San Blas Inseln

Mit dem Segelschiff auf einen neuen Kontinent

Nach unseren 3 Tagen in Portobelo ohne fliessend Wasser und am letzten Tag auch noch ohne Strom konnten wir endlich unsere Überfahrt nach Kolumbien antreten. Mit dem Segelschiff werden wir in 5 Nächten von Portobelo in Panama nach Cartagena in Kolumbien segeln. Damit ist das Kapitel Nord- und Zentralamerika abgeschlossen und wir kommen nach Südamerika, wo wir beide noch nie waren.

Riesige Seesterne bei den San Blas Inseln

Auf dem Segelschiff sind wir eine gemischte Gruppe – ein dänisches Pärchen, ein englisches Pärchen, ein argentinischer Motorradfahrer und zwei US-amerikanische Fahrradfahrer. Der Captain ist Australier und seine kolumbianische Frau verwöhnt uns kulinarisch. Im 60-jährigen Segelschiff machen wir zuerst 3 Tage lang Inselhopping auf den San Blas Trauminseln, bevor wir die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer antreten.
Die ersten 3 Tage auf den Inseln sind paradiesisch. Die San Blas Inselgruppe gehört zwar zu Panama, wird aber autonom vom indigenen Kuna-Stamm verwaltet und besessen. Insgesamt gehören über 365 Inseln dazu, nur rund 50 davon sind von den Kuna bewohnt. Die Kuna mussten lange um ihr Recht kämpfen, auf den Inseln wohnen zu bleiben und haben es dann 1930 endlich geschafft, sich Autonomie für die Inseln zu sichern und die Garantie da einigermassen ungestört zu leben. Während sie früher unbekleidet, nur mit reichlich Körperbemalung verziert waren, haben Missionare sie überzeugt Kleidung zu tragen. Darauf haben sie wunderschöne bunte Tücher als Kleidung entwickelt, die mit denselben Motiven bestickt sind wie ursprünglich die Körperbemalung. Interessant ist auch, dass es sich um eine matriarchalische Gesellschaft handelt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Besitztümer den Frauen gehören oder dass ein Ehepaar zur Familie der Frau zieht. Wir sehen wie die Kuna noch immer sehr einfach in ihren Strohhütten leben, den Lebensunterhalt meistern sie durch Fischen oder den Verkauf von Kokosnüssen ans Festland. 100 Kokosnüsse bringen ihnen dabei 60 US-Dollar ein. Deswegen wäre es im Vergleich zu anderen Orten auch verpönt wenn wir hier Kokosnüsse einsammeln und verspeisen würden, selbst wenn die Insel unbewohnt ist – Kokosnüsse sind hier Geld.

Sonnenuntergang in San Blas

Zum Fischen oder zur Fortbewegung benutzen die Kunas selbst geschnitzte Holzkanus. Hin und wieder kommen sie damit vorbei zu unserem Boot und bieten handgemachte Schmuckstücke an, verkaufen uns frisches Eis für die Kühlbox oder frischgefangene Lobster (12 Dollar für 1 KG), aus welchen die Frau des Captains uns ein leckeres Gericht zaubert.

Die Ave Maria in San Blas

Wir besuchen natürlich nur ein Bruchteil der Inseln, schnorcheln bei den Riffen um die Inseln und einmal um ein Schiffswrack, fasziniert ab den vielen bunten Fischen oder den riesigen Mantarochen. Bei einer unbewohnten Insel befestigen wir Hängematten, wer will kann die Nacht drin verbringen. Auf der Insel grillen wir Steak und schlürfen Cocktails aus der Kokosnuss und geniessen bei einem Lagerfeuer die vielen Sterne. Wie es in den Tropen halt so ist, regnet es auch zwischen durch, aber nicht so dass es störend ist – im Gegenteil, es ist eher erfrischend. Die Gruppendynamik ist gut und wir haben es lustig untereinander.

Raphi auf der Ave Maria

Nach drei Tagen bei den San Blas Inseln folgt die 36-stündige Überfahrt auf dem offenen Meer. In der ersten Nacht werden wir von 3 Stürmen heimgesucht, was ungewöhnlich viele sind. Auf diesem winzigen, alten Boot in den riesigen Wellen ist dies ein wenig unheimlich. Immerhin können wir uns gemütlich reinverziehen und müssen nur mit der stickigen Luft leben, da wir die Fenster nicht öffnen können und der Wohnraum doch sehr eng ist. Nur der Captain muss draussen ausharren sowie Raphi, der aufblüht, überall mithelfen will und auch mal das Steuer übernimmt. Am Schluss sind sich alle einig, dass Raphi als letzter ausgesetzt auf der Insel überleben würde und er hat den neuen Übernamen ‚the Swiss Bear Grylls‘ (der Text wurde von Anouk geschrieben :)).
Die Stimmung am Tag auf offener See ist ruhig – die meisten sind entweder seekrank oder aufgrund der Seekrankheitstabletten müde. Uns geht es beiden gut – Raphi hilft weiter mit und Anouk geniesst es in Ruhe ein Buch zu lesen. Einmal schauen Delfine vorbei, die wir leider nicht auf Kamera kriegen. Die letzten Stunden in der letzten Nacht sind dann nochmals aufregend – wobei wir manches aufgrund unseren guten Schlafes nur am Rande mitbekommen. Wir fahren in den Hafenkanal von Kolumbien. Die Küstengarde Kolumbiens kommt vorbei und durchsucht mitten in der Nacht das ganze Boot. Nachdem sie fertig sind, erwähnen sie, dass wir schnell weiterfahren sollen, da ein Containerschiff kommt (und der Kanal ist eng). Dummerweise stellen wir fest, dass das Seil, welches das kleine Motorboot hinterherzieht sich in unsrer Schraube verfangen hat. Panik bricht aus und spätestens dann sind wir alle wach. Es gibt keine professionellen Taucher an Bord und so opfert sich der Captain dann und taucht mitten in der Nacht in die verschmutzten Kanalgewässer ein und schafft es irgendwie das Seil zu zerschneiden und entwirren. So können wir dem Containerschiff nochmals glimpflich entkommen und kommen mitten in der Nacht in der Bucht von Cartagena an. Am nächsten Morgen fährt uns der Captain in kleinen Gruppen mit dem ‚Dingy‘, dem Motorboot an Land. Es bleibt bis am Schluss spannend, denn bei uns, als letzte Gruppe, fällt der Motor aus und geht nicht mehr an. Zumindest bei Anouk bricht die Angst aus nun noch im letzten Moment im Hafen von Cartagena zu versinken / bzw. durch die grossen Wellen nass zu werden mitsamt unsrem Gepäck und wertvoller Elektronik. Mit Teamarbeit schaffen wir es das Dingy wieder zum Laufen bringen und unsere Drohne, Kamera und Laptop trocken an Land zu bringen.

Ankunft in Cartagena

In einem Shawarma Restaurant mit Wifi belagern wir bis spät Nachmittags die Tische bis endlich unsere Pässe gestempelt zurückkommen. Mit dem vielen Gepäck nehmen Raphi und ich ein Uber zum Hotel. Wir sind überfordert mit den Eindrücken unterwegs. Alles ist so ganz anders als in Zentralamerika. Kolumbien und Panama sind so nah, die direkte Strasse nur durch die Darién Gap getrennt aber doch ist alles so fremd hier. Wir können es noch nicht beziffern. Ist es Weitläufigkeit? Sind es die die uns gänzlich unbekannten Shopnamen? Sind es die Menschen oder die Musik, die hier anders aus den Boxen klingt? Wir merken, wir sind an einem ganz neuen Ort angekommen, den wir nicht mehr so leicht vergleichen können. Wir sind in Südamerika, für uns beide neben der Antarktis einzige Kontinent, den wir davor noch nicht kannten. Wir sind wo ganz Neues und wir sind aufgeregt!

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn