Wir habens nach Machu Picchi geschafft!

Von schwimmenden Inseln ins Herz des Inkareichs

Der Titicaca-See mit den schwimmenden Inseln

Unsere Woche beginnt mit einer Überraschung: Im See mitten in den hohen Anden, neben welchem wir übernachtet haben befinden sich unzählige Flamingos! Danach besuchen wir einen weiteren See – den Titicaca See, der mit einer Höhe von 3800 Meter höchste schiffbare See der Welt. Zugleich handelt es sich um den grössten See Südamerikas, ist er doch 15.5 mal grösser als der Bodensee. Der See entstand vor 60 Mio. Jahren als ein massives Erdbeben die Anden teilte und das Loch mit Gletscherwasser füllte. Gemäss Inka-Legenden ist der Titicaca See Geburtsort des wichtigsten Gottes der Inkas und zugleich des ersten Inkakönigs und Gründer des Inkareichs und wird deswegen als heilig angesehen. Heute liegt er zur Hälfte in Peru und zur anderen Hälfte in Bolivien.
Am See besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros. Die Inseln mitsamt Booten und Häusern sind vollständig aus Schilf gebaut. Damit sie nicht davon schwimmen, werden sie am Seeboden befestigt. Auf den Inseln wohnt das Uros-Volk, welches bereits vor den Inkas da wohnte. Als sie dazumal von ihrem Ursprungsort im Amazonas zum Titicaca-See kamen, wollten ihnen die Ortsansässigen kein Land geben und so haben sie sich diese Inseln gebaut. Auf einer 30cm Erdschicht wird das Schilf umgeknickt und mit zusätzlichem Schilf belegt, bis die Schilfschicht ca. 50cm bemisst. Da sich das Schilf zersetzt, müssen regelmässig neue Schichten draufgelegt werden und nach 30-40 Jahren müssen die Inseln komplett erneuert werden. Insgesamt gibt es ungefähr 80 dieser Inseln, wobei jeweils 2-3 Familien auf einer leben. Heutzutage gibt es auch 2 Schulen auf den Inseln und die Menschen leben vor allem vom Tourismus und dem Kunsthandwerk, welches sie den Touristen verkaufen. Wir machen eine Privattour mit einem Einheimischen und besuchen so 2 der kleinen Inseln und lernen einiges mehr über das Leben vor Ort. Es ist ein spezielles Gefühl auf diesem Schilfboden zu laufen, der sich stets mitbewegt. Leider war die Tour ein wenig kurz gehalten und die Inseln ein wenig ausgestorben – der Grund ist schnell klar: Im Dorf am Festland findet ein grosses Fest statt und die gesamte Inselbevölkerung ist auf dem Weg dahin. So machen wir uns ebenfalls auf den Weg zum Fest. Wir verstehen nicht genau, was gefeiert wird, aber es ist spannend für uns. Die meisten Menschen sind wie immer hier in der Gegend traditionell, bunt und fantasievoll gekleidet. Verschiedene Schulklassen und später erwachsene Gruppen jeweils von einem Dorf oder einer Insel marschieren zur Marschmusik der Polizei durch die Menschenmengen, während auf dem Podium hochrangig-aussehende Politiker im Anzug zuschauen.
Danach fahren wir weiter, zum Cañón Tinajani, ein schönes Tal mit interessanten Steinformationen. Da das Land geteilt ist zwischen verschiedenen Familien und jede Familie separat Eintritt verlangt und zudem die meisten wenig freundlich sind, ist es ein wenig frustrierend. Aber wir finden eine lokale Käserei mit nettem Besitze, wo wir zu verdammt günstigen Preisen viel leckeren gealterten Käse kaufen. In Lateinamerika ist es direkt beim Produzent, auf Märkten oder in kleinen Dorfläden im Gegensatz zu Europa stets viel günstiger als in grossen Supermärkten. Dies weil grosse Supermärkte ein neues und vom Westen importiertes Phänomen sind und die Perzeption herrscht, dass etwas, was neu ist, teuer sein muss. So macht es umso mehr Spass lokal einzukaufen und auf den Komfort von modernen Supermärkten zu verzichten.
Weiter fahren wir nach Cusco. Leider hat Raphi eine üble Infektion mit Fieber. Den Symptomen nach kommt es wahrscheinlich von Lebensmitteln, von was genau wissen wir nicht. So nehmen wir ein Hotel und Raphi kann sich zum Glück vor unserem nächsten Highlight auskurieren:

Der Inca-Trail

Als Hochzeitsgeschenk haben wir den Inka Trail nach Machu Picchu erhalten. Der 4-tägige Inka-Trail war leider bereits Monate im Voraus ausgebucht und so machen wir den 2-tägigen Trek, was ebenfalls ein unvergessliches Erlebnis isr. Es gibt ja nicht nur einen Weg für die Inkas, sondern viele und der kurze Weg, welchen wie nehmen, stösst erst kurz vor Machu Picchu zum klassischen Trail hinzu. Den Inka Trail kann man nur im Rahmen einer Tour wandern, aber da wir eine kleine Gruppe sind von 5 Personen (mit 2 US-Amis und einer Australierin) ist es eine angenehme Erfahrung. Wir werden in Cusco abgeholt, fahren zuerst im Bus und dann mit dem luxeriösen, extrem teuren, touristischen, kitschigen Machu Picchu Zug nach Chachabamba im heiligen Tal der Inkas. Da fängt unsrer Trek an, der sich zum grossen Teil immer noch im Originalzustand befindet. Immer wieder sehen wir Ruinen am Weg oder in der Ferne. Gleich zu Beginn befindet sich eine, die vermutlich ein Kontrollpunkt war, inklusive Brunnen, damit sich die Pilger reinigen konnten. Es wird vermutet, dass die Pfade nach Machu Picchu nicht jedem zugänglich waren. Wir lernen, dass Inkatrails Pfade waren, die sich von der Inka-Hauptstadt Cusco in alle Richtungen ausbreiteten und dass es 3 Arten davon gab. Der Inkatrail für den Handel wurde breit angelegt, schliesslich hatten die Inkas nur Lamas als Lastentiere und da diese nicht viel tragen konnten, wurden grosse Herden und damit breite Wege benötigt. Diese Art von Inkatrail ist heute die Autobahn /Panamericana. Dann gabs die militärischen Inkatrails, die sich in Tälern befinden, damit die Militärs nicht unnötig Kraft verschwenden. So folgt der Zug durch das heilige Tal heutzutage einem solch militärischen Inkatrail. Und dann gabs die schmalen religiösen Inkapfade durch die Berge für Pilger, wie eben dieser Inkatrail, den wir heute begehen.
An der Talwand schlängelt sich der Pfad langsam hoch, vorbei an schönen Blumen und Wasserfällen, durch Nebelwald und mit schöner Aussicht auf viele Inkaruinen, im Tal oder an den Talwänden (hauptsächlich Terrassen für die Landwirtschaft). Ein Highlight sind die steilen Winay Wauna-Ruinen. Die Stätte diente wohl zur Lebensmittelversorgung, als Rastplatz und zur Reinigung vor dem weiteren Weg nach Machu Picchu. Exakt in der Mitte zwischen Winay Wauna und unserem nächstem Stopp, dem Sun Gate haben die Inkas einen Rastplatz errichtet, sie konnten also schon damals präzise messen. Nach einer enorm steilen Treppe, auch Gringo Killer genannt erreichen wir dann das Sun Gate, wo wir das erste Mal einen Ausblick auf Machu Picchu haben. Für Anouk war es ein Traum Machu Picchu zu besuchen seit sie als Kind in einem Reisemagazin ein Bild davon gesehen hat und daraufhin ihre Pinnwände und Agenden damit beklebt hat. Nun 20 Jahre später ist der Traum in Erfüllung gegangen, was für ein Gefühl Machu Picchu endlich mit eigenen Augen zu sehen! Leider ist es aufgrund von Waldbränden sehr dunstig, aber es ist trotzdem sehr imposant. Das Sun Gate diente wohl als Kontrollpunkt für Machu Picchu-Besucher. Vom Sun Gate laufen wir vorbei an einer Begräbnisstätte und weiter zum Guardians House von Macchu Picchu. Dort wachten die Wächter wohl dazumal über der Stätte und wo heute, dank des guten Überblicks die typischen Fotos geschossen werden. Dann laufen wir runter ins Tal zum Dorf Aguacalientes, wo wir lecker essen und übernachten. Wir probieren das erste Mal Alpaca-Filet, was extrem lecker ist. Alpacas sind kleiner und flauschiger als die Lamas, während Lamas grösser sind und einen länglichen, pferdeartigen Kopf haben. Lamafleisch wird nicht gegessen, da Lamas Syphillis haben.

Machu Picchu

Am nächsten Tag gehts wieder hoch nach Machu Picchu – erst dann haben wir die richtige Führung durch die Ruinen.
Machu Picchu, eines der sieben neuen Weltwunder (nach Chichen Itza in Mexico das zweite dieser Reise), ist wahrlich eine Sensation. Es handelt sich zwar nicht um die wichtigste Inka-Ruine von dazumal, denn diese befinden sich in der damaligen Hauptstadt Cusco. Aber es ist definitiv die am Besten erhaltene Ruine. Erst 1911 wurde die überwucherte Ruine wieder erschlossen. Davor war sie gute 400 Jahre lang verlassen. Auch heute noch sind 70% der Ruinen im Originalzustand, was ein sehr hoher Anteil ist, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie sich im für Bauten schädlichen Regenwald befinden und unzählige Erdbeben und sonstige Naturkatastrophen überlebt haben. Diese Widerstandsfähigkeit ist der extrem guten Bauweise der Inkas zu verdanken. Die vielen Terrassen haben nämlich nicht nur zusätzlichen Platz für Landwirtschaft ermöglicht, sondern den Städten auch mehr Stabilität gegeben. Die Bauten sind unter der Erde zwecks der Stabilität in etwa gleich nochmals so riesig wie an der Oberfläche. Verschiedene Erd- und Steinschichten sorgen zusätzlich für optimales Absickern von Wasser. Weiter haben die Inkas wohl rausgefunden, wo es einen Riss in der Erdplatte gibt, auf diesem Spalt nicht mehr gebaut und so ermöglicht, dass es eine Pufferzone gibt, die verhindert, dass sich die Bauten gegenseitig beschädigen. Am krassesten ist aber die Steinhauerei: Die Steine sind so exakt aufeinander zugeschnitten (ohne Metallwerkzeug), dass kein Mörtel oder sonstiges Klebeprodukt gebraucht wird, sondern die Steine nur aufeinander gelegt werden. Winkelförmige Ecksteine geben den Bauten die restliche Stabilität. Dies alles wurde bewerkstelligt ohne Nutztiere, ohne Eisenwerkzeuge und die teils riesigen, viele Tonnen schwere Steine wurden von Hand transportiert. Je präziser die Steine geschnitten sind, desto wichtiger das Gebäude. Der Sonnentempel ist zum Beispiel sehr wichtig, was man sofort an der präzisen Bauform erkennt. Neben der Anbetung des Sonnengotts hatte der Tempel wohl noch weitere Funktionen: Die beiden Fenster sind exakt so gelegen, dass bei Sonnen- und Wintersonnenwende, die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen. So konnten die Jahre gezählt werden und das Sturmphänomen El Nino, welches alle 3-4 Jahre stattfindet, vorausgesagt werden. Damit konnten die Herrscher die Stadt auf die schlechten Zeiten vorbereiten und wurden zugleich als göttlich angesehen, in dem sie ihr Vorhersagetrick geheim hielten. Da Machu Picchu dermassen lange verlassen war, ist jedoch auch heute noch vieles ein Rätsel. Aber was wir da für ein Meisterwerk sehen, begeistert uns – Machu Picchu ist zurecht ein neues Weltwunder.

Cusco

Nach der Tour haben wir noch ein paar Tage Zeit die ehemalige Hauptstadt der Inkas zu bewundern. Cusco ist die älteste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent, ist sie doch seit über 3000 Jahren bewohnt. Von hier aus haben die Inkas vom 13. bis anfangs 16. Jahrhundert über ihr gesamtes Reich, welches sich zu Spitzenzeiten über grosse Teile Perus, Ecuadors, Bolivien, Argentinien und Chile erstreckte und etwa 10 Mio. Menschen umfasste, geherrscht. Nachdem die Spanier Cusco 1533 erobert haben, wurden viele Gebäude der Inkas zerstört oder mit neuen Gebäuden überbaut. So auch der Qoricancha Sonnentempel, der wohl wichtigste religiöse Tempel der Inkas. Wir besichtigen den Tempel, der wirklich speziell aussieht. Die grundlegenden Mauern sind Überbleibsel der Inkas und in deren akribischen Art was Steinhauerei anbelangt, gebaut. Darauf wurde eine Kirche im typischen Kolonialstil der Spanier (Convento de Santa Domingo) draufgesetzt. Qoricancha war vor Ankunft der Spanier scheinbar komplett mit Gold überzogen, aber die Spanier haben das Gold geplündert und den grössten Teil vom Originalbau zerstört. Weiter schauen wir uns Sacsayhuaman an, die grösste Militärbasis der Incas auf einem Hügel mit Überblick über Cusco. Die Festung wurde mit riesigen, bis zu 4.5 Meter hohen und 125 Tonnen schweren Steinen gebaut, die ebenfalls präzise passend gemacht wurden und zu welchen heute nicht geklärt ist, wie sie von zum Teil 20km weit entfernten Steinbrüchen nach Cusco transportiert wurden. Ansonsten gefällt uns Cusco auch sehr, neben den unzähligen Sehenswürdigkeiten gibt es hübsche Gassen zum erkunden und eine riesige Vielfalt an Restaurants und Bars. Das Wochenende verbringen wir mit Jhanet, einer entfernten Coucousine von Anouk, entdecken mit ihr das Nachtleben Cuscos und feuern Jhanet am Sonntag bei einem Motocross Rennen an.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn