Containerschiff auf der Durchfahrt

Die berüchtigte Darién Gap, der legendäre Kanal und die Stunde der Wahrheit

Nach unseren Land Cruiser- Schrumpfbemühungen in Panama City fahren wir weiter östlich in die berüchtigte Darién Provinz. Unser Ziel ist das Ende der Strasse und der Beginn der sogenannten Darién Gap – der Grund wieso wir überhaupt verschiffen müssen.

Die Darién Gap und der Grund für die Verschiffung

Angekommen in Yaviza, wo die Panamericana endet

Die Darién Gap ist eine ca. 100 Kilometer lange Lücke in der Panamericana zwischen Panama in Zentralamerika und Kolumbien in Südamerika. Durch den dichten Dschungel wurde nie eine Strasse gebaut. Man könnte die Darién Gap zwar zu Fuss durchqueren, was aber illegal ist und womöglich tödlich endet. Es handelt sich schliesslich, um eine der gefährlichsten Regionen weltweit: Einerseits ist der Dschungel kaum erschlossen, dass man sich verirrt ist deswegen sehr wahrscheinlich. Weiter gibt es jede Menge gefährliche, teils tödliche Tiere, Schlangen, Amphibien, Insekten. Zudem wird der Darién Dschungel grösstenteils von der kolumbianischen FARC Guerilla Armee und Drogenkartellen kontrolliert. Wenn diese von der Anwesenheit von Zivilisten Wind bekommen, ist mit Mord oder Entführung zu rechnen oder damit, dass man Unmengen an Geld bezahlen muss, um lebendig wieder rauszukommen. Und als ob das nicht genug wäre, liegen auch noch Mienen rum.
Der Randteil des Dschungels auf Panamaseite könnte man mit Führer besuchen, aber für das fehlt uns die Zeit. So fahren wir bis ans Ende der Panamericana von Alaska in Yaviza, wo die Strasse vor einer Fussgängerbrücke endet. Auf der anderen Seite gibt es noch ein paar Häuser und dann fängt der berüchtigte Darién Dschungel an. Es ist alles nicht sehr spektakulär, Yaviza als Dorf sehr arm, aber trotzdem finden wir es irgendwie spannend und reizvoll bis ganz ans Ende zu gehen. Bereits in der gesamten Darién Provinz merkt man, dass es hier anders ist – alle paar Kilometer folgt eine Militärkontrolle, es soll sicher gestellt werden, dass niemand was schmuggelt und niemand auf die Idee kommt auf diesem Weg nach Kolumbien zu reisen. Traurig ist wiederum der Müll, der sich neben der Panamericana teilweise richtig häuft und streut. Auf dem Weg zurück nach Panama City machen wir einen Abstecher an die Pazifikküste. Hierhin verirrt sich normalerweise kein Tourist, die Strassen abseits der Panamericana sind nicht mal in Google Maps erfasst. Aber es gibt sie und so fühlen wir uns ziemlich abenteuerlich, als wir diese Strassen erkunden und dabei ca. 10 Flüsse durchqueren müssen. An den einsamen Strand, der uns von Alejandro aus der Overland Embassy empfohlen wurde, kommen wir leider nicht – der Weg ist zu überwachsen. Aber der Abstecher war trotzdem schön, die Menschen auf dem Land sehr freundlich, wir begegnen einem Faultier auf der Strasse und der grössten Spinne, die wir je gesehen haben. Unterwegs findet Raphi Holz, das er zu Rampen sägt, die den Radwechsel bei der Verschiffung erleichtern sollen.

Letzte Vorbereitungen und Sightseeing in Panama City

Panaviera Rooftop Bar

Dann fahren wir nach diesem mehrtätigen Ausflug zurück nach Panama City. Dort haben wir uns bei der Albrook Mall, der grössten Mall der Americas, verabredet. Man kann da ein gutes panamisches Pulled Beef Sandwich essen, und auf dem Parkplatz kostenlos übernachten – was will man mehr bei einem Overlander Treffen. Die zwei Deutschen in ihrem VW Crafterbus sind bereits ähnlich lange wie wir unterwegs, gehen nun aber wieder nordwärts Richtung Kanada und Alaska. Da sie etwa zu 40% unterwegs arbeiten haben sie länger Zeit und Budget wie wir. Leider finden wir auch in der Albrook Mall keine neuen Trekkingschuhe und so gehts weiter zurück zur Overland Embassy, wo wir unsere Stahlfelgen noch mit Gummi bekleben möchten damit keine Beschädigungen am Container entstehen, Grossputz machen und ein paar Kleinigkeiten reparieren wollen. Leider ist wieder mal Pipi aus der Toilette ausgeleert und so lassen wir neben unsren Sitzen auch die Teppiche professionell reinigen. Inzwischen sind auch unsere Container Buddies Aurore und Salah aus Frankreich in der Embassy eingetroffen. Wir treffen dort weitere Overlander – zwei Pärchen aus den USA, ein holländisches Pärchen, ein ausgewanderter französischer Youtuber, ein deutsches Pärchen, ein texanischer Motorradfahrer und ein kanadisches Pärchen, welches wir bereits kurz in Mexico und Nicaragua angetroffen haben. Die individuellen Stories und Lebensweisen dieser Reisenden sind immer so spannend anzuhören und geben auch neue Ideen und Perspektiven. So verbringen wir ein paar Tage in der Overland Embassy, arbeiten fleissig, schaffen es aber auch mal mit den anderen ein Bier trinken zu gehen oder Pizza zu bestellen. Einmal müssen wir zu einer Behörde, um von Polizeibeamten unser Auto, die VIN, Motornummern und deren Übereinstimmung mit Dokumenten für die Verschiffung inspizieren zu lassen. Ja es ist sehr wichtig, dass immer alle Nummern genau stimmen, sonst gibt es grosse Probleme. Danach, wird ein neues Dokument erstellt mit wieder denselben Autoangaben. Ironischerweise befinden sich ausgerechnet auf diesem Dokument wieder Fehler: Unsere Container Buddies fahren einen roten „Fitat“ statt einen weissen Fiat. Ja, rot und weiss kann man leicht vertauschen. Nachdem wir mit allem fertig sind, erkundigen wir mit unseren Container Buddies endlich Panama City: Wir besuchen Casco Viejo – die Altstadt. Sie ist UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt die hübschen alten Kolonialbauten. Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut, nachdem die alte Panama City beinahe vollständig durch Piraten zerstört wurde. Das Viertel ist wunderschön, herausgeputzt, überall durch die Polizei überwacht. Da wirkt es umso surrealer, dass sich gleich nebenan der Abfall nur so türmt und die Kinder im Müll spielen. Ja, Panama City. Eine schöne Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten, aber die Ungleichheit ist einfach zu extrem. Wir haben in ganz Zentralamerika inklusive Mexico bisher nirgendwo solchen Luxus gesehen. Gleichzeitig haben wir auch nirgendwo bis jetzt solchen Elend und solche Müllberge gesehen. Auf den Salat für 20 US Dollar in Casco Viejo verzichten wir, finden aber im legendären Coca Cola Café einfaches, leckeres panamisches Essen für 5 Dollar. Es ist das älteste Restaurant Panamas, wo auch schon Che Guevara oder Theodore Roosevelt eingekehrt sind. Am nächsten Tag suchen wir den Mercado de Mariscos auf, den grossen Fischmarkt Panamas. Vor lauter Wäsche waschen und anderen Arbeiten verpassen wir leider den Markt, aber bei den Ständen probieren wir ein paar günstige frische Fischgerichte, unter anderem natürlich das in ganz Lateinamerika beliebte Ceviche. Der schönen Uferpromenade entlang laufen wir ins Viertel Punta Pacifica, wo sich ein Grossteil von Panamas Skyline befindet. Hier gönnen wir uns als Abschied von der Stadt in einer Rooftop Bar im 66. Stockwerk mit herrlicher Aussicht noch einen Drink bevor wir das Uber zurück zur Mall nehmen zum Übernachten.

Der Panama Kanal

Schiffspotting beim Panamakanal

Den nächsten Tag machen wir einen Spaziergang im riesigen Stadtpark Parque Natural Metropolitano, um die schöne Aussicht auf Panama City zu geniessen und werden den restlichen, letzten Tag mit dem Land Cruiser zu Schiffspottern. Bei den Pedro Miguel Schleusen und in Gamboa, beides entlang des Panama Kanals schauen wir mit unseren Container Buddies den riesigen Dampfern zu. Obwohl schon vor 500 Jahren die Idee aufkam einen Kanal zu bauen, welcher die Karibik mit dem Pazifik verbindet, wurde erst Ende 19. Jahrhundert damit angefangen. Der erste Versuch der Franzosen misslang – aufgrund von Fehlplanungen und Tropenkrankheiten starben 25’000 Menschen. Der zweite Versuch der USA Anfang 20. Jahrhundert war dann erfolgreich. Danach folgten immer wieder Streitigkeiten über Besitz und Zuständigkeiten zwischen Panama und den USA- erst 1999 hat die USA sämtliche Rechte und Verantwortlichkeiten an Panama abgegeben. 8 bis 10 Stunden dauert die ca. 80 kilometerlange Kanaldurchfahrt. Kein Wunder haben wir in Panama City so viele Schiffe gesehen, die alle auf die Durchfahrt warten. Eine Durchfahrt ist kein Schnäppchen – bis zu 450’000 US Dollar kann sie kosten, je nach Volumen. Ungefähr 2 Milliarden Dollar werden damit jährlich generiert. Vielleicht bekommt der Kanal aber bald „anti-westliche“ Konkurrenz. Die Chinesen haben schon vor Jahren einen Deal mit Nicaragua abgeschlossen, um in Nicaragua einen Kanal zu bauen. Obwohl das Projekt lange auf Eis gelegt war und die dafür gegründete Kanalbau-Firma hauptsächlich für Geldwäsche genutzt wurde, wird das Projekt Gerüchten zufolge mit den derzeitigen Spannungen zwischen China, Nicaragua, Russland versus USA wieder aktueller. Die letzte Nacht im Land Cruiser geniessen wir direkt am Kanal bevor wir am Montag Morgen nach Colón für die Verladung fahren.

Die Verschiffung und Wasserprobleme

Mit unseren Container Buddies und Alejandro, der auch noch vorbeigeschaut hat

Wir kommen extra früh an, damit wir schon mal die Stahlfelgen montieren können. Raphi hat an alles gedacht, die Montage funktioniert einwandfrei. Zuerst verladen wir den Land Cruiser auf den Abschleppwagen, damit er auf der richtigen Höhe in den Container gerollt werden kann. Damit ist die Stunde der Wahrheit gekommen – und siehe da, es funktioniert! Es bleibt höchstens ca. 1 cm Spielraum, aber wir schaffen es rein – langsam – aber es klappt. Der Fiat unsrer Container Buddies ist weniger hoch und stellt somit kein Problem dar. Allerdings ist er breit, womit es eine wirkliche Herausforderung ist, nach dem Befestigen der Autos mit Spanngurten wieder hinaus zu klettern. Aber auch das klappt nach mehreren Anläufen. Dann wird der Container geschlossen und versiegelt. Unser Agent Boris hat schon alle Formalitäten erledigt und uns den Stempel im Pass geholt, damit wir das Land verlassen können. Wir dürfen das Land sonst nicht verlassen, wenn nicht bewiesen ist, dass das Auto ebenfalls draussen ist. Nach ein paar Erinnerungsfotos und einem Bier ist dann der Abschied angesagt. Die anderen fahren zurück nach Panama City, wir werden von Boris zum Busbahnhof von Colón gefahren. Endlich können wir mit einem dieser restaurierten, wunderschön bemalten, haarsträubend-fahrenden, US Schulbussen fahren, von welchen es in Zentralamerika nur so wimmelt. Komfort ist anders, die Sitze sind ursprünglich ja für Kinder gedacht, aber es ist ein Erlebnis. Mit lauter Partymusik und innen blinkenden Lichtern werden wir für ca. 1 Dollar 1.5 Stunden lang nach Portobelo gefahren. Im verschlafenen karibischen Kaff wird 2 Tage später unser Segelturn nach Kolumbien ablegen und so bleiben wir hier in einem Airbnb bei einer sympathischen Familie (sie mit aufgeweckter Tochter aus Kamerun, er aus Kanada). Wir freuen uns darauf nach vielen Tagen ohne, wieder mal zu duschen und Handwäsche zu machen bevor wir 5 Tage auf dem Segelboot ohne Frischwasser verbringen. Umso frustrierter sind wir, als wir erfahren, dass im ganzen Dorf das Wasser abgestellt wurde. Wir können nicht duschen, nicht waschen, keine Hände waschen, nicht spülen. Und das im reichen Panama. Was für uns nur vorübergehend ein grosser Frust ist, ist für die Menschen hier Alltag. Aber eben, hier grüsst wieder mal die Ungleichheit. In Panama City besteht bei manchen die grösste Sorge wahrscheinlich daraus, sich auf dem Weg in den Prada Store der grössten Mall von Nord- und Südamerika zu verlaufen, während die Leute im Dorf tagelang nicht mal fliessend Wasser haben. Naja uns bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen uns mit Regenwasser in Kübeln auszuhelfen so gut es geht. Heute Abend geht dann unser Segeltrip nach San Blas los. Bis jetzt hat es in Portobelo geregnet, vielleicht schaffen wir es noch die eine oder andere Festung anzuschauen. Portobelo war zu Kolonialzeiten eine wichtige Hafenstadt, die von schweren Festungen geschützt wurde. Die Überbleibsel sind noch zu besichtigen, sind auch als UNESCO Weltkulturerbe geschützt. Sie sind aber so am zerfallen, dass sie auf die Rote Liste aufgenommen wurden, womit gedroht wird den Weltkulturerbestatus wieder zu streichen. Das wars mit unsrer Woche, nächstes Mal melden wir uns hoffentlich von Kolumbien.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn

Unsere Route seit Reisebeginn durch Nord- und Zentralamerika:

Unsere Route bis Panama