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Canyons, 4×4-Fahrten und Wintereinbruch im einzigartigen Utah

Wir haben eine weitere fantastische Woche in Utah verbracht, aber nun holt uns der Winter ein und so fahren wir weiter.

Hole-in-the-Rock Road

Die Hole-in-the-Rock Road ist eine Nebenstrasse der Scenic Route 12 und führt 100km bis zum Lake Powell. Sie wurde ursprünglich um 1880 von mormonischen Pionieren «gebaut» im Versuch eine Abkürzung über den Colorado River (welcher mit dem Lake Powell gestaut wird) zu schaffen. Entlang der einsamen Hole-in-the-Rock Road befinden sich jede Menge Slot Canyons und weitere Sehenswürdigkeiten. 

Speziell waren die verschiedenen Wanderungen zu den Zebra, Peek-a-boo und Spooky Slot Canyons (sehr schmale Schluchten). Diese Slot Canyons sind extrem schmal und teils auch steil. D.h. wir mussten klettern und uns durchpressen. Wenn der Spalt unten zu schmal war, mussten wir die Canyonwände weiter hoch bis zu einem grösseren Canyonwand-Abstand und uns dann durch Abstemmen von Armen, Füssen und Hintern vorwärtsbewegen. Platzangst ist hier fehl am Platz. Der Zebra Canyon war dem Namen entsprechend wie ein Zebra gestreift, die anderen hatten eine rote Färbung, die je nach Sonnenstand und Reflexion der Sonnenstrahlen besonders schön zur Geltung kam. 

Ein weiterer Halt entlang der Hole-in-the-Rock Road war der Devils Garden – eine Gegend voller orange-weisser Sandsteinformationen wie z.B. Brücken, Hoodoos (Säulen) etc.

 

Raphi klettert im Hole-in-the-Rock

Wir sind bis ans Ende der Strasse gefahren bis zum eigentlichen Hole-in-the-Rock. Spätestens als irgendwann in der Mitte der Strecke, die Dirtroad zu einem 4×4 Track wurde, verloren wir auch noch die letzten anderen wenigen Touristen. Das Hole-in the Rock ist eine Spalte zwischen den riesigen Felswänden welche von den Mormonen als Zugang zum Lake Powell benutzt wurde. Mittlerweile wurde der extrem steile Weg durch diese Spalte durch riesige Felsbrocken komplett zerstört. Den Land Cruiser mussten wir oben lassen, mit viel Mühe konnten wir aber runterklettern. Kaum zu fassen, dass durch diesen steilen schmalen Spalt mal Wagen durchgezogen wurden. Am Lake Powell unten findet Raphi eine Schatzkiste – eine verlassene Werkzeugkiste, die wahrscheinlich an Land gespült wurde, spannend. Der Wasserstand des zweitgrössten Stausees der USA ist aufgrund von Trockenheit traurigerweise extrem niedrig. In Kanab wurde uns erzählt, dass Leute um 5 Uhr morgens anstehen, um ihr Boot ins Wasser zu lassen, da fast alle Bootrampen aufgrund des niedrigen Wasserstandes geschlossen wurden. 

Steven’s Arch beim Coyote Gulch Canyon

Neben den schmalen Slot Canyons gibt es entlang der Hole-in-the-Rock Road auch Zugang zu grösseren Canyons und so entschliessen wir uns dazu eine Tageswanderung im Coyote Gulch Canyon zu unternehmen. Die Wanderung war eine ziemliche Herausforderung. Um in den Canyon runterzukommen, mussten wir zu einem «Crack in the Wall» – einem ca. 30 cm-weiten Riss eines Felsen vor der Canyonwand wandern. Dort mussten wir uns durch diesen Riss hinunterzwängen und bis zur Bachsohle des Canyons absteigen, um dort im Canyon weiter zu wandern. Dies war dann wunderschön. Der Bach (Coyote Gulch) bietet im rotgoldenen Canyon mit den steilen, bis 200 Meter hohen Wänden Grundlage für eine üppige Vegetation, welche einen wunderschönen Kontrast darstellt. Entlang der Canyonwände gibt es viele Einbuchtungen und zusammen mit dem Wasser, das da runtertröpfelt, führt dies zu wunderschönen hängenden Gärten. Hinzu kommen noch die riesigen Arches (= Sandsteinbögen und -brücken) und Höhlen, sowie die vielen kleinen Wasserfälle / Kaskaden des Coyote Gulch. Schade nur, dass viel Vegetation aufgrund der Jahreszeit ergraut ist – Frühling, Herbst und auch Sommer müssen hier magisch sein. Dafür sahen wir jede Menge Eisblumen. Auch mussten wir wieder und wieder den Bach überqueren, was bei der Kälte mühsam werden kann. Schliesslich haben wir es durch eine Mischung aus Brückenbauen aus Holz und Stein, Zähne zusammenbeissen und barfuss durchqueren und Wanderstab-Hochsprung geschafft, dass die Schuhe trocken blieben.

Der Ausstieg aus dem Canyon war ein wenig zu krass. Wir mussten eine steile Canyonwand hochklettern (nicht senkrecht, aber sehr steil), zum Teil ohne Unregelmässigkeiten, die einem Halt gaben. Wenn man an einer Stelle ankommt, an welcher man weder vor noch zurück weiss, muss man sich doch schön zusammenreissen, um keine Panikattacke zu bekommen. Schlussendlich sind wir aber heil oben angekommen und schliessen mit dieser wunderschönen Wanderung das Kapitel Hole-in-the-Rock Road ab. 

Die verschiedenen Schichten des Waterpocket Fold

Capitol Reef National Park

Weiter führt uns die Scenic Route 12 zum Capitol Reef National Park. Der Park schützt eine Gegend, die durch eine Falte der Erdoberfläche geprägt ist. Diese Falte besteht aus verschiedenen Steinschichten, die hochgepresst wurden, teils erodiert wurden und nun alle nebeneinander zum Vorschein kommen. Aus geologischer Sicht höchst faszinierend, aber auch für Laien wie uns wunderschön, da die verschiedenen Schichten durch unterschiedliche Farben geprägt sind. Natürlich gibt es auch hier jede Menge verschiedener Steinformationen und Canyons. Wir haben eine kleine Wanderung zum und auf den Sandsteinbogen Cassidy Arch gemacht. Weiter sind wir in den abgelegenen Teil Cathedral Valley gefahren, wo wir wieder mal weit und breit die Einzigen waren. Die imposanten Sandsteinformationen erinnern dem Namen gemäss tatsächlich an gotische Kathedralen. Wir haben es grad noch zur Abenddämmerung geschafft. Gerne hätten wir den sehr eindrücklichen Park und das Cathedral Valley ausgiebiger erkundigt, aber die Wettervorhersage kündigt Schnee an und wir haben noch einiges hier oben vor, bevor wir in den Süden fahren.

Rund um Moab

Moab ist eine Kleinstadt im Südosten Utahs. Zwischen 2 Nationalparks liegend und mit unzähligen Wanderwegen und 4×4-Tracks in der Gegend ist Moab ein absolutes Touristenzentrum und war auch für uns Ausgangspunkt für unsere Exkursionen. Wir haben 2 ziemlich heftige 4×4-Strecken ausprobiert, bei welchen wir wirklich nicht wussten, ob der Land Cruiser das heil überlebt. Es gab steile Felstreppen etc., zum Teil mussten wir auch selbst Treppen aus Steinen bauen, da der Land Cruiser sonst zu viel Höhe in einem Schritt überwinden hätte müssen. Einige Male hörten wir wie ein Steine unten am Auto etwas berühren, aber kaputt ging zum Glück nichts. Der panikerfüllteste Moment war, als wir an einem Hang standen, beide draussen standen, und der Land Cruiser plötzlich anfing zu rollen. Zum Glück konnte Raphi grad noch rechtzeitig reinspringen und das Auto stoppen. Bei beiden Tracks wurden wir mit grandioser Aussicht belohnt. Beim «Top of the World»-Track standen wir am Schluss auf einer steilen Klippe mit Wahnsinnsausblick auf rote Berge und Schneeberge im Hintergrund, nur leider bei schlechtem Wetter. Beim «Hells-Revenge»-Track in der Sand Flats Recreation Area hatten wir ebenfalls wunderschöne Aussicht auf die Sand Flats – Sandsteinhügel, wieder mit Schneebergen als Kulisse.

Wir haben eine Bewilligung eingeholt, die regulierte «White Rim Road» im Canyonlands National Park zu fahren. Für die 160km lange Strecke braucht man ebenfalls ein 4×4 Fahrzeug und mindestens 1 Tag Zeit, aber sie ist definitiv weniger anspruchsvoll als «Top of the world» & Co. Die Strasse durch diese weiten Canyonlands, oft einem White Rim (weissen Canyonrand) folgend war grandios. Canyons innerhalb von Canyons, steile Kliffs, faszinierende Formationen, die Green und Colorado Flüsse und einmal mehr die schneereichen La Sal Berge als Kulisse machen die Strecke zu einem weiteren Highlight. Es werden bis zu 50 Bewilligungen pro Tag ausgestellt, aber insgesamt sind wir nur 2 anderen Fahrzeugen begegnet.

Inzwischen ist es verdammt kalt geworden, in der Nacht -8 Grad, tagsüber knapp über 0 und Anouk hat sich stark erkältet. Obwohl Moab und Umgebung noch so viel zu bieten hätten, entschliessen wir uns schweren Herzens in den Süden zu fahren. Schon stark angeschlagen bei Minustemperaturen zu übernachten (keine Isolation im Land Cruiser) ist wohl nicht das Beste. Irgendwann kommen wir wieder, denn wie zu Beginn gefürchtet, unsere Utah-Noch-To-Do-Liste ist nicht kürzer geworden, sondern länger.

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Gefahrene Kilometer seit Reisebeginn