. Zudem weiss jeder von uns auch noch die Richtung besser, was zu kleineren Konflikten führt 🙂 Wir wurden aber mit absoluter Einsamkeit und Stille belohnt und es war mega eindrücklich inmitten dieser Steinformationen zu stehen, ohne Menschenseele weit und breit. Und die Schönheit, Feinheit und Vielfalt der Formationen war absolut faszinierend, jedes Einzelne ein Kunstwerk und man hätte bei jedem Stunden damit verbringen können es zu studieren. Ein absolutes Wunder, was die Natur alles zu Stande bringt. 

White Pocket

Nach Coyotte Buttes haben wir kurz vor Sonnenuntergang noch die sandige 4×4 Route zu White Pocket zurückgelegt und wurden erneut vom Hocker gehauen. Wieder ganz andere Steinformationen, wunderschön aber dieses Mal skuriller. Für diejenigen, die die Kinderbücher Ms. Frizzle kennen – man kommt sich vor als wäre man inmitten einer Expedition von Ms. Frizzles Klasse in den menschlichen Körper und würde auf einem Gehirn herumklettern.
Jedenfalls sind wir uns am Schluss einig – ein solch schöner Ort wie die Vermillion Cliffs mit seiner Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Wildnis und unzähliger Vielfalt an Kunstwerken der Natur haben wir noch nie gesehen.

Kanab

The Great Chamber

Nach den Vermillion Cliffs fahren wir nach Kanab. Wir möchten unser Glück an der Walk-In Lotterie für „the Wave“ versuchen, im konservativen Utah ist dies die einzige legale Lotterie. Es war ein lustiges Erlebnis. In der Schulturnhalle, in welcher die Lotterie stattfindet mit der Jury in der Mitte fühlt man sich 20 Jahre zurückversetzt, der Lotterie-Chef ist unterhaltsam, man macht zwischen Zettel ausfüllen und Auslosung neue interessante Bekanntschaften und am Schluss ist die Spannung doch sehr gross. Wir hatten an beiden Tagen, an welchen wir teilgenommen hatten kein Glück. Aber wie der Lotterie-Chef so schön sagte: „You have already won anyway – you are in Southern Utah“ – wie Recht er doch hat.

Red Canyon Slot

Red Canyon Slot

In Kanab werden wir wegen unserem Lörracher Kennzeichen von einem deutschen Auswanderer angesprochen, der uns einen weiteren 4×4 Geheimtipp gibt und so besuchen wir the Great Chamber, einen riesige Halbhöhle gleich ausserhalb der Stadt mit wunderschöner Aussicht. Auf dem Rückweg, wo wir uns an einem anderen 4×4 Weg versuchen kommen wir das erste Mal an unsere Grenzen. Die Hälfte des Sandwegs bricht in der Mitte abrupt ab. Nachdem Raphi etwa eine halbe Stunde damit verbringt die Strasse wieder zu reparieren und mit Steinen, Sand und mit unseren Sandblechen stabilisiert, wir aber auf halbem Weg trotzdem noch zu fest absinken, kehren wir doch um. Das Risiko wollen wir nicht eingehen.
Kleinere Ausflüge haben wir zu den Sand Caves (Sandsteinhöhlen am Hang), Belly of the Dragon (Name ist sehr zutreffend, das Tunnel könnte wirklich ein Drachenmagen sein) und dem Red Canyon Slot (schmaler Slot Canyon) gemacht.

Scenic Route 12

Dann gehts weiter auf die Scenic Route 12 ins Grand Staircase Escalante Monument.
Da auf dem Weg machen wir doch noch einen kleinen Abstecher in den Bryce Canyon National Park mit seinen tausenden Hoodoos (Sandsteinsäulen) und geniessen die Abenddämmerung beim Bryce Point.
Weiter besuchen wir entlang der wirklich tollen aber einsamen Scenic Route 12 den eindrücklichen 45 Meter hohen Doppelbogen Grosvenor Arch.
Das nächste Ziel ist die Hole-in-the-Rock Road, aber dazu mehr nächste Woche.

Bryce Point

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