White Pocket

Ein Highlight jagt das nächste entlang der Utah / Arizona Grenze

Diese Woche haben wir im Süden Utahs / Norden Arizonas verbracht und unsere Erwartungen wurden komplett übertroffen. Die Hauptattraktionen wie Zion, Bryce, Arches, Grand Canyon National Parks und Antelope Canyon etc. haben wir 2015 besucht und lassen diese aus. Sie sind wunderbar und wir hätten sie sehr gerne wieder besucht, wenn wir mehr Zeit hätten, aber die unendliche Anzahl an weiteren wunderschönen Orten in diesen beiden Staaten lässt dies nicht zu. Auch wollen wir ausnutzen, dass wir mit unserem Fahrzeug an viele abgelegene Orte kommen, die ohne Allrad nicht zu erreichen sind. Jeden Tag, welchen wir hier verbringen hören wir von oder entdecken wir noch weitere Dinge, die wir tun könnten. Jedes Mal, wenn wir denken ein Erlebnis nicht mehr toppen zu können (und das passierte sehr oft diese Woche), wartet ein neues Highlight auf uns. Das Einzige womit wir zu kämpfen haben, ist unsere fehlende Isolation bei Minustemperaturen in der Nacht. Während es tagsüber bis zu 20 Grad warm wird, ist es in der Nacht unter 0. Obwohl wir vor dem Schlafen noch kurz die Standheizung laufen lassen, haben sich am Morgen bereits kleine Eiszapfen am Dachfenster im Land Cruiser gebildet und unser Atem kondensiert. Aber man kann nicht alles haben 🙂 

Südwesten Utahs

Toquerville Falls

Nach einem Autoservice im Städtchen St. George machen wir uns in der Gegend auf Erkundungstour. Unser erster Trip verlangt uns wieder Einiges ab: der Beschreibung nach hatte sich die 4×4 Route zu den Toquerville Falls sehr locker angehört und so wurden wir doch sehr von den steilen Felsen, die wir mit dem Land Cruiser bezwingen mussten, überrascht. Mehrmals wären wir fast umgekehrt, aber schliesslich haben wir die 10 Kilometer in ein wenig mehr als einer Stunde geschafft. Belohnt wurden wir mit einem wundervoll prächtigen, einsamen Wasserfall mitten in der Prärie (woher kommt nur diese grosse Menge Wasser her?!). Wir nutzten die Gelegenheit uns im eiskalten Wasser zu waschen (zumindest Raphi, Anouk hats nur mit den Füssen reingeschafft). Die Strasse führte sogar durch den Wasserfall und so konnten wir das erste Mal mit dem Land Cruiser einen Wasserfall durchqueren 🙂.

Double Arch Alcove

Weiter sind wir zu den Kolob Canyons – ein separater und damit wenig besuchter Teil des Zion National Parks. Unter anderem haben wir die Wanderung durch ein Tal zu zur Double Arch Alcove, eine Halbhöhle mit zwei Felsbrücken gemacht. Eigentlich sind wir eher gerannt, da wir uns für das eiskalte Tal eindeutig zu kurz angezogen hatten (beim Parkplatz in der Sonne wars eben noch warm). Wir mussten immer wieder denselben, teils gefrorenen Bach auf Steinen balancierend überqueren, da mussten wir ziemlich aufpassen 🙂Trotzdem war die Wanderung inmitten der majestätischen hohen rotgoldenen Felswänden wunderschön.
Ein anderes Mal sind wir zu den Yant Flats / Candy Cliffs – wieder so ein Geheimtip. Wir waren weit und breit die Einzigen auf diesen wunderschönen Steinformationen. Wenn man auf die Felsen kletterte wurde man mit atemberaubenden Rundumausblick belohnt.
Dann sind wir zur Red Cliffs Recreation Area und haben dort ebenfalls eine spannende Wanderung teils durch eine Schlucht gemacht bei welcher wir Felsen runterrutschen und entlang klettern mussten.

Vermillion Cliffs National Monument

Buckskin Gulch

Danach sind wir weiter in die Mitte von Utahs Süden wo wir das wenig besuchte 1200 km2 grosse Vermillion Cliffs National Monument auf der andern Seite der Grenze in Arizona besuchen. Bekanntester Exponent davon ist „The Wave„. Diese wellenförmige Steinformation ist spätestens seit es Windows Bildschirmschoner mit Landschaften gibt weltweit berühmt. Pro Tag gibt es aber nur 16 Permits für die Wanderung dahin, die teils 3 Monate im Voraus per Online Lotterie vergeben und teils am Vortag per „Walk-In“-Lotterie im Städtchen Kanab verlost werden. Bei der Online Lotterie waren wir leider erfolglos, aber stattdessen haben wir ebenfalls 3 Monate im Voraus eine Bewilligung für den Zugang für Coyotte Buttes South neben der Wave besorgt. Diese dürfen nur 20 Personen pro Tag besuchen. Da aber nicht so heiss begehrt, war es sehr leicht im Voraus ein Permit zu sichern.
Zuerst sind wir aber zum Buckskin Gulch – mit ca. 21 KM der längste Slot Canyon in den USA.
Slot Canyons sind enge Schluchten, die durch Wasser gebildet wurden und von welchen es in USA’s Südwesten zahlreiche gibt – der Bekannteste davon ist der Antelope Canyon.
Und siehe da, das einzige andere Auto auf dem Parkplatz hat ein Schweizer Nummernschild 🙂 Wir reden mit den beiden Reisenden aus dem Kanton Waadt, die seit 25! Jahren in ihrem Auto in den Amerikas, Asien, Afrika unterwegs sind. Damit kennen sie sich sehr aus und geben uns viele wertvolle Tipps, auch weitere Geheimtipps für Vermillion Cliffs auf den Weg.

Extrem filigrane Sandsteinkunstwerke

Die Wanderung durch den Buckskin Gulch war sehr eindrücklich, wir haben aber nicht die ganzen 21 KM gemacht. Teils musste man Holzleitern zum Klettern nutzen. Ehemalige Holzleitern sieht man ca. 15 Meter über dem Boden zwischen den Schluchtwänden feststecken – das Ergebnis von tobenden Sturzfluten. Ja, wenn es regnet sollte man besser nicht hier sein.
Nach dem Buckskin Gulch besuchen wir Edmaiers Secret, von den beiden anderen Schweizern empfohlen. Wieder mal sind wir sprachlos von der Schönheit der Steinformationen und deren Farben, dieses Mal gibt es viel ‚Brain Rock‘ (ja das heisst so) und eine Art hauchdünnes Sandstein – Gewebe, dünne Sandsteintreppen und vieles mehr. Kein Wunder werden diese Orte so gut es geht unter Verschluss gehalten: Dieses filigrane Gewebe aus Sandstein ist extrem sensibel und geht kaputt wenn jemand drauftritt.

The „Mini Wave“ bei Coyotte Buttes South

Für den nächsten Tag haben wir den Permit für Coyotte Buttes South. Das Gebiet ist ziemlich gross und es gibt keine Wanderwege. Wir beschliessen von einem Zugangspunkt zum andern zu wandern und wieder zurück (Luftlinie ca. 6 Km oneway). Bei Hitze und ohne Weg stellt sich dies doch als eine grössere Herausforderung dar. Wir laufen oft im Zickzack oder landen vor einem Abgrund und müssen dann wieder einen grossen Umweg machen. Zudem weiss jeder von uns auch noch die Richtung besser, was zu kleineren Konflikten führt 🙂 Wir wurden aber mit absoluter Einsamkeit und Stille belohnt und es war mega eindrücklich inmitten dieser Steinformationen zu stehen, ohne Menschenseele weit und breit. Und die Schönheit, Feinheit und Vielfalt der Formationen war absolut faszinierend, jedes Einzelne ein Kunstwerk und man hätte bei jedem Stunden damit verbringen können es zu studieren. Ein absolutes Wunder, was die Natur alles zu Stande bringt. 

White Pocket

Nach Coyotte Buttes haben wir kurz vor Sonnenuntergang noch die sandige 4×4 Route zu White Pocket zurückgelegt und wurden erneut vom Hocker gehauen. Wieder ganz andere Steinformationen, wunderschön aber dieses Mal skuriller. Für diejenigen, die die Kinderbücher Ms. Frizzle kennen – man kommt sich vor als wäre man inmitten einer Expedition von Ms. Frizzles Klasse in den menschlichen Körper und würde auf einem Gehirn herumklettern.
Jedenfalls sind wir uns am Schluss einig – ein solch schöner Ort wie die Vermillion Cliffs mit seiner Einsamkeit, Abgeschiedenheit, Wildnis und unzähliger Vielfalt an Kunstwerken der Natur haben wir noch nie gesehen.

Kanab

The Great Chamber

Nach den Vermillion Cliffs fahren wir nach Kanab. Wir möchten unser Glück an der Walk-In Lotterie für „the Wave“ versuchen, im konservativen Utah ist dies die einzige legale Lotterie. Es war ein lustiges Erlebnis. In der Schulturnhalle, in welcher die Lotterie stattfindet mit der Jury in der Mitte fühlt man sich 20 Jahre zurückversetzt, der Lotterie-Chef ist unterhaltsam, man macht zwischen Zettel ausfüllen und Auslosung neue interessante Bekanntschaften und am Schluss ist die Spannung doch sehr gross. Wir hatten an beiden Tagen, an welchen wir teilgenommen hatten kein Glück. Aber wie der Lotterie-Chef so schön sagte: „You have already won anyway – you are in Southern Utah“ – wie Recht er doch hat.

Red Canyon Slot

Red Canyon Slot

In Kanab werden wir wegen unserem Lörracher Kennzeichen von einem deutschen Auswanderer angesprochen, der uns einen weiteren 4×4 Geheimtipp gibt und so besuchen wir the Great Chamber, einen riesige Halbhöhle gleich ausserhalb der Stadt mit wunderschöner Aussicht. Auf dem Rückweg, wo wir uns an einem anderen 4×4 Weg versuchen kommen wir das erste Mal an unsere Grenzen. Die Hälfte des Sandwegs bricht in der Mitte abrupt ab. Nachdem Raphi etwa eine halbe Stunde damit verbringt die Strasse wieder zu reparieren und mit Steinen, Sand und mit unseren Sandblechen stabilisiert, wir aber auf halbem Weg trotzdem noch zu fest absinken, kehren wir doch um. Das Risiko wollen wir nicht eingehen.
Kleinere Ausflüge haben wir zu den Sand Caves (Sandsteinhöhlen am Hang), Belly of the Dragon (Name ist sehr zutreffend, das Tunnel könnte wirklich ein Drachenmagen sein) und dem Red Canyon Slot (schmaler Slot Canyon) gemacht.

Scenic Route 12

Dann gehts weiter auf die Scenic Route 12 ins Grand Staircase Escalante Monument.
Da auf dem Weg machen wir doch noch einen kleinen Abstecher in den Bryce Canyon National Park mit seinen tausenden Hoodoos (Sandsteinsäulen) und geniessen die Abenddämmerung beim Bryce Point.
Weiter besuchen wir entlang der wirklich tollen aber einsamen Scenic Route 12 den eindrücklichen 45 Meter hohen Doppelbogen Grosvenor Arch.
Das nächste Ziel ist die Hole-in-the-Rock Road, aber dazu mehr nächste Woche.

Bryce Point

0
Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn