Laguna de Morón

Von der Wüste ins Kloster

Paracas National Reservat und Oasen

In der Laguna de Morón

Nachdem wir endlich von Lima loskönnen, ist unser erster Stopp das Paracas National Reserve. Das Reservat ist vor allem für sein Meeresleben bekannt – Wale, Delphine, Vögel, Humboldt Pinguine, Seelöwen und die als peruanische Galapagos Inseln bekannten Ballestas Inseln befinden sich hier. Wir erkunden das Reservat nur von Land aus. Bei einer Lagune beobachten wir Flamingos, geniessen die schöne karge Landschaft am Meer, mit steilen Kliffs und vielen Vögeln, inbesondere die Inkaseeschwalbe. Die Wüste und Strände sind zum Teil fast rot – ein schönes Farbenspiel mit dem hellblauen Meer. Unser nächster Stopp ist die Oasis de Morón, eine Lagune, die vom Untergrund mit Wasser versorgt wird und üppig von Vegetation umgeben wird. Ein wunderschöner Anblick so mitten in den hübschen Sanddünen. Schön, dass hier noch nichts kommerzialisiert ist und wir nur ein paar wenige Locals antreffen, keine Touristengruppen. Wir geniessen den Sonnenuntergang und campen in den Dünen. Am nächsten Tag besuchen wir die viel bekanntere Oasis de Huacachina. Nach der Oasis de Morón sind wir ziemlich enttäuscht. Die Oase ist mittlerweile nur noch ein Touristendorf, dass zwar halb zusammenfällt, während die Dünen voll mit Müll sind, aber irgendwie trotzdem noch Horden von Touristen anzieht. Das Wasser der Oase selber ist dreckig und wird inzwischen über Rohre eingespeist, da die Lagune eigentlich durch den Tourismusboom ausgetrocknet ist.

Cañón de Los Perdidos

Anouk und der Land Cruiser am Rande des Cañón de los Perdidos

Nach Huacachina machen wir einen abenteuerlichen Ausflug. Wir wollen zum Cañón de Los Perdidos (was treffenderweise soviel wie Schlucht der Verlorenen bedeutet). Dafür müssen wir stundenlang durch absolutes Niemandsland fahren. Zum Glück haben wir die GPS-Wegpunkte runtergeladen, weil der Weg ist nicht mal auf unsrer detailliertesten App, die normalerweise sogar alle Wanderwege erkennt (Maps.Me) eingezeichnet. Es gibt zudem keine Strasse sondern nur eine Vielzahl von Spuren anderer Fahrzeuge, von welcher man aber nicht weiss, welches die richtige ist. Es fühlt sich an, wie auf dem Mond zu fahren, gar nichts weit und breit, siehe ein kleiner Clip unten. Mithilfe dieser GPS-Wegpunkte kommen wir am Ziel an. Überraschenderweise treffen wir hier einen kleinen Tourbus an. Dem Bus sind auf dem Weg 2 Reifen geplatzt und nun sitzt er fest. Der arme Reiseführer beklagt sich bei uns über seine aufgebrachten Touristen. Leider können wir ihm nicht helfen, da die Reifen nicht mehr reparierbar sind, aber zum Glück kommt bald ein Freund mit Ersatzreifen angefahren und wir haben den Canyon für uns alleine. Mitten im Nirgendwo befindet sich hier diese schöne malerische bis 450 Meter Tiefe Schlucht, die uns ein wenig an Utah erinnert. Wir wandern ein wenig und da es für den langen Weg zurück zu spät ist übernachten wir hier alleine mitten im Nirgendwo unter prächtigem Sternenhimmel.

Nazca

Der weitere Weg führt uns nach Nazca zu den weltberühmten Nazca Linien und den weniger bekannten Palpa Linien. Die Nazca Linien sind praktisch perfekte, kolossale Zeichnungen (die Längste ist 3.6 Kilometer lang), welche erst 1930 durch Flugzeuge entdeckt wurden, da man sie nur aus der Luft richtig sieht. Die Linien stammen von der Nazca-Kultur und wurden ca. zwischen 300 vor bis 500 nach Christus erschaffen. Wie es dieses Volk geschafft hat, die Zeichnungen so präzise ohne Luftfahrt zu vervollständigen ist unfassbar und nicht geklärt. Kein Wunder kommen da immer wieder Alien-Theorien auf. Neben ganzen 70 Tier- oder Pflanzenzeichnungen von z.B. Affen, Walen, Lamas, Fröschen etc. sind etwa 900 geometrische Figuren vorhanden.
Da wir auf den Flug aus Kostengründen verzichtet haben, müssen wir mit dem Aussichtsturm vorlieb nehmen – hier sehen wir aber leider nur einen Frosch, eine Echse und einen Baum.
Die Palpa Linien ein paar Kilometer weiter, obwohl kleiner, finden wir fast imposanter. Da sie in Schräglage am Hügel angebracht sind, sahen wir die Linien besser und konnten die gezeichnete Paracas-Familie klar erkennen. Die Palpa-Linien wurden sogar ein paar Jahrhunderte vor den Nazca-Linien von der Paracas-Kultur geschaffen. Unter den Palpa Linien befindet sich auch ein perfektes Mandala, ein Symbol, welches eigentlich aus Indien stammt, was weitere Rätsel aufwirft. Wieso diese Nazca und Palpa-Linien geschaffen wurden und wie die Figuren ohne Luftperspektive dermassen genau erschaffen werden konnten, bleibt ebenfalls bis heute ein Rätsel.
Nur die Erschaffungsart ist bekannt: Für die Nazca Zeichnungen wurde so tief gegraben bis die weisse Erdschicht unter der braunen zum Vorschein kam (was nur ca. 10 bis 15 cm tief ist). Für die Palpa-Linien hingegen wurden Steine aufeinandergehäuft. Überall sonst wären die Figuren längst erodiert, aber da es sich hier um eine der trockensten Gegenden der Welt handelt, war der Erhalt über Tausende von Jahren möglich.
In der Gegend gibt es noch weitere historische Wunder. Wir besuchen die Nekropolis von Chauchilla – einen Friedhof, vermutlich ebenfalls von der Nazca-Kultur, in welchem sich Hunderte von Mumien befanden. Obwohl die Mumien über 1200 Jahre alt sind, sind sie erstaunlich gut erhalten, manche haben sogar noch Haarbüschel auf dem Kopf, was ebenfalls dem trockenen Klima und der guten Mumifizierungstechnik zu verdanken ist. Einige sind in den mittlerweile offenen Gräbern heute noch zu besichtigen. Alle Grabbeigaben und sonstigen Kostbarkeiten wurden über die Jahre von Grabräubern geplündert und dabei auch einige der Mumien zerstört, um deren Schmuck zu entfernen. Weiter besichtigen wir die Äquadukte von Cantalloc – ein ca. 1500 Jahre altes Ingenieursmeisterwerk der Nazca-Kultur. Von den 46 Äquadukten um die Stadt Nazca sind immer noch 32 in Betrieb. Sie wurden erbaut, um die herumliegenden Felder mit Wasser zu versorgen. Ganze 12 Meter liegen sie unter dem Boden und sind mehrere Kilometer lang. Wir bekommen nur die Ventilationsschäfte zu sehen, ein Kunstwerk für sich in ihrer exakten Spiralform, wenn man bedenkt wie alt sie sind. Sie wurden wohl (und werden immer noch) dafür gebraucht, Wind in die Untergrundkanäle zu leiten, welcher dann Wasser von Untergrundwasserreservoiren zu jenen Stellen leitet, wo es benötigt wird.
Entlang der Küste fahren wir dann weiter. Ca. 12 Stunden Fahrt liegen vor uns bis zum nächsten Ziel – der zweitgrössten Stadt Perus – Arequipa. Man könnte erwarten, dass man auf der Panamericana, der wichtigsten Autobahn des Landes, vorwärts kommt, man zahlt ja schliesslich auch Maut. Aber nein, hier ist es gang und gäbe, dass einfach ohne Ankündigung Abschnitte dieser Autobahn für ein paar Stunden geschlossen werden, damit zum Beispiel neuer Belag eingebaut werden kann. In solche Situationen fahren wir 3 Mal. Die ersten beiden Male können wir und die restlichen Hunderte von Autos nach ca. einer halben Stunde warten weiterfahren. Beim dritten Mal warten wir tatsächlich etwa 3.5 Stunden, bevor wir und die unendlich lange Schlange an Autos kurz durchgelassen wird und dann der Abschnitt wieder gesperrt und weitergebaut wird. Ein System welches für uns ärgerlich und für Raphi als Strassenbauspezialist unverständlich ist, aber ok. Wenigstens sind wie überall in Lateinamerika, obwohl wir mitten in der Wüste sind, die Strassenverkäufer nicht weit und laufen fleissig von Auto zu Auto um uns kulinarisch zu versorgen.

Arequipa

Im Monasterio de Santa Catalina

Irgendwann kommen wir in Arequipa an. Arequipa war uns (oder hauptsächlich Anouk) schon im Voraus extrem sympathisch – eine Stadt, die gleich heisst wie der kolumbianische Namen für die leckere Süssigkeit Dulce de Leche (Arequipe), kann nur schön sein. Und wir werden nicht enttäuscht. Die Stadt ist umgeben von Vulkanen und ist, da sie komplett aus Sillarstein (weissem Vulkangestein) gebaut wurde auch als Ciudad Blanca (die weisse Stadt) bekannt. Neben Spaziergängen durch die Stadt und einem Pisco Sour zum Sonnenuntergang über den Dächern der Stadt geniessen wir den Besuch des Klosters Monasterio de Santa Catalina. Das Kloster wurde im 16. Jahrhundert von der Witwe Maria de Guzman gegründet und ist so stark gewachsen, bis es eine eigene ummauerte Stadt in der Stadt war. Bis zu 450 Nonnen haben einst hier gelebt. Erst 1970 wurde das Kloster der Öffentlichkeit zugängig gemacht. Noch heute ist das Kloster aktiv, es wohnen aber nur noch ca. 20 Nonnen da. Das Kloster ist extrem pittoresk mit seinen im Gegensatz zur weissen restlichen Stadt roten und blauen Farben, Blumen, Orangenbäumen und Fresken. Es wird gut geschildert, wie hier früher gelebt wurde und die Utensilien von dazumal wie Tonöfen, Wasserfilter, Wasch“-maschinen“ etc. sind alle noch zu besichtigen.

Colca Canyon

Blick auf Sangalle

Nach Arequipa fahren wir zum Colca Canyon. Der Colca Canyon ist einer der tiefsten Canyons der Welt (manche Quellen sagen der zweittiefste, aber andere sagen wieder etwas anderes). An manchen Stellen ist er 2-fach so tief wie der Grand Canyon in der USA. Da wir den falschen Weg wählen sind wir viel zu lange unterwegs, fahren wir über 4800 Meter hohe Pässe, kommen aufgrund deswegen teils nur im Schritttempo voran und merken, dass unsere Mechaniker in Lima beim Austausch der Bremsflüssigkeit gepfuscht haben und etwas nicht stimmt. Die Landschaft ist aber wunderschön und inzwischen machen wir richtig häufig Bekanntschaft mit Lamas und Alpakas. Beeindruckend sind zu Beginn des Tals die Terrassen für die Landwirtschaft an den Hängen, überall und so weit das Auge reicht. Noch vor den Inkas wurden diese errichtet und sind heute noch in Gebrauch. Nach einer ruhigen Nacht auf einem Dorfplatz am Canyonrand brechen wir um 5 Uhr auf, um in den Canyon runter zu wandern. Ziel ist die Oase Sangalle am Grund des Canyons. In einem der paar Hostels (sonst gibt es hier nichts ausser dem Fluss) geniessen wir ein Frühstück. Friedlich, idyllisch und wenn wir mehr Zeit hätten, wäre es entspannend hier zu übernachten und das Oasenleben am Pool zu geniessen. Wir machen uns auf den steilen Weg im Zickzack zurück nach oben. Die 1200 Höhemeter in 4 Kilometern machen uns ganz schön zu schaffen. Ja, Canyon-Wanderungen sind im Gegensatz zu Bergwanderungen undankbar, das Anstrengende folgt stets am Schluss. Und das Ziel, der Canyongrund hat oft weniger schöne Aussichten als der Beginn der Wanderung zu bieten. Wir verfluchen uns, aber irgendwann kommen wir verschwitzt oben an. Zurück beim Auto kann Raphi zum Glück unser Bremsenproblem lösen, indem er das Bremssystem entlüftet. Dieses Mal fahren wir bei Tageslicht den wunderschönen Canyonrand entlang zurück. Bei einer Aussichtsplattform lassen wir uns beide zum Kauf eines Jäckchens aus Alpakawolle überreden. Wir bereuen es nicht, die Wolle ist extrem angenehm und gibt sehr warm. Am Canyonende machen wir Halt bei den Chacapi Hot Springs. Mit schöner Aussicht auf eine alte Steinbrücke erholen wir uns in den Steinpools, die direkt von heissen Quellen gefüllt werden von der Canyon-Wanderung. Als wir genug haben geht es für uns weiter in die Anden – in Richtung Titicaca-See, dem höchsten schiffbaren Gewässer der Welt.

Oasis de Moron:

Ein Video des Canon del Pato von den Wochen zuvor in den Anden:

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn
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Ein 3-Tages-Trek in der Peruanischen Schweiz

Berg Taulliraju

Die Woche fängt für uns mit einer grossen Herausforderung an: einem ungeführten 3-Tages Trek in der Cordillera Blanca Bergkette – genauer gesagt dem Huascarán National Park. Die Bergkette ist die höchste tropische Bergkette der Welt, und der Namensgeber des Nationalparks – der Berg Huascarán – mit 6768m der höchste tropische Berg der Welt. Über 700 Gletscher und 27 6000-er Gipfel befinden sich in dem Gebiet. Wir entscheiden uns für den Santa Cruz Trek mit Abstecher zum Alpamayo Basecamp mit der Laguna Arhuaycocha.
Die Herausforderung liegt nicht so sehr in der Dauer der Wanderung, sondern vielmehr in der Höhe und der damit zusammenhängenden dünnen Luft, sowie dem schweren Gepäck, welches wir auf dieser Höhe schleppen müssen – mindestens 15kg (Anouk) und 20kg (Raphi) an Zelt, Schlafsack, Matte, Kochutensilien, Kamera, Essen und Trinken und ganz viel Kleidung für die eiskalten Nächte. In 3 Tagen möchten wir 55.5 Kilometer bezwingen, 2765 Meter an Höhe gewinnen und dabei den höchsten Punkt der Wanderung – Punta Union bei 4750 Meter erreichen.
So machen wir uns auf den Weg – zuerst mit dem Mototaxi und dann mit 2 verschiedenen Collectivos (Sammeltaxis) fahren wir in das Kaff Vaqueria, dem Ausgangspunkt der Wanderung mitten in der Bergkette. Wir wundern uns, wie es das alte Collectivo schafft, die haarsträubenden, kurvigen und holprigen Strassen hochzukommen, aber irgendwann nach 12 Uhr Mittags kommen wir an – später als erhofft – immerhin müssen wir am selben Tag noch 1000 Höhemeter schaffen. Am süssen Strassenstand trinken wir einen Coca-Blätter-Tee, der gegen Höhenkrankheit helfen soll und machen uns dann auf den Weg. Es ist viel anstrengender als erwartet – das schwere Gepäck gibt uns den Rest. Aber die Landschaft ist wunderschön, immer wieder kommen neue schneebedeckte Berge um uns herum zum Vorschein. Mühsam sind einzig die Bremsen, die uns den ganzen Trek über belästigen und unnötige Energie von uns rauben. Wir kämpfen uns immer weiter hoch. Alles was wir heute noch schaffen, müssen wir am nächsten, anspruchsvollsten Tag nicht mehr erklimmen. Auf ca. 4300 Meter ist für uns Schluss. Es wird schon dunkel, schöne Fotos sind leider nicht mehr möglich, wir haben aber auch keine Kraft dazu. Während wir bei Sonne im T-Shirt wanderten wird es ohne Sonne schnurstracks eiskalt. Das Panorama ist traumhaft, schöne Gipfel in beide Richtungen. Wir kuscheln uns ins Zelt, kochen Nudeln und versuchen zu schlafen. Obwohl wir toderschöpft sind, fällt dies aufgrund der Höhe und der frostigen Kälte gar nicht so einfach. Wir tragen 6 Lagen Kleidung inklusive Winterjacke, Mütze und Handschuhe, sind im dicken Schlafsack und frieren trotzdem noch extrem! Wir haben den Kochtopf zum Einweichen bis zum Rand mit Wasser gefüllt und dieses ist am nächsten Morgen vollständig eingefroren!

Der höchste Punkt der Wanderung

Früh geht es am nächsten Morgen weiter zum Punta Union hoch, dem mit 4750 Meter höchsten Punkt des Treks. Jeder Schritt ist ein Kampf, aber wir schaffen es und werden mit traumhafter Rundumsicht belohnt. Dann müssen wir abwärts, bevor wir unser Gepäck verstecken und noch einen längeren Umweg zum wunderbaren Gletschersee Arhuaycocha machen. Wir müssen wieder ordentlich rauf laufen, was uns am Ende unsrer Kräfte und bei Anouk nach einem Sturz mit schmerzhaften Knien mittlerweile auch ohne Gepäck schwerfällt. Aber der Ausblick auf den hellblauen See mit umgebenden schneebedeckten Gipfeln ist eine wunderbare Belohnung. Im Tal, welches wir von nun an zum grössten Teil abwärts laufen müssen, finden wir einen Ort für unser Zelt mit Bach für Frischwasser. Da wir nicht das ganze Wasser mitschleifen können, verlassen wir uns auf Bäche und unseren Trinkwasserfilter, sind nur ein bisschen unglücklich über die vielen Kühe und deren Hinterlassenschaften. Die zweite Nacht auf nur noch 3900 Meter Höhe ist minim wärmer als jene zuvor, aber Frost am Zelt finden wir trotzdem am nächsten Morgen. Am letzten Tag geht es dann durch ein idyllisches Tal abwärts, teils sehr steil. Mit schwerem Gepäck ist dies auch nicht viel besser als aufwärts zu gehen, da wir die Muskeln anspannen müssen, wenn wir unsere Knie nicht zerstören möchten. Irgendwann nach Mittag haben wir auch die letzten 20 Kilometer geschafft und finden auch gleich ein Sammeltaxi welches uns zurück nach Caraz zu unserem Auto nimmt. Es reicht uns sogar noch Wäsche zu machen und zum Mechaniker zu gehen, um ein Riesenplastikstück aus unseren Reifen zu nehmen, welches sich durch unsere neuen Reifen gebohrt hat. Den holländischen Backpacker von der Woche zuvor treffen wir zufälligerweise ebenfalls wieder an.

Lima

Plaza Perú in der Altstadt

Am nächsten Tag machen wir uns auf nach Lima, die mit ca. 10 Mio. Einwohnern zweitgrösste Stadt Südamerikas (nach Sao Paolo) und Hauptstadt von Peru. Für die 8-stündige Fahrt müssen wir das erste Mal entlang der verpönten Küste Nordperus fahren. Wir verstehen die Kritik sofort. Die karge, trostlose Wüste entlang der Panamericana ist eine einzige, riesige, scheinbar unendliche Müllhalde. Oft herrscht Nebel. Wenn es Häuser gibt, dann sind es zusammenfallende Bruchbuden. Der schönste Anblick ist noch wenn am Strassenrand riesige Flächen von Chilis getrocknet werden. Ganz besonders schlimm ist das Elend in den Vororten von Lima. Die Menschen leben hier in grösstem Armut und Müll. Nicht schlecht staunen wir, als wir im gehobenen Viertel Miraflores ankommen. Hier gibt es schicke Gebäude, wunderschöne Parks, teure Läden. In diesem Viertel befindet sich auch der Schweizer Club, eine riesige Anlage mit Indoor und Outdoor Pools, süssem Spielplatz mit kleinen Chalets etc., sowie 2 Schweizer Restaurants. Hier dürfen wir (natürlich zu Schweizer Preisen 🙂) auf dem bewachten Parkplatz übernachten und die Einrichtungen nutzen. Nach 2 Nächten wirds uns zu teuer, da das Wifi nicht richtig funktioniert, die Dusche nicht heiss ist und wir inzwischen auch schon alle unseren Schweizer Gelüste im ansässigen Restaurant befriedigen konnten. So ziehen wir in ein nicht viel teureres Hotel und die letzte Nacht übernachten wir gratis bei einem Park in einem Nobelquartier. Der Grund, dass wir so lange in Lima verbringen ist der Land Cruiser. Wir müssen die Seilwinde installieren (in unsere Stossstange ein Loch boren lassen und zur Befestigung eine Adapterplatte bauen lassen). Es steht auch wieder Service an und ausserdem stellen wir fest, dass die Bremssattel nicht mehr top sind, worauf eine Anpassung vorgenommen wird und wir schon mal neue auf Vorrat kaufen. Da wir gelernt haben bei Service, Reparaturen o.ä. besser immer dabei zu sein, sehen wir in der Zwischenzeit nicht viel von Lima und können die Stadt nur am Wochenende erkunden. Lima ist direkt an der Küste, erhoben auf einem steilen Kliff mit genügend Möglichkeiten herunterzusteigen und ins Meer zu gehen – eigentlich ein spektakulärer Anblick. Wir werden aber mit der Stadt nicht richtig warm (wortwörtlich). Es hängt die ganze Zeit ein Nebel über der Stadt, was an der Jahreszeit liegt und es ist eiskalt. Alle, wir inklusive, laufen in Wintermänteln rum. Das wäre ja ok, wenn man die Möglichkeit hätte, sich in gemütliche Cafés, Restaurants, Bars oder Hotelzimmer zu verziehen. Das Problem ist nur, das alles offen gehalten ist, mit grossen Türen und Fenstern, die ständig sperrangelweit offen sind. Auch in den Innenräumen inklusive dem Hotelzimmer oder Restaurants ist es so eiskalt – im Wintermantel im Nobelrestaurant zu sitzen gehört hier zum guten Ton.
In der Altstadt bewundern wir dennoch die Kolonialbauten und geniessen im Museo del Pisco ein paar Pisco Cocktails – Pisco ist der weltberühmte Trauben-Schnaps aus Peru. Im edlen Miraflores bewundern wir Food Courts, Parks und Restaurants, bei welchem Anblick gar Zürichs Nobeleinrichtungen vor Neid erblassen würden. Krass, einmal mehr diese Ungleichheit zu sehen, wenn wir uns an die Vororte Limas zurückerinnern. In La Punta, einem Hafenviertel schauen wir Delfinen zu und geniessen leckere Ceviche (roher, aber marinierter Fischsalat – das inzwischen weltweit berühmte Nationalgericht Perus).
Wir sind begeistert von Perus Küche, welche zurecht den Ruf hat, die beste Südamerikas zu sein. Hier gibt es wieder Gewürze und Schärfe, etwas was wir in der überspitzt formuliert faden und einseitigen Reis- und Bohnenküche ab Belize vermisst haben. Die Küche ist zudem so vielfältig und hat viele Einflüsse von ausserhalb inkooperiert. Gerichte wie gebratener Reis (Einfluss aus Asien) oder Pasta (Einfluss aus Italien) mit peruanischer Pestosauce oder mit peruanischer Chili-Kartoffelkäse-Sauce oder Gulasch mit Pommes wurden vor dermassen langer Zeit integriert und neu interpretiert, dass sie längst zu den Standards gehören und auch im allerhintersten Andendorf serviert werden. Gerne wird dazu Chicha serviert. In der alkoholfreien Variante handelt es sich dabei um ein leckeres süsssaueres, würziges Getränk aus violettem Andenmais. Die alkoholhaltige Version wird auch Spuckebier genannt, da zur Fermentation der zugrundeliegenden Pflanzen Spucke verwendet wird.
Im Künstlerviertel Callao bewundern wir Murals und sind überrascht, wie schnell man sich hier hin und her bewegt zwischen Strasse mit hippen Kunstgallerien und Strassen aus zerfallenen Häusern, zwielichten Gestalten und Gestank. Wir sind froh, als wir die Stadt verlassen können und freuen uns auf die vor uns liegenden schöneren Wüsten- und Küstengegenden.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn