Rainbow Mountain

Von Regenbogen-Bergen in ein neues Kapitel: Brasilien

Nach Cusco sind wie ein zweites Mal, dieses Mal ohne Tour, ins Heilige Tal der Inkas. Das fruchtbare Tal erstreckt sich über 100 Kilometer und beheimatet unzählige Inka-Ruinen inkl. Machu Picchu.

Ollantaytambo

Zuerst stoppen wir in Ollantaytambo, einer Ortschaft mit gleichnamigen Inka-Ruinen am Ende des heiligen Tals. Die Stätte wurde im 15. Jahrhundert erbaut, um die lokalen Völker unter Kontrolle der Inkas zu bringen. Nach der Eroberung der Spanier von Cusco war Ollantaytambo kurz Zufluchtsort des Inkaherrschers Manco Inca bis die Spanier auch da ankamen. Zuerst konnte Manco Inca sie noch vertreiben, in dem er mithilfe der gebauten Kanäle das Tal flutete. Beim zweiten Versuch mit weit grösserer Armee funktionierte die Eroberung der Spanier und der Manco Inka floh nach Vilcabamba, dem letzten Zufluchtsort. Die Hauptruinen bestehen aus einer Festung mit einem Tempel am Hügel, Terrassen und einer Quelle mit Kanalsystem und vielen ausgeklügelten Brunnen, welche die Stätte mit Wasser versorgen (und dies immer noch tun).
Eindrücklich ist einmal mehr die präzise Steinhauerei – insbesondere bei 6 riesigen, über 50 Tonnen schweren Monolithen der Wand eines Sonnentempels. Einmal mehr ist der Transport dieser Steine ein Rätsel. Danach schlendern wir noch durch die Strassen von Ollantaytambo selbst. Die gepflasterten Strassen- jeweils mit einem Wasserkanal am Rand – und die Häuser sind teils noch im Originalzustand und gehören damit zu den am längsten kontinuierlich bewohnten Bauten Südamerikas. Am Berg gegenüber der Hauptruinen befindet sich die steile Stätte Pinkuylluna, von welcher wir eine schöne Aussicht geniessen. Pinkuylluna war ein Lagerungsort für die geernteten Agrarprodukte. Durch die Höhe war das Essen schwieriger durch Feinde zu erreichen und durch mehr Wind und kältere Temperaturen waren die Lagerbedingungen besser.

Salzminen von Maras, Meerschweinchen und Pisac

Als nächstes besuchen wir die Salineras de Maras – die Salzminen von Maras. Es handelt sich dabei um über 3000 Salzwasserpools in Terrassen – die grösste pre-hispanische Salzminentätigkeit – wobei nicht klar ist, wann sie gebaut wurden. Es wurden Keramiküberreste von einer Periode, die bis zu 200 v.Chr. zurückgeht, gefunden. Die Pools wurden um einen Salzwasserbach gebaut, einem Überbleibsel des Ozeans, der vor Entstehung der Anden noch an dieser Stelle lag. Der Bach wurde umgeleitet in die vielen Pools, die mit Schlamm und Steinen gebaut wurden. Heute wird vom ortsansässigen Stamm immer noch nach derselben Methode, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde, Salz abgebaut: das Salzwasser wird in ein Pool geleitet, bis es fast voll ist, dann verdampft das Wasser in etwa 3 Tagen. Dieser Prozess wird im Monat ein paar Mal wiederholt und am Ende bleiben ca. 200 Kilogramm Salz übrig. Wir fahren weiter und es gibt Mittagessen, und zwar etwas was uns seit Ecuador verfolgt: Cuy – auf deutsch Meerschweinchen. Meerscheinchen werden in den ganzen Anden gegessen – teils am Strassenrand am Drehspiess gegrillt, teils frittiert. Tatsächlich kommen sie von Südamerika, wurden hier schon immer gegessen und wurden erst von den Spaniern zurück nach Europa gebracht, wo sie später als Haustiere gehalten wurden. Dasselbe gilt übrigens für Kartoffeln. Kartoffeln kommen aus Peru und die Inkas sind wohl die ersten, welche die Kartoffeln in grossem Umfang kultiviert haben. Nachdem sich die Kartoffel in Südamerika als Nahrungsmittel etabliert hat wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht, wo sie zuerst auf Aberglaube stiess, aber bald schon in die Küche integriert wurde.
Wir bestellen nur ein halbes Meerschweinchen, längs geteilt, und sind froh drüber. Mit den vielen Knochen ist es sehr umständlich zu essen – definitiv nichts, was wir wiederholen müssen. Da sind uns Kartoffeln lieber. Unser letzter Besuch im Heiligen Tal statten wir Pisac ab. Pisac ist ebenfalls eine ehemalige Inka-Stätte und wurde wohl als Zeremonie- und Militärzentrum gebraucht und diente mit den vielen Terrassen auch der Landwirtschaft. Zurück in Cusco legen wir auf dem Campingplatz noch einen Wäsche- und Grossputztag ein. Abends geniessen wir mal wieder die Gesellschaft von anderen Reisenden, unter anderem auch von Holländern, die wir bereits in Panama City getroffen haben. Da unser Ruinen-Kombinationsticket auch eine Theateraufführung beinhaltet, schauen wir uns im Theater noch eine Show von Volkstänzen verschiedener Provinzen von Cusco an bevor es für uns weiter geht.

Vinicunca – der Rainbow Mountain

Es geht nun nochmals richtig weit hoch – zu Vinicunca bzw. dem sogenannten Rainbow Mountain auf 5200 Metern. Der Berg ist berühmt für seine 7 Farben, die dank verschiedener Mineralien-Zusammensetzungen entstehen (rot: Tonstein/Eisen, gelb: kalkhaltiger Schwefel, grün: Phyllitschiefer/Eisenmagnesium etc.). Der Grund der Entdeckung hinter dem Regenbogen-Mountain ist relativ tragisch – er kam erst um 2015 richtig gut zum Vorschein, da mit Klimaerwärmung Eis und Schnee auf dem Berg weggeschmolzen sind. Instagram und ein paar schlaue Marketeers haben dann schnell dazu beigetragen, dass der Berg die wohl zweitgrösste Attraktion nach Machu Picchu um Cusco geworden ist. Täglich kommen Tausende Touristen, die den Berg besuchen. Merkwürdigerweise finden aber alle Touren am Morgen statt. Als wir am Nachmittag hoch fahren ist die Fahrt auf der einspurigen Strasse zwar mühsam, da wir ca. 50-100 runterfahrende Touristenbusse passieren müssen, aber oben angekommen haben wir den Berg komplett für uns alleine. Vom Parkplatz auf ca. 4700 Meter müssen wir noch 3km zum eigentlichen Rainbow Mountain laufen, was auf der Höhe doch recht anstrengend ist. Aber wir werden belohnt, er ist tatsächlich spektakulär! Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über das wunderschöne Red Valley, ein Tal in tiefroten Farben. Leider ist es auch bereits ein wenig zu spät für schöne Fotos, es wird dunkel und der Runterweg ist abenteuerlich. Sehr steil und mit Schnee, der langsam anfängt zu gefrieren ist es ganz schön heikel, aber wir schaffen es heil zurück.

Noch nicht genug von den farbigen Bergen Perus fahren wir am nächsten Tag nach Pallay Punchu. Die rotgrüne, markante Bergformation ist noch nicht touristisch erschlossen, so sind wir weit und breit die einzigen. Es ist eine wunderschöne Landschaft – das typische gelb durch die Andengräser, die blaue Lagune Langui, die rot-grünen Berge und das ganze noch teilweise beschneit. Wir klettern hoch zu den Kliffs und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder nach unten müssen, weil eine Sturmfront auf uns zu kommt. Wir kommen noch in einen kleinen Schneesturm – ein schöner kühler, vorübergehender Abschied der Anden.

Abschied von Peru und der Anfang in Brasilien

Denn nun geht es weiter, in die lange Fahrt in den Amazonas – zuerst 1.5 Tage lang in Peru. Der grösste Regenwald der Welt, der Amazonas, liegt nur zu 60% in Brasilien, der Rest liegt in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana und Suriname. Der Amazonas Fluss entspringt übrigens ebenfalls in Peru – in den Anden. Wir sind schockiert wie viel im peruanischen Amazonasgebiet gerodet wurde und wieviel Mienentätigkeiten wir hier stattdessen sehen. Tatsächlich sind Goldminen, sowohl legale als auch illegale ein grosses Problem im peruanischen Amazon, sie sorgen für Abholzung des Regenwalds und für eine Verschmutzung durch Quecksilber.
Man könnte das ja rechtfertigen, wenn es der lokalen Bevölkerung zugute kommen würde, aber man hat nicht das Gefühl, dass vom Goldprofit gross etwas bei der lokalen Bevölkerung ankommt. Schade. In Puerto Maldonado, der Ausgangsstadt für den peruanischen Amazonas machen wir noch letzte Besorgungen bevor wir am Samstagmorgen die Grenze überqueren.
Der Abschied von Peru fällt schwer. Wie erwartet ist Peru ein grandioses Land mit sich übertreffenden Highlights. Überrascht hat uns, dass es so viele „off-the-beaten-Track“ Highlights gab, die den Klassikern in nichts nachstehen. Wenn wir mehr Zeit gehabt hätten, hätte es noch viel mehr zum entdecken und auch einige weitere Mehrtageswanderungen gegeben, die uns gereizt hätten. Schön ist wie die indigene Kultur auf dem Land und in den Anden noch stark gelebt wird und spannend ist die Vielzahl an Relikten früherer Kulturen, wie der Nazca oder der Inka. Die Landschaft ist vielfältig- Meer, Wüste, Schneebergen, Hochebenen, aktiven Vulkanen oder Dschungel gibt es alles. Die peruanische Küche ist hervorragend, und eine erfrischende Abwechslung zur zentralamerikanischen und nord-südamerikanischen Küche. Das kühle Andenklima werden wir vermissen, der Land Cruiser wird aber froh sein auf geringeren Höhen wieder mal ordentlich Luft zu bekommen. Im peruanischen Amazonasgebiet bekommen wir schon einen Vorgeschmack was uns erwartet. Kaum öffnen wir die Autotüre, sehen wir wie sich überall alles bewegt – unidentifizierbare Insekten, Riesenheuschrecken, oder Riesenameisen. Während uns am Tag zuvor noch seichte Schneeflocken entgegen flogen sind es jetzt Rieseninsekten, die uns auf die Windschutzscheibe platzen. Ja, die Pause zwischen Dschungelgebiet Zentralamerikas und dem Amazonas war ein wenig kurz, aber wir freuen uns auf alles andere was der Amazonas zu bieten hat.
Es ist wieder mal eine sehr abgelegene und dementsprechend gelassene Grenze an einem Dreiländereck – Peru, Bolivien, Brasilien. In 5 Minuten haben wir den Peru Teil durch. Dann geht es für uns ins 5. grösste Land der Welt (nach Fläche und Bevölkerung) und in ein ganz neues Kapitel: Brasilien. Ein wenig verunsichert sind wir durch die vielen Warnungen, wobei diese ja nie von anderen Reisenden kommen oder von Leuten, die im entsprechenden Gebiet wohnen – im Gegenteil. Die wenigen Reisenden, die wir gefunden haben, die eine ähnliche Route in Brasilien gemacht haben, haben uns alle ermutigt diesen Abstecher durchzuziehen. Weiteres Hindernis neben der Angst ist die Sprachbarriere. Wir sprechen neben Bom Dia und Obrigado kein Wort portugiesisch. Aber der Eindruck in den ersten 2 Tagen, obwohl wir hauptsächlich fahren, ist wunderbar und unsicher fühlen wir uns nie – im Gegenteil. Mit Portugiesisch kommen wir aber tatsächlich nicht klar. Wir hatten zwar nie Probleme in Portugal und es heisst ja Portugiesisch sei ähnlich wie Spanisch, aber zumindest hier hört es sich für uns an wie eine komplett andere, eher vielleicht osteuropäische Sprache. Nur wenn die Leute ganz langsam und simpel reden, können wir manche Begriffe über Spanisch entziffern. Die Menschen, auf die wir treffen, können oder wollen nicht Spanisch oder Englisch reden. Google Translate ist ebenfalls deutlich schlechter als im Spanischen und übersetzt teilweise nur Mist. Es wird uns schnell bewusst, dass wir uns auf einer zukünftigen Reise mehr Zeit für Brasilien nehmen wollen und wir nehmen uns vor für diese Reise Portugiesisch zu lernen. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir keine Simkarte kaufen können, ohne eine lokale Identifikationsnummer zu haben. Ohne Internet ist das Zurechtfinden zusammen mit der Sprachbarriere noch schwieriger. Da die Offline-Übersetzungen von Google Translate bei Gerichten nichts taugen, bestellen wir so im Restaurant wie teilweise in Asien einfach irgendetwas und lassen uns vollständig überraschen.
Die Leute sind extrem herzlich. So oft enthusiastisch begrüsst, zugewinkt oder durch Passanten auf Instagram angeschrieben wurden wir noch nie in so kurzer Zeit. Ein anderer Reisender hat es sehr treffend formuliert: „Brazil puts them all in the shade when it comes to enthusiastic welcomes. Even when we can’t understand a word they say, Brazilians say it with a big smile and a thumbs-up!“ Es macht uns ganz wehmütig, dass wir so wenig Zeit für Brasilien haben.
Ansonsten kommt uns Brasilien auf den ersten Blick deutlich entwickelter und wohlständiger als Peru vor, wobei auch die Preise teurer sind. Gemessen am im Gegensatz zum spanisch sprechenden Lateinamerika hohen Anteil an „normalen Autos“ (normal=weder am auseinanderfallen noch total luxuriös), ist der Mittelstand hier grösser. Die Leute fahren zivilisierter, aber die Strassen mit unzähligen Schlaglöchern sind eine Katastrophe und deutlich schlechter als in Peru. Autobahn zu fahren ist hier fast wie in einem Videogame – man muss ständig Hindernissen – hier metergrossem Schlaglöchern und anderen Autos, die ebenfalls Schlaglöcher umfahren, ausweichen. Andere ausländische Touristen sehen wir gar keine in diesen Gebieten Brasiliens (mit Ausnahme von 1-2 in Manaus). Übernachten tun wir hier oft bei Tankstellen, das ist hier ganz normal. Da gibt es Toiletten, Dusche, wenn man Glück hat Wifi, es ist relativ sicher, und das alles kostenlos.
Politik ist hier ebenfalls sehr präsent, wobei bald Wahlen anstehen. Anstatt wie in Peru an den Häusern, befindet sich die Werbung hier an den Autos. So lächeln uns von überall Bolsonaros oder Alternativen entgegen, am Strassenrand schwingen die Menschen entsprechende Fahnen oder singen den Wahlsong vom entsprechenden Kandidaten mit seiner Kandidatennummer schön in den Songtext integriert. Am zweiten Tag fahren wir auch direkt an einen Roadblock. Obwohl sie in Lateinamerika häufig vorkommen und andere Reisende auch schon wochenlang aufgehalten haben, wurden wir bis jetzt verschont. Ausgerechnet jetzt, wo wir so viele Stunden Fahrt vor uns haben, müssen wir doch noch leiden. Mehrere Stunden warten wir, bis die Polizei es schafft die Demonstranten dazu bringen, die Autos durchzulassen. Ja wir sind gespannt, was uns Brasilien noch bringt. Jetzt erwartet uns wohl zuerst mal den Grund wieso wir die Seilwinde gekauft haben: Die berüchtigte Strasse BR-319.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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Ein 3-Tages-Trek in der Peruanischen Schweiz

Berg Taulliraju

Die Woche fängt für uns mit einer grossen Herausforderung an: einem ungeführten 3-Tages Trek in der Cordillera Blanca Bergkette – genauer gesagt dem Huascarán National Park. Die Bergkette ist die höchste tropische Bergkette der Welt, und der Namensgeber des Nationalparks – der Berg Huascarán – mit 6768m der höchste tropische Berg der Welt. Über 700 Gletscher und 27 6000-er Gipfel befinden sich in dem Gebiet. Wir entscheiden uns für den Santa Cruz Trek mit Abstecher zum Alpamayo Basecamp mit der Laguna Arhuaycocha.
Die Herausforderung liegt nicht so sehr in der Dauer der Wanderung, sondern vielmehr in der Höhe und der damit zusammenhängenden dünnen Luft, sowie dem schweren Gepäck, welches wir auf dieser Höhe schleppen müssen – mindestens 15kg (Anouk) und 20kg (Raphi) an Zelt, Schlafsack, Matte, Kochutensilien, Kamera, Essen und Trinken und ganz viel Kleidung für die eiskalten Nächte. In 3 Tagen möchten wir 55.5 Kilometer bezwingen, 2765 Meter an Höhe gewinnen und dabei den höchsten Punkt der Wanderung – Punta Union bei 4750 Meter erreichen.
So machen wir uns auf den Weg – zuerst mit dem Mototaxi und dann mit 2 verschiedenen Collectivos (Sammeltaxis) fahren wir in das Kaff Vaqueria, dem Ausgangspunkt der Wanderung mitten in der Bergkette. Wir wundern uns, wie es das alte Collectivo schafft, die haarsträubenden, kurvigen und holprigen Strassen hochzukommen, aber irgendwann nach 12 Uhr Mittags kommen wir an – später als erhofft – immerhin müssen wir am selben Tag noch 1000 Höhemeter schaffen. Am süssen Strassenstand trinken wir einen Coca-Blätter-Tee, der gegen Höhenkrankheit helfen soll und machen uns dann auf den Weg. Es ist viel anstrengender als erwartet – das schwere Gepäck gibt uns den Rest. Aber die Landschaft ist wunderschön, immer wieder kommen neue schneebedeckte Berge um uns herum zum Vorschein. Mühsam sind einzig die Bremsen, die uns den ganzen Trek über belästigen und unnötige Energie von uns rauben. Wir kämpfen uns immer weiter hoch. Alles was wir heute noch schaffen, müssen wir am nächsten, anspruchsvollsten Tag nicht mehr erklimmen. Auf ca. 4300 Meter ist für uns Schluss. Es wird schon dunkel, schöne Fotos sind leider nicht mehr möglich, wir haben aber auch keine Kraft dazu. Während wir bei Sonne im T-Shirt wanderten wird es ohne Sonne schnurstracks eiskalt. Das Panorama ist traumhaft, schöne Gipfel in beide Richtungen. Wir kuscheln uns ins Zelt, kochen Nudeln und versuchen zu schlafen. Obwohl wir toderschöpft sind, fällt dies aufgrund der Höhe und der frostigen Kälte gar nicht so einfach. Wir tragen 6 Lagen Kleidung inklusive Winterjacke, Mütze und Handschuhe, sind im dicken Schlafsack und frieren trotzdem noch extrem! Wir haben den Kochtopf zum Einweichen bis zum Rand mit Wasser gefüllt und dieses ist am nächsten Morgen vollständig eingefroren!

Der höchste Punkt der Wanderung

Früh geht es am nächsten Morgen weiter zum Punta Union hoch, dem mit 4750 Meter höchsten Punkt des Treks. Jeder Schritt ist ein Kampf, aber wir schaffen es und werden mit traumhafter Rundumsicht belohnt. Dann müssen wir abwärts, bevor wir unser Gepäck verstecken und noch einen längeren Umweg zum wunderbaren Gletschersee Arhuaycocha machen. Wir müssen wieder ordentlich rauf laufen, was uns am Ende unsrer Kräfte und bei Anouk nach einem Sturz mit schmerzhaften Knien mittlerweile auch ohne Gepäck schwerfällt. Aber der Ausblick auf den hellblauen See mit umgebenden schneebedeckten Gipfeln ist eine wunderbare Belohnung. Im Tal, welches wir von nun an zum grössten Teil abwärts laufen müssen, finden wir einen Ort für unser Zelt mit Bach für Frischwasser. Da wir nicht das ganze Wasser mitschleifen können, verlassen wir uns auf Bäche und unseren Trinkwasserfilter, sind nur ein bisschen unglücklich über die vielen Kühe und deren Hinterlassenschaften. Die zweite Nacht auf nur noch 3900 Meter Höhe ist minim wärmer als jene zuvor, aber Frost am Zelt finden wir trotzdem am nächsten Morgen. Am letzten Tag geht es dann durch ein idyllisches Tal abwärts, teils sehr steil. Mit schwerem Gepäck ist dies auch nicht viel besser als aufwärts zu gehen, da wir die Muskeln anspannen müssen, wenn wir unsere Knie nicht zerstören möchten. Irgendwann nach Mittag haben wir auch die letzten 20 Kilometer geschafft und finden auch gleich ein Sammeltaxi welches uns zurück nach Caraz zu unserem Auto nimmt. Es reicht uns sogar noch Wäsche zu machen und zum Mechaniker zu gehen, um ein Riesenplastikstück aus unseren Reifen zu nehmen, welches sich durch unsere neuen Reifen gebohrt hat. Den holländischen Backpacker von der Woche zuvor treffen wir zufälligerweise ebenfalls wieder an.

Lima

Plaza Perú in der Altstadt

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Lima, die mit ca. 10 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südamerikas (nach Sao Paolo) und Hauptstadt von Peru. Für die 8-stündige Fahrt müssen wir das erste Mal entlang der verpönten Küste Nordperus fahren. Wir verstehen die Kritik sofort. Die karge, trostlose Wüste entlang der Panamericana ist eine einzige, riesige, scheinbar unendliche Müllhalde. Oft herrscht Nebel. Wenn es Häuser gibt, dann sind es zusammenfallende Bruchbuden. Der schönste Anblick ist noch wenn am Strassenrand riesige Flächen von Chilis getrocknet werden. Ganz besonders schlimm ist das Elend in den Vororten von Lima. Die Menschen leben hier in grösstem Armut und Müll. Nicht schlecht staunen wir, als wir im gehobenen Viertel Miraflores ankommen. Hier gibt es schicke Gebäude, wunderschöne Parks, teure Läden. In diesem Viertel befindet sich auch der Schweizer Club, eine riesige Anlage mit Indoor und Outdoor Pools, süssem Spielplatz mit kleinen Chalets etc., sowie 2 Schweizer Restaurants. Hier dürfen wir (natürlich zu Schweizer Preisen 🙂) auf dem bewachten Parkplatz übernachten und die Einrichtungen nutzen. Nach 2 Nächten wirds uns zu teuer, da das Wifi nicht richtig funktioniert, die Dusche nicht heiss ist und wir inzwischen auch schon alle unseren Schweizer Gelüste im ansässigen Restaurant befriedigen konnten. So ziehen wir in ein nicht viel teureres Hotel und die letzte Nacht übernachten wir gratis bei einem Park in einem Nobelquartier. Der Grund, dass wir so lange in Lima verbringen ist der Land Cruiser. Wir müssen die Seilwinde installieren (in unsere Stossstange ein Loch boren lassen und zur Befestigung eine Adapterplatte bauen lassen). Es steht auch wieder Service an und ausserdem stellen wir fest, dass die Bremssattel nicht mehr top sind, worauf eine Anpassung vorgenommen wird und wir schon mal neue auf Vorrat kaufen. Da wir gelernt haben bei Service, Reparaturen o.ä. besser immer dabei zu sein, sehen wir in der Zwischenzeit nicht viel von Lima und können die Stadt nur am Wochenende erkunden. Lima ist direkt an der Küste, erhoben auf einem steilen Kliff mit genügend Möglichkeiten herunterzusteigen und ins Meer zu gehen – eigentlich ein spektakulärer Anblick. Wir werden aber mit der Stadt nicht richtig warm (wortwörtlich). Es hängt die ganze Zeit ein Nebel über der Stadt, was an der Jahreszeit liegt und es ist eiskalt. Alle, wir inklusive, laufen in Wintermänteln rum. Das wäre ja ok, wenn man die Möglichkeit hätte, sich in gemütliche Cafés, Restaurants, Bars oder Hotelzimmer zu verziehen. Das Problem ist nur, das alles offen gehalten ist, mit grossen Türen und Fenstern, die ständig sperrangelweit offen sind. Auch in den Innenräumen inklusive dem Hotelzimmer oder Restaurants ist es so eiskalt – im Wintermantel im Nobelrestaurant zu sitzen gehört hier zum guten Ton.
In der Altstadt bewundern wir dennoch die Kolonialbauten und geniessen im Museo del Pisco ein paar Pisco Cocktails – Pisco ist der weltberühmte Trauben-Schnaps aus Peru. Im edlen Miraflores bewundern wir Food Courts, Parks und Restaurants, bei welchem Anblick gar Zürichs Nobeleinrichtungen vor Neid erblassen würden. Krass, einmal mehr diese Ungleichheit zu sehen, wenn wir uns an die Vororte Limas zurückerinnern. In La Punta, einem Hafenviertel schauen wir Delfinen zu und geniessen leckere Ceviche (roher, aber marinierter Fischsalat – das inzwischen weltweit berühmte Nationalgericht Perus).
Wir sind begeistert von Perus Küche, welche zurecht den Ruf hat, die beste Südamerikas zu sein. Hier gibt es wieder Gewürze und Schärfe, etwas was wir in der überspitzt formuliert faden und einseitigen Reis- und Bohnenküche ab Belize vermisst haben. Die Küche ist zudem so vielfältig und hat viele Einflüsse von ausserhalb inkooperiert. Gerichte wie gebratener Reis (Einfluss aus Asien) oder Pasta (Einfluss aus Italien) mit peruanischer Pestosauce oder mit peruanischer Chili-Kartoffelkäse-Sauce oder Gulasch mit Pommes wurden vor dermassen langer Zeit integriert und neu interpretiert, dass sie längst zu den Standards gehören und auch im allerhintersten Andendorf serviert werden. Gerne wird dazu Chicha serviert. In der alkoholfreien Variante handelt es sich dabei um ein leckeres süsssaueres, würziges Getränk aus violettem Andenmais. Die alkoholhaltige Version wird auch Spuckebier genannt, da zur Fermentation der zugrundeliegenden Pflanzen Spucke verwendet wird.
Im Künstlerviertel Callao bewundern wir Murals und sind überrascht, wie schnell man sich hier hin und her bewegt zwischen Strasse mit hippen Kunstgallerien und Strassen aus zerfallenen Häusern, zwielichten Gestalten und Gestank. Wir sind froh, als wir die Stadt verlassen können und freuen uns auf die vor uns liegenden schöneren Wüsten- und Küstengegenden.

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Sarkophagen von Karajía

Eine Irrfahrt durch die peruanischen Anden

Grenzschranke zwischen Peru und Ecuador

Am Montagmorgen überqueren wir die Grenze von Ecuador nach Peru. Wir haben uns für die kleinste und am schwersten zugängliche Grenze entschieden, da wir in Peru im Landesinneren weiterfahren möchten. Es war mal eine ganz neue Grenzerfahrung. Vor der Schranke halten wir an, bei den Hütten mit offenen Türen ist nichts angeschrieben und wir haben keine Ahnung wo wir hinmüssen. Ein freundlicher Mann in Shorts und Crocs schickt uns zu einer Hütte, wo eine Dame unseren Pass stempelt. Dann gehen wir zum Mann mit den Crocs zurück, der scheinbar für den Zoll arbeitet und dafür zuständig ist, dass unsere ecuadorianischen Temporärimportpapiere fürs Auto storniert werden. Im Nebenzimmer brutzelt sein Frühstück, es riecht lecker. Rein und raus laufen Hühner und Kleinkinder. Der Mann kann den Prozess nicht selbst erledigen, er muss unsere Papiere fotografieren und zur nächsten Grenze zum Prozessieren schicken. Dummerweise ist der Internetempfang schlecht und so läuft er nach seinem Frühstück den Arm mit dem Handy in der Hand ausgestreckt durchs Dorf damit hoffentlich irgendwo ein Internetsignal aufgenommen wird und die Dokumente verschickt werden. Irgendwann ist alles erledigt und wir verlassen Ecuador mit der bisher absurdesten aber einer sehr freundlichen Grenzerfahrung. Auf der peruanischen Seite geht es ein bisschen geregelter zu und her, die Beamten tragen sogar Uniform und nach wenigen Stunden ist alles erledigt. Dann müssen wir nur noch in die nächste Stadt fahren, um die obligatorische KFZ-Haftpflichtversicherung abzuschliessen. 

Unsere Irrfahrt durch die Anden

Die Panamericana und der bevorzugte Weg der meisten Reisenden führt eigentlich der Küste entlang, da es die schnellste Art ist in die Landesmitte zu kommen, wo es mehr zu sehen gibt. Wir haben aber gehört, dass die Küste im Norden Perus hässlich ist – karge Wüste mit viel Müll. Deswegen haben wir uns für die kleine Grenze im Landesinnern und den Weg über die Anden entschieden, um zu unserem ersten grösseren Ziel zu kommen, der Cordillera Blanca Bergkette. Was wir uns als nur kleinen Umweg ausgemalt haben (wir sind ja ein wenig unter Zeitdruck), entpuppt sich als reinste Odyssee.
Ganze 5 volle Fahrttage brauchen wir um die um 400-500 Kilometer Luftlinie entfernte Bergkette zu erreichen. Highlight davon war der Tag an dem wir 13 Stunden durchfuhren und etwa 150 Kilometer geschafft haben. Die Strassen sind teilweise sehr schlecht, so dass man kaum vorwärts kommt. Dass wir immer wieder über 4000-Meter – Pässe fahren müssen, macht uns auch nicht schneller. Die grösste Herausforderung ist aber, dass wir immer wieder auf wegen Erdrutschen, Baustellen oder sonstigen Gegebenheiten gesperrte Strassen stossen. Mehrmals mussten wir umdrehen, riesige Umwege fahren und manchmal wussten wir gar nicht mehr, welche Strasse wir noch versuchen können oder ob wir alles zurück bis fast zur Grenze und von dort an die Küste fahren müssen, um weiter in den Süden zu kommen. Wir kommen uns vor wie in einem Labyrinth. Einmal standen wir mitten im Nirgendwo plötzlich vor Schranken mit bewaffneten Wächtern – wie es sich herausstellt sind wir bei einer Goldmine gelandet. Das erste Mal lassen sie uns durch, nachdem sie unsere Daten aufgenommen haben. Bei der zweiten Mine müssen wir richtig lange diskutieren – der wegen uns überraschte Wächter (es verirrt sich sonst fast nie jemand hierhin) möchte uns den gesamten Weg zurückschicken. Schliesslich organisiert er uns eine Eskorte, die uns durch die Mine führt, damit wir die Strasse weiter entlang fahren können. Bis die Eskorte kommt dauert es aber eine Stunde und so kommen wir mit dem Wächter ins Gespräch und er erzählt von der Goldindustrie und beklagt sich, dass nicht die lokale Bevölkerung von den Minen profitiert, sondern nur die korrupten Politiker oder chinesischen Investoren. Irgendwann schaffen wir es durch die Mine und die Irrfahrt geht weiter.
Die ganze Zeit über ist dafür die Landschaft wunderschön. Man merkt, wir sind in Peru, wo die Kulissen grosses Kino bieten – hohe Berge, tiefe Schluchten, endlose Prärie, Wasserfälle, regenbogenfarbene Berge, Lamas. Anfangs fahren wir noch durch tropisches Amazonasgebiet mit heissen Temperaturen, Palmen, Bananenpflanzen und Reisfeldern. Später führen die Strassen in das Gebirge, die Anden. Hier sind wir wirklich Exoten, Touristen verirren sich hierhin keine. Die Dörfer sind indigen, die Menschen sehr klein und traditionell gekleidet – die Frauen mit bunten langen ausgestellten Röcken und hohen Hüten. Das Leben hier ist hart, man sieht gerade die älteren Menschen hier schuften und schleppen, Frauen stricken am Strassenrand. Der Ackerbau wird hier noch mit Ochsen betrieben, Traktoren sind weit und breit keine zu sehen. Das Getreide wird von Hand geerntet, in grossen Blachen zusammengetragen und danach mit einem LKW befahren oder von Pferden zusammengetrampelt damit sich das Getreide von der Pflanze löst. Die Menschen sind freundlich, aber viel zurückhaltender, als wir es zum Beispiel von Kolumbien kennen, wo uns jeder angequatscht hat. Alles ist komplett anders als wir es bisher von Zentral- und Südamerika kennen. Die Dörfer sind nicht mehr so hübsch bis kitschig hergerichtet, es ist alles viel einfacher und erscheint ärmer zu sein (dem Anschein nach mehr noch als zum Beispiel in Honduras, dem wohl ärmsten Land unsrer Reise). Es gibt weniger Geschäfte und Restaurants. Die ganze Woche sehen wir nie einen Supermarkt mit Kühlschrank, hier wird auf dem Markt eingekauft oder allenfalls in den paar verstaubten Miniläden. Während Kolumbien und grösstenteils auch Ecuador so sauber waren, liegt hier wieder überall Müll herum. Man könnte sagen Peru ist das Guatemala von Südamerika – Landschaftlich und kulturell mit absoluten Schätzen versehen, aufgrund dessen auch beliebt bei Touristen, aber gleichzeitig starker vorhandener Armut bei der Landbevölkerung und ein grosses Müllproblem. Die Häuser hier sind grösser als anderswo und nicht verputzt aber, praktisch auf jedem Haus sind gross Namen und Logo oder Wahlargumente von Kandidaten der nächsten Wahlen versehen (gemalt oder als Plakat). Es ist ganz extrem -sogar in der Natur in Canyons sehen wir die Schriftzüge. So sind die Häuser der Leute also Profilierungsplattformen der nächsten Generation korrupter Politiker. Andere Autos sehen wir kaum welche, mit zwei Ausnahmen: Die erste Ausnahme sind die Wahlkampfteams, die rumfahren und die Häuser anmalen. Die zweite Ausnahme sind die teuren Minentrucks und Treibstofflieferwagen, die die unzähligen riesigen Minen versorgen. Tatsächlich ist Peru der siebtgrösste Goldproduzent der Welt. Aber wie uns der Minenwächter bestätigt kommt das Geld nicht bei der lokalen Bevölkerung an. Einmal mehr ist wieder China grosser Investor und Profiteur. Dafür verschmutzen Schwermetalle und Chemikalien von den Minen die lokalen Gewässer und die Umwelt. So wirkt die Situation hier auf dem Land ein wenig abstrus: Die Bevölkerung kämpft ums Überleben, hat nur das Allernötigste zur Hand, während alle Fassaden voll bemalt sind mit (wahrscheinlich leeren) Versprechen von Politikern für die Wirtschaft, die Umwelt und gegen die Korruption. Als Krönung der abstrusen Situation werden Millionen an Dollar in Form von neuen Trucks, Treibstoff und Gold durch die Gegend gefahren im Zusammenhang mit der hier oftmals umweltschädlichen Minenindustrie.

Aber eben, ansonsten ist die Landschaft wunderschön, die Leute nett. Einmal halten wir bei einem Schild mit der Aufschrift „Queso“ an um Käse zu kaufen. Wir werden in ein Hüttchen geführt, hingesetzt und die süsse alte Frau serviert uns beiden einen Riesenblock frischen Käse, den sie mit Honig begiesst und den wir nun essen sollen. So haben wir uns das zwar nicht vorgestellt (wir wollten nur Käse für den Vorrat kaufen), aber es war auch nett und lecker. Ein anderes Mal landen wir abends in einem kleinen Andendorf, wo wir am Dorfplatz übernachten wollen. Kaum stehen wir da kommen zwei Zivilgarden und weichen nicht mehr vom Auto weg. Wir fragen ob wir übernachten dürfen – selbstverständlich und sie werden die ganze Nacht da sein und uns und den Platz bewachen. Wir können uns beim besten Willen nicht vorstellen, was in diesen unschuldigen Andendorf passieren soll, aber trotzdem wieder sehr sehr nett von den beiden. Lustigerweise treffen wir beim Abendessen in der wohl einzigen Kneipe des Dorfes einen ebenfalls mehr oder weniger „verirrten“ Holländer, ein Backpacker der sich per Anhalter fortbewegt und deswegen hier im Nirgendwo gelandet ist und verbringen mit ihn den Abend.

Neben diesen Erlebnissen schauen wir uns aber auch ein paar Sehenswürdigkeiten an. Wir machen eine Wanderung zum zweiteiligen Gocta- Wasserfall, dem mit 800 Metern je nach Quelle 3. -16. höchsten Wasserfall der Welt. Die Wanderung ist lange und anstrengend, der Wasserfall schön, aber aufgrund der Trockenzeit nicht so massiv.
Ein weiterer Stopp sind die Sarkophagen von Karajia. Die aus Schlamm, Holz und Stroh gebauten und bemalten 2.5 Meter hohen Figuren in den steilen Felswänden beinhalteten einst Mumien und Opfergaben, welche inzwischen von Räubern und Archäologen entfernt wurden. In diesen majestätischen Sarkophagen wurden nur die wichtigsten Personen begraben und wie bei den Schaffern – den Chachapoyen – üblich, wurden sie hoch und schwer zugänglich platziert, um sie zu würdigen und schützen. Vermutlich wurden sie im 15. Jahrhundert gebaut, kurz bevor das Chachapoya-Gebiet grösstenteils von den Incas erobert wurde. Ebenfalls aus der Prä-Inka-Zeit stammend besuchen wir die Ventanillas de Otuzco, eine Nekropolis (=Totenstadt). Es handelt sich dabei um 337 in Vulkangestein ausgehobene Nischen. Die Nekropolis wurde von der lokalen Cajamarca Bevölkerung wohl zwischen 300 v.Chr. bis 500 n.Chr. erbaut. In den Nischen befanden sich ganze Skelette oder Teilskelette sowie Opfergaben, aber da die Stätte so alt ist, sind nicht viele Details bekannt.
Kurz vor dem Ziel unsrer Irrfahrt fahren wir durch die Schlucht Cañon del Pato, wo die beiden Bergketten Cordillera Blanca und Cordillera Negra aufeinandertreffen und sich fast berühren. Die aufregende Strasse wurde direkt in den Hang gebaut und dafür auf einer Länge von 12 Kilometern 35 unbeleuchtete Tunnels von Hand in die Felswand gehauen. Da sie so schmal ist und der Verkehr in beide Richtungen läuft, muss man schön aufpassen und immer hupen, um sich dem Gegenverkehr anzukünden.

Cordillera Blanca mit der Laguna Paron

Und damit kommen wir endlich in Caraz und Huaraz an, den Ausgangsstädten für die Cordillera Blanca Bergkette mit dem Huascarán National Park. Nachdem wir einen Abend an der wunderschön blauen Laguna Páron campen, ein Feuer und den Sternenhimmel geniessen besuchen wir die beiden Städte. Wir müssen endlich mal einkaufen, Geld abheben und für einen Mehrtagestrek Ausrüstung kaufen und mieten, sowie die Karte ausdrucken lassen. Auch unseren Laptop müssen wir reparieren – das Wifi funktioniert nicht mehr. Im Laptop-Reparaturgeschäft hat niemand Lust dazu, die Angestellten oder Inhaber sind mit Computergames beschäftigt, Geschäftssinn und Hilfsbereitschaft ist nicht so präsent. Schliesslich überreden wir das Geschäft, dass wir unseren Laptop ans LAN Kabel anschliessen dürfen. Nach verschiedenen Versuchen und Neuinstallationen schaffen wir es den Laptop wieder wie gewohnt zum laufen zu bringen. Wir haben also tatsächlich im Computer-Reparaturgeschäft unseren Laptop selber repariert – das kann auch nur hier passieren. Sie hätten wahrscheinlich nicht mal Geld verlangt, aber wir haben natürlich was da gelassen.
So haben wir die wichtigsten Sachen noch organisieren können bevor wir am nächsten Tag unserem ersten 3-Tagestrek antreten, aber dazu mehr nächste Woche.

Eine Zusammenfassung einer typischen Fahrtages in den nördlichen peruanischen Anden:

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